Showoff (nach Chapter 11 von NaD)
Showoff (nach Chapter 11 von NaD)
Hinweis: Das folgende Chapter kann jederzeit nach Kapitel 11 von Night and Day gelesen werden.
6. Showoff
- 15. April 2022 -
Die Menge tobte immer noch, als sie die Bühne nach dem Soundcheck hinter sich ließen und nach wie vor von der Euphorie getrieben, die ihn dort oben einnahm, sprang er übermütig die Stufen am Bühnenaufgang hinab. Immer zwei bis drei auf einmal nehmend, was ihn direkt beim zweiten Treppenabsatz einen mahnenden Laut von Hoseok bescherte, der direkt hinter ihm ging.
“Mach langsam, ein falscher Schritt und du quälst dich nachher, weil du dir wieder etwas vertreten hast”, sagte sein Hyung tadelnd, als er zu ihm aufholte und seine Hand auf seine Schulter legte, um ihn zu stoppen. Also hielt Jungkook sich zurück und stieg die letzten drei Stufen langsam und eine nach der anderen hinab.
Taehyung holte zu ihnen auf und fügte hinzu: “Oder du sitzt auf der Bühne, weil du dich wieder einmal verletzt.”
“Ist ja gut, ich mache langsamer”, gab er nach und schüttelte Hoseoks Hand im Laufen ab.
Einige der anderen Jungs begangen sie zu überholen und das machte ihn auf absurde Art und Weise nervös. Also wurde er wie von selbst schneller, was den älteren Mann wieder die Hand auf seine Schulter legen und ihn etwas ausbremsen ließ. “Musst du immer der Erste sein?”, fragte Hobi amüsiert.
“Falls ja, tut mir die Kleine leid”, warf Tae triezend ein und überholte ihn vielsagend schmunzelnd.
Jungkook schnaufte und schoss: “Da bin ich ausnahmsweise mal ein Gentlemen. Anders als du, wie man mir neulich gesteckt hat. Ich bin es immerhin nicht, der versehentlich ins falsche Loch gerutscht-”
Hoseoks Griff verfestigte sich um seine Schulter. “Vorsicht, Staff”, raunte er ihm zu und Ähnliches schien Yoongi bei Tae zu tun, der den Mund öffnete und ihm offensichtlich unbedacht zurück warf: “Ich bin es nicht, der sich hat von zwei Enden stopfen lassen.”
Augenblicklich wurden Jungkooks Ohren heiß und Staff hin oder her, das konnte er so nicht auf sich sitzen lassen: “Das war bei einer Magen- und Darmspiegelung, du blöder Spinner. Hör auf schräge Gerüchte zu kreieren.”
Der umliegende Staff schien sie nach bestem Können zu ignorieren. Sie sahen sie nicht einmal an, wie sie es meistens nicht taten, wenn ihre Gespräche zu persönlicher Art waren. Allerdings waren sie in ihrem Beisein nie zu persönlich. Oder auch: So persönlich, dass dabei Informationen von Wert bei herum kamen. Und ja, das hier war grenzwertig, aber nicht so lohnenswert wie die, dass er erst vor ein paar Tagen Sex gehabt hatte und heute Nacht wieder haben würde.
Etwas, das hier nur eine Handvoll Leute mitbekommen durften. Der sogenannte innere Kreis, dem sie trauen durften - weil er so klein war, dass es sofort auf einige ausgewählte und wenige Leute zurückfiel, wenn etwas nach außen gelang.
“Gib es zu, du wolltest dich wenigstens einmal in Midori hineinversetzen können”, flüsterte Yoongi so unendlich leise, als Jungkook ihn und Tae erreicht hatte, dass selbst er nicht ganz sicher war, ob er ihn richtig verstanden oder sich diese Spitze nur eingebildet hatte.
Und ja, dieser Anmerk war nicht nur unnötig, er war absolut grenzwertig. Das hier war noch nicht einmal etwas für den inneren Kreis. Das hier war etwas, das bandintern bleiben musste. Allerdings war er selbst Schuld. Er hatte unter Alkoholeinfluss ernsthaft mit dieser Sache geprahlt - was auch immer ihn da geritten hatte. Wobei er zugeben musste, dass er übergreifend gerne geprahlt hatte. Jedenfalls in ihrem exklusiven Bandkreis. An ihrer Stelle wäre er ganz sicherlich auch genervt von sich und würde so einen Ausrutscher nutzen. Auf ewig. Aber da war er noch bedeutend jünger gewesen und er arbeitete, was das Geprahle anging, an sich.
“Warum hast du dir eigentlich direkt beides gegeben?”, sprang nun auch Hoseok auf den Zug auf, allerdings auf einen der weniger brisanten Wagons.
“Damit ich es hinter mir habe”, antwortete er ehrlich, während sie zusammen mit den anderen beiden auf den kleinen Aufenthaltsraum zusteuerten, der nur ihrem inneren Kreis zugänglich war.
Kaum hatten sie diesen erreicht und die Tür verschlossen, ging der Spießrutenlauf weiter und Jimin, der das Ganze auf dem Weg hierher anscheinend wenigstens halbwegs mitbekommen hatte, warf ebenfalls ein: “Damit er nachvollziehen kann, wie Midori sich gefühlt haben muss.”
Jungkook stöhnte genervt. Er wusste wirklich nicht, was genau ihn damals dazu gebracht hatte, ausgerechnet mit dieser Sache zu prahlen. Deshalb, und um diese Sache nicht noch mehr ausarten zu lassen, ignorierte er sie wenigstens jetzt wie der erwachsene Mann, der er war. Stattdessen ging er rüber zum Minibuffet, auf dem sich vor allem ein paar Snacks und Getränke befanden und deckte sich mit etwas Obst und einer Soda ein.
“Obst? Tankst du Kräfte für heute Nacht?”, hakte Jimin triezend nach und natürlich war ihm Taehyung dicht auf den Fersen.
Wie zwei Hyänen umzingelten sie ihn und folgten ihm bis zu einem der Sofas, die in der Mitte des Raums zu einem U geformt worden waren. Sie weiterhin ignorierend, ließ er sich extra am Rand nieder, sodass nur einer von ihnen neben ihm Platz nehmen konnte. Leider hatte er die falsche Rechnung aufgestellt, denn Jimin hockte sich neben ihm vor die Lehne und sah ihn, die Hände auf diese gelegt, an.
“Warum bist du so still?”, fragte der Älteste ihrer Youngster-Line, sichtlich von seinem Schweigen angestachelt.
“Er ist neuerdings ein Gentleman”, tönte Taehyung und begann leise zu lachen.
Ein Lachen, in das Jimin kurz einstimmte, bevor er mit hochgezogener Braue wissen wollte: “Warum so plötzlich? Du erzählst absolut nichts über sie? Nichts Interessantes jedenfalls.”
“Weil es da nichts Interessantes gibt? Oder ist sie dir nicht gut genug, um zu prahlen?”, stichelte Yoongi, der sich gemeinsam mit Seokjin mittig auf dem Sofa gegenüber niedergelassen hatte.
Natürlich wusste er, worauf der Ältere hinaus wollte. Er versuchte, ihn aus der Reserve zu locken. Also ignorierte er auch das, beziehungsweise ließ seinen Hyung wissen: “Ich weiß, was du tust.”
“Du wirst besser”, entgegnete Yoongi grinsend und schien damit auch bereits wieder das Interesse an ihrem Gespräch zu verlieren. Wenigstens augenscheinlich.
Allerdings stimmte nun Jin ein, der sich zuvor noch auffallend eindringlich darum gekümmert hatte, eine Mandarine zu pellen. “Gebt ihm noch zwei Tage. Dann springt er hier in gewohnter Manier rum und lässt alle Welt wissen, wie oft und in welchen Positionen.”
Jungkook ignorierte auch dies und schwieg, während er sich daran machte, die Banane aus ihrer Schale zu befreien, die er sich nur wenige Minuten zuvor vom Buffet gefischt hatte. Nein, dieses Mal würde er sie nicht teilhaben lassen. Zum einen, weil sie stets so taten, als interessierte es sie nicht oder nerve sie. Obwohl er es natürlich besser wusste, das hier war der beste Beweis dafür. Auf gewisse Weise war der Bandalltag manchmal verdammt eintönig. Außerdem ermöglichten Momente wie dieser hier sie dazu, sich manchmal wenigstens halbwegs normal zu fühlen.
Also Momente, in denen sie nicht über die Show am Abend, über mögliche Preise, die sie gewinnen könnten oder über musikalische Projekte sprachen. Momente, in denen sie einfach mal über Dinge sprachen, die auch die zig anderen Männer in ihrem Alter da draußen tangierten. Beziehungen, welcher Art sie auch waren und demnach auch Sex zum Beispiel. Der Unterschied war, dass sie es nur hinter schweren und verschlossenen Türen tun konnten. Türen, die noch nicht einmal der Großteil ihres eigentlich vertrauten Staffs passieren durfte.
Zum anderen wollte er diese Sache aber für sich haben - und zwar nur für sich. Er wusste nicht warum, aber das hier fühlte sich anders an. Anders als die Sache mit Midori, bei der es ebenfalls ausschließlich um Sex gegangen war. Um überaus wilden Sex, um ehrlich zu sein, Und ja, das hatte ihm gefallen. Bis es ihm etwas zu wild geworden und ihr Grüppchen sich erweitert hatte, was im Eifer des Gefechts etwas Gutes und Aufregendes gewesen war. Allerdings hatte es danach und im nüchternen Zustand ein sehr unangenehmes Erwachen gegeben, welches ihn eine Freundschaft gekostet hatte.
Man hätte sich immerhin vorher denken können, dass das echte Leben anders als die vielen Pornos war, in denen schon zig andere Menschen getan hatten, was sie getan hatten. Und ja, in diesem Moment war es geil und verrucht gewesen. Im Nachhinein war ihnen aber klar gewesen, dass sie Sex miteinander gehabt hatten. Getrennt durch einen dritten Körper, aber genau genommen änderte das nichts. Vor allem, wenn man nach der Geilheit näher darüber nachdachte.
Danach hatte er die Sache mit Midori beendet. Via Text, nachdem er sie geghostet hatte … ja, er war nicht gut in sowas. Aber er wollte sich ändern. Auch auf diesem Feld. Und deshalb ergriff er die Flucht, als Jimin und Tae nicht aufhören wollten zu bohren.
Die Flucht nach vorne - und nicht nur aus ihrem Schutzraum, sondern in die Garderobe, wo sich die Stylisten und Make-up-Artisten fanden. Und da sich gerade bei letzteren immer wieder Maulwürfe gefunden hatten, befand er sich damit im äußersten Kreis. Hier war demnach also nahezu komplettes Schweigen angesagt. Im Grunde verhielten sie sich hier nicht viel anders als sie es vor laufenden Kameras taten. Hier war er vor den Hyänen sicher.
***
Puh ihr Lieben, ich habe lange mit mir gerungen, ob ich dieses Chapter wirklich so veröffentlichen soll oder nicht. Aber ich habe Männer echt schon schlimmere Dinge sagen hören - als sie nicht einmal komplett unter sich waren -, also habe ich mich dazu entschlossen, es so zu lassen. Habt einen schönen Tag und ich sage bis bald. :)