Mrs. Hiwatari
Mrs. Hiwatari
Der Wagen glitt auf das ehrwürdige Ayame-Anwesen, dessen klassizistische Fassade im sanften Morgenlicht des Vorhofs aufragte.
Die Tür wurde von innen aufgestoßen und Nami hastete mit einem vergnügten, fast diebischen Lachen die Stufen des Haupteingangs hinab. Ihre silbrig-weißen Haare, die ihr bis knapp über das Gesäß reichten, tanzten bei jeder ihrer Bewegungen im leichten Wind. Sie riss die Autotür auf, beugte sich ein Stück vor und schmunzelte Lumina mit einem vielsagenden Glitzern in ihren ozeanfarbenen Augen an.
„Ich wusste es, ich wusste es einfach, dass es so enden musste“, sagte Nami und schüttelte voller amüsanter Vorfreude den Kopf. Sie musterte ihre Cousine, die auf der edlen Ledersitzbank saß.
„Na los, erzähl schon: War Tala anstrengend?“
Lumina warf den Kopf in den Nackten und lachte hell und laut auf... ein schallendes, triumphierendes Lachen, das die kühle Morgenluft durchbrach.
„Er ist exakt so, wie ich ihn mir vorgestellt habe, Nami. Jede einzelne Sekunde davon war also absolut keine Überraschung.“
Doch in diesem Moment hielt Lumina inne.
Ihre hellen, sonst so selbstbewussten Züge veränderten sich. Sie schloss kurz die Augen, biss sich verlegen, aber mit einem amüsierten Zucken um die Mundwinkel auf die Unterlippe und atmete flach aus. Als sie die Augen wieder öffnete, lag darin ein ungewohnter, fast glühender Funke.
„Aber...“, setzte sie an, während ihre Stimme einen Hauch leiser wurde, „er war schlicht unglaublich. Und... na ja, er schien mir doch recht dezent überfordert zu sein mit meiner Vorliebe für genau diese Art von Intimität.“
Nami prustete los, hielt sich kurz die Hand vor den Mund und musterte Luminas Haltung.
„Kannst du überhaupt noch laufen?“
„Ein erneuter Versuch wäre es wert“, murmelte Lumina und versuchte, sich schwungvoll aus dem Fond des Wagens zu schieben. Doch kaum setzten ihre Beine den Fuß auf den Kies, gaben die Knie leicht nach. Mit einem leisen Seufzen lehnte sie sich sofort wieder an die Kante des Autos.
Nami war im Bruchteil einer Sekunde bei ihr, schlang einen Arm stützend um Luminas Taille und zog sie an sich.
„Komm, lehn dich an mich, du kleine Katastrophe“, stichelte Nami liebevoll, während sie gemeinsam langsam und ziemlich wackelig den Weg über den Vorhof antraten.
Als sie sich dem großen Eingang des alten Herrenhauses näherten, stand dort bereits Kai. Er lehnte mit verschränkten Armen gegen den Türrahmen, das kühle Morgenlicht spiegelte sich in seinen roten Augen, während sein Blick unbewegt auf den beiden Frauen ruhte.
Ein kaum merkliches, wissendes Zucken lag in den ausholenden Zügen seines Gesichts... der stumme Beweis, dass er sich seinen Teil längst gedacht hatte.
Nami fing das leichte Torkeln ihrer Cousine gekonnt ab, hielt sie fest umschlungen und warf einen kurzen, amüsierten Blick zu Kai, der die beiden immer noch ungerührt aus der Türöffnung beobachtete.
„Dein Glück, dass ich deine Spuren verwischt habe“, raunte Nami Lumina mit einem vielsagenden Grinsen zu, während sie schrittweise auf die Stufen zusteuerten. „Ich habe Onkel Eric gestern Abend genau das aufgetischt, worum du mich gebeten hattest. Er geht fest davon aus, dass du nach der Feier müde warst und schon ins Hotel vorgefahren bist.“
Mit etwas Geschick und spürbarem Körpereinsatz manövrierte Nami Lumina vorsichtig über die hohe, alte Holzschwelle des Ayame-Anwesends ins angenehm kühle Innere der Eingangshalle.
Als sie den festen Boden unter den Füßen hatten, hielt Nami kurz inne, sah ihre Cousine von der Seite an und zog spitzbübisch eine Braue nach oben.
„So... und was genau ist jetzt deine geniale Ausrede für heute?“, fragte Nami lachend, während sie Lumina noch immer fest an sich gedrückt hielt, um ihr Halt zu geben.
„Wenn du in ein paar Stunden nicht zum Frühstück bei deinen Eltern im Hotel erscheinst... oder, noch schlimmer, wenn du da aufschlägst und gehst wie eine achtzigjährige Dame nach einem Marathon... was erzählst du deinem Vater dann?“
Lumina lehnte den Kopf an Namis Schulter, während sich das unausstehliche, glückliche Grinsen auf ihren Zügen breitmachte, das Nami nur zu gut von sich selbst kannte.
Lumina stieß einen tiefen, amüsierten Seufzer aus und lehnte ihren Kopf noch ein Stück weiter an Namis Schulter, während die Beine unter ihr immer noch spürbar zitterten.
„Ehrlich gesagt?“, brachte Lumina mit einem leisen, fast schuldbewussten Lachen heraus und sah ihre Cousine aus ihren magentafarbenen Augen an. „Ich habe absolut keinen Schimmer. Vielleicht behaupte ich einfach, die Hotelmatratze hätte mir den Rücken ruiniert... oder ich habe mir beim Sport gewaltig die Bänder gezerrt.“
Nami wollte gerade zu einer gewohnt frechen Antwort ansetzen, als sich von hinten leise, aber unmissverständliche Schritte näherten.
Kai trat direkt an die beiden Frauen heran. Seine hochgewachsene, imposante Gestalt warf einen langen Schatten über die helle Eingangshalle. Seine rubinroten Augen glitten von Luminas wackeligen Beinen hoch zu Nami. Ohne eine Miene zu verziehen oder auch nur den Ansatz von Emotionen zu zeigen, verschränkte er die Arme vor der Brust und sah Lumina trocken an.
„Soll ich dich den Rest des Weges in den großen Salon tragen?“, fragte Kai mit gewohnt kühler, pragmatischer Stimme. Sein Blick wanderte kurz zu seiner Frau hinüber, ehe er in sanfterem Ton hinzufügte: „Nami ist schwanger. Sie muss sich nicht unnötig anstrengen und dich hier durch das Anwesen schleppen.“
Ein kurzes, helles Lachen riss aus Luminas Kehle. Sie hob amüsiert eine Hand und winkte dankend ab, während sie versuchte, wieder etwas mehr ihr eigenes Gewicht zu verlagern.
„Danke für das Angebot, Kai, aber nein danke“, antwortete sie lachend, während ein unverbesserliches Funkeln in ihren Augen aufblitzte. „Ich glaube, wenn mich heute nach Tala noch ein weiterer Kerl durch die Gegend trägt, verlerne ich das Laufen endgültig. Es geht schon wieder... halbwegs. Das Gefühl in den Zehen kommt langsam zurück.“
Nami schmunzelte stolz, ließ aber zur Sicherheit ihren Arm dennoch fest um Luminas Taille geschlungen, während Kai die beiden mit einem leisen, ungläubigen Kopfschütteln beobachtete.
Gemeinsam überwanden sie die letzten Meter der imposanten Eingangshalle und betraten den großen Salon des Ayame-Anwesens, dessen Wände und schwere Möbel den Charme eines alten europäischen Herrenhauses verströmten. Das weiche Licht, das durch die hohen Fenster fiel, wärmte den Raum. Nami führte Lumina vorsichtig zu einer der tiefen, eleganten Samtcouches und half ihr, sich behutsam hinzusetzen. Einen Augenblick später ließ sich Nami selbst erschöpft, aber glücklich daneben sinken, während Kai mit ruhigen, gemessenen Schritten folgte und sich ihnen in einem der Sessel gegenübersetzte.
Er stützte die Ellenbogen auf die Knie, legte die Hände ineinander und musterte Lumina mit einem trockenen, skeptischen Blick.
„Sag mal, Tala... hat er dich tatsächlich getragen?“, fragte Kai ohne Umschweife, während ein Hauch von ehrlicher Verwunderung in seinen roten Augen aufblitzte.
Lumina warf den Kopf zurück und lachte schallend, sodass die Wände des alten Salons kurz widerhallen zu schienen. Sie lehnte sich bequem zurück und strich sich eine Strähne ihres silbrig-weißen Haares aus dem Gesicht.
„Der Mann hatte schlicht und ergreifend keine Wahl, wenn er mich nach der Nummer überhaupt noch hätte loswerden wollen!“, gab sie fröhlich zurück, ehe ihr Grinsen eine Spur spitzbübischer wurde. „Aber ganz im Ernst: Die Blicke der Belegschaft im Hotel waren absolut Gold wert. Unbezahlbar.“
Kai lehnte sich ebenfalls zurück und beobachtete sie weiterhin schweigend. Er kannte sie im Grunde erst seit gestern, doch selbst für jemanden wie ihn, der die merkwürdigsten Dynamiken in dieser Familie gewohnt war, blieb Lumina ein absolutes Rätsel. Es wollte einfach nicht in seinen Kopf:
Wieso war sie überhaupt freiwillig mit Tala mitgegangen? Was faszinierte sie so derartig an diesem Mann, der sonst so unnahbar und starr wirkte?
Schließlich beschloss er, gar nicht erst lange zu rätseln, sondern sprach es einfach direkt aus.
„Ich versteh es immer noch nicht“, sagte Kai mit ruhiger, sachlicher Stimme, während sein kühler Blick auf ihr ruhte. „Wieso bist du mit ihm gegangen? Was fasziniert dich so brennend an ihm? Und...“, er machte eine kurze, bedeutungsschwere Pause, während seine roten Augen sie scharf musterten, „...hoffe bloß nicht, dass du dir jetzt einbildest, Tala sei dir verfallen. Du solltest wissen, mit wem du dich eingelassen hast: Tala ist niemand, der auch nur den Hauch von romantischen Gefühlen oder irgendeiner Art von Pflichtgefühl für einen One-Night-Stand übrig hat.“
Lumina stützte das Kinn auf die Handfläche, lehnte sich zurück und verengte ihre magentafarbenen Augen zu zwei hochamüsierten Schlitzen. Ein unausstehlich breites, freches Grinsen breitete sich auf ihren blassen Zügen aus.
„Interessant, Kai…“, raunte sie vollkommen unbeeindruckt von seiner Ansage und sah ihn spitzbübisch an. „Denn ich bin mir absolut sicher, dass ich exakt dieselben Sätze früher auch schon über dich gehört habe.“
Nami prustete laut los. Sie warf den Kopf nach hinten, lachte herzlich auf und sah ihren Ehemann mit einem Blick voller tiefer, unerschütterlicher Liebe und sanftmütiger Spottlust von der Seite an.
Kai schüttelte nur leicht den Kopf. Auf seinen Zügen regte sich nicht der Hauch einer Reue, doch ein feines, unmerkliches Augenrollen verriet, dass er diese Diskussion nicht zum ersten Mal führte.
„Ich bin nicht Tala“, sagte Kai mit stoischer, absoluter Gelassenheit und sah Lumina trocken an. „Wir haben vielleicht eine ähnlich beschissene Vergangenheit hinter uns und die Leute neigen schon immer dazu, uns in denselben Topf zu werfen. Aber Tala hat einen völlig anderen Charakter als ich.“
Er machte eine kurze Pause, während sein Blick kurz zu Nami wanderte. Seine Züge wurden eine Nuance weicher, bevor er wieder Lumina fixierte.
„Was zwischen Nami und mir passiert ist, war ein Prozess auf den ich mich Stück für Stück eingelassen habe“, fuhr er ruhig fort. „Außerdem bin ich im Vergleich zu Valkov deutlich weniger aggressiv... und was den Ton angeht: Eine gewähltere Wortwahl ist mir definitiv lieber als sein ständiges, stumpfes Geknurre.“
Luminas Lachen ebbte langsam ab, doch das spitzbübische Funkeln in ihren Augen erlosch keineswegs. Stattdessen glitt eine bemerkenswerte, fast erschreckend kühle Klarheit über ihre hübschen Züge. Für einen Moment trat die forsche, verlockende Göre in den Hintergrund und machte Platz für eine überraschend scharfe, rationale Denkerin.
„Wer redet denn von Romantik oder Veränderung, Kai?“, fragte Lumina mit ruhiger, gelassener Stimme. „Ich bin nicht naiv. Ich weiß ganz genau, wer Tala ist. Ich bilde mir nicht ein, diesen Mann 'retten' oder ändern zu können... und ehrlicherweise wollte ich das auch nie. Ich weiß, dass ich ihn nicht so haben kann, wie man sich das in irgendeiner Wunschvorstellung ausmalt.“
Sie winkte locker ab und schmunzelte dünn, während ihr Stolz in jeder Faser ihrer Haltung spürbar war.
„Aber darum ging es mir gar nicht. Ich wollte keinen zahmen Mann. Mir reicht es zu wissen, dass ich bei ihm einen Eindruck hinterlassen habe. Einen Riss in seiner eiskalten Fassade, der ihn beschäftigt, wenn er nachts allein ist und selbst wenn er sich jetzt aus lauter sturem Stolz nie wieder aus Russland blicken lässt...“ Ihre magentafarbenen Augen blitzten auf. „...dann weiß ich trotzdem, dass ich unter seine Haut gegangen bin. Mehr erwarte ich von Tala Valkov gar nicht.“
Kai verengte unwillkürlich die Augen. Für einen kurzen Augenblick herrschte absolute Stille im Salon.
In dieser eiskalten Selbstreflexion, diesem Stolz und der absoluten Verweigerung, das Opfer zu spielen, erinnerte Lumina ihn tatsächlich verdammt stark an Nami. Auch Nami hatte damals von ihm nie verlangt, sich zu ändern. Sie hatte seine Mauern akzeptiert, seine Grenzen respektiert und sein Eis nicht mit Gewalt gebrochen, sondern Stück für Stück geschmolzen... auch dank ihrer heilenden Aura und dieser unvergleichlichen Wärme, die sie ausstrahlte.
Doch Kai wusste auch um den entscheidenden Unterschied. Lumina hatte kein Bit-Beast. Sie hatte keine magische, heilende Aura. Und selbst wenn sie all das besessen hätte... Kai bezweifelte stark, dass das bei Tala irgendetwas bewirkt hätte. Tala war nicht nur verschlossen... er war stur, verbittert und auf eine Art und Weise unzugänglich, die selbst für Kais Maßstäbe extrem war.
Kais Blick blieb kühl, doch ein winziges, kaum wahrnehmbares Nicken entkam ihm.
„Wenn du das wirklich so rational siehst... gut“, sagte Kai trocken und stützte das Kinn auf die Hand. „Dann beschwer dich nur später nicht bei Nami, wenn dieser Riss in seiner Fassade das Einzige bleibt, was du von ihm kriegst.“
Lumina lehnte sich bequem in die kühlen Samtkissen der Couch zurück, legte den Kopf leicht schräg und schenkte Kai ihr gewohnt strahlendes, fast schon unverschämtes Lächeln.
„Oh, mach dir um mich keine Sorgen, Kai“, raunte sie vollkommen unbeeindruckt und fuhr sich spielerisch mit den Fingern durch ihr silbriges Haar. „Ein Riss reicht oft schon völlig aus, um ein ganzes Fundament zum Einstürzen zu bringen. Und wenn nicht? Dann hatte ich immerhin eine verdammt unvergessliche Nacht, die den Muskelkater in meinen Beinen mehr als wert war.“
Sie winkte locker ab und warf Nami einen vielsagenden, verschmitzten Blick zu.
„Außerdem... Wer sagt denn, dass das letzte Wort da schon gesprochen ist? Sturheit ist eine Eigenschaft, die bei uns in der Familie auch nicht gerade spärlich gesät ist.“
Nami schmunzelte herzlich, ehe sich ihr Blick prüfend auf Luminas Aufmachung richtete.
„Möchtest du eigentlich ein paar Wechselsachen von mir haben?“, fragte Nami mit einem fürsorglichen Unterton und gestikulierte auf Luminas Erscheinung. „Du hast schließlich immer noch das feine Abendkleid von gestern an... auch wenn es auf dem Weg hierher schon einiges mitgemacht hat.“
Noch bevor Lumina antworten konnte, schob sich draußen eine dichte Wolkenwand zur Seite. Das helle, grelle Morgenlicht brach ungehindert durch die hohen, bogenförmigen Fenster des Salons und tauchte die Szenerie in einen warmen, schonungslosen Schein.
Nami hielt mitten in der Bewegung inne. Ihre ozeanfarbenen Augen weiteten sich schlagartig.
Im klaren Sonnenlicht blitzte die blasse Haut von Luminas Dekolleté, den Schultern und den Beinen unverschleiert auf. Sie war über und über gezeichnet von den Nachwehen der vergangenen Stunden... deutliche, dunkle blaue Flecken zeichneten sich an ihren Armen ab, gepaart mit unmissverständlichen Bissspuren an ihren Schlüsselbeinen und feinen Rötungen an den Handgelenken.
Nami starrte ihre Cousine für einen atemlosen Herzschlag lang an, ehe sie die Hand vor den Mund schlug und überrascht, aber vollkommen amüsiert auflachte.
„Gott im Himmel, Lumina!“, prustete Nami heraus und schüttelte ungläubig den Kopf.
„Der Mann hat dich ja nicht nur mitgenommen, der hat dich ja förmlich markiert und auseinandergenommen! Ist überhaupt noch ein einziger Zentimeter an dir heil geblieben?“
Lumina stieß einen tiefen, ungenierten und vollkommen wohligen Seufzer aus. Sie strich sich mit einer fließenden Bewegung über die blasse Haut ihrer Schulter, wo sich eine der tiefen Bissspuren abzeichnete, und sah Nami aus ihren magentafarbenen Augen an. Ein feines, spitzbübisches Lächeln spielte um ihre Lippen.
„Glaub mir... das war jeden einzelnen Fleck mehr als wert“, raunte sie mit heiserer, zufriedener Stimme und lehnte den Kopf entspannt zurück. „Morgen bin ich garantiert wieder voll auf den Beinen. Und das Wetter spielt mir ja glücklicherweise absolut in die Karten. Für morgen sind ohnehin maximal sechzehn Grad gemeldet... die perfekte Gelegenheit, um sich in lange, gemütliche Sachen zu hüllen und das hier discreet zu verdecken.“
Sie richtete sich wieder ein Stück auf und schenkte ihrer Cousine ein dankbares Nicken.
„Auf dein Angebot mit den Wechselsachen komme ich also verdammt gerne zurück. Ich glaube, in diesem Kleid überstehe ich die Fahrt zu meinen Eltern im Hotel nicht mehr, ohne dass mein Vater sofort den Notarzt oder einen Anwalt ruft.“
Nami lachte leise, während sie verständnisvoll nickte. „Gut, ich hole dir schnell ein paar bequeme Sachen von oben. Bin gleich wieder da.“
Sie stützte sich ab, stand von der samtigen Couch auf und strich sich den Stoff ihres Gewandes glatt. Doch anstatt direkt in den Flur zu eilen, machte Nami einen kleinen Schwenk. Sie trat an den Sessel heran, in dem Kai noch immer in gewohnt stoischer Haltung saß, beugte sich schmunzelnd zu ihm hinab und stahl sich einen schnellen, zärtlichen Kuss von seinen Lippen.
Kai ließ es geschehen, ohne eine Miene zu verziehen, doch die Härte in seinen Zügen glättete sich für diesen einen kurzen Augenblick vollkommen.
Mit einem leisen, vergnügten Glucksen löste sich Nami wieder von ihm, warf Lumina noch einen schnellen Blick zu und huschte dann mit leichten Schritten aus dem Salon, um über die große Holztreppe ins Obergeschoss zu verschwinden.
Lumina schürzte leicht die Lippen, während ihr Blick der Tür folgte, durch die Nami gerade verschwunden war. Dann drehte sie ihren Kopf langsam zurück zu Kai. Das Schmunzeln in ihren Zügen wurde spürbar tiefer, getränkt mit dieser ganz eigenen, forschen Neugier.
„Sag mal, Kai...“, überbrückte sie die plötzliche Stille im Raum und lehnte das Kinn wieder auf ihre Handfläche, „...wie lebt es sich eigentlich so als Frischvermählter?“
Kai fixierte sie schweigend. Seine tiefroten Augen ruhten für einige Sekunden reglos auf ihrem Gesicht. Er hielt Smalltalk noch immer für eine absolute Zeitverschwendung, eine lästige gesellschaftliche Unsitte. Aber diese fünf Minuten, in denen Nami im Obergeschoss unterwegs war, waren letztlich nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.
Er verzog keine Faser seiner Miene.
„Nicht anders als vorgestern“, antwortete er mit gewohnter, kompromissloser Pragmatik.
Die Worte kamen trocken, kahl und vollkommen befreit von jedem emotionalen Kitsch oder unnötigem Firlefanz. „Es ist derselbe Alltag. Nur mit einem Ring am Finger und einem offiziellen Papier im Archiv.“
Lumina warf den Kopf zurück und lachte laut und frei auf.
„Typisch“, amüsierte sie sich, ehe ihr Blick wieder etwas ruhiger wurde. Sie rückte auf der dichten Samtcouch ein Stück zurecht.
„Aber um noch einmal kurz auf das zurückzukommen, was du vorhin über Tala gesagt hast... Ich möchte da noch etwas ergänzen.“
Kai zog unmerklich eine Braue nach oben, sagte aber nichts und ließ sie gewähren.
„Ich weiß, du glaubst immer noch fest daran, dass ich mir tief im Inneren doch mehr von ihm erhoffe“, fuhr Lumina fort. Ihre magentafarbenen Augen blickten ihn überraschend direkt und ohne jeden Schleier an.
„Aber das, was ich dir eben gesagt habe, war die pure Wahrheit. Auch wenn Nami und ich uns in vielerlei Hinsicht extrem ähneln und oft verglichen werden... sind wir es hier ganz und gar nicht. Tala ist für mich lediglich eine Option. Eine sehr reizvolle, wenn auch eine mit verdammt geringer Erfolgschance.“
Sie machte eine kurze Pause und strich sich die silbrigen Haare über die Schulter.
„Aber diese Option ist für mich ganz sicher keine Voraussetzung, um nicht offen für anderes zu sein“, fügte sie bestimmt hinzu.
In diesem Moment knarrte die Schwelle draußen im Flur leise. Lumina wandte den Kopf zur Salontür, durch die Nami gerade wieder getreten war... die Arme vollgepackt mit einem weichen, bequemen Pullover und einer passenden Hose. Lumina schaute ihre Cousine kurz an, ehe ihr Blick wieder zu Kai wanderte.
„Denn hätte Nami nicht genau den Mann für sich gewinnen können, der für sie der absolute Maßstab all ihrer inneren Sehnsüchte war...“, raunte Lumina leise, „...dann wäre sie heute wahrscheinlich immer noch ungeküsst und sie wäre es vielleicht noch für eine verdammt lange Zeit geblieben. Aber so bin ich nicht. Ich warte nicht mein ganzes Leben auf das Unmögliche.“
Sie wandte sich vollends zu der herantretenden Nami um und ergänzte augenzwinkernd: „Wobei Nami ja damals auch nicht aus irgendeiner sturen inneren Überzeugung heraus oder aus heiligem Wahn alle anderen Jungs abgewiesen hat... sondern einfach...“
„...weil niemand anderes jemals etwas in ihr ausgelöst hatte“, beendete Kai Luminas Satz ohne jede Verzögerung.
Seine Stimme war ruhig, tief und trug eine eiserne Festigkeit in sich. Es war keine Vermutung. Es war ein schlichter Fakt, den er besser kannte als jeder andere Mensch auf dieser Welt.
Nami hielt mitten im Raum inne. Das sanfte Lächeln auf ihren Lippen wurde weich, während ihre ozeanfarbenen Augen kurz zu Kai hinüberwanderten. Eine stumme, tiefe Wärme schoss zwischen den beiden hin und her, die für einen kurzen Augenblick den gesamten Raum einnahm.
Nami brach in ein helles, klares Lachen aus, das den gesamten Raum im Nu erhellte. Sie schüttelte belustigt den Kopf, schlendrte vollends in den Salon hinein und steuerte zielstrebig auf die Couch zu.
„Na, das habe ich ja wieder genau richtig abgepasst“, fragte sie mit einem unmissverständlichen, ironischen Unterton in der Stimme und schielte spitzbübisch zwischen den beiden hin und her. „Wird hier etwa in meiner Abwesenheit ganz ungeniert über mich getratscht?“
Sie legte den Stapel bequemer Kleidung sanft auf den Armlehnenbereich der Couch ab und verschränkte gespielt empört die Arme vor der Brust. Ein diebisches Funkeln lag in ihren magentafarbenen Augen, als sie abwechselnd ihre Cousine und ihren Ehemann musterte.
„Kaum ist man mal für zwei Minuten im Obergeschoss, um ein paar Anziehsachen zu holen, schon analysiert ihr hinter meinem Rücken mein gesamtes Liebesleben und mein früheres unbewusstes Keuschheitsgelübde! Ihr seid mir ja ein paar tolle Vögel.“
Kai verzog keine Miene, doch der sanfte Schimmer in seinen tiefroten Augen verriet, dass er ihr das Theater keine Sekunde abkaufte. Lumina hingegen grinste vollkommen ungeniert zurück, stützte das Kinn in die Hand und genoss die sichtbare Harmonie, die zwischen den beiden Frischvermählten herrschte.
„Aber es ist doch wahr!“, rief sie amüsiert aus, schob sich ein Stück auf den Samtkissen zurecht und sah ihre Cousine mit einem unverschämten Grinsen an. „Jedes einzelne Wort davon entspricht der absoluten Wahrheit, Nami!“
Nami schüttelte schmunzelnd den Kopf, während sie sich leicht gegen die Rückenlehne der Couch stützte.
„Mag ja sein“, gab sie spitzbübisch zurück und warf Kai einen liebevollen, vielsagenden Blick von der Seite zu. „Aber das brauchst du Kai nun wirklich nicht brüh warm zu erzählen. Er weiß das alles schließlich schon längst...“
Lumina wackelte belustigt mit den Zeigefingern und sah Nami spöttisch an.
„Ah, da hat aber jemand ganz genau aufgepasst... und trotzdem nur die Hälfte mitbekommen!“, stichelte Lumina und winkte locker ab.
„Du hast ja nur den glorreichen Schluss unseres kleinen Gesprächs gehört. Vorher ging es nämlich eigentlich um etwas ganz anderes.“
Sie lehnte sich bequem zurück und nickte kurz in Kais Richtung.
„Ich musste deinem Mann hier drüben nur gerade klipp und klar machen, dass Tala für mich eben wirklich nur eine Option ist“, erklärte Lumina mit absoluter Gelassenheit und einem spitzbübischen Funkeln in den magentafarbenen Augen. „Eine verdammt heiße Option, ja... aber am Ende des Tages eben auch nicht mehr als das.“
Nami sah ihre Cousine eine Sekunde lang an, ehe sich ein leicht besorgter, aber verständnisvoller Ausdruck auf ihre Züge legte. Sie trat an den Couchtisch, lehnte sich mit dem Rücken dagegen und verschränkte die Arme.
„Eine heiße Option, hm?“, wiederholte Nami leise und warf einen schnellen Blick zu Kai, ehe sie Lumina wieder fest ins Auge fasste.
„Lumina... du weißt so gut wie ich, dass Tala keine normale 'Option' ist. Der Kerl ist wie ein Flächenbrand. Er wuchtet seine Probleme mit Aggression durch die Gegend, schottet sich ab und nimmt auf niemanden Rücksicht. Er ist auf eine Art unberechenbar und explosiv, die verdammt gefährlich werden kann, wenn man sich zu nah heranwagt.“
Lumina erwiderte Namis Blick ohne ein einziges Zucken. Das unausstehlich selbstbewusste Grinsen kehrte auf ihre Lippen zurück.
„Ich weiß“, sagte Lumina schlicht, und in ihrer Stimme lag keine Spur von Naivität. „Er ist giftig. Ein absolutes Minenfeld auf zwei Beinen. Aber genau das ist der Punkt, Nami: Ich gehe doch nicht in ein Minenfeld und beschwere mich hinterher, dass es geknallt hat. Ich weiß exakt, worauf ich mich eingelassen habe.“
Sie strich sich stolz eine Strähne ihres silbrigen Haares hinter das Ohr und sah ihre Cousine spitzbübisch an.
„Manche Frauen spielen halt lieber mit Feuer. Und ich schaue Tala Valkov lieber mitten ins Gesicht, während er versucht, mich zu verbrennen, als mich von irgendeinem langweiligen Typen auf Händen tragen zu lassen, der mir nach drei Tagen auf die Nerven geht. Ich binde mich nicht an ihn. Ich genieße einfach den Nervenkitzel.“
Kai stieß ein kurzes, trockenes Ausatmen durch die Nase aus.
„Sie hat's verstanden“, kommentierte Kai schlicht aus seinem Sessel heraus und sah Nami ruhig an. „Sie weiß, dass Tala ein unberechenbares Raubtier ist. Und solange sie nicht erwartet, dass er plötzlich zum Schoßhund wird, soll sie ihre Erfahrungen machen.“
Nami schüttelte ungläubig, aber lachend den Kopf und griff nach den Wechselsachen.
„Ihr zwei seid echt unmöglich“, schmunzelte sie und schob Lumina den Stapel Kleidung in den Schoß. „Na los, zieh dich erst mal um, du stolze Heldin. Bevor du das nächste Minenfeld betrittst, solltest du wenigstens feste Sachen anhaben.“
Lumina lachte laut auf, legte den Kopf in den Nacken und prustete amüsiert heraus.
„Genau das ist der Punkt!“, rief sie schmunzelnd aus und schüttelte den Kopf, während sie den Stapel Kleidung auf ihrem Schoß zurechtlegte. „Und ganz ehrlich? Genau das war doch auch der einzige Grund, warum ich damals mit Paul Schluss gemacht habe.“
Nami zog überrascht eine Augenbraue nach oben, während Lumina die Hand abwunk und sich mit einem leicht spöttischen Grinsen in die Kissen zurücksinken ließ.
„Er war der absolute Parade-Jammerlappen“, fuhr Lumina ohne jede Hemmung fort, und ihre magentafarbenen Augen funkeltem vor schadenfroher Belustigung. „Narzisstisch bis zum Gehtnichtmehr, aber sobald ich auch nur den Mund aufgemacht habe oder ein bisschen Kontra gegeben habe, war er vollkommen überfordert mit mir und meiner Art. Der Mann ist regelrecht unter meiner Persönlichkeit zusammengebrochen!“
Sie seufzte kurz, doch das breite, unverschämte Lächeln schwand keine Sekunde von ihren Zügen.
„Seit dieser Katastrophe ist es für mich verdammt schwierig geworden, Männer überhaupt noch ernst zu nehmen. Wenn mir einer mit Heuchelei oder schwachen Nerven kommt, verliere ich nach zehn Minuten das Interesse.“
Lumina wandte den Kopf leicht zur Seite und sah Kai direkt an. Ihr Grinsen wurde spitzbübisch und eine Spur milder, als sie ihn lachend musterste.
„Wobei ich fairerweise feststellen muss… das gilt natürlich nicht für alle Männer. Es gibt eben doch noch Ausnahmen, die ihr Rückgrat nicht an der Garderobe abgeben.“
Kai sah sie unbewegt an. Seine tiefroten Augen verengten sich unmerklich, während er ihre Worte für einen kurzen Augenblick auf sich wirken ließ. Es brauchte viel, um Kai Hiwatari zu schmeicheln, und eine Davies, die ihm ein beiläufiges Kompliment machte, war ganz sicher keine Ausnahme.
Ein trockenes, kaum wahrnehmbares Schmunzeln zuckte für den Bruchteil einer Sekunde um seinen Mundwinkel, ehe seine Züge wieder in die gewohnte, unerschütterliche Gelassenheit zurückfielen.
„Vergleich mich nicht mit deinen Verflossenen, Lumina“, erwiderte Kai mit tiefer, ruhiger Stimme, während er sich etwas weiter im Sessel zurücklehnte und die Arme vor der Brust verschränkte.
„Ein Rückgrat zu haben ist kein Privileg. Es sollte das absolute Minimum sein... auch wenn die meisten Typen in deinem Alter offensichtlich schon beim kleinsten Windstoß umkippen.“
Er wandte den Blick gelassen zu Nami, die ihn immer noch voller Wärme von der Seite ansah, ehe sein harter Blick wieder zu Lumina zurückglitt.
„Und was Valkov angeht: Er mag einiges sein, aber ganz sicher kein Schwächling. Wenn du also unbedingt das Risiko suchen willst, dann beschwer dich hinterher nicht, wenn du dir die Finger verbrennst. Ich hab dir gesagt, worauf du dich einlässt.“
Lumina lehnte sich ein Stück vor, sah Kai direkt in die tiefroten Augen und nickte leise, während das spitzbübische Grinsen auf ihren Lippen für einen Moment einem überraschend ruhigen Ausdruck wich.
„Das hast du allerdings“, räumte sie ohne Umschweife ein. „Und ich schätze deine Ehrlichkeit, Kai. Aber man muss eben auch bei ganz anderen Dingen realistisch bleiben.“
Sie strich sich eine silbrige Haarsträhne hinter das Ohr und furchte leicht die Stirn.
„Ich wohne schließlich nach wie vor in England. Und Tala lebt, soweit ich weiß, zurzeit fest in Russland. Das ist kein Katzensprung.“
Lumina machte eine kleine Pause. Ihr Blick glitt langsam von Kai hinüber zu Nami, die immer noch schmunzelnd neben der Couch stand. Das vertraute, unverschämte Funkeln kehrte schlagartig in Luminas magentafarbene Augen zurück.
„Auch wenn ich vorhabe…“, fuhr Lumina bedächtig fort, während sie Namis Reaktion ganz genau beobachtete, „…mich ab dem nächsten Studiensemester hier in Tokio an einer Universität einzuschreiben.“
Nami zuckte schlagartig zusammen. Für den Bruchteil einer Sekunde weiteten sich ihre Augen vor ungläubigem Staunen, ehe die Kleidung in ihren Händen fast zu Boden glitt und sie vor purer Freude laut aufschrie.
„Was?!“, jubelte Nami, warf die Hände in die Luft und stürzte auf ihre Cousine zu, um sie beinahe umzuwerfen. „Lumina! Bist du wahnsinnig?! Warum zur Hölle hast du mir denn bitte bisher kein einziges Wort davon erzählt?!“
Lumina brach in ein helles, schallendes Lachen aus und fing die stürmische Umarmung ihrer Cousine amüsiert ab.
„Genau wegen dieser Reaktion hier nicht!“, rief Lumina lachend aus, während sie Nami fest an sich drückte. „Ich wollte es dir als Überraschung präsentieren, wenn der Papierkram komplett durch ist! Wenn ich es dir früher gesagt hätte, hättest du doch keinen einzigen Tag mehr ruhig geschlafen!“
Nami drückte Lumina noch einmal fest an sich, ehe sie sich strahlend von ihr löste und sich überschwänglich die Hände vor die Brust schlug.
Lumina wandte den Kopf lachend zurück zu Kai, um den Faden ihres ursprünglichen Gedankens wieder aufzugreifen.
„Jedenfalls…“, beendete sie ihren Satz mit einem schulterzuckenden Schmunzeln, „…ist aufgrund der riesigen Entfernung zwischen England, Russland und Tokio sowieso nicht davon auszugehen, dass ich Tala so schnell wieder über den Weg laufe. Es sei denn natürlich, ihn verschlägt es zufällig mal wieder hierher nach Japan.“
Kai drückte sich geschmeidig aus dem tiefen Sessel hoch, ohne auch nur ein Geräusch zu machen. Mit zwei ruhigen Schritten überwand er die Distanz zu Nami, schlang ganz selbstverständlich einen Arm von hinten um ihre Taille und zog sie sanft, aber bestimmt an seine Brust.
„Wir gehen rüber in den kleinen Salon“, erklärte Kai mit seiner gewohnt kühlen, unanfechtbaren Stimme in Richtung Lumina. „Du kannst dich derweil hier im großen Salon umziehen. Dann musst du mit deinen lädierten Beinen nicht erst durchs ganze Haus laufen.“
Lumina hob schmunzelnd eine Braue, sichtlich amüsiert über Kais praktische und doch aufmerksam durchdachte Geste. „Sehr zuvorkommend, Herr Hausherr. Das rechne ich dir hoch an.“
Kai ignorierte den spöttischen Unterton gekonnt, wandte Nami sanft zur Tür und führte sie hinaus auf den breiten, ruhigen Flur. Sobald die schwere Flügeltür des Salons hinter ihnen ins Schloss fiel und die beiden von der Außenwelt abgeschirmt waren, hielt Kai an.
Er drehte Nami zu sich herum, schob eine Hand an ihren Nacken, fuhr mit den Fingern durch ihr seidenweiches, silbrig-weißes Haar und zog sie ohne ein Wort der Vorwarnung in einen tiefen, innigen Kuss.
Nami schloss lächelnd die Augen, schlang die Arme um seinen Nacken und erwiderte den Kuss vollkommen hingebungsvoll. Die Kälte, die Kai nach außen hin ausstrahlte, war in diesem Moment spurlos verschwunden... übrig blieb nur die intensive, unerschütterliche Wärme, die er nur für sie reserviert hatte.
Als er sich langsam wieder von ihren Lippen löste, blieb er so nah an ihrem Gesicht, dass sein warmer Atem ihre Haut streifte. Seine tiefroten Augen ruhten voller Sanftheit auf ihr.
„Guten Morgen, Mrs. Hiwatari“, raunte er leise, und eine seltene, tiefe Zufriedenheit schrang in seiner rauen Stimme mit. „Heute hat offiziell dein erster Tag mit diesem Namen begonnen.“
Ein feines, kaum merkliches Schmunzeln glitt über seine Züge, während seine Hand behutsam ihre Wange streichelte.
„Du hast dich gestern fantastisch geschlagen“, fügte er leise hinzu, seinen Blick fest in ihren magentafarbenen Augen verankert. „Auch wenn man dir zum Ende der Feier wirklich angemerkt hat, dass du ziemlich k.o. warst.“
Nami brach in ein leises, helles Lachen aus, schlang die Arme noch etwas fester um seinen Nacken und schenkte ihm sogleich einen weiteren, zärtlichen Kuss auf die Lippen.
„Totmüde auf jeden Fall... aber ich war auch durchgehend hochamüsiert“, raunte sie schmunzelnd, während sie ihm liebevoll über die Schulter strich. „Besonders ganz am Ende der Feier! Als Kenny plötzlich von meinen Davies-Großcousinen belagert wurde und völlig hilflos da stand... Der arme Kerl war absolut und dezent überfordert mit den Mädels.“
Ein trockenes, amüsiertes Schnaufen drang aus Kais Kehle. Ein seltenes, spitzbübisches Schmunzeln glitt über seine markanten Züge, während seine Arme weiterhin fest um ihre Taille geschlossen blieben.
„Nicht zu vergessen Oma Yumis anschließender Kuppelversuch“, fügte Kai mit gewohnter Gelassenheit hinzu, und ein feiner Spott schwang in seiner tiefen Stimme mit. „Wie sie direkt versucht hat, ihn an Cousine Kira von der Tachiba-Seite zu vermitteln.“
Nami warf den Kopf nach hinten und musste laut auflachen. Sie drückte ihr Gesicht für einen Moment an Kais Brust, um das Lachen ein wenig zu dämpfen, damit Lumina drüben im Salon nicht gestört wurde.
„Stimmt!“, gluckste Nami amüsiert und sah mit tränenfeuchten, magentafarbenen Augen wieder zu ihm auf. „Oma Yumi wollte Kenny ganz offensichtlich mit aller Macht für ihre Familienseite gewinnen! Als wäre er der Hauptpreis des Abends gewesen.“
Nami schüttelte schmunzelnd den Kopf, während ihr Lachen langsam in ein weiches, liebevolles Lächeln überging. Sie blickte hoch zu ihrem Ehemann, dessen Züge im sanften Flurlicht erstaunlich entspannt wirkten.
„Aber ganz ehrlich… ich kann es ihr nicht einmal verdenken“, raunte Nami leise und fuhr mit den Fingerspitzen sanft über Kais Kieferlinie. „Wer Kenny kennt, weiß einfach, was für ein Herz von einem Mensch er ist.“
Kai zog sie fest an sich, schloss sie in seine Arme und zog sie erneut in einen tiefen, verlangenden Kuss.
Nami seufzte leise auf, vergaß Kenny, die Feier und die ganze Welt um sie herum schlagartig und schmolz vollkommen in seinen Händen dahin.
Die Intensität, mit der er sie hielt, ließ keinen Zweifel mehr daran, dass sie nun für immer zusammen gehörten.