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Slots (nach Chapter 81 von NaD)

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Slots (nach Chapter 81 von NaD)

Hinweis: Das folgende Chapter kann jederzeit nach Kapitel 81 von Night and Day gelesen werden.

61. Slots

- Mitte April 2023 -

Das alles war entsetzlich zehrend. Und wenn er alles sagte, dann meinte er alles … seit rund einer Woche war er jetzt hier. In den Staaten. Genaugenommen in LA, wo der Jetlag vollkommen neue Ausmaße anzunehmen schien. Natürlich wusste er, dass es nicht nur die Zeitverschiebung war, die ihn mental und auch körperlich auf den Knien kriechen ließ. Es war die Tatsache, dass seine Tage hier mit den Nächten zu verschwimmen schienen …

Tage, die er im Bett verbrachte - wenigstens für wenige Stunden. Meistens für drei oder vier. Gefolgt von Nächten, in denen er die Nacht zum Tag machte. Gegen die Nervosität und Unsicherheit ankämpfend, die dieses Neuland, das er im Begriff war zu betreten in ihm auslöste.

Es waren nicht nur die Songs. Beide in dieser ihm nach wie vor beschämend fremden Sprache geschrieben, über deren Wörter er immer wieder stolperte. Geschrieben von Größen, die er bisher nur bedingt kannte - aufgenommen von Produzenten, die bereits mit Größen wie Bieber, Gaga und Cyrus gearbeitet hatten. Die bereits Grammys und sogar Oscars für ihre Werke bekommen hatten.

Und nun standen sie da und lauschten seinen Stolpereien. Jubelten ihm zu und versprachen ihm Dinge, von denen er selbst bisher nicht zu träumen gewagt hatte … nein … falsch. Das war gelogen. Geträumt hatte er davon. Er, der sich seinen eigenen Namen macht. Ganz ohne diese drei gigantisch großen Buchstaben, die stets ihren Schatten auf ihn warfen. Er, der nicht nur die Herzen der Fans eroberte - sondern auch den westlichen Musikmarkt.

Ein Traum, der sich plötzlich zum Greifen nah anfühlte … der es ihm noch schwerer machte Schlaf zu finden. In diesen spärlichen freien Stunden zwischen Songtexten, die er nicht nur auswendig lernen, sondern auch auszusprechen lernen musste. Und zwischen Shootings für dieses Modelabel, das er neuerdings als Ambassador vertrat und bewarb. Wieder einmal halb nackt - aber glücklicherweise weiterhin in Hosen. Denn dazu mehr zu zeigen, war er nach wie vor nicht bereit. Und glücklicherweise akzeptierten sie es. Hatten ihm ein extravagantes und innovatives Konzept auf den halbnackten Leib geschrieben.

Und auch sie feierten ihn. Lobten ihn in den Himmel … so hoch, dass er sich manchmal vor lauter Überwältigung und Scham ein wenig selbst verlor. Manchmal … bis das Erwachen kam.

Glücklicherweise ließ ihm sein strammer Zeitplan nur wenig Zeit zum Nachdenken … und ebenso wenig zum Zweifeln. Also ließ er es über sich ergehen. Die Shootings, die Aufnahmen, die gemeinsamen Mittag- oder Abendessen mit Leuten, die er karrierewise unbedingt kennenlernen musste und die Interviews, die zwischen all dem und seine drei bis vierstündigen Slots mit dem Vermerk ‘Freizeit’ jede noch so kleine Lücke füllten.

War sein Zeitplan jemals so voll gewesen? Das fragte er sich manchmal, wenn er übermüdet im Bett lag und dennoch nicht zur Ruhe kam. Weil seine Gedanken und sein Herz rasten, die Zweifel seinen Schädel zum Pochen brachten und seine Kehle entsetzlich trocken machten. So sehr, dass er trinken musste … trinken … trinken … und dann pinkeln … pinkeln … pinkeln. Und dann ging es meistens von Neuem los.

Der Slot ‘Freizeit’ endete meistens so schnell, wie er gekommen war. Manchmal nicht nur im Hotelzimmer, das er viel zu selten sah, sondern auch von einem Ort zum anderen. Von A nach B … mit einer rund dreistündigen Lücke im Auto, in dem er schlafen sollte. Während man um ihn herum bereits die nächsten Pläne schmiedete. Pläne, die ihn wieder nervös machten. Zweifeln ließen. Ihm die Galle hoch trieben.

Doch er hatte keine Zeit für so etwas … nicht für Zweifel und nicht zum Schlafen. Und noch weniger für Blondie, die von Anruf zu Anruf und Nachricht zu Nachricht ungeduldiger und aufbrausender wurde. Er spürte es … er hörte es. Manchmal an ihrer Stimme, die gepresst und die zunehmende Wut und Enttäuschung unterdrückend zu ihm durchdrang. Durch den Hörer hinweg, der sie trennte.

“Ich verstehe nicht”, sagte sie. Immer und immer wieder, während er sie vertröstete oder einschlief … nicht einmal. Nicht zweimal … er wusste irgendwann nicht mehr, wie oft es ihm passiert war, seitdem er hier gelandet war.

Und es tat ihm leid. Natürlich tat es das … das hier war ein weiterer Beweis dafür, dass das hier nicht funktionierte. Das hier oder auch in anderen Worten ihre Beziehung. Es funktionierte nicht, solange sein Schedule ihm nicht einmal genug Zeit zum Schlafen ließ - und sie ihm nicht vertraute, wenn er ihr versicherte, dass es nicht an ihr oder an seinem Desinteresse lag und dass es ihm leid tat.

Dass er sie ebenfalls sehen wollte … sie anstatt all dieser fremden Menschen, mit denen er sich umgab. Oder nein … nicht ganz. Er wollte das hier nicht missen. Jedenfalls den Teil nicht, in dem seine Träume endlich zum Greifen nah waren. Allerdings wollte er diese Momente mit ihr teilen können. Wirklich teilen. Wollte sie hinter dem Mischpult stehen sehen, während er über diese fremden Worte stolperte, die sie verbanden. Wollte sie irgendwo im Off wissen, während er umgeben von Fremden spärlich bekleidet durch irgendwelche Garagenkomplexe taumelte - und sich vor lauter Erschöpfung so auf die elende Nase legte, dass es ihm das Schultergelenk, das Schlüsselbein und ein paar Rippen prellte. Wollte, dass sie in diesen spärlichen Slots, die den Titel ‘Freizeit’ trugen, neben ihm lag. Gemeinsam schlaflos mit ihm an die Decke starrte - und ihm wenigsten ein paar Zweifel und etwas Nervosität nahm.

Sie … nicht irgendwelche reichen Erbinnen, dessen Smalltalkversuchen er nicht hatte aus dem Weg gehen können. Der Höflichkeit wegen … weil Coachella ein weiteres Event gewesen war, das er laut seiner Berater nicht hätte missen dürfen. Immerhin wurde man hier gesehen - vorausgesetzt man ließ sich dort blicken.

‘Networking’ hatte man es genannt … und somit war scheinbar jenes das Wort, das Blondie die Fassung vollends hatte verlieren lassen.

Und so saß er schließlich hier. Am Ende einer mit unübersichtlich vielen Slots gefüllten Woche in dem letzten Slot mit dem Namen ‘Freizeit’ in seinem Hotelzimmer und starrte nach wie vor etwas benommen auf das Telefon in seiner Hand hinab. Fühlte sich dumpf … merkwürdig dumpf. Hörte sie immer noch hinter seinen Schläfen schluchzen und spürte diese elendige Klammer in seiner Brust, die sich dort gebildet hatte, als sie ihn gebeten hatte, ihr das Zimmer zu zeigen …

Sie vertraute ihm nicht. Nach wie vor nicht … und wenigstens zum Teil konnte er es ihr nicht verübeln. Jedoch nur zum Teil. Zum anderen tat es auch weh. Es tat weh, dass sie ihm nicht nur nicht vertraute, sondern direkt das Schlimmste erwartete. Und das obwohl sie mittlerweile wissen musste, dass das nicht sein Stil war. Alles andere als seine Art.

Aber vielleicht lag er falsch. Vielleicht musste er ihr doch noch etwas deutlicher machen, was seine Art war. Was sein Stil war. Und was sie ihm bedeutete … ja, vor allem das.

So wie sie es getan hatte. So wie sie es gesagt hatte. Nicht zum ersten Mal, aber heute das erste Mal offen, ehrlich und deutlich. Er hatte es ebenfalls sagen wollen. Allerdings hatte sie wohl recht … es wäre der falsche Zeitpunkt gewesen. Hätte sich notgedrungen und gezwungen angefühlt. Aber er hoffte, der richtige Zeitpunkt würde kommen. Ebenso wie der, wo sie ihm vertraute … wo sie sich beide vertrauten. Denn das wäre ein Anfang. Ein Anfang, den sie dringend benötigten, um das hier funktionieren zu lassen.

Jungkook wünschte sich, er könnte sie zurückrufen. Konnte es vertiefen … konnte sie sehen. Oder wenigstens schlafen. Leider war ihm nichts dergleichen vergönnt. In Kürze endete sein aktueller Slot mit dem Namen ‘Freizeit’ nämlich - und der mit dem Namen ‘Rückflug’ begann.