Trush (nach Chapter 75 von NaD)
Trush (nach Chapter 75 von NaD)
Hinweis: Das folgende Chapter kann jederzeit nach Kapitel 75 von Night and Day gelesen werden.
56. Trush
An Schlaf war auch in den Stunden nach Blondies Ankunft nicht zu denken gewesen. Zwar hatte er sie wie geplant aufgesammelt und in seinem Gästezimmer untergebracht - allerdings war es schwerer gewesen, stark zu bleiben, als er es erwartet hatte. Schon sie so verloren vor dem Eingang des Flughafens aus sicherer Ferne zu sehen, hatte ihm einen schier vernichtenden Stich versetzt. Und dass er die sichere Entfernung bekanntlich nicht hatte aufrechterhalten können, hatte ihm den Rest gegeben. Binnen erbärmlicher Sekunden.
Die Tür zwischen ihnen zu schließen hatte selbstverständlich ebenfalls nicht die erwünschte Wirkung erzielt. Jungkook hatte gehofft, er könnte sie aus seinem Kopf verbannen, sobald er ihr den Rücken gekehrt und wieder genug Abstand zwischen sie und sich gebracht hatte. Selbstverständlich hatte er sich und seine innere Stärke hierbei ebenfalls maßlos überschätzt.
Zurück in seinem Schlafzimmer lag er also wach. Zahlreiche ermüdende Stunden lang. Weit über die ersten Gesänge dieser übermütigen Singdrossel hinaus, die sich ausgerechnet irgendwo außerhalb seines Schlafzimmerfensters niedergelassen hatte, um den neuen Tag mit einem kleinen Konzert zu feiern und zu begrüßen.
Lautstark … zermürbend … jedenfalls in dem Zustand, in dem er sich befand.
Irgendwann hatte er es also aufgegeben. War wieder aus dem Bett gekrochen und so leise, wie seine müden Glieder es ihm ermöglicht hatten, durch diese plötzlich so bedrohlichen und eng wirkenden Gänge geschlichen. Stets darauf bedacht, sie nicht zu wecken. Und so musste er diese verdammte Drossel, die in ihm und seiner Kehle zu leben schien, immer wieder zurückhalten - indem er sich selbst davon abhielt, zu summen oder zu singen, wie er es meistens tat.
Zum einen, um die Stille zu brechen … zum anderen aber auch, weil er es einfach nicht lassen konnte. Vor allem als die ersten stichprobenartigen Suchen online nichts Besorgniserregendes in puncto seines kleinen Trips in den frühen Morgenstunden zu Tage gebracht hatten, mutierte sein Vorhaben, still zu sein, zur Herausforderung.
Scheinbar hatte sie tatsächlich niemand gesehen - oder aber bisher hatte niemand sich dazu durchgerungen, damit hausieren zu gehen. Fürs Erste war das jedoch mehr als genug … mehr als genug, um doch noch kurz in Singlaune zu geraten. Allerdings auch mehr genug, um sich auf andere Dinge konzentrieren zu können. Beispielsweise, wie er das hier wenigstens halbwegs unbeschadet überstehen konnte.
Bekanntlich machte es Blondie ihm nicht leicht … übergreifend nicht, aber ihre Anwesenheit hatte den Schwierigkeitsgrad schier ins Unermessliche erhöht. Und ihr Level stieg auf unbezwingbar an, als sie sich schließlich auf leisen Sohlen zurück in sein Leben schlich. Langsam und bedacht trat sie aus dem Flur in den Wohnraum auf ihn zu. Die Hand sichtlich nervös an der Kante des Vorsprungs lehnend, um den sie sich herum schob. Nur in das T-Shirt gekleidet, das er ihr vor einigen Stunden selbst überreicht hatte.
Und ja … er verteufelte sich selbst dafür, dass er ihr ausgerechnet eines der eher mittellangen Stücke herausgesucht und nicht zu einem dieser extrem weit ausfallenden Stücke gegriffen hatte, die sich ebenfalls in großer Zahl in seinem modischen Besitz befanden.
Es war keine Absicht gewesen, ihr ein Shirt zu geben, das ihr nur bis kurz unter die Schenkel reichte und somit viel zu viel nacktes Bein zeigte … jedenfalls keine bewusste.
“Hi”, krächzte sie. Nervös und so unendlich leise, dass es ihm beinahe entgangen war.
Allerdings war das Schlüsselwort beinahe. Also erstarrte er einen Moment. Lehnte sich mit der linken Hand an die Kante der Arbeitsplatte, während er sich mit der rechten an eine Schüssel klammerte, die er soeben aus dem Geschirrspüler geräumt hatte. Sie gehörte in den Schrank unten links … aber, irgendetwas in ihm weigerte sich, sich abzuwenden.
Nicht aber aus sentimentalen Gründen … eher aufgrund der unterschwelligen Angst, sie würde irgendetwas Unüberlegtes und Vernichtendes tun, wenn er ihr den Rücken zukehrte.
Also tat er es nicht. “Hi”, gab er stattdessen zurück und versuchte, sie nicht aus den Augen zu lassen - jedoch möglichst ohne sie wirklich anzusehen.
Und das nicht nur, weil der Anblick ihrer nackten Beine Dinge mit ihm anstellte, die er nicht mit ihm anstellen sollte. Auch, weil das Problem nicht nur ihre nackten Beine waren … Jungkook wünschte, es wäre nur das. Damit konnte er umgehen. War weitaus verlockendere Ausblicke gewohnt, den es immer wieder zu widerstehen galt. Manche Fans waren bei ihrer Kleiderwahl für die ersten Reihen sehr … spärlich gestrickt.
Bekanntlich war es allerdings nicht ihre nackte Haut, die ihn aus der Bahn warf. Es waren ihre Augen … diese Augen, die ihn so unverkennbar flehend und verzweifelt zu durchbohren schienen.
“Kann ich helfen?”, wollte sie wissen und trat etwas vor … verringerte dadurch den Abstand zwischen sich und ihm.
Nein, konnte sie nicht - und sollte sie nicht. “Fast fertig”, gab er also zurück und hoffte, sie beließ es dabei.
Denn sie war nahe genug … er brauchte diesen Abstand, egal wie gering er auch sein mochte, gerade dringend. Also hielt er sie davon ab, sich selbst einen Kaffee zu machen. Deutet ihr an zu warten und ließ sich in den Autopiloten fallen, der das hier beschämend souverän übernahm.
Natürlich wusste er noch ganz genau, wie sie ihren Kaffee bevorzugte … und ja, gerade machte ihn das nicht stolz. Gerade jetzt ärgerte es ihn. So wie es ihn ärgerte, seinen Schutzwall unter ihren Blicken bröckeln zu spüren.
Und der Wall bröckelte weiter ... Stück für Stück und Brocken für Brocken legte sie in den folgenden Minuten in Schutt und Asche.
Das hier war falsch und fühlte sich dennoch viel zu gut und richtig an. Sie sollte nicht hier sein und dennoch wollte wenigstens ein Teil von ihm nicht, dass sie ging. Wenigstens noch nicht jetzt … was sein Vorhaben, sie in den ersten Flieger zurück nach New York zu setzen, langsam aber sicher ebenfalls zerlegte. So wie ihre bloße Anwesenheit es mit seinem Wall tat.
“Ich weiß nicht, wo ich beginnen soll”, brach Blondie irgendwann das Schweigen, in das sie irgendwann zwischen ein paar mehr oder weniger tiefer gehenden Smalltalk-Versuchen verfallen waren.
Unter anderem war es um seine nach wie vor vorhandenen Schwimmringe gegangen, die er eindeutig jedem - nur nicht ihr - hatte zur Schau stellen wollen. Dennoch hatte er es getan … warum auch immer. Bei ihr handelte er allerdings bekanntlich nicht selten ungeplant und wenig nachvollziehbar. Aber … wenigstens schien sie seine Meinung nicht zu teilen - was seine Sorge ebenfalls etwas in sich zusammenfallen ließ.
Was nicht hieß, dass es eine Rolle spielte. Jungkook hatte nach wie vor nicht vor, das hier über ein paar mehr oder weniger klärende Gespräche zu vertiefen. “Ich weiß es auch nicht. Ist nicht … alles gesagt?”, gab er also unsicher zurück.
War es nicht, stellte sich nur wenige Minuten später heraus. Minuten, in denen sie sich nicht nur um das Herz und den Verstand geredet hatten, sondern die kläglichen Reste seines Walls mit hektischen Küssen und einer beschämend kurzen Runde durch seine Laken dem Erdboden gleichgemacht hatten.
Nun hatte er es also nahezu schwarz auf weiß. Er war in allen Lebenslagen der sagenumwobene frühe Vogel, von dem man wenigstens seines Wissens nach in vielen Teilen der Welt sprach.
Und so lag er schließlich seinen eigenen Atem und Herzschlag jagend neben ihr. Versuchte, seine Gedanken zu sortieren … und das Klingeln in seinen Ohren auszublenden. Das hier war unerwartet gewesen. Unerwartet und doch auf gewisse Weise vorhersehbar. Auch aus diesem Grund ließ er Drossel also Drossel sein und ergab sich kampflos der Einsicht, dass diese Schlacht stets aussichtslos gewesen war.
Dabei war allerdings nicht der Schwierigkeitsgrad oder der Level seines Gegenübers das Problem gewesen. Der Grund war allein er gewesen … denn er hatte diesen Kampf von Anfang an nicht gewinnen wollen.
***
Hello ihr Lieben, da sind wir wieder. Wie ist es euch so in den vergangenen zwei Wochen ergangen? Habt ihr Ferien oder müsst ihr Arbeiten? Mein Urlaub liegt ja leider schon hinter mir, weshalb mich gerade ein wenig die Arbeit quält. Urlaubszeit halt …
Naja, habt so oder so noch eine schöne Woche und wir lesen uns Freitag bei der Hauptstory.