Arrive (nach Chapter 83 von NaD)
Arrive (nach Chapter 83 von NaD)
Hinweis: Das folgende Chapter kann jederzeit nach Kapitel 83 von Night and Day gelesen werden.
63. Arrive
- 15. Mai 2023 -
Es dämmerte bereits, als er rund zwei Stunden verspätet in der kleinen Hütte ankam, in der er und Blondie in den kommenden Tagen eine hoffentlich angenehme Zeit verbringen würden. Ein paar Stunden, die sie erdeten und näher zueinander brachten. Jedoch auch Stunden, die etwas mehr Klarheit zwischen sie brachten. Notwendige Klarheit. Bekanntlich gab es da nach wie vor die eine oder andere Sache, die er zur Sprache bringen wollte und musste.
Natürlich hatte er sich bereits auf dem rund fünfzehnstündigen Flug und der rund zweistündigen Autofahrt hierher bereits mehr als nur ausgiebig Gedanken darüber gemacht. Darüber, wie er bestimmte Themen anbringen konnte. Wie und wann … immerhin wollte er sie nicht überrumpeln und ihre gemeinsame Zeit damit überschatten.
Demnach war er umso erleichterter, dass sie schlief, als er eintraf. Zum einen, weil er ebenfalls müde und erschöpft war, zum anderen jedoch auch, weil er befürchtete, es würde alles auf einmal aus ihm herausplatzen, müsste er jetzt irgendetwas sagen. Also ergab er sich dem Schweigen und der Stille der Hütte mehr als nur erleichtert. Beließ es bei einem kleinen prüfenden Rundgang, der im Grunde nur aus ein paar flüchtigen Blicken bestand, die er um sich warf - und einen ausgiebigen in die Küche.
Sein Manager hatte sowohl ihn als auch Hannah vor diesem Tripp gefragt, ob sie bestimmte Wünsche hatten. Bestimmte Wünsche, was Hygiene-Utensilien anging, aber ebenso Lebensmittel und Getränke. Allerdings war er zu erschöpft gewesen, um sich dieser Aufgabe wirklich zu widmen. Deshalb hatte er seinen Manager mit einem “ein paar Basics” abgespeist. Glücklicherweise kannte Kim Eojin-nim ihn und seinen Gaumen mittlerweile gut genug, um selbst mit dieser spärlichen Anordnung die Schränke und den Kühlschrank zu füllen. Und das sogar mehr als nur zufriedenstellend.
In den Schränken fanden sich verschiedene Variationen aus Reis, Nudeln, Gewürzen und Beilagen und Zutaten wie Kimchi oder Fisch, in Dosen. Vor allem letzteres wären sicherlich nicht seine erste Wahl gewesen, allerdings war dies eine haltbare und demnach auch besser zu transportierende Lösung gewesen. Den Kühlschrank füllte hingegen eine beinahe unübersichtliche Fülle an westlichen und asiatischen Speisen, die offenbar alle aus dem amerikanischen Sortiment stammten. Und natürlich wahrhaftige Basics wie Milch, Eier, Butter … und etwas, das wie Fleischaufschnitt und Käse aussah. Sicherlich Blondies Wunsch.
Ebenso wie das abgepackte Brot, das sich neben dem Reis und den Nudeln im Schrank neben dem Kühlschrank befand. In dreifacher Ausführung und Auswahl, wie er mit einem weiteren Blick feststellte. Toast, Brioche und eine Packung Bagels. Vor allem letzteres machte sich sicherlich gut mit der beachtlichen Variation an Frisch- und Kräuterkäse, die den Kühlschrank füllte. Es war beinahe lächerlich viel.
So lächerlich viel, dass er seinem Manager - der bereits einen Tag früher angereist war, um das alles hier in den letzten Zügen planen, prüfen und umsetzen zu können - ein Foto schickte. Untermalt mit einem >???<
Die Antwort folgte besorgniserregend schnell. Allerdings wahrscheinlich auch nachvollziehbar schnell, wenn man bedachte, dass er darauf bestanden hatte, dass sie ihn einfach draußen absetzten. Das hier gehörte nur ihm und Blondie. Zudem war er unsicher gewesen, was ihn hier drinnen erwartete. Blondie nackt in der Wanne zum Beispiel …
>Ich war nicht sicher, welche Sorte sie meinte. Also habe ich alle geholt.< Ließ ihn sein Manager wissen.
Eine Antwort, die Jungkook grinsen ließ. Ein guter Schachzug. Einen, den er sicherlich ähnlich ausgeführt hätte. Demnach beendete er das Gespräch mit einem gehobenen Daumen.
Ebenso die folgende Nachricht, in der Kim Eojin-nim sich nur noch einmal wiederholte: > Melde dich, wenn ihr noch etwas braucht.<
Auf der Arbeitsplatte unter dem Schrank befanden sich ein Toaster und ein Reiskocher. Beides originalverpackt und demnach wahrscheinlich ebenfalls eine Anschaffung seines Managers. Und einen Moment holte sich Jungkook aus dem Augenblick und aus der stetig aufsteigenden Müdigkeit, um beides sorgsam und leise aus der Verpackung zu holen …
… und diese zum Müll in die Garage zu bringen. Einen flüchtigen Blick auf den Holzstapel, der ihnen mithilfe des Kamins in den nächsten Tagen Wärme verschaffen sollte später, fand er sich noch eine Zigarettenlänge lang im kleinen Hof wieder, der sich zwischen der Garage und der Hütte verbarg.
Dort ergab er sich einfach der kühlen Brise, die ihn hin und wieder streifte. Lauschte der Stille und dem Rauschen des Windes. Es hatte etwas. Diese Ruhe, die ihn gerade so wunderbar aus der Hektik holte, die die vergangenen Stunden dargestellt hatten. Die Zeit vor seiner Abreise. Das Packen und Planen … die Angst entdeckt zu werden und die Erleichterung, als dies scheinbar doch nicht geschah.
Sie hatten ihm einen Privatflug gebucht. Etwas, auf das er normalerweise aus umweltschutztechnischen Gründen im Alleingang bevorzugt verzichtete - aber bei dieser Angelegenheit war es keine Option gewesen. Dass hier musste ein Geheimnis bleiben. Ein teures Geheimnis. Selbstredend musste er selbst für den Flug aufkommen. Und auch für alles andere hier. Immerhin war das hier reines Privatvergnügen. Demnach nahm sich die Company hiervon finanziell nichts an.
Natürlich würde er dies für sich behalten. Sonst würde Hannah nur wieder auf den Gedanken kommen, sie müsste sich finanziell an diesem Trip beteiligen. Ebenso wie er die Tatsache für sich behalten würde, dass er eine ihrer Freundinnen für das Schauspiel, das ihnen bevorstand, bestechen würde. Oder auch kaufen. Er war nicht ganz sicher, wie er es nennen sollte. Aber ja … kaufen traf es wohl ganz gut.
150.000 Dollar würde man ihr bieten … würde das Angebot bis auf 250.000 Dollar erhöhen, wenn sie zögerte. Ihre Rolle bei diesem Schauspiel, was ihm und Hannah im Zweifelsfall den Kopf retten sollte, war immerhin maßgeblich.
“Dieser Fall ist speziell, also müssen wir das alles etwas bedachter angehen”, hatte Nahm gesagt.
Dass man sich so sehr verbog, war nämlich ganz und gar nicht üblich. Für gewöhnlich sorgte man nur dafür, dass ihre Partnerinnen und Partner als Freunde oder Staff wahrgenommen wurden. Ja, so etwas wie Alibi-Partner war nicht ungewöhnlich. Dass man diesen eine falsche sexuelle Orientierung inklusive Alibi-Partnerin anband jedoch schon.
“Wir müssen zu härteren Maßnahmen greifen. Hier bieten sich diese zudem an”, hörte er Nahm hinter seinen Schläfen sagen. Sah ihn wieder vor sich sitzen. Hinter dem Schreibtisch, vor dem der junge Mann saß. Mit im Schoß zusammengelegten Händen. Einen aufgeklappten Laptop vor sich, der einige ihm bereits bekannte Bilder zeigte.
Bilder, welche Blondie und ihre Freundin zeigten. In der Zeit während ihrer Trennung. Bilder, die Dinge andeuteten. Bilder, die einen schnell falsche Schlüsse ziehen ließen - vor allem wenn man etwas länger durch das Profil besagter Freundin scrollte. Besagter Freundin, die Frauen anscheinend nicht abgeneigt war. Die diese offenbar durchaus auch als mehr als nur Freunde sah.
“Das wird nicht funktionieren. Sie hat eine Geschichte. Wir haben eine Geschichte”, hörte er sich selbst sagen. Mit rasendem Herzen und diesen Bildern von ihr und den Kondomen im Kopf, die es nicht nur landes- sondern weltweit zu Bekanntheit gebracht hatten.
“Deine Kleine ist glücklicherweise sehr diskret. Über ihre Geschichte ist online nicht allzu viel, was man finden könnte. Und der Rest der Geschichte, die du da andeutest, ist soweit ich mich erinnere nach wie vor Alvas und deine. Eine Geschichte, die das Model nach wie vor bestätigen würde. Das hat sie vertraglich ebenso zugesichert wie ihr Schweigen”, hatte Nahm gesagt. Hatte er gesagt und ihn dabei herausfordernd angesehen: “Oder hast du eine bessere Idee?”
Nein, hatte er nicht. Deshalb war der Plan nun ein solcher. Keine grobe Idee mehr. Kein loser Entwurf. Etwas mit einer Kopf- und Fußzeile.
Etwas, das er bisher nur in allen erdenklichen Farben ausgemalt und präsentiert bekommen hatte. Jedoch ebenfalls etwas, von dem er das Resultat noch nicht zu Gesicht bekommen hatte. Etwas, das hier irgendwo in der Hütte liegen musste. In Papier gebunden. Allerdings wurde er auch nach dem ersten und zweiten Blick nicht fündig. Und so weit zu gehen, Hannahs Taschen zu durchwühlen wollte er nicht.
Also beließ er es dabei. Schob seine Unruhe und Neugier beiseite und machte sich wieder zurück auf den Weg zum Bett, auf dem sie lag. Auf dem er sie direkt nach seiner Ankunft erspäht und einen schier lächerlich langen Moment einfach angesehen hatte. Überwältigt von diesem Anblick. Diesem Moment … diesem Gefühl, das sich bei dem Gedanken daran, dass er endlich angekommen war, in ihm breit machte.
Ein Gefühl, das sich erneut in ihm ausbreitete, als er sich die Schuhe abstreifte und neben ihr ins Bett kroch. Sie abermals einen Moment ansah. Versuchte nach ihrer Hand zu greifen - doch sie zog sie zurück. Einmal … zweimal …
Und so gab er auf. Immerhin hatten sie Zeit. Zum ersten Mal seit langem hatten sie Zeit. Zeit und Ruhe. Zeit und Ruhe für sich. Zeit und Ruhe, um gemeinsam etwas zu bilden, das auch in den hektischen Zeiten, die ihnen bevorstanden, anhalten konnte. Etwas, das ihnen Kraft gab. Kraft und Vertrauen.
***
Hallo ihr Lieben, da bin ich wieder - dieses Mal ein wenig später als sonst. An dieser Stelle einmal danke für die lieben Genesungswünsche an meinen Vater. Der hat die Herz-OP glücklicherweise gut überstanden. Zwar war es das noch nicht ganz in puncto Krankenhausaufenthalten, aber ich denke und hoffe, damit haben wir das Schlimmste fürs Erste hinter uns.
Habt alle einen wundervollen Tag und danke an alle, die diese holprige Achterbahnfahrt namens Story auch weiterhin verfolgen. Und willkommen an alle, die neu dazugestoßen sind. Wir lesen uns Freitag bei der Hauptstory. <3