Strong (nach Chapter 73 von NaD)
Strong (nach Chapter 73 von NaD)
Hinweis: Das folgende Chapter kann jederzeit nach Kapitel 73 von Night and Day gelesen werden.
55. Strong
- 5. März 2023 -
Direkt nachdem er sich die Seele aus dem Leib und dadurch wieder etwas Klarheit in die vollkommen verblendete Birne gekotzt hatte, machte er kurzen Prozess. Indem er diesen verdammten Instagramaccount dem Erdboden gleich machte, mit dem dieses Elend vor rund einem Jahr begonnen hatte. Was auf gewisse Weise etwas tragisch Komisches hatte.
Rund zwölf Monate war es her, dass er erstmals auf ihre Avancen und Spielchen hereingefallen war. Es sollten zahlreiche weitere Male folgen, bei denen er auf ihre gewitzten Geschichten und schönen Augen hereinfiel. Immer und immer wieder. Das hier sollte demnach auch das letzte Mal gewesen sein.
Sollte es … er kannte sich zu gut, er war was so etwas anging, zu weich. Deshalb musste er zu drastischen Mitteln greifen. Und das bestand beispielsweise auch darin, dass er nur wenige Stunden später auch seinen offiziellen Instagramaccount in die ewigen Jagdgründe schickte - weil sie ihn dort aufgrund seiner eigenen Dummheit ebenfalls kontaktieren konnte.
Natürlich hätte er sie blockieren können. Leider kam ihm das zu spät in den Sinn und da er mit Instagram, wie er es seinen besorgten Fans bereits erklärend verkündet hatte, tatsächlich über die Chatsessions mit Blondie hinaus nicht allzu viel anfangen konnte, beließ er es nun dabei. Kehrte diesem Kapitel seines Lebens, das ihn von nun an sicherlich immer an sie erinnern würde, den Rücken zu. Und damit auch diesem blonden Gift, das ihn so gekonnt an der Nase herumgeführt hatte.
Jedenfalls dachte er das … leider schien sie ihr Spiel noch nicht als beendet anzusehen. Um dem ganzen Spektakel, das sie um ihn herum aufgeführt hatte, noch die Krone aufzusetzen, kontaktierte sie allen Ernstes Seokjin auf seinem scheiß Burneraccount. Jungkook hatte nicht die geringste Ahnung, wie genau sie auf ihn kam. Er war ihm nie zurück gefolgt … allerdings spielte das keine Rolle.
Seokjin hatte sich von ihren Spielchen offensichtlich ebenfalls blenden lassen. Das ließ er ihn nämlich dadurch wissen, dass er ihn nicht nur darüber informierte, dass Blondie sich an ihn gewandt hatte - er legte ihm nahe, doch noch einmal mit ihr zu reden. Ganz in Ruhe … ohne Vorurteile … ihre Gefühle schienen echt gewesen zu sein … und bla bla bla.
Natürlich wusste sein Hyung nichts - weil dieser naive Trottel, der Jeongguk gewesen war, natürlich für sich behalten hatte, worin das Problem wirklich bestand. Nämlich darin, dass er ihr 200.000 fucking Dollar geschenkt hatte, die sie jetzt ganz sicher mit ihrem neuen Lover ausgab. Während er sich für den Rest seiner Tage vor Seokjin, Jimin und Co. dafür rechtfertigen musste, warum er dieser falschen Schlange keine zweite Chance gegeben hatte. Aber … das war besser als die Wahrheit zu sagen. Ihm drehte sich schon beim Gedanken daran der Magen um. 200.000 Mal …
Nichtsdestotrotz musste dieses Elend ein Ende haben. Er musste Klartext reden. Musste ihr klar machen, dass er sie durchschaut hatte - und das selbst seine Naivität und Geduld ein Ende hatte. Deshalb rief er sie an. Ein letztes Mal … oder auch: Das war der Plan gewesen.
Bevor wieder einmal ein Dutzend Worte und Tränen geflossen waren. Mehr Worte als Tränen … und wenigstens letztere schien er vor ihr verheimlicht haben zu können. Worin er bekanntlich ebenfalls nicht allzu gut war. Er war ein emotionaler Mensch. Viel zu nah am Wasser gebaut … und er hasste es. Vor allem in Momenten wie jenem. Momenten, in denen die Stimmung zu schwanken begann und sein mühselig errichteter Schutzwall binnen Sekunden in sich zusammenfiel. So als bestünde er aus ein wenig Staub, der nicht einmal den kleinsten Wassertropfen trotzen konnte … oder eben ihren Worten.
Ja, es waren erneut die großen drei gewesen. Und so wie er sich dafür hasste, dass er in Situationen wie diesen meistens viel zu schnell zu heulen begann, hasste er sich ebenfalls dafür, dass sie ihn wieder einmal weich gekocht hatte. Schon bevor sie die drei Worte auf ihn losgelassen hatte. Ihn mit diesen regelrecht attackiert und das letzte Bisschen des zu Staub verfallenen Walls beiseite gefegt hatte.
Daran hatte auch die Tatsache nichts geändert, dass sie den Typen geküsst hatte, der auf ihrem Sofa geschlafen und dies die Welt hatte wissen lassen. Und ja … das ärgerte ihn. Auf gewisse Weise jedenfalls. Bekanntlich war er nicht wirklich besser gewesen. Auch wenn es nur etwas Gefummel und keinen Kuss gegeben hatte.
Aber … das änderte nichts. Machte es nicht besser. Weil es keine der unzähligen Fragen beantwortete, die das alles in ihm aufwarfen. Beispielsweise die, wohin das alles führen sollte?
Es war wirr. Ein Meer aus Worten und Farben, die sich mit den verschiedensten Emotionen zu vermischen schienen, die er während ihres Gespräches verspürte. Wut … Trauer … Trotz … Hoffnung … Euphorie … Schmerz. Allerdings konnte er keine davon lange greifen …
… ebenso wenig wie die Zeit, die während und kurz nach dem Telefonat mit ihr verging. Im einen Moment hatte er ihre Nummer gewählt. Im nächsten blieb er verwirrt und überrumpelt zurück.
Trotz aller Bemühungen und verzerrten Erinnerungen an all diese Worte, die zitternd und tränenerstickt über ihre und seine Lippen gerutscht und geschlichen waren, konnte er letzten Endes nicht mehr rekonstruieren, wie es letztendlich dazu gekommen war, dass er nun hier saß: Auf dem Sofa. Mit dröhnendem Schädel, brennenden Augen und rund zwölf Stunden Schlafdefizit. Sein Gesicht klebte von den getrockneten Tränen, die er vor ihr verborgen hatte … und sein Mund war entsetzlich trocken.
Aber zum Trinken hatte er gerade keine Zeit. Auch wenn vor ihm eine nahezu unberührte Dose Sprite stand.
Er war gefangen auf dem Sofa und in seinen Gedanken, die wild in seinem Kopf umher jagten. Während er immer und immer wieder ihre Nummer wählte - um jedes einzelne Mal auf ihrer Mailbox zu landen.
Offenbar meinte sie es ernst. War auf dem Weg hierher. Und er hatte zugegeben nicht den blassesten Schimmer, wie genau er damit nun umgehen sollte. Immerhin war das nicht der Plan gewesen. Er hatte das hier beenden wollen. Ein für alle Mal … stattdessen …
“Shibal”, fluchte er, als er sie zum zigsten Mal - er hatte aufgehört zu zählen - nicht erreichte und sie auch seine xte Nachricht ungelesen ließ.
Nein … es war nicht nur das. Keine einzige Nachricht war bisher an ihr Telefon übermittelt worden. Sie alle schwebten noch irgendwo in der Cloud und warteten darauf, dass sie wieder erreichbar war - oder auch, in anderen Worten, das verdammte Handy wieder einschalten.
Er hatte es beenden wollen … was mehr als offensichtlich wunderbar geklappt hatte, stellte er bitter über sich und seine Unfähigkeit selbst lachend fest und zermarterte sich einen Moment den Kopf darüber, was zur Hölle er jetzt tun konnte. Es war zum Haare raufen … was er folglich auch tat. Nachdem er sich endlich die Zeit genommen hatte, etwas zu trinken. Vollkommen planlos mitten im Wohnzimmer stehend und so lange mit aufgerissenen Augen an die Wand gegenüber starrend, bis ihm die Augen tränten.
Was. Zur. Hölle. Sollte. Er. Tun?
Fragte er sich und die Wand, an die er angestrengt starrte. Natürlich fand er hier ebenso wenig Antworten, wie er sie in seinem vollkommen an wirren Gedanken überladenem Kopf fand.
Die Company anzurufen war keine Option … ebenso wenig, wie einen der Jungs oder einen seiner Freunde anzurufen. Schließlich wusste niemand, dass er den Kontakt zu ihr wieder hergestellt hatte …
Ja, das konnte er ändern, aber er war gerade nicht bereit dazu. Noch nicht … musste es vielleicht auch niemals sein, je nachdem wie das hier ablief.
Sie einfach so in Seoul stranden zu lassen, war ebenfalls keine Option. Auch wenn es hier nicht wie in der New Yorker Bronx zugehen mochte und die ganzen K-Dramen, die seines spärlichen Wissens auch in den Staaten ungemein beliebt waren, es immer wieder bis zur Unkenntlichkeit verblühmten, war das hier nicht das sicherste Pflaster für Frauen. Vor allem nicht für solche aus dem Ausland, die streckenweise wenig bis gar keine rechtliche Handhabe hatten, wenn ihnen etwas passierte.
Und ja … er wollte das hier nicht erneut aufleben lassen. Oder auch: Wenigstens ein Teil von ihm wollte es nicht. Weil es ihnen absolut nichts brachte. Nichts als unzähliger weiterer unbeantworteter Fragen jedenfalls. Allerdings wollte er noch weniger, dass ihr irrer Trip in einer Vergewaltigung oder Schlimmerem endete.
“Hyung?”, tat er also das Einzige, was ihm in dieser beschissenen Situation einfiel, “kannst du mir einen Gefallen tun?”
“Es ist vier Uhr nachts … habe ich eine andere Wahl, als ja zu sagen?”, antwortete sein älterer Bruder schlaftrunken und minimal amüsiert.
“Ja … tut mir leid. Das hatte ich irgendwie-”, gab Jeongguk kleinlaut zurück … natürlich hatte er die verdammte Uhrzeit komplett aus den Augen verloren. Was ebenfalls daran liegen konnte, dass diese sich gerade unfassbar schwer und trocken anfühlten.
Er war müde … unendlich müde … zum Schlafen würde er aber offensichtlich erst kommen, wenn er tot war.
“Ist okay. Was kann ich für dich tun, du kleine Nervensäge?”, er hörte Junghyun am anderen Ende der Leitung schmunzeln. Hörte es rascheln, was dem jüngeren der beiden Männer andeutete, dass sein Bruder sich gerade aus dem Bett kämpfte.
Jeongguk räusperte sich und machte sich auf den Weg ins Schlafzimmer, wo er seine Augentropfen aufbewahrte. “Ich brauche ein Auto. Irgendetwas Unauffälliges. Kannst du eins mieten? Bei diesem einen Anbieter … du weißt schon, wo man den Schlüssel über einen Automaten abholen kann.”
“Okay, kann ich machen. Wann benötigst du es?”
“Sofort … ich hole es selbst ab. Du müsstest es nur buchen, damit mein Name da nicht irgendwo auftaucht.”
“Ich kann es für dich abholen. Gar kein Problem”, warf sein Bruder hörbar besorgt ein.
“Nein, ist okay. Ich mach das schon.”
“Was hast du vor?”
“Ist nicht so wichtig.”
Sein Bruder lachte einmal kurz und schallend auf. “Wäre es nicht wichtig, würdest du mich nicht um vier Uhr nachts anrufen, weil du ein Auto brauchst - obwohl wohlgemerkt eins in deiner Garage steht. Und meines Wissens müsste das in tadellosen Zustand sein.”
Jungkook seufzte. Schaltete den Lautsprecher des Telefons an, legte es vor sich auf den Schreibtisch und legte den Kopf in den Nacken, um sich jeweils einen Tropfen der Hyaluronlösung in beide Augen zu flößen. “Ich habe wieder Kontakt zu ihr … und nun ist sie auf dem Weg hierher. Ich kann … ich muss sie abholen. Ich kann sie nicht einfach sich selbst überlassen.”
Junghyun seufzte. “Das fällt dir erst jetzt ein?”
Der jüngere der beiden Männer seufzte ebenfalls, unbewusst so, als wollte er diese ältere Version von sich nachahmen. “Ich wusste es bis vor wenigen Stunden noch nicht. Das war irgendwie eine spontane Entscheidung von ihr. Eine Überschussreaktion … was weiß denn ich.”
“Das ist keine gute Idee, das ist dir hoffentlich bewusst.”
“Ich schaffe das schon. Ich habe alles im Griff. Ich hole sie ab, verfrachte sie für ein paar Stunden in mein Gästezimmer und setze sie in den erstbesten Flieger zurück.”
So in etwa war jedenfalls der Plan, den er sich noch nicht gänzlich hatte ausarbeiten können. Das war allerdings der nächste Schritt auf seiner To-Do-Liste, um nicht noch tiefer in dieser Scheiße zu versinken. Zumal er nicht mehr viel Spielraum hatte … immerhin stand er bereits bis zum Hals in dieser. Dass Blondie gerade auf dem Weg hierher war, unterstrich dies nur noch einmal auf recht tragische Art und Weise.
Junghyun seufzte erneut. “Das war nicht das, worauf ich hinaus wollte. Ich meinte eher, dass es keine gute Idee ist, sie selbst abzuholen. Soll ich das machen? Ich könnte sie mit zu mir nehmen … und dann setze ich sie in den erstbesten Flieger zurück.”
“Nein”, erwiderte Jeongguk. Viel zu schnell … viel zu hektisch … viel zu verräterisch. “Ich muss das selbst machen. Ich melde mich später noch einmal bei dir.”
“Ich könnte sie zurück zum Flieger bringen … melde dich einfach bei mir, wenn ihr so weit seid.”
Jeongguk nickte und fügte dann hinzu: “Mach ich. Schreib mir kurz, wenn die Buchung durch ist.”
“Alles klar, ich schicke dir die Bestätigung. Melde dich, wenn du wieder zurück bist. Wenigstens kurz via Nachricht oder so”, erwiderte sein Bruder …
… Jungkook bejahte und beendete kurz darauf das Gespräch. Atmete einen Moment tief durch … und ein weiteres Mal.
Und dann hieß es wieder warten … warten, Pläne schmieden und einen kühlen Kopf bewahren. Er durfte nicht schwach werden. Durfte sich nicht wieder von ihr oder diesen Gefühlen, die sie in ihm auszulösen vermochte, einlullen lassen. Durfte sich in nichts verlieren … was immer auch auf ihn zukommen mochte. Auf ihn und diesen Teil von ihm, der nicht wirklich loslassen wollte.
Aber … er hatte das im Griff. Er würde sie abholen, ins Gästezimmer verfrachten und in den nächsten Flieger zurück setzen. Ein Kinderspiel … in der Theorie jedenfalls. Er musste nur stark bleiben.
***
Hello again, ihr Lieben. Welch ereignisreichen Tage liegen hinter uns. Hobipalooza, mehrere Lives in Folge ect. Geht es uns allen noch gut bzw. kommen wir noch zum schlafen? XD
Naja, ich muss gleich arbeiten. Deshalb belasse ich es für heute mal dabei. Ich weiß, ich muss noch einige Kommentare und Nachrichten beantworten: Das mache ich aber noch. Sorry, aber die letzten Tage waren etwas stressig. Aber: Meine Muse hat mich mehrfach geküsst, also wenigstens etwas.
Wir lesen uns Freitag bei NaD. Passt bis dahin auf euch auf und habt eine gute Zeit. <3