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Die gewonnene Wette

Der Gezähmte Phönix — www.fanfiktion.de · All chapters

Die gewonnene Wette

Die restliche Nacht verlagerte sich in einen ruhigen, fast traumartigen Rhythmus aus schattigen Schemen, leisem Atemholen und der vertrauten Geborgenheit der Dunkelheit.

Gou war mehrmals die Nacht wach und verlangte nach Kost und neuen Windeln, doch als eingespieltes Team, war es ein Leichtes dem gerecht zu werden.

Es war punkt acht Uhr morgens. Draußen hatte sich der stürmische Himmel aufgeklärt, und die frische Morgenröte warf erste fahle Lichtstrahlen durch die Spalten der Vorhänge ins Zimmer.

Die schwere Holztür des Krankenzimmers glitt leise auf. Zwei junge Krankenschwestern... die eine mit einem Klemmbrett unter dem Arm, die andere mit einer Blutdruckmanschette... traten ins Zimmer. In der Hektik des Schichtwechsels und im Glauben, die frischgebackene Mutter sei ohnehin schon wach, hatten sie... tatsächlich ohne zu klopfen... den Raum betreten, um nach dem Rechten zu sehen.

Doch kaum hatten sie zwei Schritte in den Raum getan, froren sie augenblicklich in der Bewegung ein.

Den beiden Krankenschwestern blieb glatt der Atem stocken. Sie blieben völlig überwältigt mitten im Zimmer stehen und starrten wie angewurzelt zum breiten Bett hinüber. Ihre Augen weiteten sich blitzartig, und eine tiefe, verräterische Röte stieg den beiden jungen Frauen augenblicklich in die Wangen.

Der Anblick, der sich ihnen im sanften Licht des Morgens bot, war von einer unbeschreiblichen, erhabenen Intimität.

Dort lag Nami, tief und friedlich schlafend, das Gesicht geborgen an Kais Brust geschmiegt. Ihr langes, silbrig-weißes Haar ergoss sich wie ein seidener Wasserfall über das Kissen und umrahmte ihr wunderschönes gelöstes Gesicht.

Doch was den beiden Krankenschwestern den Verstand raubte und die Luft aus den Lungen presste, war der Mann in diesem Bett.

Kai lag flach auf dem Rücken. Sein breiter, durchtrainierter Arm schlang sich schützend um Namis Taille. Er war obenherum völlig nackt, und der Anblick seines immensen, gestählten Oberkörpers, der ausgeprägten Muskeln und der markanten Konturen ließ die beiden jungen Pflegerinnen gleichzeitig schlucken.

Seine geschlossenen Augen und die harten, perfekten Gesichtszüge wirkten im fahlen Licht wie die einer antiken Statue.

Doch das faszinierendste, atemberaubendste Detail lag direkt auf diesem mächtigen Körper.

Auf Kais nackter Brust lag tatsächlich der klitzekleine, neugeborene Gou. Der winzige Junge lag dort in einem leichten Strampler, tief schlummernd, das kleine Köpfchen direkt über dem Herzschlag seines Vaters gebettet. Kais riesige, kräftige Hand ruhte behutsam und schützend auf dem gesamten Rücken des Säuglings, als wollte er ihn vor der ganzen Welt abschirmen.

Die unumstößliche Stärke, die von diesem Bild ausging... die Synthese aus einem gefährlich gebauten, mächtigen Mann und dem zarten Neugeborenen auf seiner Haut... ließ den Raum vollkommen stillstehen.

Die beiden jungen Krankenschwestern standen wie angewurzelt dicht beieinander. Ihre Blicke waren wie magnetisiert auf das Bett gerichtet. Die blonde Pflegerin, die das Klemmbrett krampfhaft an ihre Brust presste, öffnete leicht die Lippen, brachte jedoch zunächst keinen Laut hervor. Neben ihr griff die brünette Kollegin, die die Blutdruckmanschette in den Händen hielt, unbewusst nach dem Ärmel der anderen, als bräuchte sie Halt, um nicht umzufallen.

Ihre Wangen bereits tiefrot glühend, neigte sie sich einen winzigen Schritt zu ihrer Kollegin herüber. Ihr Atem ging flach und zitternd, während sie den Anblick des durchtrainierten, nackten Oberkörpers des Mannes und des winzigen Babys auf seiner Brust musterte.

Mit einer Mischung aus Ehrfurcht und schierem Unglauben presste sie die Worte kaum hörbar über ihre Lippen.

„Mein Gott... siehst du das?“, flüsterte sie mit völlig tonloser, zittriger Stimme, fast wie in einer Art Trance. „Das... das ist das Schönste und gleichzeitig Heißeste, was ich jemals in meinem ganzen Leben gesehen habe... Schau dir diesen Mann an... Der ist doch unglaublich...“

Die blonde Pflegerin schluckte schwer. Ihre eigenen Augen waren weit aufgerissen und glänzten vor Rührung, während sie zustimmend nickte, unfähig, auch nur für eine Sekunde wegzusehen.

„Einfach wahnsinnig schön...“, hauchte sie ebenso leise zurück, während ihr Blick an Kais markanten Konturen und der breiten, makellosen Brust hängen blieb, auf der der kleine Gou so friedlich schlief.

„Wie eine Skulptur... und dann dieser winzige Junge da drauf... Ich glaube, ich schmelze gleich weg...“

Doch in genau diesem Moment geschah etwas, das den verzauberten Bann mit der Wucht eines Blitzschlags zerriss.

Auf Kais Gesicht, das eben noch so unbewegt und einer antiken Statue gleich gewirkt hatte, zuckte mit absoluter Präzision die rechte Augenbraue nach oben. Die rubinroten, stechenden Augen öffneten sich mit einem Schlag. Darin lag kein verschlafener Nebel, sondern ein sofort hellwacher, eisiger und unverkennbar trockener Blick, der die beiden Frauen musterte wie zwei Eindringlinge auf freiem Feld.

Die beiden Krankenschwestern schreckten so heftig zusammen, dass die blonde Pflegerin beinahe das Klemmbrett fallen ließ und die brünette Kollegin leise aufquiekte. Die plötzliche Realität schlug mit voller Wucht ein. Die ohnehin schon brennende Röte in ihren Gesichtern schoss ihnen nun in Sekundenschnelle bis in den Haaransatz hinauf.

„E-Entschuldigung!“, stammelte die brünette Krankenschwester heiser, während ihre Hände wild in der Luft herumfuchtelten.

„Wir... wir wollten nicht... wir dachten...“

„Wir kommen später noch mal!“, quetschte die blonde Kollegin hervor, die nun komplett panisch den Rückzug antreten wollte.

In ihrer heillosen Verwirrung und dem verzweifelten Drang, so schnell wie möglich aus dem Blickfeld dieses furchteinflößenden und zugleich atemberaubenden Mannes zu verschwinden, machten sie beide im selben Augenblick einen hastigen Schritt nach hinten. Dabei stießen sie heftig mit den Beinen aneinander, stolperten über ihre eigenen Schuhe und liefen sich gegenseitig in den Weg. Ein kurzer, erstickter Keuchlaut entkam ihren Kehlen, bevor sie sich aneinander festhielten, um nicht zu stürzen.

Mit roten Köpfen und völlig blamierter Haltung stolperten sie schließlich rückwärts aus der Tür und ließen das Zimmer hinter sich, während das leise Holztürblatt sanft ins Schloss fiel.

Ein weiches Seufzen entkam Namis Lippen, und langsam schlug sie die Augen auf. Mit einer verschlafenen Hand strich sie sich eine Strähne ihres silbrig-weißen Haares, gähnte leise und richtete sich langsam in eine sitzende Position auf.

Als sie blinzelnd den Blick neben sich wandte, blieb er sofort an dem Bild auf Kais Brust hängen. Nami hielt im Atemzug inne. Ein unglaublich warmes, zartes Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus, während ihre ozeanfarbenen Augen weich wurden.

„Das ist ja unglaublich süß...“, flüsterte sie mit noch leicht rauchiger Morgenstimme und beugte sich ein kleines Stück vor, um den Anblick des schlummernden Jungen zu genießen. Dann hob sie den Blick zu Kai und sah ihn mit einer Mischung aus amüsiertem Erstaunen und Liebe an.

„Aber... wann hast du ihn denn bitte auf deine Brust gelegt, mein Schatz?“

Kai, der ruhig auf dem Rücken lag und den Blick zu ihr gerichtet hielt, verzog kaum eine Miene. Seine rubinroten Augen musterten sie während seine große, schwere Hand nach wie vor schützend auf Gous Rücken ruhte während die andere ihre Taille hielt.

„Nachdem er uns zum vierten Mal geweckt hatte, um an deiner Brust zu trinken und in die Windel zu machen... “, antwortete Kai mit absolutem Ernst und einer sonoren, tiefen Tonlage, als ob er gerade die Berichterstattung einer geschäftlichen Lage besprechen würde. „War er in seinem Bettchen viel zu unruhig und wollte nicht mehr aufhören zu zappeln. Ich habe gemerkt, dass er sofort ruhig wurde, als ich ihn hierhergelegt habe. Seitdem schläft er tatsächlich bis jetzt.“

Ein warmes Lächeln huschte über Namis Gesicht, als sie die Worte ihres Mannes vernahm. Sie beugte sich behutsam vor, strich dem kleinen Gou sanft über das winzige Köpfchen und gab ihm einen zarten Kuss auf die Wange, ehe sie den Blick wieder hob und sich direkt an Kai wandte. Ihre ozeanfarbenen Augen funkelten voller inniger Zuneigung und Stolz.

„Du bist jetzt bereits ein unglaublich fürsorglicher Vater, mein Schatz.“, flüsterte sie leise und mit einer tiefen, unendlichen Zärtlichkeit in der Stimme, während ihre Hand sanft über seine muskulöse, unbedeckte Schulter strich.

Kai erwiderte ihren Blick, die strengen Züge seines Gesichts völlig entspannt, und zog sie noch ein Stück näher an sich heran. Er ließ ein leises, sonores Schnauben hören, das fast wie ein Schmunzeln klang.

„Jemand muss schließlich auf euch aufpassen. Ihn zu mir zu nehmen, schien mir die effizienteste Methode ihn ruhig zu stellen.“, entgegnete Kai mit seiner tiefen, ruhigen Stimme, in der kein Hauch von Zweifel lag.

Nami lachte leise und voller Glück, bevor sie sich nach oben streckte, um seinen Lippen einen tiefen, liebevollen Kuss zu geben... ein stilles Versprechen für die gemeinsame Zukunft, während der kleine Gou geschützt auf dem Herzschlag seines Vaters weiterschlummerte.

Plötzlich begann Kais Handy, das neben dem Bett auf einem Beistelltisch lag wie wild zu vibrieren. Kai wandte den Kopf und warf einen kurzen Blick auf das Display. Auf dem leuchtenden Bildschirm leuchtete der Name Hiro Tachiba auf... Namis Vater.

Kai nahm vorsichtig die Hand von Gous Rücken und nahm das Gespräch an, noch bevor es ein zweites Mal läuten konnte. Er ahnte bereits, weshalb Hiro anrief. Noch während er das Gerät ans Ohr hielt, hörte er im Hintergrund das hallende, abgehackte Echo von Schritten. Hiro schien gerade atemlos durch die Gänge von Tachibey Industries zu laufen.

„Kai! Bei allem, was heilig ist, was zum Teufel ist da draußen eigentlich passiert?!“, platzte es aus Hiro heraus. Seine Stimme überschlug sich leicht vor purem Stress und Unglauben. Er klang völlig außer Atem.

„Ich habe gerade die Nachrichten gesehen... Bilder von gestern Abend aus Shibuya! Die ganze Welt hat es gesehen, Kai! Sie haben dich gefilmt, auf der Hauptverkehrsstraße von Shibuya! Du bist gerannt... verdammt, du warst schneller als ein fahrendes Auto, und du hast geglüht! Die Leute stellen Fragen, die Medien spielen verrückt, und plötzlich weiß die ganze Welt von deinen Fähigkeiten...“, strich Hiro fahrig dazwischen, bevor er mit zitternder Stimme die nächste Frage hinterherjagte.

„Und wo ist Nami?! Ich habe versucht, sie zu erreichen, aber ihr Handy geht direkt auf die Mailbox! Und in den verdammten Videos sah es verdammt noch mal so aus, als hättest du einen Rettungswagen mitten auf der Straße gestoppt! Was ist mit meiner Tochter, Kai?!“

Kai hielt das Telefon stoisch an sein Ohr. Ein seltenes, fast amüsiertes Schmunzeln huschte über seine harten Lippen, als er die Panik in der Stimme seines Schwiegervaters hörte.

„Herzlichen Glückwunsch, alter Mann“, sagte Kai mit ruhiger, tiefer Stimme, die bewusst den Puls am anderen Ende der Leitung dämpfen sollte. „Du bist seit gestern Nachmittag offiziell Großvater deines ersten Enkelsohns.“

Er machte eine kurze Pause, um Hiro kurz Zeit zu geben, diese Nachricht sacken zu lassen, ehe er mit gewohnter sachlicher Schärfe fortfuhr: „Was die andere Sache... betrifft, wäre es gut, wenn wir in Ruhe darüber reden könnten.“

Am anderen Ende der Leitung herrschte augenblicklich absolute, bleierne Stille. Das atemlose, hölzerne Echo von Hiro Tachibas Schritten in den Fluren von Tachibey Industries schien mit einem Schlag wie weggeblasen.

Nami, sah zu Kai auf. Ihr Blick war von einer fragenden, leicht irritierten Spannung erfüllt, während sie den Ausdruck in seinem Gesicht musterte.

Einige Sekunden vergingen, in denen nur das leise, gleichmäßige Rauschen der Verbindung zu hören war, ehe Kai das Wort ergriff.

„Bist du noch dran?“, fragte Kai mit ruhiger, tiefer Tonlage.

Hiro schien sich mühsam zu fangen. Ein hörbares, zitterndes Ausatmen drang durch den Hörer, gefolgt von einem stockenden Räuspern, während die panische Hektik in seiner Stimme einer tiefen, ungläubigen Ergriffenheit wich.

„Habe ich… habe ich mich gerade verhört? Er ist da? Gou ist da?“, brachte Hiro hervor, und seine Stimme bebte deutlich.

„Das… das sind wundervolle Nachrichten… mein Gott…“

Eine kurze Pause entstand, in der er die schiere Tragweite der Worte zu verarbeiten schien, bevor ein Hauch von ehrfürchtiger Erleichterung durch seine Lippen drang.

„Geht es… geht es dem Baby und Nami gut? Ist alles in Ordnung?“

„Beiden geht es gut, Hiro“, antwortete Kai mit ruhiger und fester Stimme. „Nami ist erschöpft, aber wohlauf, und der Kleine schläft.“

Am anderen Ende der Leitung atmete Hiro tief aus, während die Anspannung spürbar von ihm abfiel. Die Erleichterung in seiner Stimme war unverkennbar, doch die pragmatische Ader des erfahrenen Geschäftsmanns übernahm sofort wieder die Oberhand. Seine Gedanken schalteten blitzschnell von der familiären Ergriffenheit zurück auf die harte Realität der Öffentlichkeit und von Tachibey Industries.

„Verstanden“, sagte Hiro, während seine Tonlage wieder geschäftsmäßig und entschlossen wurde.

„Ich werde dafür sorgen, dass unsere PR-Abteilung bei Tachibey Industries und die der Tachiwari-Corporation in den nächsten Stunden auf das vorbereitet wird, was da auf uns zukommt. Wir müssen eine offizielle Stellungnahme veröffentlichen, bevor die Gerüchteküche im Internet komplett überkocht und die Medien sich überschlagen. Die Videos aus Shibuya lassen sich schließlich nicht einfach wegdiskutieren.“

Kai blickte kurz auf den schlafenden Gou und dann zu Nami rüber, ehe er die Antwort kurz und prägnant hielt.

„Ja“, raunte Kai leise. „Das wird wohl sein müssen. Immerhin hat es die ganze Welt gesehen.“

Hiro nickte am Hörer und klang nun schon wieder wie der organisierte Konzernlenker, der die Fäden in der Hand hielt.

„Gut. Ich habe hier noch ein paar dringende Dinge zu regeln und einiges vorzubereiten, aber ich werde mich in etwa drei Stunden zusammen mit Hilda auf den Weg machen und im Krankenhaus vorbeischauen. Ich will mir schließlich mein Enkelsöhnchen ansehen.“

Bevor Kai etwas erwidern konnte, fügte Hiro noch hinzu: „Wünsche Nami von mir alles Liebe. Bis nachher, Kai.“

Mit einem knappen „Bis dann“ beendete Kai das Gespräch, nahm das Telefon vom Ohr und legte das Smartphone schweigend auf den Beistelltisch zurück. Er wandte den Blick wieder zu Nami, die ihn mit großen, ozeanfarbenen Augen fragend musterte.

Die Erschöpfung stand ihr noch immer ins Gesicht geschrieben, und in ihrem Blick lag eine sanfte, aber deutliche Verwirrung über die Worte, die sie gerade am Rande mitbekommen hatte.

„Was hat mein Vater denn eben gesagt?“, fragte Nami mit noch leicht rauchiger, zarter Stimme. Sie strich sich eine Strähne ihres silbrig-weißen Haares aus dem Gesicht und blickte ihn eindringlich an.

„Und… was meinst du damit, dass ‚die ganze Welt‘ etwas gesehen hat? Was ist denn draußen passiert?“

Nami blinzelte verständnislos. Sie erinnerte sich nur noch an den grauenhaften Wehensturm in Kais Büro, an die Panik im Rettungswagen und daran, wie Kai plötzlich wie aus dem Nichts bei ihr aufgetaucht war.

Von den chaotischen Ereignissen auf den Straßen von Shibuya hatte sie in ihrem Schmerz- und Erschöpfungszustand absolut nichts mitbekommen.

Kai erwiderte ihren Blick, die harten Züge seines Gesichts für einen kurzen Moment leicht ausdruckslos, ehe er antwortete.

„Als ich dir gestern durch den Schneesturm nachgeeilt bin“, begann Kai mit seiner tiefen, ruhigen Stimme, „musste ich die Hauptverkehrsstraße von Shibuya überqueren.“

Er hielt kurz inne, um die Worte sacken zu lassen, während seine rubinroten Augen auf ihr ruhten.

„Ich bin im Anzug durch die City gerannt… um den Krankenwagen einzuholen. Und naja… da waren überall Kameras und Menschen. Jeder hat es gesehen.“ Eine winzige Spur von Tadel oder Ergebenheit schwang in seinem tonalen Rhythmus mit, als er fortfuhr: „Sie haben gesehen... wie ich gerannt bin… schneller als ein Mensch eigentlich rennen kann.“

Nami blinzelte ihn zunächst vollkommen überrascht und verständnislos an, als könne sie seine Worte im ersten Moment gar nicht richtig einordnen.

„Du… du bist also tatsächlich mitten durch Shibuya gerannt? Ich meine... du hattest mir gestern gesagt, dass du dem Wagen gefolgt bist, aber ich war so müde, dass ich es gar nicht wirklich realisieren konnte.“,sagte sie ungläubig und beugte sich ein Stück vor, ehe sie mit einer leichten Handbewegung auf den Beistelltisch deutete. „Ruf doch bitte mal die Nachrichten online auf, mein Schatz.“

Kai stieß ein kurzes, resigniertes Seufzen aus, griff erneut nach dem Smartphone auf dem Tisch und rief mit wenigen geübten Handgriffen die aktuellen News auf.

Tatsächlich. Es dauerte keine Sekunde, da sprang ihm auf den Bildschirmen der großen Nachrichtenportale sofort ein viral gegangener Videoclip ins Auge. Ein Zusammenschnitt mehrerer Handyvideos von Passanten.

Man sah, wie ein im Dunkeln rot glühender Anzugträger mit unmenschlicher Geschwindigkeit durch die Straßen rannte, und wie er schließlich mitten auf der breiten Hauptverkehrsstraße von Shibuya zum Stehen kam, während hupende Autos und panische Menschen um ihn herumwuselten.

Nami lehnte sich leicht vor und starrte gebannt auf das leuchtende Display in Kais Hand. Ihre ozeanfarbenen Augen weiteten sich leicht vor Erstaunen, als sie in dem Video bemerkte, wie rund um Kais Füße und um seine gesamte glühende Silhouette herum der Schnee schmolz und in dichten Schwaden verdampfte.

Sie hob den Blick von dem kleinen Bildschirm, sah ihren Mann direkt an und sagte mit leiser, ergriffener Stimme: „Du warst… so unfassbar schnell, und… dein Körper dampft auf den Aufnahmen ja förmlich. Ich wusste gar nicht, dass du zu sowas im Stande bist…“

Seine rubinroten Augen trafen auf ihren verwirrten und faszinierten Blick.

„Ich wusste ehrlich gesagt nicht mal selber, dass ich zu so etwas fähig bin“, erwiderte Kai mit seiner tiefen, ruhigen Stimme.

„Kann ich den Artikel unter dem Video bitte auch noch lesen, mein Schatz?“, bat Nami leise und deutete mit einer sanften Handbewegung auf das Smartphone in seiner Hand. „Ich will wissen, was genau geschrieben wird.“

Kai nickte knapp, strich über den Bildschirm und öffnete den dazugehörigen Hauptartikel, den er ihr direkt reichte. Nami nahm das Gerät entgegen, lehnte sich bequem gegen die Kissen zurück und las die Zeilen aufmerksam durch. Nach den ersten paar Absätzen hob sie überrascht die Augenbrauen und las mit leiser, etwas rauchiger Stimme laut vor:

„Gestern Abend gegen 16:10 Uhr kam es auf der Hauptverkehrsstraße in Shibuya zu spektakulären Szenen, die von dutzenden Passanten festgehalten wurden. Kai Hiwatari, der bekannte Ex-Beyblade Champion und CEO der Tachiwari-Corporation, wurde dabei gefilmt, wie er im maßgeschneiderten Anzug mit völlig unmenschlicher Geschwindigkeit über den nasskalten Asphalt rannte, um einen heranfahrenden Rettungswagen zu stellen. Augenzeugen berichten von extremer Hitze und einem leuchtenden, rot glühenden Phänomen rund um Hiwatari, das den Schnee im Umkreis von Metern sofort schmolz. Besonders Rätsel gibt den Behörden jedoch eine zweite, geheimnisvolle vermummte Gestalt auf, die Hiwatari zur Seite stand und ihm half, die hinteren Türen des Einsatzfahrzeugs zu stürmen...“

Namis ozeanfarbene Augen weiteten sich leicht, als sie die Zeilen über die vermummte Gestalt las. Sie hielt im Lesen inne, senkte das Handy ein Stück und hob den Kopf. Ein erstaunter Ausdruck huschte über ihr Gesicht.

„Eine vermummte Gestalt…?“, murmelte sie und sah Kai direkt an. „Das war doch… sicher der Klon, oder? Er hat dir geholfen. Ich wusste ja, dass er irgendwo da draußen ist“, fuhr Nami fort, während ihr Blick weich, aber voller Verwunderung auf Kai ruhte. „Aber dass er sich dir nun so direkt gezeigt hat und dir zur Hand gegangen ist… damit hätte ich ehrlich gesagt nicht gerechnet.“

„Ja das hat er tatsächlich... Er blieb jedoch unerkannt für die Welt. Aber... jetzt lässt es sich nach diesen Aufnahmen nicht mehr leugnen oder verschleiern was ich wirklich bin.“, sagte Kai ohne ein Zögern in der festen Tonlage.

„Ich bin wohl nun gezwungen offenzulegen, dass mein Bit Beast Dranzer und ich seit einiger Zeit miteinander verschmolzen sind. Die Videos lassen der Öffentlichkeit kaum eine andere Interpretation übrig.“

Er hielt kurz inne und sah Nami intensiv an, um sicherzustellen, dass seine Worte sie erreichten.

„Du brauchst dir aber absolut keine Sorgen zu machen, Nami. Ich werde mit keinem Wort erwähnen, dass es bei dir und Pegasus genauso ist. Die Welt soll nur das wissen, was sie mit ihren eigenen Augen gesehen hat. Dein Geheimnis bleibt geschützt... und das von Gou ebenfalls.“

In genau diesem Moment entstand eine feine Unruhe auf Kais nackter Brust. Der kleine Gou fing an, leise zu wimmern und sein Köpfchen suchend von links nach rechts zu drehen. Der Junge war aufgewacht und verlangte nach seiner nächsten Mahlzeit.

Nami nickte leicht, während sich ein warmes Verstehen in ihren Augen widerspiegelte. Sie richtete sich vollends auf, lehnte sich vorsichtig über Kais Brust und schlang ihre Arme behutsam um den Säugling, um Gou sanft von Kais Haut zu heben und ihn an ihre eigene Brust zu legen, wo er sogleich gierig andockte und ruhiger wurde.

Ihre Finger zitterten leicht, als sie Gou zärtlich über das feine, weiche Köpfchen strich. Sie schluckte schwer gegen den Kloß in ihrem Hals an, um die aufsteigenden Tränen zu unterdrücken, während sie den kleinen Jungen fest an sich gedrückt hielt.

„Ich bin... einfach so unendlich glücklich, Mutter geworden zu sein“, flüsterte sie leise, ihre Stimme von tiefem Mitgefühl und Erleichterung getränkt.

Sie hob langsam den Blick. Ihre Augen glänzten schimmernd, als sie Kai direkt ansah. „Danke dir, mein Schatz... Danke für dieses wundervolle Baby.“

Kai sah sie einen Moment lang schweigend an, ehe seine Stirn sich leicht in Falten legte.

„Ich verdiene keinen Dank für etwas, das ich nicht einmal willentlich vollbracht habe“, entgegnete er in seiner gewohnt pragmatischen, kühlen Art.

Nami konnte nicht anders; ein leises, befreites Lachen entkam ihren Lippen. Sie schüttelte den Kopf und sah ihn voller Wärme an. „Ich danke dir trotzdem... für alles. Für deine Stärke, deine unumstößliche Loyalität und deine Liebe.“

Ein trockenes Schmunzeln stieg auf Kais Zügen auf, seine Augenbraue hob sich spöttisch. „Du wirkst gerade... etwas emotional, Nami.“

Obwohl seine Stimme gewohnt trocken klang, schlich sich eine spürbare, belustigte Milde hinein. Nami lachte erneut auf und legte eine Hand an ihre heiße Wange.

„Die Hormone bringen mich gerade komplett um den Verstand, fürchte ich.“

„Das ist eigentlich mein Job“, brummte Kai trocken.

Ehe sie etwas erwidern konnte, schloss er die verbleibende Distanz zwischen ihnen. Seine Hand schob sich sanft, aber bestimmend an ihren Nacken, und er beugte sich zu ihr hinüber, um ihren Mund in einem tiefen, erotischen Kuss zu fordern... voll verlangender Intensität, der ihr augenblicklich den Atem raubte.

Nami lehnte ihr Stirn leicht gegen seine, während ihr Atem nach dem intensiven Kuss noch unregelmäßig und flach ging. Ein leises, schelmisches Kichern entkam ihren Lippen.

„Damit musst du wohl noch ein bisschen warten, mein Schatz“, raunte sie schmunzelnd gegen seine Lippen.

Kai verzog keine Miene, doch in seinen rubinroten Augen glimmte ein dunkler Funke.

„Ich wollte lediglich meine Worte unterstreichen“, erwiderte er gewohnt trocken und strich ihr sanft über die Wange. „Ich käme nicht im Traum darauf, meine Frau im Wochenbett zu verführen.“

Nami zog spielerisch eine Braue nach oben.

„Ach nein? Und was ist mit unserer Wette? Dass ich… in weniger als einer Woche wieder vollständig auf den Beinen bin?“

Kai hielt ihrem schalkhaften Blick stand. Sein Ausdruck veränderte sich jedoch langsam, wurde ernster und vielschichtiger, während er sie aufmerksam musterte.

„Versuchst du gerade eigentlich mit Absicht, von den gestrigen Ereignissen abzulenken?“, fragte er mit ruhiger, aber messerscharfer Beobachtungsgabe. „Bist du nicht immer noch aufgewühlt? Immerhin hat Sobolev dich entführen lassen, um Gou direkt nach der Geburt zu rauben.“

Das schelmische Lächeln auf Namis Lippen verblasste augenblicklich. Ein kleiner Schatten legte sich über ihre Züge, und sie senkte für einen kurzen Moment den Blick zu dem nun wieder schlafenden Gou an ihrer Brust.

„Es ist manchmal wirklich unpraktisch, wenn du mich so gut lesen kannst…“, sagte sie leise und stieß ein langes, tiefes Ausatmen aus. Sie blickte wieder auf zu ihm. „Du hast recht. Ich wollte es wohl am liebsten einfach verdrängen… Was ist eigentlich mit Sobolev? Hat man ihn gefasst?“

Kai nickte knapp, die Härte in seiner Stimme kehrte für einen Moment zurück.

„Sobolev und einige seiner Männer wurden festgenommen“, antwortete er sachlich. „Sie sitzen im Gefängnis. Er wird dort versauern.“

Das Klopfen an der schweren Holztür fiel überraschend zaghaft aus, fast so, als zögere die Person draußen, die vertraute Ruhe des Raumes zu stören.

Nami, die das Köpfchen des kleinen Gou sanft an ihrer Brust wiegte, hob langsam den Kopf. Ihr langes, silbrig-weißes Haar ergoss sich über ihre Schulter, während ihre ozeanfarbenen Augen zur Tür wanderten.

„Ja, herein?“, rief sie mit noch etwas rauchiger, zarter Stimme.

Die Klinke drückte sich herunter, und die Tür glitt leise auf. Als Erstes trat Dr. Hayashi ein, den medizinischen Bogen in der Hand, gefolgt von den beiden jungen Krankenschwestern von heute Morgen. Die Pflegekräfte hatten ihre Dienstkleidung geglättet und versuchten verzweifelt, professionell und gefasst zu wirken... doch dieser Plan scheiterte in dem Augenblick, in dem ihre Blicke erneut das Bett trafen.

Kai lag noch immer auf dem Rücken. Oben ohne. Sein mächtiger, durchtrainierter Oberkörper zeichnete sich scharf ab, und die feinen Muskelkonturen fingen das sanfte Morgenlicht ein.

Den beiden Krankenschwestern schoss im selben Moment eine tiefe, verräterische Röte ins Gesicht. Wie auf Kommando schlug die blonde Schwester die Augen nieder und fing hektisch an, auf ihrem Klemmbrett Blätter zu sortieren, die gar nicht sortiert werden mussten. Ihre brünette Kollegin wandte blitzartig den Kopf ab, nestelte nervös an der Klettmanschette des Blutdruckmessgeräts herum und suchte mit aller Macht nach einer Beschäftigung, um nicht direkt auf den nackten Oberkörper des Mannes gegenüber starren zu müssen.

Dr. Hayashi hingegen erwies sich als absolute Bastion ärztlicher Stoischkeit. Er ignorierte die sichtbare Anspannung seiner Assistentinnen komplett und trat ruhig an das Bett heran.

„Guten Morgen, Mrs. Hiwatari und Mr. Hiwatari. Ich hoffe, Sie konnten nach diesen turbulenten Ereignissen etwas Schlaf finden?“, erkundigte er sich freundlich und blickte auf seine Aufzeichnungen.

Gleichzeitig regte sich Kai. Völlig unbeeindruckt von der plötzlichen Hektik der beiden Pflegerinnen schwang er ohne Eile die Beine über die Bettkante. Er stand langsam auf... groß, muskulös und nur in seiner dunklen Anzughose bekleidet... , schritt stoisch hinüber zum Stuhl und griff nach seinem strahlend weißen Hemd.

Nami beobachtete das Spektakel von ihrem Kissen aus. Als sie sah, wie die beiden jungen Frauen aus den Augenwinkeln starrten, die Lippen aufeinanderpressten und krampfhaft versuchten, nicht auf Kais breiten Rücken und die ausgeprägten Schultermuskeln zu blicken, während dieser sich das Hemd überstreifte, konnte sie nicht anders. Ein leises Kichern stieg in ihrer Kehle auf, das sie nur mit Mühe unterdrücken konnte, indem sie sich leicht über den schlafenden Gou beugte und sich eine Strähne hinter das Ohr strich.

„Mir geht es sehr gut, Dr. Hayashi“, antwortete Nami schließlich gefasst, auch wenn in ihren ozeanfarbenen Augen noch immer ein amüsiertes Funkeln lag. „Der Kleine hat auch einen guten Appetit.“

„Das freut mich zu hören“, erwiderte Dr. Hayashi schmunzelnd, während Kai im Hintergrund gelassen die Knöpfe seines Hemdes schloss, als sei nichts geschehen.

„Lassen Sie uns doch direkt die Routineuntersuchungen machen...“

Nami nickte leicht auf Dr. Hayashis Vorschlag und versuchte sich aufzurichten. Die Anstrengung der Geburt steckte ihr noch spürbar in den Gliedern, und eine kurze Welle von Erschöpfung ließ sie leicht taumeln.

Bevor sie auch nur richtig Boden unter den Füßen fassen konnte, war Kai bereits an ihrer Seite. Seine großen, warmen Hände fassten fest und gleichzeitig behutsam an ihre Taille und stützten sie, sodass sie sicher auf die Beine kam, während sie den kleinen Gou noch sicher im Arm hielt.

Dr. Hayashi warf einen kurzen Blick auf den schlafenden Säugling an Namis Brust und hob besänftigend die Hand.

„Lassen Sie den Kleinen ruhig weiterschlafen, Mrs. Hiwatari“, schlug der Arzt ruhig vor. „Wir machen zuerst die Routineuntersuchung bei Ihnen. Das geht schnell, und der Kleine muss nicht aus dem Schlaf gerissen werden.“

Nami stimmte erleichtert zu. Sie trat behutsam an das fahrbare Beistellbettchen heran, das die blonde Krankenschwester geistesgegenwärtig näher herangerollt hatte. Vorsichtig und mit unendlicher Zärtlichkeit legte Nami den winzigen Gou hinein, wo er sich sofort in die weichen Decken kuschelte und auf dem Rücken friedlich weiteratmte.

Dr. Hayashi ging voraus in das angrenzende, hell beleuchtete Untersuchungszimmer, in dem der gynäkologische Stuhl bereitstand. Kai wich keinen Zentimeter von Namis Seite; seine Hand blieb schützend und stützend an ihrem Arm, während er sie mit ruhigen, wachen Schritten begleitete. Die beiden Krankenschwestern folgten mit etwas Abstand, sichtlich bemüht, jeglichen Blickkontakt zu dem imposanten CEO zu vermeiden, während sie die medizinischen Geräte für die anstehenden Kontrollen vorbereiteten.

Nami setzte sich vorsichtig auf den gynäkologischen Stuhl und legte die Beine auf die Stützen, während Dr. Hayashi professionell das Instrument ansetzte, um die ersten routinemäßigen Kontrollen durchzuführen. Die beiden Krankenschwestern hielten sich im Hintergrund bereit, um bei Bedarf Handtücher oder Utensilien anzureichen. Kai stand direkt neben dem Stuhl, seine massige, kräftige Statur eine unerschütterliche Wand aus Schutz und Präsenz. Seine rubinroten Augen ruhten wachsam auf dem Geschehen, und seine Hand lag schwer und warm auf Namis Schulter.

Dr. Hayashi hielt mitten in der Bewegung inne. Er starrte durch seine Brille auf das Untersuchungsfeld, blinzelte einmal, zweimal und nahm dann die Instrumente langsam herunter. Sein Gesichtsausdruck, der eben noch von medizinischer Konzentration geprägt war, entgleiste vollkommen.

„Das… das ist völlig unmöglich…“, murmelte der Chefarzt mit fassungsloser Stimme. Er griff nach der Untersuchungslampe, zog sie näher heran und prüfte den Zustand erneut, während seine Hände leicht zitterten.

„Das Gewebe… es ist komplett verheilt. Die Rückbildung und die Wundheilung sind bereits nach weniger als einem Tag so weit fortgeschritten, wie man es sonst erst nach zwei Monaten oder länger erwarten würde.

Es ist, als hätte die Geburt nie stattgefunden… Wie um alles in der Welt ist das biologisch möglich?“

Die beiden Krankenschwestern im Hintergrund reckten neugierig die Hälse, völlig verwirrt und überfordert von den Worten des Arztes.

Nami blinzelte selbst einen Moment lang überrascht. Sie hatte diese mystische Kraft in sich wie immer kaum gespürt, die in den Stunden nach der Geburt einfach von ganz allein durch ihren Körper geflossen war... eine unkontrollierbare, tiefe Resonanz ihrer Verschmelzung mit Pegasus, die ihre eigenen Gesetze schrieb und sich dem Willen entzog.

Sie wusste selbst nie, wann und wie schnell es passierte; die Aura tat einfach das, was sie tun musste. Doch das Ergebnis sprach für sich: Jeder Schmerz und jede Verletzung waren wie weggeblasen.

Sie wandte den Kopf und warf einen raschen, bedeutungsschwangeren Blick zu Kai herüber.

Kai erwiderte ihren Blick. Seine harten Züge blieben im Beisein des Arztes zwar stoisch, doch in den Tiefen seiner rubinroten Augen funkelte ein unverkennbarer, triumphierender Glanz. Ein langsames, wissendes Schmunzeln huschte über seine Lippen... ein Ausdruck, der so selten war und in diesem Moment alles sagte.

Zwei Tage hatte er getippt. Nicht einmal einen Tag hat es gedauert.

Er hatte die Wette gewonnen.

Dr. Hayashi atmete tief aus, während er sich rasch wieder sammelte, auch wenn das ungläubige Staunen in seinem Blick nicht verschwinden wollte. Die rein medizinische Neugier hatte nun die Oberhand gewonnen.

„Unfassbar…“, murmelte der Chefarzt fast zu sich selbst, ehe er sich abrupt umdrehte. Er trat an das fahrbare Ultraschallgerät heran, das in der Ecke des Raumes bereitstand, rollte es mit schnellen Schritten näher an den gynäkologischen Stuhl heran und schaltete den Monitor ein. „Wenn die oberflächliche und lokale Regeneration in diesem Tempo abgelaufen ist, muss ich mir das absolut im Inneren ansehen. Die Rückbildung der Gebärmutter und der Organe muss auf zellulärer Ebene völlig synchron verlaufen sein.“

Er trug das kalte Ultraschallgel auf den mitlerweile flachen Unterbauch auf und setzte den Schallkopf an. Auf dem flimmernden Schwarz-Weiß-Bildschirm des Monitors entfaltete sich ein Bild, das jegliche medizinische Lehrbücher Lügen strafte. Die Gebärmutter war bereits fast vollständig in ihren Ursprungszustand zurückgekehrt, das Gewebe war absolut intakt, und es gab nicht das geringste Zeichen von postpartalen Rauschen oder Nachwehen.

Dr. Hayashi starrte gebannt auf den Bildschirm, während sein Mund leicht offen blieb. Er wechselte fassungslos den Blick zwischen dem Monitor und Nami hin und her

„Das… das ist kein normaler Heilungsprozess mehr. Das ist eine biologische Anomalie von ungeheurem Ausmaß. Die Zellstruktur regeneriert sich aktiv selbst, als ob… als ob eine schützende, kosmische Energie am Werk wäre.“

Nami schwieg und warf einen schnellen Blick zu Kai. Sie selbst wusste ja nicht einmal genau, wie sie das erklären sollte... die geheimnisvolle Aura von Pegasus tat einfach, was sie wollte, ohne dass sie einen bewussten Schalter umlegen konnte.

Kai, der schweigend neben dem Stuhl stand und das Treiben mit eisiger, unerschütterlicher Ruhe beobachtete, trat einen halben Schritt nach vorne. Seine rubinroten Augen fixierten den Arzt mit einer so scharfen Intensität, dass selbst der erfahrene Mediziner kurz schluckte und den Blick hob.

„Ich weiß, sie brauchen eine Erklärung, Doktor“, sagte Kai mit seiner tiefen, sonoren Stimme, die keinen Widerspruch duldete. „Sie werden sie bekommen, damit Sie wissen, womit Sie es zu tun haben. Aber hören Sie mir gut zu: Dieses Geheimnis verlässt diesen Raum nicht. Es darf niemals, unter keinen Umständen, an die Öffentlichkeit oder an irgendjemanden außerhalb dieses Krankenhauses gelangen.“

Dr. Hayashi spürte sofort die schwere Last in Kais Worten. Er schluckte schwer, nickte jedoch langsam und entschlossen. „Ich… ich verstehe, Mr. Hiwatari. Mein Schweigen ist absolut. Als Arzt unterliege ich sowieso der Schweigepflicht, aber angesichts dieser Tragweite… Sie haben mein Wort.“

Kai ließ den Blick noch eine Sekunde auf dem Arzt ruhen, ehe er knapp und kontrolliert fortfuhr: „Was Sie hier sehen, ist das direkte Resultat einer Seelen-Verschmelzung. Nami teilt die symbiotische Verbindung mit ihrem Bit Beast Pegasus. Diese Energie… diese Aura, die sie umgibt, ist der Grund für diese unnatürliche, beschleunigte Regeneration. Es ist kein medizinisches Wunder im herkömmlichen Sinne. Es ist die Macht eines Bit Beasts, die ihren Körper von innen heraus schützt und heilt.“

Dr. Hayashis Augen weiteten sich hinter seinen Brillengläsern, als er die Worte verarbeitete. Das Unmögliche hatte nun ein medizinisches Gesicht. Er atmete tief durch, schaltete das Ultraschallgerät leise summend aus und blickte Kai und Nami nacheinander ernst an.

„Eine Verschmelzung… mit einem Bit Beast“, wiederholte der Arzt leise, fast ehrfürchtig.

„Das erklärt alles… und es zeigt mir, wie viel Glück wir hatten, dass diese Kräfte so tief in ihrer Biologie verankert sind. Verlassen Sie sich auf mich, Mr. Hiwatari. Niemand wird jemals davon erfahren.“

Dr. Hayashi wandte langsam den Kopf von dem erloschenen Monitor ab und fixierte die beiden jungen Krankenschwestern im Hintergrund.

Die beiden Frauen, die den Atem angehalten hatten und angesichts der Enthüllung über Bit Beasts und mystische Verschmelzungen ohnehin wie vom Blitz getroffen wirkten, zuckten unter dem plötzlichen, eisernen Blick des Chefarztes fast synchron zusammen.

Hayashis Gesichtszüge versteinerten sich zu einer unnachgiebigen Maske aus absoluter Autorität. Seine Stimme klang schneidend und duldete keinen Widerspruch, als er die scharfe Anweisung an seine Assistentinnen richtete:

„Und für Sie beide gilt exakt dasselbe“, sagte der Arzt mit leiser, aber unmissverständlicher Härte in der Stimme.

„Was Sie in diesem Raum gesehen und gehört haben, existiert für den Rest der Welt schlicht und einfach nicht. Kein Wort davon dringt nach draußen... keine Andeutung, kein Flüstern, nirgendwo. Wer auch immer auch nur einen Hauch dieses Geheimnisses ausplaudert, riskiert nicht nur seine sofortige fristlose Entlassung, sondern das Schlimmste, was Ihre medizinische Karriere beenden kann. Haben wir uns da verstanden?“

Die blonde Krankenschwester, deren Wangen ohnehin noch glühten, nickte panisch und hektisch, während ihre Kollegin stumm mit den Lippen formte: „Ja, Herr Doktor… absolut.“

Sie sahen aus, als wollten sie am liebsten augenblicklich im Boden versinken.

Kai, der schweigend neben Nami stand, bedachte die beiden jungen Frauen mit einem letzten, eisigen und prüfenden Blick seiner rubinroten Augen, der die Warnung des Arztes auf drastische Weise unterstrich, ehe er sich wieder seiner Frau zuwandte.

Nami atmete tief durch, zog die Beine von den gepolsterten Stützen des gynäkologischen Stuhls und glitt mühelos hinab, um sich aufzusetzen. Von der einstigen tiefen Erschöpfung und den Schmerzen der Geburt war dank der unbändigen, wärmenden Kraft von Pegasus tatsächlich keine Spur mehr zurückgeblieben.

Lediglich ein wenig wackelig war sie noch auf den Beinen.

Bevor ihre Füße auch nur den kalten Boden berühren konnten, war Kai bereits an ihrer Seite. Mit einer selbstverständlichen, kraftvollen Anmut griff er ihre Hand und half ihr auf, bis sie sicher auf den Beinen stand. In diesem Moment hob er ihre Hand etwas höher und küsste mit einer tiefen, fast zärtlichen Hingabe ihre Fingerknöchel... eine Geste von so intimer und atemberaubender Eleganz, dass sie im sterilen Licht des Untersuchungsraumes wie eine Szene aus einem anderen Jahrhundert wirkte.

Im selben Augenblick entkam der blonden Krankenschwester im Hintergrund ein leiser, erstickter Seufzer, während ihrer brünetten Kollegin vor schierem Staunen und Schmelzen fast die Beine weich wurden. Sie klammerte sich reflexartig an der Kante des Instrumententischs fest, um nicht den Halt zu verlieren, und starrte mit offenem Mund auf den imposanten CEO, der seiner Frau solch eine ungespielte, tiefe Zärtlichkeit entgegenbrachte.

Nami, die das leise Aufstöhnen und die augenblickliche Schnappatmung der beiden Pflegerinnen aus dem Augenwinkel mitbekam, biss sich heftig auf die Unterlippe. Sie musste all ihre Willenskraft aufbieten, um das schallende Lachen, das ihr in der Kehle brannte, zurückzuhalten und stattdessen mit unschuldiger Miene den Blick zu ihrem Mann zu erheben.

„Nun gut“, erklärte der Chefarzt mit professionell wiedererlangter Gelassenheit, während er sich zu dem jungen Paar umwandte.

„Die körperliche Verfassung von Mrs. Hiwatari ist schlichtweg phänomenal. Sie können in Kürze zurück in Ihr Zimmer gehen und wenn sie möchten noch heute Nachmittag das Krankenhaus verlassen. Das Frühstück wird Ihnen in wenigen Minuten serviert. Die Untersuchung ihres Sohnes nehmen wir uns nach dem Essen vor.“

Mit einer kurzen, höflichen Verbeugung wandte sich Dr. Hayashi ab, musterte die beiden noch immer wie erstarrt wirkenden Krankenschwestern mit einem strengen Blick und bedeutete ihnen mit einer Geste, ihm zu folgen.

Die drei verließen das Untersuchungszimmer, und die schwere Holztür fiel leise hinter ihnen ins Schloss.

Kaum war das Klicken des geschlossenen Schlosses zu hören, gab es für Nami kein Halten mehr. Das angespannte, krampfhafte Unterdrücken der letzten Minuten brach mit voller Wucht aus ihr heraus. Ein helles, lautes Lachen schoss über ihre Lippen, während sie sich augenblicklich in Kais Arme schmiegte, den Kopf an seine breite Brust lehnte und sich vor amüsiertem Glucksen schüttelte.

„Oh Gott… hast du den Blick der blonden Schwester gesehen?“, brachte Nami zwischen zwei Lachanfällen hervor, während sie sich eng an ihn drückte und ihre Hände an seine Taille legte. „Ich dachte, sie kippt gleich vornüber und fällt in das Ultraschallgerät! Die Beiden standen völlig neben sich!“

Kai hielt sie fest umschlossen. Seine Arme schlossen sich sicher um ihren Rücken, während er den Kopf leicht neigte. Seine harten Züge blieben äußerlich zwar stoisch, doch ein feines, fast unmerkliches Zucken in seinem Mundwinkel verriet, dass er das Schauspiel mindestens ebenso aufmerksam verfolgt hatte. Er unterdrückte ein leises Augenrollen, genoss jedoch ihr Amüsement sichtlich.

Nami hob den Kopf, lehnte sich ein Stück zurück und sah ihn aus funkelnden, ozeanfarbenen Augen an, während sich ein schelmisches Lächeln auf ihren Lippen ausbreitete. Sie strich ihm spielerisch über den Revers seines Hemdes.

„Nun ja, mein Schatz…“, flüsterte sie mit einem herrlich neckischen Unterton in der Stimme. „Man muss ihnen zugutehalten: Ich habe eben einen sehr aufmerksamen, gut aussehenden und ausgesprochen attraktiven Mann. Da kann man im ersten Moment eben einfach nicht anders, als augenblicklich dahin zu schmelzen, wenn du so eine Eleganz an den Tag legst.“

Ein tiefes, sonores Schnauben drang aus Kais Brust... eine Mischung aus amüsiertem Stolz und trockenem Humor.

„Du nutzt die Situation definitiv schamlos aus, um mich aufzuziehen“, konterte er mit einem dunklen, warmen Glitzern in den rubinroten Augen, ehe er sie mit einer mühelosen, selbstverständlichen Bewegung an der Hand nahm und sanft aus dem Untersuchungszimmer zurück in ihr privates Krankenzimmer führte, wo der kleine Gou in seinem Beistellbettchen friedlich auf sie wartete.

Im Zimmer angekommen, schloss Kai die Tür mit einer lautlosen Handbewegung hinter sich und drehte sich zu Nami um, während das dämmrige Licht des späten Vormittags durch die großen Fenster strömte und den Raum in eine sanfte, ruhige Atmosphäre tauchte. Er trat einen Schritt näher an sie heran, schob die Hände in die Taschen seiner Hose und musterte sie mit einem Ausdruck tiefster, unerschütterlicher Genugtuung, der sich in seinen rubinroten Augen widerspiegelte.

„Übrigens“, begann Kai mit seiner tiefen, sonoren Stimme, die in der ruhigen Luft des Zimmers fast wie ein leises Vibrieren klang, während ein schmales, siegreiches Lächeln seine harten Züge umspielte. „Die Wette habe ich gewonnen. Dr. Hayashi sprach von einer geradezu phänomenalen Regeneration.“

Nami seufzte tief und vernehmlich, ließ die Schultern ein Stück nach unten sinken und warf ihm einen schrägem, zugleich neckischen und herrlich enttäuschten Blick aus ihren ozeanfarbenen Augen zu.

„Ich habe deinen Blick vorhin direkt bemerkt.“, murmelte sie leicht schmollend, während sie die Arme vor der Brust verschränkte und das silbrig-weiße Haar über ihre Schulter nach vorne gleiten ließ.

„Ich hätte beim besten Willen nicht damit gerechnet, dass mein Körper nach all den Strapazen so verdammt schnell heilt… Das war doch bestimmt der Einfluss deiner Aura, die meine Aura ständig durchströmt und jede Zelle auf Trab hält.“

Ein kurzes, dunkles Amüsement huschte über Kais Gesicht, während er einen weiteren Schritt auf sie zumachte, bis er den warmen, vertrauten Abstand zwischen ihnen fast gänzlich überbrückt hatte.

Nami hob den Kopf, biss sich leicht auf die Unterlippe und sah ihn mit einer Mischung aus ehrlichem Bedauern und provokanter Erwartung an, während sie ihre Hand sacht auf seine Brust legte.

„Weißt du eigentlich, wie gemein das ist?“, fuhr sie fort, und in ihrer Stimme lag ein so schöner, unverkennbarer Hauch von gespieltem Schmerz, dass es in der ansonsten so kontrollierten Stille des Raumes fast schwerfiel, nicht laut loszulachen.

„Ich hatte mich schon so verdammt darauf gefreut, gewonnen zu haben… Ich wollte dich im Bett endlich einmal nach allen Regeln der Kunst beherrschen. Ich hatte mir schon die genialsten Sachen ausgemalt.“

Kais Brust bebte unter ihrer Hand bei einem tiefen, sonoren Schmunzeln, das er kaum zu unterdrücken versuchte. Er legte seine große, warme Hand an ihre Wange und strich mit dem Daumen über ihre weiche Haut, während sein Blick dunkel und intensiv auf ihr ruhte.

„Ich verliere eben nur sehr ungern... “, erwiderte er mit einer leisen, fast rauchigen Faszination in der Stimme, die jeden Hauch von Ernst in der Luft sofort verzehrte. „Aber du kannst dir sicher sein… die nächste Wette kommt bestimmt.“

Nami warf ihm einen Blick zu, der pure, gespielt fassungslos anmutende Enttäuschung widerspiegelte. Ihre Schultern zuckten leicht, und ein ungläubiges Kopfschütteln begleitete die Worte, die sie mit einem dramatischen, leichten Beben in der Stimme an ihn richtete:

„Du gibst also wirklich kein Stück nach…?“,hauchte sie, während sie demonstrativ anfing leicht zu zittern, als träfe sie diese vermeintliche Niederlage bis ins Mark. Mit gespielter Verzweiflung, die sich jedoch kaum gegen das Funkeln in ihren ozeanfarbenen Augen durchsetzen konnte, fixierte sie ihn.

„Du bist also... kein Gentleman und lässt mich mit dir machen was ich will, um mir eine Freude zu machen?" seuselte sie leicht neckisch.

„Ich werde... ernsthaft darüber nachdenken“, erwiderte er mit seiner tiefen, sonoren Stimme und einem schmalen, herausfordernden Schmunzeln, das keinen Zweifel daran ließ, dass er sie beim Wort nehmen würde.

Nami biss sich fest auf die Innenseite ihrer Wange und kämpfte verbissen darum, das Lachen zu unterdrücken, das ihr bereits mit Macht die Kehle hochkroch. Doch in genau diesem Bruchteil einer Sekunde, in dem die knisternde, erotische Spannung im Raum ihren absoluten Siedepunkt erreicht hatte, geschah etwas, das jede Form von Romantik oder intimer Schwüre mit einem Schlag pulverisierte.

Prrrrrrrt.

Ein unverkennbares, überraschend lautes und durchdringendes Geräusch drang aus dem kleinen Beistellbettchen direkt neben ihnen. Der neugeborene Gou hatte beschlossen, ein unübersehbares Statement abzugeben und die volle Ladung in seine Windel zu verfrachten.

Die knisternde, aufgeladene Spannung im Raum wurde augenblicklich von einer dicken Welle von Darmwinden und dem vernehmbaren, leisen Rascheln der frischen Plastikwindel verweht.

Nami hielt die Luft an, während ihr das gespielte Entsetzen im Gesicht augenblicklich durch einen echten, markerschütternden Lachanfall ersetzt wurde, während der Duft von frischem Babyelend die luxuriöse Atmosphäre des Zimmers in Sekundenschnelle einnahm.