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Kaffeekränzchen

Der Gezähmte Phönix — www.fanfiktion.de · All chapters

Kaffeekränzchen

Das Klirren von feinem Porzellan und der Duft von frischem Jasmintee und süßen Himbeer-Törtchen erfüllten die kleine, elegante Lounge des Cafés. Durch die großen Panoramafenster lag der imposante Tachiwari Tower im warmen Licht des Freitagnachmittags, nur wenige Gehminuten entfernt.

Sechs Tage waren seit der Hochzeit vergangen, und für Nami fühlten sich diese ersten Tage als Mrs. Hiwatari noch immer wie ein wunderschöner, intensiver Traum an. Sie strich sich eine seidenweiche, silbrig-weiße Haarsträhne hinter das Ohr, nippte an ihrem Tee und sah schmunzelnd in die Runde. Neben ihr saß Lumina, die gewohnt strahlend und selbstbewusst an ihrer Tasse nippte. Ihnen gegenüber saßen Hilary und Mariah, die insgespräch vertieft eine Auswahl der bunten Törtchen begutachteten.

„Ich kann immer noch nicht glauben, wie schnell diese Woche vergangen ist“, fing Nami das Gespräch an und wandte sich mit einem vielsagenden Glitzern in den ozeanfarbenen Augen an ihre Cousine. „Sag mal, Lumina... konntest du die letzten Tage eigentlich ein bisschen Sightseeing machen? Du fliegst in ein paar Tagen schließlich schon wieder zurück nach London.“

Lumina stellte ihre Tasse mit einem leisen Klirren ab und lehnte sich entspannt zurück.

„Ein bisschen. Mein Vater hat mich zwar für ein paar Termine eingespannt, aber ich hatte definitiv genug Zeit, um die Stadt zu genießen. Tokio ist einfach fantastisch. Ich freue mich schon aufs Studium.“

Nami beugte sich ein Stück vor, stützte das Kinn auf die Handfläche und zog spitzbübisch eine Braue nach oben. Herabgesetzte Stimme, aber mit unmissverständlichem Schalk, fügte sie hinzu: „Und... hab ihr euch eigentlich noch einmal gesehen? Du und Tala?“

Im selben Moment erstarrten Hilary und Mariah in ihrer Bewegung. Die Kuchengabeln blieben auf halbem Weg stehen. Beide sahen blitzartig auf, die Augen weit geöffnet vor neugieriger Überraschung.

„Wartet... was?!“, platzte Hilary heraus und setzte die Gabel fast schon zu schwungvoll ab. „Tala Valkov?! Lumina, du hast dich nach der Hochzeit noch mit Tala getroffen?“

Mariah schlug überrascht die Hand vor den Mund, ein wissendes, fast ungläubiges Grinsen auf den Lippen. „Ich wusste es! Auf der Hochzeitsfeier... dieser Walzer zwischen euch beiden! Das war ja kein normaler Tanz, das war eine absolute Machtdemonstration. Ihr habt euch auf der Tanzfläche förmlich aufgefressen!“

„Wir haben alle gesehen, wie dominant und intensiv dieser Tanz war“, bohrte Hilary neugierig nach, während sie sich tiefer über den Tisch beugte. „Aber du willst uns doch nicht erzählen, dass danach noch was gelaufen ist?! Die Feier war kaum vorbei, da warst du spurlos verschwunden!“

Lumina erwiderte die geschockten und hochgradig neugierigen Blicke der beiden Frauen mit einer unverschämten Gelassenheit. Ein unausstehlich breites, spitzbübisches Grinsen breitete sich auf ihren blassen Zügen aus. Ihre magentafarbenen Augen funkelten vor Vergnügen.

„Nun...“, raunte Lumina mit samtiger Stimme, griff nach ihrer Teetasse und nahm bedächtig einen kleinen Schluck, während sie die Spannung im Raum vollkommen auskostete.

„Sagen wir einfach, ein Mann wie Tala Valkov lässt sich ungern provokant herausfordern, ohne die Sache auch zu Ende zu bringen. Und ich war nun wirklich die Letzte, die ihn daran gehindert hätte, mich mit in seine Hotelsuite zu nehmen.“

Hilary verschluckte sich beinahe an ihrem Tee und starrte Lumina mit offenem Mund an, während Mariah entsetzt, aber völlig fasziniert auflachte.

„Du bist ja absolut lebensmüde!“, rief Hilary halblaut aus und sah ungläubig zu Nami, die das Spektakel amüsiert genoss. „Tala Valkov?! Das eiskalte Raubtier aus Russland? Lumina, der Typ knurrt doch gefühlt nur und frisst kleine Kinder zum Frühstück!“

„Er frisst definitiv keine Kinder“, warf Lumina lachend ein, strich sich das lange, silbrig-weiße Haar über die Schulter und neigte den Kopf leicht schräg. „Aber was andere Dinge angeht... er hat eine bemerkenswerte Ausdauer. Und glaubt mir, Mädels: Ich bereue nicht eine einzige Sekunde.“

Mariah schüttelte schmunzelnd den Kopf, während sie sich eine Locke aus dem Gesicht strich. „Unfassbar. Du hast es tatsächlich geschafft, diesen unnahbaren Kerl rumzukriegen... oder eher er dich.“

„Es war ein Geben und Nehmen“, stellte Lumina spitzbübisch klar und winkte locker ab.

Nami prustete leise in ihre Tasse, stellte sie ab und sah ihre Cousine mit einer Mischung aus Stolz und gespieltem Kopfschütteln an. „Ihr seht also, womit ich mich am Morgen nach der Hochzeit herumschlagen musste. Sie konnte nicht einmal mehr richtig laufen, aber das stolze Grinsen hat sie bis heute nicht abgelegt.“

„Hey!“, protestierte Lumina lachend und warf Nami einen gespielten, empörten Blick zu. „Das war pure Erschöpfung nach einer verdammt erfolgreichen Verhandlung!“

Das Café füllte sich mit dem herzlichen Lachen der vier Frauen. Während draußen die Sonne langsam hinter den Wolkenkratzern Tokios sank und den Tachiwari Tower in ein goldenes Licht tauchte, genossen sie die unbeschwerte Atmosphäre... einen perfekten Freitagnachmittag voller Freundschaft, süßer Törtchen und der verbotenen Faszination unberechenbarer Männer.

Lumina lehnte sich noch ein Stück weiter in das weiche Polster der Loungebank zurück, strich sich mit einer eleganten Bewegung ihr silbrig-weißes Haar über die Schulter und legte das Kinn auf ihre Handfläche. Ein unverschämtes, beinahe magisches Lächeln spielte um ihre Lippen, während sie die neugierigen Blicke genießerisch auskostete.

Hilary stützte die Ellbogen auf den Tisch, beugte sich schlagartig weiter vor und verengte die Augen. Sie griff Namis ursprüngliche Frage noch einmal mit doppelter Schärfe auf und bohrte gnadenlos nach:

„Warte, warte, warte! Halten wir kurz fest: Du hast eben wirklich gefragt, ob sie sich nochmal gesehen haben?“, vergewisserte sich Hilary bei Nami, ehe sie ihren Blick sofort wieder fest auf Lumina richtete. „Heißt das etwa... du hast ihn nach dieser Hochzeitsnacht tatsächlich noch ein zweites Mal getroffen?! Und vor allem...“

Hilary senkte die Stimme um eine Nuance, während ihr Blick zwischen schockiert und brennend interessiert hin- und herwandere. „...war es denn wirklich so gut? Erzähl schon! Ich meine... man hat damals auf den Turnieren und Meisterschaften so einiges gehört. Wenn nur die Hälfte der Gerüchte stimmt, soll Tala im Bett ein regelrechtes Monster sein! Völlig hemmungslos, hart und absolut unerbittlich.“

Nami hielt mitten in der Bewegung inne. Ihre ozeanfarbenen Augen weiteten sich vor ungläubiger Überraschung, während sie die Teetasse auf halbem Weg zum Mund einfor. Sie wandte den Kopf langsam zu Hilary und sah sie mit hochgezogenen Augenbrauen an.

„Woher um alles in der Welt hast du denn bitte solche Informationen?“, fragte Nami lachend und schüttelte fasziniert den Kopf. „Hilary! Ich wusste ja nicht, dass du dich in der intimen Gerüchteküche des russischen Teams so gut auskennst!“

Hilary winkte sofort gespielt abwehrend mit den Händen ab, während sich ein leichtes, aber spitzbübisches Schmunzeln auf ihren Zügen breitmachte.

„Hey, verurteile mich nicht!“, verteidigte sie sich schmunzelnd und rückte ihren Stuhl ein Stück zurecht. „Ich war Jahre lang mit Tyson auf gefühlt jeder Meisterschaft und jedem Weltturnier unterwegs! Was glaubst du eigentlich, was die Mädels in den Hotels und in den Backstage-Bereichen tratschen, wenn die Kerle beim Training sind? Ich bin schließlich nicht taub! Wenn irgendwo erzählt wird, dass Tala Valkov eine absolute Naturgewalt ist, von der man besser die Finger lässt... dann bleibt so was eben hängen!“

Mariah konnte sich ein leises, belustigtes Kichern nicht verkneifen und schüttelte amüsiert den Kopf. „Stimmt allerdings. Dieses eiskalte, gefährliche Image hatte er schon immer. Man hat sich automatisch gefragt, ob der überhaupt eine sanfte Seite besitzt.“

Lumina brach in ein helles, schallendes Lachen aus. Ihre magentafarbenen Augen funkelten vor absoluter Schadenfreude und Stolz, während sie Hilarys geschockten Gesichtsausdruck aufmerksam musterte.

„Monster trifft es vielleicht nicht ganz, Hilary...“, raunte Lumina mit samtiger, tiefer Stimme und nahm gelassen einen kleinen Schluck von ihrem Jasmintee. „Sagen wir einfach: 'Unverhältnismäßig verlangenstark' und 'absolut kompromisslos'. Er nimmt sich genau das, was er will... und er hört definitiv nicht auf, nur weil man nach Luft schnappen muss.“

Sie winkte locker ab und schmunzelte dünn.

„Und was das zweite Treffen angeht: Nein, danach haben wir uns nicht mehr gesehen. Eine unvergessliche Nacht in seiner Suite war vollkommen ausreichend, um meine Neugier fürs Erste zu stillen... und seinen Stolz gründlich zu erschüttern.“

Nami prustete leise in ihre Tasse, während Hilary mit offenem Mund dasaß und Mariah leise pfeifend die Augen verdrehte. Der Freitagnachmittag in der Lounge war endgültig zu einer Runde unzensierter Geständnisse geworden.

Lumina lehnte sich mit einer fließenden Bewegung zurück, verschränkte locker die Arme vor der Brust und schürzte leicht die Lippen. Ein feines, nachdenkliches Schmunzeln glitt über ihre Züge.

„Wenn ich ehrlich bin... ein kleiner Wermutstropfen war schon dabei“, gab Lumina vollkommen ungeniert zu und sah die anderen drei Frauen der Reihe nach an. „Der Kerl hat mich nicht ein einziges Mal geküsst. Nicht einmal kurz auf die Lippen. Und das hat mich tatsächlich ein bisschen gewurmt. Ich hätte verdammt gerne herausgefunden, ob seine Küsse genauso gut sind wie der ganze Rest... aber nun ja, es gibt wahrlich Schlimmeres auf dieser Welt.“

Hilary ließ die Gabel vollends auf den Teller sinken und starrte Lumina mit offenem Mund und aufgerissenen Augen an. Die reine Fassungslosigkeit stand ihr ins Gesicht geschrieben.

„Warte... verstehe ich das gerade richtig?!“, platze Hilary heraus, ungläubig die Hände hebend. „Er hat dich... er hat dich sozusagen einfach nur hart gevögelt, bis du buchstäblich nicht mehr laufen konntest, und dich danach einfach eiskalt abserviert?! Ohne einen einzigen Kuss?!“

Lumina zuckte tiefenentspannt mit den Schultern, strich sich eine silbrige Haarsträhne hinter das Ohr und beschenkte Hilary mit einem ihrer unverschämt strahlenden Lächeln.

„Abserviert ist das falsche Wort, Hilary“, stellte Lumina vollkommen gelassen klar. „Ich habe nie mehr als Sex von ihm erwartet. Das war von Anfang an der Deal, den wir stumm miteinander geschlossen haben. Auch wenn...“, ihre magentafarbenen Augen blitzten verlockend auf, „...ich gegen eine Wiederholung definitiv absolut nichts einzuwenden hätte.“

Nami hielt es nicht mehr aus. Bei dieser furiosen Mischung aus Luminas absoluter Tiefenentspanntheit und Hilarys schockierter Miene brach sie in ein schallendes, helles Lachen aus. Nami warf den Kopf nach hinten, hielt sich die Hand vor den Bauch und lachte so herzlich, dass ihr nach wenigen Sekunden die Tränen übers Gesicht liefen.

„Gott im Himmel, Lumina!“, gluckste Nami unter Tränen und wischte sich mit der Fingerspitze über die Augenwinkel. „Du bist wirklich absolut unmöglich!“

Hilary saß währenddessen vollkommen überwältigt da. Ihr Blick wanderte fassungslos von der lachenden Nami zu Lumina, die ihren Tee schlürfte, als spräche sie über das Wetter. Sie spürte, wie ihr förmlich die Worte fehlten... diese ungefilterte, dominante und absolut furchtlose Art von Namis Cousine war eine Naturgewalt, auf die sie schlichtweg nicht vorbereitet gewesen war.

Hilary schüttelte den Kopf, als müsste sie das Gesagte erst einmal verarbeiten, ehe sich ein vorsichtiger, prüfender Blick auf ihre Züge legte.

„Das heißt also...“, hakte Hilary langsam nach und lehnte sich über den Tisch, „...du hast dich nicht in Tala verliebt? Kein Herzschmerz, keine großen Gefühle?“

Lumina warf den Kopf in den Nacken und lachte frei und ungekünstelt auf. Ihr helles Lachen zog für einen kurzen Moment die Blicke der Tischnachbarn auf sich, bevor sie sich wieder fasste und Hilary mit einem hochamüsierten Funkeln in den magentafarbenen Augen ansah.

„Verliebt? Ganz sicher nicht“, wischte Lumina die Vermutung lachend beiseite. „Ich schwärme lediglich ziemlich für ihn, Hilary. Ich habe nun mal ein extremes Faible für dominante Männer, die diese Aura auch ganz natürlich ausstrahlen. Keine gespielte Arroganz oder aufgesetztes Gehabe... sondern diese echte, unverfälschte Dominanz. Und je heftiger die ist, desto besser für mich.“

Sie lachte noch einmal leise, schüttelte schmunzelnd den Kopf und winkte gelassen ab.

„In unserer Familie ist das schon lange kein Geheimnis mehr“, fuhr sie vollkommen ungeniert fort und warf Nami einen vielsagenden Blick zu. „Mein Vater hat es jedenfalls schon vor Jahren komplett aufgegeben, dass ich ihm irgendwann mal einen... 'vorzeigbaren', braven Schwiegersohn präsentiere. Aber so bin ich nun mal. Das ist eben meine ganz persönliche Macke.“

Luminas forsche, hochamüsierte Haltung wandelte sich mit einem Mal. Das unverschämte Grinsen auf ihren Lippen glättete sich, und der schelmische Glanz in ihren magentafarbenen Augen wich einem sanften, überraschend tiefgründigen Ausdruck. Sie stellte ihre Teetasse behutsam ab und wandte ihren Blick zu Nami, die ihr Lachen langsam abklingen ließ und ihre Cousine aufmerksam musterte.

„Ich verliebe mich nur extrem schwer“, begann Lumina mit weicher, ruhiger Stimme und sah Nami warm an. „Im Grunde ist es bei mir wie bei dir, Nami... und doch wieder völlig anders.“

Sie hielt einen kurzen Augenblick inne, strich sich eine silbrige Haarsträhne aus dem Gesicht und blickte dann kurz in die Runde zu Hilary und Mariah, ehe ihr Blick wieder zu ihrer Cousine zurückkehrte.

„Nami und ich leben zwar auf verschiedenen Kontinenten, aber wir sind aufgewachsen wie Schwestern“, erzählte Lumina leise. „Ich habe jahrelang hautnah miterlebt, wie sehr Nami für Kai geschwärmt hat... Nein, es war weit mehr als Schwärmerei. Sie hat sich mit jeder Faser ihres Herzens nach ihm gesehnt, jahrelang, ohne auch nur nach links oder rechts zu sehen.“

Lumina lächelte dünn, voller ehrlicher Zuneigung für ihre Cousine.

„Nami ist in solchen Dingen viel emotionaler und romantischer als ich. Sie hat all ihre Gefühle für diesen einen Mann aufgespart. Ich hingegen...“, Lumina schmunzelte leicht und zuckte unaufgeregt mit den Schultern, „...ich hatte bereits eine feste Beziehung. Und ich hatte auch Erfahrungen, die rein auf Körperlichkeit basierten. Ich hatte schlichtweg keine Lust, mein halbes Leben darauf zu warten, dass irgendwann mal jemand auftaucht, der mir den Kopf verdreht. Denn um ehrlich zu sein: Es ist bei mir fast unmöglich, das zu schaffen.“

Sie winkte locker ab, während ihre Züge wieder etwas von ihrer gewohnten Gelassenheit annahmen.

„Bei Nami gab es eben nur diesen einen Mann. Nur Kai hat es geschafft, ihr Herz komplett einzunehmen. Ich bin da pragmatischer: Wenn schon niemand mein Herz zum Schmelzen bringt, dann nehme ich mir wenigstens das, was mir Spaß macht.“

Luminas Blick wanderte kurz zu den Panoramafenstern des Cafés hinaus, wo das helle Licht des Nachmittags an der Glasfassade des Tachiwari Towers reflektierte. Ein leises, fast schon nachdenkliches Ausatmen entwich ihren Lippen, ehe sie sich wieder den anderen dreien zuwandte.

„Ich werde gar nicht erst versuchen abzustreiten, wie fasziniert ich von Tala bin“, gab Lumina unverblümt zu und strich sich mit einer fließenden Bewegung über ihr silbrig-weißes Haar. Ihr Blick glitt zurück zu Nami. „Ganz ehrlich? Wenn er nicht emotional so verdammt verbarrikadiert und durch seine ganzen Traumata verkorkst wäre... dann wäre dieser Kerl äußerlich und mit dieser rohen, unbändigen Dominanz mein absoluter Traumtyp.“

Ein feines, leicht spöttisches Schmunzeln glitt über ihre blassen Züge, während in ihren magentafarbenen Augen wieder das vertraute, messerscharfe Funkeln aufblitzte.

„Er ist eine Erscheinung, keine Frage. Er hat diese gefährliche Aura, bei der man genau weiß, dass man sich verbrennen wird... und genau das macht es so verdammt reizvoll. Aber ich bin eben auch Realistin“, fuhr Lumina mit ruhiger, kompromissloser Gelassenheit fort. „Ich bilde mir nicht ein, dass eine heiße Nacht in einer Suite plötzlich jahrelange Narben heilt. Tala ist ein tief verletzter, verbitterter Mann, der Mauern hochgezogen hat, die man nicht einfach so einreißt. Ich werde sicher nicht mein Herz an jemanden hängen, der gar nicht fähig ist, es anzunehmen.“

Sie winkte locker ab und griff nach ihrem Jasmintee, völlig im Reinen mit sich selbst.

„Ich schätze die Dinge einfach genau so ein, wie sie sind: Es war intensiv, es war unvergesslich... aber am Ende des Tages bleibe ich mit beiden Beinen fest auf dem Boden.“

Hilary lehnte sich weit über den Tisch, schüttelte sanft den Kopf und sah Lumina mit einer Mischung aus Unverständnis und Ermutigung an.

„Aber wart mal kurz, Lumina“, griff Hilary ihre Worte schlagartig auf und gestikulierte mit den Händen in Namis Richtung. „Wenn du es so betrachtest... wo ist denn da der Unterschied zu Nami und Kai? Kai hat doch mindestens genauso viel durchgemacht! Er hat dieselbe düstere Vergangenheit, ähnliche Traumata und galt jahrelang als absolut unnahbarer Eisklotz. Und trotzdem hat er sich unsterblich in Nami verliebt!“

Hilary wandte sich wieder Lumina zu, und ein wissendes Lächeln machte sich auf ihren Lippen breit. „Vielleicht solltest du einfach nicht so schnell aufgeben. Genau wie Nami damals bei Kai! Wer weiß... wenn du drangeblieben wärst oder es weiter versuchst, knackst du seine Mauern vielleicht auch noch.“

Mariah nickte zustimmend von der Seite. Weder sie noch Hilary ahnten auch nur das Geringste von Namis magischer, heilender Aura... dieser ganz besonderen Gabe, die Kais innere Dunkelheit besänftigt und den Weg für seine Gefühle überhaupt erst geebnet hatte.

Lumina warf Nami einen kurzen, bedeutungsvollen Blick aus ihren magentafarbenen Augen zu. Sie wusste mittlerweile genau Bescheid, wusste um das geheimnisvolle Band und die heilenden Kräfte ihrer Cousine. Doch sie hielt sich eisern zurück. Es war nicht an ihr, Namis Geheimnis vor den Mädels zu offenbaren. So begnügte sie sich mit einem schmalen, vielsagenden Schmunzeln an den Tassenrand.

Bevor die Spekulationen der beiden weiter ins Kraut schießen konnten, schaltete sich Nami ein. Sie stellte ihre Teetasse behutsam auf die Untertasse und sah Hilary und Mariah ruhig, aber bestimmt an.

„Das kann man absolut nicht vergleichen, Mädels“, sagte Nami mit sanfter, fester Stimme. „Tala hat einen völlig anderen Charakter als Kai.“

Nami machte eine kurze Pause, um ihre Gedanken zu ordnen, und fuhr dann fort: „Kai mag kühl, distanziert und unnahbar wirken, aber tief in seinem Inneren besitzt er einen unerschütterlichen Moralkodex und eine eiserne Selbstbeherrschung. Seine Verschlossenheit war ein Schutzpanzer. Aber wenn Kai eine Grenze zieht oder jemanden an sich heranlässt, tut er das mit einer tiefen, fast stoischen Bewusstheit.“

Sie legte den Kopf leicht schräg und ihr Blick wurde ernster. „Tala hingegen... Tala ist explosiv. Seine Traumata äußern sich nicht in kühler Distanz, sondern in roher, unberechenbarer Aggression. Er stößt Menschen nicht nur weg... er zerstört die Brücken hinter sich. Kai hat gelernt, seine Dämonen zu kontrollieren und Verantwortung zu übernehmen. Tala lässt seine Dämonen die Führung übernehmen und nutzt Wut als seinen einzigen Schild. Man kann die beiden nicht in denselben Topf werfen, nur weil sie beide eine schwere Vergangenheit haben.“

Nami sah Hilary direkt in die Augen. „Man kann niemanden 'retten' oder knacken, der die Zerstörung seines eigenen Inneren als Schutzmechanismus wählt. Und Lumina tut verdammt gut daran, genau diesen Unterschied zu sehen.“

Während die Worte in der gemütlichen Runde nachhallten, glitt Namis Blick für einen kurzen Moment ins Leere. Ein leises, unendlich weiches Lächeln stahl sich auf ihre Lippen, als eine ganz bestimmte Erinnerung in ihr aufstieg.

Sie dachte an jenes vertraute, ruhige Gespräch zurück. Sie hatte ihn damals genau danach gefragt... nach der Rolle ihrer heilenden Aura, die seine innere Dunkelheit so oft gelindert hatte. Und Kai, mit seinen rubinroten, unergründlichen Augen und dieser kompromisslosen Ehrlichkeit, die sie so an ihm liebte, hatte ihr ohne jedes Zögern geantwortet:

Er hätte sich auch ohne ihre Aura in sie verliebt. Es hätte schlicht und ergreifend nur sehr viel länger gedauert, bis seine dichten Mauern vor ihr gefallen wären. Es hätte von ihr einfach eine schier unendliche Menge an Geduld erfordert... Geduld, Hingabe und diesen unerschütterlichen Glauben an ihn.

Nami kehrte aus ihren Gedanken zurück, sah ihre Cousine an und nickte leise.

„Selbst bei Kai war es ein steiniger Weg“, fügte Nami mit einem sanften Unterton hinzu, in dem viel Liebe mitschwang. „Einer, der verdammt viel Geduld verlangt hat. Und genau diese Geduld ist bei Tala schlichtweg nicht angebracht.“

Lumina nahm den Faden vollkommen entspannt auf. Sie stützte das Kinn auf ihre Handfläche, während ein trockenes, aber absolut ehrliches Schmunzeln über ihre feinen Züge glitt.

„Ganz genau“, pflichtete Lumina ihr lachend bei und wandte sich wieder an Hilary und Mariah. „Ich bin realistisch genug um zu wissen, wo meine Grenzen liegen. Warum sollte ich Jahre meines Lebens darauf verschwenden, an einer Festung zu kratzen, deren Besitzer mit Kanonen auf mich schießt? Tala ist, wie er ist. Und vor allem vergeudet man keine Geduld an eine Distanz, die sowieso unüberbrückbar ist.“

Sie wies mit einer leichten Handbewegung vage nach draußen.

„Wir sprechen hier immerhin nicht von ein paar Straßen weiter. Tala reist in wenigen Tagen zurück nach Russland. Ich fliege bald wieder heim nach England. Selbst wenn ich die Geduld eines Engels besäße... was ich ganz sicher nicht tue... , macht uns die Realität da schlicht einen Strich durch die Rechnung. Man muss auch einfach wissen, wann ein schönes, wildes Abenteuer zu Ende ist.“

Hilary sah schweigend zwischen den beiden Cousinen hin und her. Die tiefgründige Logik hinter ihren Worten... gepaart mit Namis ruhiger Erfahrung und Luminas messerscharfem Pragmatismus... ließ ihr schlussendlich doch die Argumente ausgehen.

Mariah nickte leise und nippte an ihrem Tee. Es lag eine erfrischende Klarheit in Luminas Worten, die man einer Frau in ihrem Alter nur selten zutraute.

Plötzlich summte Namis Smartphone auf dem edlen Holztisch auf. Sie griff nach dem Gerät, und als sie die Nachricht auf dem Display las, glitt augenblicklich ein unvergleichlich sanftes, liebevolles Lächeln über ihre Züge. Ihre ozeanfarbenen Augen spiegelten eine tiefe Wärme wider, die den anderen drei Frauen am Tisch nicht entging.

„Mein wundervoller Ehemann schickt mir gerade eine Nachricht“, verkündete Nami mit spürbarem Glück in der Stimme und blickte schmunzelnd in die Runde. „Er kommt mich gleich hier abholen. Kai wollte nämlich unter keinen Umständen, dass mich draußen die Presse belagert. Ganz abgesehen davon, dass die Gegend hier Abends laut seiner Aussage, kein sicheres Pflaster sei. Das war übrigens auch die Bedingung, die ich ihm heute Morgen versprechen musste als ich sagte, dass wir in ein Cafè in Shinjuku gehen: Ich musste mir unbedingt ein Café aussuchen, das ganz nah am Tachiwari Tower liegt, damit er mich direkt vor der Tür in Empfang nehmen kann.“

Hilary stieß einen tiefen, fast schon träumerischen Seufzer aus, ehe sie vollkommen amüsiert auflachte und schüttelnd den Kopf neigte.

„Ach ja...“, gluckste Hilary und stützte die Wangen in beide Hände. „Kais besitzergreifende und beschützende Art ist einfach unbezahlbar. Der Mann überlässt wirklich absolut gar nichts dem Zufall, wenn es um dich geht!“

Sie rückte ihr Stühlchen ein Stück zurecht, während ihr Blick neugierig auf Namis Silhouette glitt.

„Sag mal, Nami... wo wir gerade von großen Ereignissen sprechen: Hast du eigentlich schon ein Kleid für die große BBA-Winter-Gala in drei Wochen? Die Vorbereitungen laufen ja schon auf Hochtouren.“

Nami strich sich mit einer behutsamen, fast schon schützenden Bewegung sanft über ihren Bauch, unter dem sich die Rundung ihrer Schwangerschaft bereits deutlich abzeichnete. Sie schmunzelte und schüttelte schlicht den Kopf.

„Nein, noch gar nichts“, antwortete Nami schmunzelnd und sah Hilary mit einem vergnügten Funkeln an. „Ich werde mir erst ein paar Tage direkt vor der Gala etwas Passendes besorgen. Mein Bauch ist jetzt schon so gewachsen, dass ich beim besten Willen nicht glaube, in drei Wochen noch in irgendetwas hineinzupassen, was ich mir heute kaufen würde. Jedes Kleid, das ich jetzt aussuche, wäre bis dahin garantiert viel zu eng.“

Mariah schmunzelte verständnisvoll und nickte. „Das ist wohl die absolut klügste Entscheidung. Aber egal in was du auftauchst, Nami... du wirst wunderschön aussehen. Und Kai wird wie immer keinen Blick von dir lassen können.“

Nami schmunzelte vor sich hin, neigte leicht den Kopf und blickte Hilary mit einem spitzbübischen, belustigten Funkeln in den Augen an.

„Wo wir schon beim Thema Kinder und Zukunft sind...“, schaltete sich Nami amüsiert ein und beugte sich ein kleines Stück über den Tisch. „Wie sieht das eigentlich bei dir und Tyson aus? Ist das Thema bei euch zwei noch einmal aufgekommen?“

Hilary erstarrte kurz mitten in der Bewegung. Eine zarte, aber unmissverständliche Röte stieg ihr schlagartig in die Wangen, was Mariah sofort mit einem breiten Grinsen quittierte. Hilary räusperte sich verlegen, strich sich eine Haarsträhne hinter das Ohr und sah verlegen auf ihre Teetasse hinab.

„Na ja...“, gab Hilary schließlich leise zu und druckste ein wenig herum. „Wir... wir haben vor Kurzem tatsächlich noch einmal darüber geredet. Tyson ist zwar nach wie vor felsenfest der Meinung, dass er mit seinen zwanzig Jahren definitiv noch kein Vater werden muss... er meint, wir hätten doch alle Zeit der Welt. Aber...“ Sie machte eine kurze Pause und ihr Lächeln wurde überraschend weich. „Er hat auch gesagt, dass er es sich noch einmal ernsthaft überlegen würde, wenn ich es mir jetzt schon so sehr von Herzen wünsche.“

Nami lächelte warm und verständnisvoll. Hilary hob ihren Blick, sah Nami direkt in die ozeanfarbenen Augen und stellte mit aufrichtiger Neugier eine ganz persönliche Frage: „Sag mal, Nami... wolltet ihr beiden denn überhaupt jetzt schon so früh Eltern werden?“

Nami sah Hilary einen Augenblick ruhig an. In ihrem Hinterkopf zogen kurz die Erinnerungen an die Vergangenheit vorbei... an Kais frühere, eiserne Haltung, niemals Kinder bekommen zu wollen, seine damalige Vasektomie und wie tief verletzt sie wegen dieses Themas einst gewesen war. Auch der Moment, als ihre Schwester Hana überraschend schwanger wurde und damit Namis eigenen, tief vergrabenen Kinderwunsch schlagartig in die Gegenwart katapultiert hatte, ging ihr durch den Kopf.

So schenkte Nami ihrer Freundin ein sanftes, absolut ehrliches Lächeln und legte behutsam eine Hand auf ihren Bauch.

„Nein, geplant war es für genau diesen Zeitpunkt eigentlich nicht, wie du ja bereits weißt.“, gestand Nami ehrlich und schüttelte leise den Kopf. „Ich hatte mir das Thema Mutterwerden eigentlich erst für viel später vorgestellt... aber was im Leben ist schon zu einhundert Prozent planbar? Manche Dinge passieren genau dann, wenn die Zeit reif dafür ist, selbst wenn man es vorher anders im Kopf hatte. Und heute könnte ich mir absolut nichts Schöneres mehr vorstellen.“

Hilary nickte gerührt, während Lumina wissend lächelte und Mariah leise seufzte. Der Nachmittag im Café war erfüllt von einer tiefen, vertrauten Wärme... der perfekten Mischung aus ehrlichen Geständnissen und der Vorfreude auf alles, was das Leben für die vier Frauen noch bereithielt.

Nami wandte ihren Blick schmunzelnd zu Mariah hinüber, die gelassen an ihrem Tee nippte. Ein spitzbübisches Funkeln glomm in Namis ozeanfarbenen Augen auf.

„Und wie sieht es bei euch aus, Mariah?“, hakte Nami belustigt nach und stützte das Kinn auf ihre Hand. „Wenn ich mich richtig erinnere, war das Thema Kinder bei dir und Ray doch auch schon mal im Gespräch, oder?“

Mariah verschluckte sich beinahe an ihrem Gebäck, fing sich aber schnell wieder und brach in ein weiches, leicht verlegenes Lachen aus. Sie strich sich ihr rotes Haar aus dem Gesicht und winkte lachend ab.

„Ach, du liebe Zeit“, schmunzelte Mariah und sah mit funkelnden Augen in die Runde. „Na ja... Ray und ich haben uns darauf geeinigt, dass wir die Dinge Schritt für Schritt angehen. Wir wollen nächstes Jahr erst einmal in Ruhe heiraten. Und was danach kommt... da lassen wir einfach das Schicksal entscheiden. Kein Druck, kein starrer Zeitplan.“

Sie legte den Kopf leicht schräg und ihr Lächeln wurde eine Spur tiefer, während ihr Blick sanft zu Nami glitt.

„Ehrlich gesagt... hat Kai Ray ein ganz schönes Stück weit inspiriert“, verriet Mariah mit einem liebevollen Unterton. „Ray hat gesehen, wie Kai sich verändert hat. Wie gelassen er plötzlich geworden ist, seitdem er gelernt hat, die Kontrolle ein stückweit abzugeben und dem Leben einfach seinen Lauf zu lassen. Ray meinte neulich zu mir, dass Kai ihm gezeigt hat, dass man nicht jeden einzelnen Schritt im Leben durchplanen muss, um glücklich zu werden. Wenn es passieren soll, dann passiert es eben.“

Nami spürte, wie eine wohlige Wärme ihr Herz erfüllte. Der Gedanke, dass ausgerechnet der einst so kontrollierte, unnahbare Kai Hiwatari nun als Vorbild für Gelassenheit und Gottvertrauen diente, entlockte ihr ein tiefes, glückliches Lächeln.

Draußen vor den Panoramafenstern des Cafés hielt in diesem Augenblick der dunkle, elegante Wagen. Die Tür auf der Fahrerseite öffnete sich, und Kai stieg aus... hochgewachsen, im maßgeschneiderten dunklen Mantel, die rubinroten Augen wachsam auf den Eingang des Cafés gerichtet.

Nami sah zu ihm hinaus, ehe sie ihren Blick noch einmal dankbar durch die Runde gleiten ließ. Der Nachmittag mit ihrer Cousine und ihren engsten Freundinnen ging zu Ende, getränkt mit Lachen, tiefen Geständnissen und dem unschätzbaren Gefühl von echter Verbundenheit.

Die gläserne Eingangstür des edlen Cafés öffnete sich flüsterleise. Kai trat ein.

Seine elegante, imposante Gestalt im perfekt sitzenden, dunklen Maßmantel zog augenblicklich die Blicke mehrerer Gäste auf sich. Er strahlte diese unnachahmliche, ruhige Dominanz aus, die den Raum schlagartig eine Nuance kühler wirken ließ.

Seine rubinroten Augen wanderten ohne jede Eile durch die kleine Lounge, übergingen das erstaunte Tuscheln an den Nebentischen vollkommen und verharrten schließlich punktgenau am Tisch der vier Frauen.

Er verzog keine Faser seiner markanten Züge. Ein leises, beinahe unhörbares Geräusch seiner Lederschuhe begleitete seine gemessenen, geschmeidigen Schritte, während er zielstrebig auf sie zusteuerten.

Nami beobachtete ihn durch das sanfte Licht der Lounge. Ein leises, unendlich stolzes und neckisches Seufzen entwich ihren Lippen, ehe sie sich mit einem verzauberten, diebischen Lächeln kurz zu ihren Freundinnen neigte.

„Mein Gott...“, raunte Nami leise, getränkt mit spitzbübischer Bewunderung und voller Liebe, „...schaut euch diesen Mann an. Wie kann jemand bitteschön beim bloßen Gehen so unverschämt gut aussehen?“

Hilary kicherte leise hinter ihrer Hand, während Mariah schmunzelnd den Kopf schüttelte und Lumina Kai mit einem hochamüsierten Blick empfing.

Kai trat direkt an ihren Tisch. Die Kälte, die ihn nach außen hin wie eine Rüstung umgab, glättete sich um seine Augenwinkel für den Bruchteil einer Sekunde, als sein Blick fest auf seiner Frau ruhte. Er nahm die neugierige Runde der drei Frauen stoisch zur Kenntnis, ohne sich auch nur ansatzweise aus der Ruhe bringen zu lassen.

„Wir sollten fahren, mein Schatz.“, sagte Kai mit seiner tiefen, rau-ruhigen Stimme. Er machte keine Umschweife, seine Hände ruhten gelassen in den Taschen seines Mantels.

„Draußen sammeln sich bereits die ersten Fotografen auf der anderen Straßenseite. Wir haben vielleicht noch zwei Minuten, bevor die Lage ungemütlich wird.“

Er beugte sich ein Stück zu ihr hinab, legte völlig selbstverständlich eine Hand an ihren Rücken und strich mit dem Daumen eine sanfte, besitzergreifende Bahn über ihren Stoff.

„Hast du alles?“, fügte er leise in ihre Richtung hinzu, und seine Züge wurden für diesen einen kurzen Moment nur für sie erreichbar.

Nami nickte sanft, ihre ozeanfarbenen Augen glänzten vor unbändiger Zuneigung. „Ja, ich habe alles“, antwortete sie mit leiser, geschmeidiger Stimme.

Sie stützte sich ab, stand geschmeidig von der gepolsterten Bank auf und schlang im selben Moment vollkommen selbstverständlich die Arme um seinen Nacken. Ohne zu zögern beugte sie sich zu ihm hoch und drückte ihre Lippen in einem tiefen, innigen Kuss auf die seinen. Kai ließ sich nicht zweimal bitten. Statt auszuweichen oder die Distanz zu wahren, schloss er augenblicklich die Arme um sie und drückte seine flache Hand spürbar fester gegen ihren unteren Rücken, um sie ganz nah an sich zu ziehen. Die eiskalte Unnahbarkeit, die ihn noch eine Sekunde zuvor umgeben hatte, löste sich in der Berührung mit ihr augenblicklich auf.

Ein leises Tuscheln ging durch das Café. Lumina, die das Spektakel entspannt beobachtete, entging die Reaktion der Tischnachbarn keineswegs. Am Nebentisch saßen zwei jüngere Frauen, die Kai mit offenem Mund und einem unmissverständlichen Gemisch aus Neid, Bewunderung und purer Faszination anstarrten. Lumina unterdrückte ein schallendes Lachen, nippte betont langsam an ihrem Wasserglas und blickte amüsiert zu Hilary und Mariah hinüber, die das gewohnte Schauspiel ebenfalls mit einem wissenden Schmunzeln quittierten.

Als Kai sich langsam wieder von Namis Lippen löste, verharrte sein Blick noch für einen Herzschlag lang auf ihrem Gesicht. Seine Züge waren weich geworden, nur für sie sichtbar, ehe er sich wieder aufrichtete und die Kälte in seinen roten Augen wie ein Schutzschild zurückkehrte.

Sein Blick wanderte aufmerksam über die Runde am Tisch. „Kommt ihr alle gut nach Hause?“, fragte er mit seiner kühlen Stimme und warf einen kurzen Blick durch die Panoramafenster. Draußen begann der Himmel bereits in ein dunkel schimmerndes Blauviolett überzugehen.

„Es wird langsam dunkel draußen, und um diese Uhrzeit ist es hier in den Straßen aufgrund der vielen Bars nicht unbedingt ungefährlich.“

Mariah lächelte dankbar über seine Umsicht. „Mach dir keine Sorgen, Kai. Ray holt Hilary und mich später ab. Wir bleiben sowieso mindestens noch eine Stunde hier.“

Kais Blick wanderte weiter und blieb fragend auf Lumina haften. Namis Cousine begegnete seinen roten Augen mit einem gewohnt selbstbewussten Grinsen und winkte gelassen ab. „Bei mir ist auch alles in Ordnung. Ich komme bestens klar, Kai.“

Er nickte nur knapp als stumme Bestätigung. „Verstanden.“, verabschiedete sich Kai schließlich mit höflicher Beiläufigkeit.

Nami wandte sich noch einmal um, warf ihren Freundinnen ein strahlendes Winken zu und raunte voller Wärme: „Wir sehen uns ganz bald wieder, Mädels! Passt auf euch auf!“

Kai schob schützend seinen Arm um Namis Taille, führte sie behutsam, aber mit kompromissloser Entschlossenheit durch das Café und schirmte sie vollkommen von den neugierigen Blicken der anderen Gäste ab.

Draußen vor der Tür erwartete sie bereits die Frische des späten Nachmittags, die sich mit der heraufziehenden Abendkühle mischte. Er öffnete ihr aufmerksam die Tür des schwarzen Wagens und stellte sicher, dass seine schwangere Frau wohlbehalten im Innenraum Platz nahm.

Nachdem er die Fahrertür geschlossen hatte und sich neben sie hinter das Steuer setzte, um den Motor zu starten, warf er ihr einen seitlichen Blick zu. Ein kaum merkliches, trockenes Schmunzeln stahl sich auf seine Lippen.

„Und was war das gerade für ein kleiner emotionaler Ausbruch vor versammelter Mannschaft?“, fragte er neckisch, aber mit gewohnt ruhigem Tonfall, während der Wagen sanft anrollte.

Nami lachte kurz leise auf, lehnte ihren Kopf entspannt an die Kopfstütze und blickte ihn aus dem Augenwinkel mit einem schelmischen Funkeln an.

„Ach... ich wollte eben auch mal eine dieser Machtdemonstrationen ausprobieren, die du sonst immer so erschreckend gut drauf hast.“