Kontrollverlust Nummer Drei
Kontrollverlust Nummer Drei
Trigger: Sexualität
Talas Finger krallten sich in ihr silbrig weißes Haar, und der Kuss auf dem dunklen Hotelflur verlor jede Spur von Beherrschung. Die eisige Disziplin, die er sonst wie einen Schild vor sich her trug, zersprang in tausend scharfe Scherben. Lumina keuchte auf, als seine Lippen sich noch gieriger, noch fordernder auf ihre legten. Ein Schauer jagte über ihre Haut, der sie bis in die Fußspitzen erzittern ließ.
„Tala…“, hauchte sie für einen Hauch von einer Sekunde gegen seinen Mund, den Blick verschwommen von der plötzlichen Hitze, die ihren Körper überflutete.
„Gleich… links… Nummer 408… Karte... in meiner Hosentasche... “
Anstatt zu antworten, drückte er sie noch fester gegen die kühle Wand, schob eine Hand unter den Saum ihrer leichten Jacke und tastete mit rauem Griff nach der Schlüsselkarte in ihrer Hosentasche. Seine Küsse brannten wie Feuer.
Mit einer einzigen, flüssigen Bewegung zog er die Karte heraus. Er ließ Lumina runter auf die Füße, drängte sie ohne ein Wort von der Wand weg, entriegelte das Schloss und stieß die Tür zu Zimmer 408 auf.
Er schob Lumina drängend hinein.
Kaum war die schwere Tür hinter ihnen ins Schloss gefallen, brach die aufgestaute Abwesenheit der letzten zwei Monate vollends über sie herein.
Der Kuss, der folgte, war roh und besitzergreifend. Seine Hände fuhren über ihre Taille, zogen sie so dicht an seinen durchtrainierten Körper, dass kein Blatt Papier mehr zwischen sie gepasst hätte. Lumina schlang die Arme fester um seinen Nacken, grub die Fingernägel in den Stoff seiner Jacke und zog ihn nur noch näher heran. Ihr Atem ging stoßweise, ihr Herz hämmerte wie wild gegen ihre Rippen.
„Du hast... keine Ahnung, was du mit mir machst…“, knurrte Tala tief gegen ihren Hals, während seine Lippen eine Spur aus heißen, verlangenden Küssen über ihre Kieferlinie bis hinab zu ihrem Schlüsselbein zogen.
Lumina warf den Kopf in den Nacken, ein leises, atemloses Stöhnen entwich ihren Lippen. Die kühle, strahlende Fassade, die sie sonst so perfekt beherrschte, war völlig aufgelöst in der Intensität dieses Augenblicks.
„Dann zeig es mir…“, raunte sie, ihre magentafarbene Augen glühten im Dämmerlicht des Zimmers, während seine Hände rasch unter ihren Stoff griffen und ihre Kleidung in hektischen Bewegungen zu Boden gleiten ließen.
Kaum war Lumina nur noch in ihrem Slip bekleidet, riss Tala sie herum, um sie vorwärts gegen einen kleinen schmalen Beistelltisch an der Wand zu drängen. Lumina spürte, wie die glatte Kante sich in ihre Oberschenkel grub, während ihre Finger nach Halt auf der polierten Oberfläche suchten. Ehe sie sich richtig orientieren konnte, ließ Tala seine Hose herunter, drängte sie noch weiter nach vorne, schob ihren Slip zur Seite und drang mit einem tiefen Stoß in sie ein.
Lumina stöhnte laut auf und stützte sich mit beiden Händen vorne am Tisch ab. Durch den plötzlichen Ruck fiel eine kleine Plastikvase auf der Oberfläche um und rollte mit einem hohlen Klappern zu Boden.
Tala schloss keuchend die Augen; die extreme Intensität, die Enge und das schlagartige Gefühl dieser barrierelosen Verschmelzung kosteten ihn fast den Verstand.
Die dunkle, kompromisslose Seite in ihm übernahm vollkommen die Führung. Seine Stöße wurden sofort schnell, unbarmherzig und zusehends rücksichtsloser. Er nahm sich genau das, wonach ihn zwei Monate lang gezehrt hatte, ohne jede Zurückhaltung.
Lumina schluchzte und stöhnte erregt auf und stachelte ihn nur noch weiter an. Mit erstickter, heiserer Stimme stöhnte sie ihm schmutzige, fordernde Worte entgegen und drückte ihr Gesäß bei jedem Aufprall noch tiefer entgegen, während sie sich selbst komplett in der gewaltigen Erregung verlor.
Tala zog sie bei jedem einzelnen, kraftvollen Stoß wieder ein Stück zu sich zurück, nur um wieder vollkommen in ihr zu versinken. Die Bewegungen waren direkt, fordernd und von einer ungezähmten Dringlichkeit getrieben, die sich über Wochen angestaut hatte.
Lumina krallte die Hände in die Tischecken. Ihr Körper bebte bei jedem Aufprall, jede Faser in ihr antwortete auf seine Härte. Sie presste sich ihm entgegen, suchte aktiv die Reibung und den tiefen Druck, den nur er ihr geben konnte.
Das freche, herausfordernde Grinsen, das sie sonst so mühelos trug, war einer Maske aus purer, atemloser Hingabe gewichen. Ihre magentafarbene Augen waren halb geschlossen, der Blick schleierhaft vor Wonne.
„Hör… nicht auf… Gott... Tala... “, brachte sie stoßweise heraus, während die Hitze im Zentrum ihres Körpers mit jedem Stoß steiler und unaufhaltsamer nach oben schnellte.
Tala packte ihre Hüfte mit einer Hand noch fester, drückte seine Fingernägel fast spürbar in ihre helle Haut, um sie exakt in dem Winkel zu halten, der sie beide um den Verstand brachte. Seine Wucht ließ den kleinen Tisch laut gegen die Wand klopfen, doch keiner von beiden registrierte es noch.
Er beugte sich weiter über sie, bis sein Brustkorb sich gegen ihren nackten Rücken presste, während sein Unterleib unvermindert den Takt angab. Der Rausch war vollkommen... eine kompromisslose Entladung aus Leidenschaft, Besitzanspruch und dem tiefen Verlangen zweier Seelen, die sich im Chaos wiedergefunden hatten.
Irgendwann zog sich Tala mit einem feuchten, schmatzenden Geräusch vollkommen aus ihr zurück. Lumina entglitt ein atemloser Schluchzer des Protests, doch noch ehe sie durchatmen konnte, packte er sie fest an den Hüften, drehte sie schwungvoll um und wuchtete sie rücksichtslos rücklings auf das schmale Tischchen.
Ohne ihr auch nur eine Sekunde Pause zu gönnen, griff er nach ihren Beinen und drückte sie steil nach oben, sodass ihre Schenkel weit gespreizt zum Teil auf seinen breiten Schultern lagen. Tala sah ihr kurz mit einem dunklen, eiskalten und doch von purer Lust verbrannten Blick direkt in die magentafarbene Augen, ehe er ohne Zögern wieder hart und tief in sie eindrang.
Lumina warf den Kopf zurück, gegen die Wand. Bei jedem einzelnen seiner harten, unbarmherzigen Stöße knallte das Beistelltischchen erneut rhythmisch und lautstark gegen die Wand hinter ihr, sodass das Holz protestierend vibrierte.
Ihr schluchzender Atem wurde immer dringlicher, unregelmäßiger und völlig ungehalten, während jede Faser ihres Körpers von der Wucht seiner Bewegungen erschüttert wurde.
Als Tala sich noch enger an sie presste und ihre schlanken Beine mit unbeugsamer Kraft nur noch steiler an ihre Brust drückte, schloss sich der Winkel so eng, dass es ihr schier die Luft abschnürte.
Er beugte sich drückend über sie und verschlang ihre Lippen erneut in einem wilden, gierigen Kuss, der ihre erstickten Schreie direkt von ihrem Mund raubte. Die Hitze zwischen ihren Körpern war erdrückend, jede Zurückhaltung vollständig verbrannt.
„Du... bist mein... verdammter Untergang…“, presste Tala heiser und rau zwischen zusammengepressten Lippen hervor, ehe er das Tempo noch weiter an zog und sie vollkommen in den Abgrund der gemeinsamen Lust riss.
Tala wollte jede einzelne Facette ihres Kontrollverlusts mit eigenen Augen verbrennen sehen. Lumina hatte den Kopf erneut zurück gegen die Wand gelehnt, völlig zerschlagen von der Gewalt seiner Stöße. Ihr Blick war glasig, weit aufgerissen und schleierhaft vor Überreizung; sie versuchte verzweifelt, seinen Blick zu halten, doch die schiere Intensität ließ ihre Pupillen flackern. Ihr schönes Gesicht war verzerrt in reinster, ungefilterter Extase.
Dieser Anblick berauschte ihn massiver als jeder Sieg, den er jemals errungen hatte.
Ihre absolute Hingabe, ihre rasende Erregung und die totale Kapitulation ihres zarten Körpers gegen seine Härte und Brutalität fuhren ihm wie ein elektrischer Schlag durch die Adern. Tala hatte nie geahnt, wie verdammt berauschend es sein konnte, eine Frau so vollkommen um den Verstand zu bringen. Sie hilflos in reinster Extase versinken zu lassen, bis absolut nichts mehr von ihrer gewohnten Haltung übrig war.
In der Vergangenheit war alles anders gewesen. Seine rücksichtslose, eiskalte Ader hatte genau wie früher bei Kai, stets nur dazu gedient, junge Mädchen von sich zu stoßen, sie psychisch und physisch nicht nur zu dominieren, sondern kaltblütig zu ruinieren.
Aber Lumina... Lumina war das genaue Gegenteil. Sie wich nicht zurück. Sie verlangte nach genau dieser Härte. Sie hatte nicht den geringsten Hauch von Angst vor ihm... sie verzehrte sich nach dem Abgrund, den er ihr bot.
Und doch war es in dieser Nacht völlig anders als beim ersten und zweiten Mal mit ihr. Damals war er distanzierter gewesen; beim ersten Mal war es ihm scheißegal gewesen ob sie überhaupt auf ihre Kosten kam. Er hatte in jener Nacht nicht einmal das Bedürfnis verspürt, sie auch nur ein einziges Mal zu küssen. Und nach ihrer zweiten Nacht hatte er nur bitter über sich selbst und diese verdammte Situation, seinen erneuten Kontrollverlust, sowie der Aufgabe sämtlicher Prinzipien geflucht und war überstürzt vor ihr geflüchtet.
Doch jetzt gab es kein Entkommen mehr. Er war längst verdammt süchtig nach ihr, wollte ihr bereits vorhin auf dem Dach in den Aufzug nachjagen und verpasste sie nur um Sekunden. Sekunden in denen er den Knopf für genau diese Etage aufleuchten sah bevor die Türen sich schlossen, in diesem Hauch all seine verbliebenen Prinzipien über Bord warf und das Treppenhaus hinunter rannte.
Jetzt genoss er ihre totale Hingabe in vollen Zügen... das innere Krampfen ihres Körpers um seine Härte, das hilflose Beben ihrer Oberschenkel und die unkontrollierten Schreie, die sie voller Extase aus ihrem zarten Mund stieß.
Er bekam einfach nicht mehr genug davon.
Er griff mit rauem, unerbittlichem Griff nach ihrem Kinn, drückte seine Finger spürbar in ihre Haut und zwang ihren Kopf weiter nach oben, um ihren verschleierten, flackernden Blick noch direkter auf sich zu lenken.
Luminas magentafarbene Augen waren feucht vor Erregung, die Iris glänzte im schwachen Licht, während ihre Wangen in tiefem Rot brannten. Sie schluchzte stöhnend auf, schien kaum noch vernünftig Luft zu bekommen und stammelte hilflos, fast flehend seinen Namen: „Tala... Gott... Tala...“
Sie schien regelrecht dahin zu schmelzen und das trotz der Härte seiner Stöße.
Als er spürte, wie sie unter seinem festen Griff völlig den Fokus verlor, trieb er das Tempo noch weiter auf die Spitze. Seine Stöße wurden noch schneller, härter und unbarmherziger. Er genoss den Anblick ihrer sich verdrehenden Augen... das absolute Scheitern ihres Verstandes an der Gewalt der Erregung.
Tala presste die Kiefer so fest aufeinander, dass die Muskeln an seinen Wangen hervortraten, als das plötzliche, heftige Krampfen ihrer Enge ihn eng umschloss.
Luminas erstickte Schluchzer wurden für einen Sekundenschlag fast panisch, als die Welle sie vollkommen überrollte, ehe der Schock der Erlösung ihren Widerstand brennglasartig zerschlug und ihre Laute in rhythmisch abgehakte, unkontrollierte Schreie übergingen, die unverhüllt durch das dunkle Zimmer hallten.
Aber Tala dachte gar nicht daran, jetzt aufzuhören. Er stieß unnachgiebig weiter, verweigerte sich dem eigenen Höhepunkt, weil das Verlangen, sie völlig zu brechen, seine Sinne vollkommen beherrschte. Er wollte sie bis an die Grenze treiben... ihr mit einem weiteren, noch zerstörerischeren Orgasmus sprichwörtlich die Lichter ausknipsen und sie in der reinen Intensität seiner Härte komplett ruinieren.
Seine Bewegungen verloren jede verbliebene Rhythmik und wurden zu einer einzigen, ununterbrochenen Wucht. Luminas gellende Schreie mischten sich mit verzweifelten, überforderten Schluchzern, während sie ihre Fingernägel schmerzhaft tief in die angespannten Muskeln seiner Oberarme krallte.
Durch die minutenlange, fast aufrechte Position, in der er ihre Schenkel steil gegen ihren Oberkörper presste, war der Winkel so extrem und die Stimulation an ihrem inneren Punkt so gnadenlos, dass ihr Körper gar keine Wahl mehr hatte. Der erste Orgasmus ging ohne eine einzige Sekunde der Linderung direkt in den nächsten über. Die Wellen überschlugen sich so schnell und gewaltsam, dass es sich für Lumina wie ein einziger, endlos scheinender Rausch anfühlte, der ihr gesamtes Nervensystem vollkommen durchbrennen ließ.
Sie war der Wucht seiner Stöße schutzlos ausgeliefert, gefangen in einer Kaskade aus purer Überwältigung, während das Tischchen weiter unaufhörlich gegen die Wand krachte.
Tala spürte das unkontrollierte Zittern, das durch ihren gesamten Körper fuhr, und das enge, rhythmische Krampfen in ihrem Inneren, das selbst nach diesem zweiten Ausbruch einfach nicht nachließ. Ihre Muskeln zuckten unwillkürlich um ihn herum, völlig gefangen in den Nachwehen der unbarmherzigen Überstimulation.
Er beugte sich nach vorne, versenkte seine Zähne heftig in ihren empfindlichen Halsansatz und biss unnachgiebig zu.
Gleichzeitig schob er ihre schlanken Beine nach außen weg und stemmte sich mit beiden Händen wuchtig an der Wand direkt neben ihren Schultern ab. Dadurch veränderte sich die Haltung schlagartig: Ihre Beine baumelten nun hilflos und weit geöffnet über seinen breiten Armbeugen.
Der Winkel veränderte sich drastisch, und mit einem letzten, unbarmherzigen Stoß trieb er sich bis zum absoluten Anschlag in sie hinein. Lumina schrie ein letztes Mal lang, heiser und voller unendlicher Erregung auf, als der Schmerz des Bisses und der extreme Druck in ihr aufeinandertrafen. Im selben Bruchteil einer Sekunde brach auch Talas eigene Beherrschung endgültig entzwei: Mit einem tiefen, rauen und lautstarken Stöhnen entlud er sich tief in ihrem Inneren, während er den festen Biss an ihrem Hals keinen Millimeter lockerte und die verbliebene Welt um sie herum vollkommen versank.
Tala verharrte schwer atmend tief in ihr, während er den Biss an ihrem Hals nur langsam, Millimeter für Millimeter löste. Der Abdruck seiner Zähne zeichnete sich scharf und tiefrot auf ihrer blassen Haut ab... eine deutliche Marke, die er ihr eingeprägt hatte.
Lumina war körperlich vollkommen zerschlagen. Sie saß schwer zitternd auf dem schmalen Beistelltisch, ihre Oberschenkel zuckten unwillkürlich nach, und sie fand schlichtweg kaum Worte für das, was sich gerade entladen hatte. Keuchend rang sie nach Luft, ihr Brustkorb hob und senkte sich rasend schnell, ehe ihr verschwommener Blick ganz langsam wieder an Schärfe gewann und sich die Konturen des abgedunkelten Raumes wieder zusammensetzten.
Tala lehnte die Stirn gegen die kühle Wand direkt neben ihrem Kopf.
Seine Bauchmuskeln bebten, während auch er mit aller Macht versuchte, seinen außer Kontrolle geratenen Atem wieder zu bändigen.
Es war schon wieder passiert.
Die Kontrolle war ihm komplett entglitten... erneut zerschmettert an der gewaltigen Wucht ihrer Anziehung. Und doch... fühlte es sich in diesem Moment seltsamerweise weniger beängstigend an als noch beim letzten Mal. Die Panik vor der eigenen Machtlosigkeit wich einer finsteren, unumstößlichen Erkenntnis:
Er wollte sie. Er hatte es mit jeder Faser seines Körpers gespürt.
Tala hatte in seinem bisherigen Leben noch nie jemanden wirklich gewollt. Frauen waren für ihn stets austauschbar, emotional bedeutungslos und nicht mehr als ein Mittel zum Zweck oder ein Ärgernis gewesen.
Doch Lumina war anders. Er musste sich in der Stille dieses Raumes sogar zähneknirschend eingestehen, wie rasend eifersüchtig er gewesen war, als er sie vorhin im Restaurant an der Seite von Elias gesehen hatte... noch bevor er überhaupt erfahren hatte, dass dieser Kerl lediglich ihr Cousin war. Er hatte den Typen auf der Stelle mit bloßen Händen in Stücke reißen wollen.
War das also wirklich Eifersucht?
Tala kannte dieses Gefühl schlichtweg nicht. Es war ihm völlig fremd, fremde Männer nur für ihren bloßen Blick auf eine Frau vernichten zu wollen. Doch bei Lumina brannte dieses Besitzdenken so tief in ihm, dass es ihn beinahe auffraß.
Erst als Lumina sich vorsichtig bewegte, schreckte er aus seinen finsteren Gedanken auf. Ihre feinen Finger hoben sich langsam und strichen ihm sanft, fast schwerelos über die angespannten Oberarme.
Tala hob den Kopf. Im Halbdunkel des Raumes starrte er ihr entgegen, während sie den Blick suchte und sich ihm entgegenstreckte, um ihm einen sanften, leisen Kuss auf die Lippen zu drücken. Doch die Überforderung mit seinen eigenen Gefühlen saß noch zu tief. Reflexartig, ohne dass sein Verstand es bewusst steuern konnte, drehte er den Kopf zur Seite.
Ihre weichen Lippen trafen nicht seinen Mund, sondern streiften lediglich seine raue Wange.
Er hatte es nicht einmal mit Absicht getan. Es war eine reine Schutzreaktion seines Körpers gewesen. Trotz der klaren Erkenntnis, dass er sie wollte, schüchterte ihn die schiere Macht dieser Bindung ein. Monatelang hatte er jedem, der es gewagt hatte, ihn wegen Lumina aufzuziehen, eiskalt gesagt, dass sie ihm vollkommen egal sei... dass sie nur eine Wilde Fahrt auf einer Achterbahn sei, eine kleine Hexe und ein dämliches Frauenzimmer. Er hatte ihr damals klipp und klar gemacht, dass sie nur diese harten Nächte von ihm bekommen würde. Und sie... sie hatte es verstanden und ihm damals versichert, dass auch sie nur die Fahrt dieser sündigen Achterbahn genoss und keineswegs auf mehr aus war.
Und jetzt stand er hier im Dämmerlicht des Zimmers, unfähig, ihren sanften Kuss anzunehmen, weil die Realität seiner eigenen Emotionen ihn völlig erschlug.
Tala zog sich abrupt von ihr zurück. Mit schnellen, fast mechanischen Bewegungen griff er nach seiner Boxershorts und seiner Hose, streifte beides über und schloss den Gürtel, während er den Blick strikt von ihr abwandte. Seine Züge wirkten im Dämmerlicht gewohnt wie aus Stein gemeißelt. Er versuchte vergebens, die Mauer erneut wieder aufzubauen, die in den letzten Minuten so spektakulär in Stücke gebrochen war. Seine eiskalte, kühle Distanz sollte ihm die Kontrolle zurückgeben... genau wie vor zwei Monaten.
„Hast du jetzt eigentlich ein Abo darauf?“, ertönte Luminas Stimme leise aus dem Schatten.
Tala hielt mitten in der Bewegung inne. Seine Muskeln spannten sich noch weiter an, als er den Kopf langsam zu ihr herumdrehte und sie aus finsteren Augen ansah.
Lumina saß noch immer auf dem schmalen Tischchen. Ihr freches Schmunzeln blitzte kurz auf, doch in ihren magentafarbene Augen lag ein feiner, wissender Glanz.
„Hängst du wieder den kühlen Lord heraus, greifst dir deine Klamotten und haust morgen früh direkt wieder ab nach Russland? Wenn ich mich recht entsinne, hatten wir exakt dieses Theater vor zwei Monaten schon einmal.“
Sie machte eine fließende Bewegung um vom Tisch herab auf den Boden zu gleiten, doch in dem Moment, in dem ihre Füße das Parkett berührten, versagten ihre nachzitternden Oberschenkel den Dienst. Lumina musste sich hektisch mit einer Hand an der Tischkante festklammern, um nicht einfach in sich zusammen zu sacken.
Ein leises, fast hilfloses Seufzen entwich ihren Lippen. Sie schloss für einen langen Augenblick die Augen und biss sich fest auf die Unterlippe, während ihr Körper vergeblich versuchte, gegen die physische Zerschlagenheit anzukämpfen.
Talas Kiefer mahlen hörbar, doch er machte keinen Schritt auf sie zu. Er beobachtete nur starr, wie sie dort stand.
Als Lumina die Augen wieder öffnete, lag der spöttische Unterton für einen Moment nicht mehr in ihrer Stimme.
„Weißt du...“, begann sie leise, während sie noch immer die Tischecke umklammert hielt, „ich konnte die letzten Wochen schlichtweg nicht aufhören, von diesen Nächten mit dir zu träumen. Es hat mich schier um den Verstand gebracht.“
Sie sah ihm direkt in die eisblauen Augen.
„Aber ich halte dich ganz sicher nicht auf, wenn du schon wieder flüchten willst. Scheint ja mittlerweile deine Lieblingsgewohnheit zu werden, sobald es brenzlig wird.“
Tala stieß ein raues, bitteres Auflachen aus, das keinerlei Erheiterung barg. „Und was verdammt noch mal erwartest du sonst von mir, Lumina?“, knurrte er heiser, schob die Hände in die Taschen seiner Hose und trat einen Schritt auf sie zu.
„Soll ich hier bleiben? Händchen halten? Mit dir kuscheln?“
Ein ehrliches, leises Lachen entwich Luminas Kehle. Der feine Spott kehrte in ihre Züge zurück, doch ihre magentafarbene Augen brannten ungebrochen.
„Nun... das wäre nach deiner unbarmherzigen Vorstellung von eben jedenfalls mal eine äußerst amüsante Abwechslung“, meinte sie amüsiert, ehe ihr Blick weicher wurde. Sie hielt kurz inne, strich sich eine silbrige Haarsträhne aus dem verschwitzten Gesicht und fügte leise, aber unverblümt hinzu:
„Sicher erwarte ich so etwas nicht von dir, Tala. Aber... ich wäre offen dafür, dass du bleibst.“
Tala starrte sie für einige lange, zähe Sekunden an. Sein Kiefer war so fest angespannt, dass der Muskel an seiner Wange deutlich hervortrat. In seinen eisblauen Augen arbeitete es sichtbar... ein stummer Kampf zwischen dem gewohnten Impuls, die Tür hinter sich zuzuschlagen, und dem unbarmherzigen Sog, den diese Frau auf ihn ausübte.
Er stieß einen tiefen, rauen Seufzer aus, der mehr wie ein wütendes Knurren klang.
Ohne den Blick auch nur eine Sekunde von ihr abzuwenden, griff er an seinen Gürtel, öffnete ihn mit einer harten, fast aggressiven Bewegung und streifte die Hose wieder von den Hüften. Es war kein romantisches Entkleiden; es war die stumme, wütende Kapitulation vor seinem eigenen Verlangen.
Er kickte das Kleidungsstück mit dem Fuß zur Seite und trat mit zwei großen Schritten wieder direkt vor sie.
Ehe Lumina auch nur blinzeln konnte, griff seine Hand nach ihrem Kinn. Mit unbeugsamem Griff zwang er ihren Kopf nach oben, sodass sie seinem finsteren Blick nicht ausweichen konnte.
„Bilde dir verdammt noch mal nichts darauf ein, Lumina“, knurrte er heiser, während sein Blick brennend auf ihren Lippen lag. „Ich bin nicht dein verdammter Tröster. Und ich werde ganz sicher nicht anfangen, mit dir über irgendwelche verweichlichten Emotionen zu quatschen.“
Lumina verzog die Lippen zu einem leisen, unbeeindruckten Schmunzeln, doch ehe sie etwas erwidern konnte, schob Tala seinen anderen Arm nahtlos unter ihre Kniekehlen und hob sie mit einer einzigen, mühelosen Bewegung vom Boden hoch.
Lumina entglitt ein kleiner, überraschter Laut, und reflexartig schlang sie die Arme um seinen Nacken. Sie spürte die enorme Hitze, die immer noch von seinem nackten Körper ausging, und das rasende Hämmern seines Herzens an ihrer Brust... ein klarer Beweis dafür, wie sehr diese Situation ihn in Wahrheit aufwühlte.
Ohne ein weiteres Wort trat Tala an das große Doppelbett heran, ließ sie etwas forsch auf die weiche Matratze gleiten und folgte ihr direkt. Er legte sich an ihre Seite und zog sie mit einem rauen, besitzergreifenden Griff dicht an seine breite Brust, sodass ihr Kopf auf seiner Schulter lag und sie seinen unregelmäßigen Atem an ihrer Stirn spürte. Seine Hand vergrub sich starr in ihrem silbrigen Haar und hielt sie fest verankert.
Lumina kuschelte sich enger an ihn, ließ einen langen, erschöpften Atemzug entweichen und blickte aus ihren flackernden, magentafarbenen Augen zu ihm auf.
„Das vorhin… war übrigens absolut unglaublich, Tala“, hauchte sie heiser und legte ihre zitternde Hand auf seine Brust, wo sie spüren konnte, wie ihr eigener Körper noch immer unter den Nachwehen der Intensität bebte. „Ich zittere verdammt noch mal immer noch am ganzen Körper.“
Tala spürte das feine, unwillkürliche Zucken in ihren Muskeln an seiner Seite. Seine Hand, die starr in ihrem silbrigen Haar lag, krallte sich noch einen Hauch fester in die seidenen Strähnen... eine stumme Bestätigung, dass ihr Geständnis sein Ego auf dunkle Weise traf
„Halt einfach den Mund und schlaf“, brummte er dunkel gegen das Dämmerlicht des Zimmers an, während seine Züge im Schatten unlesbar blieben.
Lumina schloss die Augen, presste ihr Gesicht an seine warme Haut und lächelte stumm.
Ein kühles, graues Morgenlicht drängte durch die Ritzen der Vorhänge in Zimmer 408. Die Uhr auf dem Nachttisch zeigte punkt neun Uhr, als ein abruptes, hölzernes Klopfen die Stille des Zimmers durchbrach.
Tala schlug augenblicklich die Augen auf. Der Schlaf hatte ihn erst in den frühen Morgenstunden eingeholt, und sein Körper brauchte ein paar Bruchteile von Sekunden, um sich zu orientieren. Lumina lag noch immer tief und fest schlafend in seinen Armen, den Kopf an seiner Schulter gebettet.
Erst jetzt, im kühlen Licht des Tages, wurden die deutlichen Spuren der vergangenen Nacht auf ihrer blassen Haut sichtbar: Der tiefe, rot-blaue Abdruck seiner Zähne zeichnete sich scharf an ihrem Halsansatz ab, und feine, dunkle Flecken an ihren Armbeugen, Hüften und Oberschenkeln zeugten von der unbarmherzigen Härte seines Griffs.
Als es zum zweiten Mal vehement an der Tür klopfte, entwich Tala ein leises, wütendes Fluchen auf Russisch.
Vorsichtig, um Lumina nicht zu wecken, schob er ihren Körper zur Seite. Er stand auf und schritt durchs Zimmer. Nur in Boxershorts bekleidet, riss er die Tür auf, noch ehe das Holz zum dritten Mal erzittern konnte.
Auf der Schwelle stand Elias.
Dieser erstarrte mitten in der Bewegung, die Hand noch halb erhoben, und starrte Tala mit leicht perplexem, völlig überraschtem Blick entgegen.
Tala erwiderte den Blick ohne jede Regung. Er baute sich mit breiten Schultern im Türrahmen auf, verschränkte die Arme vor der nackten Brust und sah stoisch auf ihn herab.
„Was willst du?“, fragte er mit einer Stimme, die rauer und dunkler klang als sonst.
Verunsichert trat Elias einen halben Schritt zurück und warf einen schnellen Blick auf die metallene Zahl an der Tür, um sicherzugehen, dass er sich nicht im Stockwerk geirrt hatte: 408. Er lag richtig.
Tala zog die Braue leicht nach oben, während sein Blick unverändert eiskalt blieb.
Elias brauchte einen Moment, um die Situation zu sortieren. Seine Augen wanderten von Talas nacktem, durchtrainiertem Oberkörper zu den finsteren Zügen des Russen, ehe sich seine Stirn schlagartig aufhellte.
„Du…“, kam es Elias langsam über die Lippen, während bei ihm der Groschen fiel. „Tala Valkov. Deswegen kamst du mir gestern an der Bar so verdammt bekannt vor! Das Licht war grottig und mein Jetlag mörderisch, aber du hättest mir gestern Abend ruhig sagen können, wer du bist, als wir geredet haben.“
„War nicht nötig“, erwiderte Tala ohne jede Regung in der Stimme. Seine Haltung im Türrahmen glich einer undurchdringlichen Mauer. „Was willst du hier? Es ist neun Uhr morgens.“
Elias hob leicht die Hände, auch wenn ihm die Verwirrung noch ins Gesicht geschrieben stand. „Ich wollte Lumina eigentlich nur zum Frühstück abholen, damit wir uns danach gemeinsam den Campus ansehen können.“
Er neigte versuchsweise den Kopf, um an Talas breiter Schulter vorbei ins abgedunkelte Zimmer zu linsen.
Tala machte sofort einen minimalen Schritt zur Seite, versperrte die Sicht komplett und sah stoisch auf ihn herab obwohl Elias und er fast gleich groß waren. „Sie schläft.“
Elias registrierte die extreme Beschützerhaltung und das unverhüllte Besitzdenken in Talas Blick sofort. Ein leises, amüsiertes Schmunzeln schlich sich auf seine Züge. Lumina hatte ihm zwar erzählt, dass Tala stur und ungemütlich sein konnte, aber diesen Kerl morgens an ihrer Hoteltür vorzufinden, war eine ganz andere Hausnummer.
„Alles klar, ich verstehe“, meinte Elias gelassen und steckte die Hände in die Taschen seiner Hose. „Ich wusste ja nicht, dass du hier bist.“ Er sah Tala direkt in die Augen, völlig unbeeindruckt von der eiskalten Aura des Russen. „Sag ihr einfach, ich warte unten in der Lobby auf sie. Sag ihr, sie soll sich ruhig Zeit lassen.“
Tala verzog keine Miene, doch die Muskeln an seinem Kiefer spannten sich spürbar an. „Das werde ich ihr sicher nicht ausrichten. Verschwinde.“
Elias schmunzelte nur leicht über die kühle Ansage, nickte gelassen und wandte sich ab.
„Wir sehen uns sicher später, Tala.“
Ohne eine weitere Silbe zu verschwenden, zog Tala die schwere Hoteltür mit einem satten Geräusch zu. Er blieb einen Augenblick im dunklen Flur des Zimmers stehen, lehnte den Rücken gegen das kühle Holz und atmete tief durch.
Der kurze Vorfall hatte seinen Puls bereits wieder nach oben getrieben. Sein Blick wanderte hinüber zum Bett, wo Lumina sich leise seufzend in den Kissen drehte und die Decke ein Stück von ihren gezeichneten Schultern gleiten ließ...