LNCrawler

Normality (nach Chapter 89 von NaD)

Day And Night - Perspectives — www.fanfiktion.de · All chapters

Normality (nach Chapter 89 von NaD)

Hinweis: Das folgende Chapter kann jederzeit nach Kapitel 89 von Night and Day gelesen werden.

70. Normality

Saranghae … dieses große und vor Kurzem ganz offen an Blondie gerichtetes Wort hing nach, während er im Flugzeug saß und dieses ihn in immens großen Schritten von ihr entfernte. Bis zu 950 Kilometer pro Stunde legten sie zurück. Und obwohl bereits das Fahrzeug, das ihn vor einigen Stunden an der Hütte in diesem kleinen abgelegenen Waldgebiet aufgegabelt hatte, die Entfernung zwischen ihm und dem was sich in diesen einladend abgeschiedenen Wänden befand stetig vergrößert hatte, fühlte sich das hier schmerzhafter an. Fühlten sich die imaginären Wunden, die jeder weitere Meter in ihn zu schlagen schien, letaler an.

Er hatte diesen Aufenthalt genossen. Diese kostbaren Stunden, in denen er einfach mal nur er sein konnte. Dieser kleine und unbedeutende Junge aus Busan. Dieser kleine, unbedeutende und verliebte Junge. Jeongguk. Wenn ihm in den vergangenen Tagen eines bewusst geworden war, dann das. Er liebte sie. Er liebte sie und das, was sie ihm wenigstens teil- und streckenweise ermöglichte: Normalität oder wenigstens den Hauch von dieser. In diesen kleinen, seltenen, kostbaren und abgelegenen Ecken, die sein Leben dadurch, dass er sich an ihres anzupassen versuchte, ihm offenbarte. Hin und wieder. Winzige und fragile Momente lang.

Meistens höchstens ein paar Stunden … selten wie jüngst ein paar Tage lang, die nüchtern betrachtet viel zu schnell an einem vorbei zogen. Obwohl sie im Moment des Vorüberziehens beruhigend und einnehmend entschleunigt auf einen wirkten.

Doch wie alles andere, hatte auch das stets ein Ende. Nach der Nacht kam stets ein neuer Tag, egal wie lang sie sein mochte. Ein neuer Tag, der ihn von ihr und der Normalität trennte. Der ihn mit gefühlter Überschallgeschwindigkeit zurück in seine Realität brachte. In seine überaus bittersüße Realität.

Noch war er nicht gänzlich wieder in dieser angekommen. Der erste Übergang war allerdings bereits, als er den schwarzen Mietwagen - einen Mercedes GLC - am Flughafen verlassen hatte, geschehen und kaum spürbar vergangen. Selbstverständlich bis unter die Zähne getarnt. Dennoch hatte er sie gespürt. Die neugierigen oder wenigstens argwöhnischen Blicke, als er versucht hatte, möglichst weit und gekonnt unter dem Radar durchzufliegen, während er die Halle durchquerte und mehr als nur eine geschäftige und eilig wirkende Menschentraube passierte.

Da das hier ein inoffizieller und zudem streng geheimer Schedule war, war ihm dies weitestgehend gelungen. Jedenfalls den ersten vorsichtigen Blicken nach, die er gewagt hatte zu tätigen, kaum dass sie endlich in der ersten Klasse des Fliegers zurück saßen. Er flog erste Klasse, jedoch in einem gewöhnlichen Linienflugzeug - und somit mit mehreren Hundert anderen Menschen. Menschen, die ihn sehen konnten.

Während er hier abgeschottet in seinem komfortablen Sitz saß und versuchte in der breiten Masse unterzugehen. Sich den neugierigen, aber anscheinend nicht erkennenden Blicken zu entziehen, die auch hier auf ihm lagen. Auf ihm und auf seinem kleinen und sorgfältig zusammengestellten Geleit. Mit ihm legten diese Reise nämlich nur sein Manager und Bodyguard zurück.

Ja, die Überlegung, einen Privatjet zu chartern, hatte im Raum gestanden. Lange. Letzten Endes hatte man sich jedoch dagegen entschieden, weil es zu auffällig gewesen wäre, wäre er aufgeflogen. Hatte ganz speziell er sich dagegen entschieden. Normalerweise flogen sie im Einzelpack nämlich nicht privat. Das taten sie für gewöhnlich nur als Band und in besonderen Situationen - etwa, wenn es sowohl aus organisatorischen als auch aus sicherheitsrelevanten Gründen schlicht nicht anders möglich oder ratsam war.

Jungkook wollte allem voran nicht auffallen. Es ging ihm hierbei allerdings nicht nur darum. Es ging, wie bereits erwähnt, auch um diesen kleinen Hauch von Normalität, den er sich noch etwas beibehalten wollte. Und das ging ehrlich und bitter gesagt nicht, wenn er privat flog. Sechs bis Acht Sitze und eine ganz eigene Crew nur für ihn. Für ihn und sein Geleit … das war alles andere als normal.

Es bot ihm nicht einmal diesen winzig kleinen Funken, den ihm wenigstens diese pompöse erste Klasse bot. Alles was darunter lag, das war jedoch keine wirkliche Option mehr. Die Chancen letzten Endes doch noch vom falschen Augenpaar gesehen und folglich erkannt zu werden, waren in den hinteren Klassen bedeutend höher als hier in dieser kleinen und exklusiven Runde. Bestehend aus Männern, demografisch überwiegend den Millennials angehörend. Gut betuchte CEOs auf Geschäftsreisen oder solchen, die deutlich über dem medianen Durchschnitt verdienten. Selten Normalos, die fleißig Meilen sammelten oder Geld ansparten, um sich hier zu besonderen Anlässen und Urlauben mal einen Hauch Luxus zu gönnen.

All das schien ebenso auf seiner Reise zurück in seine bittersüße Realität vertreten zu sein. Etwa der geschätzte Mittvierziger, drei Reihen vor ihm. Fensterplatz und Anzug. Vermutlich maßgeschneidert, soweit Jungkook das einschätzen konnte. Er kannte sich mit so etwas schlichtweg nicht gut genug aus: Obgleich die Anzüge, die er trug, für gewöhnlich ebenfalls maßgeschneidert waren. Bekanntlich trug er diese jedoch nur, wenn er es musste. Anders als sein Mitreisender, der sich in seinem chicen Fummel sichtlich wohl zu fühlen schien.

Dann war da das ältere Ehepaar. Schätzungsweise um die 60 … vermutlich auf irgendeiner glänzenden Hochzeitsreise. Sie saßen eine Reihe vor ihm, und genossen leise kichernd alles in vollen Zügen, was es hier vorne in der oberen Gesellschaft zu genießen galt. Und das bedeutete jegliche Snacks und sonstigen Bekömmlichkeiten, die ihnen in der ersten Klasse vorbehalten waren: Inklusive Decken und Kissen, in die sich vor allem der weibliche Part des Paares eingemummelt, kaum dass man es ihnen nach dem Start angeboten hatte.

Darüber hinaus fanden sich hier weitere Normalos, die sich mal den Luxus gönnten, in dem sie für die Zeit ihres Fluges schwelgten. Und auf den ersten flüchtigen Blick, den er gewagt hatte, um sich und durch die umliegenden Sitze und Reihen zu werfen - bevor er sich hinter den Sichtschutzwänden verschanzt hatte - sah es hier vorne sicher aus. Sicher und beruhigend desinteressiert.

Anders als es weiter hinten aussah, wie Manager-nim ihm nach einer prüfenden Runde durch den Flieger mitgeteilt hatte. Vor allem in der Economy schien es ein paar Mitreisende zu geben, die ein paar der Checkmarks erfüllten, die sie zur Vorsicht aufriefen und zwangen. Weiblich, Mitte Zwanzig und scheinbar auf dem Weg ihre erste Reise ins Land der K-Dramen und des K-Pops zu bestreiten. Da sie Manager-nim, den und dessen Gesicht man in einschlägigen Kreisen bereits kannte, allerdings laut diesem nicht besonders viel Aufmerksamkeit geschenkt hatten, gingen sie davon aus, dass Jungkook und sein Geleit nicht wirklich zu deren bevorzugtem Beuteschema gehörten. Um nicht Bias zu sagen.

Allerdings wäre es nicht das erste Mal, dass die Grenzen der Fandoms verschwammen, wenn sie ihn zu Gesicht bekamen. Einfach nur aus Prinzip und weil es für viele am Ende des Tages keine wirkliche Rolle spielte, ob sie einen stannten oder nicht, wenn sie dadurch fünf Minuten Ruhm und ein paar neue Follower auf Social Media ergattern konnten. Oder etwas Geld, das einschlägige Kreise für Informationen und Bilder von und über Reisen wie dieser bereit waren zu zahlen.

Demnach musste er vorsichtig sein … während er hier saß und sich hinter dem Sichtschutz seines Sitzes vor den neugierigen Blicken verbarg, die es eventuell geben konnte. Während er sich noch ein paar Stunden lang an die letzten Wehen der Normalität klammerte, die er mit jedem Kilometer, den sie zurücklegten immer weiter hinter sich ließ. Die ihm entglitt, so wie der Duft ihres Parfüms oder des Essens, das er vor einigen Stunden für sie und ihre Freunde zubereitet hatte, es taten … der Duft, der ihm jetzt allerdings noch wie ein winzig kleiner Hauch in der Nase lag.

Und so lange er konnte, versuchte er sich noch daran festzuhalten. Schloss die Augen und blendete alles aus. Die Angst entdeckt zu werden. Das Tosen der Triebwerke, das ihn mit Nostalgie und Vorfreude auf das füllte, was hinter den Türen des Flugzeugs lag.

Türen, die ihn bereits in wenigen Stunden zurück in seine bittersüße Realität entlassen würden.

***

Ihr Lieben … bei mir geht's leider nach wie vor drunter und drüber. Deshalb fasse ich mich heute mal wieder kurz. Ich hoffe, euch allen geht es gut und ihr hattet ein paar schöne Feiertage. ♥