Gnadenbringenede Weihnachtszeit
Gnadenbringenede Weihnachtszeit
Etwa 40 Minuten später...
Der Trubel um die Bescherung hatte sich gelegt, die Gläser waren nachgeschenkt, und die Gesellschaft verteilte sich gemütlich im Raum.
Namis Blick wanderte zu Lumina, die etwas abseits auf einer der geschwungenen Samtcouchs saß. Ihre Cousine starrte nun schon seit geraumer Zeit grinsend auf das Display ihres Smartphones und tippte in atemberaubendem Tempo Nachrichten ein.
Ihr sonst schon auffälliges Lächeln war im Schein des Bildschirms noch ein Stück strahlender und verschmitzter als sonst.
Nami lehnte sich an Kais Schulter und wandte sich dann schmunzelnd an ihre Cousine. „Sag mal, Lumina... wem schreibst du eigentlich die ganze Zeit so überaus fröhlich?“
Lumina blickte auf, kicherte leise und ließ das Smartphone in ihrem Schoß ruhen. „Ach, da drüben ist bloß jemand extrem genervt darüber, dass ich immer noch nicht zurück im Hotel bin“, meinte sie amüsiert, während ihre magentafarbenen Augen schelmisch blitzten.
„Er droht mir gerade sogar damit, gleich persönlich hier aufzukreuzen und mich abzuholen.“
Nami blinzelte verblüfft. Wer sollte das bitte sein?
„Bitte wer? Wer droht dir denn mit sowas?“
Lumina legte den Kopf schräg, blickte Nami mit hochgezogenen Brauen an und wandte sich dann direkt an Kai. „Hat Kai dir etwa gar nicht erzählt, dass Tala in der Stadt ist?“
Kai, der schweigend sein Glas gehalten hatte, verharrte für einen kurzen Moment. Die rubinroten Augen glitten langsam von Lumina zu Nami, die ihn mit fragend gewölbter Augenbraue anstarrte.
Ein stummes Nachdenken zeichnete sich auf Kais Zügen ab. Er hatte Nami in den letzten Tagen natürlich von Sobolev und dessen gefährlichen Plänen berichtet... das war gar keine Frage gewesen. Aber das winzige Detail, dass Tala Valkov derzeit ebenfalls in Tokio verweilte, um gemeinsam mit ihm und Kenny Sobolevs Versteck ausfindig zu machen... das hatte er ihr tatsächlich unbeabsichtigt vorenthalten.
Inmitten all des Trubels um die Schwangerschaft, die Bedrohung und des täglichen Geschäfts im Tower war dieses eine Puzzleteil schlichtweg durchgerutscht.
„Das... habe ich tatsächlich vergessen zu erwähnen“, gestand Kai schließlich mit seiner tiefen, vollkommen ruhigen Stimme, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken.
Nami starrte ihn für einen Herzschlag lang an, ehe ein helles, ungläubiges Lachen aus ihr herausplatzte. Sie schlug sich die Hand vor den Mund und brachte sich kaum noch ein.
„Das ist jetzt nicht dein Ernst, Kai?!“, fragte Nami lachend und blickte amüsiert zwischen den beiden hin und her. „Lumina und Tala haben also wieder was miteinander?!“
Die Nachricht amüsierte Nami köstlich. Die Vorstellung von Tala Valkov, wie er drüben im Hotel saß, sich die Finger wund tippte und vor Frust fast kochte, weil seine frisch eingeforderte Kontrolle ins Leere lief, war einfach zu göttlich.
Lumina lachte herzhaft mit Nami mit und schüttelte schmunzelnd den Kopf. „Er ist zwar immer noch unendlich stur, aber er sieht mich definitiv mitlerweile als eine Art... Besitztum an“, gestand Lumina vollkommen ungeniert und gluckste.
„Jedenfalls verhält er sich haargenau so!“
„Das überrascht bei Tala nun wirklich jemanden?“, schaltete sich Max vom Nebentisch aus ein und grinste breit. „Der Typ markiert doch schon sein Revier, wenn man ihn nur schief anguckt!“
Nami lehnte sich lachend zurück, schüttelte ungläubig den Kopf und sah ihre Cousine mit schalkhaft schimmernden Augen an.
„Wie viel habe ich verpasst?“, fragte Nami amüsiert und stützte das Kinn in ihre Hand.
„Seit wann ist ihm das denn bitte nicht mehr egal? Nach eurer letzten Nacht vor zwei Monaten wirkte es doch so, als wollte er am Liebsten niemals wieder Russland verlassen und du hast versichert, dass dir die wilde Achterbahnfahrt vollkommen reicht. Und jetzt droht er dir mit einer Abholung?“
Lumina grinste verschmitzt, ließ sich von den neugierigen Blicken überhaupt nicht aus der Ruhe bringen und stellte ihr Glas ab.
„Nun ja... sagen wir einfach, wir haben im Hotel ein paar klärende Gespräche geführt“, raunte Lumina schelmisch.
Mit einer fließenden, fast beiläufigen Bewegung griff sie an den engen Kragen ihres feinen Rollkragenpullovers und zog den weichen Stoff ein Stück nach unten. Auf ihrer sonst so blassen Haut traten zwei deutliche Spuren zum Vorschein: Ein etwas älterer Zähneabdruck, der bereits fast verblasst und in einem zarten Rosa abgeklungen war, direkt daneben jedoch ein viel frischerer, tiefroter Biss, der sich messerscharf abzeichnete.
Nami blinzelte überrascht und unterdrückte ein schockiertes Glucksen, während Lumina den Kragen lachend wieder hochschnellen ließ und den Stoff glattstrich.
Lumina entwich ein langes, hörbares Seufzen... halb erschöpft, halb voller unverschämter Genugtuung.
„Die letzten Nächte waren... sagen wir einfach verdammt wild“, gestand Lumina vollkommen ungeniert und blinzelte Nami spitzbübisch zu. „Dieser Mann kennt absolut kein Maß, wenn seine Beherrschung erst einmal bröckelt. Aber wie du siehst... lebe ich noch. Nur... laufen, war gestern eher nicht möglich.“
Nami schlug sich schockiert, aber hochgradig amüsiert die Hand vor den Mund, während ein heiseres Glucksen aus ihrer Kehle drang.
„Gott, Lumina!“, raunte sie lachend und schüttelte den Kopf. „Dass du dich heute überhaupt noch auf den Beinen halten kannst, grenzt ja an ein Wunder, wenn man bedenkt, wie kompromisslos dieser Kerl sein kann.“
Kais Miene veränderte sich kaum, doch seine Augenbraue wanderte eine Nuance nach oben. Er nahm einen bedächtigen Schluck aus seinem Glas, stellte es auf dem Beistelltisch ab und sah Lumina aus seinen rubinroten Augen mit unerschütterlicher Stoik an.
„Tala verliert selten die Beherrschung“, merkte Kai mit ruhiger, tiefer Stimme an, in der ein kaum wahrnehmbares, trockenes Amüsement mitschwang. „Wenn er es tut, tendiert er dazu, absolut rücksichtslos zu werden. Dass er dir immer noch hinterherläuft und sogar mit einer Abholung droht, zeigt nur, wie sehr er die Kontrolle bereits an dich verloren hat.“
„Das kann man wohl laut sagen!“, rief Max lachend dazwischen und schüttelte den Kopf, während er sich amüsiert im Raum umsah.
„Hört ihr das? Tala Valkov... das eiskalte Ungeheuer aus Russland... lässt sich von Lumina um den Finger wickeln und kocht vor Eifersucht im Hotelzimmer! Wenn mir das vor einem Jahr jemand erzählt hätte, hätte ich ihn für verrückt erklärt.“
„Ich durfte die beiden bereits vor ein paar Tagen beim Frühstück erleben“, schaltete sich Elias gelassen von seinem Sessel aus ein. Er nippte an seinem Drink, während ein breites, wissendes Schmunzeln auf seinen feinen Zügen lag.
„Die Rezeption des Hotels war völlig aufgelöst wegen nächtlicher Ruhestörung, und Valkov stand daneben wie eine Statue aus Granit, während Lumina ihnen allen Ernstes erzählt hat, es habe ein Problem mit einem instabilen Möbelstück gegeben. Gott sei Dank, habe ich von all dem nichts mitbekommen.“
Elias gluckste leise, ehe er verschmitzt hinzufügte: „Und damit das auch weiterhin so bleibt schlafe ich seit dieser ersten Nacht übrigens strikt mit Oropax. Ich war mir nämlich verdammt sicher, dass das noch lange nicht alles gewesen ist... und wenn ich mir die weiteren Beschwerden anhöre, die ich an den nächsten Morgen unten aufgeschnappt habe, hatte ich absolut Recht.“
Ein schallendes Lachen hallte durch den Salon. Selbst Hana, die auf dem Sofa neben Zayn saß und die schlafende, erst acht Monate alte kleine Akari sanft auf dem Arm wiegte, blickte schmunzelnd und Kopf schüttelnd zu der Gruppe herüber.
Nami krümmte sich vor Lachen und klopfte Kai leicht auf den Oberschenkel. „Ein instabiles Möbelstück! Und Oropax! Lumina, du bist unmöglich!“
Lumina strich sich vollkommen unbeeindruckt ihr silbriges Haar über die Schulter und genoss den Moment in vollen Zügen. Ihr spitzbübisches Grinsen wurde noch ein Stück breiter.
„Was denn? Es entsprach schlichtweg der Wahrheit. Und Tala hat keinen einzigen Ton gesagt. Er hat die Damen am Empfang einfach nur mit seinem eiskalten Blick abgespeist und dann erst gefragt ob es... noch andere Probleme gäbe.“
Kai ließ ein leises, tiefes Schnauben entweichen, das fast wie ein raues Lachen klang. Er legte seinen Arm um Namis Schulter und zog sie ein Stück näher an sich.
„Er hat definitiv noch andere Probleme.“, meinte Kai trocken und blickte Lumina an.
„Aber wenn er wirklich droht, hier aufzukreuzen, solltest du ihm vielleicht antworten. Ich habe wenig Lust, dass er mir mitten in der Nacht das Hoftor eintritt.“
„Ach was, lass ihn ruhig noch ein bisschen zappeln“, raunte Lumina glucksend, tippte aber dennoch grinsend eine kurze Nachricht in ihr Smartphone. „Ein bisschen Warten schadet seinen russischen Nerven ganz sicher nicht.“
Hiro räusperte sich lautstark, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, und schüttelte demonstrativ mit leicht geröteten Wangen den Kopf.
„Könnten wir dieses Thema vielleicht etwas… diskreter behandeln?“, warf Hiro ein und deutete mit einer spitzen Kopfbewegung durch den Raum. „Es sind schließlich ein Zehnjähriger und eine Fünfzehnjährige anwesend. Noah und Midori müssen nun wirklich nicht jedes Detail über instabile Möbelstücke und… wilde Nächte mitbekommen.“
Bevor Lumina oder Nami jedoch auch nur antworten konnten, winkte Oma Yumi gewohnt exzentrisch und vollkommen ungeniert ab. Sie lehnte sich in ihrem Sessel zurück, nippte unbeeindruckt an ihrem Drink und grinste spitzbübisch über den Rand des Glases hinweg. Man sah ihr förmlich an, wie sehr sie diesen kleinen, pikanten Tratsch genoss.
„Ach, mach dich nicht nass, Hiro!“, fuhr Oma Yumi ihn spöttisch an und wandte sich sofort wieder mit funkeltem Blick an Lumina. „Sag mal, Kindchen… ist dieser Tala etwa dieser stramme, dunkle Kerl, der damals auf Namis und Kais Hochzeit diesen… unverschämt guten und hochgradig dominanten Walzer mit dir auf das Parkett gelegt hat?“
Lumina lachte hell auf, warf den Kopf in den Nacken und nickte ohne zu zögern. „Genau der, Yumi!“
Oma Yumi schnalzte anerkennend mit der Zunge, kniff die Augen zusammen und grinste breit. „Ich hab’s doch gewusst! Das habe ich diesem Burschen schon beim ersten Schritt angesehen... so wie der dich über die Tanzfläche geführt hat, ist das auch im Bett ein ganz strenger und unerbittlicher Bursche!“
Ein erneuter Pruster ging durch die Runde, während Hiro sich nur mit der Hand über das Gesicht fuhr und stöhnend den Kopf schüttelte.
Oma Yumi nahm einen weiteren Schluck aus ihrem Glas, neigte neugierig den Kopf und blickte Lumina aus verengten, schelmischen Augen an.
„Aber mal im Ernst … “, hakte Oma Yumi mit gewohnt exzentrischem Nachdruck nach, „warum hast du diesen Tala denn heute nicht direkt mit hierher geschleppt? Ein so strammer Bursche hätte der Runde aus schönen Männern hier ganz sicher nicht geschadet!“
Lumina entwich ein glockenhelles Lachen, während sie amüsiert den Kopf schüttelte
„Tala und ein familiärer Abend im Anwesen?“, raunte Lumina grinsend und winkte spitzbübisch ab. „Niemals. Er würde so etwas hier für kein Geld der Welt mitmachen.“
Sie neigte den Kopf ein Stück und verstellte die Stimme eine Nuance tiefer, um den eiskalten, unnahbaren Tonfall des Russen zu imitieren:
„Ich zitiere ihn wörtlich: Die Hochzeit allein war schon genug Kitsch für ein ganzes Jahr.“
Ein schmunzelndes Glucksen ging durch die Gruppe.
Besonders Kais Züge blieben zwar wie gewohnt unbewegt, doch seine Augenbraue hob sich leicht. Er lehnte sich mit unerschütterlicher Gelassenheit zurück und meinte vollkommen trocken: „Ich habe ihm tatsächlich sogar vorgeschlagen herzukommen.“ Kai hielt kurz inne, ehe er aus seinen rubinroten Augen kurz zu Nami blickte. „Allerdings eher, um ihn ein wenig zu ärgern. Die Antwort kannte ich sowieso schon.“
Kaum dass Kai seinen Kommentar beendet hatte, summte das Smartphone in Luminas Hand erneut auf. Das Display leuchtete hell auf und kündigte eine frische Textnachricht an.
Lumina hob die Brauen, strich sich eine silbrige Haarsträhne aus dem Gesicht und las die Zeilen, die auf dem Bildschirm erschienen. Im selben Moment entwich ihrer Kehle ein spritziges, glockenhelles Lachen, das die Blicke der gesamten Runde erneut auf sie zog.
„Das gibt es doch nicht!“, rief sie schmunzelnd aus, während ihre magentafarbenen Augen vor Vergnügen funkelten. Sie drehte das Display kurz in die Runde, als müsse sie den stichhaltigen Beweis liefern, ehe sie amüsiert den Kopf schüttelte. „Er hat tatsächlich gerade geschrieben… ich solle gefälligst rauskommen. Er steht draußen vor dem Hoftor und wartet auf mich!“
Lumina blickte mit einem triumphierenden, hochgradig spitzbübischen Grinsen zu Kai herüber. „So viel zum Thema er würde so etwas wie diesen Kitsch niemals mitmachen. Kaum lässt man ihn zehn Minuten im Ungewissen, steht der eiskalte Herr Valkov persönlich vor der Tür!“
Lumina gluckste leise und schüttelte schmunzelnd den Kopf, als sie die nächste Zeile auf ihrem Display überflog.
„Macht euch bloß keine Hoffnungen, dass er reinzieht, um uns allen 'Guten Abend' zu sagen“, raunte sie vollkommen ungeniert und las die Nachricht mit gespieltem Ernst vor:
„Es ist 22:25 Uhr. Bewegung, Lumina. Ich stehe nicht eine Minute länger am Tor als nötig.“
Ein heiteres Glucksen ging durch den Salon.
„Eiskalte militärische Präzision bis in den späten Abend hinein“, kommentierte Elias schmunzelnd und nahm gelassen einen Sip aus seinem Glas.
„Der Mann hat wirklich Nerven wie Drahtseile.“
Kai ließ ein tiefes, raues Schnauben entweichen, das ein deutliches Amüsement verriet. Er legte den Arm etwas entspannter um Nami und sah Lumina mit unerschütterlicher Gelassenheit an. „Dann solltest du ihn besser nicht zu lange im Kalten stehen lassen. Sonst überlegt er es sich noch anders und kommt am Ende doch noch rein, nur um dich am Arm herauszuschleifen.“
„Das würde er sogar eiskalt bringen!“, lachte Lumina auf. Sie erhob sich mit einer fließenden, geschmeidigen Bewegung von der Couch, strich den Stoff ihres feinen Pullovers glatt und schob das Smartphone flink in die Tasche.
Nami sah sie grinsend von Kais Seite aus an. „Richte dem eiskalten Ungeheuer da draußen aus, dass wir ihn das nächste Mal nicht so leicht davonkommen lassen.“
„Werde ich machen!“, winkte Lumina in die Runde, strich sich das lange, silbrige Haar über die Schulter und schenkte allen noch ein umwerfend strahlendes, spitzbübisches Lächeln. „Gute Nacht, ihr Lieben! Und genießt den restlichen Kitsch-Abend!“
Mit beschwingten Schritten und einem unverkennbar siegreichen Schmunzeln auf den Lippen eilte sie aus dem Salon in Richtung der großen Empfangshalle, um sich ihren Mantel zu schnappen und ihrem wartenden Russen da draußen vor dem Hoftor die Stirn zu bieten.
Elias legte den Kopf leicht schräg, wiegte das Glas sanft in seinen Fingern und blickte der Tür nach, durch die Lumina gerade entschwunden war. Ein etwas ratloses, aber zutiefst amüsiertes Lächeln legte sich auf seine Züge.
„Ehrlich gesagt… ich verstehe es nicht ganz“, begann Elias und blickte fragend in die Runde, ehe sein Blick an Kai hängen blieb.
„Ich wohne doch im selben Hotel. Lumina und ich hätten uns nachher völlig ohne Probleme einfach wieder zusammen ein Taxi teilen können. Es gab also absolut keinen logischen Grund für ihn, jetzt extra hierherzufahren.“
Er nahm einen kleinen Schluck von seinem Drink und schüttelte langsam den Kopf, während sich die Erinnerung an die letzten Tage in Tokio wieder in seinen Gedanken formierte.
„Vor allem, wenn man bedenkt, wie das alles angefangen hat“, fuhr Elias fort, und seine Stimme nahm einen etwas nachdenklicheren Ton an. „Nach der ersten Nacht im Hotel… da wirkte Tala noch so verdammt distanziert und wütend. Nicht nur auf die Situation, sondern vor allem auf sich selbst. Und auf die bloße Tatsache, dass Lumina überhaupt existiert und in sein Leben geplatzt ist. Er wollte diese Anziehung mit jeder Faser seines Körpers bekämpfen und hat sie eiskalt ignoriert.“
Elias lehnte sich etwas weiter in die weichen Polster des Sessels zurück und kniff die Augen leicht zusammen, während sich sein wissendes Schmunzeln wieder durchsetzte.
„Und dann… im Laufe der weiteren Tage… ist bei ihm irgendein Schalter umgelegt worden. Er hat völlig aufgehört, dagegen anzukämpfen, und angefangen, dieses extrem besitzergreifende Verhalten an den Tag zu legen. Von 'Ich will nichts mit ihr zu tun haben' zu 'Ich stehe um 22:25 Uhr vor dem Hoftor ihrer Cousine, um sie persönlich einzusammeln'. Die Wandlung ist wirklich faszinierend.“
Kai verharrte für einen kurzen Moment schweigend und nahm einen langsamen, bedächtigen Schluck aus seinem Glas. Seine rubinroten Augen verengten sich leicht, während sein Blick auf den flackernden Flammen des Kamingewölbes ruhte. Die tiefe, unerschütterliche Ruhe in seiner Haltung verlieh seinen Worten wie gewohnt ein immenses Gewicht.
„Tala macht gerade wohl so etwas wie eine Phase durch“, sagte Kai schließlich mit seiner gewohnten, rauen und vollkommen ruhigen Stimme.
Er stellte das Glas auf dem kleinen Beistelltisch ab und sah Elias mit kühler, analytischer Präzision an. „Er ist schlicht und ergreifend süchtig nach ihr. Der Unterschied zu früher ist nur, dass er absolut nicht versteht, was da eigentlich mit ihm passiert... er begreift nicht, dass er echte Gefühle für Lumina entwickelt hat. Er hat in seinem gesamten Leben nie gelernt, wie sich so etwas anfühlt oder wie man damit umgeht.“
Kai hielt kurz inne, und ein kaum wahrnehmbares, feines Schmunzeln stieg auf seinen markanten Zügen auf.
„Da sein Verstand diese Emotionen nicht einordnen kann, weigert er sich, sie als das zu akzeptieren, was sie sind“, fuhr Kai stoisch fort. „Und weil er gelernt hat, Kontrolle über alles zu behalten, kanalisiert er dieses völlige Chaos in seinem Inneren eben auf die einzige Art, die er kennt: in unnachgiebige Besitzgier, animalische Härte und einen massiv gesteigerten Trieb.“
Elias zog stumm eine Braue hoch und lauschte den Worten mit einem zunehmend faszinierten Blick.
„Er denkt wahrscheinlich immer noch, er würde bloß ein physisches Verlangen bedienen oder seine Dominanz ausspielen“, schloss Kai gelassen und legte seinen Arm wieder schützend und vertraut um Namis Schultern. „Aber in Wahrheit hat sie ihn längst an der Leine. Er weiß es nur selbst noch nicht.“
Elias lehnte sich ein Stück weiter vor, stützte die Unterarme auf den Oberschenkeln ab und sah Kai mit ungläubig hochgezogener Braue an.
„Woher willst du das so genau wissen, Kai?“, fragte Elias stirnrunzelnd und wiegte sein Glas nachdenklich zwischen den Fingern. „Ich meine... du sprichst das so bestimmt aus, als hättest du eine Psychologie-Professur für russische Sturköpfe. Woher kennst du diese Denkweise bei ihm so präzise?“
Elias kannte zwar die düsteren Gerüchte, die sich seit Jahren um Kais Jugend und seine Zeit in Russland rankten... düstere Anekdoten über gnadenlosen Drill und eiskalte Disziplin... , aber die genauen Details über die Abtei und deren unerbittliche Erziehungsmethoden oder die grausamen psychologischen Mechanismen dort waren ihm völlig fremd.
Kai veränderte seine Haltung nicht um einen Millimeter. Seine rubinroten Augen verengten sich erneut eine Nuance, während sein Blick für einen Moment ins Leere zu gleiten schien.
„Weil wir am selben Ort gebrochen wurden“, sagte Kai schließlich. Seine Stimme war tief, rau und so eiskalt und ruhig, dass im Raum für einen kurzen Augenblick jedes andere Geräusch zu verstummen schien.
Er blickte Elias direkt in die Augen. „Die Welt, aus der Tala und ich kommen, kennt keine Zuneigung, Elias. In unserer frühen Jugend gab es keine Wärme, kein Vertrauen und erst recht keine Liebe. Uns wurde von klein auf eingeprügelt, dass jede Form von Gefühl eine Schwachstelle ist. Ein Makel, der dich langsam macht, dich angreifbar macht und dich zerstört.“
Kai nahm einen langsamen Schluck und stellte das Glas endgültig ab.
„Wenn du jahrelang darauf konditioniert wirst, dein Herz wie einen Stein zu behandeln, verlernst du nicht nur, wie man fühlt... du verlernst, diese Emotionen überhaupt als menschlich zu erkennen“, fuhr Kai stoisch fort.
„Wenn ein Mann wie Tala dann plötzlich auf eine Frau wie Lumina trifft, die mit einer unerschütterlichen Selbstverständlichkeit durch seine Schutzwälle bricht, gerät sein gesamtes Weltbild ins Schwanken.“
Nami sah schweigend zu Kai auf und legte ihre Hand sanft auf seine Brust. Kai fuhr mit dem Daumen beruhigend über ihre Schulter, ohne den Blick von Elias zu wenden.
„Sein Verstand weigert sich schlichtweg, zuzugeben, dass er sich an jemanden gebunden hat“, schloss Kai mit messerscharfer Präzision. „Er kann diese emotionale Überforderung nicht einordnen. Also übersetzt sein Gehirn diese unerklärliche Bindung in das einzige Muster, das ihm vertraut ist: Kontrolle. Er will sie besitzen, sie dominieren und mit aller Macht an sich binden, um sich selbst vorzugaukeln, dass er noch immer derjenige ist, der die Zügel in der Hand hält. Es ist die einzige Sprache, die man uns beigebracht hat.“
Elias starrte Kai für einen langen Moment stumm an. Die gewohnte Leichtigkeit war vollkommen aus den Zügen des Briten gewichen, abgelöst von großem Respekt und einem leisen Schauer, der ihm über den Rücken lief. Die Abgründe hinter Kais knappen Worten waren selbst ohne Detailwissen spürbar.
„Verstehe…“, raunte Elias schließlich leise, während sich wieder ein mattes, nachdenkliches Schmunzeln auf seine Lippen stahl. „Das erklärt so einiges. Dann ist der ärmste Kerl da draußen also im Grunde völlig wehrlos gegen Lumina.“
„Absolut“, bestätigte Kai trocken. „Und er merkt es nicht einmal.“
Die spöttische Leichtigkeit in den Zügen des Briten war vollkommen verschwunden; stattdessen lag ein nachdenklicher, fast faszinierter Ausdruck auf seinem Gesicht.
„Wenn du das so sagst…“, begann Elias langsam und fixierte die rubinäugige Gestalt vor sich, „wie kann es dann sein, dass du hier stehst… fähig zu lieben? Denn laut deiner eigenen Aussage habt ihr beiden haargenau dasselbe durchgemacht.“
Das flackernde Kaminfeuer warf tiefe Schatten auf Kais markanten Gesichtszüge.
„Weil ich anders bin als Tala“, antwortete Kai nach einer kurzen Pause mit gewohnt ruhiger, tiefer Stimme. Er hielt inne, seinen Blick stoisch auf Elias gerichtet.
„Ich würde nicht sagen, dass ich mental stärker war. Das war ich sicher nicht… ich war nur… strategischer. Weniger wütend. Ich habe vieles einfach anders kanalisiert. Mein Charakter ist schlicht anders gestrickt und… vielleicht war ich von vornherein emotional intelligenter als er. So genau kann ich das nicht sagen.“
Die tiefen Worte hallten im Salon nach. Kai schwieg für einen Augenblick, ehe sich seine rubinroten Augen langsam zur Seite wandten und an Namis Zügen hängen blieben.
Was er vor Elias und den anderen verschwieg, war ein ganz bestimmtes, entscheidendes Detail: Namis heilende Aura. Sie war der wahre Schlüssel gewesen, der seine meterdicken Schutzmauern Stück für Stück aufgeweicht und es ihm überhaupt erst möglich gemacht hatte, Gefühle innerhalb eines kürzeren Zeitraums zu empfinden und zuzulassen.
Doch Kai wusste ebenso gut um die dunkleren Facetten seines eigenen Wesens. Ohne Namis heilende Präsenz wäre sein Weg ein völlig anderer gewesen. Er wäre niemals so kompromisslos in die Offensive gegangen wie Tala. Er wäre unendlich viel reservierter gegenüber Nami gewesen, als Tala es jetzt gegenüber Lumina an den Tag legte. Kai hätte sich tief in sein inneres Gehäuse zurückgezogen, hätte Distanz gewahrt und Nami jegliche emotionale Nähe vermutlich über Monate... wenn nicht Jahre... hinweg verweigert… anstatt einem wilden, unkontrollierten Trieb zu folgen, so wie der Russe es gerade tat.
Nami spürte den intensiven Blick ihres Mannes auf sich ruhen. Sie legte ihre Hand noch eine Nuance fester auf seine Brust und schenkte ihm ein leises, wissendes Lächeln.
Kai sah kurz wieder zu Elias auf und entließ einen leisen, fast unmerklichen Atemzug. „Tala bricht aus, indem er angreift. Ich habe mich eingeschlossen. Das ist der ganze Unterschied.“
Elias starrte Kai noch einen Moment lang stumm an, während er das Gesagte langsam in seinem Kopf sortierte. Die anfängliche Amüsiertheit in seinen Zügen war einer echten, tiefen Anerkennung gewichen. Er nahm einen weiteren bedächtigen Schluck aus seinem Glas und ließ ein leises, langes Ausatmen entweichen.
„‘Tala greift an, Kai schließt sich ein…‘“, wiederholte Elias leise Kais Worte, wie um den Klang der Erkenntnis auf der Zunge zu prüfen. Ein mattes, fast schon ehrfürchtiges Schmunzeln kehrte auf seine Lippen zurück.
„Das ist… eine verdammt scharfsinnige Diagnose, Kai“, fuhr Elias mit seiner sanften, angenehm ruhigen Stimme fort und wiegte den Kopf. „Und ehrlich gesagt wirft es ein völlig neues Licht auf das, was ich drüben im Hotel miterlebe. Wenn man es so betrachtet, ist Talas Aggression und diese unerbittliche Besitzgier im Grunde nichts anderes als seine ganz persönliche Art, um Hilfe zu schreien. Oder zumindest sein verzweifelter Versuch, nicht an etwas zu ertrinken, das er nicht greifen kann.“
Elias hob leicht das Glas in Kais Richtung, während sein Blick kurz zu Nami wanderte.
„Du hattest das Verdammte Glück... wenn du mir das Wort verzeihst... , dass du jemanden gefunden hast, der die Geduld und die Kraft hatte, deine Türen aufzuschließen, anstatt sie einzutreten. Lumina hingegen… nun ja, Lumina hat sich offenbar dazu entschlossen, den Sturm nicht auszusitzen, sondern sich direkt mitten hineinzustürzen.“
Ein leises Lachen entwich seiner Brust, und die gewohnte britische Leichtigkeit kehrte vollständig in seine Züge zurück.
„Ich muss gestehen: Als ich vor ein paar Tagen nach Tokio geflogen bin, dachte ich, ich besuche lediglich die bezaubernde Cousine meiner Cousine und schaue mir ein paar Universitäten an. Ich hatte ja keine Ahnung, dass ich hier mitten in einer psychologischen Feldstudie über die Überlebensmechanismen russischer Elitesoldaten lande.“
Er neigte charmant das Kinn in die Runde. „Aber eines muss man Lumina lassen… sie hat sich definitiv den einzigen Mann ausgesucht, der ihr niemals langweilig werden wird. Und wenn ich Oropax brauche, um das zu überstehen, ist es mir das ehrlich gesagt wert.“
Er nickte bedächtig, während sich ein sanftes, überaus charmantes Schmunzeln auf seinen feinen Zügen ausbreitete.
„Aber weißt du…“, begann Elias und sah Kai mit einem ehrlichen, warmen Blick an, ehe seine Augen zu Nami wanderten, „wenn ich ganz ehrlich bin, war ich damals dennoch überrascht, wie unglaublich schnell ihr beide dann offiziell ein Paar wart. Wenn man bedenkt, wie tief die Schutzmauern in deiner Seele verankert waren.“
In seinen Zügen spiegelte sich echtes Verständnis wider.
„Aber andererseits… ich kenne Nami nun auch schon eine ganze Weile. Ich weiß um ihre ganz besondere Wirkung auf Männer, diese unvergleichliche Ausstrahlung und Wärme, die sie umgibt“, fuhr Elias leise fort und schenkte Nami ein dankbares, anerkennendes Neigen des Kinns. „Vor so etwas kann sich auf Dauer absolut niemand schützen. Da war es im Grunde völlig unausweichlich, dass selbst ein so tief traumatisierter, eiskalter Mann wie du ihr schlussendlich vollkommen verfallen musste.“
Nami lächelte Elias warmherzig an und drückte sich noch ein wenig enger an Kais Seite, während Kai die Worte des Briten mit gewohnter stoischer Gelassenheit hinnahm.
Ein kaum wahrnehmbares, aber tiefes Einverständnis lag in seinem Blick, als er seinen Arm fest um Namis Taille geschlossen hielt.
Etwa zehn Minuten zuvor...
Die kühle Nachtluft schlug Lumina sofort entgegen, als sie die schweren Flügeltüren des Anwesens hinter sich schloss und die breite Steintreppe zum schneebedeckten Hof hinabstieg. Der Atem stand als feiner, weißer Schleier vor den Lippen, und der frische Pulverschnee knirschte leise unter den Sohlen ihrer Stiefel.
Draußen am massiven, schmiedeeisernen Hoftor stand eine dunkle, hochgewachsene Gestalt.
Tala lehnte im Schatten der steinernen Pfeiler, den Kragen seines schweren dunklen Mantels aufgestellt. Seine Arme hatte er vor der Brust verschränkt, während sein Blick unbewegt auf dem Weg lag, den Lumina auf ihn zukam. Als der Schein der Laternen ihr langes, silbriges Haar im Dunkeln aufleuchten ließ, regte sich keine einzige Faser seines Körpers. Seine eisblauen Augen fixierten sie mit einer unnahbaren, eiskalten Intensität.
Lumina blieb knapp vor ihm stehen. Sie schlug den Mantel um sich, strich sich eine Strähne aus dem Gesicht und blickte ihn spitzbübisch schmunzelnd an.
„Wieso bist du auf einmal eigentlich so anhänglich?“, fragte sie amüsiert, während ihre magentafarbenen Augen vor Vergnügen funkelten. „Wir teilen uns nicht einmal ein gemeinsames Hotelzimmer. Morgen Früh hätte es doch nun wirklich auch noch gereicht.“
Tala antwortete nicht. Stattdessen griff er ohne die geringste Vorwarnung nach vorn. Seine große Hand packte sie fest an der Taille und riss sie mit einem einzigen, kompromisslosen Ruck an seinen Körper.
Ehe Lumina auch nur einen Atemzug nehmen konnte, legte er seine Lippen in einem harten, berauschenden Kuss auf die ihren. Die pure Gewalt und die unerbittliche Hitze, die von ihm ausgingen, ließen Lumina für einen kurzen Moment überrascht schwanken, ehe sich ihre Hand reflexartig an seiner Brust festkrallte.
Als Tala sich langsam wieder von ihren Lippen löste, lag der Abstand zwischen ihren Gesichtern nur bei millimeterbreiten Atemzügen. Seine Augen brannten förmlich in der Dunkelheit.
„Weil ich dich... jetzt brauche“, sagte er mit einer rauen, tiefen Stimme, die keinen Raum für Widerrede ließ.
„Ich komme nicht runter.“
Lumina blinzelte leicht verwirrt, der Atem ging ihr bereits ein wenig schneller. „Was meinst du…?“
Anstatt zu antworten, packte Tala ihre Hand, führte sie bestimmt nach unten und platzierte ihre Handfläche direkt zwischen seinen Beinen.
Luminas Stocken war augenblicklich. Selbst durch den schweren Stoff seiner Hose hindurch spürte sie direkt die unglaubliche, Schmerzen bereitende Härte, die sich dort aufgestaut hatte. Tala keuchte kaum merklich auf, als ihre Finger mit ihm in Berührung kamen, und sein Atem begann flach und unruhig zu gehen. Er drängte sie einen Schritt zurück, bis ihr Rücken an den kühlen Stein des massiven Torpfeilers stieß, und schob seinen Körper so nah an ihren, dass kein Blatt Papier mehr dazwischen gepasst hätte.
Ein leises, erregtes Schaudern lief Lumina über den Rücken. Sie sah zu ihm auf, die Augen dunkel vor aufkeimender Lust, während sie mühsam nach Fassung rang.
„Tala…“, raunte sie leicht erregt und versuchte, seine Schultern ein wenig zurückzudrücken.
„Doch nicht… hier. Und jetzt… Es sind minus fünf Grad und überall liegt Schnee. Wir sollten ins Hotel fahren. Hier… hier können wir nicht.“
Tala verengte die Augen zu schmalen Schlitzen, während sein Atem heiße Dampfwolken in die eisige Nachtluft blies.
Das schwache Licht der Straßenlaterne schuf scharfe Schatten auf seinen markanten Zügen, die wie aus Marmor gemeißelt wirkten. Sein Griff an ihrer Taille lockerte sich kein bisschen... im Gegenteil, seine Finger gruben sich nur noch fester durch den Stoff ihres Mantels, um sie an den kalten Torpfeiler gepresst zu halten.
„Es ist mir scheißegal, wie kalt es ist“, raunte er mit einer dunklen, bedrohlichen Tiefe in der Stimme, die ihr bis in das Mark fuhr. Er neigte den Kopf, fuhr mit den Lippen an ihrer empfindlichen Halslinie entlang und biss ihr bestimmt in die Haut, was Lumina ein leises, erregtes Keuchen entlockte.
Sein Atem war heiß an ihrer Haut, ein extremer Kontrast zu den klirrenden minus fünf Grad um sie herum.
„Wir fahren nicht erst zwanzig Minuten durch ganz Tokio, damit du im Taxi wieder deine Spielchen spielst und mir sagst, ich soll mich zügeln“, knurrte Tala gegen ihren Hals. Seine Hand an ihrem Oberschenkel schob den Mantel ein Stück zur Seite, um sich noch dichter an ihren Körper zu drängen. Lumina konnte das unerbittliche Pochen und die reine Kraft spüren, die von ihm ausging.
„Du hast mir nicht geantwortet, um mich zu provozieren. Jetzt lebst du mit den Konsequenzen.“
Lumina entwich ein heiseres, kleines Lachen, während sie den Kopf leicht in den Nacken legte, um ihm mehr Zugriff auf ihren Hals zu gewähren. Ihre Vernunft versuchte vergeblich, gegen die Welle aus Hitze anzukämpfen, die Tala in ihr entfachte.
„Tala… das Tor ist aus Schmiedeeisen, man kann von den Fenstern des Anwesens hierher sehen…“, hauchte sie mit zittriger Stimme, versuchte ihm in die glühenden, eisblauen Augen zu sehen und legte ihre Hände an seine breiten Kieferknochen. „Wir erfrieren hier draußen auf dem schneebedeckten Boden... also lass... uns gehen.“
Tala hielt in seiner Bewegung inne. Seine Augen fixierten ihre Lippen, ehe er ihr wieder direkt in die Augen sah. Der Russe in ihm... der sture, unberechenbare Mann, der gelernt hatte, jeden Impuls mit schierer Gewalt durchzudrücken... rang sichtbar mit der verbliebenen Logik in seinem Kopf.
„Weiter vorne an der Kreuzung wartet bereits das Taxi“, raunte er schließlich knapp, packte ihr Handgelenk und zog sie ohne weitere Umschweife mit einer einzigen Bewegung hinter sich her in Richtung der dunklen Straße. „Ich zahle für jede weitere Minute, die der Fahrer auf mich warten muss, extra. Also beweg deine Beine.“
Er sah sie von der Seite an, während er den Schritt verstärkte: „Du steigst jetzt ein. Und du denkst nicht einmal daran, unterwegs auch nur ein einziges Wort zu sagen.“
Lumina stolperte im tiefen Schnee ein wenig hinter Talas ausladenden Schritten her, hielt aber ohne Zögern sein Tempo. Ein heiseres, spitzbübisches Lachen entwich ihrer Kehle, während der eisige Wind ihnen die feinen Schneeflocken ins Gesicht blies.
„Ach ja? Und was genau hast du nachher vor, Mr. Valkov?“, fragte sie erregt und mit gewohnt provokanter Leichtigkeit, während sie ihr Handgelenk leicht in seinem eisernen Griff drehte. „Wenn wir drüben im Hotel heute Nacht schon wieder die gesamte Etage aus dem Bett holen, schmeißt die Direktion uns morgen endgültig hochkant auf die Straße. Elias wird sich bedanken!“
Tala blieb nicht einmal stehen. Er zog sie mit einer einzigen, unerschütterlichen Bewegung dichter an seine Seite, während der Schein der Straßenlaterne an der Kreuzung das wartende Taxi im dichten Schneegestöber sichtbar machte. Sein Blick blieb starr nach vorne gerichtet, doch seine Stimme war ein tiefes, raues Knurren, das Lumina bis in den Magen fuhr.
„Mach dir um das Hotel keine Sorgen“, raunte er eiskalt, ohne ein einziges Mal mit der Wimper zu zucken. „Ich habe für heute Nacht ein Zimmer in einem Love Hotel gebucht. Ein großes Zimmer… mit absoluter Schalldämmung und verdammt stabilen Möbeln.“
Er hielt direkt an der Hintertür des Taxis inne, riss die Tür mit einer Hand auf und drängte Lumina mit der anderen ohne Umwege in die Wärme des Fond. Ehe sie sich setzen konnte, folgte er ihr augenblicklich, schlug die Tür hinter sich zu und schloss die Distanz zwischen ihren Körpern auf der Rückbank so kompromisslos, dass die Dunkelheit des Innenraums sie vollkommen einhüllte.
Sein Gesicht war nur Zentimeter von ihrem entfernt, seine eisblauen Augen brannten vor unerbittlicher Besitzgier, während der Taxifahrer vorne stumm den Gang einlegte.
„Morgen wirst du keinen einzigen Schritt mehr ohne mich laufen können“, flüsterte Tala ihr direkt an die Lippen, während seine große Hand sich bereits gierig in den Stoff ihres Mantels grub und ihr jede Ausweichmöglichkeit nahm. „Und das ist nicht nur ein Versprechen, Lumina. Das ist eine verdammt unumstößliche Tatsache.“
Lumina schluckte schwer, während ein scharfer Hitzeimpuls ihren Körper durchflutete. Sie sah ihn aus ihren dunkel magentafarbenen Augen an, die Lippen leicht geöffnet, und spürte genau, dass er jedes einzelne dieser Worte wortwörtlich meinte...