Oh, du Fröhliche
Oh, du Fröhliche
Zwei Tage nach dem klärenden Gespräch in der Eingangshalle lag eine spürbar veränderte, fast schon reinigende Ruhe über dem Ayame-Anwesen. Kai hatte sein Wort gehalten... ohne Vorbehalte, ohne schönfärbende Filter.
Er hatte sich am nächsten Morgen mit Nami in sein Arbeitszimmer zurückgezogen und ihr das gesamte Ausmaß der Bedrohung offengelegt. Er zeigte ihr die hochkomplexen Berechnungen und Datenanalysen, die Kenny in den letzten Wochen ausgearbeitet hatte.
Die zentralste und zugleich erstaunlichste Erkenntnis dabei war die KI-Analyse bezüglich des ungeborenen Kindes gewesen:
Kenny hatte herausgefunden, dass die energetische Anomalie, hinter der Boris’ Lakai Sobolev so besessen her war, ein vollkommen neues, mächtiges Bit-Beast bildete. Es war eine Entität, die bereits jetzt tief in der Seele des Kindes in ihrem Mutterleib schlummerte. Kennys Algorithmen hatten offengelegt, dass dieses Bit-Beast durch die außergewöhnliche Verschmelzung und Resonanz von Kais und Namis eigenen Bit-Beast-Auren im Moment der Zeugung erschaffen worden war.
Nami war im ersten Augenblick tief überrascht gewesen... genau wie Kai, als er das erste Mal davon erfahren hatte. Doch als der erste Schock verflogen war, fügte sich für sie plötzlich jedes einzelne Puzzleteil zusammen. Die ungewöhnliche Stärke in ihrem Bauch, die feinen Energieschwankungen, die sie in den letzten Wochen gespürt hatte, und selbst die unheimliche Faszination, die Sobolev für ihren Schwangerschaftsverlauf hegte... alles machte nun auf eine fast ehrfurchtgebietende Weise Sinn.
Nami war unendlich erleichtert, nicht mehr im Dunkeln zu tappen. Die Ungewissheit hatte an ihren Nerven gezehrt, doch das reine Wissen verlieh ihr wieder ihre gewohnte, innere Stärke. Sie war nun selbst wachsam, hielt die Augen nach verdächtigen Bewegungen in ihrer Umgebung offen und fühlte sich an Kais Seite wieder wie eine gleichwertige Partnerin und nicht wie eine Schutzbedürftige.
Nun war der 24. Dezember gekommen.
Der Tag des gemeinsamen Familienbeisammenseins.
Eine sanfte, friedliche Stille lag über dem klassizistischen Anwesen am Rande von Tokio. Draußen fielen leise, dichte Schneeflocken vom dunklen Abendhimmel und hüllten den weitläufigen Park in eine makellose, weiße Decke. Im Inneren des Hauses verströmten der Duft von frischen Tannennadeln, Zimt, Holzfeuer und feinsten Kulinariken eine wohlige, festliche Wärme.
Die riesige Empfangshalle und der große Salon erstrahlten im warmen Glanz hunderter Kerzen und den Lichtern des gigantischen Weihnachtsbaums. Das historische Anwesen, das trotz seiner über sechzig Jahre die majestätische Aura eines Jahrhunderte alten europäischen Herrenhauses besaß, bot die perfekte Kulisse für die Zusammenkunft der Familie.
Nami stand in einem eleganten, dunkelroten Umstandskleid an der breiten Treppe und sah mit einem sanften, zufriedenen Lächeln auf das bunte Treiben hinab. Ihr silbriges, welliges Haar fiel ihr wie ein Wasserfall über die Schultern.
Das schwere, gedämpfte Klacken der Türöffnung kündigte weitere Gäste an.
Graham stand bereits in vollendeter Haltung bereit. Mit seiner gewohnten, majestätischen Ruhe nahm der erfahrene Butler Namis Eltern die dichten Wintermäntel ab, welche noch leicht mit schmelzenden Schneeflocken benetzt waren. Namis Mutter, deren vornehme Haltung stets die Herkunft der Familie widerspiegelte, reichte ihm schmunzelnd ihre Handschuhe und wechselte ein paar leise, hochherrschaftliche Worte mit dem älteren Mann, während Namis Vater Hiro sich den feinen Schnee vom Revers seines Sakkos strich und Graham dankend zunickte.
Nami beobachtete die Szene vom oberen Rand der Treppe aus mit einem sanften, fast schon nostalgischen Lächeln. Es gab ihr ein tiefes Gefühl von Geborgenheit, ihre Eltern im Anwesen wie so oft willkommen zu heißen... besonders in diesem Jahr, in dem alles so viel bedeutender wirkte.
Im angrenzenden, weitläufigen Salon knackte und knisterte das Holz im prächtigen Marmorkamin. Die angenehme Strahlungswärme erfüllte den Raum, in dem das leise Stimmengewirr der übrigen Familie bereits wie eine vertraute Melodie widerhallte.
Namis ältere Schwester Hana saß zusammen mit ihrem Ehemann Zayn auf einer der tiefen, dunkelgrünen Samtcouchgarnituren. Die kleine Akari, die noch so winzig war, gluckste vergnügt auf Zayns Schoß und griff mit ihren kleinen Händchen nach den bunten Lichtreflexen, die das Kaminfeuer an die Wand warf. Hana sah extrem elegant aus; ihr glattes, silbriges Haar, das ihr bis zum Gesäß reichte, glänzte im Schein der Kerzen, während sie sich leise und entspannt mit Zayn unterhielt.
Nicht weit von ihnen entfernt standen Midori und Noah an einer der hohen Fensterfronten und blickten zusammen mit Kenji und Momoko hinaus in den verschneiten Garten und tauschten ruhige Worte aus, während das warme Licht der Kronleuchter die edle Atmosphäre des Raumes perfekt untermalte.
Nami atmete tief ein und legte eine Hand behutsam auf die Rundung ihres Bauches. Sie spürte eine feine, ganz sanfte Regung in ihrem Inneren... einen winzigen, zarten Druck, als würde das kleine Leben in ihr die festliche Stimmung und die Anwesenheit der Familie auf seine ganz eigene Weise wahrnehmen.
Kai trat aus dem Schatten heran. Er trug ein dunkles, maßgeschneidertes Hemd, dessen oberste Knöpfe offen standen, was seine kühle, aber unbestreitbar kraftvolle Ausstrahlung nur noch mehr unterstrich. Seine rubinroten Augen verengten sich leicht, als er den Blick über die Ankommenden im Flur gleiten ließ.
Er trat dicht hinter Nami, so nah, dass sie die wohlige Wärme seines Körpers im Rücken spürte. Ohne ein Wort zu verlieren, legte er einen Arm von hinten um ihre Taille, während seine breite Hand sanft und beschützend auf ihren Bauch sank... genau dorthin, wo sie vor wenigen Sekunden die kleine Bewegung gespürt hatte.
Die Beiden blieben noch einige Minuten vollkommen allein dort oben stehen. Nami schloss selig die Augen, lehnte sich ein Stück zurück und genoss die absolut unerschütterliche Präsenz und die beruhigenden Berührungen ihres Mannes in vollen Zügen.
Ehe es erneut bestimmt an der großen Eingangstür klopfte.
Noch bevor die Tür überhaupt geöffnet werden konnte, drang bereits ein aufgeregtes und exzentrisches Schnattern gedämpft durch das massive Holz der Eichentür. Kais scharfe Ohren registrierten die wohlbekannten Töne augenblicklich. Er schloss für einen Moment genervt die Augen und ließ ein tiefes, schweres Ausatmen durch die Nase entweichen, während Nami sich umdrehte, ihm das Gesicht auf seine Brust stützte und laut auflachte.
Graham schritt aus einem der seitlichen Korridore gemächlich und unbeeindruckt hinaus in die Eingangshalle Richtung Tür, als plötzlich die Stimme von Oma Yumi glasklar durch das Holz schallte. In ihrem gewohnt schrillen, überschwänglichen Tonfall flötete sie lautstark, was für ein unverschämt gutaussehender junger Mann denn bitteschön hier vor der Tür auftauche. Keine zwei Sekunden später stimmte Luminas unverkennbar lautes, amüsiertes Lachen mit ein.
Anscheinend waren Oma Yumi und Opa Takeshi haargenau im selben Moment wie Elias und Lumina an der Treppe der Eingangstür angekommen. Und Oma Yumi, die Elias bisher noch gar nicht kannte... war vom makellosen Erscheinungsbild des weißblonden jungen Mannes offensichtlich auf der Stelle absolut überwältigt.
Einige Sekunden später erreichte Graham die Klinke und öffnete mit einer flüssigen Bewegung die schwere Tür.
Kaum dass Graham die schwere Eichentür einen Spaltbreit aufgeschoben hatte, wehte nicht nur ein frischer Windhauch samt ein paar glitzernden Schneeflocken in die Eingangshalle, sondern allen voran Oma Yumi.
Wie ein kleiner, energiegeladener Wirbelwind marschierte die ältere Dame herein, blieb jedoch plötzlich abrupt stehen. Sie drehte sich auf dem Absatz um, legte den Kopf schief und sah an dem hochgewachsenen, weißblonden Elias empor, der unschuldig schmunzelnd neben Lumina stand.
„Na, du liebe Zeit!“, flötete Yumi mit erhobenen Händen und in einer Tonlage, die selbst den Kristallkronleuchter über ihnen leise zum Schwingen brachte. „Wo habt ihr denn schon wieder diesen Traum von einem jungen Mann aufgegabelt? Hat das Christkind die Geschenke etwa dieses Jahr persönlich geliefert?“
Elias hob leicht die Brauen, bewahrte jedoch absolut die Ruhe. Ein feines, unglaublich charmantes Lächeln stahl sich auf seine Züge, während er Yumi höflich zunickte
„Guten Abend. Es ist mir eine Freude.“
„Eine Freude, sagt er auch noch! Und diese Stimme erst!“, rief Yumi entzückt aus, machte einen entschlossenen Schritt auf ihn zu und streckte unverblümt die Hand aus, um die feine Wolle von Elias’ edlem Wintermantel zwischen den Fingern zu prüfen.
„Qualität! Absolut beste Qualität, sage ich euch! Sag mal, mein Jungchen, hast du einen Zwillingsbruder? Oder eine Seele, die man klonen kann?“
Lumina, die sich noch immer eine Hand vor den Mund hielt, hielt es schlichtweg nicht mehr aus. Ein lautes, glockenhelles Lachen entwich ihr, das durch die gesamte Halle hallte.
„Yumi, bitte! Das ist mein Cousin Elias. Er ist eben erst vor ein paar Tagen aus London angekommen.“
„Aus London!“, wiederholte Yumi mit gespielter Entrüstung und warf ihre Arme in die Luft. „Kein Wunder, dass die Mädchen drüben auf der Insel so dünn sind, wenn solche Prachtexemplare von Männern einfach frei herumlaufen und ihnen den Appetit verschlagen!“
Gleichzeitig trat Opa Takeshi über die Schwelle. Er stampfte stoisch den Schnee von seinen Schuhen, reichte Graham vollkommen tiefenentspannt seinen Gehstock sowie seinen Mantel und schüttelte lediglich langsam den Kopf über seine Frau.
„Lass den armen Jungen doch erst einmal eintreffen, Yumi“, brummte Takeshi mit tiefer, gelassener Stimme, trottete an der Szene vorbei und nickte Elias mit einem feinen, verständnisvollen Schmunzeln zu. „Guten Abend, mein Junge. Lass dich von ihr nicht verrückt machen. Sie meint es leider genau so, wie sie es sagt.“
„Ach, Takeshi, du verstehst wieder überhaupt nichts von Ästhetik!“, winkte Yumi ab und klopfte Elias vollkommen ungeniert zweimal sanft auf den Oberarm, um die Muskulatur darunter zu begutachten. „Wundervoll. Einfach wunderbar. Wenn ich noch sechzig Jahre jünger wäre, Elias… hach!“
Oben lehnte Nami das Gesicht an Kais Schulter, während ihr Körper vor stummem Lachen bebte.
Kai hingegen sah stoisch von der Brüstung hinab. Seine rubinroten Augen verengten sich minimal, als sein Blick über den amüsierten Elias glitt, der die großmütterliche Überfall-Attacke von Oma Yumi mit einer Engelsgeduld und schmunzelnder Bravour über sich ergehen ließ. Kai stieß ein leises Ausatmen durch die Nase aus, doch das feine Zucken an seinem Mundwinkel verriet, dass selbst er der absurden Komik dieser Situation nicht gänzlich widerstehen konnte.
„Graham“, rief Yumi schließlich über die Schulter, während sie Elias unverblümt am Ärmel hinter sich her in Richtung Salonsaal zog. „Nimm dem jungen Mann sofort den Mantel ab, bevor er wieder flüchtet!“
„Wie Sie wünschen, Madame“, erwiderte Graham ohne die geringste Regung im Gesicht und trat mit perfektem Timing heran.
Mit geübter Eleganz half der erfahrene Butler Elias aus seinem schweren, dunkelgrauen Wintermantel. Doch als das dichte Tuch von seinen Schultern glitt, weiteten sich Oma Yumis Augen nur noch mehr. Unter dem Mantel trug Elias einen schlichten, dünnen und hochgeschlossenen schwarzen Kaschmirpullover. Der feine Stoff schmiegte sich makellos an seine breiten Schultern, die definierte Brust und seinen durchtrainierten Oberkörper... das Ergebnis jenes besessenen Trainings der letzten Jahre.
Yumi atmete scharf ein und legte sich dramatisch eine Hand auf die Brust.
„Du liebe Güte...“, entfuhr es ihr mit erstaunlicher Schärfe. Sie trat noch einen Schritt näher, legte den Kopf in den Nacken und sah Elias mit weit aufgerissenen Augen unverblümt von oben bis unten an. „Sag mal, mein Junge... hast du eigentlich eine Freundin? Nein, sag nichts! Wenn du keine hast, müssen wir das unverzüglich ändern! Solche Gene muss man sich schlichtweg sichern, bevor sie auf dem freien Markt verloren gehen!“
Lumina, die sich gerade die Tränen der Belustigung aus den Augenwinkeln wischte, musste sich am Geländer der Garderobe abstützen, um nicht laut aufzukreischen.
Yumi winkte gestikulierend ab, während in ihren Augen ein geschäftiges, hochgefährliches Funkeln aufblitzte. „Ich habe da nämlich noch so einige Enkelinnen und Großnichten, die absolut unvergeben sind! Die Töchter meines Sohnes Takeru zum Beispiel... allesamt bildhübsch, wohlerzogen und genau im richtigen Alter für einen strammen Kerl wie dich!“
Elias verlor nicht für einen Bruchteil einer Sekunde seine ruhige Haltung. Sein charakteristisches, feines Schmunzeln zeichnete sich auf seinen Lippen ab, und in seinen himmelblauen Augen lag eine unerschütterliche Gelassenheit. Er schob locker die Hände in die Taschen seiner dunklen Stoffhose und sah Yumi mit charmantem Blick an.
„Nun... zurzeit bin ich tatsächlich ungebunden“, erwiderte Elias ruhig und mit ehrlichem Amüsement in der Stimme. „Und da ich im kommenden Jahr mein Studium hier in Tokio beginnen werde, verlege ich meinen Lebensmittelpunkt ohnehin bald vollends nach Japan. Ich lasse mir also schlichtweg alle Optionen offen.“
„In Tokio studieren! Na, das ist ja wie ein Sechser im Lotto!“, rief Yumi triumphierend aus und klatschte begeistert in die Hände.
„Takeshi, hast du das gehört? Der Junge zieht nach Tokio! Ich werde sofort Anrufe tätigen müssen!“
Opa Takeshi, der inzwischen seinen Schal abgelegt hatte, warf Elias einen Blick voll stummem Mitleid zu. „Lauf, solange du noch kannst, mein Junge. Wenn sie erst einmal einen Stammbaum aufstellt, gibt es kein Entkommen mehr.“
Oben auf dem Rand der Treppe beobachtete Nami die Szene mit bebenden Schultern und Lachtränen in den Augen, während Kai neben ihr leise durch die Nase ausatmete.
„Deine Großmutter ist wie immer unmöglich“, brummte Kai tief, auch wenn das minimale Zucken seiner Lippen verriet, wie köstlich er die Situation fand.
„Sie ist einfach Oma Yumi“, lachte Nami leise und drückte Kais Hand. „Aber man muss Elias lassen... er schlägt sich erstaunlich gut.“
Kais Kieferpartie spannte sich minimal an. Seine rubinroten Augen blieben starr auf die Szenerie unten in der Halle gerichtet, doch seine Stimme besaß eine eiskalte, messerscharfe Präzision, als er leise antwortete:
„Dieser Elias... er liebt dich.“
Nami zuckte unwillkürlich zusammen. Die Amüsiertheit auf ihren Zügen verflog im Bruchteil einer Sekunde. Überrascht und mit leicht geweiteten, ozeanfarbenen Augen drehte sie sich zu ihm um, um sein Gesicht zu lesen. Doch Kai sah stoisch weiter geradeaus auf die Ankömmlinge hinab.
„Wie... wie kommst du denn bitte auf so etwas?“, fragte sie verunsichert und suchte nach den richtigen Worten. „Elias würde mich doch nicht...“
Weiter kam sie nicht.
Kai wandte langsam den Kopf. Sein Blick traf sie mit einer Wucht und Intensität, die ihr augenblicklich den Atem raubte. Seine roten Augen fixierten sie ohne jedes Zögern.
„Mir macht dieser Kerl absolut nichts vor, mein Schatz.“, sagte er tief, seine raue Stimme frei von jeglicher Unsicherheit, aber getränkt mit unumstößlicher Gewissheit.
Er trat noch ein Stück näher an sie heran. „Ich wette mit dir sogar um Dranzer, dass er dir seine Liebe gestanden hat.“
Nami wollte gerade ansetzen, um etwas zu erwidern, doch Kai hob minimal das Kinn und schnitt ihr flüssig das Wort ab.
„Und nein... ich rede nicht von dieser albernen unschuldigen Anekdote aus der Kindheit, die Lumina letztens ausgeplaudert hat.“, fuhr Kai eiskalt fort, während er jede ihrer kleinsten Reaktionen haargenau sezierten. „Sondern sehr viel später. Viel frischer. Vor etwa zwei Jahren vielleicht?“
Nami stockte der Atem. Die Worte blieben ihr schlagartig im Hals stecken. Ein feines, verräterisches Blinzeln entkam ihr, und für einen winzigen Augenblick glitt ihr Blick verlegen von seinen Lippen hinab zum Marmorboden.
Vor fast zwei Jahren... das Festival in London. Der Kussversuch, den sie sanft abgewehrt hatte, und das anschließende, ehrliche Gespräch, in dem Elias ihr sein Herz ausgeschüttet hatte.
Kais scharfer Verstand hatte die Lücke ohne das kleinste Detailwissen mit traumwandlerischer Sicherheit geschlossen.
Ein feines, dunkles Schmunzeln glitt über seine kühlen Züge, als er das stumme Schuldeingeständnis in ihren Augen las. Es war keine feindselige Wut in seiner Miene, sondern die reine, eiskalte Genugtuung eines Mannes, der sein Gegenüber durchschaut hatte und genau wusste, dass er wie so oft die unangefochtene Nummer eins war.
Er neigte sich ein paar Zentimeter zu ihr hinab, legte die Hand an ihre Hüfte und raunte nah an ihrem Ohr:
„Siehst du? Ich brauche wie immer keine Geschichten, um zu wissen, wer dir wie nahe getreten ist, mein Schatz. Ich sehe es einem Mann an den Augen an, wenn er vergebens um das gekämpft hat, was jetzt mir gehört.“
Nami schmunzelte nun und vergrub ihr Gesicht erneut in der festen, warmen Brust seines maßgeschneiderten Hemdes. Ein leises, unterdrücktes Lachen entwich ihr, das sanft gegen seinen Brustkorb vibrierte.
Kais strenge Haltung lockerte sich im Bruchteil einer Sekunde. Ein echtes, amüsiertes Schmunzeln glitt nun auch über seine Lippen, als er die Arme um sie schloss und seine breiten Hände beruhigend an ihren Rücken legte, um sie fest an sich zu ziehen.
„Ich vergesse wirklich immer wieder, wie beängstigend gut du in so etwas bist“, raunte Nami gegen den Stoff seines Hemdes, während sie sich langsam wieder aufrichtete.
Sie hob den Kopf und sah ihm tief in seine rubinroten Augen. Ihr Blick war warm, erfüllt von bedingungsloser Zuneigung und einem feinen, ehrlichen Lächeln.
„Und ja... du hast absolut Recht“, gestand sie ohne Umschweife und strich ihm mit der Hand sanft über die Wange. „Er hat mir damals seine Gefühle gestanden. Aber...“
Ein sanftes, wissendes Schmunzeln zeichnete sich auf ihren Lippen ab, während ihre Finger zärtlich an seiner Nackenlinie entlangglitten.
„...ich bin mir verdammt sicher, dass du auch ganz genau weißt, warum ich Elias damals diesen Korb gegeben habe.“
Kais Blick verengte sich leicht, doch die Kälte war längst verflogen. Sein Daumen strich sanft über ihre Hüfte. Er brauchte keine Erklärung, denn er wusste es. Ihr Herz hatte immer nur einem gehört.
„Weil du wusstest, dass du nur deine Zeit verschwendest, wenn du dich mit jemand anderem zufriedengibst“, raunte er mit seiner tiefen Stimme und neigte den Kopf, um ihre Stirn sanft mit seiner zu berühren.
Nami lachte leise und küsste ihn zärtlich auf die Lippen.
„Ganz genau, mein sturköpfiger Ehemann. Du kannst deine dunkle Aura also beruhigt wieder einpacken, wenn du Elias nachher wieder gegenüberstehst“, raunte Nami amüsiert, während ihre Fingerspitzen sanft über seine Wange glitten.
Kai hob arrogant eine Braue und sah stoisch auf sie herab. „Ich habe wie immer absolut keinen Grund, eifersüchtig zu sein“, erwiderte er vollkommen gelassen, während sich kein Muskel in seinem Gesicht bewegte. „So etwas Kindisches habe ich nicht nötig und das weißt du.“
Nami konnte sich ein erneutes glockenhelles Lachen nicht verkneifen. Sie neigte den Kopf leicht zur Seite und sah ihn mit einem wissenden, sanften Funkeln in ihren ozeanfarbenen Augen an. „So souverän du auch bist, mein Schatz... deine Blicke verraten dich jedes Mal. Du vergisst wohl zwischendurch, dass auch ich dich verdammt gut lesen kann.“
Eine kleine, feine Pause entstand. Kais Augen verengten sich minimal.
Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, legte er seine Hand fest in ihren Nacken, zog sie flüssig enger an sich und verwickelte sie in einen tiefen, verlangenden und unglaublich erotischen Kuss. Namis Atem stockte für einen Bruchteil einer Sekunde, ehe sie sich vollkommen in der vertrauten Intensität seines Griffs verlor und den Kuss sanft erwiderte.
Als er sich langsam wieder Millimeter von ihren Lippen löste, raunte er mit seinem rauen, tiefen Timbre direkt gegen ihren Mund: „Es macht eben Spaß... mein Revier zu markieren. Selbst wenn es unüberwindbar ist und ohnehin lückenlos in meiner Hand liegt.“
Nami prustete los. Das unerschütterliche Selbstbewusstsein ihres Mannes war wie immer schlichtweg umwerfend. Sie löste sich sanft aus der festen Umarmung, sah ihn mit warmem Blick an und verschränkte ihre Finger fest mit seinen.
„Komm schon, mein großer, stoischer Beschützer“, sagte sie schmunzelnd, übte einen leichten Zug an seiner Hand aus und zog ihn langsam mit sich über die Treppe hinab, um sich gemeinsam mit ihm zur Familie in den Salon zu gesellen.
Als die Beiden Hand in Hand die Treppe hinabschritten, durch den Korridor spazierten und das weitläufige, warm erleuchtete Salonzimmer betraten, wandten sich die ersten Blicke augenblicklich zu ihnen.
Oma Yumi, die Elias noch immer in Beschlag hielt und bereits gestikulierend ansetzen wollte, Takeshi erneut zur Herausgabe seines Smartphones zu nötigen, hielt mitten im Satz inne. Ein triumphierendes Lächeln erhellte ihr faltiges, aber erstaunlich lebendiges Gesicht.
„Ah! Da sind ja die werdenden Eltern!“, flötete Yumi und ließ Elias für einen kurzen Moment aus ihren Fängen, um Nami und Kai mit fachmännischem Blick von oben bis unten zu mustern. Sie legte schwärmerisch die Hände zusammen und rief lautstark in den Raum:
„Ach, seht euch die beiden doch nur an! Ich habe es doch schon immer gesagt... in unsere Familie heiraten schlichtweg nur die wunderschönsten Männer ein! Und Kai, mein Junge... du wirst mit jedem Mal, das ich dich sehe, wirklich immer nur noch knackiger Einfach eine Pracht!“
Opa Takeshi verdrehte nur amüsiert die Augen und nahm seelenruhig einen Schluck aus seinem Glas. „Yumi, bitte... belästige den Hausherrn nicht auch noch. Er erträgt dich das ganze Jahr über schon tapfer genug.“
Kai verzog keine Miene, doch das verräterisch feine Zucken an seinem Mundwinkel verriet, wie amüsiert er über Takeshis unverblümte Worte war. Er nickte der älteren Dame lediglich mit gewohnt kühler Eleganz zu.
Yumi wandte sich sogleich wieder Nami zu. „Nami, mein Kind! Das Dunkelrot steht dir hervorragend! Und dieser Bauch... Takeshi, siehst du das? Wundervoll!“
Lumina, die zusammen mit Hana auf der dunklen Samtcouch saß, vergrub das Gesicht in den Händen, während ihre Schultern vor stummem Lachen bebten. „Yumi, um Himmels willen, lass Nami und Kai erst einmal im Raum ankommen!“, amüsierte sich Lumina und sah zu Elias hinüber, der sich subtil einen Schritt aus Yumis unmittelbarem Aktionsradius zurückgezogen hatte.
„Guten Abend, Nami. Kai“, begrüßte Elias die beiden mit ruhiger, tiefer Stimme. Sein Lächeln war vollkommen ehrlich und ohne jede Spur von Befangenheit. Er neigte höflich den Kopf. „Es ist schön, euch wieder zu sehen. Frohe Weihnachten.“
Kais rubinroter Blick traf Elias himmeblauen für einen feinen, aufmerksamen Augenblick.
Kein kühles Funkeln, keine offensive Dominanz... nur die unerschütterliche, ruhige Autorität des Hausherrn. Kai nickte Elias ebenbürtig und gelassen zu. „Elias. Willkommen zurück im Anwesen.“
„Danke. Namis Großmutter hat mich bereits bestens in Empfang genommen“, erwiderte Elias schmunzelnd, was Opa Takeshi am Kamin zu einem tiefen Lachen veranlasste.
„Sie hat dich bereits verplant, mein Junge! Verkauft und verheiratet!“, rief Takeshi, während er sich von Hiro ein Glas Single Malt Whiskey einschenken ließ. Hiro schüttelte amüsiert den Kopf und prostete den jüngeren Männern stumm zu. „Du hättest den Mantel anlassen sollen, Elias.“
In der Mitte des Raumes lag die kleine, acht Monate alte Akari nun auf einer dicken, weichen Krabbeldecke aus Lammfell. Zayn saß im Schneidersitz neben ihr auf dem edlen Parkettboden und beobachtete aufmerksam, wie die kleine Maus mit treuherzigen amethystfarbenen Augen versuchte, nach den glitzernden Reflexen zu greifen, die das Kaminfeuer an den gläsernen Couchtisch warf.
Akari gluckste laut auf, drehte sich mit einer etwas ungelenken, aber energischen Bewegung auf den Bauch und streckte ihre kleinen Ärmchen begeistert nach der bunten Glaskugel aus, die Zayn nun sanft vor ihr hin und her rollte.
Hana sah mit einem unglaublich sanften, entspannten Ausdruck von der Couch auf ihre kleine Tochter hinab. Das silbrige Haar von Namis älterer Schwester glänzte im warmen Kerzenlicht, als sie sich leicht zurücklehnte.
„Sie ist heute Abend erstaunlich ausdauernd. Normalerweise schläft sie um diese Zeit längst.“
„Es ist die Magie von Weihnachten“, meinte Nami lächelnd, löste ihre Hand sanft aus Kais Griff und trat an die Krabbeldecke heran. Sie kniete in ihrem eleganten Umstandskleid vorsichtig nieder und strich der kleinen Akari sanft über das feine, weiche Köpfchen.
Die Kleine blickte auf und stieß ein hohes, freudiges Glucksen aus, während ihre kleinen Beinchen wild auf dem Lammfell strampelten.
Kai blieb in einigem Abstand stehen, die Hände locker in den Taschen seiner dunklen Stoffhose vergraben. Seine rubinroten Augen ruhten warm auf Nami, die so natürlich und voller Hingabe mit dem Baby interagierte.
Elias, der dicht bei Lumina an der Rückenlehne der Couch lehnte, beobachtete das Bild ebenfalls. In seinen hellblauen Augen lag eine tiefe, aufrichtige Friedlichkeit.
„So!“, unterbrach Yumi die idyllische Szene energisch und klatschte einmal laut in die Hände. „Bevor hier alle in Rührseligkeit zerfließen... Graham! Bring mir mein Smartphone aus der Garderobe! Ich muss die Telefonnummern von Takerus Töchtern heraussuchen, bevor Elias es sich anders überlegt und nach London zurückflieht!“
„Selbstverständlich, Madame.“, antwortete Graham mit eiskalter Präzision im Vorbeigehen, was die gesamte Gesellschaft... inklusive Kais unmerklich zuckender Mundwinkel... in lautes Lachen versetzte.
Kenji und Momoko, die bisher entspannt bei den Fenstern miteinander gesprochen hatten, traten lächelnd an Nami heran. Momokos blaue Augen glänzten aufgeregt, und selbst Kenji trug ein ungewöhnlich weiches, stolzes Schmunzeln im Gesicht.
„Nami“, begann Momoko leise und legte eine Hand behutsam an Namis Oberarm. Sie blickte voller Bewunderung auf Namis Wölbung hinab. „Wir haben vorhin drüben gestanden und dich beobachtet... du siehst einfach wunderschön aus. Die Schwangerschaft steht dir wirklich unglaublich gut.“
Nami spürte, wie ihr Herz bei den warmen Worten ihrer Freundin augenblicklich aufging.
„Danke, Momoko“, erwiderte sie sanft und legte ihre Hand auf die von Momoko. „Es fühlt sich ehrlich gesagt von Tag zu Tag realer an. Vor allem, wenn man all die Familie hier um sich herum hat.“
Kenji schob ruhig die Hände in die Hosentaschen, legte den Kopf leicht schief und sah seine Zwillingsschwester mit tiefem, ehrlichem Stolz an. Seine Stimme war ruhig, besaß aber jene tief sitzende Wärme, die nur ein großer Bruder ausstrahlen konnte.
„Ich muss mich Momoko anschließen“, sagte Kenji schmunzelnd und trat einen Schritt näher. „Du strahlst eine unglaubliche Ruhe aus, Nami. Man merkt sofort, wie gut es dir tut und wie glücklich du bist.“
Kenji warf dabei einen kurzen, respektvollen Blick zu Kai hinüber, der etwas abseits stand und der kleinen Unterhaltung stumm, aber aufmerksam folgte.
Dieser erwiderte Kenjis Blick mit einem feinen Nicken, ein stummes Verstehen zwischen den Männern.
Kenji legte seiner Freundin von hinten sanft die Hand auf die Schulter und schaute zusammen mit ihr auf Namis Bauch hinab. „Wir können es ehrlich gesagt kaum noch erwarten, Tante und Onkel zu werden“, gab Kenji leise schmunzelnd zu. „Und du kannst dir absolut sicher sein, Nami... wir werden immer für euch da sein. Egal was kommt.“
Nami spürte, wie sich ein kloßartiges, zutiefst dankbares Gefühl in ihrer Kehle bildete. Sie zog Momoko kurzerhand in eine warme, innige Umarmung.
„Das bedeutet mir wirklich alles, Kenji. Danke euch beiden“, raunte Nami gerührt und blickte Momoko lächelnd an, als sie sich wieder voneinander lösten.
Erst nach dieser herzerwärmenden Szene wandte Nami ihren Blick weiter zu Midori, die mit verschränkten Armen etwas abseits gestanden und das Gespräch zwischen den Dreien liebevoll beobachtet hatte.
Nami sah sich flüchtig im Raum um, ehe sie ihren Blick warm auf Midori richtete. „Sag mal, Midori… wo ist denn eigentlich Max?“, fragte sie sanft und neigte leicht den Kopf.
„Du hättest ihn doch wirklich liebend gerne mitbringen können. Er ist schließlich dein Partner und gehört genauso dazu.“ Sie hielt kurz inne und fügte mit neugierigem Unterton hinzu: „Oder ist er über Weihnachten in die USA geflogen, um bei seiner Familie zu sein?“
Midori blinzelte überrascht, ehe sich ein leicht verlegenes, aber liebevolles Lächeln auf ihren Lippen abzeichnete. Sie strich sich eine Strähne hinter das Ohr und schüttelte schmunzelnd den Kopf.
„Nein, nein… in den USA ist er nicht“, gab Midori leise zu und trat ein Stück näher zu Nami. „Max war sich ehrlich gesagt einfach unglaublich unsicher, ob er hier wirklich mitgehen soll. Er wollte den Rahmen nicht sprengen oder unhöflich wirken, weil das ja primär ein Familiending ist. Er sitzt zurzeit drüben bei Ray und Mariah.“
Kaum hatte Midori den letzten Satz ausgesprochen, erstarrte Oma Yumi mitten in ihrer Bewegung. Die ältere Dame atmete dramatisch und extrem entsetzt ein, als hätte man ihr gerade die unfassbarste Hiobsbotschaft des Jahrhunderts überbracht.
Sie drehte sich auf dem Absatz um, stemmte die Hände energisch in die Hüften und sah Midori mit weit aufgerissenen Augen an.
„Bei Ray und Mariah?!“, rief Yumi entsetzt aus und warf die Arme in die Luft. „Du liebe Zeit, Midori! Wie kannst du den armen Jungen denn an so einem Tag woanders hinschicken?! Ruf ihn gefälligst auf der Stelle an und bestell ihn her! Sofort!“
Yumi machte zwei entschlossene Schritte auf Midori zu und hob mahnend den Zeigefinger.
„Schließlich ist der gute Max für den späteren Fortbestand unserer Familie ebenfalls zuständig! Solche tüchtigen jungen Männer lassen wir doch nicht einfach irgendwo an den Feiertagen versauern!“
Ein erneutes, glockenhelles Lachen entwich Lumina, die sich drüben an der Couch abfangen musste. Sie schlug sich amüsiert eine Hand vor den Mund, während Elias schmunzelnd den Kopf schüttelte und selbst Kais Lippen sich für einen Bruchteil einer Sekunde amüsiert verzogen.
Hiro, der gerade an seinem Glas gegnippt hatte, verschluckte sich fast, stellte es mit einem klirrenden Geräusch auf dem Nebentisch ab und sah seine Mutter mit aufgerissenen Augen an. Die Röte stieg ihm spürbar ins Gesicht, während er entsetzt die Hände hob.
„Mutter, um Himmels willen!“, rief Hiro voller Entsetztsein aus und versuchte verzweifelt, eine mahnende, strenge Stimme aufzusetzen.
„Midori ist gerade einmal fünfzehn Jahre alt! Hör bitte auf, in ihrer Gegenwart jetzt schon über weitere Urenkel zu sprechen! Sie hat noch alle Zeit der Welt!“
Yumi schnaubte nur ungehalten, legte den Kopf schräg und sah ihren Sohn mit hochgezogener Augenbraue an, als hätte er gerade völligen Unsinn erzählt. „Ach, Hiro, sei doch nicht so kleinlich und spießig. Man kann ja wohl noch vorausschauend planen! Das nennt man Weitsicht!“
Ein gepresstes Kichern ging durch den Salon. Sogar Nami musste sich laut lachend an Kais Schulter stützen, während dieser nur ein tiefes, amüsiertes Brummen hören ließ.
Hiro rieb sich seufzend die Schläfen, warf seinen Töchtern einen hilfesuchenden Blick zu und ergab sich schließlich kopfschüttelnd dem unerschütterlichen Willen seiner Mutter.
Midori, die nun wie eine reife Tomate im Gesicht glühte, nutzte den Moment, holte tief Luft und zog leise lachend ihr Smartphone aus der Tasche.
„Ich… ich ruf ihn besser einfach schnell an, bevor Oma Yumi noch das Hochzeitskleid aussucht“, murmelte Midori verlegen in die Runde, wandte sich ab und wählte Max’ Nummer, um ihn aus der chilligen Runde bei Ray und Mariah direkt ins festliche Hiwatari-Chaos zu zitieren.
Midori trat ein paar Schritte zur Seite in die ruhigere Nische nahe der hohen Bogenfenster, um dem amüsierten Stimmengewirr des Salons zu entkommen. Sie presste das Smartphone an ihr Ohr und wartete nicht einmal zwei Freizeichen, ehe am anderen Ende der Leitung die vertraute, sonnige Stimme von Max ertönte.
„Hey, Midori! Alles gut bei dir?“, klang er gewohnt aufgeweckt, im Hintergrund schallte leise Weihnachtsmusik und das vertraute Lachen von Mariah durch die Leitung.
Ein automatisch weiches, unglaublich liebevolles Lächeln stahl sich auf Midoris Lippen, während sich die verlegene Röte auf ihren Wangen sanft legte.
„Hey… ja, bei mir ist alles bestens“, raunte sie leise ins Mikrofon und nestelte verlegen an einer Strähne ihres lindengrünen Haares. „Ich wollte nur hören, wie es dir geht. Ich... vermisse dich hier drüben einfach ein bisschen.“
„Geht mir genauso, ehrlich“, antwortete Max prompt, und man konnte das ehrliche, warme Grinsen in seiner Stimme förmlich greifen.
„Ray und Mariah versorgen mich zwar bestens mit Essen, aber ohne dich ist es nur halb so schön.“
Midori biss sich schmunzelnd auf die Unterlippe und blickte kurz über die Schulter. Oma Yumi beobachtete sie immer noch wie ein Luchs vom Kamin aus, während Hiro sich noch immer die Schläfen rieb.
Midori wandte sich wieder dem Fenster zu, atmete tief durch und fragte schließlich mit leicht vorsichtiger, sanfter Stimme: „Sag mal… hast du vielleicht nicht doch noch Lust, herzukommen? Ich weiß, du wolltest den Familienrahmen nicht sprengen, aber… Nami hat nach dir gefragt. Und im Grunde die ganze Familie. Du gehörst doch schließlich dazu.“
Am anderen Ende herrschte für zwei kurze Sekunden Stille, ehe Max leise, aber unglaublich herzlich auflachte. „Wenn das so ist… und du mich dabeihaben willst? Dann bin ich in zwanzig Minuten bei dir. Ich ziehe mir nur schnell was Ordentliches an.“
Midoris gesamtes Gesicht strahlte schlagartig auf. Ihre waldfarbenen Augen glänzten im Licht der Kerzen, und dieses reine, glückliche Leuchten in ihren Zügen verriet der versammelten Gesellschaft im Salon sofort die Antwort, noch bevor sie überhaupt das Smartphone sinken ließ.
„Er kommt“, sagte Midori mit einem kleinen, fast schon verlegenen Jubeln in der Stimme, als sie zu der Gruppe zurückkehrte.
„Na also! Geht doch!“, rief Yumi triumphierend aus und schlug erfreut in die Hände.
„Graham! Stell schon mal den Champagner kalt! Der Schwiegersohn in spe trifft gleich ein!“
Hiro stöhnte leise auf und vergrub das Gesicht in beiden Händen, während Nami und Lumina schallend auflachten.