Adage (nach Chapter 79 von NaD)
Adage (nach Chapter 79 von NaD)
Hinweis: Das folgende Chapter kann jederzeit nach Kapitel 79 von Night and Day gelesen werden.
59. Adage
Noch am selben Tag hatte er mit Jimin, Namjoon, Yoongi und Taehyung über das ‘Schauspiel’ gesprochen, welches man plante. Sie waren, was das anging, keine gänzlich alten Hasen, weil es ein ähnliches Vorgehen bereits bei Hoseok und einer alten Flamme von ihm gegeben hatte. Allerdings war das schon lange her und war wieder vorbei gewesen, kaum dass das ‘Spiel’ begonnen hatte. Wahrscheinlich hatte er es gerade deshalb weitestgehend verdrängt. So sehr, dass es ihm erst Stunden nach dem Gespräch mit Nahm und Kim wieder in den aufgebrachten und verunsicherten Sinn gekommen war.
In erster Linie kannte er es aus Reihen seiner Hubaenims von Seventeen und Stray Kids. Und auch wenn er hier keine eingängigen Geschichten kannte, hatte er doch das eine oder andere Gerücht darüber gehört, dass man besagte Praktik auch schon bei Girlgroups wie Twice, Blackpink und Aespa genutzt hatte.
Weitere und bedeutend schlagkräftigere Beispiele waren Seonbeanims wie Big Bang, Shinee, Girls Generation und Super Junior. Sie alle umgaben zahlreiche Gerüchte und Geschichten, was angedeutete ‘Schauspiele’ anging. Was kein Wunder war, da besagte Praktiken scheinbar auf diese Zeiten zurückgingen. Zeiten, in denen sich das Internet und dadurch die Art und Weise, wie sich Skandale und Gerüchte unter den Fans und der Öffentlichkeit verbreitet hatten, gewandelt hatten.
Allerdings war sein Wissen übergreifend eher vage - weil er schlicht und ergreifend nicht viel auf die exklusive Gerüchteküche des Kreises, in dem er sich bewegte, gab. Solange es nicht gerade ihn oder jemandem der ihm nahestand betraf. Selbst dann vertiefte er sich jedoch nicht zu tief in Geschichten wie diese. Sei es aus eigenem oder aus dem Desinteresse der Menschen, mit denen er sich umgab. Niemand von ihnen war besonders interessiert an Gerüchten.
Entsprechend war Jungkook nach wie vor skeptisch. Skeptisch im Bezug darauf, was das für sie nun genau und im letztendlichen Detail bedeuten würde. Allerdings hatten die Jungs ihm versichert, dass sie hinter ihm stehen würden. Hinter ihm und Blondie - was immer das auch bedeuten mochte. Ähnliches hatte Jin getan, als er mit diesem vor einigen Tagen ebenfalls über diese … Sache, gesprochen hatte.
Dazu mit Hoseok darüber zu sprechen, war er noch nicht gekommen. Sein Hyung war aufgrund des nahenden Militärdienstes gerade zu sehr eingespannt. Jungkook würde es nachholen, sobald die Zeit dafür reif war.
Da Jungkook was ‘Spiele’ wie dieses anging, aber sozusagen noch etwas bei seinem Hyung gut hatte, ging er gerade vorsichtig davon aus, dass dieser ihm dahingehend ebenfalls den Rücken stärken würde.
“Das wird schon”, hatte Taehyung zu ihm gesagt. “Lass es auf dich zukommen”, hatte Namjoon hinzugefügt. Und ja … er hatte nicht gänzlich begeistert ausgesehen. Offensichtlich vordergründig gute Miene zum bösen Spiel gemacht. Anders hätte er es von ihrem Leader allerdings auch ganz ehrlich nicht erwartet. Immerhin war das hier ganz große Scheiße … egal wie man es drehte oder wendete.
Allerdings war es nun einmal wie es war. Daran würde er nichts ändern können. Er musste das Beste daraus machen … und, wie Joon es schon so passend gesagt hatte, auf sich zukommen lassen. Immerhin gab es gerade, was geplantes ‘Spielchen’ anging, ausschließlich vage Andeutungen.
Nun war also ‘Abwarten und Tee trinken’ angesagt. Anscheinend ein Sprichwort aus dem deutschsprachigen Raum, das ihm Manager-nim kürzlich verkündet hatte. Und Jungkook wusste nicht, was daran irritierender war. Dass sein Manager scheinbar Sprichwörter aus Blondies Sprachgebrauch lernte oder dass er diese überaus spannend fand. So spannend, dass sie ihn noch Tage später beschäftigten.
Wörtlich übersetzt gab es diese Redewendung im Koreanischen nicht. Allerdings gab es eine mit ähnlicher Bedeutung: ‘Wenn die Zeit reif ist, wird man es schon erfahren.’
Ein Sprichwort, mit dem seine Mutter ihn gerade in jungen Jahren immer wieder gequält hatte. Denn er war kein besonders geduldiges Kind gewesen. Etwas, das er auch im Alter nicht gänzlich hatte ablegen können … was an seinen ADHS-Tendenzen liegen mochte, die sich im erwachsenen Alter bei ihm gebildet hatten. Oder auch von der kindlichen Unruhe und Rastlosigkeit zurückgeblieben waren.
In erster Linie zeigten sie sich bei ihm heute noch durch innere Unruhe. Er konnte nur schlecht still sitzen, hatte Probleme sich über längere Zeit auf etwas zu konzentrieren und es fiel ihm häufig schwer, sich zu entspannen - und demnach ebenso schwer abschalten und abwarten.
… deshalb war einfach abzuwarten hart.
Tee schmeckte ihm meistens nicht … oder eher bedingt. Manchmal trank er eine Tasse vor dem Schlafengehen oder bei einer Erkältung. Etwa wenn eine Show bevorstand und seine Stimme angeschlagen war.
Darüber hinaus griff er lieber auf Limonaden wie Cola oder Sprite zurück. Oder auf einen alkoholischen Klassiker wie Whiskey. Und das nicht einmal des Rausches wegen, auch wenn dieser durchaus eine beruhigende Wirkung auf ihn hatte.
Vor allem hatte es ihm der Geschmack angetan. Ebenso wie die Vielfältigkeit. Mal rauchig, mal fruchtig und mal unterschwellig süß. Und dennoch stets voll von Charakter. Eine Explosion an Aromen, welche die Geschmacksknospen kitzelten. Oder malzig süß, wie es beispielsweise bei vielen Scotch-Variationen der Fall war. Und Bier … natürlich durfte er dieses bittersüße Gesöff nicht vergessen, das sich vor allem in Blondies heimischen Breitengraden an ungemein großer Vielfalt, Qualität und Beliebtheit erfreute.
Bananenmilch war, wenn es nach seinen Geschmacksknospen ging, stark in den Hintergrund gedrängt worden. Nur noch selten dürstete es ihm mal danach. Meistens, wenn er einen Kater hatte. Glücklicherweise war er hart im Nehmen und wurde nur selten von einem solchen geplagt.
Deshalb genügte mittlerweile oft schon ein starker Kaffee, um ihn wieder auf die Beine zu bringen. Manchmal gesüßt und manchmal auch mit ein wenig Milch. Auch hier schien sich in seinem Mund aber etwas zu wandeln … zunehmend verlangten seine Geschmacksknospen nämlich einfach nur nach Kaffee pur. Schwarz wie die Nacht oder nur durch etwas Wasser oder Eis abgemildert.
“Du wirst erwachsen”, hatte Yoongi seinen sich wandelnden Geschmack kürzlich einmal kommentiert. Mit einem dieser fast schon stolzen Grinsen auf den Lippen, die sein Gesicht manchmal trug, wenn er den jüngeren Mann ansah. Wie der Bruder, der er für ihn in all diesen gemeinsamen Jahren gewesen war, die hinter ihnen lagen. Sie sieben bewiesen immer wieder, dass Wasser manchmal doch fast so dick wie Blut sein konnte.
Ein weiteres deutsches Sprichwort, das er sich bei einer kurzen und doch zugegeben peinlichen Recherche angeeignet hatte. Peinlich, weil es ihn grundlegend viel zu sehr fasziniert hatte, in diesen Sagen und Mythen zu versinken, die ihr Heimatland umgaben.
Deutschland … für ihn bisher nichts weiter als ein Fleck auf der Landkarte, der ihm eher durch seine unschöne Vergangenheit und eine Handvoll Konzerte ein Begriff gewesen war. Jetzt sah er in diesem so viel mehr. So viel mehr, was er noch nicht in Worte zu fassen wagte.
Vielleicht fiel es ihm deshalb so schwer einfach, abzuwarten. Tee zu trinken und dem ‘Schauspiel’ dabei zuzusehen, wie es sich vor ihren Augen entfaltete. Es stand einfach zu viel auf dem Spiel. Nicht mehr nur für sie beide … auch für diese sechs anderen Jungs, die mit ihm in diesem verdammten Boot saßen, das ein falsch angespielter Akt jederzeit zum Kentern bringen konnte.
***
Hallo ihr Lieben, da sind wir wieder. Ich fasse mich an dieser Stelle einmal kurz, da wir uns ja am Freitag schon wieder in der Hauptstory lesen. Ich hoffe euch geht es allen gut und ihr seid gut in den Herbst gekommen. Habt einen wundervollen Tag und eine schöne Restwoche. <3