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Der Anruf aus Russland

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Der Anruf aus Russland

Etwa drei Stunden später trat Kai schließlich aus seinem Arbeitszimmer, um sich eine kurze Pause von den anhaltenden Verhandlungen der Tachiwari-Corporation zu gönnen und nach Nami und dem Kleinen zu sehen.

Es war ein für Februar völlig ungewöhnlich sonniger Tag. Die goldenen Strahlen brachen durch die hohen Sprossenfenster des Korridors und warfen lange, warme Schatten auf das dunkle Parkett, während Kai den Weg Richtung des großen Salons einschlug. Im ganzen Haus herrschte eine wohltuende, tiefe Stille.

Als er den Salon betrat, hielt er mit leisen Schritten inne.

Nami lag auf dem großen Ledersofa, tief und fest eingeschlafen. Sie hatte sich auf die Seite gedreht, einen Arm beschützend um den kleinen Gou gelegt, der immer noch an ihrer Brust trank und friedlich döste.

Kais Blick wurde unmerklich weich. Er blieb stumm im Raum stehen und betrachtete die Szene mit einer tiefen, fast schmerzhaften Zuneigung. Er bewunderte sie dafür, wie sie da lag... erschöpft, aber wunderschön und absolut hingebungsvoll. Gou schien in diesen ersten Tagen nichts anderes zu kennen als den ununterbrochenen Rhythmus aus Trinken, Schlafen und den nächsten Windeln, und Nami gab ihm bereitwillig alles, was er brauchte.

Ein leises, ruhiges Versprechen legte sich in Kais Gedanken. Er würde weiterhin da sein, wenn sie ihn brauchte. Wenn Gou sie in der Nacht wieder aus dem Schlaf riss, um das anstrengende Clusterfeeding nahtlos fortzusetzen, würde er da sein. Um sie zu unterstützen, gemeinsam mit ihr wach zu bleiben und sie in den stillen Stunden der Nacht sanft wieder in den Schlaf zu streicheln.

Erst beim Näherkommen bemerkte er ein Detail auf dem Teppich neben dem Sofa: Namis Smartphone lag dort im hellen Licht der Sonne. Offenbar war es ihr in den letzten wachen Minuten mühelos aus der Hand geglitten, als die Erschöpfung sie endgültig übermannt hatte.

Ein leises, kurzes Schmunzeln huschte über Kais Züge, während sein Blick für einen Moment auf dem leblosen Display des auf den Teppich gefallenen Smartphones hängen blieb. Er fragte sich unwillkürlich wie lange sich Nami wohl durch die Hunderte von Nachrichten gekämpft hatte, welchen Verwandten und Freunden sie zuerst geantwortet und welche dringenden Rückrufe sie getätigt hatte, bevor der schier unendliche Erschöpfungsschlaf sie endgültig übermannt hatte.

Seine Gedanken glitten unweigerlich zu seinem eigenen Mobiltelefon in seiner Anzugtasche hinüber, das in den letzten vierundzwanzig Stunden ebenfalls keine Ruhe gefunden hatte. Er dachte an Tysons unzählige, nervige Nachrichten bezüglich Kais neuen Rolle als frisch gebackener Vater... und im krassen Gegensatz dazu an Rays diskrete, geschmackvolle Glückwunschbotschaft.

Tyson und Ray würden schließlich ebenfalls in ein paar Monaten Väter werden, doch nur Ray war gewohnt zurückhaltend geblieben, hatte akribisch die Privatsphäre des ehemaligen Champions gewahrt, während sich Tyson wie gewohnt wie ein Elefant im Porzellanladen benommen hatte.

Aber überraschte das Kai? Natürlich nicht. Er hatte von der ersten Sekunde an genau mit diesem Zirkus gerechnet.

Max hatte am Tag zuvor zwar ebenfalls lauthals mit Tyson vor dem Eingangstor gestanden und ihn anschließend zusammen mit Tyson wild über seine Seelenverschmelzung ausgefragt, nachdem er ihn zuvor überschwänglich und fast handgreiflich zur Geburt gratuliert hatte.

Danach hatte sich Max jedoch gewohnt zurückgehalten. Kenny hingegen hatte sich auf das Wesentliche beschränkt: Ein kurzer, prägnanter Anruf, eine ehrliche Gratulation und die sachliche Frage, ob alles in Ordnung sei. Das war alles gewesen. Doch trotz ihrer völlig unterschiedlichen Art wusste Kai ganz genau, dass sie nach all den Jahren immer noch bedingungslos für ihn da waren und ihm schweigend ihre Freundschaft sicherten.

Und dann war da natürlich noch Mr. Dickenson gewesen. Sein Anruf hatte das Fass fast zum Überlaufen gebracht... der alte Mann hatte am Hörer fast heulend vor Rührung zur Vaterschaft gratuliert, und Kai war im Nachhinein unendlich dankbar gewesen, dass der alte Mann in diesem emotionalen Moment nicht persönlich vor ihm gestanden hatte.

Kai fuhr sich mit einer langsamen, bedächtigen Bewegung durch sein dunkelblaues silbernes Haar, während er sich geräuschlos neben Nami auf die weiche Kante des Ledersofas sinken ließ. Er wandte den Blick keine Sekunde von ihr ab.

Er hatte sie schon immer wunderschön gefunden... von dem allerersten Tag an, an dem sich ihre Wege gekreuzt hatten. Doch wenn er sie jetzt so ansah, während ihr atemloser Schlaf von sanftem Licht umspielt wurde, hätte er Stein und Bein schwören können, dass sie noch niemals zuvor so atemberaubend schön gewesen war wie genau in diesem Augenblick... selbst mit den leichten, zarten Schatten der absoluten Müdigkeit unter ihren geschlossen Augen.

Plötzlich durchbrach ein leises, aber unverkennbares Summen die friedliche Stille des Salons.

Kai hielt inne, während sein Blick an Nami haftete. In seiner Anzugtasche vibrierte das Smartphone beharrlich. Um Nami und den schlafenden Gou bloß nicht zu stören, stand Kai langsam und geräuschlos auf. Mit sanften Schritten bewegte er sich rückwärts aus dem Salon, zog die schweren Flügeltüren hinter sich ins Schloss und warf erst dann einen kurzen Blick auf das Display im Korridor.

Tala.

Kai stutzte kurz. Er hatte in den letzten Tagen tatsächlich keinen einzigen Gedanken an ihn verschwendet. Seit Wochen hatten sie nicht mehr direkt miteinander gesprochen... nicht einmal, als Tala kurz vor seiner Abreise nach Russland noch einmal seine Hilfe angeboten hatte und Kai ihn damals kühl abgewiesen und angewiesen hatte, sich stattdessen um seine eigenen Geschäfte in Russland zu kümmern, da er die Sache mit Sobolev im Alleingang regeln würde.

Tala hatte ihm zwar gelegentlich über seine Kontaktmänner ein paar nützliche Hinweise und kurze Nachrichten zukommen lassen, aber es war bereits über einen Monat her, dass sie tatsächlich ein Wort gewechselt hatten.

Kai nahm ab, kaum dass er das Telefon an sein Ohr geführt hatte. Mit tiefer, ruhiger Stimme meldete er sich:

„Tala. Sag bloß, du weißt noch, wie man einen Anruf tätigt.“

Am anderen Ende der Leitung ertönte ein vertrautes, kurzes Schnauben. Eine Sekunde später meldete sich Talas raue, markante Stimme mit einem Hauch von spöttischem Amüsement:

„Spare dir den Sarkasmus, Kai. Ich wollte mich nur vergewissern, ob das kleine Bälger-und-Windeln-Paradies dich überhaupt noch atmen lässt oder ob dich der Schlafmangel schon komplett dahingerafft hat. Hält der Kleine dich ordentlich auf Trab?“

Kai zog eine dunkle Augenbraue hoch. Ein trockenes, kaum hörbares Schmunzeln huschte über seine Züge, während er sich an das helle Fenster im Korridor lehnte und den Blick nach draußen richtete.

„Ich komme bestens klar“, antwortete er gewohnt kühl und absolut trocken.

„Abgesehen davon war ich schon immer ein Mensch, der mit verdammt wenig Schlaf auskommt… nicht zuletzt, da dies ja eine der grundlegendsten Lektionen in der Abtei war, falls du dich erinnerst.“

Am anderen Ende der Leitung war ein kurzes, trockenes Räuspern zu hören, ehe Tala mit gewohnt rauer, unaufgeregter Stimme fortfuhr.

„Ich habe die Nachrichten vorgestern natürlich auch gesehen“, sagte Tala und klang dabei fast so, als würde er über das Wetter sprechen. „Aber ich dachte mir, ich gebe dir erst einmal ein paar Tage Zeit, um überhaupt anzukommen und die Lage zu sichten, ehe ich mich melde.“

Er machte eine kurze Pause, in der ein amüsiertes, schweres Ausatmen durch den Hörer drang.

„Glückwunsch übrigens.... “, fügte Tala mit einem leisen Unterton von Spott hinzu, „zur Vaterschaft… und natürlich zu der Tatsache, dass jetzt absolut die ganze Welt weiß, dass Dranzer nicht mehr in einem Bit-Chip haust, sondern fest mit deiner Seele verschmolzen ist. Das war ja wirklich eine glänzende Performance, wie ein wandelnder Glutofen durch die Straßen von Tokio zu sprinten.“

Kai schwieg für einen Moment. Seine rubinroten Augen verengten sich minimal. Ein kühles, fast unmerkliches Zucken spielte um seine Mundwinkel.

„Die Öffentlichkeit hat es überraschend gut aufgenommen“, erwidert Kai mit schneidender Trockenheit. „Aber das liegt vermutlich auch primär daran, dass jeder Einzelne von ihnen panische Angst hat, dass ich sie bis auf die Unterwäsche verklage, sollten sie es wagen, das Maul zu weit aufzureißen.“

Am anderen Ende der Leitung wurde es für einen Herzschlag still, ehe Tala das Thema mit gewohnter Direktive auf das Wesentliche lenkte.

„Stimmt eigentlich, was man hier im Osten so munkelt?“, fragte Tala, und der spöttische Unterton wich einem kühlen, fast geschäftsmäßigen Klang. „Sitzt Sobolev mit einem Teil seiner treuen Bande etwa im japanischen Hochsicherheitsgefängnis ein?“

Kai ließ den Blick über die glatte Holzoberfläche der gegenüberliegenden Wand schweifen.

„Sobolev stand ohnehin seit Jahren wegen krimineller Machenschaften und illegaler genmanipulativer Forschung auf den internationalen Fahndungslisten“, erwiderte Kai mit vollkommen gleichgültiger, trockener Präzision. „Ich habe lediglich dafür gesorgt, dass die Behörden endlich genug handfeste Beweise in der Hand haben, um ihn dauerhaft wegzusperren. Ganz abgesehen von meiner eigenen Klage wegen Entführung, die den Prozess nur noch beschleunigt hat.“

Tala brummte anerkennend. „Immerhin ein Anfang. Aber sind alle aus seinem inneren Kreis dran? Von Boris hat man hier seitdem übrigens nichts mehr gehört. Er scheint... untergetaucht.“

Kai schüttelte leicht den Kopf, auch wenn Tala es nicht sehen konnte, und seine rubinroten Augen verengten sich minimal. Ein kaltes, messerscharfes Aufblitzen lag in seinem Blick, während er sich schwerer gegen den Fensterrahmen lehnte.

„Nicht alle“, stellte Kai mit leiser, gefährlich ruhiger Stimme klar. „Einige der Männer von Sobolev konnten in dem Chaos entkommen. Vorwiegend ein Mann, der sich als Mr. Matt Woods ausgegeben und stets behauptet hatte, ein amerikanischer Mitarbeiter einer hiesigen Zuliefererfirma zu sein.“

„Ein amerikanischer Strohmann also. Weiß man, wer hinter dieser Maskerade steckt?“

„Mittlerweile weiß ich, dass dieser ‚Mr. Woods‘ in Wirklichkeit Sergej Petrenkov heißt“, antwortete Kai mit eisiger Gelassenheit. „Und wie sich herausgestellt hat, ist auch er ein ehemaliger Zögling der Abtei, genau wie ich es mir gedacht hatte. Leider ist er mir durch die Lappen gegangen und entwischt… aber ich halte ihn nicht für eine ernsthafte Gefahr.“

Er machte eine kurze Pause, in der ein verächtliches, kurzes Schnauben aus seiner Kehle drang.

„Er ist im Grunde nur ein Hund, der extrem laut bellt“, fügte Kai mit absoluter, unerschütterlicher Selbstverständlichkeit hinzu, „aber sofort den Schwanz einzieht und klein beigibt, sobald man kräftig zurückknurrt.“

Kai wechselte das Gewicht von einem Fuß auf den anderen, während sein Blick an der schweren Holztür des Salons hängen blieb. Seine rubinroten Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen, und in seiner Stimme lag plötzlich eine so eiskalte, kompromisslose Schärfe, dass die Luft im Korridor förmlich zu gefrieren schien.

„Allerdings…“, setzte Kai mit gefährlich leiser, schneidender Deutlichkeit fort, „…sollte ich diesen Kerl jemals wieder auch nur ein einziges Mal zu Gesicht bekommen, weiß ich beim besten Willen nicht, ob ich ihn überhaupt den Behörden ausliefere… oder ob ich ihn eigenhändig zu Brei schlage.“

Tala schwieg für einen Moment, ehe ein kurzes, anerkennendes Lachen durch den Hörer drang.

„Klingt ganz nach dir, Kai“, kommentierte Tala trocken. „Aber verschwende deine Energie nicht an so jemanden. Genieß lieber die Ruhe... solange der Kleine sie dir eben lässt.“

Ein schmaler, fast unsichtbarer Schatten des Amüsierens glitt über Kais Züge. Er ließ die bisherige Anspannung abfallen, wechselte das Thema mit der zielgerichteten Kühle eines Mannes, der es gewohnt war, die Fäden in der Hand zu halten, und lenkte den Fokus direkt auf seinen Gesprächspartner.

„Wie sieht es eigentlich bei dir aus?“, fragte Kai mit trockener, unbarmherziger Präzision.

„Hat sich die Überforderung in letzter Zeit gelegt… oder läufst du immer noch vor Lumina davon?“

Am anderen Ende der Leitung schlug augenblicklich eine bleierne, fast greifbare Stille ein.

Kai hätte in diesem Moment schwören können, dass er Talas Kiefer drüben in Russland förmlich aufeinander mahlen hören konnte.

Jede Faser des Schweigens sprach Bände.

Nach einer scheinbar endlosen Ewigkeit erklang schließlich Talas Stimme... trocken, von abgrundtiefer Kälte durchsetzt und spürbar bemüht, die Contenance zu wahren.

„Ich habe seit Wochen ununterbrochen hier in der RBA zu tun, Kai“, schnaubte Tala mit schneidender Schärfe. „Und was Lumina betrifft: Soweit ich weiß, weilt sie irgendwo in London… was mich im Übrigen einen absoluten Dreck interessiert. Also erklär mir mal, wieso du das überhaupt zur Sprache bringst?“

Kai lehnte den Kopf entspannt gegen den kühlen Rahmen des Fensters, während ein feines, fast amüsiertes Schmunzeln seine Lippen umspielte. Er ließ sich durch Talas abwehrenden Tonfall keineswegs aus der Ruhe bringen.

„Ach, nur so…“, erwiderte Kai mit vollkommen ungerührter, trockener Präzision. „Lumina hat vor einer Woche mit Nami telefoniert. Und sie hat dabei geschworen, dass ihr seit ein paar Wochen ein mysteriöser russischer Account auf Instagram folgt. Einer ganz ohne Profilbild und mit einem ziemlich seltsamen Namen.“

Kai tat kurz so, als würde er überlegen, ehe er den Namen triumphierend fallen ließ: „Ich glaube, es war irgendwas mit WB-RB? Wolborg-Russianblade vielleicht?“

Am anderen Ende der Leitung folgte erst einmal nichts als bleierne, verstörende Stille. Tala schien nach Luft zu schnappen, ehe er mit eisiger, gepresster Schärfe und der Entschiedenheit eines Mannes, der seine letzten Reserven verteidigte, antwortete:

„Ich besitze keinen Social-Media-Account, Kai. Und ich habe absolut nicht vor, mit diesem verfluchten Unsinn anzufangen.“

Kai ließ sich davon nicht beeindrucken und setzte mit ruhiger, unnachgiebiger Sachlichkeit nach: „Das mag sein. Aber Bryan hat mir letzte Woche eine E-Mail geschrieben.“

Kai machte eine kleine, bedeutungsvolle Pause. „Er hat sich darin bitterlich darüber beschwert, dass du in der RBA mal wieder regelmäßig die Trainingshalle in Schutt und Asche legst. Und… dass du anscheinend schon ein paar Nächte mit Durchfeiern verbracht hast. Du seist gereizter als sonst, trainierst wie ein Besessener im Kraftraum und machst einen so überdrehten Eindruck, dass Bryan meinte, dir würden vor lauter Anspannung gefühlt die Arme platzen.“

Ein erneutes, gefährliches Schweigen lag in der Leitung, ehe Kai die alles entscheidende Frage mit chirurgischer Kälte hinterhergob:

„Sag mal, Tala… versuchst du hier eigentlich gerade wieder mal etwas zu kompensieren? Eine bestimmte Art von… Verlangen oder... Sehnsucht vielleicht?“

Ein erneutes dunkles, fast unbarmherziges Schmunzeln lag auf seinen Zügen, während er die Seile um seinen langjährigen Weggefährten absichtlich ein bisschen enger zog.

„Ich kenne dich, Tala“, setzte Kai mit ruhiger, schneidender Klarheit fort. „Du hast dich in den letzten Wochen doch ganz sicher durch die Clubs in Moskau gevögelt, nur um… dieses bestimmte Gefühl noch einmal zu fühlen. Einen Hauch von dem zu bekommen, was du eigentlich suchst.“

Er machte eine kurze, präzise Pause, in der die Stille am anderen Ende der Leitung beinahe greifbar wurde.

„Doch ich wette mit dir, dass das absolut nicht geklappt hat, wenn ich raten müsste“, fügte Kai mit trockener, unbarmherziger Gewissheit hinzu. „Denn nicht nur Bryan hat mir geschrieben. Auch Spencer hat vor zwei Wochen einmal ganz nebenbei durchblicken lassen, dass du in einem Club plötzlich ungewohnt offen für… weibliche Avancen warst.“

Kai konnte förmlich hören, wie drüben in Russland die Luft für einen Augenblick stockte.

„Zwar auf deine gewohnt störrische, eiskalte Art, versteht sich“, fuhr Kai mit ungerührter Stimme fort. „Aber Spencer schien mehr als nur überrascht gewesen zu sein, als er dich zwei Stunden später aus einem Hotel hat rausstampfen sehen… während du dir die Haare gerauft und wie ein Irrer geflucht hast.“

Am anderen Ende der Leitung hörte man plötzlich ein leises Knirschen.

Tala schien das Smartphone derart fest zu umklammern, dass das Plastik unter seinem Griff ächzen musste.

Kai ließ den Blick kurz zu der schweren Flügeltür wandern, hinter der Nami und Gou tief schliefen, ehe er das psychologische Netz mit eiskalter, unbarmherziger Präzision zuzog.

„Und…“, hob Kai mit dunkler, fast sanfter, aber schneidender Stimme an, während ein gefährliches Glitzern in seinen rubinroten Augen lag. „Haben diese Weiber etwa… nicht nach mehr geschrien? Haben sie… dich etwa nicht in alter Manier provoziert und dir mitten ins Gesicht gelacht? Dir gesagt… dass sie es genau so wollen? Dass sie... mehr wollen?“

Er machte eine kalkulierte, eiskalte Pause.

„Nein?“, fuhr Kai mit ungerührter, trockener Finesse fort. „Mh… vermutlich haben sie stattdessen gezittert, vielleicht sogar geweint? Und haben mit zittriger Stimme gesagt, dass sie doch lieber wieder gehen wollen… und dass du verdammt noch mal aufhören sollst?“

Ein schweres, bleiernes Schweigen breitete sich über die Leitung aus, bis Kai schließlich mit einer Mischung aus eiskalter Härte und tiefer, unmissverständlicher Wahrheit das Urteil fällte.

„Du bist ein Idiot, Tala“, sagte Kai mit ruhiger, unnachgiebiger Schärfe. „Sie wird nicht ewig auf dich warten. Dieses Mädchen ist wie für dich gemacht, und du lässt zu, dass sie erneut wochenlang absolut gar nichts von dir hört. Du lässt zu, dass sie sich vielleicht einem Anderen zuwendet.“

„Das wird sie nicht…“, fuhr es Tala in diesem exakten Moment heraus.

Seine Stimme brach im Bruchteil einer Sekunde ab. Tala stockte abrupt. Er hatte es ausgesprochen... roh, ungefiltert und ohne jede Deckung. Er hatte sich Kai gegenüber gerade die absolute Blöße gegeben.

Kai hob langsam eine dunkle Braue, während ein überlegenes, fast amüsiertes Schmunzeln seine Lippen umspielte.

„Ach nein?“, entgegnete Kai mit trockener Präzision. „Du bist dir da also ganz offensichtlich sehr sicher, hm?“

Am anderen Ende der Leitung brodelte es. Talas Atem ging schwer. „Du kannst mich mal am allerwertesten, Kai…“, presste er mit giftiger, kalter Wut hervor, um den Patzer zu überspielen.

Doch Kai schnitt ihm das Wort eiskalt und ohne Umschweife ab.

„Spar dir den Stolz, Tala“, sagte Kai mit schneidender Härte in der Stimme. „Es wird verdammt noch mal Zeit, dass du diesen elendigen Sturkopf ausschaltest und dir endlich eingestehst, dass du hier eine Chance hast.“

Talas Stimme klang plötzlich heiser, fast gefährlich leise, als er spürbar abblockte: „Was für eine verfluchte Chance soll das bitte sein?“

Kai blickte hinaus in den sonnigen Garten, während seine rubinroten Augen für einen Moment den sanften, tiefen Frieden widerspiegelten, den er selbst im Ayame-Anwesen gefunden hatte.

„Die Chance auf einen sicheren Hafen“, antwortete Kai mit unerwarteter, tiefer Ernsthaftigkeit. „Auf jemanden, der dich genauso nimmt, wie du bist... mit all deinen Ecken, Kanten und deiner verdammt starrsinnigen Dunkelheit.“

Am anderen Ende der Leitung schlug Talas Tonfall augenblicklich in eine scharfe, fast aggressive Defensive um.

„Es war nur Sex, Kai“, zischte Tala mit einer Härte, die kaum verbergen konnte, wie sehr ihn die Worte getroffen hatten. „Viel und verdammt hart. Keine schönrednerischen Gespräche über alte Wunden, verfluchte Gefühle oder sonst einen Scheiß. Es war einfach nur Sex. Nichts weiter.“

Kai ließ sich von der gespielten Gleichgültigkeit keine Sekunde täuschen. Ein kaltes, fast mitleidloses Schmunzeln glitt über seine Lippen, während er das Gewicht auf dem Fuß wechselte.

„Dass es für dich bisher nur Sex war, liegt einzig und allein daran, dass Lumina ganz genau weiß, was sie tut“, entgegnete Kai mit schneidender, unbarmherziger Präzision.

„Sie ist nicht dumm, Tala. Sie weiß, dass sie erst tiefe Risse in diese undurchdringliche Mauer aus Sturheit schlagen muss, die du um dich herum errichtet hast. Und das gelingt ihr nun mal am besten mit einer Kombination aus eiserner Geduld und einer Hingabe, die du absolut nicht ignorieren kannst.“

Am anderen Ende der Leitung hielt Tala schlagartig den Atem an. Es folgte ein so wütendes, schweres Ausatmen, dass man fast die Erschütterung spüren konnte.

Kai lehnte den Kopf leicht zurück, während seine rubinroten Augen kühl im Sonnenlicht aufblitzten.

„Ich dachte ganz am Anfang ehrlich gesagt auch, dass Lumina nicht mehr alle Tassen im Schrank hat, weil sie sich ausgerechnet auf dich einlässt“, fuhr Kai mit trockener, ungerührter Stimme fort.

„Und vielleicht stimmt das ja sogar… vielleicht hat sie wirklich einen gewaltigen Sprung in der Schüssel. Aber fakt ist: Sie ist verdammt noch mal die allererste Person, die es jemals geschafft hat, deine eisernen Prinzipien von einer unverbindlichen, einmaligen Nacht komplett über den Haufen zu werfen.“

Kai hielt das Smartphone fest an sein Ohr gedrückt. Er ließ Tala keine Sekunde zum Durchatmen.

„Und jetzt…“, fuhr Kai mit einer unbarmherzigen, ruhigen Schärfe fort, „versuchst du mit allerlei kläglichen Vermeidungsstrategien deinen Körper und deinen Verstand davon abzukenken, dass du sie so sehr willst. Dass es dich innerlich wahnsinnig macht, dass sie gerade nicht bei dir ist, um dich auszuhalten. Als einzige Person auf dieser ganzen Welt.“

Am anderen Ende der Leitung entwich Tala ein kurzes, fast ungläubiges Keuchen, das sofort in eine giftige Abwehrhaltung umschlug.

„Sag mal, Kai…“, zischte Tala mit einer Mischung aus Verwirrung und aufkeimender Wut, „wieso in aller Welt hältst du mir hier eigentlich so… leidenschaftlich einen Vortrag über Gefühlsduselei? Ich dachte, du hättest Besseres zu tun, als dich in das Liebesleben anderer einzumischen. Normalerweise ist dir das doch scheißegal.“

Kai schwieg für einen Herzschlag. Sein Blick wanderte noch einmal kurz zu der schweren Holztür des Salons, hinter der Nami und der kleine Gou tief und friedlich schliefen. Ein tiefer, fast unmerklich weicher Hauch lag in seiner Haltung, während er das Handy wieder fester an sein Ohr drückte.

„Weil ich weiß, wie es sich anfühlt“, antwortete Kai mit unerwarteter, tiefer Stille in der Stimme, „endlich jemanden zu finden, der hinter diese verdammte Fassade blickt.“

Ein kurzes, trockenes Freizeichen plärrte plötzlich durch die Leitung. Kai musste nicht auf das Display blicken, um zu wissen, was passiert war. Tala hatte einfach aufgelegt.

Ein einzelnes, schmales Zucken glitt um Kais Mundwinkel. Wenn er ehrlich war, war er fast ein wenig überrascht, dass sein alter Weggefährte dieses Gespräch überhaupt so lange durchgehalten und nicht schon viel früher aufgelegt hatte.

Genau in diesem Augenblick scholl ein unverkennbares, helles Quäken aus dem Inneren des Salons durch die geschlossenen Flügeltüren. Gou war wach geworden... und wie es aussah, hatte er ganz genaue Vorstellungen davon, was jetzt sofort getan werden musste.

Das war Kais Stichwort.

Er ließ das Smartphone in seine Hosentasche gleiten, drehte sich um und schob die schwere Holztür geräuschlos auf, um Nami zu entlasten und dem kleinen Wirbelwind im Nu die frische Windel zu verpassen, die er brauchte.

Tausende Kilometer weit entfernt, drüben in seinem kalten, funktionalen Büro im Herzen der RBA in Russland, stand Tala wie vom Blitz getroffen mitten im Raum. Sein Blick war starr und weit, als würde er direkt durch die gegenüberliegende Wand hindurchsehen. Die Verbindung war längst getrennt, doch die harten, kompromisslosen Worte seines ehemaligen Teamkapitäns hallten noch immer in seinem Kopf nach wie Hammerschläge.

Sein Atem ging schwer und schnell, angetrieben von einer explosiven Mischung aus aufsteigender Wut, verleugneter Wahrheit und purer innerer Zerrüttung. Ein leises, gefährliches Grollen entrang sich seiner Kehle.

Mit einer abrupten, heftigen Bewegung schleuderte er das Smartphone von sich, sodass es in hohem Bogen durch den Raum flog und hart auf dem breiten Ledersessel neben seinem Schreibtisch aufschlug.

Tala fluchte leise, packte sich mit beiden Händen in seine schulterlangen, roten Haare und raufte sie sich wild, während er schwer atmend auf der Stelle trat.

Verdammt noch mal. Der Typ hatte genau gewusst, wo er zuschlagen musste.

Erst jetzt, während sich langsam der Nebel aus Jähzorn und innerer Aufruhr in seinem Kopf lichtete, schoss ihm ein anderer Gedanke durch den Kopf. Er hatte Kai vor lauter Wut und Verteidigungshaltung gar nicht mehr fragen können, was er eigentlich wissen wollte.

Tala hatte völlig vergessen, nach der mysteriösen, vermummten Gestalt zu fragen, die Kai vor ein paar Tagen bei dem Chaos rund um die Geburt geholfen und den  Krankenwagen gestellt hatte.

Mit einem frustrierten, kurzen Zischen ließ er die Hände sinken und starrte wütend an die Decke. Die Sache war noch lange nicht vorbei.

Tala atmete einmal tief und scharf aus, ballte die Hände zu Fäusten und wandte sich mit einer abrupten Bewegung von der Wand ab. Mit langen, fast mechanischen Schritten ging er auf seinen massiven Schreibtisch zu und band sich im selben Moment mit geübten Handgriffen die schulterlangen roten Haare im Nacken zu einem festen, hohen Dutt zusammen, ehe er sein Smartphone vom Polster des Sessels nahm.

Ein kurzes, ungeduldiges Schnauben entwich seiner Kehle, ehe er das Gerät vor sein Gesicht hob. Mit einer raschen Wischbewegung entsperrte er den Bildschirm, öffnete Instagram und tippte zielstrebig in die Suchleiste.

Luminas Profil lud.

Tala blieb mitten im Raum stehen, während seine stechenden Augen sofort auf das neueste Reel wanderten, das sie vor wenigen Stunden hochgeladen hatte. Darauf war sie zu sehen... aufgekratzt, mit diesem unverkennbaren, strahlenden Lächeln und einer Energie, die selbst durch den kleinen Bildschirm hindurch fast greifbar war. Sie kündigte ein gigantisches Musikfestival an, das in gerade einmal zwei Tagen im Herzen von London stattfinden würde.

Für einen Herzschlag schien die Zeit in dem kühlen Büro stillzustehen. Sein Daumen schwebte über dem Display, bereit, auf das Video zu tippen, es sich noch einmal anzusehen, den Ton lauter zu schalten... doch stattdessen entwich ihm ein leises, bitteres Knurren. Mit einer fast schon gewaltsamen Geste drückte er den Home-Button, sperrte den Bildschirm und ließ das Smartphone in die Tasche seiner Hose gleiten, als wäre es glühend heiß.

~Genug geträumt. Genug von diesem sinnlosen Ablenkungsmüll~

Tala packte sein Beyblade Wolborg von der Holzplatte des Tisches, ließ es mit einer harten Handbewegung in seine Westentasche gleiten und stampfte ohne ein weiteres Wort aus dem Büro. Die Metalltür schloss sich hinter ihm mit einem satten, dumpfen Schlag, während er zielstrebig den langen, schattigen Korridor der RBA in Richtung der unterirdischen Trainingshallen hinabmarschierte.

Bryan und Spencer konnten sich verdammt noch mal warm anziehen. Er würde sie heute im Training so gnadenlos auseinandernehmen, bis sie nicht mehr wussten, wo oben und unten war.

Während Tala mit strammen, schnellen Schritten den Korridor entlangmarschierte und der kalte Beton unter seinen Stiefeln widerhallte, glitten seine Gedanken trotz all seines Vorsatzes, sich abzulenken, unerbittlich wieder zu ihr zurück.

Es war ein widersprüchliches, fast schmerzhaftes Ziehen in seiner Brust.

Einerseits ärgerte es ihn maßlos, dass er diesen Kopfmenschen einfach nicht abschütteln konnte... dass selbst die pure physische Anstrengung der kommenden Trainingsstunden verblassen würde vor der Präsenz dieser einen jungen Frau. Doch andererseits… so sehr er es sich vor sich selbst auch nicht eingestehen wollte: Es erleichterte ihn.

Lumina gab ihm weiterhin den Freiraum, den er zu brauchen glaubte. Sie bombardierte ihn nicht mit täglichen Nachrichten, klammerte sich nicht an ihn und erstickte ihn nicht mit Anrufen, wie es jede andere wahrscheinlich getan hätte.

Seine Hand glitt kurz in seine Tasche, wo das Smartphone lag. Er erinnerte sich genau an die letzte Nachricht, die sie ihm vor Wochen geschickt hatte: Ein schlichter, warmer Satz, in dem sie schrieb, dass sie gut in England angekommen war, ihn vermisste und hoffte, dass auch er die Reise nach Russland gut überstanden hatte.

Seitdem war von ihr nichts mehr gekommen. Keine Vorwürfe, kein Drängen, keine weiteren Fragen.

Tala biss sich leicht auf die Innenseite seiner Wange. Er konnte es ihr nicht einmal verübeln. Er hatte schließlich absolut nichts auf ihre Nachricht geantwortet... nicht ein einziges Wort. Obwohl er sie gelesen hatte, und obwohl sie dank der Lesebestätigung genau wusste, dass er die Worte gesehen hatte, hatte sie ihn in Ruhe gelassen.

Und das Seltsamste an der ganzen Sache, das, was ihm jetzt im Nachhinein den Rest gab: Sie hätte nicht einmal wissen dürfen, dass dieser stumme, namenlose Instagram-Account, der ihr seit ein paar Wochen folgte, zu ihm gehörte.

Kein Bild, kein Hinweis, nur eine digitale Spur im Hintergrund. Und trotzdem… trotz alledem hatte sie es geahnt, hatte es im Gefühl gehabt und einfach geschrieben, als wäre er direkt bei ihr.

Die kühle Luft der unterirdischen Trainingshalle schien unter dem Druck von Talas Schritten förmlich zu gefrieren. Als er den Raum betrat, hallte das dumpfe Echo seiner Stiefel von den rauen Betonwänden wider. Im Zentrum der Arena standen Bryan und Spencer, die gerade noch mit ein paar harten Testläufen beschäftigt gewesen waren, während Ian ein Stück abseits lehnte, die Arme vor der Brust verschränkt, und das Geschehen mit scharfen, analysierenden Augen beobachtete.

Tala blieb am Rand stehen. Seine roten Haare waren im Nacken zu einem festen Dutt gebunden, sein Blick war von einer so eisigen, unbarmherzigen Härte, dass Bryan unwillkürlich das Beyblade in seiner Hand sinken ließ.

„Ihr beide. In die Arena“, befahl Tala mit einer Stimme, die keinen Raum für Widerrede ließ. „Dreier-Match. Jetzt.“

Spencer zog eine Augenbraue hoch, trat langsam vor und musterte ihn skeptisch.

„Du hast uns in den letzten Wochen schon genug den Arsch aufgerissen. Wie lange soll das bitteschön noch so weitergehen?“

Tala fixierte ihn mit einem Blick, der töten konnte. „Du tust, was ich sage, Spencer. Oder hast du plötzlich Angst, dass du verlierst?“

Ian musterte Tala von der Seite aus. Seine Augen verengten sich minimal, während er das unruhige, fast manische Flackern in Talas Zügen bemerkte.

Tala agierte immer noch nicht wie jemand, der einfach nur trainieren wollte; er lief vor etwas davon, das ihn von innen auffraß.

Bevor Bryan oder Spencer etwas erwidern konnten, trat Tala näher an den Rand des Stadions, legte eine Hand auf die kalte Brüstung und senkte die Stimme zu einem gefährlichen, schneidenden Ton.

„Ich habe übrigens vorhin mit Kai telefoniert“, warf er plötzlich in den Raum, und seine Mundwinkel zuckten verächtlich.

Bryan schluckte hörbar. Ein schwerer Kloß bildete sich in seinem Hals, und er wich unwillkürlich einen halben Schritt zurück, als hätte Tala gerade eine Bombe gezündet. Kai?

„Mit… mit Kai?“, presste Bryan hervor, während sich seine Finger krampfhaft um seinen Blade klammerten.

„Was zum Teufel wolltest du denn von dem?“

„Nichts Wichtiges…“, sagte Tala mit einer so eisigen, bedrohlichen Ruhe, dass selbst Ian am Rand des Spielfelds unwillkürlich die Arme von der Brust nahm und sich kerzengerade aufrichtete. „Ich wollte ihm zur Vaterschaft gratulieren und... mich nur bei ihm bedanken. Dafür, dass er mir ins Gedächtnis gerufen hat, wer in den letzten Wochen eigentlich den Mund zu weit aufgerissen hat.“

Talas stechender Blick bohrte sich direkt in Bryan und Spencer, die in diesem Moment aussahen, als wünschten sie sich, der Betonboden unter ihren Stiefeln würde sie einfach verschlucken.

„Ihr beide“, zischte Tala, während er mit einer langsamen, ruckartigen Bewegung mit der Hand in die Tasche seiner Weste glitt und sein Beyblade hervorzog. „Hattet wohl in letzter Zeit zu viel Freizeit, wenn ihr es für nötig haltet, detaillierte Berichte über meine Verfassung nach Japan zu mailen. Meint ihr etwa, ich kriege nicht mit, wenn hinter meinem Rücken getratscht wird?“

„Verdammt, Tala, wir wollten nur…“, stammelte Spencer, der sonst nie um eine freche Antwort verlegen war, doch jetzt spürbar merkte, dass er den Bogen überspannt hatte.

„Ihr haltet ab sofort einfach nur eure verfluchten Mäuler“, schnitt Tala ihm das Wort ab, trat mit harten Schritten an die Metallbrüstung des Stadions heran und ließ Wolborg mit einer derart brutalen Wucht in die Arena fallen, dass das Beyblade mit einem markerschütternden Kreischen aufschlug. „Und jetzt rein in die Arena. Wenn ihr so scharf darauf seid, mein Training zu kommentieren, dann will ich jetzt sehen, ob ihr auch verdammt noch mal das Zeug dazu habt, dem standzuhalten, mit dem ich angeblich alles in Schutt und Asche gelegt hab!“

Ian beobachtete das Ganze aus sicherer Entfernung mit schmalen Augen. Er wusste genau, dass das hier kein normales Training mehr war. Es war eine Abrechnung. Und Tala war entschlossen, sie sich heute von der Seele zu prügeln.