Metamorphose
Metamorphose
Lumina hing zitternd und vollkommen kraftlos in seinen Armen. Ihr Atem ging in schweren, flachen Stoßseufzern, und der Schweiß brannte auf ihrer erhitzten Haut, während ihr Körper unter den gewaltigen Nachwehen der Ekstase noch immer leicht bebte. Auch Talas Brust hob und senkte sich rasend; feuchte silbrig-rote Strähnen klebten an seiner Stirn, und sein warmer Atem traf Luminas Hals.
Beide waren von einem feinen Film aus Schweiß überzogen, die Haut glühend, die Atemzüge synchronisiert im Rhythmus purer Erschöpfung.
Als Tala schließlich langsam den Kopf hob, versuchte Lumina sogleich, seinen Blick einzufangen. Für einen Wimpernschlag trafen sich ihre magentafarbenen mit seinen eisblauen Augen.
Ein schwaches, aber unverschämtes Lächeln umspielte ihre Lippen, als sie zitternd den Kopf neigte.
„Waren das... waren das schon alle... erdenklichen Perspektiven...?“, keuchte sie neckisch hervor, obwohl ihre Stimme heiser und brüchig klang.
Tala schnaubte kurz verächtlich durch die Nase, die Muskeln in seinem Kiefer zuckten. Doch bevor Lumina die Provokation weiter auf die Spitze treiben konnte, entkam ihr ein leises Lachen... das augenblicklich wieder im Keim erstickt wurde. Eine plötzliche, scharfe Nachwehe durchzuckte ihren Unterleib, raubte ihr schlagartig den Atem und ließ ihren Hinterkopf kraftlos gegen die dunkle Wand zurücksinken. Sie schloss für eine Sekunde die Augen und biss sich auf die Unterlippe, während das süße Brennen tief in ihrem Inneren nachhallte.
Tala sah auf sie herab, die eisblauen Augen noch immer dunkel von Verlangen, aber der feine Schleier von extremer Müdigkeit ließ sich nicht mehr ganz verbergen. Der lange Flug und der brutale Jetlag forderten langsam ihren Tribut von dem russischen Blader.
„Gib mir ein paar Minuten...“, knurrte er tief und rau, mit diesem unnachahmlichen Unterton, der halb bittere Härte und halb trockene Ironie war. „...dann wird dir das Lachen schon noch vergehen.“
Lumina schlug die Augen wieder auf und sah ihn an. Ihr Blick war warm, vollkommen ehrlich und von einer provokanten Erotik erfüllt.
„Ich war fast sechs Wochen ohne dich, Tala...“, raunte sie leise, während ihre Augen über seine scharfen Gesichtszüge glitten.
„Und ich war tatsächlich absolut untervögelt... bis jetzt. Du hattest von Anfang an vollkommen recht damit. Also erhol dich ruhig... und setz nachher noch einen drauf.“
Tala atmete tief aus, während sein Blick an ihrem erschöpften, schweißnassen Körper hinabglitt. Ein schiefes, trockenes Lächeln zuckte um seine harten Lippen.
„Du kannst dich ja bestimmt jetzt schon kaum auf den Beinen halten“, brummte er mit seiner tiefen, rauen Stimme, während er das Gewicht ihres Körpers mühelos in seinen Armbeugen hielt. „Wenn ich dich jetzt runterlasse, sackst du augenblicklich in dich zusammen.“
Lumina schmunzelte schwach, ein leises, keuchendes Lachen in ihrer Brust.
„Da... da magst du wohl recht haben“, gab sie atemlos zu, während sie sich mit einer Hand matt an seiner breiten Schulter abstützte.
Ihre Stimme verlor schlagartig den spöttischen Ton, wurde leiser, fast zart in der gedämpften Stille der luxuriösen Suite. Sie hob den Kopf, suchte die Tiefe seines Blicks und hielt seine eisblauen Augen fest. Ohne Vorwarnung lehnte sie sich ein Stück vor und rieb sanft ihre Nasenspitze an der seinen... eine winzige, fast zärtliche Geste der reinen Verbundenheit.
Talas Kiefer mahlte sofort. Mit einer fast unmerklichen, reflexartigen Bewegung wandte er das Gesicht ein Stück zur Seite, der Blick flüchtete für eine Sekunde an ihr vorbei. Es war keine Abweisung. Lumina kannte ihn mittlerweile gut genug, um das misszuverstehen. Solche kleinen, ungefilterten emotionalen Gesten waren ihm immer noch schlicht zu nah, zu intim, weil sie die sorgsam errichteten Mauern seiner Vergangenheit umgingen und ihn bis ins Mark überforderten.
Er schloss für einen Herzschlag die Augen und zog einen scharfen, zischenden Atemzug durch die Nase. Er rang mit den Dämonen in seinem Kopf, mit der tief verankerten Scheu vor echter, ungesicherter Verletzlichkeit.
Dann zwang er sich dazu.
Mit sichtbarer, fast körperlicher Anstrengung drehte er den Kopf zurück, hielt ihrem Blick stand und ließ zu, dass sie die Geste vollendete.
Luminas magentafarbene Augen weiteten sich leicht. In diesem Bruchteil einer Sekunde spürte sie genau, wie viel Kraft es ihn kostete... wie er sich regelrecht dazu zwingen musste, diese reine, schutzlose Intimität über sich ergehen zu lassen, die absolut gar nichts mit Trieb, Besitz oder körperlicher Dominanz zu tun hatte, sondern einfach nur aus ihnen beiden bestand.
Lumina schloss die Augen und lehnte sich in diese zarte, völlig ungezwungene Geste hinein. Ihre Lippen trafen seine in einem sanften, ruhigen Kuss, der im krassen Gegensatz zu dem stürmischen Feuer von eben stand.
Tala hielt für einen Herzschlag den Atem an, ließ es zu und erwiderte schließlich den Kuss... vorsichtig, fast tastend, als müsse er erst lernen, wie sich Zärtlichkeit anfühlte, die nicht von Besessenheit oder Schmerz diktiert wurde.
Sie standen einfach nur so da in der stillen, warmen Luft der Suite. Lumina, deren Rücken noch immer an die dunkle Wand gelehnt war, ruhte sicher und schwerelos in seinen Armen, während ihre Beine geborgen in seinen Armbeugen baumelten. Es gab kein Drängen mehr, keinen harten Rhythmus, keine Dämonen, die nach Beweisen verlangten. Es gab nur noch das gleichmäßige, tiefe Ein- und Ausatmen ihrer Körper und die Wärme, die sie teilten.
Als Lumina spürte, wie Tala den Kuss für einen Moment sachte vertiefte... entkam ihr ein leises, zufriedenes Seufzen direkt an seinen Lippen.
Doch nach ein paar Herzschlägen löste er sich langsam wieder. Seine eisblauen Augen musterten sie von Nahem, und in ihrem Ausdruck lag nun keine Härte mehr, sondern eine weichere, fast belustigte Ruhe, die man selten bei ihm sah.
„Halt dich gut fest“, sagte er mit seiner tiefen, rauen Stimme, während er ihren Körper in seinen Armen noch einmal sicher zurechtrückte. „Sonst lasse ich dich womöglich noch fallen.“
Lumina kicherte leise, ein glockenklarer, unbeschwerter Ton in der gedämpften Stille der Suite, und schlang die Arme noch ein Stück fester um seinen Nacken.
„Ach was“, entgegnete sie mit einem kecken, herausfordernden Funkeln in ihren magentafarbenen Augen. „Das würdest du doch niemals zulassen, Rotschopf.“
Tala schnaubte kurz trocken durch die Nase und zuckte mit den massiven Schultern. Eine so herrlich trockene, unbeeindruckte Geste, die Lumina sofort wieder auflachen ließ, ehe sie ihren Kopf schwer und glücklich an seine breite Schulter lehnte.
Lumina klammerte sich fest an ihn, ihre Hände tief in das feste Muskelgewebe seiner Schultern gegraben, während er sie mit leichten Schritten quer durch das gedimmte Zimmer trug. Die schwere, nachgiebige Matratze des großen Boxspringbetts fing sie auf, als er sie behutsam niederlegte.
Doch kaum lag sie dort, löste er sich von ihr.
Tala legte sich nicht zu ihr. Stattdessen ließ er sich auf die Kante der Matratze sinken. Er sah sie nicht an; er starrte wie gebannt und leicht nachdenklich auf den Teppich zu seinen Füßen. Seine massiven Schultern waren angespannt, und eine schwere, fast greifbare Stille legte sich über die Suite.
Lumina richtete sich sofort auf, schob das silbrig-weiße Haar aus dem Gesicht und rutschte auf der Matratze näher an ihn heran, bis sie dicht neben ihm saß. Ein kleiner, unsicherer Versuch von Neckerei lag in ihrem Blick, mit dem sie die bedrückende Stille verscheuchen wollte.
„Wartest du etwa darauf, wieder hart zu werden?“, fragte sie leise, und obwohl der Tonfall spielerisch gemeint war, schwang eine feine Note von Abtasten darin.
Tala antwortete nicht.
Keine Regung, kein trockenes Schnauben, nicht einmal der Hauch einer bissigen Erwiderung. Er saß einfach regungslos da, den Blick starr auf den Boden geheftet, tief versunken in einer Welt, zu der sie keinen Zutritt hatte.
Lumina schluckte schwer.
Ein unangenehmes, kaltes Gefühl breitete sich in ihrer Magengegend aus. Es war ein Leichtes gewesen, ihn zu provozieren, wenn das Adrenalin kochte und die Leidenschaft die Führung übernahm. Aber jetzt, in dieser plötzlichen, bleiernen Windstille, war es für sie unmöglich zu ergründen, was in seinem Kopf vorging.
So hatte sie Tala bis jetzt noch nie erlebt. Nicht als den ungezähmten Russen, nicht als den eisernen Strategen von vorhin. Sondern als einen Mann, dessen innere Mauern zwar immer noch standen, hinter denen er sich aber gerade so weit zurückgezogen hatte, dass sie das Gefühl hatte, ins Leere zu greifen.
Lumina schwieg für einen langen Moment.
Dann atmete sie leise aus, rutschte vom Bett und glitt mit zitternden nackten Füßen auf den weichen Teppich. Sie bückte sich nach ihrem BH, zog ihn sich mit fließender Bewegung über die Schultern und richtete den Stoff.
Tala hob langsam den Kopf. Seine eisblauen Augen, die eben noch starr auf den Boden gerichtet gewesen waren, folgten jeder ihrer wackeligen Bewegungen. Ein dunkler Schatten lag in seinem Blick.
„Was machst du da?“, fragte er mit seiner tiefen, rauen Stimme, die ungewohnt unsicher im Raum klang.
Lumina hielt kurz inne. Sie drehte sich zu ihm um, die Hände noch am Verschluss der Unterwäsche, und sah ihn an. Ihr Tonfall war weich, völlig frei von Stolz oder Vorwürfen.
„Ich nehme mir ein Taxi und fahre nach Hause“, sagte sie leise. „Ich weiß, dass du... dass du jetzt wahrscheinlich erst mal Ruhe brauchst, Tala. Ich verstehe das.“
Sie wandte sich wieder ab, um den BH zu schließen, doch weiter kam sie nicht.
Mit einer schnellen, fast abrupten Bewegung war Tala von der Bettkante aufgestanden. Zwei lange Schritte brachten ihn zu ihr, und er schnitt ihr den Weg ab.
„Du gehst nirgendwo hin“, sagte er, und obwohl seine Stimme leise war, duldete sie keinen Widerspruch.
Lumina hielt mitten in der Bewegung inne und blickte zu ihm auf. Als ihr Blick den seinen traf, raste ihr Herz in der Brust. In seinen eisblauen Augen lag kein raubtierhaftes Verlangen mehr und keine eiskalte Dominanz. Da war stattdessen ein leicht überforderter, fast verletzlicher Ausdruck, der ihn mit einem Schlag um Jahre jünger wirken ließ. Es war das Gesicht eines Mannes, der gegen Geister kämpfte, die sie nicht sehen konnte.
Ein warmer, weicher Schmerz durchströmte ihre Brust. Sie nickte stumm und zog sich den BH, den sie gerade angelegt hatte, mit einer unauffälligen Bewegung wieder aus, indem sie ihn über die Schulter und auf den Boden gleiten ließ.
Sie stand da, plötzlich unsicher, was sie tun oder sagen sollte. Diese Facette von Tala war völlig neu für sie, und sie verunsicherte sie bis ins Mark. Sie war es gewohnt, dass er brannte, forderte oder zerstörte... aber nicht, dass er so dastand, als wüsste er selbst nicht, wohin mit seinen Händen.
Tala schien ihre Ratlosigkeit zu spüren.
Zögernd... so zögernd, als müsse er jeden einzelnen Handgriff erst in seinem Kopf verarbeiten und abwägen... hob er die Hand. Seine langen, schweren Finger schlossen sich um ihr Handgelenk. Er zog sie nicht grob zu sich, sondern so vorsichtig, als hätte er Angst, sie zu zerbrechen.
Mit einer langsamen, fast tastenden Bewegung zog er Lumina an sich heran. Er schlang die Arme um ihren schmalen Körper und drückte sie wortlos fest an seine breite Brust, während er sein Gesicht tief in ihrem silbrig-weißen Haar vergrub. Er atmete den vertrauten Duft ihrer Haut ein, und für den Bruchteil einer Sekunde schien es, als fänden die Stürme in seinem Inneren in dieser Umarmung endlich ein schützendes Ende.
Lumina gab sich der Umarmung bedingungslos hin. In dem Moment, als sich seine massiven Arme um sie schlossen und die Hitze seines Körpers sie wieder einhüllte, schmolz sie regelrecht an seiner Brust dahin. Ihre eigenen Arme wanderten langsam an seinem Rücken nach oben, und ihre Finger gruben sich tief in das feste Muskelgewebe seiner Schultern, als wollte sie sich für immer dort verankern.
In ihrem Inneren breitete sich eine Welle aus purem, überwältigendem Gefühl aus. Sie hatte darauf gehofft... im Stillen, fast schon mit einer leisen Verzweiflung... , ihn irgendwann dazu zu bringen, sie wirklich zu brauchen. Nicht nur als die stolze aristokratische Frau, die seiner Härte standhielt, nicht nur als das Mädchen, das seinen verheerenden Sturm mühelos aushielt und ihm Paroli bot. Sie hatte irgendwann so viel mehr für ihn sein wollen: ein Anker, ein Zufluchtsort, ein Mensch, bei dem er seine Rüstung einfach ablegen durfte.
Doch niemals hätte sie damit gerechnet, dass sie es jemals erreichen würde... und erst recht nicht, dass es nicht einmal ein ganzes Jahr dauern würde, um etwas in dem verschlossenen, traumatisierten Kern dieses Mannes zu bewegen.
Sie wusste haargenau, auf welch gefährlicher Gratwanderung sie sich bewegten. Sie verstand, wie fragil diese Festung in seinem Kopf war. Tala konnte erschrecken, er konnte sich von einer Sekunde auf die andere wieder hinter seinen eisigen Mauern verschanzen und sie kaltherzig von sich stoßen, wenn ihm die Nähe zu gefährlich erschien.
Und doch... stand er genau jetzt hier.
Er hielt sie fest umschlungen, vergrub sein Gesicht in ihrem silbrig-weißen Haar und bat sie auf seine ganz eigene, wortlose Weise darum, bei ihm zu bleiben.
Lumina schloss die Augen und presste ihr Gesicht noch etwas fester an seine Schlüsselbeine. Sie genoss das schwere, gleichmäßige Pochen seines Herzens unter ihrer Wange... wohlwissend, dass sie heute Nacht einen unschätzbaren Sieg über seine Schatten errungen hatte.
Tala atmete leise aus, während sich seine massiven Arme um eine Nuance lockerten. Ein schiefes, fast ungläubiges Lächeln zuckte um seine harten Lippen und vertrieb für einen kurzen Moment den dunklen Schatten von seinen Zügen.
„Sieht ganz so aus, als könntest du doch ganz wunderbar stehen“, brummte er mit seiner tiefen, rauen Stimme, während sein Blick hinabglitt.
Lumina lachte leise auf... ein heiteres, perlendes Geräusch, das die schwere, vertraute Luft der luxuriösen Suite augenblicklich erhellte. Sie legte eine Hand flach auf seine breite Brust und hob das Kinn, während das typische, unverschämte Funkeln in ihren magentafarbenen Augen tanzte.
„Das Adrenalin pumpt eben wieder.“, neckte sie ihn mit rauchiger Stimme. „Und außerdem haben wir gerade erst Halbzeit. Früher hast du mich stundenlang durchgenommen. Wenn ich vorhin richtig auf die Uhr geschaut habe, waren das gerade mal knappe fünfundvierzig Minuten.“
Bevor sie den Satz auch nur ganz zu Ende sprechen konnte, entkam ihr ein kurzer, überraschter Aufschrei.
Tala schnaubte... halb amüsiert über ihre unerschütterliche Frechheit, halb getrieben von dem plötzlichen Impuls, ihr das letzte Wort zu nehmen. Mit einer einzigen, blitzschnellen Bewegung packte er sie an der Hüfte, hob sie hoch und warf sie sich mit einem kräftigen Ruck über die Schulter.
Lumina prustete vergnügt los und schlug ihm leicht mit der flachen Hand auf den Rücken, während er sie mit großen, zielstrebigen Schritten zurück zum breiten Boxspringbett trug.
Er ließ sich unmittelbar mit ihr auf die weichen Kissen sinken, zog sie mit einer festen, besitzergreifenden, aber völlig sanften Bewegung ganz an seinen schweren, noch immer erhitzten Körper und schloss die Arme um sie.
Sein Atem strich warm und gleichmäßig über ihr Haar. Für einen Moment lag absolute, tiefe Stille im Raum, getragen vom leisen Pochen ihrer Herzen und dem fernen Rauschen der Londoner Nacht da draußen.
Dann, leiser als sonst und mit einer ungewohnten, entwaffnenden Ehrlichkeit in der rauen Stimme, sprach er die Worte aus:
„Bitte...“, murmelte er und vergrub sein Gesicht tief in ihrem silbrig-weißen Haar, „...sag jetzt erst mal gar nichts mehr.“
Lumina hielt für einen Herzschlag inne. Doch das warme, überschäumende Gefühl in ihrer Brust verbot ihr jeglichen Widerspruch. Sie schlang die Arme um seine Taille, kuschelte sich mit einem zufriedenen Seufzen noch tiefer an seine harte Brust und gab ihm genau das, worum er sie gebeten hatte: die kostbare, heilende Stille.
Es war keine Lüge gewesen, was sie ihm eben zugeraunt hatte. Das Adrenalin pumpte tatsächlich noch immer ungezähmt durch ihre Adern, und ihr Herz hämmerte in einem wilden, unregelmäßigen Takt gegen ihre Rippen... und das lag längst nicht mehr nur an der körperlichen Anstrengung.
In ihrem Kopf schlichen sich die Erinnerungen an die vergangenen Monate zurück. Sie erinnerte sich genau an ein Gespräch, das sie vor gar nicht allzu langer Zeit mit Nami geführt hatte. Damals hatte Lumina noch steif und fest beteuert, dass sie natürlich nicht in Tala Valkov verliebt sei. Er war für sie ein Abenteuer gewesen, eine atemberaubende, rasante Achterbahnfahrt, und er sah nun mal unverschämt gut aus... eine rein körperliche Faszination, eine willkommene Eskapade. Das hatte sie sich selbst und ihrer Cousine damals eingeredet, um den Scheinschutz ihrer eigenen Unabhängigkeit zu wahren.
Doch jetzt, während sie hier in der schweren, wohligen Hitze seiner Arme lag, wusste sie, dass diese Schutzbehauptung längst Makulatur war. Sie hatte Schmetterlinge im Bauch. Genau dieselben, nervenaufreibenden Schmetterlinge, die sie erst vor ein paar Stunden im Pub übermannt hatten, als sie plötzlich sein Gesicht in der tanzenden Menge erblickt und dieses winzige, seltene Schmunzeln auf seinen harten Zügen gesehen hatte, in dem exakten Moment, als ihre Blicke verschmolzen waren.
Sie hatte ihn vermisst.
So abgrundtief und schmerzhaft vermisst, dass es sich in ihrer Brust wie ein physischer Schmerz angefühlt hatte, als er nicht da gewesen war.
Und das Seltsame, fast Paradoxe daran war: Sie kannten sich eigentlich kaum. Sie hatten bis zu dieser Nacht nie wirklich geredet. Es hatte keine stundenlangen, tiefgehenden Gespräche im Morgengrauen gegeben, keine philosophischen Debatten oder emotionalen Geständnisse über ihre Ängste. Fast ihre gesamte bisherige Zeit war ein einziger, roher Schlagabtausch gewesen... geprägt von Reibung, Provokation und dem berauschenden, kompromisslosen Rausch des Fleisches.
Und doch... während sein schwerer Arm geborgen und fest über ihrer Taille lag, wusste Lumina mit absoluter Gewissheit, dass sie längst tiefer in diesem Strudel steckte, als sie es sich je eingestanden hätte.
Tala ließ sein Kinn schwer auf ihrem silbrig-weißen Haar ruhen, während sein Blick gedankenverloren in die dunklen Ecken der Suite driftete.
In seinem Inneren herrschte eine seltsame, fast unheimliche Ruhe. Es war, als ob all die ständigen Stimmen, der dumpfe, unaufhörliche Lärm in seinem Kopf... jener unsichtbare Druck, den er jahrelang als völlig normal hingenommen und daher kaum noch bewusst registriert hatte... mit einem Schlag verstummt waren. Einfach so. Weil sie da war.
Sie war wie eine wärmende Decke in einer eisigen Winternacht, die seine alten Wunden einhüllte. Gleichzeitig war sie Medizin gegen den rastlosen Schmerz, den er sich nie eingestanden hatte, und eine ständige, reizende Provokation, die ihn hellwach und lebendig hielt.
Er verstand es selbst nicht ganz, warum er in diesem Moment nicht davon rannte. Warum der alte, tief verwurzelte Reflex ausblieb, sich sofort hinter seinen eisernen Mauern zu verkriechen, um die Kontrolle nicht zu verlieren.
Vielleicht lag es daran, dass in den letzten Wochen zu viele Menschen in seinem Umfeld ihm unumwunden die Wahrheit ins Gesicht gesagt hatten. Sie hatten hemmungslos das ausgesprochen, was er selbst verdrängt hatte: dass er sie brauchte. Dass er sie wollte. Nicht nur als willkommene, rohe Entladung für seinen unbändigen körperlichen Trieb, sondern weil sie tatsächlich etwas in ihm auslöste, das jeden seiner Panzer durchbrach und ihn spüren ließ, dass er am Leben war.
Es dauerte eine Weile, bis Tala spürte, wie sich die letzte Anspannung in Luminas Körper löste. Der feine Rhythmus ihres Atems veränderte sich allmählich, wurde tiefer, gleichmäßiger und schwerer, während sie in seinen Armen weicher und weicher wurde. Völlig erschöpft und getragen von der plötzlichen, tiefen Geborgenheit dieses Augenblicks sank sie endgültig in den Schlaf hinüber.
Tala schloss langsam die Augen und ließ sich ganz von diesem ruhigen, vertrauten Geräusch einhüllen. Jeder einzelne Atemzug von ihr war wie ein unsichtbarer Anker, der die letzten, hartnäckigen Stürme in seinem Kopf endgültig zum Erliegen brachte.
Ein leiser, fast selbstironischer Gedanke glitt durch seinen Verstand, während seine Finger wie von selbst schützend über ihren Rücken strichen. Kai hatte vielleicht recht gehabt. All die direkten Worte, die gut gemeinten Sticheleien und die unbequemen Wahrheiten, die sein langjähriger Weggefährte ihm an den Kopf geworfen hatte... vielleicht war an alledem weit mehr dran, als Tala sich jemals hätte eingestehen wollen.
Dieses Mädchen war vielleicht tatsächlich wie für ihn geschaffen. Eine unerbittliche, wilde Seele, die seine eigene Dunkelheit nicht scheute, sondern sie mit derselben brennenden Intensität erwiderte.
Es dauerte nicht mehr lange. Die bleierne, wohltuende Müdigkeit, die der lange Flug und der emotionale Ausnahmezustand dieser Nacht mit sich brachten, forderten nun auch von ihm ihren Tribut. Seine Augenlider wurden schwer wie Blei, die Anspannung in seinen massiven Muskeln wich endgültig, und kurz darauf versank auch Tala in einen tiefen, festen Schlaf, während sie eng umschlungen auf den dunklen Laken der Suite lagen.
Ein paar Stunden später...
Das weiche, gedämpfte Morgenlicht, das sich seinen Weg durch die schweren Vorhänge der Londoner Suite bahnte, tauchte den Raum in einen kühlen, silbernen Schimmer. Draußen pulsierte die Metropole bereits im alltäglichen Rhythmus, während drinnen eine fast feierliche Stille herrschte, die nur durch das gleichmäßige, tiefe Atmen der beiden unterbrochen wurde.
Tala war schon eine ganze Weile wach.
Kein schwerer, lärmender Druck dröhnte mehr in seinem Kopf. Die bleierne Erschöpfung der Nacht war verflogen, und an ihre Stelle trat eine messerscharfe, fast unheimliche Klarheit. Er lag auf dem Rücken, den schweren Arm fest und besitzergreifend um Luminas schmale Taille geschlungen, während seine eisblauen Augen regungslos an die hohe Decke starrten. Die zögernde Verletzlichkeit, die ihn in den späten Nachtstunden noch überfordert hatte, war wie weggewischt... ersetzt durch die ungezähmte, raue Energie eines Mannes, der genau wusste, was er wollte. Und vor allem: wem sie gehörte.
Neben ihm rührte sich Lumina langsam.
Ein leises, schläfriges Seufzen entkam ihren Lippen, als sie sich auf der matten Oberfläche der Laken ausstreckte. Ihr langes, silbrig-weißes Haar ergoss sich wie ein schwerer Vorhang über das Kissen, und als sie die Augen aufschlug, brannten ihre magentafarbenen Augen im hellen Tageslicht mit einer vertrauten, gefährlichen Lebendigkeit.
Sie blinzelte gegen das einfallende Morgenlicht, hob den Kopf und blickte direkt in das steinige, maskuline Profil des Russen neben sich. Ein langsames, übermütiges Lächeln stahl sich auf ihre Lippen.
„Guten Morgen, Rotschopf...“, hauchte sie mit einer rauchigen, schlaftrunkenen Stimme, während ihr Blick an seinem breiten, unbedeckten Oberkörper hinabwandte.
„...hast du gut geschlafen? Oder ging dir durch den Kopf, dass wir da gestern Abend noch etwas von wegen ‚Halbzeit‘ offen hatten?“
Tala bewegte sich nicht. Doch in seinen eisblauen Augen flackerte augenblicklich ein dunkles, amüsiertes Feuer auf. Ein tiefes, grollendes Lachen, das mehr nach einem vibrierenden Knurren klang, brach aus seiner Kehle hervor.
„Du bist wirklich unmöglich“, knurrte er tief und rau, während die Muskeln in seinem massiven Arm unter der Haut spielten.
Bevor Lumina auch nur einen weiteren kecken Spruch erwidern konnte, schlug die Trägheit des Morgens in pure, explosive Dynamik um.
Mit einer einzigen, fließenden Bewegung drehte sich Tala über sie. Sein schwerer, durchtrainierter Körper begrub den ihren auf der Matratze, schirmte sie komplett vom Rest der Welt ab und fing jede ihrer Regungen ein.
Seine massiven Hände griffen zielsicher nach ihren Hüften, pressten sich tief in das weiche Fleisch und hoben ihr Becken mühelos an, während sein Gesicht nur Millimeter von dem ihren entfernt hielt.
„Du wolltest die zweite Hälfte?“, flüsterte er, und seine Stimme klang gefährlich dunkel, getränkt von einer berauschenden, hellwachen Gier. „Du wirst sie bekommen. Und diesmal vergesse ich die Uhr.“
Keine Sekunde des Zögerns. Keine schützenden Mauern, kein Ausweichen mehr. Mit einem einzigen, tiefen Stoß, der ihr augenblicklich den Atem raubte, nahm er sie in Besitz... im vollen, grellen Tageslicht, kompromisslos, wild und von einer unerschütterlichen Intensität, die keinen Raum für Fragen mehr ließ.
Lumina warf den Kopf in den Nacken, und ein heller, hemmungsloser Schluchzer der puren Ekstase schnitt durch die dichte Luft der Suite, während die Schatten der Nacht endgültig im grellen Licht ihrer gemeinsamen, brennenden Gegenwart verbrannten.
Mitten in der unerbittlichen, treibenden Kadenz, als Tala sich mit ganzer Hingabe und kompromissloser Härte tief in ihr bewegte, durchschnitt ein dumpfes, hartnäckiges Summen die dichte Luft der Suite.
Es war ein rhythmisches, vibrierendes Klingeln, das aus der Manteltasche ihres Wollmantels drang, welcher unordentlich über einen Sessel nahe dem Bett geworfen worden war.
Lumina, deren Verstand im Strudel der Ekstase bereits heftig flackerte, zuckte leicht zusammen. Keuchend und mit von Lust verzerrtem Gesicht presste sie die Hände gegen seine breiten Schultern, während sie atemlos stammte: „Tala... warte... mein Handy... ich muss da ran...“
Doch Tala dachte gar nicht daran, auch nur einen Hauch von Tempo zu drosseln. Seine eisblauen Augen verdunkelten sich zu einem sturmgrauen Ozean, und sein Kiefer mahlte bedrohlich. Die unaufhörliche Erschütterung des Telefons schien ihn nur noch mehr anzustacheln. Er packte ihre Hüften mit eiserner Härte, zog sie noch fester an sich und rammte sich mit einem so rohen, tiefen Stoß in sie hinein, dass Lumina jeglichen Gedanken an das Telefon augenblicklich vergaß.
„Das Handy kann warten“, knurrte er dunkel und rau direkt an ihrem Ohr. „Du gehörst jetzt mir.“
Das vibrierende Summen im Hintergrund lief unerbittlich weiter, während Tala seinen Rhythmus noch einmal steigerte. Die Kombination aus seiner gnadenlosen Härte und dem nervtötenden Surren in der Tasche trieb Lumina an den Rand des Wahnsinns. Die Welle der Lust schwoll mit doppelter Wucht an, riss alle letzten Barrieren nieder und schlug über ihnen zusammen.
Mit einem hellen, überschlagenen Schrei brach Lumina unter ihm in den Orgasmus aus, während ihr ganzer Körper zuckte. In genau derselben Sekunde entlud sich auch Tala mit einem heiseren, rauen Knurren tief in ihr, und gemeinsam stürzten sie in einen betäubenden Abgrund aus Erschöpfung und Ekstase.
Für einige Herzsekunden lag absolute Stille im Raum, unterbrochen nur von ihrem schweren, rasselnden Atem. Genau in diesem Moment verstummte das Vibrieren des Handys drüben am Sessel endlich.
Lumina hob matt den Kopf, strich sich eine verschwitzte silbrig-weiße Strähne aus dem Gesicht und hauchte Tala einen tiefen, zarten Kuss auf die Lippen, während sie dem pochenden Rhythmus ihres eigenen Blutes nachspürte. Dann schreckte sie leicht hoch.
„Ich... ich muss wirklich nachsehen“, presste sie schwer atmend hervor und versuchte, sich unter ihm wegzubewegen. „Das ist hundertprozentig mein Vater.“
Tala grummelte leise, gab kein Stück nach und ließ sein Gesicht schwer an ihrer Halslinie ruhen. „Ist doch völlig egal“, brummte er unbeeindruckt gegen ihre Haut.
„Ist es eben nicht“, hauchte Lumina mit einem leisen, angestrengten Lachen. „Sonst ruft er am Ende noch Scotland Yard an, um mich hier in ganz London aufzuspüren, und lässt das Hotel abriegeln.“
Tala schnaubte kurz und verächtlich durch die Nase, ließ sie dann aber... wenn auch sichtlich widerstrebend und mit einem letzten, besitzergreifenden Druck seiner massiven Hand an ihrer Hüfte... unter sich hervor. Er rollte zur Seite und gab den Weg frei.
Lumina atmete tief durch, schwang die Beine über die Bettkante und versuchte, sich aufzurichten. Doch kaum hatten ihre nackten Füße den weichen Teppich berührt, gaben ihre völlig überstrapazierten Knie nach. Mit einem leisen Keuchen sackte sie augenblicklich nach vorne und landete sanft auf den Knien, direkt vor der Bettkante.
Überwältigt von der absoluten Nutzlosigkeit ihrer eigenen Beine, fing sie plötzlich an zu lachen... ein helles, ungläubiges Lachen, das durch die ruhige Suite hallte, während Tala von der Bettkante aus mit halb geschlossenen, belustigten Augen auf sie herabsah.
Lumina stützte die Hände auf den weichen, teuren Teppich, warf den Kopf in den Nacken und sah zu ihm auf. Ihre magentafarbenen Augen funkelten voller Belustigung, während ein leises, keuchendes Lachen ihre Kehle verließ.
„Gut...“, gab sie atemlos und mit einem spöttischen Funkeln in den Zügen zu. „Das ist wohl das offizielle Resultat der letzten Nacht, Rotschopf.“
Tala schnaubte kurz, ein tiefes, dunkles Amüsement in der Kehle, während er sich langsam von der Bettkante erhob. Die massiven Muskeln seines durchtrainierten Oberkörpers spannten sich bei der Bewegung an, und ein schiefes, fast triumphales Lächeln legte sich auf seine harten Züge.
„Ich habe ehrlich gesagt schon die ganze Zeit darauf gewartet, dass deine Beine wieder zu Pudding werden“, kommentierte er mit seiner tiefen, rauen Stimme und machte ein paar lange, zielstrebige Schritte auf den Sessel zu, über den ihr schwerer Wollmantel geworfen war.
Genau in diesem Bruchteil einer Sekunde begann das Handy in der Manteltasche erneut scharf und hartnäckig zu vibrieren. Ein helles, elektronisches Summen schnitt durch die dicke Luft der Suite.
Tala fackelte nicht lange. Er griff in die Tasche, zog das Smartphone hervor und warf einen einzigen, kühlen Blick auf das leuchtende Display. Seine eisblauen Augen verengten sich für einen Moment, ehe ein süffisanter Zug um seine Lippen zuckte.
„Da steht ‚Daddy‘, sagte er absolut trocken und unbeeindruckt. „Du hattest also vollkommen recht.“
Lumina weitete schlagartig die Augen. Als sie sah, wie sich sein Daumen zielstrebig dem Bildschirm näherte... mit genau diesem unerschütterlichen, gefährlich gelassenen Ausdruck, den sie nur zu gut kannte und den er damals schon einmal an den Tag gelegt hatte, als er Lord Eric Davies am Telefon eiskalt abgefertigt hatte... , schnappte sie hörbar nach Luft.
„Tala! Wage es ja nicht! Gib mir das Telefon!“, zischte sie, halb lachend, halb panisch, und versuchte sofort, sich auf ihren weichen Knien vorwärtszuschieben.
Sie krabbelte mit schnellen, völlig unkoordinierten Bewegungen über den dicken Teppich, um ihm das Gerät aus der Hand zu reißen, während sie ihm mit heiserer, theatralischer Drohung nachrief: „Wenn du meinem Vater jetzt rangehst und ihn mit deiner charmanten, respektlosen Art begrüßt, schickt er seine Leibwächter und lässt das Hotel eigenhändig dem Erdboden gleichmachen! Gib mir das Handy, Rotschopf!“
Doch ihre Beine trugen sie schlicht nicht, und jede ihrer schnellen Bewegungen wurde durch die schwere Erschöpfung gedämpft.
Es war bereits zu spät. Mit einer kurzen, kalten Entschlossenheit strich Tala über den Bildschirm, nahm den Anruf an und tippte auf den Lautsprecher-Button, ehe er das Smartphone ein Stück von seinem Ohr wegnahm, sodass der volle, kristallklare Ton durch die gedämpfte Suite hallte.
Aus dem Lautsprecher drang augenblicklich die kalte, tadellos artikulierte Stimme von Lord Eric Davies... durchdrungen von aristokratischer Ungeduld und unverkennbarer Sorge:
„Lumina? Wo zum Teufel steckst du? Dein Sicherheitsteam läuft Amok, und ich versuche seit Stunden, dich zu erreichen. Wenn das wieder irgendein dummer, exzentrischer Alleingang ist—“
Weiter kam Lord Eric nicht.
Tala lehnte sich ein Stück zurück, der Blick in seinen eisblauen Augen funkelte vor purer, unverschämtem Amüsement, während er mit seiner tiefen, rauen Stimme ganz ungezwungen in den Raum sprach:
„Sie ist im Moment... sagen wir, etwas unpässlich, Lord Davies“, brummte er mit absoluter, furchtloser Gleichgültigkeit. „Ihre Beine funktionieren im Augenblick nicht wirklich. Aber ich richte ihr aus, dass sie anruft, sobald sie wieder aufstehen kann.“
Am anderen Ende der Leitung trat eine abrupte, eisige Grabesstille ein.
Für drei volle Herzschläge herrschte totenstille Leere im Lautsprecher. Man konnte förmlich spüren, wie sich der scharfe Verstand des aristokratischen Patriarchen in London einschaltete, die Worte filterte und die absolut unmissverständliche, intime Bedeutung dahinter verarbeitete.
Dann, mit einer frostigen, tödlichen Präzision, erklang Lord Erics Stimme:
„Valkov?... Wenn meiner Tochter auch nur ein einziges Haar gekrümmt wird... oder wenn sie nicht in den nächsten zwei Stunden in Davies Manor auftaucht... , lasse ich das Hotel in dem ihr euch befindet eigenhändig bis auf die Grundmauern abreißen und schicke dir eine Privatarmee auf den Hals.“
Klick. Der Anruf war beendet.
Lumina, die es auf ihren zitternden Knien gerade noch so bis zu seinen Beinen geschafft hatte, schnappte nach Luft. Die Augen wurden ihr riesig, und in ihrem Gesicht spiegelte sich eine Mischung aus panischem Entsetzen und schallendem, hysterischem Lachen wider.
„Du bist wahnsinnig!“, zischte sie und warf sich mit einem wilden Satz nach vorne, um ihm das Smartphone aus der Hand zu reißen.
„Bist du eigentlich komplett lebensmüde?! Mein Vater schickt wirklich die britische Kavallerie, wenn er das wörtlich nimmt!“
Tala zog den Arm im letzten Bruchteil einer Sekunde blitzschnell nach oben und hielt das Telefon außer Reichweite, während aus seiner Kehle ein tiefes, grollendes, dunkel vibrierendes Lachen drang, das man viel zu selten von ihm hörte.
Lumina, deren Frustration über ihre weichen Beine in puren Übermut umschlagen, krallte sich an seinen breiten Schultern fest und versuchte, ihn mit aller Macht umzureißen.
Doch der Russe war schlicht zu schwer.
Mit einer einzigen, fließenden Bewegung packte er sie stattdessen an der schmalen Taille, zog sie mit sich und ließ sich nach hinten auf die weichen Kissen fallen. Im nächsten Moment gerieten sie in ein wildes, lachendes Handgemenge mitten auf dem Bett.
Lumina prustete vergnügt los, schlug ihm mit der flachen Hand auf die Brust und versuchte, sich zu befreien, während Tala sie mit einer mühelosen, überlegenen Kraft unter sich begrub, das Handy triumphierend auf den Nachttisch warf und sie mit einem breiten, völlig harten, aber unverschämt zufriedenen Grinsen musterte.
„Lass ihn drohen“, knurrte er dunkel, während seine Finger ihre Hüften fest umschlossen hielten. „Soll er kommen. Vorher bist du ohnehin nirgendwo hin unterwegs.“
Tala hielt sie mit spielerischer, aber eiserner Leichtigkeit erneut unter sich gefangen. Seine massiven Arme stützten sich links und rechts von ihrem Kopf auf die Kissen, während sein schwerer Atem auf ihre Haut strömte. Ein dunkles, unverschämtes Funkeln lag in seinen eisblauen Augen, als er den Kopf leicht schräg stellte.
„Außerdem... woher zum Teufel wollen diese Sicherheitstypen überhaupt wissen, wo wir hier stecken?“, brummte er tief und rau, ohne auch nur im Geringsten den Eindruck zu erwecken, dass ihn Lord Erics Drohung auch nur eine Sekunde lang beunruhigen würde.
Lumina prustete leise los. Sie warf den Kopf in den Nacken und schüttelte ungläubig lächelnd den Kopf, während sie ihm mit den Fingern durch die silbrig-roten Strähnen an der Stirn fuhr.
„Weil du gerade den Anruf entgegen genommen hast, du genialer Idiot“, entgegnete sie mit einer Mischung aus Spott und Zärtlichkeit in der Stimme. „In dem exakten Moment, in dem du den Anruf entgegengenommen hast, wurde das Signal getrackt. Mein Vater hat ein Sicherheitsteam, das darauf spezialisiert ist, jedes verflixte Gerät im Umkreis von zehn Meilen zu orten. Die wissen jetzt haargenau, in welchem Stockwerk und in welcher Suite wir uns die Zeit vertreiben.“
Tala schnaubte kurz verächtlich durch die Nase. Ein schiefes, fast raubtierhaftes Lächeln stahl sich auf seine harten Züge.
„Zwei Stunden“, wiederholte er die Deadline des Patriarchen mit tonaler Gleichgültigkeit, während sein Blick an ihrem schmalen Körper hinab- und wieder heraufwanderte.
„Eine Menge Zeit, um es uns gemütlich zu machen.“
Lumina hielt für einen Herzschlag den Atem an. Das Wissen, dass da draußen die Uhr tickte... dass Lord Erics Wachen im Anmarsch waren... , trieb das Adrenalin schlagartig zurück in ihre Adern. Doch statt Panik breitete sich in ihrer Brust ein wildes, berauschendes Feuer aus. Es war der ultimative Nervenkitzel.
„Zwei Stunden“, hauchte sie mit heiserer, herausfordernder Stimme und zog ihn an den Schultern ein Stück näher zu sich herunter, sodass ihre Lippen gefährlich nah an den seinen rieben. „Und im Moment läuft jede einzelne Sekunde davon für uns, Rotschopf.“
Tala fackelte nicht lange. Das letzte bisschen rationale Zurückweisung, das seine Schatten vielleicht noch hätten rechtfertigen können, zerfiel in diesem Augenblick zu Staub. Mit einem tiefen, grollenden Knurren, das tief in seiner Brust vibrierte, schloss er die Distanz zwischen ihnen.
Sein Kuss war rau, fordernd und von einer ungezügelten Dringlichkeit getragen, die den drohenden Ärger da draußen komplett ausblendete. Er ließ ihr keine Zeit zum Nachdenken, keine Sekunde, um über die Konsequenzen zu sinnieren. Seine schweren Hände griffen zielsicher nach ihrem Körper, während die Welt außerhalb dieser luxuriösen, gedimmten Suite für die nächsten Stunden schlicht aufhörte zu existieren.