LNCrawler

Uncertain (nach Chapter 68 von NaD)

Day And Night - Perspectives — www.fanfiktion.de · All chapters

Uncertain (nach Chapter 68 von NaD)

Hinweis: Das folgende Chapter kann jederzeit nach Kapitel 68 von Night and Day gelesen werden.

50. Uncertain

- 12. November 2022 -

148 Gramm … 152 Gramm … er stöhnte genervt auf, während er mit den Stäbchen wieder etwas Reis griff und erneut angespannt auf die Waage starrte. 149 Gramm …

Wie schwer konnte es bitte sein, 150 Gramm Reis abzuwiegen?

Genervt von sich und der Welt griff er sich zwei kleine Brocken aus der Schüssel, in der sich eine vorgekochte Reisportion befand, die er sich im Kühlschrank kaltgestellt hatte, und legte sie zurück in die Schüssel, die auf der Waage stand. 151 Gramm …

‘Fuck it’, dachte er sich, schloss die Schüssel und schob sie beiseite. 151 Gramm sollten es also sein. Das war nahe genug dran. Nur noch 100 Gramm Gemüse und 200 Milliliter Brühe to go. Wenn das mal nicht zermürbend klang. Aber, was beschwerte er sich? Das hier war Teil seines zermürbenden Lebens. Ein Leben, in dem alles bis aufs kleinste Gramm abgeteilt war. Die Zeit, vor allem aber das Essen.

Das Frustessen hatte ihn fett werden lassen. Selbst wenn er es auf eine große Mahlzeit am Tag fokussierte, wie er es sonst oft und gerne tat. Vor allem um die Hüften herum konnte man sehen, dass er gerade nicht die Kraft und Kontrolle dazu besaß, sich zu bremsen, wenn es nötig war. Und er hatte keine acht Tage mehr bis zu seinem Gig in Katar … einem Gig, bei dem er vollkommen alleine auf der Bühne stehen würde. Was an sich schon nervenaufreibend genug war. Da musste er also nicht ausgerechnet sechs unerwünschte Kilogramm in Form eines Schwimmrings als Ausgleich für seine fehlenden Member mit sich auf die Bühne schleppen.

Deshalb war er auf Diät. Auf strikter Diät … 1500 Kalorien pro Tag … was gerade für jemanden wie ihn alles andere als ausreichend und einfach war. Vor allem wenn man die Verfassung bedachte, in der er sich gerade befand. Da brauchte es also System. System in Form von fünf bis sechs kleinen Mahlzeiten am Tag, damit er diesen irgendwie überstand - und sich nicht irgendwo mittendrin in Fressattacken komplett verlor.

Denn er war nicht nur zu fett, er hatte zudem ständig Hunger, schlief äußerst schlecht, bekam ihn nicht mehr hoch, hatte gerade 211 Milliliter anstatt 200 Milliliter in die scheiß Suppe, die er sich gerade zubereitete, gefüllt - und war um das Ganze zu toppen gerade maßlos verunsichert, was diese Sache mit Blondie anging … unsicher genug, um gestern stundenlang in einschlägigen Kreisen im Internet herumzusurfen.

Fast 800.000 Won hatte es ihn gekostet, um auf dem neuesten Stand der Gerüchteküche zu sein. Yejun hatte ihm geholfen … oder eher, ein Freund von diesem, der ihnen mit seiner Kreditkarte ausgeholfen hatte - glücklicherweise ohne weitere Fragen zu stellen. Es wäre aber zu riskant gewesen, seine eigene oder die von jemandem zu nutzen, den sie auf ihn zurückführen konnten.

Natürlich hätte er die Company fragen können. Aber … er traute ihnen da gerade nur bedingt. Immerhin hatte er sie in den vergangenen Monaten mehr als einmal um Updates gebeten, was diese Sache anging - und man war bisher nicht wirklich oder eher nur auf unbefriedigende Weise auf besagte Bitte eingegangen. Was bedeutete, man sagte ihm nichts: Außer, man würde ihn informieren, falls es etwas Neues gab. Und wie bereits gesagt … er traute ihnen da nicht.

Nicht nur, weil sie Blondie wochenlang beschattet hatten, ohne ihm gegenüber auch nur ein einziges Wort darüber zu verlieren - auch, weil sie gerade viel zu erpicht darauf waren, ihn als den instabilen Trottel hinzustellen, der er eigentlich nicht war. Ja, er war instabil und diese Sache hatte ihm den Boden unter den Füßen weggezogen. Dennoch musste er nicht zur Therapie, wie sie es ihm nun bereits dreimal nahegelegt hatten. Um das alles besser verarbeiten zu können.

Das hatte er. Ja, es hatte ihn zurückgeworfen, aber die Sache war: Würden sich die Anschuldigungen Blondie gegenüber bestätigen, war diese Sache für ihn Geschichte. Das Ding war jedoch, dass sie es nicht taten. Da draußen gab es einen ganzen Haufen schräger Gerüchte, keines davon klang jedoch auch nur ansatzweise so, als würde es aus Blondies Feder und Kreisen kommen. Nicht einmal ansatzweise. Und das machte nüchtern betrachtet keinen Sinn, wenn die Anschuldigungen, die man gegen sie erhob, stimmten.

Es klingelte an seiner Tür, während er seine Suppe halbherzig in sich hinein schaufelte und sinnierte. Über sich, die Welt und diese verwirrende Scheiße, die ihm neuerdings aus ganz anderen Gründen den Schlaf raubte. Ja, offensichtlich hatte Blondie geredet. Was ihm beschämenderweise nicht ganz neu war - auch wenn er sich nicht bewusst gewesen war, in welchen Ausmaßen sie mit der Tatsache, dass da was zwischen ihnen war, verbal um sich geworfen hatte. Das war aber eine andere Geschichte … eine, um die er sich weitere Gedanken machen würde, hätte er die Frage, ob die Anschuldigungen ihr gegenüber berechtigt waren oder nicht, aus der Welt geschafft.

So dämlich der Move Midori zu treffen gewesen war, er hatte etwas in ihm losgetreten. Zweifel …

“Hyung, was machst du hier?”, raunte er irritiert durch die Sprechanlage, als er diesen nach dem zweiten Klingeln durch die Gegensprechanlage am Monitor vor seiner Tür stehen sah.

“Mach auf, dann sage ich es dir”, gab Jimin zurück …

… und Jungkook machte sich, die Schüssel Suppe nach wie vor in der Hand, auf den Weg, um ihm die Tür zu öffnen. “Warum haben sie dich hier reingelassen?”, fragte er, kaum dass dies geschehen war und sein Hyung sich mit strafender Miene an ihm vorbei ins Apartment geschoben hatte.

“Was heißt hier bitte, warum haben sie mich reingelassen? Man kennt mich ebenso gut wie dich und die meisten Leute dürften wissen, dass wir uns kennen”, schoss Jimin zurück.

“Trotzdem hätten sie mich erst einmal fragen sollen, ob ich dich sehen will”, gab Jungkook zurück, während er dem älteren Mann langsam durch den Flur in den Wohnraum folgte, wo dieser innehielt und ihm einen weiteren strafenden Blick zuwarf.

“Du bist manchmal unmöglich, weißt du das?”

Jungkook zuckte mit den Schultern. War er und das wusste er. Das änderte aber nichts daran, dass man hier nicht einfach irgendwelche Leute rauf zu seiner Wohnung schicken sollte. Egal um wen es sich handelte. Dieses Apartment hatte viel Geld gekostet - gerade weil man ihnen versichert hatte, dass genau so etwas nicht passieren würde. Er würde also ein ernstes Wörtchen mit dem Pförtner sprechen müssen.

“Was willst du hier?”, hakte er seine Suppe schlürfend nach.

“Nach dir sehen”, gab Jimin zurück und sah sich in seinem Apartment um, “du ignorierst uns immerhin schon wieder.”

“Ich war beschäftigt”, gab er zurück und realisierte, dass Jimins Blick am Macbook hängen blieb, das er gestern Nacht auf dem Küchentisch hatte stehen lassen. Geöffnet, aber im Schlafmodus, wie ihm die weiße Statusleuchte andeutete.

Jimin sah ihn an. Wissend. “Was machst du? Stalkst du sie?”

Jungkook seufzte und trat rüber zum Sofa. “Nein, ich … habe mir die Gerüchteküche mal aus nächster Nähe angesehen.”

Jimin folgte ihm rüber zum Sofa. Nickte wissend. “Da ist nichts”, sagte er …

… und der Maknae sah ihn fragend und überrascht an. Aber ja … natürlich hätte er es erwarten müssen. Sie hatten ebenso einen Blick auf die Sache wie er. “Wie lange schon?”

“Ich weiß nicht. Im Grunde nahezu von Anfang an”, sagte sein Hyung und einen Moment verfielen sie in Schweigen. “Es kam mir von Anfang an … merkwürdig und unschlüssig vor.”

Jungkook sah den älteren Mann an. “Was meinst du?”

Jimin räusperte sich. “Sie wirkte ehrlich geschockt und ziemlich verzweifelt. Vor allem, als du einfach aufgestanden und gegangen bist. Und … ich habe mit Jin gesprochen. Er meinte, du scheinst ihr wirklich etwas zu bedeuten. Er war sich sicher, dass das nicht gespielt war.” Ein Schulterzucken und er fügte leise hinzu: “Wir haben es für uns behalten, weil wir dich nicht unnötig verunsichern wollten. Das war für dich auch so schon hart genug.”

“Glaubst du-”, setzte Jungkook an, stockte aber.

Nein … diese Frage, die ihm da auf der Zunge lag, konnte er sich auch so beantworten. Die Bilder waren zwar vage, aber auch zu eindeutig, um inszeniert oder gefaked zu sein. Zudem hatte sie es zugegeben. Ihre Freundin hatte sich für sie in diese Kreise eingeschleust. Um für sie Informationen über ihn heranzuschaffen. Was die Sache natürlich nicht entschuldigte oder besser machte.

“Was hältst du von ihrer Erklärung? Also … dass ihre Freundin für sie .. spioniert hat?”, fragte er leise … bedacht. Er wollte es nicht wirklich laut aussprechen, hatte aber offensichtlich keine andere Wahl.

Sein Hyung zuckte etwas hilflos mit den Schultern. “Aus unserer Sicht finde ich es scheiße. Diese Leute sind die Pest und demnach jeder, der sie und ihre Ressourcen nutzt … aber”, er sah ihn an. Eindringlich. “Haben wir alle nicht schon einmal irgendwelche Leute bei Social Media gestalkt? Und hast du nicht wenigstens einmal mit dem Gedanken gespielt, unsere Leute zu bitten, dir zu sagen, was sie gerade so macht? Immerhin wissen wir beide, dass sie sie weiterhin im Blick haben werden”, er wandte den Blick ab und seufzte, “das haben sie schließlich immer, auch wenn sie es abstreiten würden.”

Jungkook ging in sich. Und ja … hatte er darüber nachgedacht, seine Leute um weitere und ausführlichere Aufzeichnungen der Beobachtungen zu bitten. Natürlich hatte er das. Was nicht hieß, dass er davon ausging, dass sie seiner Bitte nachgekommen wären. Immerhin ließen sie ihn gerade selbst, was die Gerüchteküche anging, im Dunkeln.

Demnach hatte er sich von weiteren Nachfragen abgehalten. Auch um nicht noch instabiler zu wirken, als sie ihn bereits hielten. Um nicht labil zu sagen. Was er allerdings nicht hatte unterbinden können, war sie online zu stalken. Sie oder eher nahezu jede einzelne Person, die ihr folgte und der sie folgte, hatte er in den vergangenen Wochen wie ein Besessener durchforstet. Soweit wie möglich jedenfalls … so tief gesunken privaten Profilen zu folgen, war er nicht. Was bei all dem Elend wenigstens etwas war.

Also ja … ein wenig konnte er sie verstehen. Wenigstens das … das machte es aber nicht besser. Alles andere als das. Ebenso wenig wie die Zweifel, die es gerade alles andere als besser machten …

… und was es ebenfalls alles andere als besser machte, war die Tatsache, dass er kurz nachdem Jimin gegangen war, fast schwach wurde. Fast …

Das Fast verflüchtigte sich jedoch letztendlich keine vier Tage später, kaum dass er in Katar angekommen war - und in einer ruhigen und einsamen Minute in seinem gähnend leeren und viel zu großen Hotelzimmer zum ersten Mal seit mehr als vier Wochen ihre DMs öffnete … nur kurz. Er war so schnell raus, wie er drin gewesen war.

Aber … es hatte etwas in ihm gebrochen. Das wusste er, bevor er das Handy hastig wieder weglegte. Sich selbst verfluchte und sich auf den Weg ins hoteleigene Fitnessstudio machte, um sich dort etwas auszupowern. In der Hoffnung, dass dabei nicht nur die Schwimmringe schrumpften, sondern auch die Zweifel.

***

Hello ihr Lieben, ich hoffe, ihr hattet alle wunderschöne Feiertage - oder wenigstens ein schönes, langes und sonniges Wochenende. Leider kam ich in den vergangenen Tagen nicht wirklich voran. Ein Extra-Chapter gibt's also erst einmal nicht. Weder hier noch bei der Hauptstory. Drückt mir mal die Daumen, dass es bald wieder besser läuft …