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Das Streben nach Macht

Der Gezähmte Phönix — www.fanfiktion.de · All chapters

Das Streben nach Macht

Der mächtige, tiefgrüne Bentley glitt mit erhabener Laufruhe durch das Verkehrschaos der Tokioter Innenstadt, als hätte die hektische Metropole vor den Fenstern keinerlei Einfluss auf die schwebende Ruhe im Inneren des Wagens.

Auf dem Rücksitz lehnte sich Nami entspannt zurück, während der kleine Gou tief und friedlich in seiner Babyschale schlief,

Dass Nami und ihr Baby überhaupt mitgefahren waren, war keineswegs eine Selbstverständlichkeit gewesen. Nach den kräfteraubenden Momenten der Geburt und dem schrecklichen Trauma der Entführung aus dem Krankenwagen hätte sie eigentlich im Anwesen bleiben und sich ausruhen sollen. Doch als Kai im Krankenzimmer beiläufig angemerkt hatte, dass er sie und den Kleinen nach all den dramatischen Ereignissen am liebsten keine Sekunde aus den Augen lassen wollte, hatte Nami nicht gezögert. Sie hatte dasselbe tiefe, unstillbare Bedürfnis nach seiner Nähe gespürt.

Der Schock über die Entführung saß ihnen allen noch tief in den Knochen, und die Vorstellung, in dem weitläufigen Anwesen allein auf seine Rückkehr zu warten, während er sich draußen der medialen Meute stellte, war für sie unerträglich gewesen.

Kai saß auf dem Beifahrersitz, den Blick starr und kühl auf die vorbeiziehende Häuserkulisse gerichtet. In seinem Kopf liefen bereits die Szenarien ab, die ihn in wenigen Minuten erwarten würden.

Wenig später bog der Wagen in die breite, von Glasfassaden und moderner Architektur umrahmte Allee des Geschäftsviertels von Shinjuku ein. Schon von Weitem war zu erkennen, dass die Lage vor dem Hauptsitz der Corporation zu einem echten Schauplatz geworden war.

Der Vorplatz des Tachiwari-Towers glich einem brodelnden Hexenkessel. Dutzende von Medienvertretern, Kamerateams mit schweren Stativen, Reportern und Schaulustigen drängten sich hinter den silbernen Absperrgittern, die von Sicherheitspersonal mühsam in Position gehalten wurden. Das blitzende Licht der Fotokameras zuckte ununterbrochen wie ein dauerhaftes Gewitter über die glänzenden Metall- und Glasfronten des Gebäudes. Die Luft war erfüllt von einem dumpfen, ohrenbetäubenden Stimmengewirr und dem Hektik auslösenden Summen der Mikrofone.

Graham lenkte den schweren Wagen mit gewohnter Präzision in eine etwas geschützte, von den Sicherheitskräften

abgeschirmte Parkbucht seitlich des Haupteingangs.

Kai wandte sich auf dem Beifahrersitz um und sah Nami tief in die ozeanfarbenen Augen. Ein stummes, unerschütterliches Versprechen lag in seinem Blick, als er ihr noch einmal kurz über die Wange strich. Sie nickte ihm ruhig zu und schenkte ihm ein zuversichtliches Lächeln.

„Wir warten hier mit Graham im Wagen auf dich“, sagte sie leise, während sie ihre Hand auf die Babyschale legte. „Hol dir die Kontrolle zurück, mein Schatz.“

Graham blickte durch den Rückspiegel, seine Stimme wie immer gewohnt trocken und diskret: „Machen Sie sich keine Sorgen, Master Kai. Die getönten Scheiben sind absolut blickdicht, und ich werde dafür Sorge tragen, dass sich keine unbefugte Person dem Fahrzeug nähert.“

Mit einem knappen Nicken glitt Kai aus dem Wagen.

Punkt 13:45 Uhr fuhr zeitgleich Hiro Tachibas Limousine vor. Hiro stieg aus, und für einen kurzen Moment schossen die ersten Kameras panikartig in seine Richtung, ehe die Aufmerksamkeit sofort auf Kai gelenkt wurde, der mit unnahbarer Präzision den Wagen verlassen hatte.

Mit einer eisigen, fast schon bedrohlichen Selbstverständlichkeit schloss Kai die Tür des Bentleys hinter sich und stellte sich auf den polierten Steinboden des Vorplatzes.

Seine rubinroten Augen blitzten kalt im harten Tageslicht. Er trug gewohnt einen maßgeschneiderten, dunklen Anzug, dessen Jackett offen stand; das weiße Hemd darunter saß perfekt, und jede einzelne seiner Bewegungen strahlte eine absolute, kompromisslose Souveränität aus. Er wirkte nicht wie ein Mann, der sich rechtfertigen musste... er wirkte wie jemand, der die Kontrolle beanspruchte und niemals wieder hergab.

Ein orkanartiger Sturm aus Rufen, Fragen und Blitzlichtgewittern brach augenblicklich über ihn herein.

„Mr. Hiwatari! Stimmen die Berichte, dass sie ein Übermensch sind?“

„Gibt es eine Verbindung zu den alten BBA-Turnieren und unregulierten Bit-Beast-Kräften?“

„Ist das Unternehmen bereit, sich den Vorwürfen der Intransparenz zu stellen?!“

Die Reporter drängten nach vorn, die Mikrofone wurden über die Absperrgitter gereicht wie Speere, die nach einem Ziel suchten.

Kai rührte sich nicht vom Fleck. Er blinzelte nicht einmal im grellen Licht der Kameras. Er hob lediglich langsam die rechte Hand, eine einzige Geste von eiskalter Autorität, und allein die Wucht seiner Präsenz reichte aus, um das ohrenbetäubende Geschrei der vorderen Reihen augenblicklich in ein unruhiges, nervöses Raunen abebben zu lassen.

In diesem Moment trat Hiro mit schwerem, aber gefasstem Schritt an seine Seite. Er warf Kai einen kurzen, stummen Blick zu, erhielt von seinem Schwiegersohn jedoch nur ein unnachgiebiges Nicken als Antwort.

Kai trat an das zentrale Rednerpult vor den Stufen des Towers heran. Die Mikrofone summten leise unter der schieren Menge an elektrischer Spannung. Er legte die Hände flach auf den kalten Rand des Pultes, lehnte sich minimal nach vorn und fixierte die Menge mit einem Blick, der jedes unbedachte Wort im Keim erstickte.

Sein tiefes Timbre hallte über die Lautsprecheranlage, klar, kühl und von einer Härte durchdrungen, die jede Frage im Raum überrollte:

„Die Spekulationen haben ein Ende“, begann Kai, und jedes einzelne Wort schnitt sich wie eine Klinge durch die angespannte Luft.

„Hören Sie mir alle genau zu. Es wird keine Gerüchte, keine halbgaren Spekulationen und vor allem keine Belästigung meiner Familie geben.“

Die Kameras surrten in einem rasenden Tempo, während die Welt den Atem anhielt.

Die blendenden Scheinwerfer der Journalisten schienen auf Kai hinab. Er stand wie eine unerschütterliche Statue hinter dem Podest, seine hochgewachsene Statur beherrschte den gesamten Raum. Eine eiskalte, fast physisch greifbare Präsenz ging von ihm aus, als er sich leicht nach vorne lehnte und direkt vor dem Mikrofon verharrte.

„Es ist wahr“, begann Kai. Seine tiefe, ruhige Stimme verlangsamte das geschäftige Treiben augenblicklich. „Die unzähligen Videoaufnahmen und Bilder, die seit gestern Nachmittag im Umlauf sind, sprechen für sich. Ich werde hier nichts abstreiten: Ja, ich verfüge über Kräfte, die weit über das hinausgehen, was Sie als normal bezeichnen würden.“

Ein kollektives, ehrfürchtiges Murmeln ging durch die Ränge der Journalisten. Kameras blitzten unaufhörlich, während die Worte schwer im Raum hingen.

„Diese Kräfte sind das Resultat einer Seelenverschmelzung mit meinem Bit-Beast Dranzer“, fuhr Kai fort, ohne mit der Wimper zu zucken. Die Verblüffung war greifbar, doch Kais Blick blieb schneidend.

„Das ist weder ein Mythos noch eine Schmeichelei der Fiktion. Es ist Realität. Seit etwa siebzehn Monaten ist Dranzer ein Teil meiner Seele. Wie und warum es passiert ist spielt jedoch keine Rolle.“

Ein zynisches, feines Lächeln stahl sich auf seine Lippen, als er die schockierte Menge prüfend musterte.

„In den letzten anderthalb Jahren hat die Regenbogenpresse seitenweise Analysen über mich verfasst“, sagte er, wobei ein spürbarer Ton von Verachtung in seiner Stimme mitschwang.

„Sie haben meine Blicke auseinandergenommen... Blicke, die Sie als romantische Hingabe gegenüber meiner Frau gedeutet haben. Blicke, die in Ihren Boulevardblättern lächerlicherweise als die ‚durchdringendsten und erotischsten‘ beschrieben wurden.“

Bei dem Wort erotisch verzogen sich Kais aristokratische Gesichtszüge vor unverhohlenem Ekel. Er schwieg für einen kurzen Moment, um die Lächerlichkeit dieser Medienberichte im Raum stehenzulassen.

„Wenn Ihre Beobachtungsgabe angeblich so scharf ist... wieso ist Ihnen allen dann nicht aufgefallen, dass sich meine Augenfarbe seit genau diesen Moment vor siebzehn Monaten verändert hat? Wieso hat niemand meine veränderte Statur oder meine Körpergröße hinterfragt? Sicher, mit einundzwanzig Jahren hätte man es bequem als einen verspäteten Wachstumsschub abtun können. Aber alle anderen Anzeichen lagen klar auf der Hand.“

Er legte eine kurze Pause ein. Die Kälte in seinen Augen ließ selbst die lautesten Reporter in den vorderen Reihen verstummen.

„Ich stand beinahe mein gesamtes Leben lang in der Öffentlichkeit. Seit meiner frühesten Jugend wurde meine Privatsphäre mit Füßen getreten, nur weil ich durch Leistung geglänzt und mit meiner Vergangenheit Aufsehen erregt habe. Ich habe dieses gesellschaftliche Theater um meine Person schon immer verachtet. Doch ich habe akzeptiert, dass es wohl der Preis ist, den ich für mein Handeln zahle.“

Kai senkte leicht die Stimme, was die Spannung im Saal nur noch weiter anspannte.

„Lassen Sie mich eines klarstellen: Ich habe aus diesen Kräften niemals einen geschäftlichen Vorteil gezogen. Ich besitze keine hellseherischen Fähigkeiten und ich kann keine Bilanzen fälschen. Die Kraft, die Dranzer mir schenkt, ist reine Lebensenergie und physische Kraft. Und ich verwende sie ausschließlich für eine einzige Sache: zum Schutz meiner Familie.“

Er hob eine Hand und deutete präzise auf sein Gesicht, wo seine rubinroten Augen im Scheinwerferlicht intensiv aufglühten.

„Wenn Sie mir vorwerfen wollen, dass ich diese Macht schon länger besitze, dann prüfen Sie meine Aussagen anhand des Fotomaterials. Dieses Rubinrot meiner Iris ist der unumstößliche Beweis. Vor zwei Jahren existierte diese Farbe bei mir nicht. Und da die Archive Ihrer Verlage voll von Bildern aus meiner Zeit als aktiver Spitzenblader sind, wird es Ihnen nicht schwerfallen, das zu verifizieren.“

Unruhe keimte auf. Ein Reporter aus den mittleren Reihen hob verunsichert die Hand und rief laut in den Raum: „Mr. Hiwatari! Was hatte es dann mit dem Krankenwagen in Shibuya auf sich, den Sie gestern Nachmittag eigenhändig gestoppt haben?“

Kais Blick verengte sich. „Jemand hat versucht, meine schwangere Frau mitten während der Wehen zu entführen, um meinen Sohn zu stehlen. Ich habe lediglich meine Kräfte mobilisiert, um diesen Anschlag zu verhindern. Die Verantwortlichen wurden bestraft und sitzen bereits hinter Schloss und Riegel.“

Ein anderer Reporter ergriff sofort das Wort:

„Heißt das etwa, Sie sind offiziell Vater geworden?“

„Mein Sohn erblickte noch in diesem Krankenwagen das Licht der Welt“, antwortete Kai direkt, und für den Bruchteil einer Sekunde wich die Kälte in seinen Augen einem tiefen, unerschütterlichen Stolz.

„Genau in dem Moment, als ich das Fahrzeug unter meine Kontrolle gebracht hatte. Mutter und Kind geht es gut.“

Schließlich meldete sich eine Journalistin weiter hinten: „Und was ist mit der vermummten Gestalt, die Ihnen geholfen hat, den Krankenwagen aufzuhalten? Wer war das?“

Kai schwieg für einen langen, dehnenden Moment. In seinem Inneren dachte er an seinen Klon... die Wahrheit darüber würde niemals an die Öffentlichkeit gelangen.

„Das spielt keine Rolle“, wiegelte Kai kühl ab.

„Diese Person kam mir zur Hilfe und ist danach spurlos verschwunden. Ich habe keine Ahnung, wer sie war.“

Eine schneidende Stille legte sich über den Vorplatz. Kai verharrte einige Sekunden in unbeweglicher Haltung, während die Journalisten verunsichert die Köpfe zusammensteckten und darauf warteten, ob er noch eine einzige Frage zulassen würde.

Doch statt abzutreten, neigte sich Kai noch ein Stück weiter nach vorn über das Rednerpult. Seine rubinroten Augen blitzten gefahrvoll auf, und die Atmosphäre um ihn herum wurde spürbar kälter.

„War das alles?“, fragte er mit einer leisen, schnörkelreichen Gelassenheit, die giftiger wirkte als jeder erhobene Tonfall.

Keiner der Anwesenden wagte es, das Wort zu ergreifen.

„Gut. Denn eines habe ich diesem Spektakel noch hinzuzufügen“, fuhr Kai fort.

„Die Privatsphäre meiner Familie ist wie immer absolut heilig. Ich spreche hier nicht von höflichen Bitten oder vagen Absichtserklärungen. Sollte ich auch nur einen einzigen von Ihnen, einen Fotografen oder irgendeinen selbsternannten Reporter in der Nähe meines Anwesens erwischen, werde ich diesen persönlich und ohne jede Vorwarnung vor Gericht ziehen. Ich werde jedes rechtliche und finanzielle Mittel ausschöpfen, um Ihre berufliche Existenz zu vernichten.“

Ein Raunen ging durch die vorderen Reihen der Medienvertreter, doch Kais unnachgiebiger Blick ließ keinen Zweifel daran, dass jedes einzelne Wort bittere Realität werden würde.

„Es ist mir völlig gleichgültig, wie gierig die Welt nach einem Foto meines Sohnes ist“, fügte er mit frostiger Härte hinzu. „Ob, wann und auf welche Weise die Öffentlichkeit ein Bild unseres Kindes zu Gesicht bekommt, entscheiden ganz allein meine Frau und ich. Wer versucht, dieses Recht zu umgehen, wird die Konsequenzen tragen.“

Ohne auf die verhaltenen, schockierten Reaktionen der Presse zu warten, wandte Kai sich mit einer fließenden Bewegung ab. Er würdigte die Kameras keines Blickes mehr, während er an der Seite von Hiro Tachiba die Stufen hinabstieg.

Das helle, grelle Blitzlichtgewitter setzte augenblicklich wieder ein und tunkte den grauen Asphalt in ein rasantes, unbarmherziges Stakkato aus Licht und Schatten, als Kai sich von dem Podest abwandte. Ohne den Medienvertretern auch nur einen weiteren Blick zu schenken, ging er mit langen, festen Schritten auf den wartenden, dunkelgrünen Bentley zu.

Graham hatte die Beifahrertür bereits lautlos geöffnet. Kai glitt mit geschmeidiger Präzision in den Wagen und ließ sich auf den Ledersitz sinken.

Hiro Tachiba war ihm direkt gefolgt. Er blieb noch für einen Augenblick an der offenen Beifahrertür. Er lehnte sich leicht vor, ein amüsantes, wissendes Lächeln lag auf seinen Zügen, als er Kai musterte.

„Sag mal, Kai...“, fragte Hiro mit gedämpfter, fast belustigter Stimme, die gegen das ferne Gemurmel der Reporter ankämpfen musste, „war diese Drohung vor versammelter Mannschaft nicht... ein kleines bisschen zu dick aufgetragen? Wenn man bedenkt, dass es sich mit der Presse wie mit einem zweischneidigen Schwert verhält und ihre Berichterstattung im Ernstfall auch deinen eigenen Fall bedeuten könnte?“

Kai lehnte sich im Sitz zurück, seine rubinroten Augen blitzten im schummrigen Halbdunkel des Innenraums kalt und absolut unerschütterlich auf. Er wirkte völlig unbeeindruckt von Hiros Bedenken.

„Lass sie nur“, erwiderte Kai gelassen, die Stimme ruhig und von schneidender Kälte durchdrungen. „Diese Blutsauger sollen es ruhig versuchen. Ich weiß sehr genau, zu was die Presse imstande ist und wie sie spielen. Aber genau deshalb musste diese Ansage sein. Das war kein Bluff... das war eine Grenze, damit auch der letzte Idiot da draußen begreift, dass er sie niemals wieder überschreiten darf.“

Hiro schmunzelte breit, ein leises, anerkennendes Lachen hallte in seiner Kehle.

Er schlug die schwere Beifahrertür mit einem satten, gedämpften Ton zu, der die Hektik der Außenwelt endgültig abriegelte.

Im selben Moment setzte sich der Bentley leise und gleitend in Bewegung, um den brodelnden Hexenkessel des Tachiwari-Towers hinter sich zu lassen und den Weg zurück ins schützende, vertraute Ayame-Anwesen anzutreten.

Etwa zwei Stunden nach ihrer Rückkehr saß Kai im kleinen Salon des Ayame-Anwesens, der von den hohen, bleigefassten Fenstern in ein gedämpftes, goldenes Nachmittagslicht getaucht wurde. Er hatte sich in einen der schweren, dunkelbraunen Ledersessel zurückgelehnt, die Beine lässig übereinandergeschlagen, während er eine Hand stützend an seine Wange hielt.

Sein ganzer Körper strahlte eine tief sitzende, fast greifbare Erschöpfung aus, die sich vor allem in einem abgrundtief genervten Ausdruck auf seinen Zügen widerspiegelte.

Schon im Moment ihrer Ankunft hatten Max und Tyson vor dem eisernen Haupttor des Anwesens gewartet... wie zwei übereifrige Wachhunde, die jede Sekunde genutzt hatten, um sich an die Fersen der ankommenden Limousine zu heften. Kaum war der Bentley zum Stehen gekommen, hatten sie Kai mit einer wahren Flut aus lautstarken Glückwünschen bezüglich des kleinen Gou überhäuft und ihn mit tausend Fragen zu seiner spektakulären Seelenverschmelzung bombardiert.

Kai hatte ihnen daraufhin fast eine volle Stunde lang Rede und Antwort stehen müssen. Nicht etwa, weil ihm auch nur im Geringsten der Sinn nach Smalltalk oder Erklärungen über Dranzer stand... ganz im Gegenteil. Er hätte die beiden am liebsten mit einer Handbewegung ins nächste Taxi verfrachtet.

Doch als Nami kurz vor dem Verlassen des Autos einen so unendlichen, bittenden Blick aufgesetzt und ihm leise zugeraunt hatte, er solle seinen alten Freunden nach all den dramatischen Stunden doch die ersehnten Antworten geben, hatte er nachgegeben. Für Nami hatte er sich breitgeschlagen, die Fragen über sich ergehen zu lassen und den unermüdlichen Strom an Neugier zu ertragen.

Nun, da Max und Tyson endlich gegangen waren und im Salon eine erlösende, schwere Stille eingekehrt war, rieb Kai sich mit Daumen und Zeigefinger die Nasenwurzel.

Die Wände des ehrwürdigen Raumes, die ansonsten die zeitlose Ruhe des Anwesens bewahrten, schienen noch immer von Tysons exaltierter Stimme zu hallen.

Nami, die sich mit dem schlafenden Gou kurz zuvor in ins Schlafzimmer zurückgezogen hatte, um etwas Ruhe zu finden, schien in diesem Moment Lichtjahre entfernt zu sein.

Kai atmete tief aus, während sein rubinroter Blick gedankenverloren auf dem schweren, ornamentierten Teppich ruhte, fest entschlossen, für den Rest des Tages absolut niemanden mehr zu empfangen.

Er streckte sich kurz, wobei das feine Tuch seines Maßanzugs leise knisterte, und trat mit lautlosen Schritten aus dem Raum.

Die gewaltige Eingangshalle des Ayame-Anwesens empfing ihn mit ihrer gewohnten, ehrfurchteinflößenden Stille. Das dunkle, polierte Holz der Wände, die antiken Kronleuchter und die weitläufige Architektur ließen das über sechzig Jahre alte Anwesen wie gewohnt wirken, als stünde es seit Jahrhunderten unberührt von der Außenwelt.

Das lebhafte Chaos der Tokioter Presse und das laute Gemüt von Tyson und Max schienen hinter den dicken Steinmauern vollkommen zu verblassen.

Gerade als Kai den Fuß auf die erste Stufe der ausladenden Treppe setzte, trat Graham mit der ihm eigenen, unaufdringlichen Eleganz aus einem der Seitengänge. Der treue Butler hielt kurz inne, legte die Hände vor dem Körper zusammen und sah Kai durch seine Brille aufmerksam an.

„Master Kai“, begann Graham ruhig, die Stimme in dem gewohnt trockenen, höflichen Tonfall. „Ich wollte Sie nur informieren, dass das Abendessen in etwa einer Stunde im Speisesaal serviert wird.“

Kai hielt auf der Treppe inne, drehte den Kopf leicht zu ihm und nickte knapp. „Danke, Graham. Ich gehe rauf zu Nami und dem Kleinen.“

„Sehr wohl, Sir. Ich wünsche Ihnen eine erholsame Stunde“, erwiderte Graham mit einer Neigung des Kopfes, ehe er sich ebenso lautlos wieder zurückzog.

Kai setzte seinen Weg nach oben fort. Seine Schritte verhallten auf dem dicken Läufer, der die Stufen bedeckte. Auf dem oberen Flur angekommen, steuerte er zuerst das neu eingerichtete Kinderzimmer an. Die Tür stand einen Spalt breit offen. Kai schob sie behutsam auf und warf einen prüfenden Blick hinein. Die sanft gestaltete Wiege und die hellen Möbel lagen verwaist im dämmrigen Licht... das Zimmer war leer.

Ein leises Durchatmen entwich seinen Lippen, als er sich abwandte und den Flur weiter hinunter zum Hauptschlafzimmer ging. Lautlos drückte er die schwere Holztür herunter und trat ein.

Die Vorhänge waren leicht zugezogen, sodass nur ein warmes, schummeriges Dämmerlicht den Raum erfüllte. Auf dem großen Bett lag Nami auf der Seite. Ihre dichten, silbrig-weißen Wellen breiteten sich wie ein schimmernder Schleier über das Kissen aus, und ihre sanften Atemzüge verrieten, dass sie tief und fest schlummerte.

Direkt neben ihr, geborgen in der Wölbung ihres Körpers, lag der kleine Gou. Das Neugeborene schlaf ebenfalls friedlich, die winzigen Fäustchen fest an die Brust gedrückt. Der leicht verschobene Stoff ihres Kleids verriet Kai sofort, dass Nami den Kleinen wohl noch gestillt hatte, ehe der erschöpfende Tag auch sie schließlich überwältigte.

Kai blieb an der Bettkante stehen. Die unnahbare Kälte, die er noch vor wenigen Stunden vor den Medienvertretern wie einen Schild vor sich hergetragen hatte, schmolz in diesem Moment spurlos dahin. Ein seltenes, tiefes Schmunzeln stahl sich auf seine markanten Züge. Er verschränkte die Arme locker vor der Brust und verharrte eine Zeit lang einfach nur da, um dieses friedliche Bild stumm auf sich wirken zu lassen.

Während sein Blick unruhig und doch voller unendlicher Milde über die beiden schlafenden Gestalten glitt, stieg in Kai eine unerwartete Welle von Gedanken auf. Eine stille, fast irreale Erkenntnis überkam ihn mitten in der sanften Dämmerung dieses Raumes.

Noch vor wenigen Jahren hätte er jeden ausgelacht, der ihm eine solche Szene für seine eigene Zukunft vorhergesagt hätte.

Damals existierte für Kai Hiwatari nur der Kampf. Seine Welt war geprägt gewesen von eiskaltem Kalkül, unnachgiebiger Disziplin und dem unerschütterlichen Drill, an der Spitze zu stehen. Einsamkeit war keine Qual für ihn gewesen, sondern sein gewählter Schild, sein natürlicher Zustand. Die Vorstellung, jemals sein Herz an einen anderen Menschen zu verlieren, schien ihm völlig fremd... eine Schwäche, die er sich schlichtweg nicht erlauben konnte und wollte.

Er hatte geglaubt, sein Weg sei vorgezeichnet als ein stummer, unnahbarer Pfad, den er allein beschreiten würde. Die Idee von Ehe, von Häuslichkeit oder gar davon, eines Tages eine eigene Familie zu gründen, war für ihn nicht einmal im kühnsten Traum existent gewesen. Es war eine völlig andere Welt gewesen, die mit seinem Dasein nicht das Geringste zu tun hatte.

Und nun stand er hier.

Inmitten des ehrwürdigen Ayame-Anwesens, während draußen die Welt nach seinen Kräften schrie, blickte er auf sein ganz persönliches Universum hinab. Er hatte nicht nur geheiratet... er hatte in Nami eine Frau gefunden, die seine tiefsten Mauern ohne Gewalt durchbrochen hatte. Eine Frau, deren bloße Anwesenheit seinen inneren Aufruhr glättete und die er mit einer Intensität liebte, die jede logische Erklärung sprengte. Sie war seine Zuflucht, sein Anker und sein stärkster Halt.

Und neben ihr lag Gou. Sein Sohn. Ein winziges Wesen, geschaffen aus ihrer gemeinsamen Liebe, das noch vor wenigen Stunden mitten im Chaos die Welt erblickt hatte. Als Kai das friedliche, regelmäßige Atmen des kleinen Jungen beobachtete, spürte er wie ein tiefes, unerschütterliches Feuer in seiner Brust aufflammte.

Dieser Junge trug sein Blut. Und Kai wusste mit eisernem, absolutem Stolz, dass es von diesem Tag an keine Macht auf dieser Erde gab, die ihn daran hindern würde, diesen Jungen zu beschützen. Er würde jede Gefahr zermalmen, jede Bedrohung im Keim ersticken und sein Leben als Schild vor seine Familie stellen.

Das schmale Schmunzeln auf seinen Lippen vertiefte sich noch um ein Nuance. Der Mann, der er einst gewesen war... der unnahbare Solist, der niemanden an sich heranließ... , gehörte der Vergangenheit an.

Hier, im schummerigen Licht dieses Zimmers, war er angekommen. Er war Ehemann, er war Vater... und er war bereit, diese Rollen bis zu seinem letzten Atemzug gegen den Rest der Welt zu verteidigen.

Kai wandte sich mit lautlosen Schritten vom Bett ab und steuerte auf eine kleine Kommode zu. Der maßgeschneiderte Anzug, den er die letzten Stunden wie eine schützende Rüstung getragen hatte, wog nach all den Ereignissen des Tages bleischwer auf seinen Schultern. Es war Zeit, die kalte Fassade des Geschäftsmanns und das Veredelungsbild für die Presse endgültig abzulegen.

Mit geübten, flüssigen Bewegungen griff er an die oberen Knöpfe seines blütenweißen Hemdes und löste sie einen nach dem anderen. Das feine Tuch gab nach, als er die Ärmelmanschetten aufknöpfte und das Hemd schließlich glatt über seine Schultern abstreifte. Sein muskulöser, von jahrelangem, unerbittlichem Training geprägter Oberkörper zeichnete sich im schummerigen Licht ab... jede Kontur zeugte von der gewaltigen physischen Kraft, die in ihm wohnte.

Anschließend öffnete er den Gürtel, zog die dunkle Anzughose aus und legte die Stoffe sorgfältig über einen stummen Diener.

Für den verbleibenden Abend verlangte sein Körper nach etwas schlichtem, Unaufdringlichem: Ein einfaches, dunkles Baumwoll-Shirt und eine lockere, bequeme Hose genügten ihm vollkommen, um den Rest des Tages im Anwesen zu verbringen.

Während er in die Schublade griff, entging Kai im ersten Moment völlig, dass sich auf dem Bett etwas verändert hatte.

Nami war durch die leisen Stoffgeräusche sanft aus ihrem Schlaf erwacht. Ihre dichten Wimpern hoben sich langsam, und ihre feinen, ozeanfarbenen Augen blinzelten vorsichtig gegen das warme Dämmerlicht an. Sie rührte sich kaum, um den kleinen Gou nicht zu wecken, der weiterhin selig an ihrer Seite schlummerte.

Ein mattes, unendlich liebevolles Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. Stumm und mit verklärter Sanftheit beobachtete sie ihren Ehemann von der Seite aus dabei, wie er sich in aller Seelenruhe umzog. Der Anblick seiner breiten Schultern und der vertrauten, kraftvollen Silhouette schenkte ihr eine tiefe, fast augenblickliche Wärme, die den verbliebenen Schock der letzten vierundzwanzig Stunden endgültig aus ihren Knochen vertrieb.

Sie richtete sich mit einer vorsichtigen, fließenden Bewegung auf. Ihr Haar... silbrig weiß und sanft wellig... glitt über ihre Schultern hinab und fiel geschmeidig über ihren Rücken. Sie warf einen kurzen, aufmerksamen Blick auf den kleinen Gou, der tief und vollkommen ungestört weiterschlummerte, ehe sie ihre Füße geräuschlos auf den dunklen Dielen absetzte.

In Socken und mit angehaltenem Atem setzte sie einen Fuß vor den anderen. Jeder Schritt war darauf bedacht, kein noch so geringes Knarren des Holzes zu verursachen. Ihr Blick war fest auf Kais breiten, entspannten Rücken gerichtet, während er gerade dabei war, das lockere Shirt überzuziehen. Sie feilte an ihrer Haltung, spannte die Muskeln an und trat millimeterweise näher, fest entschlossen, ihn dieses eine Mal überraschen zu können.

Sie war nur noch zwei Schritte von ihm entfernt und streckte bereits die Arme aus, um sich von hinten an ihn zu schmiegen und ihn zu umarmen.

Doch noch ehe ihre Fingerspitzen auch nur den Stoff seines Shirts berühren konnten, hielt Kai in der Bewegung inne. Er drehte sich nicht um. Seine Schultern rührten sich kaum, doch in der Stille des Zimmers durchbrach seine tiefe, ruhige Stimme die Luft.

„Du musst dir schon etwas mehr Mühe geben, wenn du mich überwältigen willst, Nami“, sagte er trocken und mit einer Unerschütterlichkeit, die keinen Zweifel daran ließ, dass er sie ab der ersten Sekunde registriert hatte.

Nami hielt mitten in der Bewegung inne, überrascht von seinen messerscharfen Reflexen, und konnte sich ein leises, keckes Auflachen nicht verkneifen.

Bevor sie jedoch auch nur ein Wort erwidern oder sich zurückziehen konnte, handelte Kai.

Mit der geschmeidigen, blitzschnellen Präzision eines geschulten Kämpfers wirbelte er auf der Stelle herum. Seine Hand schoss nach vorn, schloss sich sanft, aber unumstößlich um ihr Handgelenk und nutzte ihren eigenen Schwung aus. Ehe Nami begreifen konnte, wie ihr geschah, lenkte er sie herum und drängte sie fließend an die nächstgelegene Zimmerwand.

Ein gedämpfter, leiser Schlag hallte durch das Schlafzimmer, als ihr Rücken die helle Tapete berührte. Kai folgte ihr ohne Verzögerung, baute sich dicht vor ihr auf und schloss sie mit seinem muskulösen Körper und der freien Hand, die er neben ihrem Kopf gegen die Wand stemmte, augenblicklich ein. Seine rubinroten Augen funkelten im dämmrigen Licht mit einem gefahrvollen, amüsierten Glanz auf.

Namis leises, dunkles Lachen perlte erneut über ihre Lippen... verstummte jedoch auf der Stelle, als ihr blitzartig wieder in den Sinn kam, dass nur wenige Meter entfernt ihr neugeborener Sohn tief und fest schlummerte.

Hastig presste sie sich die freie Hand auf den Mund, die ozeanfarbenen Augen schreckhaft geweitet, während sie prüfend zum Bett hinüberschielte. Gou rührte sich nicht; er atmete weiterhin ruhig und friedlich vor sich hin.

Mit einem leisen Ausatmen senkte Nami die Hand wieder und sah zu Kai auf. Ein verschmitztes, unendlich zärtliches Lächeln stahl sich auf ihre Züge, als sie den Blick ihres Ehemannes erwiderte, der sie aus nächster Nähe mit einer Mischung aus eiskalter Dominanz und tiefer, kompromissloser Zuneigung fixierte.

Ein leises, fast schon freches Schmunzeln trat auf ihre Lippen, und der Glanz in ihren ozeanfarbenen Augen verriet, wie sehr sie diesen gewohnten, intensiven Funken zwischen ihnen genoss.

„Das war… gerade unglaublich heiß“, raunte sie leise, kaum mehr als ein Hauch von einem Flüstergeräusch, um das ruhige Atmen des kleinen Gou drüben auf dem Bett nicht zu stören.

Kai verzog keine Miene. Kein Muskel in seinem markanten Gesicht bewegte sich, doch in der Tiefe seiner rubinroten Augen entflammte eine dunkle, gefährliche Wärme.

Gelassen ließ er ihr Handgelenk frei, schob seine Hand langsam nach oben und umfasste sanft ihr Kinn. Seine langen, kräftigen Finger übten genau den richtigen Druck aus, um ihren Blick noch etwas unausweichlicher auf seinen zu lenken, sodass ihr nicht einmal der kleinste Fluchtweg blieb.

„Du hast vielleicht Nerven“, sagte er mit tiefer, samtig-rauer Stimme, die vibrierend an ihr Ohr drang. Er hob leicht eine Braue, während seine Züge eiskalt und doch voller kontrollierter Leidenschaft blieben.

„Denkst einfach, du könntest dich von hinten anschleichen, mh?“

Bei dem leichten Raunen an seinem Satzende fuhr ein wohliger Schauer durch Namis Körper. Unwillkürlich biss sie sich auf die Unterlippe, während ihr Blick von seinen glühenden Augen nach unten wanderten und an seinen leicht geöffneten Lippen hängen blieb. Der Abstand zwischen ihren Gesichtern war so gering geworden, dass sie die Wärme seines Atems auf ihrer Haut spüren konnte.

„Ich wollte eben…“, begann sie leise, wobei ihre Stimme für einen Sekundenbruchteil zögerte, als ihr Blick wieder zu seinen Augen empor glitt, „…auch mal die Zügel in der Hand haben. Und sei es nur, um dich kurz zu… überraschen.“

Sie hob eine Hand und legte ihre schmalen Finger ganz leicht auf sein Handgelenk, das noch immer ihr Kinn hielt. Ihr Atem ging ein wenig schneller, und ein schelmisches, fast schuldbewusstes Lächeln stahl sich auf ihre Züge.

„Denn… die Wette habe ich ja dummerweise verloren“, gestand sie leise, während ihre Augen sanft in seinen rubinroten versanken.

„Da… musste ich eben… kreativ werden.“

Kai schwieg einen langen Moment. Er rührte sich nicht, veränderte nicht einmal den Halt an ihrem Kinn, während er ihr Gesicht eingehend musterte. Das schummerige Licht des Schlafzimmers warf scharfe Schatten auf seine markanten Züge.

„Die Wette“, wiederholte er schließlich, und seine Stimme war nur ein tiefes, raues Murmeln, das ihr unter die Haut ging. Er legte den Kopf um Nuancen schief, während sein Blick noch dunkler zu werden schien.

„Du denkst immer noch darüber nach? War es dir so wichtig, diese blöde Wette zu gewinnen?“

Eine spürbare Spannung baute sich zwischen ihren Körpern auf. Kai lehnte sich noch einen Zentimeter näher heran, bis seine Brust die ihre fast berührte und Nami den heißen Hauch seines Atems auf ihren Lippen spürte.

„Du willst mich also unbedingt dominieren?“, raunte er trocken, doch der Tonfall trug eine gefährliche, unverhohlene Intensität in sich.

„Mich… wie sagtest du… beherrschen?“

Kai spannte die Kiefermuskeln leicht an, während seine Finger ihr Kinn mit unerschütterlicher Sanftheit fixiert hielten. Er neigte den Kopf nur ein Stück weiter, sodass seine raue, tiefe Stimme direkt an ihr Ohr drang... ein dunkles, vibrierendes Murmeln, das ihren Atem augenblicklich geratener stocken ließ.

„Und wie sieht dieses… Beherrschen bei dir aus?“, raunte er vollkommen gelassen, doch mit einer messerscharfen Präsenz, die den verbliebenen Raum zwischen ihnen fast spürbar aufheizte. „Was stellst du dir vor, dass es dich anscheinend nicht loszulassen scheint?“

Seine rubinroten Augen blitzten im Dämmerlicht auf, unnachgiebig und ergründend, während er ihren Blick keine Millimeter freigab. Ein kaum wahrnehmbares, gefährliches Schmunzeln deutete sich in seinen Mundwinkeln an, ohne dass er seine beharrliche Ruhe verlor.

„Willst du oben sein?“, fuhr er leise fort, und jedes einzelne Wort glitt wie flüssiges Feuer über ihre Haut.

„Oder wie sieht dieser… Plan aus, der dir so im Kopf herumschwirrt?“

Die Wucht seiner Nähe, das dunkle Vibrieren seiner Stimme und der unnachgiebige Halt seiner Finger an ihrem Kinn schickten eine feurige Hitzewelle direkt durch Namis gesamten Körper. Eine plötzliche, fast berauschende Erregung breitete sich in ihren Adern aus und drohte sie in diesem Moment beinahe verrückt zu machen.

Ihr Atem wurde merklich flacher, hebte und senkte ihre Brust in einem rascheren Rhythmus. Sämtliche frechen Gedanken an Machtspielchen, Überraschungsmomente oder verlorene Wetten begannen im Nebel dieser intensiven Anziehung schlagartig zu verblassen. Der Wunsch, sich ihm einfach wieder vollkommen hinzugeben, ihn gewähren zu lassen und die Kontrolle gänzlich an ihn abzutreten, überrollte sie mit einer unbarmherzigen Kraft.

Es war bereits Wochen her, dass sie Kai wirklich nah gewesen war... Wochen, die gefüllt waren mit der beschwerlichen Endphase der Schwangerschaft, dem Drama der Entführung und der kräftezehrenden Geburt ihres Sohnes. Ihr Körper lechzte nach seiner Berührung, nach seiner ungestümen Härte und der vertrauten, heißen Geborgenheit seiner Arme.

Nami schluckte leise, während ihre Augen suchend an seinen Lippen hingen und ihre Hand krampfhaft den Stoff an seiner Hüfte umfasste, unfähig, die Verlangen machende Flamme in ihrem Inneren noch länger zu verbergen.

Sie atmete einmal tief und zittrig aus, schloss für einen winzigen Augenblick die Augen und zwang sich mit aller Macht dazu, die aufsteigende Welle der Erregung für einen Moment einzudämmen. Als sie die Wimpern wieder hob, lag ein neuer, entschlossener Glanz in ihren ozeanfarbenen Augen. Sie wollte sich nicht sofort wieder geschlagen geben... nicht jetzt, nicht nach all den Gedanken, die sie beschäftigt hatten.

Kai entging diese feine Veränderung in ihrer Haltung natürlich keineswegs. Er spürte das rasche Pochen ihres Puls’ unter seinen Fingern an ihrem Kinn und sah das dunkle Lodern in ihren Pupillen.

Äußerlich blieb er vollkommen entspannt, der spöttische, unnahbare Mann wie eh und je. Doch unter der glatten Oberfläche und hinter seiner eisernen Fassade begann es gewaltig zu brodeln. Namis spürbare, kochende Lust und der Duft ihrer Haut schürten ein tiefes, verzehrendes Feuer in seinem Inneren, das nur schwer unter Kontrolle zu halten war.

Nami legte beide Hände flach auf seine muskulöse Brust und spürte das harte, regelmäßige Schlagen seines Herzens unter dem Shirt. Sie blickte ihm ohne ein einziges Zögern direkt in die rubinroten Augen.

„Ich will dich auch einmal… um den Verstand bringen.“, flüsterte sie leise, doch mit einer erstaunlichen, verlockenden Festigkeit in der Stimme. „So wie du es immer bei mir tust.“

Sie schob ihre Finger ein Stück weiter nach oben, bis sie den Ansatz seines Halses berührten, und trat noch diesen einen unendlich kleinen Schritt näher an ihn heran.

„Ich will, dass du dich fallen lässt und dich mir hingibst“, fuhr sie fort, während ihr Blick von seiner Stirn hinab zu seinen Lippen glitt.

„Das erste Mal in deinem Leben… die Kontrolle gänzlich abgibst. An mich.“