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Planets (nach Chapter 85 von NaD)

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Planets (nach Chapter 85 von NaD)

Hinweis: Das folgende Chapter kann jederzeit nach Kapitel 85 von Night and Day gelesen werden.

64. Planets

Eigentlich hasste er Morgen. Meistens jedenfalls. Meistens bedeuten diese nämlich, dass ein weiterer prall gefüllter Tag auf ihn wartete. Bekanntlich bestätigten bestimmte Ausnahmen jedoch die Regel. Und dass Morgende wie diese, in denen sie um ihn herum wuselte und raschelte, eine dieser Ausnahmen darstellen, dürfte nichts Neues mehr sein.

Etwa in der ersten Nacht, nachdem er hier angekommen war. Vorgestern. In diese kleine Hütte, die in den Tagen, die vor ihnen lagen in gewisser Weise eine Art Zuflucht für sie darstellen sollte. Zuflucht vor dem, was noch kommen würde - in Form des Spiels, das sich in mehreren Akten vor ihnen zu entfalten schien. Ein Spiel, bei dem der erste Akt begonnen hatte. In Form des Papierstapels, durch den er sich noch in der ersten gemeinsamen Nacht gewühlt hatte.

Wie die Bäume, die die Hütte umgaben, hatte er zwischen seinen Fingern geraschelt. Blatt für Blatt und Seite für Seite. Und ja, es hatte ihn nicht überrascht. Wenigstens für seine eher mittelmäßig geübten Augen sah das, was sich ihm auf den schneeweißen Seiten geboten hatte, gut und richtig aus. Annehmbar. Es schien keine halsbrecherischen Fallstricke zu geben. Ebenso wenig wie Hintertüren und Schlupflöcher, die man nutzen konnte, um einander einen Strick zu drehen. Allerdings galt das für beide Seiten. Und das war zugleich etwas Gutes und Schlechtes. Je nachdem aus welchem Winkel man es betrachtete. Mit diesen Laienaugen, über die selbst er nach all den Jahren noch verfügte. Jedenfalls was Papierstapel wie den anging, der vor ihm gelegen hatte.

Auf diesem Tisch, an dem sie bereits zwei Tage später Mittwoch morgens leise gesessen hatte. In ihrer Notebooktasche wühlend. Raschelnd … weil sie mehrfach den falschen Reißverschluss öffnete. Den, hinter dem sich anscheinend nicht ihr Laptop befand, nachdem sie suchte, sondern besagter Papierstapel.

Leise vor sich hin fluchend saß sie also da und öffnete und schloss den Reißverschluss … einmal .. zweimal … dreimal.

Während Jungkook leise in sich hinein grinsend im Bett lag und sie durch den Schutz der Bettdecke, die er sich bis über die Nase gezogen hatte beobachtete. Seine nach wie vor minimal schmerzende Schulter ignorierend, um die sie sich seitdem sie über diese im Bild war, amüsant rührend, sorgte und kümmerte. Nicht dass es ihn störte. Er mochte es, wenn er im Mittelpunkt stand. Vor allem wenn er es voll und ganz tat. Hier und Jetzt war jedoch sie es, die im Mittelpunkt stand. Dem seiner Aufmerksamkeit.

Und deshalb lag er nun hier und konnte sich selbst nur schwer davon zurückhalten, sie darauf hinzuweisen, dass diese Tasche mehr als nur ein Fach und demnach Reißverschlüsse besaß. Weil es ihr natürlich bereits bewusst war. Und weil sie schlicht zu süß dabei war, wie sie dennoch immer wieder an dem Versuch scheiterte, den richtigen zu finden.

Also lag er einfach nur da und lauschte ihr … dem Rascheln der Bäume … und seinen eigenen Atemzügen, die von der Bettdecke wieder auf ihn zurückfielen. Gegen den Drang ankämpfend sich bemerkbar zu machen. Etwa, um sie zurück zu sich ins Bett zu holen. Um sich mit ihr gemeinsam durch die Laken zu wühlen.

Das war es, was sie gerade taten: Wenn sie nicht gerade gemeinsam entspannten, kuschelten oder dringend nötige und überfällige Gespräche führten. Willkommene Gespräche. Gespräche, die ihre Beziehung auf eine neue Ebene brachten. Eine Ebene, die dem, was sich zwischen ihnen entfaltete, eine ganz neue Definition von Tiefe gab. Tiefe und Vertrauen.

Hier und Jetzt wollte er sie jedoch, so wie sie gestern morgen gewollt hatte. Neben sich im Bett und unter oder über sich. Als er der Erste gewesen war, der zum Rascheln der Bäume und dem Gesang der Vögel erwacht war. Nach wie vor vom Jetlag geplagt und vom Flug und der Anreise gerädert, hatte er eine schier unerträgliche Weile neben ihr im Bett gelegen und an die hölzerne Decke gestarrt, die sich über ihnen durch die Hütte zog. Hatte versucht, sich auf die Maserungen zu konzentrieren, die die Paneele verzierten. Ihre gleichmäßigen Atemzüge im Ohr - und die nackte Haut ihrer Arme und ihres oberen Rückens ausblendend, die sie ihm präsentierte. Ebenso natürlich die ihres Schenkels, der dicht neben ihm lag. Sie berührte ihn … unter der Decke, aber selbst das war gerade genug, um ihn zu quälen.

Es war lange her, dass sie einander so nah gewesen waren. Körperlich nahe. Und die letzten Male waren nach wie vor zu überschattet gewesen von dem, was hinter ihnen lag. Busan … Busan und die grüne Meile, wie sie es genannt hatte. Welch passender Begriff für das, was sich ereignet hatte und was gefolgt war.

Zwar mochte es hinter ihnen liegen, vergessen war es jedoch nicht. Allerdings würden sie die Tage, die vor ihnen lagen, dafür nutzen können, daran zu arbeiten. Die Wunden, die nach wie vor bestanden, heilen zu lassen. Nachzuholen, was sie in den vergangenen Monaten verpasst hatten. Vergeudet …

Hier und jetzt war aber nicht der richtige Zeitpunkt dafür, um sie zurück zu sich ins Bett zu holen. Immerhin hatten sie gerade alle Zeit der Welt - sei es auch nur für einen sehr begrenzten Zeitraum. Jedoch wollte er ihn genießen. In allen Facetten. Wollte möglichst viele unterschiedliche Momente in sich aufsaugen, um sich an ihnen festhalten zu können, wenn das Leben mal wieder viel zu schnell an ihm vorbei raste. Ihm den Boden unter den Füßen wegzog und ihm das Gefühl gab, dass es ohne ihn stattfand und ihm alles entriss, was ihm lieb und wichtig war.

Wie in diesem Film, den er einmal mit Yoongi-ssi und Jimin-ssi gesehen hatte. ‘Interstellar’, wenn er sich nicht irrte. Dieser Film, bei dem sie nach einem neuen Heimatplaneten suchten und bei dem sich die Zeit zu der auf der Erde immer wieder von Planet zu Planet verschob. Zeitdilatation genannt … was in einfacheren Worten bedeutete, dass die Uhr an bestimmten Orten und demnach für bestimmte Individuen schneller oder langsamer lief.

Der Film hatte ihn bewegt, weil er sich auf gewisse Art und Weise unangenehm vertraut anfühlte. Auch für ihn und die anderen Jungs schien die Zeit manchmal schneller zu laufen, als sie es für den Rest der Welt tat. Jungkook konnte die Male, in denen er dachte, er hätte sich erst vor einigen Tagen bei seinen Eltern gemeldet, um herauszufinden, dass das letzte Mal schon zwei oder gar vier Wochen her war, gar nicht mehr zählen. Natürlich war ihm dieses Phänomen bei Blondie und ihm ebenfalls nichts gänzliches Neues. Allerdings hatten sie sich während der Zeiten, in denen seine Uhr raste, noch nicht so nahe gestanden wie jetzt. Die Zeiten, während denen er sich auf einem anderen Planeten zu befinden schien. Einem auf dem zwei Tage vergangen und für den Rest der Welt zwei Wochen.

Also ja … er genoss die Zeit in der Hütte. Die Zeit, in der sie sich auf einem Planeten befanden und in der die Uhren für sie beide gleich schnell liefen. Doch nicht nur das: Nicht nur gleich schnell, sondern ebenso ganz ohne Zeitverschiebung, die sie darüber hinaus oft ebenfalls trennte.

Zudem genoss er es, diese kleinen und verbotenen Einblicke in Momente zu bekommen, in denen Hannah sich allein und unbeobachtet fühlte. So wie jetzt, während sie langsam ihren Laptop aus der Tasche zog und vor sich auf dem Tisch aufstellte. Dicht gefolgt von der Maus und dem Ladekabel, die ebenfalls auf dem Tisch endeten. Wobei sie das Kabel erst einmal unbeachtet mittig auf den Tisch fallen ließ.

Um sich anschließend leise vor sich hin summend aufzurichten und in die Küchenzeile zu verschwinden. Ihr mittlerweile länger gewordenes Haar mithilfe eines schwarzen Haargummis, das sie irgendwann - als sie im Bad verschwunden war - um ihr Handgelenk geschlungen haben musste, in einen losen und wenig sorgfältigen Zopf bindend. Nein … kein Zopf. Es wurde einer dieser wirren Dutts … wobei dieser besonders wirr war.

Wirr genug, um Jungkook leise glucksen zu lassen. Glücklicherweise konnte er es irgendwo zwischen seiner Hand und der Bettdecke ersticken. Und so konnte er das hier einen weiteren Moment genießen. Diesen Blick in ihr Leben, vermeintlich ohne ihn. Und den Blick auf ihre nackten Beine, die sie entspannt durch diese Hütte trugen, während sie sich unbeobachtet fühlte.

Leise summend, so als hätte er auf sie abgefärbt. Ein Gedanke, der ihn beinahe erneut glucksen ließ … etwas, das er dieses Mal glücklicherweise unterdrücken konnte. Nicht aber das breite Grinsen, das sich auf sein Gesicht stahl, während er sie beobachtete und jede Sekunde dieses kostbaren Bildes, das sich ihm bot, in sich aufsog.

***

Hallo ihr Lieben, da sind wir wieder: Und wir bewegen uns auf die Winterpause zu. Bevor diese beginnt, lesen wir uns am Freitag jedoch noch bei der Hauptstory. Habt bis dahin noch eine wundervolle Woche.

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