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Games (nach Chapter 79 von NaD)

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Games (nach Chapter 79 von NaD)

Hinweis: Das folgende Chapter kann jederzeit nach Kapitel 79 von Night and Day gelesen werden

58. Games

- 10. März 2023 -

“Ich habe einen Termin”, ließ er die kleine und maßlos überfordert aussehende Arzthelferin wissen, die ihm gerade eben die zuvor noch verschlossene Tür geöffnet hatte.

Aus fast schon amüsant großen Augen sah sie ihn an. Gerädert und verdattert - zum einen offenbar, weil sie ihn erkannt hatte und nicht so recht glauben konnte, wen sie hier vor sich sah - zum anderen allerdings sicherlich auch aufgrund der Müdigkeit, die sie nach wie vor zu plagen schien. Was kein Wunder war, denn es war früh. Verdammt früh …

7.15 Uhr zeigte die Uhr an seinem Handy. Oder eher das hatte sie gezeigt, als er nur wenige Sekunden zuvor auf dieses geschaut hatte. Allerdings war das für jemanden wie ihn keine ungewöhnliche Zeit. Seine Termine fanden meistens außerhalb der regulären Sprechstundenzeiten statt.

“Um 7.30 Uhr”, versuchte er die Kleine, die er hier heute das erste Mal sah, aus ihrer Starre zu reißen.

“So früh?”, fragte sie nach wie vor verdattert und riss sich von seinem Anblick und der Tür los, vor der er nach wie vor stand. “Es ist noch niemand da”, warf sie ihm dabei mit verräterisch zitternder Stimme über ihre Schulter hinweg zu - bevor sie hinter dem Tresen verschwand, an dem man sich hier für gewöhnlich anmeldete.

Jungkook folgte ihr langsam in die Praxis und zog die Tür so geräuschlos wie möglich hinter sich zu. Wartete allerdings nur kurz hinter dieser, während sie hektisch hinter dem Tresen in die Tastatur zu hacken begann, der sich außerhalb seines Sichtfeldes befand.

“D-da ist nichts hinterlegt”, stammelte sie und wurde mit jedem Wort ein wenig blasser. “S-soll ich den Doktor-Seonsaengnim anrufen?”, wollte sie aus weit aufgerissenen Augen wissen und hob den Telefonhörer ein paar Zentimeter an.

“Nein”, hielt sie das Idol zurück, “ist schon okay. Ich mache einen neuen Termin.”

Ja, das hier war unglücklich. Allerdings kannte er seinen Zahnarzt nun bereits seit einigen Jahren und demnach ging er nicht davon aus, dass das hier böswillige Absicht war. Das hier war mehr als offensichtlich ein bürokratisches Versehen, das durchaus mal passieren konnte. Auch wenn es um Patienten wie ihn ging. Und das hier war nur eine Kontrolle. Das konnte durchaus noch etwas warten. Also ließ er die sichtlich verzweifelte Kleine genau das wissen.

“D-das tut mir wirklich unendlich leid”, stammelte sie und langsam aber sicher nahm ihr Gesicht eine wirklich ungut gräuliche Verfärbung an.

“Nein, ist in Ordnung. Wirklich”, bestätigte er sie, zog sich seinen Mundschutz wieder auf und machte sich mit einem “schönen Tag noch” und einer kleinen Verbeugung daran, die Praxis wieder zu verlassen.

Was nun also, fragte er sich nur wenige Augenblicke später mit der Tür im Rücken. Zurück nach Hause zu fahren, machte keinen Sinn. Er hatte nämlich einen Termin mit Nahm … um 9.30 Uhr. Allerdings war es dennoch zu früh, jetzt schon in die Company zu fahren.

Also entschied er sich, die Gunst der Stunde zu nutzen, um ein paar Besorgungen zu machen. Dinge, die er eigentlich heute an Kim Eojin hatte weitergeben wollen: Mundwasser, Zahnseide und ein paar Getränke, als Mitbringsel für ein kleines Zusammenkommen mit ein paar seiner Freunde. Übermorgen Abend …

Das konnte er aber durchaus auch allein bewältigen …

… gesagt getan also, fand sich Jungkook nur wenige Minuten später in einem mittelgroßen Supermarkt wieder, der sich sowohl in der Nähe seiner Zahnarzt-Praxis als auch der Company befand. Hiermit schlug er also zwei Fliegen mit einer Klappe. Und er schindete Zeit …

‘Mundwasser’, schoss es ihm durch den Kopf, als er sich durch die Gänge kämpfte. Vorbei an all diesen kleinen und großen Versuchungen, von denen er mit Blick auf seine nach wie vor dezent vorhandenen Schwimmringe besser die Finger ließ. Kleine Küchlein französischer Art beispielsweise … oder Nachos mit Käsesoße … im Set … extra scharf …

… ja, er blieb etwas zu lange davor stehen. Weil es das perfekte Mitbringsel wäre. Aber er kannte sich. Das hier würde den Abend nicht überleben.

Also stellte er es wieder weg. Setzte seinen Weg in Richtung der Drogerie- und Hygieneabteilung fort. Vorbei an weiteren Versuchungen in Form von Guacamole und …

Hotdogs … er blieb ruckartig stehen. Er hatte schon verdammt lange keine Hotdogs mehr gegessen. Und hier war alles aufgereiht. Die Brötchen, die Soßen. Sogar Snackgurken und geröstete Zwiebeln. Alles auf einen Blick und nebeneinander stand es da.

“Lecker”, hörte er sich selbst raunen, während er die Brötchen in seiner Hand ein paar Mal drehte und wendete. Sie schließlich in den kleinen Korb fallen ließ, den er sich am Eingang gegriffen hatte und nun hinter sich her-

‘Nein’ … er brauchte keine Hotdogs. Schon gar nicht jetzt. Immerhin hatte er gleich ein Meeting mit Nahm, um diese … Sache mit Blondie zu besprechen.

Glücklicherweise vertrieb der Gedanke daran ihm wieder den aufkeimenden Hunger und somit konnte er den Stapel der Verlockungen hinter sich lassen.

Auf zum Mundwasser also …

… sagte er sich, während ihn ein weiterer Stand zum Stocken brachte. ‘Kinder’ … eine Marke aus Deutschland, oder nicht? Eine äußerst köstliche -

“Ani”, zischte er sich selbst zu und zwang sich, die Schokolade Schokolade sein zu lassen und weiterzugehen.

Jimin hatte recht. Es war schrecklich mit ihm einkaufen zu gehen. Er hatte eh schon die Aufmerksamkeitsspanne eines Zehnjährigen - wenn es da immer wieder Essen gab, dass ihn aus der Bahn warf, schien er nochmal um fünf weitere Jahre zu verjüngen.

Jedoch hatte er Glück im Unglück. Mundwasser … endlich hatte er sein Ziel erreicht und stand vor diesem. Die Auswahl war … unübersichtlich groß. Also griff er sich das Erstbeste. Irgendein blaues. Frischer Atem, gegen Karies und Plaque … klang gut. Gut genug. Ähnlich hielt er es bei der Zahnseide. Allem voran, weil er leider bereits jetzt die ersten neugierigen Blicke auf sich gezogen hatte. Und das sicherlich nicht, weil er sich gerade in den Hotdogstand verguckt hatte.

Er konnte die Blicke spüren, bevor er sie sah. Sie gehörten zu einem Paar … jedenfalls vermutete er das, weil sie sich bei ihm eingehakt hatte. Gerade jetzt sahen sie ihn allerdings beide an. Unschlüssig und gebannt. Glücklicherweise waren allerdings noch keine Handys im Spiel, die ihn fotografieren oder filmen konnten.

Also warf er auch die Zahnseide in seinen Korb und machte sich von dannen. Machte dabei vorsorglich einen großen Bogen um die Kondome, die Frauenhygieneartikel und die Abteilung mit den Babyartikeln. Und auch das mit den Getränken schob er auf.

Das würde er Manager-nim überlassen, entschloss er, während er sich so schnell wie möglich auf den Weg zur Kasse machte, um zu zahlen - und dann doch den Weg in die Company anzutreten. Den Rest der Zeit würde er dort totschlagen. Beispielsweise bei einem Frühstück in der firmeneigenen Cafeteria.

“Wir sind also wieder im Spiel”, ließ Nahm schneidend verlauten, als sie ihm die frohe Botschaft mitgeteilt hatten. Die, dass die Sache zwischen ihm und Blondie wieder lief …

“W-wir spielen nicht”, entwischte es Jungkook etwas überrumpelt und er spürte, wie Kim Eojins Hand beschwichtigend unter dem Schreibtisch und somit außerhalb von Nahms Sichtweite nach der seinen griff.

Zeitgleich übernahm dieser das Wort: “Ich denke, wir alle sind uns einig, dass die Beschuldigungen, die gegen Miss Pries ausgesprochen wurden, ungerechtfertigt waren. Oder bestehen da nach wie vor Zweifel? Begründete Zweifel?”

Jungkook entwischte ein erleichtertes Zischen. Ja … er konnte durchaus für sich und Hannah sprechen. Dennoch war er mehr als nur erleichtert, dass er es gerade nicht tun musste. Dass sein Manager ihm Rückendeckung gab.

Nahm räusperte sich. “Wir alle wissen, aus welchen Gründen wir das eigentlich nicht gutheißen können”, sagte er und sah das Idol in ihrer Runde vielsagend an. “Du erinnerst dich an unsere Gespräche. Die über die Geschichte des Landes, aus dem sie stammt - und welches Licht es auf dich werfen könnte, wenn herauskommt, dass du-”

“Ja”, fuhr er dem älteren Mann dazwischen. Scheiß auf die gängigen Höflichkeitsformen. Denn ja, er kannte diese Bedenken bereits. Bedenken, die man ihm im Grunde vorbetete, seitdem diese Sache lief. Er musste sie nicht noch einmal hören. Oder auch: Er wollte sie nicht noch einmal hören. Ebenso wenig wie er zulassen wollte, dass man sie hier schlecht redete. Ganz sicher nicht … vor allem nicht in seinem Beisein. “Ich bin mir den möglichen Schwierigkeiten, die eine Beziehung mit Hannah mitbringen würde, bewusst. Und ich bin gewillt, die Risiken, die damit einhergehen, einzugehen.”

Ein bitteres Lächeln umspielte Nahms Gesicht, der einen Moment bedeutungsschwer schwieg. Auf diese zermürbende Art und Weise, bei der er ihn einfach nur durchdringend ansah. Mit ineinander verschränkten Händen, die er über seine Brust gelegt hatte. “In Ordnung”, ließ er schließlich verlauten. Leise … es schien etwas Bedrohliches zu haben, was der junge Mann nicht ganz deuten konnte. “Allerdings werden wir weitere Vorsichtsmaßnahmen treffen müssen. Das kann so nicht weitergehen.”

“Das ist uns bewusst”, sagte sein Manager, bevor Jungkook irgendetwas sagen konnte. “Sicherlich werden wir da eine Lösung finden. Schließlich stehen wir nicht das erste Mal einer Situation wie dieser gegenüber.”

“Richtig”, gab Nahm schneidend zurück. “Wir werden uns etwas einfallen lassen. Allerdings wird sie da mitspielen müssen”, sein Blick schien Jungkook zu durchbohren, als er weitersprach: “Du wirst da mitspielen müssen. Und eventuell auch einige deiner Member.”

“Meine Member?”, entwischte es Jungkook zugegeben doch etwas überrascht. Ja, er stand hinter dieser Sache und ihm war bewusst, dass spezielle Vorsichtsmaßnahmen vonnöten sein würden, um nicht in weitere Fallstricke zu geraten. Allerdings gefiel ihm der Gedanke nicht, dass seine Member ebenfalls involviert werden sollten.

“Ihr seid eine Einheit. Wie sagt man in Deutschland so schön? Mit gefangen, mit gehangen?” Jungkook runzelte bei dem Verweis auf Blondies Herkunftsland die Stirn. “Ihr alle sitzt in einem Boot. Wenn einer untergeht, geht ihr alle unter. Wir werden euch allen also ein paar zusätzliche Schwimmwesten anlegen müssen.”

Mit nach wie vor gerunzelter Stirn saß der junge Mann da. Starrte seinen Gegenüber einfach nur weiterhin an - bis dieser ihn und seinen Manager schließlich aus dieser Farce von Gespräch entließ.

“Was soll das heißen? Die anderen müssen auch mitspielen?”, wagte er es leise nachzuhaken, als sie das Büro des älteren Mannes endlich weit genug hinter sich gelassen hatten und der menschenleere Flur sie einen Moment in Vertrautheit und Sicherheit wiegte.

“Mach dir keine Sorgen. Er ist einfach nur theatralisch. Es wird wahrscheinlich eines dieser 0815-Schauspiele geben, in das die anderen am Rande involviert sein werden.”

Und ja … er hatte von besagten ‘Schauspielen’ gehört. Allerdings gefiel ihm der Gedanke, dass auch die anderen in dieser Sache verwoben werden sollten, nach wie vor nicht. Nahm hatte jedoch leider recht. Sie saßen tatsächlich alle in einem Boot. Und das taten sie bekanntlich ebenfalls, wenn die Gewässer, durch die sie segelten, mal etwas wilder und ungehaltener wurden.

***

Ihr Lieben, da sind wir wieder. Und sorry, ich kümmere mich noch um das noch unbeantwortete Feedback. Ich kam bisher einfach noch nicht dazu, weil mein gesundheitsbedingt eh schon angeschlagener Vater mit einer Lungenentzündung im Krankenhaus lag. Da war ich also mit dem Kopf ganz woanders. Ich habe mich trotzdem über jedes einzelne Wort gefreut. :)

Habt eine wundervolle Wochenmitte und wir lesen uns Freitag bei der Hauptstory. <3