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Die doppelte Überraschung

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Die doppelte Überraschung

Das leise Schnurren des Zwölfzylinders durchdrang die gedämpfte Stille im Innenraum des dunkelgrünen Bentleys, während Graham den schweren Wagen souverän durch die winterlich kühlen Straßen navigierte. Draußen zog die Stadt in einem sanften Dunstschleier vorbei, doch im Fond der Limousine herrschte eine wohltemperierte, vertraute Atmosphäre. Das edle Leder und der feine Duft nach Holz bildeten einen ruhigen Kontrapunkt zu den bevorstehenden Turbulenzen des Tages.

Nami lehnte sich in die kühlen Ledersitze zurück, das Smartphone in den filigranen Fingern. „Elias hat gerade geschrieben“, brach sie die Stille und strich sich eine silbrige Locke über die Schulter. „Er meinte, er habe mehrfach an beiden Zimmertüren geklopft... sowohl bei Lumina als auch bei Tala. Absolute Funkstille. Und zum Frühstück sind die zwei naturgemäß auch nicht aufgetaucht. Elias wirkt dezent verwirrt.“

Kai wandte den Kopf nicht ab, hob jedoch eine Braue. „Ist Elias wirklich überrascht darüber, die beiden nicht anzutreffen?“

Nami lachte leise und schüttelte den Kopf. Als Luminas Cousin überraschte Elias eigentlich kaum noch etwas, wenn es um ihre Cousine und Männer ging... er kannte Lumina gut genug.

„Es ist Elias’ erste Zeit in Japan“, erklärte Nami schmunzelnd. „Er fragt sich schlichtweg, wo die beiden stattdessen abgetaucht sind. Das Konzept eines Love Hotels... wo die zwei mit Sicherheit gelandet sind, kennt er als Brite einfach nicht.“

Ein trockenes Schmunzeln stahl sich auf Kais Züge. „Du bist dir also auch absolut sicher, dass sie in einem Love Hotel sind?“

Nami lachte erneut silbrig auf. „Nun ja... nach allem, was man so über die nächtlichen Ruhestörungen im Luxushotel gehört hat, gehe ich stark davon aus, dass Tala diesmal ein etwas... stabileres Zimmer mit vernünftiger Schalldämmung bevorzugt hat.“

Vorne am Steuer hob Graham kurz den Blick im Rückspiegel, unterdrückte ein unmerkliches Schmunzeln und drosselte die Geschwindigkeit. Der Bentley bog sanft in die schmale Straße ein, die direkt zum Granger-Dojo führte.

Das alte Holzgebäude zeichnete sich bereits gegen den Winterhimmel ab. Trotz der Jahre strahlte das Dojo immer noch dieselbe traditionelle Energie aus... nur dass es heute von einer ganz anderen Unruhe erfüllt war.

Schon von weitem war Tysons lautes, herzliches Lachen zu hören, vermischt mit dem Klappern von Geschirr und dem vertrauten Durcheinander der ehemaligen Bladebreakers.

Graham brachte den Wagen mit absoluter Präzision direkt vor dem Eingang zum Stehen, stieg aus und öffnete gewohnt stilvoll die Tür. Der frische Winterwind schlug ihnen entgegen, als Kai als Erster aus dem Fahrzeug trat, Nami die Hand reichte und sie gemeinsam den Pfad zum Eingang des Dojos betraten.

Nami hielt direkt vor der massiven Holztür des Dojos inne. Der kühle Winterwind strich sanft durch ihr silbriges Haar, als sie sich zu Kai umwandte. Sie legte den Kopf leicht schräg und sah ihn aus ihren ozeanfarbenen Augen fragend an.

„Sag mal, mein Schatz… wäre es für dich in Ordnung, wenn ich Elias schreibe, dass er auch zum Brunch nachkommen soll?“, fragte sie leise, während sie ihr Smartphone wieder aus der Handtasche holte. Ein feines Schmunzeln umspielte ihre Lippen.

„So wie ich die Sache einschätze, wird Lumina in den nächsten Stunden wohl kaum bei ihm auftauchen. Wenn er im Hotel bleibt, langweilt er sich doch nur zu Tode.“

Kai hielt im Schritt inne und sah sie für einen langen Moment schweigend an. Seine roten Augen fixierten sie ruhig. Vor ein paar Tagen noch hätte ihn dieser Vorschlag leise gestört... schließlich war ihm keineswegs entgangen, dass Elias früher tiefere Gefühle für Nami gehegt hatte. Doch nach dem gestrigen Abend, als er Gelegenheit gehabt hatte, sich ein wenig länger mit dem Briten zu unterhalten und ihn besser kennenzulernen, war ihm der Kerl... tatsächlich schon fast sympathisch geworden.

Nami beobachtete die kleine Veränderung in seinem Blick ganz genau. Ein leichtes Lächeln stahl sich auf ihre Lippen, und sie biss sich sanft auf die Unterlippe, während sie schweigend auf seine Zustimmung wartete.

Kai bemerkte ihren Blick, begegnete ihm kurz und ließ den Atem schließlich in einem leisen Seufzer entweichen. Er schüttelte unmerklich den Kopf, auch wenn in den Winkeln seiner Augen ein Hauch von Milde lag.

„Von mir aus. Er kann ruhig kommen“, sagte er mit seiner gewohnt kühlen, tiefen Stimme und wandte den Blick wieder in Richtung Dojotür. „Vielleicht lenkt das Tyson wenigstens ein bisschen von mir ab.“

Nami lachte leise auf, tippte rasch eine kurze Nachricht in ihr Handy und schob es zurück in die Tasche. „Glaub mir, Tyson wird sich freuen, ein neues Opfer für seine Geschichten zu haben“, raunte sie amüsiert und trat dicht an seine Seite.

Kai legte die Hand auf die schwere Holzklinke, hielt jedoch einen Moment inne. Während drinnen bereits der dumpfe Lärm von Tysons Stimme widerhallte, beugte er sich leicht zu ihr hinunter.

„Erinnere mich noch einmal daran, weswegen genau ich hier überhaupt mitkommen musste“, raunte er ihr mit tiefer, rauer Stimme leise ins Ohr, während sein Blick gewohnt kühl auf dem Holz der Tür ruhte. „Sowas hier... könntest du auch getrost ohne mich machen.“

Nami lachte leise auf, wandte sich ihm noch ein Stück mehr zu und schmiegte sich sanft an seine Seite. Eine ihrer Hände ruhte dabei wie von selbst schützend auf ihrem gerundeten Achtmonatsbauch.

„Nun ja... wie du vielleicht bemerkt hast, bin ich in anderen Umständen“, raunte sie schmunzelnd zurück und blickte zu ihm auf.

„Und da fühle ich mich nun einmal an deiner Seite am sichersten...“ Sie hielt kurz inne, während ihre ozeanfarbenen Augen sanft aufblitzten, und fügte dann in einem etwas ernsteren, aber warmen Ton hinzu: „Doch was noch viel wichtiger ist... das hier sind deine jahrelangen Weggefährten, Kai. Tyson wäre sicher maßlos enttäuscht gewesen, wenn du dich stattdessen heute in deine Bilanzen im Tower gestürzt oder nach Spuren bezüglich Sobolev gesucht hättest.“

„Was ich tausendmal lieber getan hätte, als diesem Pausenclown beim Brunchen zuzusehen“, warf Kai trocken und ohne die geringste Regung im Gesicht ein.

Die absurde Beiläufigkeit, mit der er es aussprach, brachte Nami vollends aus der Fassung. Sie verfiel in einen leisen Lachanfall, drückte sich kurz amüsiert an seinen Arm und schüttelte den Kopf über seine unverwüstliche Art. Kai beobachtete sie für einen Herzschlag mit einem kaum wahrnehmbaren, weichen Zug um die Augen, ehe er die massive Tür aufstieß.

Gemeinsam traten sie ein. Während sie den langen, von altem Holz gesäumten Gang entlanggingen, der direkt in den großen Dojosaal führte, verhallte Namis Lachen langsam in ein warmes Lächeln... bereit für das unvermeidliche Chaos, das am Ende des Flurs auf sie wartete.

Während ihre Schritte gleichmäßig über die alten Dielen des Flurs hallten, sah Kai unverändert nach vorn und meinte vollkommen beiläufig: „Ich habe übrigens am kommenden Mittwoch einen Termin für eine... erneute Vasektomie.“

Nami blieb wie angewurzelt stehen.

Kai machte noch einen Schritt, bevor er ihr Innehalten bemerkte und sich zu ihr umwandte.

Sie starrte ihn schlichtweg an. Ihre ozeanarbenen Augen waren weit geöffnet, und sie blinzelte ein paar Mal hintereinander, als müsste ihr Verstand die Worte erst verarbeiten. Der plötzliche Umschwung von der gelösten Stimmung hin zu diesem Thema traf sie völlig unvorbereitet... sie wusste im ersten Moment schlichtweg nicht, was sie sagen sollte.

Kais Blick verengte sich leicht. Seine Aufmerksamkeit schärfte sich augenblicklich, während er beide Hände locker in die Taschen seiner dunklen Hose schob und sie eindringlich musterte.

„Was?“, fragte er ruhig, doch mit diesem typischen, scharfen Unterton. „Sag bloß, der Gedanke daran stört dich? Was wäre denn die Alternative? Kondome?“ Er zog eine Braue hoch und fügte ohne das geringste Zögern hinzu: „Denn... ich lasse sicher nicht zu, dass du diese Chemiepillen schluckst, die deinen Zyklus durcheinanderbringen und deinem Körper sowie deinem Wohlbefinden schaden.“

Kai machte zwei ruhige Schritte auf sie zu, schloss den kurzen Abstand und legte die Finger einer Hand sanft unter ihr Kinn, um es leicht anzuheben und direkt in ihre ozeanfarbenen Augen zu sehen.

„Oder... hast du dir etwa in den Kopf gesetzt, dass wir direkt nachlegen?“, fragte er ruhig, während sein Blick sie unverwandt fixierte. „Dir ist... schon bewusst, dass das nicht passieren wird.“

Nami sah ihn an und öffnete den Mund, doch sie brachte kein Wort heraus. Sie wusste schlichtweg nicht, was sie sagen sollte... denn im Grunde hatte er recht.

Was wäre denn die Alternative?

Sobald Gou auf der Welt war und sie sich nach einer Weile wieder vollkommen erholt hatte, würde die gewohnte Intensität ihrer Intimität zurückkehren. Der Gedanke an Kondome... an eine künstliche Barriere zwischen ihnen... war für sie schlicht unvorstellbar. Kai war ihr erster und einziger Mann gewesen; niemals zuvor hatte sie ihn durch eine Schicht aus Latex spüren müssen.

Allein die Vorstellung fühlte sich wie ein Verlust an und machte sie leise traurig.

Und die Pille zu nehmen... kam ohnehin nicht infrage. Sie hatte fest vor, Gou nach der Geburt zu stillen, womit hormonelle Verhütungsmittel schon allein deshalb wegfielen, um dem Baby nicht zu schaden.

Doch selbst abgesehen davon wäre es genau wie von ihm beschrieben vollkommen kontraproduktiv. Es war nicht nur ungesund für ihren Körper, sondern würde ihren gesamten Hormonhaushalt durcheinanderbringen. Es könnte ihren Geruchssinn verändern, ihre Stimmung beeinträchtigen und sogar ihre Libido dämpfen... und damit womöglich das intensive Verlangen nach ihm.

Ehe Nami diesen Gedankengang zu Ende führen konnte, durchbrach Kais Stimme die Stille.

„Oder geht es dir bei dem Gedanken tatsächlich darum, noch ein Baby zu bekommen?“, fragte er spürbar aufmerksamer. Er war sich sicher, dass genau das der Grund für ihre plötzliche Reaktion war.

Er seufzte leise, ließ seine Hand von ihrem Kinn an ihre Taille gleiten und zog sie sanft, aber bestimmt eng an sich.

„Entspann dich erst einmal“, sagte er mit tiefer, ruhiger Stimme. „Gib mir doch bitte die Möglichkeit, erst einmal ein Vater für dieses eine Kind zu sein. Ich muss das erst einmal hinbekommen, bevor ich überhaupt an so etwas wie weitere Kinder denken kann.“

Er beugte sich hinab und legte seine Schläfe sanft an ihre. Nami schloss für einen Augenblick die Augen und genoss die vertraute Wärme, die von ihm ausging.

Kai atmete tief ein und fuhr leise fort: „Ich sage das jetzt nicht, nur um dich zu beruhigen... du weißt genau, dass ich nichts schönrede und dir immer die Wahrheit sage. Aber... wir sind noch so jung. Und Gou war nicht geplant. Falls wir beide uns irgendwann für weitere Kinder entscheiden sollten... hätte ich dieses Mal gerne die Möglichkeit, es richtig zu planen.“

Nami löste sich von ihm, sah ihn an, atmete tief durch und nickte schließlich langsam. Seine Worte sickerten in ihr Bewusstsein, und die anfängliche Verunsicherung wich einer klaren, liebevollen Einsicht.

„Du hast recht“, sagte sie leise, während sie ihren Blick fest in seinen roten Augen verankerte. „Was wäre die Alternative? Ich will dich niemals mit einer Barriere zwischen uns spüren müssen, ... das könnte ich gar nicht. Und die Pille ist keine Option. Vor allem nicht, wenn Gou erst einmal da ist und ich ihn stille.“

Sie legte ihre Hand sanft auf seine Brust, spürte den ruhigen, stetigen Schlag seines Herzens und fuhr in einem sanfteren Ton fort: „Und... ich weiß ja auch, dass diese Vasektomie nicht endgültig sein muss. Die vorige war es schließlich auch nicht.“ Ein feines, leicht wehmütiges Schmunzeln huschte über ihre Lippen.

Kai spürte ihre Zustimmung, doch der aufmerksame Zug in seinen Augen blieb. Er wusste genau, dass das Thema für sie noch nicht vollkommen abgeschlossen war.

Nami holte tief Luft. Eine leise Frage brannte ihr noch auf den Lippen, und sie sah ihn mit einer Mischung aus Verletzlichkeit und tiefer Zuneigung an. „Aber... was mache ich, wenn der Wunsch nach einem zweiten Kind irgendwann wieder in mir aufflammt? Wenn ich es mir einfach so sehr wünsche?“

„Dann lässt du es mich sofort wissen, damit ich bereit sein kann“, warf Kai ohne das geringste Zögern ein. Seine Stimme war absolut fest und frei von jedem Zweifel.

Nami blinzelte überrascht, als sie ihn ansah.

Kai ließ seinen Blick nicht von ihr weichen. „Denn... wenn du es dir wirklich wünschst“, fuhr er vollkommen trocken, aber mit einer unmissverständlichen Intensität fort, „werde ich wohl eine dritte Vasektomie brauchen, sobald der Wunsch in Erfüllung gegangen ist.“

Nami brauchte einen kurzen Herzschlag, um zu begreifen, was er damit meinte. Er spielte ohne jede Umschweife auf das an, was damals geschehen war... dass ihre Auren sich auf unbegreifliche Weise verbunden hatten und ihre Magie den Wunsch in ihrem Herzen einfach wahr werden ließ. Kai ging ganz selbstverständlich davon aus, dass, sollte Nami sich aus tiefster Seele ein weiteres Kind wünschen, die Natur und ihre Bit-Beast-Auren ohnehin wieder einen Weg finden würden, seine Sterilisation außer Kraft zu setzen.

Ein warmes, überraschtes Lachen entkam ihrer Kehle... doch noch im selben Moment spürte sie, wie ein scharfer, überwältigender Stich der Erleichterung durch ihre Brust fuhr. Ihre Sicht verschwamm, und heiße Tränen der reinen Glückseligkeit stiegen in ihre ozeanarbenen Augen.

Sie konnte nicht verhindern, dass sie sich hilflos den Verstand rauben ließ von der schieren Sicherheit, die seine Worte ihr schenkten. Dass dieser sonst so kühle, kontrollierte Mann nicht nur ihrer beider Natur verstanden hatte, sondern ihr auf diese trocken-pragmatische Art versicherte, dass er niemals wieder gegen ihre Träume ankämpfen würde, gab ihr in diesem Augenblick einen unendlich tiefen Halt.

Ein leiser, schluchzender Laut entwich ihren Lippen, während die Freudentränen über ihre Wangen liefen.

„Du bist unmöglich, Kai Hiwatari…“, hauchte sie mit heiserer, vor Glück zitternder Stimme.

Sie schlang die Arme um seinen Nacken, zog seinen Kopf zu sich und küsste ihn tief und voller Leidenschaft, während zwei Tränen auf seine Wangenknochen tropften.

Kai ließ es gewähren, schlang seinen Arm fest um ihre Taille und zog ihren Körper ganz nah an sich, um sie zu stützen und ihren gerundeten Bauch zu schützen. Mit dem Daumen seiner freien Hand strich er ihr sanft und ohne ein Wort die Tränen von den Wangen.

Sein Blick war gewohnt ruhig, doch in der Tiefe seiner roten Augen lag diese seltene, unerschütterliche Weichheit.

„Ich bin realistisch“, erwiderte er schließlich leise an ihren Lippen, ehe er ihr noch einen kurzen, besitzergreifenden Kuss gab und sich wieder aufrichtete. Er nahm ihre Hand, verschränkte seine Finger fest mit ihren und steuerte das Ende des Flurs an. „Komm jetzt. Tyson scharrt drinnen sicher schon mit den Hufen.“

Kai schob die schwere Holzschiebetür auf, und die dichte, intime Atmosphäre des Flurs wurde im selben Moment von dem vertrauten Chaos des Granger-Dojos verschlungen.

„... sag ich dir doch, Ray! Wenn man den Drehmoment beim Absprung um fünf Grad verstellt, hat der Gegner absolut keine Chance mehr!“, polterte Tysons Stimme durch den großen Raum. Er stand mit ausladenden Gesten mitten auf den Tatami-Matten, ein halb angebissenes Mochi in der einen Hand und einen Beyblade-Prototypen in der anderen.

Ray saß im Schneiderseitz am niedrigen Tisch, nippte gelassen an seinem Dampfenden Grüntee und nickte mit stoischer Geduld, während Max vergnügt in einer Schüssel mit Miso-Suppe rührte. Am Rand des Raumes saß Kenny, der wie eh und je hektisch auf die Tastatur seines Laptops einhackte, während aus der angrenzenden Küche das meckernde Poltern von Tysons Großvater zu hören war.

Das laute Klappern der Schiebetür ließ die Runde schlagartig verstummen.

Tysons Kopf wirbelte herum. Doch noch ehe er zu seiner gewohnten, stürmischen Begrüßung ansetzen konnte, blieben seine Augen an Namis Gesicht hängen. Die leichten Rötungen um ihre ozeanfarbenen Augen und die glänzenden Spuren auf ihren Wangen entgingen dem Weltmeister keineswegs.

Tyson stemmte die Hände in die Hüften, legte den Kopf schief und zeigte mit dem halben Mochi direkt auf seinen ehemaligen Teamkapitän.

„Kai!“, rief er mit gewohnter Distanzlosigkeit und schauspielerischem Entsetzen. „Kaum bist du fünf Minuten im Haus, bringst du deine hochschwangere Frau schon zum Weinen? Was hast du angestellt?“

Kai würdigte ihn keines Blickes. Mit gewohnt kühler, unnahbarer Eleganz trat er an Tyson vorbei, als wäre dieser schlichtweg nicht vorhanden, während seine Hand noch immer fest und schützend in Namis verschränkt lag.

„Halt den Mund, Tyson“, warf Kai vollkommen trocken ein und steuerte direkt den freien Platz am Tisch an.

Ray und Max wechselten einen amüsierten Blick. Nami lachte leise auf, strich sich die silbrigen Haare hinter das Ohr und wischte die allerletzten Spuren ihrer Freudentränen endgültig fort.

„Keine Sorge, Tyson“, sagte sie mit einem strahlenden, warmen Lächeln, das den gesamten Raum vermeintlich erhellte. „Es war absolut nichts Schlimmes. Kai hat mir nur auf seine ganz eigene... pragmatische Art versichert, wie sehr er sich auf die Zukunft freut.“

Tyson zog eine Augenbraue hoch und blickte zwischen Kai, der sich bereits mit verschränkten Armen und unbewegter Miene niedergelassen hatte, und Nami hin und her.

„Pragmatisch? Seit wann ist Kai bitte pragmatisch, wenn es um Gefühle geht? Das klingt eher verdächtig!“

„Lass sie doch erst einmal ankommen, Tyson!“, schaltete sich Hilary ein, die mit einer dampfenden Schüssel aus der Küche trat und Tyson amüsiert den Kochlöffel entgegenstreckte. Sie wandte sich sofort besorgt an Nami. „Setz dich erst einmal richtig hin, Nami. Geht es dir gut? Kann ich dir ein Kissen für den Rücken holen?“

„Mir geht es wunderbar, Hilary, danke“, erwiderte Nami schmunzelnd, während sie sich vorsichtig und abgestützt auf die weichen Matten gleiten ließ.

„Wo stecken eigentlich Tala und Lumina?“, fragte Max neugierig in die Runde und schaute zur Tür. „Wir dachten, ihr kommt alle zusammen?“

Kai schnaufte unmerklich leise ab, während Nami sich ein amüsiertes Schmunzeln nicht verkneifen konnte.

„Sagen wir einfach... die beiden hatten eine etwas längere Nacht“, antwortete Nami verschmitzt und holte ihr Handy hervor. „Aber Elias müsste jeden Moment hier sein. Ich habe ihn spontan auch eingeladen.“

„Elias? Der Brite?“, hakte Tyson mit vollem Mund nach und schluckte gierig herunter.

„Perfekt! Mehr Leute bedeutet mehr Essen... und endlich mal jemand neues, dem ich meine neuen Angriffsstrategien erklären kann!“

Kai schloss für einen kurzen Moment die Augen und seufzte unhörbar. Es war laut, es war chaotisch und Tyson war nach wie vor eine nervliche Belastungsprobe... doch als er Namis gelöstes, glückliches Lächeln an seiner Seite sah, wusste er, dass es die richtige Entscheidung gewesen war, mitzukommen.

Tyson nickte verständnisvoll und nahm sich direkt das nächste Mochi. „Max hat schon von Elias erzählt! Der Typ soll ja angeblich unnormal gut aussehen.“

Max lachte auf und schüttelte schmunzelnd den Kopf. „Sag ihm das nachher bitte bloß nicht direkt ins Gesicht, Tyson. Der Arme hat gestern Abend schon genug davon abbekommen... Namis Großmutter wollte ihn gefühlt auf der Stelle verheiraten.“

Nami und Hilary konnten sich ein herzhaftes Lachen nicht verkneifen. „Glaub mir, Elias ist in der Hinsicht abgehärtet“, amüsierte sich Nami, ehe sie den Blick über die Runde schweifen ließ und neugierig nachfragte: „Wo steckt eigentlich Mariah?“

„Sie ist kurz auf Toilette“, antwortete Ray gelassen und nahm einen Schluck von seinem Tee.

„Da ist sie jetzt aber schon zum dritten Mal innerhalb einer Stunde“, warf Hilary leicht besorgt ein und blickte in Richtung des Flurs.

„Sie wirkt heute auch irgendwie blass. Vielleicht brütet sie ja was aus?“

Im selben Moment warf Nami Max einen vielsagenden, kurzen Blick von der Seite zu.

Unter Namis amüsiertem Blick zuckte Max unwillkürlich zusammen. Die Panik, sich gleich noch einmal zu verplappern, stand ihm ins Gesicht geschrieben. Er wich ihrem Blick mit einer verdächtig hektischen Bewegung aus, griff nach seiner Schüssel und schlürfte lautstark die restliche Misosuppe aus, als hing sein Leben davon ab.

Mariah kehrte wenig später aus dem Flur zurück, strich sich das Haar hinter die Ohren und setzte sich mit einem etwas matten Lächeln wieder neben Ray.

Hilary, die noch immer voller Fürsorge war, schob ihr sogleich eine Tellerportion entgegen. „Hier, Mariah, iss ein bisschen was. Großvater Granger hat extra diese frittierten Fischfrikadellen gemacht... die duften herrlich und stärken die Abwehrkräfte!“

Kaum dass der fettige Geruch Mariahs Nase erreichte, färbte sich ihr Gesicht noch ein Nuance blasser. Sie schluckte schwer, winkte mit einer fast panischen Handbewegung ab und drehte sich leicht von der Schüssel weg.

„Danke, Hilary... aber wirklich nicht nötig. Der Geruch ist mir gerade etwas... zu intensiv.“

„Zu intensiv?“, rief Tyson mit vollem Mund dazwischen und grinste breit. „Das ist bester Kabeljau! Sag bloß, du hast gestern Abend heimlich zu viel gefeiert und verträgst das Essen nicht mehr?“

Ray legte sofort schützend den Arm um Mariahs Schultern und schoss Tyson einen warnenden Blick zu. „Lass sie einfach in Ruhe, Tyson. Ihr ist schlichtweg nicht gut.“

Direkt gegenüber saß Max. Der Arme wirkte, als stünde er kurz vor einem spontanen Schwächeanfall. Die Angst, dass Mariah oder Ray bemerken könnten, dass er das riesige Geheimnis bereits gestern im Anwesen ausgeplaudert hatte, brannte ihm förmlich auf der Stirn. Er schielte nervös zu Nami, schluckte die spärlichen Reste seiner Suppe hinunter und hielt sich die leere Schüssel fast wie einen Schutzschild vor das Gesicht.

Nami beobachtete das Schauspiel mit einem amüsierten, eleganten Lächeln. Sie lehnte sich leicht an Kais Schulter und schüttelte schmunzelnd den Kopf über Max’ offensichtliche Verzweiflung.

Kai, der das stumme Drama neben sich natürlich längst durchschaut hatte, schnaufte leise durch die Nase.

„Tyson“, sagte Kai mit seiner gewohnt tiefen, schneidenden Stimme, ohne den Blick von seinem Grüntee zu heben. „Konzentrier dich aufs Kauen. Das verringert das Risiko, dass du redest.“

„Hey!“, beschwerte sich Tyson sofort, doch die Aufmerksamkeit war glücklicherweise von Mariah und dem völlig aufgelösten Max abgelenkt.

Genau in diesem Moment ertönte das helle, traditionelle Klingeln vorne an der Eingangstür des Dojos.

Tyson hielt mitten in einer Kaubewegung inne, blickte verwirrt in Richtung des Flurs und rief mit lauter Stimme: „Wer klingelt denn da? Ist die Tür nicht offen?“

Nami lachte leise auf und schüttelte schmunzelnd den Kopf. „Nun ja... Elias ist eben höflich. Das nennt man britische Erziehung, Tyson.“

Ehe Tyson etwas erwidern konnte, schob sich sein Großvater mit einem Geschirrhandtuch über der Schulter aus der Küche. „Ich geh schon!“, brummte der alte Herr gutmütig und winkte ab. „Ich warte eh noch auf ein Päckchen mit frischem Grüntee... vielleicht ist das ja der Bote.“

Er ging mit seinen Holzsandalen schlurfend den Flur entlang. Am Tisch kehrte für einen kurzen Augenblick Ruhe ein, während alle gespannt auf den Eingang blickten.

Nur wenige Minuten später trat Tysons Großvater wieder durch die Tür des Dojosaals. Sein Gesichtsausdruck war eine Mischung aus ehrlicher Verblüffung und großväterlichem Staunen. Er blieb kurz stehen, hielt die Schiebetür auf und riss die Augen leicht auf.

„Mein lieber Scholli...“, rüttelte der Alte an seinem Bart und schüttelte den Kopf. „Das ist mal ein Anblick, den man wahrlich nicht alle Tage sieht!“

Direkt hinter ihm trat Elias ein. Der Brite blickte stilvoll und mit einem tadellosen, leicht verlegenen Lächeln in die Runde. In seinem maßgeschneiderten Mantel und mit den elegant gestylten weißblonden Haaren wirkte er in dem rustikalen, holzgetäfelten Dojo wie eine Erscheinung aus einer völlig anderen Welt.

Er streifte sich am Eingang gewohnt elegant die Schuhe ab, ging leicht in die Knie und richtete seine Kleidung mit einer fließenden Bewegung wieder aus.

„Guten Morgen allerseits“, grüßte er mit angenehmer, tiefer Stimme und einem perfekten, leicht verlegenen Lächeln.

„Verzeiht bitte die plötzliche Störung. Nami war so freundlich, mich einzuladen.“

Tysons Großvater klopfte ihm begeistert und vollkommen ohne Berührungsängste auf die Schulter. „Ach, was für eine Störung! Schaut euch diesen jungen Mann an... Haltung, Manieren und gekleidet wie ein Lord! Komm rein, mein Junge, setz dich! Ich hole sofort ein frisches Gedeck.“

Hilary saß wie erstarrt da. Ihr fiel fast der Löffel aus der Hand, während ihre Augen verdächtig groß wurden. Sie blinzelte ein paar Mal hintereinander und versuchte krampfhaft, sich absolut nichts anmerken zu lassen.

Doch die leichte Röte, die ihr blitzartig auf die Wangen stieg, strafte sie Lügen. Max’ Vorwarnung war absolut keine Übertreibung gewesen... Elias sah aus wie direkt aus einem Mode-Magazin entsprungen. Sie schluckte leicht, straffte die Schultern und versuchte angestrengt, eine professionelle, unbeeindruckte Miene aufzusetzen, was ihr nur mäßig gelang.

Tyson hingegen sprang sofort auf, griff nach einer freien Matte und klopfte wie wild darauf. „Hey Elias! Komm, setz dich her! Max hat schon gesagt, dass du cool drauf bist. Sag mal, fährst du drüben in England eigentlich auch Beyblade?“

Elias nahm mit müheloser Anmut auf der Matte Platz, strich sich eine weißblonde Haarsträhne aus der Stirn und schmunzelte amüsiert über Tysons stürmische Art. „Ich fürchte, meine Beyblade-Künste halten sich stark in Grenzen. Aber ich sehe mir die Kämpfe aus reinem Interesse sehr gerne an.“

„Tyson, um Himmels willen!“, fuhr Hilary dazwischen und versuchte mit etwas zu hoher Stimme, die Kontrolle zurückzugewinnen, um ihre eigene Verlegenheit zu überspielen. „Fahr den Gast doch nicht direkt so an! Lass ihn doch erst einmal richtig ankommen und durchatmen!“

Nami lehnte sich mit einem vielsagenden, amüsierten Grinsen zurück und wechselte einen kurzen Blick mit Kai. Kai verzog keine Miene, hob nur ganz leicht eine Braue und nahm gelassen einen Schluck aus seiner Teetasse. Die Mischung aus Hilarys plötzlicher Befangenheit und Tysons distanzloser Begeisterung war exakt das Spektakel, das zu erwarten gewesen war.

Tysons Großvater stellte Elias mit einem stolzen Lächeln eine dampfende Schale hin. „So, mein Junge! Hier hast du ein frisches Set mit frittierten Fischfrikadellen, warmem Reis und eingelegtem Gemüse. Greif ordentlich zu!“

Als der intensive, fettige Dampf des frischen Essens über den Tisch zog, geschah es schlagartig.

Mariah erstarrte mitten in der Bewegung. Ihre Gesichtsfarbe wich binnen einer Sekunde komplett aus ihren Wangen. Sie hielt sich hastig beide Hände vor den Mund, stieß ihre Matte nach hinten und stürzte ohne ein einziges Wort schlagartig aus dem Raum in Richtung Badezimmer.

„Mariah!“, rief Hilary überrascht aus, schob ihre eigene Schüssel beiseite und sprang besorgt auf. „Ich geh lieber mal nach ihr schauen... das ist doch nicht normal!“ Sie eilte Mariah dicht auf den Fersen hinterher.

Tyson blinzelte völlig verständnislos in die Runde, schaut kurz zu Elias und witzelte dann kichernd: „Mein lieber Scholli... Ist dein Anblick etwa so überwältigend, dass es ihr glatt auf den Magen geschlagen ist?“

Elias hob leicht überrascht die Brauen, bewahrte aber sein feines Lächeln.

Am Tisch begann es nun jedoch gewaltig zu brodeln. Ray sah seiner Verlobten besorgt nach, ehe er seinen Blick auf den Tisch richtete. Ihm war absolut unwohl dabei, dass Mariah sich so quälte... schließlich war es ihr gemeinsames Geheimnis. Bisher wusste nur Max Bescheid. So dachte er...

Direkt gegenüber saß Max. Der Arme stand kurz vor dem absoluten Nervenzusammenbruch. Die Adern an seinen Schläfen pochten leicht, Schweißperlen bildeten sich auf seiner Stirn. Er spürte Namis amüsierten Blick auf sich ruhn, und auch Kai beobachtete die Situation mit gewohnt kühler, scharfer Aufmerksamkeit. Der Druck in Max’ Kopf wurde unerträglich... die Angst, Mariahs Zustand vor allen nicht mehr decken zu können, ließ seine Sicherungen durchbrennen.

„Es ist nicht der Fisch!“, platzte es plötzlich vollkommen schrill und viel zu laut aus Max heraus.

Er knallte seine Essstäbchen auf den Tisch, fuchtelte wild mit den Händen in der Luft herum und rief vor lauter Nervosität mit überschlagender Stimme: „Sie brütet nichts aus und es liegt auch nicht an Elias! Mariah ist schwanger, verdammt noch mal! Schwanger!“

Mäuschenstille legte sich über den Raum.

Tyson fror mit einem halben Mochi vor dem Mund mitten in der Luft ein. Kenny starrte Max mit weit aufgerissenen Augen an, während seine Finger über der Tastatur seines Laptops erstarrten.

Ray fuhr herum und starrte Max vollkommen geschockt an. „Max?!“, stieß Ray fassungslos hervor. Sein Gesicht war eine Mischung aus absolutem Unglauben und Entsetzen.

„Wieso schreist du das einfach so raus?! Ich habe es dir doch gestern erst gesagt!“

Max schrumpfte auf seiner Matte auf die Größe eines Stecknadelkopfes zusammen, hielt sich panisch die Hände vor das Gesicht und quetschte jämmerlich hervor: „Es tut mir leid, Ray! Ich konnte dem Druck nicht mehr standhalten! Nami und Kai haben mich so angesehen und... und...“

Ray blinzelte schockiert und wirbelte zu Nami und Kai herum. „Wartet mal... Ihr wusstet das auch schon?!“

Nami biss sich sanft auf die Unterlippe, während ihre ozeanfarbenen Augen amüsiert aufblitzten. Sie warf Max einen mitleidigen Blick zu. „Nun ja... Max hat es gestern Abend im Anwesen versehentlich ausgeplaudert.“

Tyson ließ sein Brötchen ungebremst zurück auf den Teller fallen. „WAS?!“, brüllte er durch den ganzen Dojosaal, dass das Holz vibrierte.

„Mariah ist SCHWANGER?! Und Ray wird VATER?! UND IHR WUSSTET DAS ALLE SCHON SEIT GESTERN?!“

Kai nahm völlig unbeeindruckt von dem Ausbruch einen ruhigen Schluck aus seiner Grünteetasse, stellte sie mit einem leisen Klacken ab und sah Tyson kühl an.

„Tyson“, sagte Kai mit seiner tiefen, schneidenden Stimme. „Wenn du noch einmal so brüllst, schmeiß ich dich aus deinem eigenen Dojo“

In diesem Moment kam Hilary aus dem Flur zurück, hielt Mariah leicht an den Schultern und starrte fassungslos in die Runde der aufgeregten Männer. „Was ist denn hier bitte gerade passiert?!“

Tyson starrte Hilary immer noch mit offenem Mund an, ehe er mit ausladender Handgeste auf Ray und die versammelte Runde zeigte.

„Hilary! Mariah ist schwanger! Und Ray wird Vater! Kannst du das glauben?!“

Hilary blieb mitten im Raum stehen. Ihr Blick wanderte langsam von Tysons völlig aufgelöstem Gesicht zu Ray, der verlegen an seinem Hinterkopf kratzte, hinüber zu Max, der sich noch immer hinter seinen Händen verbarrikadierte, und schließlich zu Nami und Kai, die das Schauspiel gelassen beobachteten.

Plötzlich verzog sich Hilarys Gesicht. Ein leises Glucksen entwich ihrer Kehle, das sich sekundenschnell in ein lautes, herzliches Lachen verwandelte. Sie schlug sich die Hand vor den Mund, doch das half absolut nichts... sie bekam sich schlichtweg kaum mehr ein.

Wegen der reinen Absurdität der Situation bogen sich ihre Schultern vor Lachen, während Tränen in ihren Augenwinkeln glitzerten.

Tyson blinzelte völlig überfordert. Er verstand ihre Reaktion kein bisschen und runzelte verwirrt die Stirn. „Was ist denn bitte so komisch?! Das ist eine riesige Sache!“

Hilary rang nach Luft, drückte sich eine Hand auf die Brust und schüttelte kichernd den Kopf. „Das... das ist doch jetzt nicht euer Ernst!“, stieß sie unter erneutem Lachen hervor. „Und ich dumme Nuss komme bei Mariahs Zustand nicht mal von selbst drauf...“

Sie seufzte tief, versuchte sich zu beruhigen, ehe schon wieder ein leises Kichern aus ihr herausplatzte und sie erneut laut loslachte.

Tyson beugte sich langsam zu Max und Ray hinüber, blickte Hilary skeptisch von oben bis unten an und kratzte sich am Kopf. „Sag mal... ist mit dir alles in Ordnung? Dein Lachen ist gerade irgendwie echt gruselig.“

Hilary atmete einmal tief durch, straffte die Schultern und wischte sich eine kleine Freudenträne aus dem Augenwinkel. Ein unendlich warmes, glückliches Lächeln breitete sich auf ihren Zügen aus, während sie den Blick fest auf ihren Freund richtete.

„Es ist alles in Ordnung, Tyson“, sagte sie leise und mit einer überraschend sanften Stimme. „Ich lache nur, weil... ich ebenfalls schwanger bin.“

Erneut hielt Mäuschenstille Einzug.

Tyson verharrte mitten in der Bewegung. Sein Gesicht fror regelrecht ein, während sein Verstand sichtlich versuchte, die Worte zu verarbeiten, die gerade den Raum durchquert hatten. Er blinzelte einmal. Dann zweimal. Ein schiefes, unsicheres Lachen stahl sich auf seine Lippen.

„Haha... sehr witzig, Hil!“, rief Tyson winkend ab und lachte laut auf, um die plötzliche Verwirrung zu vertreiben. „Guter Witz! Wirklich, der war fast schon echt gut!“

Hilary stemmte amüsiert die Hände in die Hüften, legte den Kopf leicht schräg und sah ihn mit einem neckischen, unerschütterlichen Funkeln in den Augen an.

„Das ist kein Scherz, Tyson...“, raunte sie schmunzelnd und ließ die Bombe endgültig platzen. „Du wirst Vater.“

Tyson starrte Hilary an, als hätte sie ihm gerade in flüssigem Altgriechisch eröffnet, dass die Welt morgen untergeht. Sein Gehirn verweigerte schlichtweg den Dienst.

Er ging zwei Schritte rückwärts, hielt sich die Hände an die Schläfen und schrie mit vollkommen krächzender Stimme ins Dojo: „WIESO?!“

Hilary stemmte irritiert die Hände in die Hüften, zog eine Braue hoch und sah ihn verständnislos an. „Wie, wieso? Was gibt es daran bitte nicht zu verstehen, Tyson?“

Tyson fuchtelte vollkommen wild und koordinationslos mit den Händen in der Luft herum, ehe seine Knie nachgaben und er wie ein nasser Sack vornüber auf die Tatami-Matten sank. Er blieb im Schneiderseitz am Boden sitzen, starrte ins Leere und jämmerte lautstark: „Hil... wir... wir verhüten doch…?!“

Ein raunendes Kichern ging durch die Runde. Kai, der noch immer mit stoischer Ruhe an seiner Grünteetasse nippte, verzog keine einzige Miene. Er blickte nur kurz von der Tasse auf und sah Tyson eiskalt an.

Elias, der mitten in diesem gewaltigen emotionalen Feuerwerk saß, hob leicht erstaunt die Brauen. Als wohlgesinnter Brite bemühte er sich aufrichtig, die Kontrollierte Haltung zu bewahren, nippte dezent verlegen an seinem Tee und neigte sich leicht zu Nami hinüber.

„Verzeih die Nachfrage, Nami...“, raunte Elias mit feinem britischem Trockenhumor ins Ohr, während die Adern an Tysons Schläfen pochten. „Ist das hier eine Art traditioneller japanischer Brauch, dass alle ehemaligen Teammitglieder fast zeitgleich Nachwuchs erwarten?“

Nami schlug sich amüsiert die Hand vor den Mund, um ihr Lachen zu dämpfen, während Hilary bereits tief durchatmete und Tyson neckisch anfunkelte.

„Ach, plötzlich erinnerst du dich nicht mehr?“, hakte Hilary schmunzelnd nach, ging vor dem am Boden zerstörten Tyson in die Hocke und sah ihn aufmunternd an. „Haben wir zwei im September etwa nicht noch einmal ganz genau darüber geredet? Du meintest doch selbst, dass wir ab jetzt einfach das Schicksal entscheiden lassen... “

Tyson blinzelte langsam, während die Erinnerung wie ein Blitzschlag in sein Gedächtnis zurückkehrte.

„Und du hast dir doch felsenfest in deinen Dickkopf gesetzt“, fuhr Hilary kichernd fort und strich ihm sanft über die Wange, „dass unser Kind und Gou später unbedingt zusammen ein neues Team für die BBA bilden müssen. Und dass dafür ja wohl kein allzu großer Altersunterschied zwischen den beiden herrsche dürfe!“

Tyson verharrte mit offenem Mund. Die Erkenntnis traf ihn vollkommen unvorbereitet. Er schluckte schwer, blickte zu Kai und Nami hinüber, dann wieder zu Hilarys strahlendem Gesicht... und plötzlich schlug die Entgeisterung in seinen Augen in pure, unbändige Erleichterung und Freude um.

Tyson starrte Hilary noch für einen langen Herzschlag lang stumm an, ehe sich ein leicht überfordertes, ungläubiges Lachen aus seiner Kehle stahl. Er fuhr sich mit beiden Händen durch die Haare und blickte kopfschüttelnd in die Runde der versammelten Bladebreaker.

„Das... das ist ja irre!“, rief Tyson mit glänzenden Augen und einem breiten, völlig fassungslosen Grinsen. „Ehrlich, das japanische Parlament sollte uns allen direkt mal Orden verleihen! Ich meine, schaut uns doch an... wir kurbeln eigenhändig die schlechte Geburtenrate des Landes an! Und das, obwohl wir alle gerade erst Anfang zwanzig sind! Die Leute da draußen werden uns doch alle komplett für verrückt erklären...“

Noch ehe Tyson seinen Satz zu Ende bringen konnte, flog die Küchenschiebetür schwungvoll auf. Tysons Großvater kam mit dicken Tränen der Rührung in den Augen herausgestürmt, steuerte zielstrebig auf seinen Enkel zu und verpasste ihm ohne Umschweife einen gewohnt unsanften Hieb auf den Hinterkopf.

„Aua! Opa, was soll das denn?!“, jammerte Tyson, während er sich protestierend den Kopf hielt.

„Jungchen, du redest wie immer viel zu viel Unsinn!“, schimpfte der alte Herr mit zitternder, aber vollkommen glücklicher Stimme und wischte sich mit dem Geschirrhandtuch über die nassen Augen.

„Herrlich ist das! Ich werde Urgroßvater... und das genau zur richtigen Zeit! Man wird schließlich nicht jünger, da kann ein bisschen Leben in der Bude garantiert nicht schaden!“

Das Eis war endgültig gebrochen, und im Dojo brach eine Welle aus herzlichen Glückwünschen aus. Kenny, Max und Ray fielen sich gegenseitig in die Arme, während Tysons Großvater vor lauter Freude bereits drohte, weiteren Tee aufzubrühen.

Mariah, die sich langsam wieder gefangen hatte, wenn auch immer noch leicht blass um die Nase war, trat lächelnd an Hilary heran und zog sie in eine feine, aber innige Umarmung.

„Herzlichen Glückwunsch, Hilary“, raunte Mariah ehrlich gerührt, ehe sie sich etwas zurückzog und neugierig fragte: „In welcher Woche bist du denn eigentlich schon?“

Hilary strich sich vergnügt eine Strähne aus dem Gesicht und antwortete wie selbstverständlich: „Dir auch herzlichen Glückwunsch. Ach, schon in der sechzehnten Woche.“

Mariah klappte glatt die Kinnlade herunter. Sie starrte Hilary mit weit aufgerissenen Augen an. „Was?! In der sechzehnten?! Ich bin selbst erst in der dreizehnten Woche!“

Die Bewegung am Tisch fror augenblicklich wieder ein. Alle erstarrten mitten in der Bewegung.

Tyson jaulte gequält auf, als hätte man ihm den Beyblade-Start verweigert. „Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder?!“, rief er völlig entsetzt.

„In der sechzehnten Woche?! Wie lange wolltest du denn bitte noch warten, um mir das zu sagen?!“

Hilary lachte laut auf und schüttelte amüsiert den Kopf. „Ich wollte einfach abwarten, wann es dir von selbst auffällt! Schließlich hat Kai es bei Nami auch sofort gewusst, weil er ihren Zyklus tracked.“

Tyson zog die Augenbrauen zusammen und schoss Hilary einen verfinsterten, beleidigten Blick zu. „Hil... du weißt ganz genau, dass ich so was noch NIE gemacht habe!“

„Ich weiß...“, erwiderte Hilary lachend, trat dicht an ihn heran und schlang versöhnlich die Arme um seinen Nacken. „Aber es war trotzdem wahnsinnig amüsant, es zu versuchen.“

Tyson schnaufte tief durch, doch das beleidigte Funkeln in seinen Augen wich sofort einem breiten, glücklichen Grinsen, als er sie fest an sich zog.

Elias wandte den Kopf langsam zu Kai und sah ihn mit einer Mischung aus ehrlichem Respekt und amüsiertem Staunen an.

„Du hast ernsthaft ihren Zyklus getracked?“, fragte der Brite schmunzelnd und neigte leicht das Haupt. „Hut ab.“

Kai hob nicht einmal die Blickrichtung von seiner Teetasse, als er vollkommen gelassen antwortete. „Das lief bei mir eher automatisch ab. Es war schlichtweg interessant, Nami zu beobachten, während sich im Laufe der Wochen die kleinsten Nuancen ihres Körpers, ihres Verhaltens und ihrer Ausstrahlung verändert haben.“

Elias schmunzelte fein und nickte auf eine verständnisvolle Weise. „Faszinierend. Das werde ich bei meiner nächsten Freundin wohl auch mal ausprobieren müssen.“

Nami konnte sich ein herzhaftes Lachen nicht verkneifen. Sie legte ihre Hand sanft auf Kais Oberschenkel, blickte ihren Mann von der Seite voller Wärme an und sagte amüsiert in die Runde: „Mein Ehemann ist eben einfach unglaublich aufmerksam.“

Kai neigte den Kopf leicht zur Seite, beugte sich zu Nami hinüber und drückte ihr einen kurzen, aber spürbar tiefen Kuss auf die Lippen.

„Das kann man eben nicht von jedem behaupten“, bemerkte er danach völlig trocken in die Runde, während sein kühler Blick kurz auf Tyson ruhte.

„Heeey!“, schrie Tyson sofort auf, fuchtelte mit den Armen und sah Kai empört an. „Ich habe eben ganz andere Dinge im Kopf als den Zyklus meiner Freundin, klar?! Zum Beispiel Training, Beyblade-Strategien und... Essen!“

Ray schüttelte schmunzelnd den Kopf und nahm gelassen einen Schluck von seinem Tee. „Mach dir nichts draus, Tyson. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich bei Mariah auch absolut nicht gemerkt habe, dass sie drüber war. Das ist wohl einfach ein ganz spezielles Kai-Hiwatari-Ding.“