LNCrawler

Gefährlicher Walzer...

Der Gezähmte Phönix — www.fanfiktion.de · All chapters

Gefährlicher Walzer...

Während Kai und Nami Händchen haltend durch den Regen aus feinen, weißen Blütenblättern schritten und von allen Seiten jubelnder Applaus auf sie einrasselte, neigte Kai seinen Kopf leicht zu seiner Frischvermählten hinab.

Sein Blick schweifte unauffällig zum äußeren Rand der Festgesellschaft, wo eine groß gewachsene, rothaarige Gestalt in einem maßgeschneiderten, dunklen Anzug mit verschränkten Armen an einer Eiche lehnte.

„Was hast du dir eigentlich dabei gedacht, Tala einzuladen?“, murmelte Kai Nami mit flacher, tiefer Stimme ins Ohr, während er nach außen hin gewohnt stoisch das Lächeln der Gäste erwiderte.

„Auch wenn es mich gelinde gesagt überrascht, dass dieser Sturkopf tatsächlich aufgetaucht ist.“

Nami sah ihren Ehemann überrascht von der Seite an. Ein leises, amüsiertes Lachen entkam ihr. Sie wusste schließlich nicht, dass Kai selbst Tala bereits vor Wochen eine Einladung überreicht hatte... woraufhin der Russe ihm nur spöttisch den Vogel gezeigt und gemeint hatte, er habe keinerlei Lust auf Kitsch, Spitzenkleider und feierliches Getümmel.

Tala hatte spitzbübisch hinzugefügt, dass er absolut nicht begreifen könne, wie Kai sich freiwillig auf so ein Theater einlassen konnte.

Doch Namis nachgereichte, persönliche Einladung schien den sturen Russen wohl doch noch umgestimmt zu haben.

„Es tut mir leid, dass ich dir nichts davon erzählt habe“, raunte Nami ihm schmunzelnd zurück, während sie Oma Yumi im Vorbeigehen ein liebevolles Winken schenkte.

„Ich dachte ehrlich gesagt auch nicht, dass er wirklich kommt. Aber Lumina ist mir tagelang in den Ohren gelegen und hat gebettelt, dass ich es wenigstens versuchen soll.“

Kai verengte die Augen minimal, während sein Blick zu Lumina wanderte. Namis Cousine hatte den rothaarigen Ankömmling bereits wie ein Raubvogel fixiert und steuerte nun mit einem siegreichen, extrem strahlenden Lächeln auf den ahnungslosen Russen zu.

„Valkov ist absolut nichts für Lumina“, brummte Kai trocken und mit unerschütterlicher Überzeugung.

„Der Mann hat die Feingefühl-Skala eines Abbruchhammers.“

Nami sah Kai von unten herauf an, strich sanft über den Stoff seines Sakkos und schmiegte sich lachend an seinen starken Arm, während sie gemeinsam am Ende des Spaliers ankamen.

„Oh, Kai... du kennst Lumina noch gar nicht wirklich“, gluckste sie amüsiert und sah mit einem spitzbübischen Funkeln in den ozeanblauen Augen zu ihrer Cousine hinüber. „Glaub mir, Tala weiß noch gar nicht, worauf er sich da eingelassen hat.“

Kai zog eine Augenbraue hoch und blickte noch einmal kurz hinüber zu Tala, der Luminas zielstrebige Annäherung bereits mit leicht argwöhnisch verengten Augen registrierte.

„Wie genau hast du es eigentlich geschafft, ihn dazu zu bewegen hierher zu kommen?“, fragte Kai Nami mit tiefer, leiser Stimme, während er einen Arm um ihre Taille legte und sie schützend an sich zog.

„Hast du Lumina in der Einladung erwähnt? Denn wenn ja, unterschätzt du Valkov. Der Typ macht sich absolut gar nichts aus Schwärmereien... das hätte ihn eher dazu gebracht, am anderen Ende der Welt abzutauchen.“

Nami blickte kurz zu ihrer Cousine, die Tala gerade mit einem einnehmenden, beinahe kühnen Lächeln ansteuerte, und musste leise schmunzeln. Sie wandte das Gesicht zu Kai und sah ihn aus ihren strahlenden, ozeanfarbenen Augen an.

„Ich habe überhaupt nichts Besonderes gemacht“, gestand sie ehrlich und schüttelte den Kopf. „Und nein, ich habe Lumina mit keinem einzigen Wort erwähnt. Es war eine ganz normale Hochzeitseinladung, Kai. Ich habe ihm lediglich geschrieben, wie sehr ich mich freuen würde, wenn er diesen Tag mit uns feiert. Schließlich... kennt ihr Beiden euch schon sehr sehr lange...“

Kai schwieg für einen kurzen Moment. Seine rubinroten Augen verengten sich leicht, als er die Worte verarbeitete.

Dass Tala Valkov auf eine formelle Einladung von...ihm... nur ein spöttisches Abwinken übrig gehabt hatte, dann aber auf eine einfache, ehrliche Nachricht von Nami hin tatsächlich die Fahrt und den Trubel auf sich nahm, sprach Bände. Tala schätzte Nami wohl auf eine ganz eigene, wenn auch distanzierte Art... auch wenn der Russe das wohl niemals laut zugegeben hätte. Erst Recht nachdem er sie vor ein paar Wochen mit seinen harten Worten zum Wanken gebracht hatte...

„Verstehe“, brummte Kai schließlich trocken, während sich der Rest der Hochzeitsgesellschaft nun endgültig auf die beiden stürzte, um die ersten persönlichen Glückwünsche zu überbringen.

„Dann geschieht ihm das, was jetzt passiert, absolut recht.“

Tala Valkov stand mit verschränkten Armen im Schatten der alten Eiche, die Schultern breit, der Blick eiskalt. Sein maßgeschneiderter, dunkelgrauer Anzug saß perfekt, wirkte an ihm jedoch eher wie eine Rüstung als wie festliche Kleidung.

Er beobachtete das Spektakel am Pavillon aus sicherer Distanz. Ein schiefes, gewohnt zynisches Grinsen lag auf seinen Lippen.

~ Kai Hiwatari am Altar. Dachte nicht, dass ich das je erleben würde ~

Plötzlich löste sich eine Gestalt aus der Menge und steuerte zielstrebig auf seinen Standort zu.

Das lange, silbrig weiße Haar schwang rhythmisch bei jedem Schritt, die Figur war zierlich, und die Haltung verriet eine elegante Leichtigkeit.

Für den Bruchteil einer Sekunde stockte Tala der Atem.

~Nami?~

Verwirrung schoss ihm durch den Kopf. Er hatte Nami und Kai doch erst vor wenigen Minuten direkt am Altar stehen sehen. Sie hielten sich immer noch die Hände und wurden von Verwandten belagert. Wie zur Hölle...? Tala schluckte die aufkeimende Verwirrung mit eiserner Miene und der für ihn typischen, kühlen Gelassenheit hinunter. Seine eisblauen Augen verengten sich als die Frau näher trat.

Das war nicht Nami.

Die Haut dieses Mädchens war blass, fast wie Porzellan, und als sie ins Sonnenlicht trat, trafen seine Blicke auf ein Paar leuchtend magentafarbene Augen. Sie trug einen Seitenscheitel und strahlte eine Selbstbewusstheit aus, die er bei einer Fremden absolut nicht erwartet hätte.

„Tala Valkov“, begrüßte sie ihn mit einer melodiösen, glasklaren Stimme. Sie blieb knapp einen Meter vor ihm stehen, legte den Kopf leicht in den Nacken und musterte ihn ohne jede Scheu von oben bis unten. „Du bist also tatsächlich gekommen. Ich muss zugeben, in Natura bist du noch um einiges eindrucksvoller als auf den Fotos.“

Tala rührte keinen Muskel. Seine Verschränkung löste sich nicht, sein Gesicht blieb eine undurchdringliche Maske aus Arroganz und absolutem Desinteresse.

„Und du bist?“, fragte er kurz, tief und mit diesem schneidenden russischen Akzent, der gewöhnlich ausreichte, um aufdringliche Leute innerhalb von Sekunden zum Schweigen zu bringen.

„Und vorallem... was willst du?“

Lumina schlug sich keineswegs verschüchtert die Hand vor den Mund. Stattdessen entwich ihrer Kehle ein helles, amüsiertes Lachen, das Tala die Stirn runzeln ließ.

„Ich bin Lumina. Namis Cousine“, stellte sie sich vor und machte einen kleinen, eleganten Schritt näher an ihn heran, sodass er den feinen Duft von Jasmin wahrnehmen konnte. Sie neigte den Kopf zur Seite, und ein unverschämtes, zutiefst charmantes Lächeln stahl sich auf ihre Lippen.

„Und was ich will? Nun ja... sagen wir einfach, ich wollte herausfinden, ob die Gerüchte über den unnahbaren, gefährlichen Kapitän der Blitzkrieg Boys wirklich stimmen.“

Talas Augenbraue wanderte eine Nuance nach oben. Er stieß ein trockenes, spöttisches Schnauben aus.

„Du bist auf der falschen Hochzeit, Prinzessin“, gab er eiskalt zurück und sah über ihren Kopf hinweg ins Leere, um das Gespräch demonstrativ zu beenden.

„Ich bin nicht hier, um Smalltalk mit der Verwandtschaft zu halten. Geh wieder zu den anderen Damen rüber und spiel mit Porzellantassen.“

Ein normaler Mensch... erst recht eine junge Frau aus edlem Hause... wäre nach dieser schroffen Ansage gekränkt abgezogen. Doch Lumina dachte gar nicht daran. Ihre magentafarbenen Augen glühten förmlich auf vor Begeisterung. Sie liebte genau dieses kompromisslose, dominante Auftreten.

„Oh, wie reizend“, raunte sie, trat noch einen halben Schritt näher, bis sie fast vor seiner Brust stand, und sah ihm direkt in die eisblauen Augen.

„Du meinst also wirklich, du kannst mich so einfach abservieren, Valkov? Ich mag Eis... vor allem, wenn es hartknäckig ist.“

Tala starrte sie an. Zum ersten Mal seit seiner Ankunft schob sich ein feiner Riss durch seine arrogante Fassade.

Dieses Mädchen hatte sie doch nicht mehr alle.

Sie hatte absolut keine Angst vor ihm... im Gegenteil, sie schien seine kühle Aggression geradezu zu genießen.

„Du hast echt Nerven“, knurrte Tala tief, während sich seine Muskeln anspannten. Doch anstatt sie wegzustoßen, verengte er die Augen und sah die blasse, silbelhaarige Britin nun zum ersten Mal wirklich aufmerksam an.

Er spannte den Kiefer an. Die Ader an seiner Schläfe pulsierte leicht. Jahrelang war er es gewohnt gewesen, dass die Leute entweder aus Respekt, aus Angst oder schlicht aus purem Selbsterhaltungstrieb vor seiner unnahbaren, aggressiven Art auf Abstand blieben. Niemand... absolut niemand... trat einfach so in seinen persönlichen Raum, schaute ihn mit einem derart herausfordernden Lächeln an und spielte mit ihm wie mit einem zu lösenden Rätsel.

Er senkte den Kopf ein Stück, sodass sein Gesicht nur wenige Zentimeter von dem ihren entfernt war. Seine eisblauen Augen bohrten sich mit einer Intensität in ihre magentafarbenen, die schwächere Gemüter sofort hätte zurückweichen lassen. Er wollte sehen, wann diese Fassadebröckelte.

„Du spielst mit dem Feuer, Prinzessin“, zischte er leise, und seine Stimme klang dunkel, rau und von einer unverkennbaren, archaischen Drohung erfüllt.

„Und ich garantiere dir, dass du dir die Finger verbrennst, bevor du überhaupt begreifst, wer hier wen kontrolliert. Verschwinde.“

Jedes andere Mädchen wäre jetzt bleich geworden. Doch Lumina tat genau das Gegenteil.

Ihr Blick verdunkelte sich für einen Sekundenbruchteil, und ein fast raubtierhaftes Funkeln trat in ihre Augen. Das rohe, dominante Auftreten, diese kompromisslose Schärfe in seiner Stimme... das war exakt das, wonach sie sich insgeheim gesehnt hatte.

Ihr Ex-Freund wäre bei so einem Tonfall wahrscheinlich in Tränen ausgebrochen oder beleidigt davongelaufen. Tala hingegen schien es ernst zu meinen. Und das machte ihn für sie nur umso faszinierender.

Lumina lehnte sich keinen Millimeter zurück.

Stattdessen strich sie mit einer unverschämten Langsamkeit über das Revers seines teuren, dunklen Anzugs, direkt über seine steinerne Brust.

„Vielleicht brenne ich gerne“, hauchte sie mit einer Verruchtheit in der Stimme, die selbst den eisernen Russen für einen winzigen Herzschlag aus dem Konzept brachte.

„Und wer hat gesagt, dass du mich kontrollieren sollst, Valkov? Aber... versuch's ruhig mal.“

Tala starrte sie an. Für eine Sekunde stand die Zeit still. In seinem Kopf ratterte es... ein toxischer Mix aus purer Verwirrung, ungläubigem Respekt und einem plötzlichen, ungesunden Anflug von Jagdfieber.

Der Typ Mensch, der normalerweise vor ihm kapitulierte, forderte ihn gerade heraus. Und das mitten auf einer verfluchten Hochzeit.

Drüben am Pavillon beobachtete Kai die Szene mit einer Mischung aus Skepsis und trockenem Amüsement. Er hatte den Arm um Nami gelegt und schüttelte langsam den Kopf.

„Sieh dir das an“, murmelte Kai leise und wandte sich an Nami. „Deine Cousine bricht in zehn Minuten in Tränen aus... oder die beiden zerlegen den halben Garten.“

Nami lachte leise auf, lehnte sich an Kais Brust und schaute zu den beiden hinüber.

„Vergiss es, mein Schatz. Tala hat gerade keinen Schimmer, was für ein Sturkopf ihm da gegenübersteht. Und Lumina... nun, die hat genau das gefunden, wonach sie gesucht hat.“

Die Festgesellschaft setzte sich langsam in Bewegung, als die Kellner die ersten Gänge an die festlich dekorierten Tische unter den Pavillons brachten.

Tala schlenderte mit den Händen in den Hosentaschen hinter den anderen her, fest entschlossen, sich den unauffälligsten Eckplatz zu greifen, das Essen herunterzuschlingen und zu verschwinden, bevor dieses silberhaarige Miststück ihm wieder auf die Nerven gehen konnte.

Doch als sein Blick über die handbeschrifteten Tischkarten glitt, blieb er abrupt stehen.

Direkt neben einem der Plätze stand in geschwungener, eleganter Schrift: Tala Valkov. Und direkt daneben: Lumina Davies.

Tala ballte die Fäuste in den Taschen.

~Diese kleine...~

Er atmete langsam durch die Nase ein und blickte hinüber zum Haupttisch, an dem Kai und Nami bereits Platz genommen hatten. Kai saß aufrecht da, half Nami gerade bedacht dabei, ein Kissen in ihrem Rücken zu richten, und blickte dann exakt in Talas Richtung.

Für jeden normalen Gast sah Kai aus wie immer: eiskalt, stoisch und absolut unbeweglich. Doch Tala kannte Kai seit Jahren. Er sah die klitzekleine, für andere völlig unsichtbare Veränderung in Kais Zügen... die minimale Entspannung um die Augenpartie und das kaum wahrnehmbare, zynische Zucken im rechten Mundwinkel.

Kai wusste es. Und er fand es amüsant.

Tala verengte die Augen und schenkte Kai einen Blick, der glatt dazu in der Lage gewesen wäre, Ahornbäume zu fällen.

~Du miese Ratte~ dachte Tala knurrend.

~Das wirst du mir büßen~

Kai erwiderte den Blick ohne mit der Wimper zu zucken, hob lediglich ganz leicht sein Glas mit Mineralwasser in Talas Richtung und nahm einen leichten Schluck.

„Oh, wie aufmerksam!“, ertönte in diesem Moment die allzu vertraute, glasklare Stimme direkt hinter Talas Schulter. Lumina glitt an ihm vorbei, strich wie zufällig mit dem Ellbogen über seinen Oberarm und zog anmutig den Stuhl neben seinem Platz heraus. Sie sah zu den Tischkarten, blickte Tala von unten herauf an und strahlte.

„Nami weiß eben einfach, was sich gehört. Wie schön, dass wir nebeneinander sitzen, Tala.“

Tala stieß ein tiefes, schnappendes Knurren aus, schob die Stuhlbeine auf dem Holzfußboden etwas zu laut nach hinten und setzte sich fest auf seinen Platz. Er stützte die Ellbogen auf den Tisch, verschränkte die Finger vor dem Mund und starrte die Tischdecke an, als wäre sie sein persönlicher Erzfeind.

„Halt einfach den Mund und lass mich essen, Prinzessin“, brummte er schneidend, ohne sie anzusehen.

Lumina setzte sich elegant, schlug die Beine übereinander und goss sich mit einem bezaubernden Lächeln etwas Wasser ein.

„Wir werden sehen, Tala. Wir werden sehen.“

Drüben am Haupttisch lehnte Nami sich schmunzelnd an Kais Schulter. „Du bist gemein, weißt du das?“, flüsterte sie ihm amüsiert zu.

Kai schnaubte leise, während er das Messer ansetzte und Nami ein perfekt geschnittenes Stück des gedünsteten Gemüses auf den Teller legte... darauf achtend, dass sie sich nicht überanstrengte und nur das Beste bekam.

„Das sagst ausgerechnet du?“, brummte er mit tiefer, ruhiger Stimme, während er das Besteck wieder ablegte und sie von der Seite ansah. Seine rubinroten Augen verengten sich minimal.

„Ich habe diesen Sitzplan nicht geschrieben, Nami. Du... hast die Tischkarten verteilt. Du hast dafür gesorgt, dass Tala direkt neben deiner Cousine landet. Und jetzt bin ich der Gemeine?“

Nami entkam ein helles, glückliches Lachen. Sie stützte das Kinn auf ihre Handfläche, sah ihren frisch gebackenen Ehemann mit einem spitzbübischen Funkeln in den ozeanfarbenen Augen an und schüttelte sanft den Kopf.

„Ich habe die Sitzordnung gemacht, das stimmt“, gab sie ohne jede Reue zu und rückte das Kissen in ihrem Rücken ein Stück zurecht.

„Aber ich habe nicht versucht, ihm mit so einer diebischen Freude dabei zuzusehen, wie er leidet. Ich habe deinen Blick gegenüber Tala ganz genau gesehen, Kai Hiwatari! Du hast ihm sogar noch dein Glas zugeprostet.“

Kai verzog keine Miene. Er nahm sein Glas erneut in die Hand und drehte es langsam zwischen seinen langen Fingern.

„Ich habe lediglich höflich mein Glas gehoben“, erwiderte er in vollkommener Stoizismus-Manier, auch wenn ein klitzekleines Zucken in seinem Mundwinkel seinen wahren Amüsementsgrad verriet.

„Er wollte unbedingt kommen. Er behauptet immer, er habe alles unter Kontrolle. Soll er doch zeigen, wie er mit Lumina fertig wird.“

„Er wird gar nicht mit ihr fertig werden“, gluckste Nami amüsiert und blickte hinüber zu dem Nebentisch, wo Lumina Tala gerade mit einer Mischung aus Charme und Herausforderung in ein Gespräch verwickelte, während der Russe angestrengt versuchte, den Blick auf sein Messer zu richten.

„Sie wird ihn schneller um den Finger wickeln, als er überhaupt begreift, wie ihm geschieht.“

Kai schnaubte trocken und nahm einen Schluck Wasser. „Wenn er das überlebt, hat er meinen Respekt.“

Kai setzte das Glas langsam ab, während sein Blick noch einmal kurz zu dem Nebentisch wanderte.

Dort lehnte sich Lumina gerade mit einem unverschämten, leuchtenden Lächeln ein Stück näher zu Tala hinüber, unbeeindruckt von der eiskalten, mordlustigen Aura, die der Russe wie eine Mauer um sich herum aufbaute.

Tala spannte den Kiefer so fest an, dass man es fast bis zum Haupttisch knirschen hören konnte, doch Lumina nippte völlig ungerührt an ihrem Champagner.

Eine winzige Nuance von Anerkennung schob sich in Kais rubinrote Augen.

„Ich korrigiere mich“, brummte Kai mit seiner tiefen, rauen Stimme und wandte sich wieder Nami zu. „Lumina hat meinen Respekt... sollte sie... das überleben.“

Nami zog amüsiert eine Braue hoch und sah ihn aus ihren strahlenden ozeanfarbenen Augen erwartungsvoll an.

Kai sah seine Frau an... sah in dieses wunderschöne, sanfte Gesicht, hinter dem sich seit jeher eine eiserne Entschlossenheit verbarg, die selbst seine dicksten Mauern eingerissen hatte. Ein leises, fast unmerkliches Schmunzeln stahl sich auf seine Lippen.

„Aber wenn sie auch nur halb so taff ist wie du...“, fügte er leise hinzu und legte seine große, warme Hand behutsam über die von Nami, „...dann wird es verdammt schwer für Valkov, sie abzuschrecken.“

Nami spürte die wohlige Wärme seiner Hand auf ihren Fingern und das sanfte, vertraute Klopfen in ihrem Bauch. Ihr Herz machte einen Sprung. Sie lehnte ihren Kopf an seine starke Schulter und genoss den Moment in vollen Zügen.

„War das etwa ein verstecktes Kompliment, Mr. Hiwatari?“, raunte sie ihm schmunzelnd entgegen.

„Es ist schlicht eine Tatsache, Mrs. Hiwatari“, erwiderte Kai trocken, doch der Druck seiner Hand um die ihre wurde ein Stück fester, beschützender und voller Liebe.

Der Abend brach langsam über dem Ayame-Anwesen ein. Warmes, goldenes Licht aus unzähligen Lampions, die in den alten Ahornbäumen hingen, tauchte den Garten in eine magische Atmosphäre.

Am Tisch von Tala und Lumina herrschte nach außen hin trügerische Ruhe.

Unter der langen, weißen Tischdecke spürte er plötzlich einen feinen, gezielten Druck. Die Spitzen eines eleganten High Heels glitten mit einer unverschämten Langsamkeit an seinem Hosenbein hoch, von der Wade aufwärts.

Talas Kiefer spannte sich erneut extrem an. Seine eisblauen Augen verdunkelten sich augenblicklich. In seinem Inneren stieg eine gefährliche, rasende Wut auf... gemischt mit einem plötzlichen, heftigen Adrenalinstoß.

Diese Frau trieb es mit aller Macht auf die Spitze.

Ohne Vorwarnung neigte er sich zu ihr hinüber. Er packte ihr Kinn mit zwei Fingern und raunte ihr mit schneidender, bedrohlicher Stimme direkt ins Ohr:

„Du bettelst wohl förmlich darum, dass ich dich ins Krankenhaus befördere, Prinzessin.“

Er wollte sie eiskalt erwischen, wollte sehen, wie ihr die Farbe aus dem Gesicht wich. Doch als Tala innehalten musste, um ihre Reaktion abzuwarten, blieb ihm für den Bruchteil einer Sekunde der Atem weg.

Lumina erbleichte keineswegs. Im Gegenteil: Eine zarte, wunderschöne Röte stieg auf ihre blassen Wangen. Ihre magentafarbenen Augen glühten förmlich vor Verlangen und Faszination auf. Sie wich seinem Griff nicht aus. Stattdessen glitt ihre feine Hand unter dem Schutz der Tischdecke nach oben und legte sich flach, warm und mit einem deutlichen Druck auf seinen angespannten Oberschenkel.

Sie neigte sich noch ein Stück näher an seine Lippen.

„Das...“, flüsterte sie mit einer rauen, zutiefst verführerischen Stimme, während ihre Finger sich leicht in den Stoff seiner Hose gruben, „...würde ich nur zu gerne erleben.“

Tala starrte sie an. Für einen Moment schienen alle Geräusche der Hochzeit um ihn herum zu verstummen. Der dominante, unnahbare Kapitän stand völlig im Wald.

Dieses Mädchen war absolut unberechenbar.

Genau in diesem Moment erhob sich Hiro Tachiba am Haupttisch und klopfte sanft mit dem Messer an sein Kristallglas.

„Werte Familie, liebe Freunde“, ertönte Hiros ruhige, getragene Stimme durch den Garten und erlöste Tala aus der elektrisierenden Starre.

Tala zog seine Hand rasch von Luminas Kinn zurück und schnappte nach Luft, als hätte er gerade einen Marathon hinter sich, während Lumina ihre Hand ganz langsam von seinem Oberschenkel nahm und ihm ein siegreiches, atemberaubendes Lächeln schenkte.

Hiro sah mit tiefem Stolz zu Nami und Kai hinüber.

„Wenn ein Vater seine Tochter aufwachsen sieht, hofft er immer darauf, dass sie eines Tages jemanden findet, der stark genug ist, an ihrer Seite zu stehen. Jemanden, der ihr Beschützer, ihr Freund und ihr Fels in der Brandung ist“, sprach Hiro bedächtig und blickte Kai direkt in die rubinroten Augen.

„Kai... du hast heute bewiesen, was Nami längst gewusst hat. Ich könnte mir keinen besseren Mann an der Seite meiner Tochter vorstellen.“

Nami drückte gerührt Kais Hand unter dem Tisch. Kai blieb nach außen hin wie gewohnt stoisch und unbeweglich, doch die tiefe Neigung seines Kopfes gegenüber seinem Schwiegervater zeigte den immensen Respekt, den er für Hiro empfand.

Anschließend erhob sich auch Lord Eric Davies. Mit aristokratischer Haltung, akkurat gestyltem, silbrig weißem Haar und magentafarbenen Augen sah er charmant in die Runde.

„Auch wenn ich als Onkel sagen muss, dass die Davies-Frauen schon immer einen exzellenten... wenn auch manchmal etwas eigensinnigen... Geschmack hatten“, begann Eric schmunzelnd und warf dabei einen kurzen, bedeutungsvollen Blick rüber zu seiner Tochter Lumina und dem sichtlich bedienten Tala.

„Ich stoße auf euch beide an. Auf eure Liebe, eure Stärke und auf die Zukunft der Familie Hiwatari!“

„Auf Kai und Nami!“, hallte es im Chor durch den gesamten Garten, während die Gläser erklangen.

Gerade als das freudige Anstoßen und das Klirren der Gläser im Garten verhallten, verfinsterte sich der Abendhimmel überraschend schnell. Ein kühler Herbstwind fuhr durch die Kronen der alten Ahornbäume und ließ die Lampions sanft im Wind wiegen.

Nur wenige Sekunden später fielen die ersten schweren, warmen Regentropfen herab und verwandelten den trockenen Rasen in einen duftenden Herbsttraum. Ein leises Tischtuch-Rascheln und überraschte Rufe gingen durch die Festgesellschaft.

Bevor jedoch irgendeine Hektik ausbrechen konnte, schritt Graham mit der gewohnten, absolut unerschütterlichen Ruhe eines perfekten Butler-Veteranen nach vorne. In seiner Hand hielt er bereits einen aufgespannten, eleganten Schirm, den er schützend über Oma Yumi hielt.

„Meine Damen und Herren“, ertönte Grahams getragene Stimme, untermalt von seinem gewohnt trockenen Humor. „Es scheint, als wolle der Himmel dem frisch gebackenen Ehepaar seinen ganz eigenen Segen spenden... oder die Blumen im Garten wässern. Wie dem auch sei: Ich darf Sie bitten, sich unaufgeregt in den großen Ballsaal des Anwesens zu begeben. Dort wird die Feier im Trockenen fortgesetzt... inklusive des Eröffnungstanzes und des traditionellen Anschneidens der Hochzeitstorte.“

Ein erleichtertes Schmunzeln ging durch die Runde. Kai reagierte augenblicklich: Noch bevor der Regen richtig einsetzen konnte, stand er auf, zog sein Sakko aus und legte es behutsam um Namis Schultern. Ohne zu zögern, schlang er einen Arm fest und beschützend um ihre Taille, um sie sicher und trocken zum überdachten Eingang des Herrenhauses zu geleiten.

„Kommt gar nicht infrage, dass du nass wirst“, brummte er leise an ihrer Schläfe.

Nami kuschelte sich dankbar an seine starke Brust und lachte leise. „Danke, mein Held.“

Während die Bladebreakers und die übrigen Gäste gut gelaunt in Richtung des beleuchteten Gebäudes strömten, nutzte Tala die Gelegenheit für einen Fluchtversuch. Er stand abrupt auf, knöpfte seine Jacke zu und wollte sich im allgemeinen Aufbruch unauffällig unter die Menge mischen, um Lumina endlich zu entkommen.

Doch Lumina war viel zu schnell für ihn.

Noch bevor er zwei Schritte getan hatte, glitt sie elegant an seine Seite, verhakte ihren Arm mit einer selbstverständlichen Leichtigkeit in seinem und schlug ihren Regenschirm auf, den sie zielsicher über sie beide hielt.

„Wo willst du denn so schnell hin, Valkov?“, raunte sie ihm mit einem siegreichen Schmunzeln zu, während sie ihm ganz nah kam, um unter dem Schirm Platz zu haben.

„Der Ballsaal wartet... und unser Tanz steht schließlich auch noch aus.“

Tala blieb abrupt stehen. Der Regen plätscherte leise auf das schwarze Tuch des Schirms, den sie über ihn hielt, während er sie mit einem Blick bedachte, der selbst kochendes Wasser im Bruchteil einer Sekunde zu Eis gefrieren lassen konnte.

Seine eisblauen Augen verengten sich scharf.

Seine Hände schob er demonstrativ tief in die Hosentaschen seines Anzugs, wodurch sich ihr eingehakter Arm automatisch löste, auch wenn Lumina sich unbeeindruckt sofort wieder nah an ihn heranzog.

„Ich habe keine Ahnung, von welchem Tanz du redest“, gab Tala trocken, kalt und mit unmissverständlicher Härte in der Stimme zurück.

Er musterte sie von oben bis unten, als wäre sie eine lästige Pflicht, die er am liebsten sofort abhaken würde.

„Außerdem werde ich ohnehin bald aufbrechen“, fügte er hinzu, während sein Tonfall keinen Raum für Diskussionen ließ. „Und ich werde einen Teufel tun, mit dir zu tanzen.“

Lumina ließ sich von seiner Eiskälte nicht einmal den Ansatz eines Zögerns anmerken.

Statt beleidigt abzuziehen, machte sie einen halben Schritt auf ihn zu... so nah, dass ihre Brust seinen Arm streifte und ihr Atem seine Halsbeuge unter dem Schutz des Schirms traf.

Sie stellte sich leicht auf die Fußspitzen, griff mit einer Hand ganz langsam nach seinem Revers, zog ihn ein Stück zu sich herunter und raunte ihm mit einer tiefen, Samt-weichen, aber eiskalt kalkulierten Stimme direkt ins Ohr:

„Du machst also einen Rückzieher, Valkov? Weil ein einfacher Tanz mit mir gefährlicher für dich ist als jedes Blade-Turnier? Ich dachte, der große ehemalige Kapitän der Blitzkrieg Boys hat vor nichts Angst... aber du hast verdammt noch mal Schiss, dass du deine Kontrolle verlierst, sobald du mich anfässt.“

Bevor er reagieren konnte, ließ sie von ihm ab, strich ihm mit dem Zeigefinger ganz sanft über die Wange hinab zu seiner Lippe und flüstert mit einem dunklen, siegreichen Lächeln:

„Beweis mir das Gegenteil auf der Tanzfläche. Oder flüchte wie ein Feigling ins Hotel. Du hast die Wahl.“

Sie drehte sich auf dem Absatz um und ging stolz, mit wiegenden Hüften voraus in den beleuchteten Ballsaal... ohne sich noch einmal nach ihm umzusehen.

Tala stand da, regungslos wie eine Statue mitten im Herbstregen, während der Stoff seines teuren Anzugs durchnässt wurde.

Seine Augen verengten sich gefährlich, in denen ein dunkles, unheilvolles Feuer loderte.

Er war keineswegs dumm. Er hatte in den dunkelsten Abgründen der Beyblade-Welt überlebt, hatte Psychospiele, Manipulationen und knallharte Machtkämpfe durchgestanden.

Er wusste mit absoluter Präzision, was dieses silberhaarige Miststück da gerade abzog. Es war eine glasklare, eiskalt kalkulierte Falle. Sie wollte sein gigantisches Ego anbohren, wollte seine blinden Flecken ausnutzen und ihn mit seiner eigenen Arroganz ködern.

Normalerweise hätte er über so einen billigen Psychotrick nur spöttisch gelacht und der Person die kühle Schulter gezeigt.

Doch als er ihren wiegenden Hüften hinterhersah, während sie ungerührt und stolz in den hell erleuchteten Ballsaal schlendere, spannte sich in Talas Brust ein Muskel an, der schon sehr lange nicht mehr gefordert worden war.

~Verdammt~

In seinem Inneren tobte ein verheerender Kampf. Ein Teil von ihm schrie danach, sofort den nächsten Wagen ins Hotel zu nehmen, sich in seiner privaten Bar einzuschließen und diese ganze feine Adelsgesellschaft samt ihrer hübschen Töchter zu vergessen. Aber ein anderer, viel gefährlicherer Teil in ihm spürte etwas ganz anderes:

Respekt.

Ein zutiefst ehrlicher, toxischer Respekt für diesen verdammt brutalen Schachzug.

Es war das allererste Mal in seinem Leben, dass ein Mädchen nicht wie ein aufgeschrecktes Reh vor ihm zurückwich.

Keine Tränen, kein zittriges Zurückweichen vor seiner bedrohlichen Präsenz, kein furchtsames, devotes Getue. Lumina Davies hatte ihm nicht nur ins Gesicht gespuckt... sie hatte ihm den Fehdehandschuh direkt vor die Füße geworfen und bezweifelt, dass er Manns genug war, die Kontrolle zu behalten.

Sie hatte die einzige Sprache gesprochen, die ein Kerl wie Tala Valkov überhaupt verstand:

Provokation auf Leben und Tod.

Tala fuhr sich mit den Fingern durch das nasse, rote Haar und stieß ein tiefes, raues Knurren aus, das wie das Grollen eines gereizten Raubtiers klang. Ein schneidendes, fast gefährliches Lächeln stahl sich auf seine Lippen.

„Gefährlicher als ein Turnier, was?“, murmelte er eiskalt vor sich hin, während der Regen ihm übers Gesicht lief. „Du hast ja keine Ahnung, worauf du dich hier einlässt, Prinzessin.“

Er knöpfte sein durchnässtes Sakko auf, strich den Stoff glatt und wandte sich mit langsamen, schweren Schritten dem Eingang des Anwesens zu. Er würde ihr nicht den Gefallen tun, wie ein verliebtes Hündchen hinterherzurennen.

Aber er würde einen Teufel tun und als Feigling das Feld räumen.

Er ging in diesen Ballsaal. Und er würde dieser eingebildeten Britin beweisen, wer von beiden hier am Ende die Kontrolle behielt.

Der Ballsaal des Ayame-Anwesens bot eine atemberaubende Kulisse. Unter den gewaltigen Kristallkronleuchtern, die das dunkle Parkett in goldenes Licht tauchten, versammelte sich die Festgesellschaft, während draußen der Herbstregen gegen die hohen Bogenfenster prasselte.

Im Mittelpunkt stand die mehrstöckige, meisterhaft verzierte Hochzeitstorte. Kai und Nami traten gemeinsam an den Tisch. Kai legte seine große, warme Hand schützend über Namis, während sie das Messer ansetzten, um das erste Stück wie vorgesehen gemeinsam anzuschneiden.

Selbst in dieser traditionellen Geste wich Kais wachsamer Blick nicht von Nami... er achtete peinlich genau darauf, dass sie sich nicht anstrengte.

Im Hintergrund, nur wenige Meter entfernt, versuchte Tyson mit gierigen Blicken, das beste Stück im Auge zu behalten.

„Sobald die beiden das Messer ablegen, gehört die Spitze mir“, raunte Tyson Ray voller Vorfreude zu und rieb sich die Hände.

Bevor Ray antworten konnte, sauste der Fächer von Oma Yumi herbei und traf Tysons Hinterkopf mit erstaunlicher Präzision.

„Lern endlich Manieren, Tyson!“, zischte die alte Dame. „Das Brautpaar bekommt das erste Stück, danach die Älteren!“

Während Tyson sich jaulend den Kopf rieb, glitt sein Blick über Oma Yumis Schulter hinweg in Richtung der Saaltür. Dort stand Tala. Durchnässtes rotes Haar, das Sakko aufgeschlagen, die Hände fest in den Hosentaschen vergraben und die Schultern wie eine Wand angespannt.

Er wirkte wie eine geladene Waffe, die jeden Moment explodieren könnte. Und seine eisblauen Augen waren starr auf Lumina gerichtet, die sich mit aristokratischer Eleganz ein Glas Champagner von einem Kellner reichen ließ.

Tyson verschluckte beinahe seinen Speichel vor Lachen und stieß Ray mit dem Ellbogen in die Rippen.

„Sieh dir das an, Ray“, gluckste Tyson leise.

„Valkov steht da drüben, als würde er gleich ein Beyblade-Match gegen ein Mädchen im Abendkleid austragen. Was ist dem denn über die Leber gelaufen?“

Ray folgte Tysons Blick, beobachtete Talas mordlustige Miene und das unverschämte, siegreiche Lächeln, das Lumina dem Russen über den Rand ihres Glases hinweg zuwarf.

„Ich glaube nicht, dass das ein normales Match ist, Tyson“, erwiderte Ray mit einem amüsierten Schmunzeln. „Und ich bin mir ziemlich sicher, dass Tala zum ersten Mal in seinem Leben keine Ahnung hat, wie er kontern soll.“

Tala bekam von dem Tuscheln nichts mit.

Seine gesamte Aufmerksamkeit galt der blassen Britin mit den magentafarbenen Augen. Er spürte immer noch die brennende Stelle an seinem Oberschenkel, wo ihre Hand gelegen hatte. Lumina nippte an ihrem Glas, sah ihn direkt an und hob es mit einer feinen, provokanten Neigung des Kopfes in seine Richtung.

~Du wolltest dein Spiel, Prinzessin~, dachte Tala knurrend, während sich der Kiefer bei ihm so fest anspannte, dass die Muskeln hervortraten.

~Wart's nur ab~

Nach dem Anschneiden der Torte trat der Orchesterleiter vor das Parkett, hob den Taktstock, und die ersten sanften, vollmundigen Töne eines klassischen Wiener Walzers erfüllten den hohen Ballsaal.

Kai wandte sich zu Nami. Ohne ein Wort zu verlieren, schob er vorsichtig seine Hand in ihre, legte die andere stützend und extrem behutsam an ihre Taille und führte sie auf die Tanzfläche. Für Kai gab es in diesem Moment keine blickenden Gäste, keine Musikanten, kein Fest.

Es gab nur sie.

Seine Bewegungen waren von einer ruhigen, unerschütterlichen Präzision geprägt. Er hielt Nami mit einer Stärke, die ihr vollkommenen Halt gab, und achtete bei jedem Schritt peinlich genau darauf, ihr keinerlei Anstrengung abzuverlangen.

Am Rand des Parketts beobachtete Tala die Szenerie für genau drei Sekunden, bevor er sich auf dem Absatz umdrehte. Er steuerte zielsicher auf Lumina zu, die am Rand der Tanzfläche stand, ihr Champagnerglas abgelegt hatte und ihn mit schräg gelegtem Kopf erwartete.

Tala blieb direkt vor ihr stehen. Kein Schmeicheln, kein höfliches Lächeln, keine Frage.

Seine eisblauen Augen bohrten sich eiskalt in ihre magentafarbenen. Er griff nach ihrer Hand... nicht grob, aber mit einem eisernen, unmissverständlichen Griff und zog sie ohne ein Wort der Vorwarnung mit sich mitten auf das Parkett.

Bevor Lumina auch nur spöttisch kommentieren konnte, legte er seine rechte Hand fest an ihre Taille, zog sie ein Stück näher an sich heran, als es der Anstand eigentlich erlaubte, und raunte ihr mit tiefer, schneidender Stimme direkt ins Ohr:

„Du wolltest deinen Tanz, Prinzessin. Aber mach dich darauf gefasst, dass ich das Tempo bestimme.“

Lumina stockte für den Bruchteil einer Sekunde der Atem, doch im nächsten Moment übernahm Tala die Führung. Und was dann folgte, war keine stümperhafte Bewegung eines sturen Kämpfers, sondern ein extrem dominanter, absolut makelloser Walzer. Tala bewegte sich mit einer düsteren, raubtierhaften Eleganz übers Parkett, hielt den Takt auf die Millisekunde genau und zwang Lumina mit seiner physischen Präsenz, Schritt zu halten.

Ein paar Meter weiter glitten Kai und Nami an den beiden vorbei. Nami stützte den Kopf leicht an Kais Schulter, wandte den Blick aber schmunzelnd zu Tala und Lumina. Ein helles, wissendes Lächeln lag auf ihren Lippen.

„Schau dir den eisernen Valkov an“, raunte Nami amüsiert an Kais Brust.

„Er tanzt tatsächlich als hätte er jahrelang nichts anderes getan. Sag bloß, er profitiert hier etwa von euren legendären, schmerzhaften Straf-Tanzstunden bei der bulligen Küchenfrau in der Abtei?“

Kai verzog keine Miene, doch ein leises, trockenes Schnauben verriet, dass er die Anspielung sofort verstand.

„Er hat keine Wahl“, erwiderte Kai mit seiner tiefen, stoischen Ruhe, während er Nami sanft in eine Drehung führte und sie wieder sicher an sich zog.

„Damals musste er beinah täglich den Füßen dieser Frau ausweichen.“

Nami lachte leise und schüttelte amüsiert den Kopf.

„Und jetzt muss er sich stattdessen mit meiner Cousine herumschlagen. Ich frage mich ernsthaft, was für Tala gerade die größere Bestrafung ist: die Küchenfrau damals oder Lumina heute?“

Kai warf einen kurzen, kalten Blick auf das tanzende Paar, bei dem Lumina gerade etwas erwiderte, während Tala den Kiefer so fest anspannte, dass die Muskeln pochten. Ein minimales, für Außenstehende völlig unsichtbares Zucken lag in Kais Mundwinkeln.

„Lumina“, kommentierte Kai trocken und zog Nami noch ein kleines Stück näher an sich.

„Die Küchenfrau hatte wenigstens irgendwann Respekt vor seinen Fäusten. Lumina hat gar keinen Respekt.“

Drüben auf der Tanzfläche spürte Tala Luminas Blick auf sich ruhen. Sie folgte seinen schnellen, dominanten Schritten mühelos, ihr Blick brannte förmlich vor Verlangen und purem Amüsement.

„Nicht übel, Valkov“, hauchte sie, während er sie in eine scharfe Wendung schickte und sie fest an seinen Körper zog.

„Ich dachte, du kannst nur Zerstörung. Aber du hast erstaunlich viel Gefühl in den Beinen.“

Tala spannte den Kiefer an und blickte kalt auf sie herab. „Bild dir bloß nichts ein, Prinzessin. Ich weiche hier nur den Hindernissen aus. Und du bist aktuell das größte.“

Lumina strahlte nur noch mehr.

Sie spürte genau, wie viel Kontrolle Tala in diesem Tanz beanspruchte. Er führte starr, dominant und mit der eisernen Präzision eines Mannes, der es gewohnt war, dass man seinem Diktat folgte.

Ein spitzbübisches, magentafarbenes Funkeln blitzte in ihren Augen auf.

~Wenn du glaubst, dass du mich einfach so übers Parkett dirigieren kannst, Valkov, hast du dich geschnitten~

Lumina war nicht nur die Tochter eines Lords... sie war eine herausragende Tänzerin, ausgebildet in den elitefeinsten Tanzschulen Londons. Das Tanzen lag ihr im Blut.

Sie nutzte den nächsten Schwung des Walzers, spannte blitzschnell den Rumpf an und verlagerte ihr Gewicht um eine halbe Sekunde früher, als Tala es vorgesehen hatte.

Mit einer fließenden, fast unmerklich eleganten Bewegung schlüpfte sie aus seinem festen Griff. Bevor Tala überhaupt begreifen konnte, wie ihm geschieht, nutzte Lumina das Momentum, wirbelte flink um die eigene Achse und platzierte ihre Hand mit sanftem, aber absolut bestimmtem Druck im Genick des Russen.

Sie übernahm urplötzlich und völlig ohne Vorwarnung die Führung.

Tala erstarrte innerlich für den Bruchteil einer Sekunde. Seine Augen weiteten sich minimal vor Schock.

Lumina führte ihn nun. Sie lenkte seine Masse mit einer bezaubernden Leichtigkeit, nutzte seine eigene Energie gegen ihn und zwang ihn mit spielerischer Eleganz in zwei perfekt ausgeführte, rasante Drehungen. Es war exakt wie in einem eleganten Duell... ein Tanz, bei dem die Partnerin plötzlich die Zügel in die Hand nahm und den dominanten Mann mühelos aus dem Konzept brachte.

„Du bist zu steif, Kapitän“, hauchte Lumina ihm mit einem tiefen, amüsierten Lächeln entgegen, während sie ihn mit einer rauen Eleganz über das Parkett leitete. Sie Neigte das Kinn leicht nach oben und sah ihn provokant von unten herab an.

„Haben sie dir in Russland etwa nicht beigebracht, wie man einer Dame die Führung überlässt, wenn sie klar die Bessere ist?“

Talas Kiefer spannte sich so extrem an, dass die Knochen weiß durch die Haut traten. Sein Puls schoss in die Höhe. Ein Mann wie er ließ sich von niemandem führen... schon gar nicht von einem hübschen Adelsmädchen im Abendkleid.

Das hier war kein Walzer mehr, das war ein erbitterter Machtkampf mitten auf der Tanzfläche.

Sein Blick wurde gefährlich dunkel. Anstatt gegen ihren Impuls anzukämpfen und ins Stolpern zu geraten, spannte Tala jeden einzelnen Muskel in seinem Körper an. Er nutzte seine enorme Körperkraft, sperrte den Schritt im richtigen Bruchteil einer Sekunde und fing ihre Bewegung mit einer Wucht ab, die den Boden unter ihren Füßen fast erbeben ließ.

Ohne die Eleganz des Walzers zu unterbrechen, riss er die Kontrolle mit einer eisernen, blitzschnellen Wendung zurück an sich. Er zog Lumina so schwungvoll und nah an seine Brust, dass ihr Atem ins Stocken geriet und ihr silbriges Haar ihr sanft über die Schultern flog.

Seine Hand lag nun wieder wie ein Band aus Stahl an ihrem Rücken. Er neigte seinen Kopf so weit herunter, dass seine Lippen beinahe ihre Schläfe berührten, während er sie mit harten, absolut dominanten Schritten wieder durch den Saal trieb.

„Überlass mir die Führung, Prinzessin“, raunte Tala ihr mit einer dunklen, bedrohlichen Tiefe ins Ohr, die ihr einen eiskalten Schauer über den Rücken jagte.

„Oder ich garantiere dir, dass dieser Tanz sehr schmerzhaft für deine teuren Schuhe endet.“

Lumina spürte den harten Schlag seines Herzens an ihrer Brust. Anstatt verschreckt zu sein, ging ein tiefes, brennendes Schaudern durch ihren Körper. Sie lehnte den Kopf leicht zurück, sah in seine eisblauen, rasenden Augen und strahlte ihn mit einer unerschütterlichen, fast berauschten Faszination an.

„Ich wusste doch, dass mehr in dir steckt als nur ein Sturkopf, Tala“, flüsterte sie leise und ließ sich diesmal... nur für den Moment... von ihm führen.

Der Takt des Orchesters wurde schneller, die Geigen schossen in eine rasante, treibende Melodie hinüber, die den gesamten Ballsaal mit elektrisierender Energie füllte.

Lumina, die das feine Adelsblut und das tänzerische Talent im Blut trug, spürte den Rhythmus wie einen direkten Aufruf.

Ein amüsiertes, fast diebisches Glänzen legte sich in ihre magentafarbenen Augen. Sie wollte ihn erneut testen. Sie wollte sehen, ob der eiserne Kapitän wirklich so unerschütterlich war, wie er tat.

Mitten in einer eleganten Drehung nutzte sie den Schwung erneut, setzte ihren Fuß exakt vor seinen und wollte mit einer geschmeidigen, autoritären Bewegung ihres Oberkörpers die Kontrolle übernehmen. Sie drückte leicht gegen sein Handgelenk und antizipierte den nächsten Schritt, genau so, wie sie es in unzähligen Bällen gelernt hatte.

Doch dieses Mal gab Tala kein einziges Inch nach.

In dem Bruchteil einer Sekunde, in dem Lumina die Führung an sich reißen wollte, spürte sie eine Wand aus reiner, kompromissloser Muskelkraft.

Tala blockierte ihren Versuch, bevor sie ihn überhaupt zu Ende geführt hatte. Mit einer schlafwandlerischen, fast erschreckenden Präzision stoppte er ihre Bewegung abrupt ab.

Er ließ ihr keinen Zentimeter Spielraum.

Mit einer schnellen, fließenden Drehung, die so kraftvoll und kontrolliert war wie ein perfekt getunter Angriff im Beyblade-Stadion, blockierte er ihren Vorstoß, drehte sie herum und zwang sie sofort wieder in seinen Rhythmus.

Seine Hand schloss sich noch ein Stück fester um ihre Taille, und er zog sie so dicht an sich heran, dass zwischen ihren Körpern nicht einmal mehr Luft dazwischenpasste.

Seine eisblauen Augen brannten vor kalter, triumphierender Entschlossenheit. Er sah auf sie herab, während er sie mit einer unerbittlichen Härte weiter über das Parkett jagte, sodass ihre Füße den Boden kaum noch zu berühren schienen.

„Guter Versuch, Prinzessin“, raunte Tala ihr mit einer dunklen, bebenden Tiefe direkt ins Ohr, während sein Atem heiß an ihrer Wange verströmte.

„Aber... ich gebe die Fäden nie aus der Hand.“

Lumina geriet für eine Zehntelsekunde aus dem Konzept. Ihr stockte der Atem aus purer, elektrisierender Überraschung.

Doch statt sich geschlagen zu geben, ging ein tiefes, berauschtes Funkeln durch ihren Blick. Ihr Lächeln wurde nur noch breiter, strahlender und fast schon unverschämt herausfordernd.

„Wir werden ja sehen, wie lange du diese Fassade aufrechterhalten kannst, Valkov“, flüsterte sie zurück, schmiegte sich noch fester an seine harte Brust und hielt seinem brennenden Blick stand, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken.

Tala dachte gar nicht daran, ihr auch nur den Hauch einer Lücke zu lassen. Seine Strategie war von nun an absolute, lückenlose Dominanz.

Mit schneidender Präzision und unerbittlicher Körperkraft diktierte er jeden einzelnen Herzschlag der Musik. Jedes Mal, wenn Lumina auch nur im Ansatz versuchen wollte, ihr Gewicht leicht zu verlagern oder den Ton anzugeben, parierte er es sofort mit einem eisernen Impuls seiner Hand an ihrem Rücken.

Er gab ihr keinen Millimeter Raum zum Atmen, geschweige denn zum Denken.

Er nutzte den immer schneller werdenden Takt des Orchesters völlig aus: Mit einer flüssigen, fast schon bedrohlich schnellen Bewegung wirbelte er sie mehrfach hintereinander um die eigene Achse. Luminas silbriges Haar flog wie ein glänzender Schleier durch die Luft, während der Stoff ihres eleganten Kleides um ihre Beine peitschte. Sie war eine erstklassige Tänzerin, doch Tala zwang sie mit schierer Gewalt und makellosem Taktgefühl dazu, sich vollkommen seinem Tempo zu unterwerfen.

Als die Geigen schließlich ihren dramatischen Höhepunkt erreichten und in einen letzten, lang gezogenen Akkord mündeten, setzte Tala zum finalen Schachzug an.

Er riss ihren rechten Arm in einer fließenden Bewegung hoch über ihre Köpfe, nutzte den Schwung und zog sie mit einer blitzschnellen, absolut harten Wendung dicht an sich. Noch bevor Lumina wieder richtig Halt finden konnte, schlang er seinen rechten Arm wie eine Spange aus Stahl um ihre Taille und zwang sie ohne jede Vorwarnung in einen tiefen, atemberaubenden Dip.

Er ließ sie nach hinten abknicken... so tief in ihr Hohlkreuz, dass ihr Kopf beinahe den glänzenden Parkettboden berührte.

Lumina entkam ein leiser, überraschter Atemzug. Sie schwebte völlig hilflos, nur gehalten von Talas eisernem Griff an ihrem Rücken und der ungeheuren Stabilität seiner Oberschenkel, die keinen Millimeter nachgaben.

Seine physische Überlegenheit war in diesem Moment absolut.

Tala beugte sich über sie. Sein durchnässtes, rotes Haar hing ihm leicht in die Stirn, während seine eisblauen Augen eiskalt und triumphierend auf sie herabblickten. Sein Atem ging schwer, und seine Brust hob und senkte sich direkt an ihrer.

„Tanz beendet, Prinzessin“, raunte Tala mit einer rauen, tiefen Stimme, die in der plötzlichen Stille des Ballsaals nur für sie hörbar war.

„Die Führung gehört mir. Immer. Vergiss das niemals...“

Lumina lag in seinen Armen, den Herzschlag bis zum Hals spürend, während das Licht der Kristallkronleuchter über ihnen funkelte und obwohl er sie gerade mit kalter Präzision unterworfen hatte, lag kein Tropfen Niedergeschlagenheit in ihren magentafarbenen Augen.

Ein wunderschönes, fast schon berauschtes Lächeln stahl sich auf ihre Lippen, während sie von unten herauf direkt in seinen gefährlichen Blick sah.