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Briefings (nach Chapter 82 von NaD)

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Briefings (nach Chapter 82 von NaD)

Hinweis: Das folgende Chapter kann jederzeit nach Kapitel 82 von Night and Day gelesen werden.

62. Briefings

- 8. Mai 2023 -

“Denk an deine Verteidigung”, ließ sein Trainer Tommy ihn wissen - kurz nachdem er ihm beinahe eins mitten in die Visage gegeben hatte. Weil er unachtsam gewesen war … und das, so musste er zu seiner Schande gestehen, nicht zum ersten Mal.

Übergreifend, aber vor allem heute. Sein Kopf lief einfach zu sehr über. So sehr, dass er sich nur schwer bis gar nicht auf die fliegenden Fäuste seines Gegenübers und die Bewegungsabläufe konzentrieren konnte, die er mittlerweile eigentlich bereits im Schlaf beherrschte.

Heute hatte er nämlich die ersten Details in puncto des geplanten Schauspiels bekommen. Allerdings auch wirklich nur die ersten, die nach wie vor von äußerst vager Natur waren. Man wollte dafür sorgen, dass sie den Fans keine gänzlich Unbekannte mehr war. Das war ihm allerdings bereits vor diesem kurzen und unbefriedigenden Meeting bewusst gewesen, zu dem man ihn heute relativ kurzfristig geordert hatte. Eine gute Freundin sollte sie spielen. Man hätte da bereits einen Plan. Diesen würde man ihm jedoch zu gegebener Zeit erörtern. Wenn er ausgereifter und stich- und hiebfest war, hatte Nahm verlauten lassen.

Und ja … das machte Jungkook unruhig. Was eventuell auch daran lag, dass etwas Unangenehmes und Ungutes im Tonfall des älteren Mannes mitgeschwungen hatte. Etwas, das dem jüngeren Mann anzudeuten schien, dass sein Gegenüber noch ein Ass im Ärmel hatte, das ihm mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht gefallen würde.

Genau das ließ er auch Taehyung und Namjoon wissen, als er diese einige Stunden später gegen Abend zu einem kleinen Umtrunk traf. In einer mehr oder weniger trendigen Jazzbar, was ganz nüchtern betrachtet nicht wirklich sein Ding war. Das war ihm bereits bewusst gewesen, als er zögerlich zugesagt hatte. Gerade weil ihm bewusst gewesen war, dass das sehr wahrscheinlich nichts für ihn war und er demnach etwas Rückendeckung und gegebenenfalls auch einen Plan B bräuchte, um früher türmen zu können, hatte er Mingyu ebenfalls eingespannt.

Natürlich nicht ohne vorab Rücksprache mit ihrem Leader zu halten, welcher sogar erfreut und nicht nur einverstanden geklungen hatte. “Klar. Umso mehr, umso besser”, hatte er gesagt.

Taehyung hingegen sah … wenig erfreut und einverstanden wäre wahrscheinlich das falsche Wort. Überrascht passte besser. Demnach überraschte es den Jüngsten der Runde demnach ganz und gar nicht, als sein bester Freund aus der Bandreihe sich zu ihm rüber beugte, kaum dass sein bester Freund aus der übergreifenden Idolwelt sich kurz auf die Toiletten entschuldigt hatte.

“Ich hätte nicht gedacht, dass das was für ihn ist”, munkelte Tae.

“Ja und? Ist auch nichts für mich”, gab Jungkook zurück - wahrscheinlich etwas zu passiv aggressiv und defensiv.

Etwas, das natürlich auch seinem Hyung nicht entging. “Nein, so war das nicht gemeint. Ich bin nur überrascht, ihn hier zu sehen”, ein verlorenes Schulterzucken, “ich dachte … wir sind unter uns.”

Jungkook hob eine Braue. “Unter uns wie unter Freunden?”

“Unter uns wie”, Tae stockte und warf einen Blick durch ihre kleine, erlesene Runde, “unter der Band. Komm schon, du weißt was ich meine.”

“Nein, weiß ich nicht. Dass da ist mein bester Freund. Der weiß eh … nahezu alles”, was eine Untertreibung war. Er wusste alles … absolut alles. Allem voran einer ziemlich Alkohol geschwängerten Nacht vor rund acht Tagen wegen.

Nach dieser verdammten Louis Vuitton Aftershowparty, die sie beide und ein paar weitere Freunde gecrasht hatten. Wobei gecrasht für eine Langweiler-Truppe wie sie im Grunde nicht ganz das richtige Wort war. Sie hatten einfach nur dagestanden. Unter sich … weitestgehend jedenfalls. Ein wenig geflirtet hatten sie. Also, die anderen. Er hatte einfach nur dagestanden und sich wie so oft an seinen Drink gekrallt. Hin und wieder etwas gelacht …

… und war schließlich heilfroh gewesen, als sie die Party endlich wieder verlassen hatten. Damit war der Abend jedoch noch nicht geendet. Im Anschluss waren sie noch durch ein paar kleine Bars und Restaurants gezogen - um schließlich bei Mingyu zu enden. Erst zu viert, dann zu dritt und schließlich waren nur sie zwei übrig geblieben.

Sie zwei und etwas Restalkohol, den sein Freund aus einem seiner Schränke gezogen hatte. Und damit hatte es irgendwie begonnen. Was auch immer es gewesen war. Angetrieben von ein paar Textnachrichten, die Blondie ihm geschrieben hatte und der Anspannung, die das bevorstehende Spiel in ihm auslöste.

Wie genau es passiert war, wusste er nicht mehr. Er erinnerte sich nur noch daran, dass sie im einen Moment gemeinsam Karten gespielt, gelacht und getrunken hatten - und dass er im nächsten heulte und lauter wirres Zeug redete. Unter anderem hatte er die drei Worte gesagt. Mehr als einmal … natürlich galten sie Blondie und nicht seinem besten Freund. Allerdings hatte nur dieser sie gehört und nicht die, der sie eigentlich galten.

Was bedeutete: Sein bester Freund wusste gerade sogar mehr, als Hannah es tat. Also ja … er wusste alles. Jungkooks Mund, der plötzlich nicht mehr aufhören wollte zu reden, hatte nämlich wirklich einiges erzählt. Unter anderen auch ein paar wenig jugendfreie Geschichten, die er bekanntlich neuerdings in petto hatte. Denn “Ich liebe sie” und “Verdammt, ich vermisse sie” oder “ich weiß, das macht alles keinen Sinn. Ich kann und will aber nicht ohne sie” waren bei Gott nicht alles, was ihn umtrieben hatte.

“Ignoriere ihn, er ist eifersüchtig … oder neidisch”, murmelte Namjoon in seinen Drink, den er vor sich in die Höhe hielt und langsam unter seiner Nase hin und her schwenkte.

“Eifersüchtig?”, entwischte es Jungkook irritiert … denn ja. Natürlich waren sie sich den Geschichten, die man in bestimmten Kreisen über sie verbreitete, bewusst. Waren bekanntlich nicht selten sogar mitschuldig an diesen. Allerdings war an diesen nicht allzu viel dran.

Ein paar sehr einsame Nächte, in denen sie sich bei schummrigem Licht und bei melodischen Klängen gegenseitig etwas zu ausgiebig massiert hatten, mal außen vor gelassen. Aber es war alles jugendfrei geblieben. Von der ungewohnt vielen nackten Haut und der zu entspannten Atmosphäre mal abgesehen. Im Nachhinein war das alles vielleicht etwas verstörend, aber dennoch nach wie vor harmlos gewesen. Denn ihre Hände waren stets auf dem Rücken geblieben.

“Ich bin nicht eifersüchtig. Es ist nur … wenn er dabei ist, redest du nur mit ihm. Sonst redest du immer mit mir”, ließ sein Hyung mit sichtlich geröteten Wangen unbehaglich verlauten.

“Dann also neidisch”, murmelte Joon und stellte das Glas klirrend ab.

“Das … stimmt doch gar nicht”, gab Jungkook abwehrend zurück.

“Doch, stimmt leider schon. Es gibt da diese Rangfolge. Zu wem es dich eher oder am stärksten zieht, wenn wir alle zusammen sind - oder wenigstens Teile von uns. Taehyung, Jimin und Seokjin spielen da meistens immer ganz oben mit. Uns anderen behelligst du eher so am Rande … wenn die anderen etwas zu tun haben zum Beispiel. Aber … ist er dabei, sind wir anderen nur nettes Beiwerk - während ihr ständig die Köpfe zusammensteckt. Oder irgendwann einfach gemeinsam von dannen zieht, weil ihr keine Lust mehr habt.”

Jungkook holte tief Luft. Allerdings blieb ihm jede mögliche Verteidigung im Halse stecken, weil da wahrscheinlich wirklich was dran war. Immerhin hatte er Mingyu nicht ganz grundlos mitgeschleift. Weil sie beide, was so etwas anging, erfrischend ähnlich tickten. Weil sie sich oft sogar ohne Worte verstanden.

“Okay, dann erzähl mal. Du warst heute bei Nahm. Was hat er gesagt?”, riss Namjoon das Ruder herum und wechselte das Thema.

“Nicht viel. Sie haben einen Plan, aber wie der genau aussieht - das erfahre ich noch”, er spürte, wie sich der Platz neben ihm wieder füllte. Und ja, einen Moment ließ ihn das zusammenzucken - aber wie bereits gesagt war auch sein nicht bandinterner bester Freund über alles im Bilde. Also fuhr der Jüngste der Runde leise und bedacht fort. So dass möglichst niemand, der nicht in ihrer kleinen vom Rest der Gäste abgeschotteten Nische saß, etwas von ihrer Unterhaltung mitbekommen würde. “Nahm deutete an, dass sie ihrem Verlag ein Angebot unterbreiten werden. Für irgendein Fotobuch. Sodass es aussieht, als würde sie mit uns zusammenarbeiten.”

“Verstehe. Trick 17”, murmelte Joon und blickte erneut gedankenversunken in sein Glas hinab.

“War es bei Hoseok nicht ähnlich? War sie nicht … Stylistin oder sowas?”, fragte Taehyung.

“Ja … sollte sie sein. Bekanntlich kam es nie wirklich soweit”, antwortete ihr Leader - und hob den Blick, um nun den Eindringling in ihrer kleinen, erlesenen Runde zu mustern. “Gab es da bei euch nicht auch einen ähnlichen Fall. Mit Soonyoung und jemandem aus dem Make-up, oder irre ich mich?”

Sein bester Freund regte sich neben Jungkook spürbar unbehaglich. Sie redeten nicht über Dinge wie diese. Hegten beide kein besonders großes Interesse an der labeleigenen oder labelübergreifenden Gerüchteküche. “Nein. Sie war so etwas wie eine Assistentin der Übersetzung. Allerdings nur offiziell. Genaue Details habe ich nicht-” Mingyu stockte … blickte einen Moment auf seine Hände hinab und zuckte mit den Schultern. “Es hielt ebenfalls nicht wirklich lange an. Sechs Monate vielleicht. Der Druck ist enorm.”

Ja … das klang wenig erfreulich. Aber war wie so vieles vorhersehbar. Das Spiel war immerhin nur eine Vorsichtsmaßnahme und keine Garantie dafür, dass alles rund und gut vonstatten ging.

“Ihr habt einen Vorteil. Sie ist Europäerin und älter als du. Beides werden viele als Ausschlusskriterium deuten”, warf Taehyung leise ein.

Und ja … das mochte hart klingen, war allerdings ein trauriges Fakt, was ihnen eventuell hilfreich sein konnte.

“Blenden wir aus, dass es da angeblich jemanden namens Alva gab”, flüsterte Joon … entsetzlich leise und dennoch laut genug, sodass es die Anwesenden am Tisch erreichte. Jungkook nickte … benommen. "Allerdings hast du sie erst kürzlich wieder etwas auf die falsche Fährte gelockt.” Nun sah nicht nur der Jüngste der Runde irritiert auf und musterte ihren Leader, der gerade eindeutig absichtlich besonders geheimnisvoll tat. “Moon Seoyoon”, fügte er also erneut bedacht und leise hinzu.

“Ah”, entwischte es Jungkook leise. Die kleine Samsung-Erbin, die Blondie hatte die Fassung verlieren lassen. Da war nichts gelaufen … dennoch war die Sache für viele da draußen nach wie vor nicht vergessen.

Ebenso wie einige nach wie vor an Kang Minji festhielten. Das war ihm vor allem in den vergangenen Wochen bewusst geworden, in denen er ihrem Instagram- und auch Tiktok-Profil aus Neugierde und zur Recherche hin und wieder einen Besuch abgestattet hatte. Zwar schien es in ihren Kommentaren nicht mehr so wild zuzugehen, wie es das noch vor einigen Wochen getan hatte. Oder eher: Vor Alva. Jedoch hatten eindeutig nicht alle das Interesse an ihr verloren.

“Es wird Zweifler geben. Egal wie viele es glauben werden, es werden nicht alle sein. Ihr solltet also stets auf alle Eventualitäten vorbereitet sein”, war es schließlich sein bester Freund aus einer anderen Band, der die bitteren Tatsachen aussprach. Und das war etwas Besonderes: Nicht nur, weil er die Wahrheit auszusprechen wagte. Auch weil er meistens ebenfalls eher jemand der stillen Sorte war - vorausgesetzt sie waren nicht unter sich oder in ihrem engsten Kreis, zu dem grundlegend nur vier Leute gehörten.

“Wahre und weise Worte”, quittierte Joon … und damit ließen sie das Thema fallen.

Auch, weil sich in der nächstgelegenen Nische ein paar äußerst interessierte Männer und Frauen niederließen. Männer und Frauen, die ihre Handys bereits kurz nachdem sie sich gesetzt hatten, zückten - natürlich nicht ohne ihnen diese verdächtig gehetzten Schulterblicke zuzuwerfen, die jeder einzelne von ihnen bereits kannte.