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Provokation

Der Gezähmte Phönix — www.fanfiktion.de · All chapters

Provokation

An einem der festlich eingedeckten Tische etwas abseits des Hauptparketts herrschte für einen Moment kollektive Sprachlosigkeit. Tyson, Ray, Max, Kenny, Hilary und Mariah saßen da, die Gläser teils auf halbem Wege erstarrt und hatten mit offenem Mund das Spektakel beobachtet, das Tala und Lumina soeben aufs Parkett gezaubert hatten.

Mariah war die Erste, die die Stille brach. Sie blinzelte ein paar Mal, stellte ihr Glas ab und schüttelte ungläubig den Kopf.

„Ich wusste ja gar nicht, dass Tala überhaupt zur Hochzeit kommt...“, gestand sie leise und sah hinüber zu dem Rothaarigen, der noch immer mit finsterem Blick neben der strahlenden Britin stand.

„Ich habe ihn vorhin draußen im Garten bei der Trauung gar nicht bemerkt.“

Hilary lehnte sich zurück und strich sich eine Strähne hinter das Ohr. „Er ist wohl etwas später nach dem Empfang aufgetaucht und hat sich erst mal abseits im Schatten aufgehalten. Mich überrascht es ehrlich gesagt nicht, dass Kai und Nami ihn eingeladen haben.“

„Tala ist ohnehin schon seit einigen Wochen geschäftlich in Tokio unterwegs“, schaltete sich Ray ein und nahm ruhig einen Schluck aus seinem Glas. „Da hat es sich wohl einfach angeboten, dass er—“

„Leute, ernsthaft?!“, unterbrach Tyson ihn lautstark und fuchtelte aufgeregt mit den Händen in der Luft herum. „Wollt ihr jetzt wirklich über Terminkalender quatschen?! Kann bitte mal jemand über diesen absolut krassen Tanz reden?! Und ganz abgesehen davon... wer verdammt ist diese krasse Nami-Doppelgängerin, mit der Valkov da gerade die Fetzen fliegen lassen hat?!“

Kenny, der bereits auf seinem Laptop tippte und die Gästeliste offen hatte, rückte seine Brille auf der Nase zurecht.

„Diese sogenannte 'Doppelgängerin' ist Lumina Davies, Tyson.“, erklärte Kenny sachlich und zeigte auf den Bildschirm.

„Sie ist Namis jüngere Cousine aus England. Und laut den Daten hier hat sie in den letzten Jahren einige hochkarätige Tanzturniere in London gewonnen. Sie ist eine absolute Expertin im klassischen Tanz.“

„Aha!“, rief Tyson und stemmte die Hände in die Hüften. „Ich habe mir diese schnieken Briten vorhin schon angesehen! Die ganze legendäre Schönheit der Tachiba-Frauen... und die von Kenji übrigens auch... die kommt definitiv aus dieser Ecke der Familie!“

Dann wandte sich Tyson mit einem spitzbübischen, unverschämten Grinsen zu Max hinüber, der ganz brav an seinem Kräutertee nippte.

„Aber mal ehrlich, Max...“, neckte Tyson seinen Kumpel und stieß ihn grinsend mit dem Ellbogen an.

„Ich bin echt überrascht, dass du noch keinen Flirtversuch unternommen hast. Diese Lumina ist doch absolut dein Typ! Und sie ist definitiv keine fünfzehn mehr!“

Max verschluckte sich beinahe an seinem Tee, hustete kurz und setzte die Tasse vorsichtig ab. Seine Wangen färbten sich leicht rosa, doch er blieb ganz entspannt.

„Sie ist in der Tat sehr hübsch“, räumte Max ehrlich ein und fuhr sich verlegen durch die blonden Haare. „Aber... ich habe gerade ehrlich gesagt überhaupt keinen Kopf für so was.“

Hilary schmunzelte vielsagend, stützte das Kinn auf ihre Handfläche und sah Max mit einem Blick an, der Bände sprach.

„Liegt das vielleicht eher daran, Max...“, raunte Hilary amüsiert und deutete mit dem Kopf unauffällig zu einem der Nachbartische, „...dass du schon den ganzen Abend rüber zu Midori schielst? Die kann ihre Augen nämlich auch schon die ganze Zeit nicht von dir lassen.“

Max lief schlagartig rot an und starrte intensiv in seine Teetasse, während Tyson prustend loslachte und Ray sich ein amüsiertes Grinsen nicht verkneifen konnte.

Midori saß am Tisch ihrer Familie, umgeben von dem leisen Gemurmel der Gäste und dem sanften Klirren des Porzellans, doch ihre Gedanken waren ganz woanders. Ihre dunkelgrünen Augen wanderten immer wieder unwillkürlich hinüber zu dem Tisch der Bladebreakers... genauer gesagt zu dem blonden jungen Mann mit dem herzlichen Lächeln.

Und fast jedes Mal, wenn er zu ihr sah, fing sie seinen Blick auf.

Max wandte die Augen nie schnell ab, als würde er erwischt werden, sondern schenkte ihr stets dieses eine, sanfte, unendlich warme Lächeln, das ihr Herz jedes Mal einen Schlag schneller schlagen ließ.

Die beiden kannten sich nun bereits seit einigen Monaten. Aus dem ersten flüchtigen Kennenlernen waren lange Telefonate, unzählige WhatsApp-Nachrichten bis spät in die Nacht und eine Handvoll entspannter, wunderschöner Spaziergänge geworden.

Wenn sie gemeinsam unterwegs waren, herrschte eine Leichtigkeit zwischen ihnen, die keiner von beiden jemals zuvor gespürt hatte.

Sie brauchten einander.

Es war ein tiefes, unerschütterliches Band gewachsen, eine Anziehung, die sich nicht leugnen ließ. Midori war über beide Ohren in ihn verliebt... und sie wusste, dass es Max nicht anders ging.

Doch Max hielt Abstand.

Er achtete peinlich genau darauf, ihr niemals näher zu kommen, als es die Grenzen der Freundschaft erlaubten. Keine langen Umarmungen, kein flüchtiges Berühren der Hände, kein Schritt zu viel.

Nicht etwa, weil er sie nicht wollte. Im Gegenteil: Er wollte Midori mit jeder Faser seines Seins. Sie war für ihn das Wundervollste, was ihm seit Langem begegnet war. Aber Max war ein Mann von tiefem Verantwortungsbewusstsein. Midori war erst vor einem Monat fünfzehn geworden, während er in wenigen Monaten bereits seinen einundzwanzigsten Geburtstag feiern würde.

Der reine Gedanke an diesen Altersunterschied brannte ihm wie Feuer auf der Seele. Er liebte ihre Reinheit, ihr ehrliches Lachen und ihre jugendliche Unbedarftheit... und gerade deshalb fühlte er diesen bittersüßen Stich im Herzen.

Er hatte panische Angst davor, ihr diese Unschuld zu nehmen oder sie in eine Situation zu drängen, für die sie noch nicht bereit war.

Er hatte es ihr vor Monaten schweren Herzens klar gemacht: Er wollte für sie da sein, ihr Fels in der Brandung, ihr bester Freund... aber mehr durfte es nicht sein.

Nicht jetzt. Nicht so.

Am Tisch starrte Max nun wieder auf das Muster seiner Porzellantasse, während die Sticheleien von Tyson und Hilary um ihn herum verblassten. Er nahm einen kühlen Schluck Tee und spürte, wie sich sein Herz schmerzhaft zusammenzog.

Als er den Kopf noch einmal leise hob, trafen sich ihre Blicke erneut über die Distanz des Raumes hinweg. Midori schenkte ihm ein feines, leicht wehmütiges, aber wunderschönes Lächeln, strich sich eine Strähne ihres lindgrünen Haares hinter das Ohr und nippte an ihrem Glas.

Max erwiderte das Lächeln mit jener stummen, tiefen Zuneigung, die mehr sagte als tausend Worte, während er stumm gegen die Sehnsucht in seiner Brust ankämpfte.

Er würde auf sie warten... ganz egal, wie schwer es für ihn war...

Oma Yumi mochte zwar alt sein, aber ihren Augen entging absolut gar nichts.

Mit der wachsamen Präzision eines Falken hatte sie das stumme, sehnsüchtige Spiel zwischen ihrer Enkelin und dem blonden Amerikaner drüben bei den Bladebreakers beobachtet.

Midori zuckte vor Schreck zusammen, als die knöcherne, aber überraschend flinke Hand ihrer Großmutter plötzlich auf ihrem Unterarm landete.

„Na los, worauf wartest du eigentlich noch, Mädchen?“, platzte Oma Yumi in ihrer gewohnt exzentrischen und schrulligen Art heraus, ohne auch nur den Versuch zu machen, die Stimme zu senken.

„Dieser Max ist ein Bild von einem Burschen! Schau dir diese Zähne an, diese Haltung! Schnapp ihn dir endlich, bevor eine von diesen englischen Zicken es tut!“

Midori lief blitzschnell glühend rot an. Am selben Tisch tat Hiro Tachiba so, als wäre er völlig vertieft in ein hochgestochenes Gespräch mit seinem älteren Bruder Takeru über die Architektur des Herrenhauses.

Doch ein minimales Zucken an Hiros rechtem Ohr verriet, dass er jedes einzelne Wort seiner Mutter mit peinlich genauer Aufmerksamkeit verfolgte.

Midori lehnte sich verlegen zu ihrer Großmutter und seufzte leise. „Oma, bitte...“, flüsterte sie betreten. „Es ist nicht so einfach. Max hält mich für viel zu jung... und ehrlich gesagt hat er vielleicht sogar recht. Und... Papa sieht das ganz genauso. Max hat, glaube ich, ein bisschen Angst vor ihm.“

Oma Yumi schnaubte laut auf. Sie wandte den Kopf und warf ihrem Sohn einen herrlich verächtlichen Seitenblick zu.

„Angst vor ihm? Vor diesem Paragraphenreiter?“, meckerte die alte Dame ohne jede Hemmung und hob die Stimme so weit an, dass es am halben Tisch zu hören war.

„Sag mal, Midori... weißt du eigentlich noch, wie und wann dein hochgeschätzter Herr Vater deine Mutter Hilda kennengelernt hat?“

Hiros Nacken versteifte sich augenblicklich. Seine Ohren spitzten sich wie die eines aufgeschreckten Dobermanns. Er ahnte bereits mit grauenhafter Vorahnung, in welche Richtung dieses Gespräch steuerte.

Oma Yumi grinste hämisch, ihre Augen blitzten vor diebischer Freude. „Weißt du überhaupt, wie viele Jahre dein Vater älter ist als deine Mutter, Schätzchen?“

Midori blinzelte überrascht. „Äh... ja? Mama ist fünf Jahre jünger als Papa...“

„Ganz genau! Fünf Jahre!“, hob Oma Yumi triumphierend den Zeigefinger und schickte sich an, weiter auszuholen. „Und weißt du auch, dass deine Mutter damals—“

„Mutter!“, unterbrach Hiro sie scharf. Seine Stimme war leicht nervös, schlug aber sofort in diesen typisch autoritären Ton um. Er drehte sich zu ihnen um und sah seine Mutter mit warnendem Blick an.

„Ich bitte dich. Das ist weder der Ort noch die Zeit für deine ungenauen Räuberpistolen aus der Vergangenheit.“

Doch wer Oma Yumi kannte, wusste, dass eine Warnung von Hiro für sie ungefähr den Unterhaltungswert einer Fliege an der Wand hatte.

Sie redete einfach eiskalt und um einiges lauter weiter, während Hiro die Augen schloss und die Zähne zusammenbiss.

„...dass Hilda Davies damals mit fünfzehn aus England für ein Austauschjahr nach Tokio kam!“, rief Oma Yumi vergnügt in die Runde.

„Und der zwanzigjährige Hiro hat sie gesehen und nie wieder gehen lassen! Und nein, mein schlaues Töchterchen... er hat ganz bestimmt nicht gewartet, bis sie siebzehn oder älter wurde!“

Midori klappte der Mund auf. Sie starrte erst ihre Großmutter an und wandte dann den Blick zu ihrem Vater, der sich plötzlich extrem intensiv seiner Serviette widmete und hüstelnd den Blick ins Leere richtete. Takeru neben ihm konnte sich ein tiefes, schüttelndes Lachen kaum verkneifen.

„Papa...?“, hauchte Midori ungläubig, während sich ein spitzbübisches, siegreiches Lächeln auf ihren Lippen ausbreitete.

Hiro räusperte sich streng, glättete sein Sakko und sah mit stoischer Strenge an seiner jüngsten Tochter vorbei.

„Das... war eine völlig andere Situation. Damals herrschten andere Zeiten. Und im Übrigen habe ich mich stets wie ein Gentleman verhalten.“

„Ein Gentleman, der ihr nach drei Wochen einen Heiratsantrag gemacht hat, weil er Panik hatte, sie fliegt zurück nach London!“, doppelte Oma Yumi gnadenlos nach und klopfte amüsiert auf den Tisch.

„Also erzähl dem armen Burschen drüben keinen vom Storch, Hiro. Wenn der Junge Anstand hat, ist das Alter nur eine Zahl auf dem Papier!“

Midori konnte nicht mehr an sich halten und brach in ein helles Lachen aus. Sie sah noch einmal hinüber zu Max, der sie immer noch aus der Ferne beobachtete und sich vermutlich fragte, warum am Nachbartisch gerade so wild gestikuliert wurde.

Plötzlich wirkte Max’ Vorsicht gar nicht mehr wie eine unüberwindbare Mauer... sondern nur noch wie eine kleine Hürde, die ihr eigener Vater damals schon mit Anlauf genommen hatte.

Oma Yumi dachte gar nicht daran, die Dinge einfach so auf sich beruhen zu lassen. Wenn es um das Glück ihrer Enkelkinder ging, war Diplomatie für die alte Dame ein absolutes Fremdwort.

Bevor Hiro auch nur den Ansatz eines Versuchs machen konnte, das Thema zu wechseln, hob Oma Yumi ihren Arm und gestikulierte mit einer überraschend schwungvollen Bewegung in Richtung des Bladebreaker-Tisches.

„Hey! Du! Blondschopf! Max! Komm mal rüber!“, rief sie mit einer erstaunlich durchdringenden Stimme über das leise Murmeln der Gäste hinweg.

Am Nachbartisch erstarrte Max mitten in der Bewegung. Seine Teetasse blieb auf halbem Weg zum Mund stehen, während Tyson ungeniert losprustete und Ray sich ein amüsiertes Husten verkneifen musste.

Hilary gab Max einen sanften Schubs an der Schulter.

„Na los, Champion“, raunte Hilary grinsend. „Die Großmutter der Braut ruft. Da gibt es kein Entkommen.“

Max schluckte schwer, stellte die Tasse ab und glättete nervös sein Sakko. Mit höflichem, aber spürbar verunsichertem Schritt steuerte er auf den Tisch der Tachiba-Familie zu. Jeder Schritt fühlte sich für ihn an wie der Gang zum Schafott... vor allem, weil Hiro Tachiba ihn aus eiskalten, stoischen Augen fixierte.

„Sie... Sie haben mich gerufen, Yumi-sama?“, fragte Max extrem höflich und verneigte sich leicht, als er am Tisch ankam.

Midori bedeckte ihr Gesicht mit beiden Händen, doch das breite, glühend rote Grinsen auf ihren Lippen verriet, wie amüsiert sie war.

„Hör auf mit dem förmlichen Getue, Junge“, winkte Oma Yumi ab und musterte Max von oben bis unten wie ein kostbares, aber etwas unentschlossenes Ausstellungsstück.

„Ich habe beobachtet, wie du hier seit zwei Stunden Löcher in die Luft starrst und meiner Enkelin schöne Augen machst!“

Max’ Wangen liefen augenblicklich so tiefrot an wie Kais Augen. Er warf einen hilfesuchenden Blick zu Hiro, doch der Familienvater saß nur da, hielt das Kinn aufgerichtet und schwieg wie ein Grab.

„I-Ich wollte wirklich nicht aufdringlich sein, Mr. Tachiba...“, stammelte Max sofort und wandte sich entschuldigend an Hiro. „Ich habe den allergrößten Respekt vor Ihrer Familie und vor Midori! Ich... ich passe nur auf sie auf, als guter Freund!“

Oma Yumi schnaubte so laut, dass sogar Takeru leise in sich hineinlachte.

„Guter Freund, dass ich nicht lache!“, rief die alte Dame vergnügt. „Junge, schau mich an! Glaubst du etwa, dieser Paragraphenreiter da drüben hat ein Recht darauf, dir Moralpredigten über das Alter zu halten? Der Kerl hat sich mit zwanzig eine fünfzehnjährige Britin geschnappt und nicht mehr losgelassen! Er ist der Allerletzte, der hier den Sittenwächter spielen darf!“

Max klappte der Mund auf. Er blinzelte völlig überrumpelt, sah von Oma Yumi zu der tiefrot angelaufenen Midori und schließlich zu Hiro Tachiba.

Hiro räusperte sich lautstark, griff nach seinem Wasserglas und fixierte seinen Blick auf die Blumen auf dem Tisch. Er sagte keinen einzigen Ton, um der Situation nicht noch mehr Nahrung zu geben... was einer absoluten Niederlage gleichkam.

„A-Ach so...?“, entglitt es Max leise, während sich seine Anspannung mit einem Mal in Luft auflöste. Ein ungläubiges, aber unendlich erleichtertes Schmunzeln stahl sich auf seine Lippen.

Midori nahm die Hände vom Gesicht, sah Max direkt in die blauen Augen und schüttelte schmunzelnd den Kopf. In diesem Moment traf sich ihr Blick... ohne die erdrückende Last der Angst vor Hiros Urteil, ohne die künstlich gezogenen Mauern.

Max spürte, wie ihm ein gigantischer Stein vom Herzen fiel. Er sah Midori an, und all die Zuneigung, die er monatelang hinter höflicher Distanz verborgen hatte, spiegelte sich offen in seinen Zügen wider.

Oma Yumi lehnte sich zufrieden zurück und nickte. „So ist es recht. Anstand ist gut, Junge... aber Verstand und ein bisschen Mut sind besser. Und jetzt setzt du dich nachher gefälligst neben sie, ist das klar?“

Max sah noch einmal kurz zu Hiro, der nun ganz langsam den Kopf hob. Der strenge Vater würdigte den jungen Amerikaner eines langen, prüfenden Blickes... und gab ihm schließlich ein kaum merkliches, aber unmissverständliches Nicken.

Es war keine feierliche Erlaubnis für eine Hochzeit, aber es war das grüne Licht eines Vaters, der erkannte, dass dieser Junge Ehre im Leib hatte.

„Sehr wohl, Yumi-sama“, sagte Max mit einem strahlenden, ehrlichen Lächeln und wandte sich an Midori.

Midori strahlte ihn an, und zum ersten Mal seit Monaten fühlte sich die Zukunft zwischen ihnen vollkommen leicht an.

Der Ballsaal war erfüllt vom stimmungsvollen Klang der Musik, dem leisen Klirren der Kristallgläser und dem fröhlichen Gemurmel der Gäste. Doch abseits der Tanzfläche, an einer der dunklen, schwer getäfelten Holzverkleidungen der Saalwand, herrschte eine ganz andere Atmosphäre.

Tala stand da wie eine uneinnehmbare Festung. Die Hände lagen fest um ein Glas reinen Wodka geschlungen, während sein Blick finster durch den Saal wanderte. Nach dem kräftezehrenden Machtkampf auf dem Parkett brauchte er dringend eine Minute, um sein Ego wieder zu sortieren.

Drüben an einem der eleganten Lounge-Sessel hatte sich Lumina schließlich zu Nami und Hana gesellt. Die drei Frauen schienen sich köstlich zu amüsieren; Lumina nippte strahlend an ihrem Champagner und warf ab und zu einen spitzbübischen Blick quer durch den Raum.

Tala hob das Glas und trank den hochprozentigen Alkohol auf einen Zug aus.

Die brennende Schärfe in seiner Kehle war ihm mehr als willkommen.

Plötzlich schob sich eine vertraute, schattenhafte Gestalt neben ihn. Ohne ein Wort zu sagen, lehnte sich Kai direkt neben Tala an die getäfelte Wand.

Die Arme stoisch vor der Brust verschränkt, den Blick starr geradeaus ins Getümmel gerichtet... exakt in derselben distanzierten Haltung wie der Russe.

Für ein paar Sekunden herrschte Schweigen zwischen den beiden. Das vertraute, ungesagte Verständnis zweier Männer, die sich seit ihren dunkelsten Tagen kannten.

Dann brach Kai das Schweigen. Seine Stimme war tief, ruhig und von diesem unverkennbaren, feinen Spott durchzogen, den er nur sehr selten und nur bei ganz wenigen Menschen durchblicken ließ.

„Du hast dich von einer Britin über das Parkett jagen lassen, Valkov“, brummte Kai trocken, ohne auch nur den Kopf zu drehen.

„Ich dachte, du hättest inzwischen gelernt, wie man gegnerische Angriffe kontert.“

Tala spannte den Kiefer augenblicklich so fest an, dass man das Knirschen fast hören konnte. Er warf Kai von der Seite einen Blick zu, der glatt eine Wand hätte durchbohren können.

„Halt die Klappe.“, knurrte Tala tief aus der Brust heraus und warf die Eiswürfel in seinem leeren Glas hin und her.

„Ich habe mich von überhaupt niemandem jagen lassen. Ich habe das Tempo bestimmt.“

Kai zog eine Augenbraue minimal nach oben. Ein klitzekleines, für Außenstehende völlig unsichtbares Zucken lag in seinem rechten Mundwinkel.

„Ach ja?“, erwiderte Kai in vollkommener Stoizismus-Manier. „Sie hat mitten im Tanz die Führung übernommen. Für ein paar Sekunden sah das nicht gerade nach deiner Kontrolle aus.“

„Sie hat es versucht!“, zischte Tala und trat einen Schritt von der Wand weg, um Kai direkt in die rubinroten Augen zu blicken. „Ich habe ihren Vorstoß eiskalt abgeblockt und sie am Ende in den Dip gezwungen! Sie war diejenige, die hilflos unter mir hing!“

Kai wandte nun langsam den Kopf. Seine kühlen, roten Augen trafen Talas rasenden, eisblauen Blick.

„Und genau da wollte sie dich haben“, stellte Kai mit unerschütterlicher Logik fest. Er deutete mit einer unmerklich feinen Kopfbewegung rüber zu den Sofas, wo Lumina gerade laut mit Nami und Hana lachte.

„Sie hat dich provoziert, du hast dich gereizt gefühlt und alles gegeben, nur um die Führung zurückzureißen. Du bist mit Vollgas genau in ihre Falle gerannt.“

Tala starrte Kai an.

Er wollte etwas erwidern, wollte ihn verfluchen, doch die eiskalte Analyse seines alten Weggefährten traf den Nagel so schmerzhaft auf den Kopf, dass Tala für einen Moment die Worte fehlten.

Er stieß ein raues, spöttisches Schnauben aus und wandte den Blick wieder ab.

„Du bist ein verdammter Klugscheißer geworden, seit du Nami hast.“, brummte Tala finster, schob die freie Hand tief in seine Hosentasche und starrte wütend auf das Parkett.

Kai wandte den Blick wieder dem Saal zu und lehnte sich ein Stück entspannter an die Wand zurück.

„Mag sein“, raunte Kai leise, doch der sanfte, tiefe Unterton in seiner Stimme verriet, wie glücklich er in Wahrheit war. „Aber ich weiß aus Erfahrung, Tala... gegen diese Frauen ziehst du am Ende immer den Kürzeren, egal wie sehr du glaubst, die Kontrolle zu haben. Du kannst es genauso gut gleich akzeptieren.“

Tala schürzte die Lippen und drehte das leere Glas in seinen Fingern, sodass die schmelzenden Eiswürfel an das Kristall schlugen.

„Und was genau...“, begann Tala mit einer tiefen, eiskalten Reibeisenstimme und wandte seinen Kopf langsam zu Kai, „...soll ich deiner Meinung nach akzeptieren, Kai?“

Kai blickte nicht einmal zu ihm. Seine rubinroten Augen verharrten stoisch auf dem bunten Treiben im Ballsaal.

„Dass Lumina nicht lockerlassen wird“, erwiderte Kai schlicht und mit unerschütterlicher Gelassenheit. Er schwieg für einen kurzen Herzschlag, ehe er die Stimme noch ein Stück senkte, sodass seine Worte nur für Tala bestimmt waren.

„Warum lässt du die Gelegenheit eigentlich aus, dir eine wilde Nacht mit ihr zu holen? Sie bietet sich dir ja geradezu auf dem Silbertablett an.“

Tala stieß ein raues, spöttisches Schnauben aus. Er verzog keine Miene, doch in seinen eisblauen Augen blitzte eine kalte, abwertende Arroganz auf.

„Machst du jetzt auf Beziehungsberater, Kai?“, knurrte Tala trocken und lehnte sich mit der Schulter wieder gegen das schwere Holz.

„Du hast es früher doch exakt genauso gehandhabt wie ich. Wenn der Druck zu groß war und der Trieb gestillt werden musste, gab es Haut auf Haut. Punkt. Danach war die Sache erledigt. Alles andere darüber hinaus ist reine Zeitverschwendung, unnötiger Stress und ein Risiko, das ich nicht brauche.“

Kai schwieg dazu. Er korrigierte ihn nicht, denn er wusste, dass Tala recht hatte. Genau das war ihr Leben gewesen... kühl, berechnend, distanziert.

Was Tala jedoch nicht laut aussprach... und niemals über seine Lippen gebracht hätte... , war der eigentliche Grund für sein Zögern.

Lumina war nicht irgendein belangloses Mädchen, welches er nach einer durchzechten Nacht im Hotelzimmer zurücklassen und nie wiedersehen würde. Sie war Namis Cousine. Sie gehörte zur Familie von Kai. All die austauschbaren Damen vor ihr waren für ihn lediglich ein Mittel zum Zweck gewesen: reine Triebbefriedigung oder eine bequeme Methode, um aufdringliche Mädchen abzuschrecken. Doch wenn er Lumina anrührte, gab es kein Zurück mehr. Man konnte die Familie des Hiwatari-Clans nicht einfach in den Wind schießen oder aus seinem Leben löschen, wenn die Sache kompliziert wurde.

Und das Schlimmste daran war: Tala musste sich vor sich selbst zähneknirschend etwas eingestehen, das er zutiefst verabscheute.

Normalerweise sprang er... genau wie Kai... absolut nicht auf bloße äußere Reize, schöne Kleider oder hübsche Gesichter an.

Doch Lumina war anders.

Sie reizte ihn ungemein. Und das lag nicht nur an ihrer unverschämten Klappe oder den Provokationen, mit denen sie versuchte, ihn aus der Reserve zu locken. Es war diese gefährliche, berauschende Mischung aus Stolz, unerschütterlicher Eleganz und dem raubtierhaften Feuer in ihren magentafarbenen Augen, das ihn bis ins Mark herausforderte.

Tala nahm das leere Glas, fixierte die blasse Britin drüben auf der Couch für einen langen, finsteren Moment und spannte den Kiefer an.

„Diese Britin...“, brummte Tala schließlich tief und gefährlich leise, „...ist verdammt gefährlich.“

Kai warf ihm von der Seite einen kurzen, wissenden Blick zu. In den rubinroten Augen des Hausherrn lag kein Spott mehr, sondern die kühle Anerkennung eines Mannes, der denselben Kampf bereits hinter sich hatte.

„Das sind sie alle, Tala“, raunte Kai trocken und stieß sich langsam von der Wand ab. „Die Frage ist nur, ob du den Mut hast, dich zu verbrennen.“

Er schwieg kurz, ehe er den Tonfall spürbar wechselte. Die beiläufige Vertraulichkeit wich einer kühlen, ernsthaften Schärfe, die sofort die Aufmerksamkeit des Russen weckte.

„Wo wir gerade bei unerwarteten Wendungen sind...“, fuhr Kai fort und wandte den Kopf leicht zu ihm. „Was genau hat dich eigentlich dazu gebracht, Namis Einladung anzunehmen?“

Tala blieb reglos stehen, doch seine Augen verengten sich unmerklich.

„Als ich dir vor einiger Zeit vorgeschlagen habe, zu unserer Hochzeit zu kommen, hast du nicht einmal eine Sekunde gezögert, um abzusagen“, setzte Kai nach, die Hände nach wie vor ruhig vor der Brust verschränkt. „Und jetzt tauchst du plötzlich hier auf.“

Tala stellte das leere Glas mit einem leisen, aber bestimmten Klacken auf der dunklen Holzkommode ab. Er schnaubte trocken aus der Nase.

„Ich hatte nichts Besseres zu tun“, erwiderte Tala karg, doch in seiner tiefen Stimme lag ein Tonfall, der weit über bloße Langeweile hinausging.

Er drehte den Kopf und sah Kai von der Seite an. Sein eisblauer Blick war messerscharf, jeglicher Rest von der vorherigen Leichtigkeit war schlagartig verflogen.

„Und ich wollte die Umgebung im Auge behalten“, fügte Tala leise hinzu.

Kai verzog keine Miene, doch seine rubinroten Augen fixierten Tala aufmerksam. Er wartete ab.

„Man kann nie vorsichtig genug sein, Kai“, brummte Tala tief aus der Kehle und schob die Hände wieder in die Hosentaschen. „Vor allem jetzt nicht. Wo das mit Namis Schwangerschaft nun draußen ist... rechne ich fest damit, dass Boris irgendein krummes Ding dreht.“

Ein unmerklicher Schatten legte sich über Kais Gesichtszüge. Der Name ihres einstigen Peinigers reichte aus, um die Luft zwischen ihnen merklich abzukühlen.

„Hast du etwas gehört?“, fragte Kai direkt und ohne Umschweife.

„Ich habe zwar nichts Konkretes mitbekommen“, gestand Tala ehrlich, während sein Blick finster über die Tore des Ballsaals glitt, so als würde er die Umgebung bereits nach potenziellen Bedrohungen abscannen.

„Keine Bewegungen, keine Gerüchte, die sich handfest belegen ließen. Aber ich traue dieser verdammten Ruhe einfach nicht. Boris sitzt nicht still, wenn er sieht, wie du dir hier dein eigenes Imperium und eine Familie aufbaust. Schon gar nicht, wenn ein Kind im Spiel ist.“

Kai schwieg für einen langen Moment. Er nickte kaum merklich. Das stumme Einverständnis zwischen den beiden Männern war greifbar... es war die jahrelang geschulte Paranoia zweier Überlebender, die genau wussten, wie ihr alter Meister tickte.

„Ich halte die Augen offen“, sagte Kai schließlich ruhig, aber mit einer düsteren Endgültigkeit in der Stimme, die keinen Zweifel daran ließ, was mit jedem passieren würde, der es wagte, seine Familie zu bedrohen. „Danke, Tala.“

Tala brummte nur tief, die Bestätigung war für ihn Ehrensache. Er zog sein Sakko glatt, fuhr sich einmal stoisch durch das rote Haar und wandte sich langsam ab.

„Ich verziehe mich“, brummte Tala mit seiner rauen, eiskalten Stimme in Kais Richtung. Er neigte den Kopf minimal.

„Der Abend war lang genug. Und ich habe mein Kontingent an Kitsch für dieses Jahrzehnt definitiv aufgebraucht.“

Kai erwiderte die feine Kopfbewegung mit derselben stoischen Ruhe.

Tala stieß sich vollends von der Wand ab und schlug mit langen, zielstrebigen Schritten den Weg in Richtung des großen Ausganges ein.

Drüben auf den samtenen Sofas entging Lumina nicht der kleinste Hauch dieser Bewegung. Sie hatte das stumme Männergespräch an der Wand aufmerksam beobachtet und registrierte sofort, wie der hochgewachsene Russe sich zum Gehen wandte.

Ein breites, absolut unverschämtes und zutiefst siegreiches Grinsen stahl sich auf ihre Lippen.

Sie wandte sich zu Nami und Hana um, neigte sich leicht vor und blitzte die beiden aus ihren leuchtend magentafarbenen Augen an.

„Wünscht mir Glück, Mädels“, raunte Lumina mit einem verschmitzten Unterton.

„Wenn der Abend genau so verläuft, wie ich mir das vorstelle... nimmt der eiserne Valkov mich nachher vielleicht mit in sein Hotel.“

Nami entkam ein helles, amüsiertes Lachen. Sie schüttelte ungläubig den Kopf und sah ihre Cousine mit spitzbübischem Funkeln an.

„Bist du dir ganz sicher, dass du das wirklich wagen willst, Lumina? Du spielst da mit Dynamit.“

Lumina lachte nur leise und winkte spielerisch ab.

„Oh, absolut! Aber tut mir einen Gefallen: Erzählt Mom und Dad bitte keinen Ton davon. Wenn sie fragen, wo ich stecke... bin ich einfach schon mal alleine ins Hotel vorgefahren, um mich auszuruhen. Abgemacht?“

Noch bevor Hana oder Nami antworten konnten, sprang Lumina mit geschmeidiger Leichtigkeit auf, strich ihr elegantes Abendkleid glatt und eilte mit flinken, leisen Schritten aus dem Ballsaal... direkt Tala hinterher, der gerade in den ruhigen, gedimmten Flur des Anwesens trat.

Die geschäftige Geräuschkulisse der Feier verblasste augenblicklich hinter ihm. Er stieß einen tiefen Atemzug aus, knöpfte die obersten Knöpfe seines Hemdes auf und wollte gerade den Weg in Richtung des Ausgangs einschlagen, als er hinter sich das leise, aber unverkennbare Klappern von Absatzschuhen auf dem Marmorboden hörte.

Er hielt mitten im Schritt inne. Sein Kiefer spannte sich an.

~ Dieses verfluchte Weibstück...~

Tala bog blitzschnell in einen der ruhigen, seitlichen Flure ab, wo die Wände von dunkler Eiche getäfelt waren und nur wenige Wandlampen ein spärliches, warmes Licht warfen.

Er wandte sich nicht um. Er wartete.

Kaum dass Lumina um die Ecke bog, trat sie zielstrebig auf ihn zu. Sie hob bereits die Hand, um ihn am Arm zu fassen, doch Tala blieb seinem knallharten Instinkt treu.

Anstatt zuzulassen, dass sie ihn bedrängte oder in die Enge trieb, nutzte er seine physische Überlegenheit ohne jede Vorwarnung aus.

In einer fließenden, erschreckend schnellen Bewegung packte er ihre Handgelenke, drehte den Spieß mit eiskalter Präzision um und drückte sie mit vollem Körpereinsatz gegen die hölzerne Wandverkleidung.

Es gab kein Zögern, kein Nachgeben. Er fixierte ihre Arme links und rechts neben ihrem Kopf fest an der Wand und baute sich wie ein Schatten vor ihr auf. Seine massive Brust presste sich dicht an ihren Oberkörper, und seine eisblauen Augen bohrten sich eiskalt, bedrohlich und mit brennender Schärfe in die ihren.

„Was soll der Scheiß?“, knurrte Tala tief aus der Kehle heraus. Seine Stimme schnitt durch die Stille des Flurs.

„Ich verlasse jetzt diese Feier. Spiel deine Spielchen mit jemand anderem.“

Lumina erbleichte keineswegs unter dem harten Druck an ihren Handgelenken.

Ganz im Gegenteil.

Ein tiefes, berauschtes Schaudern lief ihr über den Rücken, und ihre magentafarbenen Augen glühten förmlich vor Verlangen auf.

Sie ergab sich seiner harten Umklammerung vollkommen, neigte den Kopf leicht zurück und sah ihm mit einem absolut unverschämten, herausfordernden Lächeln direkt ins Gesicht.

„Nimm mich mit, Tala.“, neckte sie ihn leise, ohne auch nur den Versuch zu machen, sich aus seinem Griff zu befreien.

Tala zog eine Augenbraue nach oben, während sich seine Muskeln noch weiter anspannten. Sein Atem ging schwer und stieß heiß gegen ihre Wangen.

„Wozu zum Teufel sollte ich so etwas tun?“, gab Tala trocken und eiskalt zurück. Er senkte den Kopf ein Stück, bis seine Lippen nur noch Millimeter von ihren entfernt waren, und seine Stimme wurde zu einer rauen, archaischen Warnung.

„Du kennst mich überhaupt nicht. Ich werde dich ganz sicher nicht zärtlich behandeln, Prinzessin.“

Lumina entkam ein leises, keckes Lachen, das wie Musik in dem ruhigen Flur widerhallte. Sie wich seinen brennenden Augen nicht einen Millimeter aus, sondern neigte sich noch einen Hauch näher an seine Lippen.

„Niemand...“, hauchte sie mit einer rauen, zutiefst verführerischen Stimme, während ihr Atem seine Haut streifte, „...hat behauptet, dass du zärtlich sein musst.“

Talas Lippen verzogen sich zu einem eiskalten, hämischen Grinsen. In seinen eisblauen Augen blitzte ein gefährliches, fast schon spöttisches Raubtierfeuer auf. Seine Hände hielten ihre Handgelenke weiterhin wie Schraubstöcke an der Holzverkleidung fixiert.

„Du spuckst verdammt große Töne.“, raunte Tala mit einer rauen, tiefen Stimme, die vollkommen frei von jeder Sanftheit war.

„Das sagst du jetzt... in deiner feinen, heilen Welt. Aber wenn ich dich mitnehme, mache ich dich komplett fertig. Rücksicht oder Vorsicht kommen in meinem Wortschatz überhaupt nicht vor.“

Er neigte sich noch ein Stück tiefer, sodass seine massive Präzision sie beinahe erdrückte. Er wollte sehen, wie ihr das Grinsen verging, wollte erleben, dass dieses verwöhnte Adelsmädchen endlich begriff, mit was für einem unberechenbaren Typen sie hier eigentlich spielte.

Doch Lumina dachte gar nicht daran, einzuknicken.

Ein helles, leises Kichern entwich ihrer Kehle. Das sanfte Beben ihrer Brust presste sich dabei direkt gegen seine harte Brustmuskulatur. Sie neigte den Kopf leicht zur Seite, sah ihn aus ihren schimmernden magentafarbenen Augen absolut furchtlos an und ließ ihr charmantes, unverschämtes Lächeln nur noch breiter werden.

„Aber Tala...“, hauchte sie mit einer Samt-weichen, zutiefst amüsierten Stimme und blitzte ihn spitzbübisch an, „...du hast vorhin drüben am Tisch doch selbst etwas von einem Krankenhaus gesagt.“

Sie hielt seinem finsteren Blick ohne mit der Wimper zu zucken stand.

„Meintest du mit deinen großen Worten etwa...“, raunte sie ihm direkt an die Lippen, während ihr heißer Atem seine Haut streifte, „...dass du mich heute Nacht so sehr fordern wirst, bis ich dieses Krankenhaus von innen sehe?“

Tala erstarrte.

Für einen der seltenen Momente in seinem Leben entglitt dem sonst so unbeugsamen, eiskalten Ex-Kapitän der Blitzkrieg Boys völlig die Kontrolle über seine Gesichtszüge.

Seine eisblauen Augen weiteten sich minimal, und er blickte sie schlichtweg fassungslos an.

Er hatte in seinem Leben schon viele Menschen gebrochen, hatte Gegner im Beyblade-Stadion vernichtet und wusste genau, wie er Angst und Schrecken verbreitete. Aber diese Frau war nicht einfach nur unbeeindruckt... sie nahm seine handfesten Drohungen, verdrehte sie mit einer unverschämten Leichtigkeit und forderte ihn damit auch noch auf die intimste Weise heraus.

Dieses Mädchen war nicht mehr ganz dicht im Kopf, dachte er sich erneut...

Tala fixierte sie unbeweglich, während das spärliche Wandlicht scharfe Schatten über seine kantigen Gesichtszüge warf. Sein Griff um ihre Handgelenke lockerte sich keinen Millimeter. Er spannte den Kiefer an, musterte sie von oben bis unten und verengte die eisblauen Augen zu zwei schmalen Schlitzen.

„Sag mal, Prinzessin...“, knurrte Tala tief und rau, während er sich noch einen Hauch näher an sie heranschob, sodass kein Blatt Papier mehr zwischen sie passte, „...kann es sein, dass du auf verdammt seltsame Dinge stehst?“

Lumina legte den Kopf ein Stück zur Seite. Die silbernen Haare glitten geschmeidig über ihre nackte Schulter, und für den Bruchteil einer Sekunde legte sich ein absolut unschuldiger, fast schon engelsgleicher Ausdruck auf ihr hübsches Gesicht.

„Aber Tala...“, meinte sie mit gespielt ahnungsloser, sanfter Stimme und schlug mit den Wimpern. „Ich habe absolut keine Ahnung, wovon du da sprichst.“

Ihre magentafarbenen Augen glühten jedoch im nächsten Moment wieder voller berauschter Entschlossenheit auf. Das unverschämte, charmante Lächeln kehrte auf ihre Lippen zurück.

„Ich stehe auf dich“, hauchte sie ihm ohne das geringste Zögern entgegen und sah ihm direkt in den brennenden Blick. „Und ich hoffe wirklich inständig, dass du dein gigantisches Ego jetzt endlich mal beiseiteschiebst, die Chance ergreifst... und mich mitnimmst.“

In Talas Kopf begann es mit eiskalter, berechnender Präzision zu arbeiten. Er starrte sie noch für einige Sekunden wortlos an, während der Puls an seinen Schläfen spürbar pochte.

Schwärmerei.

Exakt das war es. Nichts weiter als das verblendete Verlangen eines verwöhnten Adelsmädchens nach dem gefährlichen, unberechenbaren Kerl aus dem Osten. Sie bildete sich ein, ihn zu wollen, weil sie keine Ahnung hatte, worauf sie sich da eigentlich einließ.

Ein finsteres, schattiges Lächeln stahl sich auf seine Lippen. Es war mal wieder an der Zeit, eine romantische Fantasie im Keim zu ersticken.

Wenn sie geglaubt hatte, ihn mit ihren frechen Worten in die Enge zu treiben, hatte sie sich geschnitten. Wenn es eine Lektion war, die sie brauchte, dann würde er sie ihr erteilen.

Er würde ihr diese Nacht geben... roh, kompromisslos und ohne jede Spur von jener Märchenromantik, die sie vermutlich erwartete. Danach würde der Spuk ein für alle Mal vorbei sein. Danach würde sie garantiert nie wieder versuchen, mit ihm Katz und Maus zu spielen, und ihn ehrfürchtig in Ruhe lassen.

„Wenn das so ist...“, raunte Tala mit einer rauen, tiefen Stimme, die wie trockenes Eis über ihre Haut strich.

Er ließ ihre Handgelenke nicht langsam los, sondern packte sie stattdessen mit einer Hand fest im Nacken, drehte sie herum und drückte sie leicht vor sich her in Richtung des Ausgangs.

„...dann sollst du deine Nacht bekommen“, knurrte er ihr direkt ins Ohr, während der eisige Abendwind durch die geöffnete Tür hereinstrich. „Aber beschwer dich hinterher nicht, dass ich dich nicht gewarnt habe.“

Lumina ließ sich von seiner harten Hand im Nacken nicht im Mindesten einschüchtern.

Als der kühle Wind des späten Abends durch den Spalt der Tür hereinstrich und ihre silbrigen Haare leicht aufwirbelte, entwich ihrer Kehle ein leises, keckes Lachen.

Sie drehte den Kopf nur so weit herum, dass sie seinen finsteren, eisblauen Blick aus dem Augenwinkel auffangen konnte. Ein berauschtes, absolut siegreiches Funkeln lag in ihren magentafarbenen Augen.

„Oh, da bin ich mir absolut sicher...“, hauchte Lumina mit einer samtweichen, zutiefst verführerischen Stimme.

Sie neigte den Kopf noch einen Hauch näher zu seiner Hand, die ihren Nacken umschlungen hielt, und ließ ihr unverschämtes Lächeln im gedimmten Licht des Flurs aufblitzen.

„Wir beide... werden diese Nacht ganz bestimmt nie wieder vergessen.“

Tala verlor keine Zeit. Mit festem Griff führte er Lumina durch den Ausgang hinaus in die kühle, feuchte Nachtluft, wo die Scheinwerfer einer schwarzen Oberklasse-Limousine die feuchten Kieselsteine der Einfahrt erhellten. Ohne ein Wort zu verlieren, riss er die Tür auf, schob Lumina mit bestimmter, aber kontrollierter Härte auf den Rücksitz und stieg direkt nach ihr ein.

„Nach Ginza. Das Grand Hotel“, knurrte Tala dem Fahrer entgegen, ehe die schwere Autotür mit einem satten Klacken ins Schloss fiel.

Die Limousine setzte sich lautlos in Bewegung und glitt in die nächtliche Silhouette von Tokio. Im Innenraum des Wagens herrschte eine fast schon greifbare, hochexplosive Stille, die nur vom leisen Schnurren des Motors und dem rhythmischen Wischen der Scheibenwischer unterbrochen wurde.

Lumina saß entspannt im Leder des Rücksitzes. Sie hatte die Beine übereinandergeschlagen, ließ ihr feines Abendkleid leicht über die Oberschenkel gleiten und genoss ihren Triumph in vollen Zügen. Sie wandte den Kopf, blitzte ihn aus ihren magentafarbenen Augen an und rückte Zentimeter für Zentimeter näher an ihn heran, bis der feine Duft ihres Parfüms den gesamten Fond erfüllte.

Tala saß stoisch da, die Arme vor der breiten Brust verschränkt, den Blick starr aus dem getönten Fenster auf die vorbeiziehenden Lichter der Großstadt gerichtet. Sein Kiefer war so fest angespannt, dass die Muskeln an seinen Schläfen arbeiteten.

Er versuchte angestrengt, seine gewohnte Eiskälte aufrechtzuerhalten, doch die spürbare Wärme ihres Körpers, die ihn fast berührte, stellte seine Selbstbeherrschung auf eine harte Probe.

„Du bist erstaunlich ruhig... “, hauchte Lumina plötzlich leise, sodass nur er ihre samtene Stimme hören konnte. Sie neigte sich leicht zu ihm rüber, während ihre Finger wie zufällig über die hölzerne Armlehne in Richtung seiner Hand glitten.

„Überlegst du gerade noch, wie du mich am besten ruinierst... oder suchst du schon nach Ausreden, falls du deine Drohung nicht halten kannst?“

Tala wandte nicht einmal den Kopf, doch seine eisblauen Augen verengten sich gefährlich. Seine Stimme war nur ein raues, tiefes Knurren, das in der Enge des Wagens eine unheilvolle Wirkung entfaltete.

„Genieß die Fahrt.“, raunte er, ohne die Arme zu lockern. „Es sind die letzten Minuten, in denen du die Klappe noch so aufreißen kannst.“

Ein leises, berauschtes Kichern entwich Luminas Lippen. Anstatt zurückzuzucken, legte sie ihre Hand völlig ungeniert auf seinen Oberschenkel. Sie spürte augenblicklich, wie sich die harten Muskeln unter dem Stoff seiner Hose wie Stahl anspannten.

Tala schloss für einen kurzen Herzschlag die Augen und stieß einen heißen, kontrollierten Atemzug aus. Der Panzer seiner eisernen Reserve wackelte gewaltig... und die Fahrt durch die Lichter von Ginza hatte gerade erst begonnen.

Die Empfangshalle war weitläufig, von warmem Licht durchflutet und mit edlem Marmor ausgelegt. Ein paar späte Hotelgäste und Angestellte drehten sich nach ihnen um, doch Tala würdigte keinen einzigen von ihnen eines Blickes. Mit stoischer Entschlossenheit und langen, raubtierhaften Schritten steuerte er direkt auf die Aufzüge zu.

Lumina musste sich anstrengen, um mit seinen riesigen Schritten Schritt zu halten. Ihre High Heels klackten rhythmisch auf dem polierten Boden. Anstatt sich aber einschüchtern zu lassen, genoss sie die Szene in vollen Zügen. Ein breites, unverschämtes Grinsen lag auf ihren Lippen.

Sie erreichten den privaten Express-Fahrstuhl, der exklusiv in die Penthouse-Suiten im obersten Stockwerk führte. Tala drückte den Knopf, die massiven Messingtüren öffneten sich mit einem leisen Summen und sie traten ein.

Kaum hatten sich die Türen wieder geschlossen und der Aufzug setzte sich geräuschlos in Bewegung, trat Lumina nah an ihn heran. Sie neigte den Kopf leicht nach hinten, sah ihn aus ihren magentafarbenen Augen absolut furchtlos an und strich sich eine silbrige Haarsträhne aus dem Gesicht.

„Du hast es aber verdammt eilig... “, neckte sie ihn mit rauer, samtweicher Stimme. „Hast du Angst, dass dir der Mut verlässt, wenn du noch länger wartest?“

Tala verengte die eisblauen Augen. Die Stille in der Fahrstuhlkabine brannte förmlich. Er spannte den Kiefer so fest an, dass die Adern an seiner Schläfe hervortraten. Seine Instinkte, die er die ganze Fahrt über krampfhaft unter Kontrolle gehalten hatte, rissen mit einem Mal wie ein mürbes Seil.

Vorbei war es mit dem Versuch, Distanz zu wahren. Vorbei mit der eisernen Beherrschung.

Mit einem tiefen, rauen Knurren verlor Tala jegliche Geduld. Noch bevor das Display die nächste Etage anzeigte, packte er Lumina mit eiserner Härte an den Hüften, hob sie mühelos an und prallte mit ihr rückwärts gegen die verspiegelte Wand des Fahrstuhls.

Ein klares, metallisches Scheppern ging durch die Kabine. Lumina entkam ein kurzes, atemloses Keuchen, doch als sie die rohe, unbändige Kraft spürte, mit der er sie an das Glas presste, zuckte ein Schauer puren Verlangens durch ihren gesamten Körper.

Tala baute sich mit seiner ganzen physischen Masse vor ihr auf, fixierte sie mit vollem Körpereinsatz und vergrub eine seiner großen Hände fest in ihrem silbrigen Haar, um ihren Kopf nach hinten zu zwingen. Seine eisblauen Augen glühten in einer gefährlichen, raubtierhaften Schärfe.

„Du reißt das Maul verdammt weit auf, Prinzessin“, raunte Tala mit einer rauen, eiskalten Stimme direkt an ihren Lippen, während der Aufzug unaufhaltsam dem obersten Stockwerk entgegenraste.

„Schauen wir mal, wie laut du noch große Reden schwingst, wenn wir oben angekommen sind.“

Er hielt sie mit eiserner Härte gegen die verspiegelte Glaswand gedrückt, seine eisblauen Augen fixierten die ihren mit einer kompromisslosen, fast schon gefährlichen Schärfe.

Lumina gab sich diesem Griff vollkommen hin; sie keuchte leise auf, während ein berauschendes Prickeln durch ihren Körper jagte. Plötzlich hielt der Aufzug an.

Tala verschwendete keine Sekunde. Er ließ von ihr ab, packte sie stattdessen im Nacken und zog sie mit sich aus dem Aufzug direkt in den weitläufigen Flur, der nur von dem bläulichen Schimmer der Skyline von Ginza erhellt wurde, in Richtung Suite.

Das Schloss der massiven Eichentür klickte mit einem harten, metallischen Geräusch zu.

Tala drehte den Schlüssel um, zog ihn heraus und warf ihn ohne hinzusehen auf die Marmorkommode neben der Tür.

Die weitläufige Suite im obersten Stockwerk des Grand Hotels war nur von dem matten, bläulichen Schimmer der Skyline Ginzas erleuchtet, die durch die riesigen Panoramafenster drang.

Es war still.

Tala drehte sich langsam um. Er stand da wie ein bedrohlicher Schatten, die breiten Schultern angespannt, der Blick aus den eisblauen Augen eiskalt und scharf wie rasierklingenscharfer Stahl. Er machte zwei schwere Schritte auf Lumina zu, versperrte ihr den Weg in den Raum und baute sich mit seiner ganzen physischen Dominanz vor ihr auf.

„Hör mir jetzt ganz genau zu, Prinzessin“, knurrte Tala mit einer rauen, tiefen Stimme, die keinen Raum für Diskussionen ließ.

„Sobald du diesen Raum weiter betrittst, gibt es kein Zurück mehr. Aber erwarte keine Scheiße. Es wird hier weder romantische Küsse noch irgendein zärtliches Vorspiel geben. Es ist mir scheißegal, ob du auf deine Kosten kommst oder nicht. Und ich bin keinesfalls sanft... nicht einmal annähernd.“

Er trat noch einen Schritt näher, sodass die Kälte seiner Ausstrahlung sie wie eine Wand traf.

„Du kannst jetzt noch abhauen“, fügte er archaisch und ohne jede Emotion hinzu.

„Das ist deine letzte Chance.“

Lumina hielt seinem harten Blick stand, doch für einen kurzen Moment blitzte echte Überraschung in ihren magentafarbenen Augen auf.

Sie hatte Gerüchte gehört. Sie wusste um seinen Ruf... dass er im Bett rücksichtslos, archaisch und dominant war. Aber dass er ihr die Karten so unmissverständlich und fast schon distanziert auf den Tisch legte, war anders.

In diesem Sekundenschlag verstand sie ihn.

Tala hielt sich zurück. Er kämpfte gegen sich selbst an. Seine Selbstbeherrschung war kein Zeichen von Desinteresse, sondern eine Schutzmauer. Er handelte so kontrolliert, weil sie eben keine namenlose Fremde war, die er am nächsten Morgen vergessen konnte.

Sie war Namis Cousine.

Ein wissendes, berauschtes Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. Die Gewissheit, dass sie seinen eisernen Panzer bereits zum Bröckeln gebracht hatte, machte sie nur noch mutiger.

„Du redest zu viel, Tala.“, sagte Lumina leise und trat mit überraschender Direktheit einen Schritt nach vorne. Sie wich seinen eisblauen Augen nicht aus.

„Wovor hast du eigentlich solche Angst? Mach dir mal keine Sorgen um mich... ich werde schon auf meine Kosten kommen.“

Ohne die Augen von ihm zu wenden, griff sie langsam hinter ihren Rücken. Der Reißverschluss ihres edlen Abendkleides öffnete sich mit einem leisen Surren.

Lumina trat langsam zwei Schritte zurück in das milde Licht der Stadt. Mit einer fließenden, beinahe beiläufigen Bewegung ließ sie den eleganten Stoff von ihren Schultern gleiten. Das Kleid fiel geräuschlos in den dunklen Stoff auf den Boden. Sie öffnete ihren BH und streifte sich den Slip die Beine hinab.

Tala erstarrte.

In seinem Inneren begann das Blut augenblicklich wie flüssiges Feuer zu kochen. Egal wie viel Eiseskälte er zur Schau trug, egal wie sehr er versuchte, distanziert zu bleiben und Äußerlichkeiten zu ignorieren... Tala war ein Mann auf dem absoluten Höhepunkt seiner körperlichen Kraft.

Und er war alles andere als blind.

Der Anblick, der sich ihm bot, traf ihn wie ein physischer Schlag. Luminas Körper war makellos... ihre blasse, ebenmäßige Haut hob sich in dem matten Licht der Stadt fast elfengleich ab, während ihr langes, silbriges Haar in weichen Wellen über ihre nackten Schultern und den Rücken bis knapp über das Gesäß fiel.

Die perfekten Proportionen, die sanften Rundungen ihrer Hüften und das Schimmern ihrer magentafarbenen Augen in der Halbdunkelheit waren eine visuelle Provokation, der sich kein Mann auf dieser Erde hätte entziehen können.

Tala spannte den Kiefer so extrem an, dass die Adern an seinem Hals hervortraten. Seine Hand ballte sich zu einer harten Faust. Seine eisblauen Augen dunkelten nach, als der jahrelang antrainierte Kontrollwahn in Sekundenschnelle unter dem puren, visuellen Reiz zu schmelzen begann.

„Du verdammtes...“, knurrte Tala raustimmig, während sich sein Atem spürbar beschleunigte und die Eiskälte in seinen Zügen einer gefährlichen, raubtierhaften Jagdlust wich.

In seinem Kopf tobte ein stummer Krieg zwischen dem puren, visuellen Reiz und seinem eisernen Instinkt, niemals die Kontrolle zu verlieren... erst recht nicht an eine Frau, erst recht nicht an diese Frau.

Er verengte die eisblauen Augen. Seine Blicke glitten wie zwei kalte Messer langsam, fast schon grausam an ihrem nackten Körper hinab... über ihr Dekolleté, den flachen Bauch, die sanften Rundungen ihrer Hüften bis hinab zu ihren Füßen... und wieder hinauf in ihr Gesicht.

Er ließ sich nicht steuern. Er war kein Hund, den man mit einem hübschen Anblick an der Leine ziehen konnte.

Mit raubtierhaften, langsamen Schritten schloss er die Distanz zwischen ihnen. Die Schatten des Penthouses schienen sich um ihn zu legen.

Lumina hielt stand, auch wenn ihr Atem bei seiner bedrohlichen Annäherung merklich ins Stocken geriet.

Als Tala direkt vor ihr zum Stehen kam, griff er ohne Vorwarnung zu. Seine großen, rauen Finger legten sich um ihr Kinn. Er packte sie nicht sanft, sondern mit einer unbändigen Festigkeit, die ihren Kopf nach oben zwang und ihren Blick fest an seinen kettete.

„Du glaubst wirklich, du hättest leichtes Spiel mit mir, was?“, raunte Tala mit einer Stimme, die so dunkel und tief war, dass sie ihr wie ein Stoß durch Mark und Bein ging. Seine Finger drückten ein Stück fester zu.

„Du ziehst dich aus und denkst, der verfluchte Ex-Kapitän verliert sofort seinen Verstand.“

Er beugte sich hinab, bis seine Stirn fast die ihre berührte. Die Eiskälte in seinen Augen war einer glühenden, gefährlichen Intensität gewichen.

„Wenn du dieses Spiel spielst, dann nach meinen Regeln“, knurrte er raustimmig, während sein Atem heiß gegen ihre Wangen stieß.

„Sag es. Sag mir unmissverständlich, dass du genau das hier willst. Sag mir, dass du keine Ausreden suchst, wenn ich dich gleich breche.“

Lumina spürte den harten Griff an ihrem Kiefer, fühlte die gewaltige, archaische Überlegenheit, die von ihm ausging... und anstatt zurückzuzucken, rann ein berauschender Schauer über ihren Rücken.

Ihre magentafarbenen Augen glühten in der Dunkelheit auf.

„Ich will genau das, Tala...“, hauchte Lumina mit einer rau-samtenen, absoluten Entschlossenheit.

„Ich will keine Ausreden. Ich will dich. Tu dein Schlechtestes.“