Der eiskalte Wolf
Der eiskalte Wolf
Trigger! Explizite Sexualität. Dominantes Fixieren und Verhalten.
Luminas Worte waren das allerletzte Signal, das die Schleusen in seinem Inneren endgültig sprengte.
Tala verschwendete keine Sekunde mehr mit Reden. Das erneute unverschämte Lächeln auf ihren Lippen war der Auslöser, der jegliche restliche Beherrschung in Asche verwandelte.
Seine Hand glitt von ihrem Kinn blitzschnell in ihren Nacken. Seine Finger vergruben sich fest in ihrem seidigen, silbrigen Haar, und mit einem harten Ruck zog er ihren Kopf nach hinten, während seine andere Hand unerbittlich um ihre Taille griff.
Ein kurzes, atemloses Keuchen entkam Lumina, als sie mit voller Wucht gegen seinen stählernen Oberkörper gezogen wurde.
Mit kompromissloser, raubtierhafter Kraft stieß er sie durch den dunklen Raum. Die Kniekehlen von Lumina trafen die Kante des massiven King-Size-Betts, und sie fiel zurück in die kühlen Seidenlaken.
Noch bevor sie sich aufrichten oder durchatmen konnte, war Tala schon über ihr.
Er stemmte eine Hand neben ihrem Kopf auf die Matratze, während seine massiven Schultern das Licht der Skyline über ihr verdunkelten. Seine eisblauen Augen glühten in der Finsternis wie flüssiges Eis... gefährlich, vollkommen fokussiert und frei von jeder Hülle der Selbstbeherrschung.
Mit einer einzigen rauen Bewegung griff er nach ihren Handgelenken, zog ihre Arme nach oben und fixierte sie ohne jede Mühe über ihrem Kopf an der Matratze. Seine breite Brust lag schwer und drückend auf ihr, sein heißer, beschleunigter Atem brannte auf ihren Schlüsselbeinen.
„Keine Ausreden...“, knurrte Tala mit einer tiefen, rauen Stimme, die wie ein dunkles Versprechen durch den Raum vibrierte.
Er beugte sich so nah an ihr Ohr, dass die Kälte seiner Lippen fast ihre Haut berührte, während die rohe, unbändige Wärme seines Körpers sie vollkommen einnahm.
„Du wolltest es genau so.“
Lumina blickte in der Halbdunkelheit zu ihm hoch. Das Adrenalin jagte wie flüssiges Feuer durch ihre Adern. Die absolute Kraft, die Eiskälte gepaart mit dieser unbeugsamen Dominanz... es war exakt das, was sie herausgefordert hatte.
Ein siegreiches, berauschtes Funkeln lag in ihren magentafarbenen Augen.
Tala richtete sich langsam auf. Die plötzliche Kälte, als er sich von ihr löste, schlug Lumina sofort entgegen, doch die schwere, aufgeladene Spannung im Raum wich keinen Millimeter.
Er trat zwei Schritte vom Bett zurück, ohne den Blick auch nur für den Bruchteil einer Sekunde von ihr zu lösen. Seine eisblauen Augen hielten ihre magentafarbenen Augen starr fixiert, während seine Hände mit routinierter, beinahe kühler Präzision arbeiteten.
Er griff nach der Schnalle seines Ledergürtels, öffnete sie mit einem harten, metallischen Klacken und streifte sein Hemd ab, ohne sich dabei aus dem Konzept bringen zu lassen. Der durchtrainierte, von jahrelangem Drill geformte Oberkörper zeichnete sich in den Schatten des Raumes ab.
Lumina blieb auf den kühlen Seidenlaken liegen. Ihr Atem ging noch immer unregelmäßig, das Adrenalin rauschte in ihren Ohren. Sie wandte den Blick ab und starrte hinauf an die abgedunkelte Decke der Suite, wo sich das milde, bläuliche Schimmern der Skyline von Ginza brach.
Ihr Herz hämmerte gegen ihre Rippen.
Und dann durchbrach ein ganz bestimmtes Geräusch die Stille der Suite.
Das deutliche, feine Knistern von Folie.. gefolgt von dem harten, schnappenden Laut des Gummis.
Ein intensiver, heißer Schauer fuhr Lumina auf der Stelle durch den gesamten Körper. Das trockene, kompromisslose Geräusch war der endgültige Beweis, dass das Vorspiel vorbei war und die von ihm angedrohte, rohe Realität unmittelbar bevorstand.
Eine Welle reinster Erregung breitete sich von ihrem Unterleib durch jede Faser ihres Körpers aus, ließ ihre Haut prickeln und ihre Fingernägel tiefer in den Stoff der Bettwäsche krallen.
Tala verschwendete kein einziges Wort mehr.
Noch bevor Lumina den Atem vollständig wiederfinden konnte, war er zurück auf dem Bett. Er beugte sich über sie, packte sie mit eiserner Härte an den Oberschenkeln und drehte sie mit einer einzigen, fließenden Bewegung rum auf den Bauch.
Ein überraschter Laut entwich Luminas Lippen, als ihre Haut die kühlen Laken berührte. Bevor sie reagieren konnte, schob sich Talas schwerer, durchtrainierter Körper bereits von hinten über sie. Seine massiven Oberschenkel fixierten die ihren, während seine große, raue Hand nach vorne griff, sich fest in ihrem silbrigen Haar vergrub und ihren Kopf leicht nach hinten zog, um ihren Hals freizulegen.
Lumina war ihm vollkommen ausgeliefert.
Sie konnte seine Gesichtsregungen nicht mehr sehen... sie spürte nur noch die gewaltige, archaische Überlegenheit seiner Physis und die Hitze, die von seinem Oberkörper ausging.
„Ich habe dir gesagt, wie das hier läuft, Prinzessin“, raunte Tala mit einer rauen, tiefen Stimme direkt an ihrer Schulter.
Ohne jede weitere Vorwarnung, ohne den geringsten Hauch von Zögerlichkeit, griff er fest um ihre Hüften und nahm sie in einem einzigen, harten Stoß vollkommen ein.
Ein lautes, atemloses Keuchen riss aus Luminas Kehle. Ein elektrisierender Schlag aus Schmerz, unfassbarer Fülle und reinster, roher Intensität schoss durch ihren gesamten Körper. Ihre Fingernägel gruben sich tief in die glatte Seide der Matratze, während ihre Beine unwillkürlich zuckten.
Tala gab ihr nicht eine Sekunde Zeit, um sich an das Gefühl zu gewöhnen. Er übernahm sofort die volle Kontrolle... rücksichtslos, rhythmisch und mit einer kompromisslosen Kraft, die das Bett bei jedem Stoß erzittern ließ.
Der Griff in ihrem Haar hielt sie eisern fest, seine Finger an ihren Hüften hinterließen Schmerzensspuren, die sich augenblicklich in pures Adrenalin verwandelten. Lumina schloss die Augen und gab sich dem Rausch hin. Jede einzelne Bewegung von ihm war ein Beweis seiner unbändigen Stärke... roh, unbarmherzig und absolut berauschend.
Tala spannte jeden einzelnen Muskel an. Ein tiefer, rauer Laut entwich seiner Kehle, als ihn die plötzliche, brutale Verengung wie ein Stromschlag traf.
Er hatte gerade erst angefangen. Er hatte noch nicht einmal seinen eigenen Rhythmus gefunden, hatte keine Rücksicht genommen und war mit der vollen, rücksichtslosen Härte hineingegangen, die er gewohnt war. Bei den namenlosen Mädchen in der Vergangenheit hatte das meist zu verhaltenem Keuchen oder Schock geführt... doch Lumina verkrampfte sich unter ihm so heftig, dass es seine eigenen Sinne betäubte. Sie schluchzte laut auf, ihr gesamter Körper bebte in einer Welle absoluter, unbändiger Ekstase, während ihr Unterleib ihn spürbar eng und gierig umschloss.
Für einen Bruchteil einer Sekunde stockte Tala in der Bewegung. Überraschung... etwas, das er auf diesem Terrain noch nie empfunden hatte... schoss durch sein Gehirn.
Seine eisblauen Augen weiteten sich in der Halbdunkelheit.
Sie kam bereits. Jetzt schon. Durch reinste, ungestüme Gewalt.
Doch anstatt innezuhalten oder sanft zu werden, schlug diese Erkenntnis in Talas Verstand wie flüssiges Benzin ins Feuer ein.
Er brauchte keine Romantik, er kannte keine Beziehungsspielchen. Die Tatsache, dass seine Rücksichtslosigkeit sie nicht brach, sondern in den absoluten Wahnsinn trieb, riss auch die letzten Barrieren seiner Triebsteuerung ein.
Ein archaisches, tiefes Knurren stieg aus seiner Brust auf. Seine Finger krallten sich noch fester in das silbrige Haar an ihrem Hinterkopf und zogen ihren Nacken stramm, während seine andere Hand grausam hart in ihre Hüfte griff. Er nutzte die Enge ihres Höhepunkts vollkommen skrupellos aus.
Ohne ihr auch nur den Bruchteil einer Sekunde Pause zu gönnen, um durchzuatmen, trieb Tala sich wieder in sie hinein.
Rücksichtslos. Brutal.
In einem stetigen, unbarmherzigen Takt, der das massive Bett unter ihnen erzittern ließ.
Er nahm sich, was er brauchte, während Lumina unter der schieren Physis seiner Stöße hilflos schluchzte und beugte, vollkommen verloren in dem Schmerz und der Ekstase, die er ihr ohne jede Gnade abverlangte.
Lumina war völlig berauscht von der rohen Wucht, die sie durchfuhr. Ihr Blick war verschleiert in die Leere gerichtet, während die Erschütterungen jedes einzelnen Stosses durch ihren gesamten Körper fuhren. Das Beben ihres eigenen Höhepunkts war noch gar nicht abgeklungen, da jagte das unbarmherzige Tempo, mit dem Tala weitermachte, bereits die nächste Welle durch ihre Adern.
Die Gewalt, mit der er sie nahm, entfachte ein Feuer in ihr, das jegliche Vernunft verschlang.
Sie wollte keine Pausen, keine Sanftheit, keine Schonung. Sie wollte alles.
Ein lautes, ungefiltertes Schluchzen riss aus ihrer Kehle, stieß durch die Dunkelheit der Suite und hallte von den Panoramafenstern wider. Ihre Fingernägel gruben sich so fest in die Matratze, dass die Nähte des Stoffs fast rissen, während sie ihr Becken unwillkürlich nach hinten entgegenstreckte... ihm entgegen, tiefer in seine Auszehrung hinein.
„Gott... Tala...“, schrie sie fast schon phonetisch heraus, während die Tränen der reinen Überwältigung über ihre Wangen liefen. Ihr Atem ging in harten, abgehackten Stoßgebeten.
„Nicht... nicht aufhören...!“
Sie wand ihren Kopf leicht zur Seite, spannte die Muskeln ihres Rückenstrangs an und ergab sich der unbändigen Härte.
„Härter...!“, entfuhr es ihr als ein raues, flehendes Schluchzen, das von reinem Verlangen getränkt war.
„Mach schon... noch härter... noch tiefer, verdammt!“
Ein finsteres, fast schon verächtliches Knurren entkam Talas Kehle.
Er hatte in seinem Leben noch nie Skrupel gehabt. Weder in den eisigen, erbarmungslosen Trainingshallen der Abtei noch bei den anonymen Mädchen, die danach seinen Weg gekreuzt hatten. Ein Gewissen war für ihn immer ein Schwachpunkt gewesen, eine nutzlose Ballastexistenz.
Nur bei Lumina... ausgerechnet bei ihr... hatte sich dieses verfluchte, ungewohnte Zögern in seinen Kopf geschlichen. Nicht, weil er etwas für sie empfunden hätte. Nicht, weil er sie mochte. Sondern einzig und allein aus dem einen Grund, dass sie Namis Cousine war und er die Grenzen in diesem Komplex aus Vertrauen und Familie nicht vollkommen einreißen wollte.
Er biss die Zähne so fest zusammen, dass die Muskeln an seinem Kiefer hervortraten.
~Verdammt noch mal~
Er schob diesen lächerlichen Gedanken mit brutaler Entschlossenheit beiseite. Es hätte ihm von Anfang an schlichtweg scheißegal sein müssen.
Ihr flehendes Schluchzen, das Verlangen nach noch mehr Härte, riss die letzten Fesseln nieder. Wenn diese Frau keine Schonung wollte, dann würde sie auch keine bekommen.
Tala gab den Versuch auf, sich auch nur im Ansatz zurückzuhalten. Seine Finger vergruben sich noch tiefer in das silbrige Haar an ihrem Hinterkopf, zogen ihren Kopf stramm nach hinten und brachten ihren Körper in den perfekten Winkel. Seine andere Hand knallte wie ein Eisenreif um ihre Taille, um sie an Ort und Stelle zu verankern.
Ohne jede Warnung rammete er sich mit einer beispiellosen, ungebremsten Tiefe und Wucht in sie hinein.
Lumina riss den Mund auf, doch der Schrei erstarrte für einen Herzschlag in ihrer Kehle, als die schiere Physis dieses Stosses sie bis ins Mark traf. Tala wuchtete sein gesamtes Körpergewicht nach vorne, stieß wieder und wieder rückhaltlos in sie ein... unbarmherzig, rhythmisch und mit einer rohen Gewalt, die das massive Bett der Suite regelrecht erschütterte.
Er gab ihr keinen Raum zum Atmen, keine Schonfrist. Er nahm sie mit der ungefilterten Brutalität, nach der sie verlangt hatte, während die Reflexionen der nächtlichen Skyline über ihre schweißnassen, bebenden Körper glitten.
Der zweite Höhepunkt traf Lumina wie eine Naturgewalt. Die schiere Wucht seiner ungebremsten Stöße trieb sie über die Kante des Verstands.
Ein schriller, unkontrollierter Schrei riss aus ihrer Kehle, als ihr Körper von den Füßen bis in die Haarspitzen in heftigen Schockwellen verkrampfte. Ihr Unterleib zog sich so extrem eng um ihn zusammen, dass es fast schmerzte... ein rhythmisches, wildes Beben, das ihre Fingernägel tief in die kühlen Seidenlaken krallen ließ.
Dieses hilflose Schluchzen, das unbändige Krampfen um ihn und die absolute Hingabe in ihren Schreien brachten Talas eisernen Verstand endgültig zum Explodieren.
Es machte ihn schier wahnsinnig.
Das Engegefühl riss seine eigene Selbstbeherrschung in Fetzen. Tala knurrte tief aus der Brust heraus, packte ihre Hüften mit letzter, brutaler Gewalt und stieß ein letztes Mal so tief in sie hinein, dass das Bett hart gegen die Wand krachte. Die Hitze, die durch ihn schoss, war so intensiv, dass er die Zähne zusammenschlagen musste, während er sie mit harten, zitternden Stoßbewegungen durch seinen eigenen Höhepunkt zwang.
Für einen kurzen Moment lag er schwer auf ihrem Rücken. Sein Atem ging rasend schnell, schweißnass klebten seine roten Haare an der Stirn, während das Herz in seiner Brust wie ein Hammer schlug.
Doch in seinem Verstand gab es keine Ruhe.
Er richtete sich langsam auf, streifte das Kondom ab und sah auf ihren bebenden, vollkommen überwältigten Körper hinab.
Seine eisblauen Augen waren dunkel, gefährlich und hungrig. Das hier war kein Ausgleiten, kein einmaliges Ventil.
Er hatte Blut geleckt.
Sobald seine Ausdauer zurück war... und das würde nicht lange dauern, würde er sie noch unbarmherziger fordern. Er würde sie aus diesem Bett zerren, sie rücklings gegen die eisige Glasfront der Suite pressen, sie über den massiven Schreibtisch beugen und ihre Arroganz Stück für Stück zerschmettern.
Er blickte auf sie herab, während sie nach Luft rang. Das hier war kein Ende.
Es war erst der verfluchte Anfang.
Vier Stunden später...
Die tiefe, drückende Stille der Nacht lag wie ein bleierner Schleier über der Luxussuite. Nur das ferne, stumme Lichtermeer der Metropole warf bläuliche, blasse Schatten an die Decke des Schlafzimmers.
Tala lag vollkommen reglos auf dem Rücken. Die Arme verschränkt, die Muskeln noch immer angespannt, starrte er uneingeschränkt in die Finsternis über sich.
An Schlaf war für ihn nicht zu denken gewesen. Sein Verstand arbeitete in einem rastlosen, finsteren Rhythmus.
Langsam, fast widerwillig, drehte er den Kopf zur Seite und blickte neben sich.
Lumina schlief tief und fest. Ihre Züge, die sonst von einem unverschämten, provokanten Lächeln beherrscht wurden, wirkten im Schlaf beinahe friedlich. Die feine Bettdecke war verrutscht und lag nur noch halb über ihrem nackten Körper. Im spärlichen Dämmerlicht war ihre blasse Haut über und über mit sichtbaren Spuren der vergangenen Stunden übersät... dunkle, blaue Flecken an ihren Hüften und Oberschenkeln, deutliche Bissspuren an ihren Schlüsselbeinen und ihrer Schulter, feine Rötungen an ihren Handgelenken.
Sie hatte es genau so gewollt.
Ein Schatten legte sich über Talas Blick, als die Bilder der letzten Stunden vor seinem inneren Auge vorbeizogen. Sie hatte ihn immer und immer wieder angestachelt, ihn herausgefordert und sich ihm mit einer rückhaltlosen Gier hingegeben.
Er hatte keine Gnade walten lassen.
Er hatte sie grob an ihren langen, silbrigen Haaren gezogen, hatte sie mit unbarmherziger Härte rücklings gegen die eiskalte Glasfront gepresst und sie brutal über den massiven Tisch gedrängt.
Doch egal, wie weit er gegangen war, egal wie sehr er seine eigene emotionale Kälte und Rücksichtslosigkeit als Waffe eingesetzt hatte... sie war nicht zerbrochen.
Sie hatte sich nicht brechen lassen. Lumina hatte jede einzelne Facette seiner emotionalen Ablehnung, seiner Härte und seiner rohen Gewalt nicht nur ertragen, sondern gierig aufgesaugt und an sich gerissen.
Tala hatte in seinem Leben nie etwas auf schöne Mädchen gegeben. Er war nicht blind; er wusste sehr wohl, was gesellschaftliche Schönheit bedeutete. Doch für ihn war dieses Makellose, dieses Perfekte immer nur eine billige, wertlose Fassade gewesen... etwas, das man benutzte und wieder vergaß.
Doch dieses Mädchen...
Tala verengte die eisblauen Augen. Unter dieser makellosen Hülle steckte keine schwache Puppe.
Lumina war nicht nur einfach wunderschön.
Sie war beängstigend stark.
Die Erkenntnis traf ihn wie ein kalter Stich mitten in die Brust. Seine Augen weiteten sich für einen seltenen, unbewachten Bruchteil einer Sekunde im Schatten der Nacht.
Ein gefährliches Gefühl der Unruhe schoss durch seine Adern.
Er riss den Blick von ihr los, schüttelte den Gedanken mit einem harten, finsteren Ruck ab und starrte wieder starr an die Decke. Er würde sich von dieser Frau ganz sicher nicht aus der Ruhe bringen lassen.
Das erste Licht des Morgens schob sich durch die tiefen Panoramafenster der Suite.
Lumina erwachte mit einem tiefen, wohligen Seufzer. Langsam schlug sie die Augen auf, während sich die Müdigkeit aus ihren Gliedern verflüchtigte. Sie spürte das dumpfe, heiße Ziehen in ihren Muskeln, die brennenden Spuren auf ihrer Haut und die deutlichen Nachwehen der vergangenen Nacht. Jede Bewegung war von einer süßen, schweren Erschöpfung durchdrungen.
Sie drehte den Kopf zur Seite. Tala lag nicht mehr neben ihr.
Er stand an der gegenüberliegenden Wand des Raumes, bereits vollständig angezogen... die dunkle Kleidung gewohnt akkurat, die Hände in den Taschen. Er lehnte dort stoisch, reglos wie eine Statue aus Eis, und fixierte sie mit einem unlesbaren, düsteren Blick.
Lumina seufzte erneut, diesmal mit einem warmen, tiefen Unterton. Ungeniert schlug sie die Decke ein Stück weiter zurück, drehte sich auf den Rücken und streckte sich wohlig. Ihre feinen Muskeln spannten sich an, während das Morgenlicht die frischen, bläulichen Flecken an ihren Hüften und Oberschenkeln enthüllte.
Talas Augen verengten sich leicht. Ein feiner Zorn loderte in seinen eisblauen Pupillen auf. Sie lächelte. Sie lächelte tatsächlich... und das, obwohl ihr Körper bei jeder einzelnen Bewegung höllisch schmerzen müsste.
Ein klares, helles Lachen entkam Luminas Kehle. Sie stützte sich auf die Ellbogen ab, das silbrige Haar fiel ihr wild über die Schultern.
„Das heute Nacht... war der reine Wahnsinn“, sagte sie unumwunden, während ihre magentafarbenen Augen zu ihm hinüberfunkelten.
Ein feines, fast wehmütiges Lächeln legte sich auf ihre Lippen, als sie ihn genauer musterrte. „Aber... so wie ich dich einschätze, werde ich wohl keine Wiederholung von dir bekommen, oder?“
Ein klein wenig echte Wehmut mischte sich in ihren sonst so unbeschwerten Blick. Sie kannte die Kälte in seinen Zügen gut genug, um zu wissen, wie sehr er sich nach solchen Nächten abzuschotten pflegte.
Tala schnaubte verächtlich. Er stieß sich von der Wand ab und trat einen Schritt auf die Tür zu.
„Ich verschwinde jetzt“, sagte er mit einer rauen, distanzierten Stimme, ohne sie eines Blickes zu würdigen. „Du hast zehn Minuten, bevor das Zimmerpersonal kommt. Sieh zu, dass du hier verschwindest.“
Er griff bereits nach dem Türgriff und drehte sich um, um die Suite endgültig zu verlassen.
„Warte, Tala!“, hielt Lumina ihn auf. Herbe, klare Entschlossenheit lag plötzlich in ihrer Stimme.
Tala hielt inne. Seine Hand verharrte auf der Klinke, doch er drehte sich nicht zu ihr um. Seine Schultern blieben angespannt, als er kalt über die Schulter fragte: „Hast du nicht genau das bekommen, was du wolltest? Ich bin hier fertig.“
Luminas Blick wurde spürbar ernster. Das verspielte, provokante Lächeln war vollkommen aus ihrem Gesicht gewichen. Sie sah ihn starr an, die nackte Bedenkenlosigkeit ihrer Worte lag ungeschützt im Raum.
„Wenn es nach mir gehen würde...“, begann sie leise, aber mit absoluter Klarheit, „...würde ich dich verdammt gerne wiedersehen. Aber ich akzeptiere es, wenn du das nicht willst.“
Sie hielt für einen Herzschlag inne.
„Ich will nur, dass du eines weißt, Tala... Du bist für mich kein Monster. Du bist auf deine ganz eigene Art und Weise... vollkommen.“
Talas Hand verharrte wie festgefroren auf dem kühlen Metall der Türklinke.
Für einen langen, dehnbaren Augenblick herrschte absolute, drückende Stille in der Suite. Kein Ton war zu hören, außer dem leisen Summen der Klimaanlage und dem unruhigen Schlag ihres eigenen Herzens.
Dann zuckte seine linke Augenbraue ganz leicht. Ein feiner, kaum wahrnehmbarer Reflex... doch für jemanden wie Tala, der seine Regungen sonst wie eine Festung unter Verschluss hielt, glich es einem Vulkanausbruch.
Langsam, fast mechanisch, löste er die Hand von der Klinke. Er drehte sich um.
Seine Gestalt schien den Raum schlagartig wieder mit derselben finsteren, erdrückenden Präsenz zu füllen wie in der Nacht zuvor.
Seine eisblauen Augen bohrten sich unbarmherzig in ihre magentafarbenen. Da war keine Wärme, keine Rührung, kein Aufweichen seiner Kälte... sondern ein tiefes, ungläubiges Befremden, gemischt mit einer dunklen, gefährlichen Intensität. Er sah sie an, als stünde ihm kein Mensch gegenüber, sondern ein absolutes Rätsel, das er weder verstehen noch lösen wollte.
Er trat nicht näher. Er blieb einfach dort stehen, durchbohrte sie mit seinem Blick und betrachtete das blasse, über und über gezeichnete Mädchen, das ihm trotz aller Schmerzen mit einer solchen Aufrichtigkeit entgegensah.
Tala zog die Mundwinkel nach unten, während sich seine Kiefermuskeln anspannten.
„Du hast sie doch tatsächlich nicht mehr alle“, sagte er trocken.
Seine Stimme war tief, rau und frei von jeder Emotion... und doch lag in diesen wenigen, harten Worten eine Wucht, die schwerer wog als jede lange Erklärung.
Ohne abzuwarten, ob sie noch etwas sagen würde, drehte er sich mit einer einzigen, kompromisslosen Bewegung wieder um, drückte die Klinke herab und verließ die Suite.
Die schwere Eingangstür fiel mit einem dumpfen, endgültigen Ins-Schloss-Fallen hinter ihm zu.
Tala stand im dunklen, teppichgepolsterten Flur des Hotels. Seine Hand lag noch immer schmerzend stramm zur Faust geballt an seiner Seite. Er atmete tief durch die Nase ein und aus, um den rasenden Puls in seinen Schläfen herunterzufahren. Er wollte einfach nur weg. Weg von diesem Zimmer, weg von diesem Mädchen und vor allem weg von ihren irrwitzigen Worten, die noch immer wie ein Echo in seinem Kopf dröhnten.
Vollkommen.
~Was für ein verdammter Schwachsinn~
Er machte den ersten Schritt in Richtung Fahrstuhl, als hinter der schweren Holztür der Suite plötzlich ein dumpfes, lautes Poltern ertönte, direkt gefolgt von einem erschrockenen, hellen: „HUCH!“
Tala blieb wie angewurzelt stehen. Seine Muskeln spannten sich augenblicklich an. Er fluchte leise, finster und extrem ehrlos vor sich hin. Es hätte ihm scheißegal sein müssen. Wenn sie im Bad ausrutschte oder über ihre eigenen Füße fiel, war das absolut nicht sein Problem.
Er war fertig hier.
Doch seine Hand handelte schneller als sein Verstand.
Mit einem harten Ruck drückte er die Klinke erneut nach unten, stieß die schwere Tür auf und trat zurück in die Suite.
Das Bild, das sich ihm bot, ließ ihn starr im Türrahmen verharren. Lumina lag der Länge nach auf dem edlen Parkettboden neben dem Bett. Die Bettdecke war halb mit heruntergerissen worden, ihr silbriges Haar lag wild verstreut um ihren Kopf. Sie stützte sich mühsam auf die Ellbogen, während ihre nackten, über und über mit blauen Flecken übersäten Beine zitternd und völlig kraftlos hinter ihr lagen.
Sie hatte schlichtweg versucht aufzustehen... doch ihre Beine waren wie flüssiger Pudding.
Die ungefilterte Härte der vergangenen Nacht, das stundenlose Krampfen und die schiere körperliche Auszehrung hatten ihre Muskeln komplett den Dienst verweigern lassen.
Lumina blinzelte überrascht, ein ungläubiges Ausdruck lag in ihren magentafarbenen Augen. So etwas war ihr noch nie in ihrem Leben passiert. Ihr Körper gehorchte ihr schlichtweg nicht mehr.
Als sie das Geräusch der Tür hörte, hob sie langsam den Blick. Ihre Augen weiteten sich ein wenig, als sie sah, wer da im Rahmen stand.
Ein leises, unwillkürliches Auflachen entkam ihren Lippen, während sie ihn aus ihrer hilflosen Position am Boden anstarrte.
„Ich... ich kann nicht... laufen.“, brachte sie hervor, und trotz der Situation blitzte bereits wieder ein Hauch ihres unverbesserlichen Grinsens in ihren Zügen auf.
Tala sagte keinen einzigen Ton. Sein Blick glitt von ihren zitternden Beinen hoch zu ihrem Gesicht. Seine eisblauen Augen verengten sich, während sich der Kiefer unter seiner Haut stramm zog.
Das eiskalte Entsetzen in seinem Verstand schlug augenblicklich in blanke Genervtheit um.
Er stieß ein tiefes, finsteres Fluchen auf Russisch aus, das eiskalt durch die edle Suite hallte. Dann machte er zwei große, schwere Schritte auf sie zu. Ohne auch nur den Ansatz von Sanftheit zu zeigen, beugte er sich hinab, packte sie grob unter den Achseln und an den Kniekehlen und riss sie vom kalten Parkettboden hoch.
Lumina keuchte überrascht auf, als er sie mühelos wie einen Sack Mehl an seine Brust zog, um sie direkt zurück auf das massive Kingsize-Bett zu befördern. Er ließ sie nicht sanft abgleiten; er warf sie eher unbarmherzig auf die Matratze zurück und zog die Decke mit einer einzigen, rauen Bewegung über ihren nackten Körper.
Lumina blinzelte, richtete sich mühsam auf die Ellbogen auf und sah ihn an. Das silbrige Haar hing ihr wild im Gesicht, doch das unausstehliche, feine Lächeln kehrte sofort auf ihre Lippen zurück.
„Du bist wieder da...“, neckte sie ihn mit einer rauen, leisen Stimme. Ihre magentafarbenen Augen funkelten ihn amüsiert an.
„Du hättest auch einfach gehen können, Tala. Warum bist du zurückgekommen?“
Tala blieb an der Bettkante stehen, die Hände fest in den Hosentaschen vergraben. Er sah stoisch und vollkommen trocken auf sie herab. Seine Mienen verzogen keine einzige Faser.
„Ich habe diese Suite für eine einzelne Person gebucht“, sagte er mit einer eiskalten, absoluten Pragmatik, die keinen Raum für Romantik ließ. „Und ich habe absolut keine Lust auf beschissene Diskussionen an der Rezeption oder die Überforderung des Hotelpersonals, wenn sie dich halbtot auf dem Boden finden.“
Verdammt noch mal. Es ärgerte ihn maßlos.
Es brachte seine gesamte Ordnung durcheinander. Er war nicht dafür geschaffen, den Krankenpfleger für eine reiche, verwöhnte Göre zu spielen, die sich wegen seiner Härte nicht mehr auf den eigenen Beinen halten konnte.
Aber er hatte realistisch gesehen keine verdammte Wahl. Sie konnte so weder ein Taxi rufen noch alleine aus dem Hotel marschieren.
Sein Verstand ging die spärlichen Optionen durch. Lumina verpflegen?
Ausgeschlossen.
Sie stundenlang anstarren? Niemals.
Es gab in dieser verfluchten Stadt nur eine einzige Person, die er in so einer beschissenen Situation anrufen konnte. Eine Person, die keine blöden Fragen stellen, keine Predigten halten und das Ganze mit derselben Kälte abhandeln würde wie er selbst.
Tala zog sein Smartphone aus der Tasche, entsperrte den Bildschirm mit einem harten Daumendruck und wählte die Nummer.
Kai Hiwatari.
Tala presste das Smartphone an sein Ohr, während seine Züge so starr blieben wie eine gegossene Bronzeplatte.
Am anderen Ende der Leitung vergingen nur zwei kurze Freizeichen, bevor eine tiefenentspannte, gewohnt kühle Stimme abhob.
„Was willst du?“
„Ich brauche ein diskretes Auto deiner Tachiwari-Flotte vor dem Hotel“, schoss Tala ohne jede Begrüßung heraus, während sein Blick finster über die auf dem Bett liegende Lumina glitt.
„Lumina... kann nicht mehr laufen.“
Für zwei Sekunden herrschte Stille am anderen Ende der Leitung. Dann ertönte ein leises, trockenes Schnauben von Kai, das von absoluter Belustigung zeugte.
„Hast du sie tatachlich kaputt gekriegt, Valkov?“, erkundigte sich Kai mit jener eisigen Beiläufigkeit, die nur er an den Tag legen konnte.
„Ich habe mir so etwas schon gedacht, als ich gestern gesehen habe, wie sie dir hinterhergedackelt ist, als du ins Hotel fahren wolltest.“
Tala knurrte tief in der Kehle. Lumina, zog die Augenbrauen hoch und vergrub ihr Gesicht schmunzelnd in den Kissen.
„Nami hat übrigens schon gewettet, wann genau der Anruf kommt“, fuhr Kai völlig unbeeindruckt fort.
Er hielt eine kurze Pause, ehe er trocken hinzufügte: „Sie war sich nur nicht sicher, wer von euch beiden am Ende mehr gestresst ist
... du von ihrer Existenz oder sie von deiner Härte.“
Tala verengte die Augen.
„Schick einfach den verfluchten Wagen, Kai. Ich bin hier fertig.“
„Vergiss es“, erwiderte Kai kalt und mit einer Schärfe, die keinen Widerspruch duldete.
„Ich schicke den Fahrer. Aber du löffelst die Suppe selbst aus. Du lässt sie keinen Schritt alleine, bis der Wagen unten steht und sie sicher drin sitzt. Ich habe keine Lust, dass Nami mir die Hölle heiß macht, weil du ihre Cousine wie ein Stück Altmetall im Flur liegen lässt.“
Bevor Tala auch nur fluchen konnte, ertönte bereits das Besetztzeichen.
Kai hatte aufgelegt.
Tala starrte auf das schwarze Display, während sich die Muskeln an seinen Oberarmen so fest anspannten, dass die Nähte seines Shirts Ächzten. Er steckte das Handy langsam zurück in die Hosentasche und drehte sich langsam zu Lumina um.
Diese lag noch immer im Bett, die Decke bis zum Kinn gezogen, und konnte sich ein leises, helles Auflachen nicht verkneifen.
„Sieht so aus...“, raunte sie mit einem frech funkelnden Blick, „...als müsstest du meine Gesellschaft noch ein kleines bisschen länger ertragen, Tala.“
Tala verzog keine Miene, doch in seinen eisblauen Augen loderte ein gefährliches Feuer.
Er ging zum Sessel, riss ihre verstreut liegenden Kleidungsstücke vom Boden auf und warf sie ihr ohne jede Vorwarnung mitten ins Gesicht.
„Zieh dich an“, befahl er mit einer Stimme, die so rau war wie Schmirgelpapier. „Der Wagen ist in zehn Minuten da.“
Lumina zog den Stoff langsam von ihrem Gesicht und sah ihn an. Sie stützte sich mühsam ab, doch als sie die Beine aus dem Bett schwingen wollte, gaben ihre Muskeln sofort wieder nach. Ein leises Zischen entkam ihren Lippen.
Tala stieß ein genervtes Knurren aus, schnappte sie grob am Handgelenk und riss sie mit einer einzigen Bewegung in eine aufrechte Position an der Bettkante. Er stützte sie unbarmherzig fest an der Schulter, damit sie nicht wieder wie eine leblose Puppe einknickte, während er ihr das Oberteil reichte.
„Gott, du bist so eine verfluchte Last“, raunte er finster, während seine Finger die Hitze ihrer nackten Haut spürten.
Lumina griff nach dem Stoff, doch anstatt sich zu beeilen, hielt sie inne. Das gewohnte, provozierende Lächeln verschwand plötzlich aus ihren Zügen.
Die Scherze, die Provokationen... all das verflog für einen kurzen, atemlosen Augenblick. Sie blickte hoch in sein eiskaltes, angespanntes Gesicht. Ihre magentafarbenen Augen bohrten sich mit einer erstaunlichen, tiefen Klarheit in seine.
„Du hast Angst, nicht wahr?“, fragte sie leise, fast sanft, während er sie noch immer stützte.
Talas Haltung erstarrte augenblicklich.
„Du hast verdammt noch mal Angst davor, dass jemand sieht, wer du wirklich bist“, fuhr sie unbeeindruckt fort, ohne den Blick abzuwenden.
„Du versteckst dich hinter deiner Härte und dieser eisigen Wand, weil du glaubst, dass dich sonst niemand ertragen kann. Aber ich habe keine Angst vor deinen Schatten, Tala. Egal, wie tief sie sind.“
Eine Stille legte sich über den Raum, die so drückend war, dass man das Ticken der Uhr an der Wand hören konnte.
Talas Augen verengten sich. Sie hatte eine Grenze überschritten... eine, die bisher noch kein Mensch in seinem Leben auch nur anzutasten gewagt hatte.
Ehe sie blinzeln konnte, schnappte seine Hand nach vorne.
Seine Finger schlossen sich fest und kompromisslos um ihr Kinn. Er drückte sie nicht schmerzhaft, aber mit einer solchen unumstößlichen Dominanz zurück in die Kissen, dass ihr der Atem stockte. Er beugte sich so tief zu ihr herab, dass sein heißer Atem über ihre Lippen strich. Die Schärfe in seinem Blick war messerscharf.
„Versuch nie wieder...“, knurrte er so tief und bedrohlich, dass der Ton vibrationsartig durch ihre Brust fuhr, „...in meinem Kopf herumzuwühlen. Du weißt gar nichts über mich, kleine Göre.“
Er hielt sie für einige lange Herzschläge fixiert. Er wollte Kälte ausstrahlen, wollte sie erdrücken.... doch die unnatürlich schnelle, dichte Nähe verriet ihn. Seine Brust hob und senkte sich rasch, und der Griff an ihrem Kinn verriet die gewaltige Selbstbeherrschung, die er aufbringen musste, um nicht wieder komplett die Beherrschung zu verlieren.
Sie hatte einen wunden Punkt getroffen. Volltreffer.
Lumina schluckte schwer, doch anstatt zurückzuschrecken, funkelte etwas Siegreiches in ihren Augen auf. Sie wusste es. Und sie wusste, dass er es auch wusste.
Tala ließ ihr Kinn augenblicklich los, als hätte er sich verbrannt, und stieß sich von ihr ab.
„Zieh das Scheißzeug an“, warf er ihr kalt entgegen, während er sich abwandte. „Ich trage dich jetzt da runter. Und du wirst kein einziges Wort mehr sagen.“
Etwa 5 Minuten später....
Natürlich dachte Lumina nicht im Traum daran, auch nur eine Sekunde lang still zu sein.
Tala packte sie kurzerhand, zog sie hoch und schwang sie sich mit einer ungeduldigen, fast ungehaltenen Bewegung über die Schulter.
Sie stieß einen kurzen, amüsierten Laut aus, der irgendwo zwischen Protest und hellem Vergnügen lag, protestierte jedoch nicht weiter, als er aus der Suite trat und den Gang hinabmarschierte.
Im gläsernen Aufzug ging es rasch abwärts in die weitläufige Lobby des Luxushotels. Die Fahrt fühlte sich an wie eine Ewigkeit, vor allem für Tala, der am liebsten im Erdboden versunken wäre.
Als sich die Türen unten öffneten und er sie in dieser kompromisslosen Haltung an den spärlich besetzten, aber umso neugierigeren Hotelgästen und dem Rezeptionspersonal vorbeizutrug, richtete sich jedes einzelne Paar Augen auf sie. Die Angestellten starrten total überrascht und mit offenem Mund zu dem finster dreinblickenden jungen Mann und der auf seiner Schulter hängenden, grinsenden Lumina.
„Sag mal, Tala...“, flügte sie mit unverkennbarer Ironie in der Stimme, während sie an den verstörten Blicken der Hotelgäste vorbeiglitten, „musst du das eigentlich öfter machen? Hast du Übung darin, Frauen aus dem Hotel zu tragen?“
Tala schnaubte so verächtlich, dass die Luft in seinen Lungen zischte. Er beschleunigte seine Schritte, während seine Kiefermuskeln unaufhörlich zuckten.
„Nein“, gab er mit rauer, eisiger Stimme zurück. „Ich habe noch nie gewartet, bis jemand aufwacht. Ich war bisher immer schon vorher weg.“
Luminas Blick wurde für einen Augenblick weicher, behielt jedoch diesen herausfordernden, funkelnden Unterton bei. Sie musterte sein angespanntes Profil, während sie die Glastüren der Lobby erreichten und der wartende Wagen der Tachiwari-Corporation draußen im Morgengrauen hielt.
„Und wieso...“, fragte sie leise, während er sie durch den Eingang nach draußen beförderte, „...hast du dann bei mir gewartet?“
Talas Schritt stockte für den Bruchteil einer Sekunde, ehe er sie mit einer abrupten Bewegung auf den Rücksitz des Wagens gleiten ließ. Seine eisblauen Augen bohrten sich mit einer frostigen Schärfe in ihre magentafarbenen.
„Bild dir ja nichts ein“, fauchte er leise. „Dieses Pflichtgefühl galt sicherlich nicht dir gegenüber.“
Tala schlug die Wagentür mit einer Wucht zu, dass das Metall kurz aufvibrierte. Er trat einen Schritt zurück, die Hände fest in seinen Manteltaschen vergraben, und musterte den Wagen, während der Motor leise aufheulte. Er atmete die kühle Morgenluft ein, als müsse er den Geruch dieser Nacht, das Echo ihrer Worte und diese vollkommen lästige Nähe aus Lunge und Gedanken spülen.
Im Inneren des Autos lehnte sich Lumina gegen die Ledersitze zurück. Sie blickte durch die getönte Scheibe hinaus auf seine steinerne Gestalt. Ein leises, zufriedenes Lächeln spielte um ihre Lippen, während der Wagen langsam anfuhr und in den grauen Straßen von Tokio verschwand. Sie hatte ihn geknackt. Vielleicht noch nicht ganz, vielleicht widersetzte er sich mit jeder Faser seines eisigen Stolzes... aber er hatte gewartet. Er war zurückgekommen. Und das reichte für den Anfang völlig aus.
Tala blieb noch einige Sekunden lang reglos stehen, bis das Rücklicht des Autos im dichten Verkehr verblasst war. Dann wandte er sich um, schritt mit langen, harten Schritten zurück ins Hotel, um seine eigenen Sachen zu holen. Die Kälte, die er nach außen hin so perfekt zur Schau trug, fühlte sich auf einmal merkwürdig dünn an.