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Therapie (nach Chapter 70 von NaD)

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Therapie (nach Chapter 70 von NaD)

Hinweis: Das folgende Chapter kann jederzeit nach Kapitel 70 von Night and Day gelesen werden.

51. Therapie

- 26. Dezember 2022 -

“Möchtest du irgendetwas anderes schauen?”, wollte Junghyun wissen. In seinem Blick lag etwas … Wissendes.

Das hier war nichts für Jeongguk. Der Film, den sie sich gerade ansehen, mochte zwar etwas haben - denn es schien sich wenigstens ansatzweise um so etwas wie einen Actionfilm zu handeln. Und die Schauspieler schienen ebenfalls was zu haben. Vor allem Talent. Zudem war die Hauptdarstellerin … interessant. Er würde sie nicht zwingend als attraktiv bezeichnen, aber sie war nicht gänzlich unansehnlich. Mit ihren roten Haaren erinnerte sie ihn an die Kleine aus ‘Das fünfte Element’. Wie auch immer sie hieß. Er hatte es bekanntlich nicht so mit Namen. Das war oft nicht einmal vorgeschoben. Vor allem nicht, wenn es um westliche Namen ging. Diese wirken ihm oft zu … komplex.

Ebenso wie Filme aus dem Westen - und um einen solchen handelte es sich hier. Blockbuster wie die Marvel-Reihe oder Klassiker wie ‘The Notebook’ oder ‘LaLaLand’ mal außen vor gelassen. Dennoch mochte er es nicht, wenn er die Dialoge nicht verstand und sich an Untertitel halten musste. Zum einen, weil er es hasste, während des Filmschauens lesen zu müssen - zum anderen jedoch auch, weil er sich dabei ohne Brille zunehmend schwerer tat. Und er mochte es nicht, seine Brille zu tragen. Er hatte sich noch nicht gänzlich damit abgefunden, dass es so weit war. Dass seine Augen zunehmend schlechter zu werden schienen. Das machte ihm einfach zu deutlich, dass er älter wurde. Dass er keine 20 mehr war.

Sein Körper zeigt ihm dies zwar auch hin und wieder, aber damit konnte er anders umgehen. Besser umgehen. Ein paar Sets mehr im Fitnessstudio waren da oft schon genug, um seinen müden und alternden Knochen wieder etwas neues Leben einzuhauchen. Seine Augen waren jedoch eine andere Geschichte.

Leider mochte sein älterer Bruder solche Filme. Brille hin oder her … er stand aufs internationale Kino. Umso exotischer, umso besser. Und ähnlich sah es beim Alter aus. Umso älter, umso besser. Sein Bruder nannte besagte Filme Klassiker. Und dieser Film hier war einer von Junghyuns Favoriten. Das wusste Jeongguk nicht nur, weil er ihn ganz sicher nicht zum ersten Mal sah, sondern weil ihm sein Bruder dies mitgeteilt hatte, bevor er ihn gestartet hatte. Darüber hinaus wirkte alles etwas … alt. Die fehlenden Handys zum Beispiel … die Kleidung. Die Autos. Die Qualität und Machart des Films.

“Nein, ist schon in Ordnung. Ich bin nur … müde. Außerdem ist alles besser als sowas wie-” Er stockte, weil ihm ‘Showgirls’ auf der Zunge gelegen hatte. Ausgerechnet ‘Showgirls’.

Dieser elende Streifen, den er und sein Bruder sich vor zu vielen Jahren heimlich zusammen angesehen hatten - und der Dinge mit ihm angestellt hatte, die er gerade nicht Revue passieren lassen wollte. Zum einen nicht, weil Eomma und Appa hier irgendwo herumschwirrten, zum anderen aber auch, weil er ihn an Blondie erinnerte - und an das, was sie angedeutet hatte, was er mit ihr angestellt hatte.

Also sie … 13 war, wenn er sich richtig erinnerte. Und das allein reichte, um ihn von allen möglichen Gedanken abzuhalten. 13 … das war schier schräg. Ebenso wie all die Fragen und Sprüche von Fans in diesem Alter, die diese ihnen immer wieder entgegen warfen. Ja, sie waren umfassend darauf geschult, damit umzugehen. Vor allem damit, Avancen dieser Art möglichst aus dem Weg zu gehen und niemandem vor den Kopf zu stoßen.

Dennoch war es maximal merkwürdig bis befremdlich. Ebenso befremdlich wie es die Tatsache war, dass dieser Film ihn gerade ausgerechnet an Blondie hatte denken lassen. “Von wann ist der eigentlich?”, fragte er also, um sich wieder auf andere Gedanken zu bringen.

Immerhin hatte es in den vergangenen fünf Wochen so verdammt gut funktioniert. Meistens jedenfalls. Diese schwachen Momente, in denen er sich doch verloren und in ihrem Posteingang wiedergefunden hatte, mal außenvorgelassen. Oder die Augenblicke, in denen er alles und jeden - allem voran sich selbst - hinterfragt hatte. Ja … nach wie vor sprach alles gegen die Geschichte der Company und damit für Blondie.

Aber … er durfte nicht vorschnell sein. Nicht zu leichtgläubig. Das hatte man ihm nicht zuletzt mehr als nur glaubhaft in einer der zehn Therapiestunden wissen lassen, die er sich hatte aufschwatzen lassen, damit die da oben Ruhe gaben. Damit man ihn hoffentlich schnellstmöglich wieder vom Abstellgleis holte, auf das man ihn vorerst verbannt hatte - damit er das alles verarbeiten konnte.

Nicht, dass es half. Nicht wirklich jedenfalls. All diese Stunden, insgesamt waren es bisher drei gewesen, in denen er sich mit einer companyeigenen Therapeutin - einer Frau mittleren Alters namens Kim Eunseo - zusammengesetzt hatte, um sich und seine rasenden Gedanken zu sortieren, hatten ihm nüchtern betrachtet nichts gebracht. Außer weiterer Zweifel. Auf seine Fragen erhielt er immerhin nur Gegenfragen und keine Antworten. Außerdem blockierte ihn der Gedanke, dass man es mit der Schweigepflicht vielleicht doch nicht so ganz genau nahm.

Nicht einmal auf jüngste Geschehnisse bezogen, also denen mit Blondie und den Kreisen, denen sie vermeintlich angehörte. Eher darauf bezogen, ob es hier vordergründig tatsächlich um ihn und sein Wohlergehen ging …

Zwar glaubte er nach wie vor, dass es ihnen allen nur um sein Bestes ging. Meistens jedenfalls. Genau hier lag der Knackpunkt … sie wollten nicht nur sein Bestes, sondern auch das ihre. Und dass man seinen Fragen diese Sache betreffend nach wie vor auswich oder ihn stets nur mit halbgaren Antworten abspeiste, die im Grunde genommen keine solche waren, sprach nun einmal nicht für sie … und demnach gegebenenfalls eher für Blondie.

Natürlich hatte er versucht, diese Sache Kim Eunseo gegenüber anzusprechen. Allerdings hatte sie seine Zweifel so vehement kleingeredet, dass er an ihrer Neutralität zweifelte. Was zur Folge hatte, dass er Zweifel bezüglich der Frage hatte, was wirklich unter ihnen blieb oder gegebenenfalls doch an so Leute wie Nahm Minju weitergegeben wurde. Letztendlich war es schließlich er gewesen, der ihm die Gespräche mit Kim Eunseo nahegelegt und sogar wärmstens empfohlen hatte. Insgesamt sieben Mal, bis Jeongguk schließlich eingeknickt war und zugestimmt hatte.

“Von 1998 … also ein Jahr jünger als du”, ließ Junghyun ihn wissen und riss ihn aus den Gedanken. Und während Jeongguk auf und auf den Fernseher sah, auf dem sich gerade die Infoseite des Filmes befand, den sie sahen, blieb sein Blick an etwas anderem hängen …

‘Run Lola Run’, aus dem Jahre 1998 … aus Deutschland.

“Sorry, ich … wusste nicht … da hab ich-”, begann sein Bruder etwas hilflos zu stammeln und schaltete zurück in die Filmauswahl, die ihnen Netflix bot.

“Nein, ist okay”, warf Jungkook ein. Bewusst der, weil sich diese bedeutend verletztere Seite von ihm tief in sein Innerstes zurückgezogen hatte, kaum dass er den Namen des Herkunftslandes erspäht hatte.

“Willst du weiterschauen, oder?”, sein Bruder sah ihn erneut fragend an. Die Fernbedienung zögerlich in der Hand haltend.

Und ja … wollte er. Plötzlich wollte etwas von ihm diesen Film doch sehen. Sehen … nicht lesen. Ihn interessierte nicht, was sie sagten und was geschah. Ihn interessierte vielmehr, wie ihre Worte klangen. Und wie diese Welt aussah, durch die diese rothaarige Frau rannte. Blondies Welt … und so stimmte er zu, obwohl er wusste, dass das hier keine gute Idee war. Kein allzu schlauer Schachzug.

“Bestenfalls hältst du dich von dieser Sache fern. Von dieser Frau”, hörte er Nahm sagen. Und ja … im Grunde tat er das. Er tat es, während er sich für die nächste Stunde voll und ganz auf diese Frau namens Lola konzentrierte - diese Frau, die ihn immer wieder an Blondie erinnerte. Obwohl sie es nicht war und Blondie in keiner Weise ähnelte.

Aber … das spielte wie so oft keine Rolle. Hier und jetzt, während er neben seinem Bruder auf dem Sofa in seinem Elternhaus saß und einfach nur der kleine Junge aus Busan war, spielte das keine Rolle. Und so ertappte er sich in der kommenden Stunde immer wieder dabei, wie er sich fragte, ob Blondie wohl einmal an diesem Ort gewesen war … oder an jenem. Und woher sie kam … er erinnerte sich, dass sie es ihm einmal gesagt hatte. Aber, wie so oft hatte er nicht gut genug aufgepasst. Hatte sich von anderen Dingen ablenken lassen. Jetzt bereute er es … bereute, nicht zugehört zu haben.

Damals … aber auch damals in Busan. Denn plötzlich wollte er ihre Seite der Geschichte doch noch einmal hören. Hören … nicht lesen. Und so ließ er sich von all diesen Gedanken und Zweifeln übermannen.

Die Lichter des Weihnachtsbaumes im Rücken, den seine Familie, ohne gläubig zu sein, Jahr für Jahr aufstellte. Weil seine Mutter es mochte … ebenso, wie an diesem besonderen Abend zusammenzukommen und Zeit miteinander zu verbringen. Meistens ohne Geschenke, aber bei gutem Essen. Und eigentlich mochte er es … machte sich keine weiteren Gedanken über dieses Fest, das ihrer kleinen familiären Tradition zugrunde lag. Dieses Jahr war es anders gewesen. Natürlich war es das.

Und genau das war es, was ihn gerade anfällig machte. Anfällig für diese Welt, durch die Lola rannte. Diese Welt, die er bereits kannte. Berlin … er war bereits dort gewesen. Er erinnerte sich daran. Plötzlich viel zu deutlich. Das Konzert … 2018. Damals hatte er diese Stadt mit begeisterten und unwissenden Augen gesehen. Und während Lola auf dem Bildschirm immer wieder durch diese Straßen rannte, die er kannte und die ihm dennoch so unfassbar fremd waren, wurde ihm bewusst, dass er diese Stadt nie wieder mit unwissenden Augen sehen würde.

“Wir schauen was anderes”, warf sein Bruder irgendwo aus dem Off ein.

“Nein”, schoss Jungkook zurück. Er wollte das hier sehen. Aus welchen undefinierbaren Gründen auch immer. Er wollte das hier sehen, auch wenn es auf gewisse Weise schmerzhaft war.

***

Ihr Lieben, ich hoffe ihr seid gut in die neue Woche gekommen und werdet heute ausgelassen in den Mai tanzen. :) Und ich hoffe, viele von euch werden die Freude und den Genuss haben, Jin im Sommer hier in Europa feiern und begrüßen zu können. Ich muss, aus gesundheitlichen Gründen leider passen. Ich freue mich aber auf reichlich Erlebnisberichte. hehe

Und ja … hier kommt ein eher unschöner, aber wichtiger Teil. Ich komme erst einmal direkt zum Punkt: Ich muss den Postinintervall leider strecken - und zwar ab Ende dieser Woche. Das nächste Chapter von NaD kommt also noch diesen Freitag, die nächsten Chapter für beide Storys kommen dann erst in zwei Wochen - und von da an auch weiterhin in diesem Intervall. Das ist aber leider nicht alles: Ich werde mir im Juni eine Auszeit nehmen. Eine Sommerpause sozusagen. Danach geht's dann im Juli wieder im Zwei-Wochen-Rhythmus weiter.

Grund ist der, dass ich gerade ausbrenne. Meine Muse ist etwas erschöpft und brennt zurzeit nur auf Sparflamme. Das bedeutet, dass die Chapter schneller online gehen als entstehen. Mein Staffel ist in den vergangenen Wochen also massiv geschrumpft. Was mich stresst und das Schreiben in gewisser Weise zur Pflicht macht. Ich und meine Muse brauchen also eine kleine Pause. Dringend, bevor nichts mehr geht und ich mich in eine Schreibblockade treibe. Ich hoffe, ihr könnt das wenigstens halbwegs nachvollziehen. <3

Natürlich hoffe ich, dass meine Flamme bald wieder lichterloh brennt. Ich setze da stark auf Juni/Juli, wenn unsere Jungs wieder zurück sind. Bis ich mir aber nicht wieder bis vier Uhr nachts die Finger wund schreibe, weil meine Muse mich nicht schlafen lässt, kann ich da nichts versprechen.