LNCrawler

Familienbande

Der Gezähmte Phönix — www.fanfiktion.de · All chapters

Familienbande

Der private Westflügel von Davies Manor war zu dieser Nachmittagsstunde ein Ort unerschütterlicher, fast ehrfurchtgebietender Stille. Die dicken, historischen Teppiche schluckten jedes Geräusch, und der feine Duft von altem Bienenwachs und poliertem Zedernholz lag schwer und edel in der Luft.

Ein junges Zimmermädchen schritt gerade mit entspannten, gemessenen Schritten den Korridor entlang, einen leichten Staubwedel in der Hand, während sie gedankenverloren an die bevorstehenden Aufgaben des Abends dachte. Kurz darauf kam ihr eine Kollegin entgegen, die einen gewaltigen, akkurat gefalteten Stapel schneeweißer Laken in den Armen trug und sich sichtlich anstrengen musste, über den Stoffberg hinwegzusehen.

Die beiden Frauen nickten sich im Vorbeigehen kurz und höflich zu... ein eingespieltes Bild makelloser Disziplin in dem ehrwürdigen Anwesen.

Doch in genau diesem Bruchteil zerriss ein Laut die steife, aristokratische Ruhe des Flurs.

Es begann mit einem erstickten, hohen Schluchzen, das aus der Richtung von Miss Luminas Suite drang. Für eine Sekunde schien die Luft im Korridor zu gefrieren. Ehe eine der beiden Frauen auch nur begreifen konnte, was sie da hörte, schoss der Laut nach oben... schriller, unendlich dringlicher und so roh, dass er jegliche Etikette mit Füßen trat. Bevor das Echo an den holzgetäfelten Wänden verhallen konnte, brach es in einen lauten, extatischen, zitternden Schrei aus, der die pure, ungezähmte Entladung einer starken Sehnsucht und körperlicher Ekstase unmissverständlich durch das Gemäuer trug.

Das Zimmermädchen mit dem Lakenstapel fuhr so heftig herum, dass ihre Knie weich wurden. Der massive Stapel weicher Stoffe entglitt ihren Händen und prasselte mit einem dumpfen Geräusch auf den teuren Teppich.

Sie starrte ihre Kollegin mit weit aufgerissenen Augen an, während die andere Dienerin wie vom Blitz getroffen stehengeblieben war. Die Röte schoss ihr mit solcher Wucht in Gesicht und Hals, dass ihre Wangen in einem leuchtenden, peinlich berührten Purpur aufglühten. Keine von beiden wagte es auch nur zu atmen, während der Nachhall dieses einen, unverkennbaren Schreis schwer über den Flur hing und keinen Zweifel daran ließ, dass Lord Erics strenge Regeln bezüglich der Respektabilität des Hauses in diesem Moment gnadenlos in der Luft zerrissen wurden.

Der schwere, ekstatische Nachhall des Schreis schien noch immer in der Luft der luxuriösen Suite zu vibrieren, während sich der tosende Sturm im Raum langsam in ein schweres, rasselndes Keuchen verwandelte.

Lumina lag komplett entkräftet unter Tala auf der tiefen Matratze. Ihre Glieder schienen wie Blei zu sein, unfähig, auch nur einen einzigen Muskel zu rühren. Ihr Mund stand leicht geöffnet, während ihre Brust in einem so heftigen, unregelmäßigen Rhythmus auf und ab flog, dass man fast hätte meinen können, sie stünde kurz vorm Ersticken.

Ihre magentafarbenen Augen waren glasig, völlig fixiert auf die kunsthaft vergoldeten Stuckarbeiten an der hohen Zimmerdecke, während ihr Verstand noch immer durch die Leere nachhallender Ekstase driftete.

Tala thronte über ihr. Seine massiven Schultern waren leicht angespannt, und ein dunkles, zutiefst zufriedenes Schmunzeln lag auf seinen harten Mundwinkeln. Er musterte ihr völlig zerstörtes, wunderschönes Gesicht mit einer Tiefe, die keinen Zweifel daran ließen, wer hier die absolute Kontrolle besessen hatte.

„Du hast versucht, leise zu sein“, knurrte Tala mit seiner tiefen, rauen Stimme, und in dem herrischen Unterton lag ein unverkennbares, dunkles Amüsement. Er beugte sich ein Stück tiefer zu ihr herunter. „Aber das hat meinen Ehrgeiz ehrlich gesagt nur noch mehr entfacht, dich genau dazu zu bringen... jeden im ganzen verdammten Westflügel wissen zu lassen, wem du gehörst.“

Seine Hände lockerten sich nicht. Seine langen, schweren Finger hielten ihre Oberschenkel nach wie vor in einem eisigen, unnachgiebigen Griff, während er ihre Beine weit auseinandergedrückt und hoch an ihre Brust gepresst hielt... eine Pose der totalen, unumstößlichen Unterwerfung und Hingabe.

Erst als er spürte, wie sich ihr Puls stetig verlangsamte, löste er den Griff minimal.

Mit einer langsamen, unerbittlichen Bewegung zog er sich Zentimeter für Zentimeter aus ihr zurück. Die plötzliche Leere, die dabei entstand, schickte einen heftigen, elektrischen Schock durch Luminas überreizte Nerven. Ein zittriger, klagender Laut entrann ihrer Kehle, und ihre geschwächten Oberschenkel zuckten unwillkürlich zusammen, während sie unter der intensiven Bewegung tief und schmerzvoll aufstöhnte.

Tala lehnte sich leicht über sie und ließ seinen Blick über ihre helle Kehle wandern. Dort zeichneten sich unübersehbar die dunklen, leuchtenden Spuren seiner Zähne ab... ein rotes, unverkennbares Mal, das sich wie eine unmissverständliche Brandmarke auf ihrer weichen Haut abzeichnete. Er musterte sein Werk mit einem tiefen, dunklen Gefühl von vollkommener, besitzergreifender Zufriedenheit. Lumina war nach wie vor außer Atem, unfähig, auch nur einen klaren Gedanken oder gar Worte zu fassen, während sie verzweifelt versuchte, ihren zitternden Brustkorb und ihren rasenden Puls zu beruhigen.

Nach einigen schweigenden, von schwerem Atmen erfüllten Momenten trafen sich ihre Blicke.

Lumina stieß ein langes, wohliges Seufzen aus, das tief aus ihrer Brust kam. Für einen kurzen Augenblick schloss sie die magentafarbenen Augen, genoss die schwere, wohlige Erschöpfung in all ihren Gliedern und schmunzelte dann schwach, aber mit einer unverkennbaren, diebischen Freude.

„Mein Vater...“, brachte sie mit heiserer, zittriger Stimme hervor, während sie die Augen wieder öffnete und ihn aus verschmitzten Winkeln anblickte, „...wird uns heute schätzungsweise noch eigenhändig aus dem Anwesen jagen. Und eins ist absolut sicher... beim Abendessen nachher wird er mit Garantie weiterhin ganz hervorragend gelaunt sein.“

Bevor sie den Satz vollständig beenden konnte, zuckte sie jäh zusammen und atmete scharf ein. Tala hatte sich ohne Ankündigung wieder zu ihr herabgebeugt und presste seine heißen Lippen direkt auf die frisch geschlagenen Bissspuren an ihrem Hals.

Ein erneutes, zittriges Seufzen entrann ihrer Kehle, als die schmerzhafte Empfindlichkeit ihrer Haut augenblicklich von einer berauschenden, heißen Welle der Lust überrollt wurde.

Sie wandte den Kopf, strich sich eine strähnige, silbrig-weiße Haarlocke aus dem leicht verschwitzten Gesicht und stöhnte leise auf, als sie versuchte, ihre bleischweren Glieder zu bewegen. Die weiche, schwere Tagesdecke knisterte unter ihr, während sie den Blick zu dem breiten Rundbogen hob, der den Blick auf das angrenzende, in edlem Carrara-Marmor gehaltene Badezimmer freigab.

„Ich muss unbedingt baden“, hauchte sie mit heiserer, amüsierter Stimme und blickte zu ihm auf. „Bei allem, was wir in den letzten vierundzwanzig Stunden geschwitzt haben, fühle ich mich so klebrig.“

Sie lachte kurz auf, ein warmes, perlendes Geräusch, das in der großen Suite verhallte, und streckte ihm spielerisch die Hand entgegen.

„Aber du wirst mich schon rübertragen müssen. Meine Knie sind nach wie vor reiner Wackelpudding.“

Tala richtete sich in einer einzigen fließenden, schweren Bewegung auf. Er stand über ihr, ließ den Blick kurz an seinem eigenen Oberkörper herabgleiten, schnupperte skeptisch an seiner Schulter und brummte tief in der Brust:

„Ich komme mit.“

Lumina prustete los, schüttelte schmunzelnd den Kopf und wies mit einer Hand abwehrend in Richtung des Badezimmers.

„Oh nein, mein Bester. Du gehst ganz brav in die Dusche daneben.“

Tala blieb stehen, verschränkte die Arme vor der breiten Brust und musterte sie aus halb geschlossenen Augen. Das dunkle, gefährliche Amüsement in seinen eisblauen Pupillen war unverkennbar, als ein schiefes Grinsen um seine harten Mundwinkel zuckte.

„Wovor hast du Angst?“, fragte er mit seiner tiefen, rauen Stimme, absolut trocken und frei von jedem Zögern.

Lumina lehnte sich ein Stück zurück, stützte das Kinn auf die Hand und hielt seinem intensiven Blick stand. Ihre magentafarbenen Augen funkelten voller Provokation und purem Verlangen.

„Ich habe keine Angst“, flüsterte sie rauchig, während ihre Blicke an ihm hängen blieben. „Ich habe nur Sorge, dass ich in der Badewanne... von deinen Händen einfach nicht genug bekommen werde.“

Zwei Stunden später hatte sich die schwere, aufgeladene Luft in der Suite merklich gewandelt. Durch die raumhohen Fenster strömte das späte, goldene Nachmittagslicht Londons und tauchte den edlen Westflügel in ein warmes, gedämpftes Dämmern.

Ein Schwall von feinem, duftendem Dampf zog in den Hauptraum. Augenblicke später trat Lumina heraus. Sie war in einen dicken, schneeweißen Frotteebademantel gehüllt, der locker über ihre schmalen Schultern fiel. Ihr langes, silbrig-weißes Haar war frisch gewaschen und glatt geföhnt, sodass es wie ein schwerer, schimmernder Schleier bis weit über ihr Gesäß reichte. Sie ließ sich in den Raum sinken und stieß ein langes, wohliges Seufzen aus, während sie die Glieder dehnte.

Talas taktischer Einfall nach dem unersättlichen zweiten Akt im Badezimmer hatte sich als Gold wert erwiesen: Er hatte ihre weichen Knie ohne Vorwarnung erst eiskalt abgeduscht und danach sofort wieder heißes Wasser nachlaufen lassen, um die Durchblutung ihrer Beine anzuregen. Zwar hatte sie sich bei dem Schock des kalten Wassers heiser beschwert, aber das Ergebnis sprach für sich... sie konnte tatsächlich wieder einigermaßen eigenständig laufen, ohne dass Tala sie wie eine Trophäe zum Abendessen hinabtragen musste.

Tala saß nun vollkommen entspannt, aber mit steifem Rücken in dem schweren Ledersessel direkt am Fenster. Seine dunklen Hosen saßen makellos, der rote Schopf war leicht zerzaust, und in seiner Hand hielt er sein Smartphone, auf das er mit einer solch eisigen Intensität starrte, dass das Display fast Risse hätte bekommen können.

Lumina lehnte sich an die hölzerne Lehne eines Regals, verschränkte die Arme vor der Brust und musterte ihn aus ihren magentafarbenen Augen. Ein amüsierter, aber neugieriger Zug lag um ihre Mundwinkel.

„Was schaust du denn so genervt?“, fragte sie mit ihrer rauchigen, entspannten Stimme, während sie ein Handtuch locker über ihre Schultern warf. „Oder hat sich Jemand aus Russland beschwert, dass du einfach nach England abgehauen bist?“

Tala hob den Kopf nicht einmal. Die harten Linien seines Kiefers zuckten unheilvoll. Er drehte das Display langsam zu ihr um, sodass sie den beleuchteten Bildschirm erkennen konnte.

„Schön wär’s“, knurrte er dunkel und rau, während ein finsteres Glitzern in seinen eisblauen Augen aufblitzte. „Die Meute draußen hat mal wieder ein paar sehr exklusive Schnappschüsse von uns landen lassen.“

Lumina kniff die Augen zusammen und trat einen Schritt näher, um auf das helle Display zu blicken. Dort prangte die Online-Schlagzeile eines bekannten Boulevardblatts, illustriert mit hochauflösenden, aber verdeckt aufgenommenen Fotos: Eines von ihrem gestrigen Aufeinandertreffen im Pub, wo Tala sie besitzergreifend und unmissverständlich an sich gedrückt hatte, und ein weiteres, das offenbar von heute Mittag vor dem Hotel stammte, bevor sie in den SUV gestiegen waren.

„Von gestern Abend und heute Morgen“, fügte Tala tonlos hinzu, während er das Telefon mit einer genervten Bewegung auf den Tisch warf. „Die Journalisten fangen mal wieder an, sich brennend für unser Privatleben zu interessieren.“

Ein helles, glockenhelles Prusten durchschnitt die angespannte Stille des Raumes. Lumina warf den Kopf nach hinten, während ein amüsierter Laut ihre Kehle verließ und das Handtuch von ihren Schultern rutschte.

„Ach, Tala...“, rief sie lachend und schüttelte den Kopf, während sie sich auf die Kante des massiven Himmelbetts sinken ließ. „Du bist ein gefeierter Blader, und ich bewege mich dank meiner Familie ohnehin in Kreisen, in denen man kaum einen Schritt tun kann, ohne dass irgendwo eine Kamera klickt. Das ist doch nun wirklich nichts Neues.“

Tala stieß ein tiefes, ungeduldiges Schnauben aus. Er stützte die Ellenbogen auf die Knie und musterte sie mit eisblauen Augen, die eine gefährliche Kälte ausstrahlten.

„Du vergisst eins“, knurrte er rau. „Beyblade ist hier nicht gerade beliebt. Vor ein paar Tagen hätte mich in London auf der Straße kein Schwein erkannt.“

Lumina lächelte verschmitzt, neigte den Kopf zur Seite und strich sich eine feuchte Strähne ihres silbrig-weißen Haares hinter das Ohr. Ihre magentafarbenen Augen funkelten voller heimlicher Schadenfreude.

„Ach, da wär ich mir gar nicht mal so sicher, mein Lieber“, konterte sie mit rauchiger, amüsierten Stimme. „Glaubst du ernsthaft, das Bild von vor ein paar Monaten ist unbemerkt geblieben?“

Talas Blick verengte sich zu scharfen Schlitzen.

„Welches Bild?“, fragte er gefährlich leise.

„Na, das in Shinjuku“, fuhr Lumina unbeeindruckt fort, während ein diebisches Lächeln auf ihren Lippen tanzte. „Weißt du nicht mehr? Damals in dieser engen Gasse, als du mich völlig ohne Vorwarnung an die Wand gepresst und mir einen Kuss verpasst hast, bei dem mir fast der Boden unter den Füßen weggezogen wurde? Blöd nur, dass dort ein Paparazzo im Schatten stand und das Ganze mit einer exzellenten Linse festgehalten hat. Jetzt schau nicht so überrascht, das Bild war selbst hier in aller Munde.“

Sie lehnte sich ein Stück vor, stützte die Hände auf die Oberschenkel und musterte ihn triumphierend.

„Seit diesem Tag bist du in den britischen Klatschblättern kein unbeschriebenes Blatt mehr, Rotschopf. Für die Gazetten bist du seither der mysteriöse, besitzergreifende Ausnahmeblader an der Seite der Davies-Erbin. Also beschwer dich nicht, wenn sie jetzt erst recht jede deiner Bewegungen verfolgen.“

Tala schwieg. Die harten Linien seines Kiefers zuckten verräterisch, während ein dunkles, unheilvolles Glitzern in seinen Augen aufblitzte. Er sagte kein einziges Wort, doch der Blick, den er ihr zuwarf, sprach Bände: Die Tatsache, dass sein privat geführter Krieg um sie öffentlich ausgeschlachtet wurde, schmeckte ihm ganz und gar nicht... aber das hielt ihn erst recht nicht davon ab, sie im nächsten Moment wieder genau dorthin zu ziehen, wohin sie gehörte: an seine Seite.

Lumina warf einen kurzen, musternden Blick auf die antike Standuhr in der Ecke des Raumes, ehe ihr Blick wieder zu Tala glitt. Ein verschmitzter, fast diebischer Glanz legte sich in ihre magentafarbenen Augen.

„Wir haben noch exakt dreißig Minuten bis zum Abendessen“, erklärte sie mit ihrer rauchigen, amüsierten Stimme.

Sie stützte sich mit beiden Händen auf der Matratze ab und glitt aus dem Bett. Doch kaum berührten ihre nackten Füße den dicken Teppich, gaben ihre weichen Glieder für einen kurzen Moment nach. Sie wackelte unkoordiniert zur Seite, fing sich im letzten Augenblick mit einer Hand an der schweren Holzkommode ab und biss sich lachend auf die Unterlippe, während sich die Muskeln in ihren Beinen nach dem intensiven Nachmittag lautstark bemerkbar machten.

Tala, der noch immer auf dem Sessel saß und sie mit einer Mischung aus dunkler Faszination und stiller Belustigung beobachtete, zog eine Augenbraue nach oben.

Lumina drehte sich schwankend zu ihm um, warf das schwere, silbrig-weiße Haar über die Schulter und trat ein paar wackelige Schritte auf ihn zu, bis sie direkt vor ihm stand. Sie lehnte sich mit den Händen auf seine breiten Oberschenkel, neigte den Kopf leicht zur Seite und sah ihn aus halb geschlossenen Augen an.

„Sag mal, ...“, hauchte sie und ein breites, aufreizendes Grinsen stahl sich auf ihre Lippen. „Hättest du nach dem Abendessen eigentlich Lust, mit mir wieder auf Tour zu gehen?“

Tala musterte sie aus eisblauen Augen, während sich ein langsames, gefährliches Schmunzeln um seine harten Mundwinkel legte. Er sagte nichts, wartete jedoch schweigend ab, was sie im Schilde führte.

„Das Festival in der Stadt geht insgesamt drei Tage“, fuhr Lumina mit ungespielter Begeisterung fort, während sie mit den Fingern leicht über den Stoff seiner Hose strich. „Und ich wollte das eigentlich unbedingt komplett durchziehen. Es wäre doch eine absolute Schande, das einfach so abzubrechen. Und... rein zufällig habe ich vorhin aufgeschnappt, dass es dort heute Abend ab zwanzig Uhr Freigetränke gibt und das Essen nur die Hälfte kostet.“

Ein kurzes, tiefes Schnauben drang aus Talas Brust. In seinen eisblauen Augen blitzte pure, ungezähmte Amüsement auf, als er die Hände in den Nacken legte und sie mit einer intensiven, besitzergreifenden Ruhe musterte.

„Du willst den steifen Empfang und das Diner mit dem alten Mann also wirklich gegen ein chaotisches Festival eintauschen, ja?“, knurrte er dunkel und rau, während sein Blick an ihr hängen blieb. „Du lernst wohl nie dazu, Prinzessin.“

Ein helles, perlendes Lachen drang aus Luminas Kehle, und sie schüttelte amüsiert den Kopf, während sie sich mit einer Hand auf seiner breiten Brust abstützte, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren.

„Nach dem Abendessen, Rotschopf“, korrigierte sie ihn mit einem verschmitzten Aufleuchten in ihren magentafarbenen Augen. „Ich will Daddy schließlich nicht schon vor der Vorspeise in einen Herzinfarkt treiben. Das wäre doch viel zu schade um den sportlichen Ehrgeiz.“

Sie strich sich eine lange, silbrig-weiße Strähne ihres frisch geföhnten Haares über die Schulter und trat einen halben Schritt zurück, während der dicke Frotteebademantel sich locker um ihre schlanke Gestalt legte. Ein feiner, fast vorfreudiger Zug lag um ihre Mundwinkel, als sie die Hände in die Taschen des Mantels steckte.

„Außerdem... möchte ich, dass du meine Mutter und meine Großeltern kennenlernst“, fuhr sie fort, und in ihrer rauchigen Stimme schwang ein Hauch von unausgesprochener Bedeutung mit. „Die werden heute Abend beim Dinner nämlich ebenfalls anwesend sein.“

Tala zog eine Augenbraue nach oben. Seine eisblauen Augen fixierten sie mit einer scharfen, musternden Intensität, während die harten Linien seines Kiefers kurz zuckten. Ein dunkler, fast lauernder Unterton lag in seinem Blick.

„Deine Mutter und deine Großeltern“, wiederholte er mit seiner tiefen, rauen Stimme langsam. „Will der alte Mann etwa, dass wir gleich das gesamte Stammpersonal der Familie um uns versammeln, um ein Exempel zu statuieren?“

Lumina winkte ab und lachte leise über den trockenen Sarkasmus in seiner Stimme.

„Oh, Daddy hat sie ganz sicher nicht eingeladen, um dir eine Freude zu machen“, gab sie ungeniert und mit einem diebischen Grinsen zu. „Aber bei offiziellen Familienangelegenheiten dieser Tragweite tauchen sie eben auf. Und was meine Mutter betrifft... sie kennt dich zwar bereits vom Sehen und aus den reißerischen Artikeln, die die Presse dank unseres kleinen Ausflugs in Shinjuku damals gedruckt hat... aber ich möchte dich ihr eben ganz offiziell und zu meinen Bedingungen vorstellen.“

Lumina trat noch einen Hauch näher an ihn heran, während ihr Blick in den magentafarbenen Augen vor purer, herausfordernder Belustigung sprühte. Sie legte den Kopf leicht in den Nacken und musterte den hünenhaften Blader aus jenem speziellen, koketten Winkel, der ihn ganz genau wusste, dass sie ihn an der Angel hatte.

„Es sei denn, du kneifst natürlich“, hauchte sie mit einer leichten, spöttischen Tonlage, die provokant in der stillen Luft der Suite vibrierte.

Tala erstarrte für einen Bruchteil einer Sekunde. Die harten Linien seines Kiefers zuckten unheilvoll, und in seinen eisblauen Augen flackerte ein so dunkles, gefährliches Feuer auf, dass man hätte meinen können, er wolle sie im nächsten Moment auf der Stelle packen. Ein Mann wie Tala Valkov wusste das Wort Kneifen schlicht und einfach nicht in seinem Wortschatz zu buchstabieren.

Ein tiefes, raues Schmunzeln drang aus seiner Brust, während seine großen Hände blitzschnell nach ihren Hüften griffen und sie mühelos an sich heranzogen, bis sie keinen Millimeter mehr ausweichen konnte.

„Ich und kneifen, Prinzessin?“, knurrte er dunkel, während sein Gesicht gefährlich nahe an dem ihren stoppte, die eisblauen Pupillen lodernd vor purem Ehrgeiz. „Defintiv nicht.“

Seine schweren Hände blieben noch für einen Herzschlag fest auf ihren Hüften, ehe er sie langsam losließ, während ein dunkles, schiefes Grinsen seine harten Mundwinkel umspielte.

„Wir haben exakt noch zwanzig Minuten, bevor der alte Mann unten an der Uhr dreht“, konterte Lumina mit einem triumphierenden Funkeln in den magentafarbenen Augen, während sie sich aus seinem Griff wand und elegant Richtung Ankleidezimmer glitt.

Tala sah ihr nach. Seine eisblauen Augen musterten die schwere, verglaste Schrankfront des Raumes, in dem die edlen Roben hingen, ehe er den Kopf schüttelte und eine Hand in den Nacken legte.

„Sag mal...“, brummte er mit seiner tiefen, rauen Stimme, während er ihr folgte und sich an den Türrahmen lehnte. „Wieso musst du dich eigentlich so auftakeln für diesen Haufen verstaubter Aristokraten? Als ob es irgendjemanden von denen juckt, ob du in Seide oder in einer Jutehülle aufläufst.“

Lumina hielt mitten in der Bewegung inne. Sie drehte sich um, warf den Kopf leicht in den Nacken und musterte den Russen mit einer Mischung aus amüsiertem Unglauben und herber Arroganz.

„Autakeln?“, wiederholte sie mit einer rauchigen Tonlage, die keinen Zweifel daran ließ, wie absurd sie diesen Begriff fand. Sie trat an den offenen Kleiderschrank heran und strich mit den Fingerspitzen über die Stoffe. „Das ist keine Aufstachelung für die Modewelt, Rotschopf. Das ist Kriegsbemalung.“

Sie zog ein atemberaubendes, knielanges Abendkleid aus tiefschwarzem, fließendem Samt hervor, das im gedämpften Licht des Raumes fast matt schimmerte. Der Schnitt war gewagt, elegant und kompromisslos... rückenfrei und mit einem tiefen, raffinierten Dekolleté, das keinen Zentimeter ihrer blassen Haut verbarg. Vor allem aber bot es den perfekten Rahmen für genau jene dunklen, unübersehbaren Bissspuren, die Tala ihr vor wenigen Stunden mitten in die Kehle gebrannt hatte.

Lumina hielt das Kleid vor ihren Körper und drehte sich zu ihm um. Ein diebisches, fast räuberisches Lächeln lag auf ihren Lippen.

„Außerdem will ich meiner lieben Familie schließlich sofort präsentieren, dass ihr edles Erbe bei mir in den besten, besitzergreifendsten Händen ist“, fügte sie mit einem süffisanten Unterton hinzu. „Und dafür brauche ich das passende Outfit.“

Tala musterte sie. Seine eisblauen Augen blieben wie magnetisch an der dunklen, brandmarkenden Stelle an ihrem Hals hängen, ehe sein Blick langsam an dem schwarzen Samt herab- und wieder hinaufwanderte. Ein dunkles, unheilvolles Glitzern legte sich in seine Pupillen. Die harten Linien seines Kiefers zuckten, und das schiefe Grinsen auf seinem Gesicht wurde eine Spur schärfer.

„Gute Wahl“, knurrte er dunkel. „Dann sieht wenigstens jeder gleich, wem das Kunstwerk gehört.“

Während Lumina sich in Rekordzeit in das maßgeschneiderte Kleid kleidete und vor dem antiken Spiegel den letzten Schliff an ihrem silbrig-weißen Haar vornahm, machte Tala sich ebenfalls bereit. Er strich sich den roten Schopf aus der Stirn, band es zu einem lockeren Dutt, schlüpfte in ein maßgeschneidertes, dunkles Hemd, das seine massiven Schultern und den breiten Brustkorb perfekt betonte, und zog den Kragen glatt. Die Krawatte ließ er... sehr zum Unmut jeder britischen Etikette... demonstrativ weg; der offene Kragen verlieh ihm stattdessen diese gefährliche, ungezähmte Aura, die selbst im prunkvollsten Speisesaal wie eine Bedrohung wirken musste.

Als Lumina schließlich fertig war, trat sie auf ihn zu. Sie roch nach feinem Sandelholz und dem Hauch eines herben Parfums, das sich mit der Elektrizität im Raum vermischte. Sie hakte sich bei ihm ein, während ihre magentafarbenen Augen seinen Blick herausfordernd festhielten.

„Bereit, die Löwen zu füttern, Rotschopf?“, hauchte sie leise.

Tala legte eine schwere Hand auf ihren Rücken, zog sie noch einen Hauch näher an sich heran und öffnete mit der anderen Hand die schwere Flügeltür der Suite.

„Lass sie kommen“, entgegnete er mit einer rauen, eiskalten Selbstverständlichkeit. „Mal sehen, wer hier wen zum Fressen gern hat.“

Der Speisesaal von Davies Manor glich eher dem Bankettsaal eines historischen europäischen Schlosses als einem gewöhnlichen Esszimmer. Hohe, gotische Bogenfenster gaben den Blick auf die im Dämmerlicht liegenden Gärten des Anwesens frei, während ein massiver, kristallener Kronleuchter ein schummriges, goldenes Licht auf eine lange, spiegelblank polierte Tafel aus dunklem Mahagoni warf.

Auf dem Tisch flackerten Dutzende Bienenwachskerzen in silbernen Leuchtern, und der schwere, erhabene Duft von teurem Rotwein, edlem Zedernholz und dem Hauch eines herben Parfums lag schwer in der kühlen Luft des Raumes.

Als die schweren Flügeltüren aus dunkler Eiche mit einem satten, fast feierlichen Geräusch aufschwangen, verstummte jede Unterhaltung an der langen Tafel schlagartig.

Lumina trat als Erste ein, anmutig und vollkommener Selbstsicherheit. Ihr knielanges, tiefschwarzes Samtkleid schmiegte sich wie eine zweite Haut an ihre schlanke Silhouette, während der tiefe, rückenfreie Schnitt und der freie Ausschnitt keinen Zweifel daran ließen, dass sie jede Konvention mit Füßen trat. Vor allem aber boten sie einen unübersehbaren Blick auf die dunklen, leuchtenden Bissspuren, die sich unverkennbar über ihre helle Kehle zogen – eine offene, stolze Provokation gegenüber jedem einzelnen Gast am Tisch.

An ihrer Seite schritt Tala. Mit seinen breiten Schultern, dem offenen Hemdkragen ganz ohne Krawatte und den eisblauen, lauernden Augen wirkte er wie ein Raubtier, das man mitten in einen edlen Porzellanladen geführt hatte. Er passte optisch so gar nicht in diese sterile Welt aus adeligem Hochadel, und doch strahlte er eine derartige, unerschütterliche Dominanz aus, dass selbst die Anwesenden unwillkürlich den Atem anhielten.

Am Kopfende des Tisches saß Lord Eric Davies. Seine magentafarbenen Augen verengten sich zu gefährlichen Schlitzen, als er das Paar musterte, und der Kiefer des Patriarchen mahlte unheilvoll. Direkt neben ihm thronte Lady Emily Davies. Sie war eine Frau von unnahbarer, makelloser Eleganz; ihr blondes Haar war perfekt zu einer strengen Hochsteckfrisur gebunden, und ihr himmelblauer Blick besaß jene legendäre, unheimliche Schärfe, mit der sie sprichwörtlich durch jede menschliche Maske hindurchsehen konnte.

Ihr musternder Blick glitt von Lumina zu den eindeutigen Malen an ihrem Hals und schließlich zu Tala... und für einen winzigen Augenblick zuckte ein feines, fast anerkennendes Lächeln um ihre ansonsten stoischen Mundwinkel.

Weiter unten an der Tafel saßen die älteren Semester: Lord John Davies, Luminas Großvater, dessen schlohweißer Bart und altertümlicher Anzug von einer anderen Ära zeigten, und daneben Lady Alice, die Großmutter, die das Eintreten des Paares mit einer kühlen, distanzierten Neugier beobachtete.

Doch die Runde war an diesem Abend noch deutlich größer besetzt. Neben dem älteren Ehepaar saßen weitere Verwandte und Gäste:

Elias, der ihnen von seinem Platz aus einen amüsierten, wissenden Blick zuwarf.

Ein gut situiertes Ehepaar mittleren Alters, das sich leise tuschelnd über das Besteck beugte.

Eine junge weißblonde Frau in Luminas Alter, deren gelangweilter Gesichtsausdruck beim Anblick der Neuankömmlinge sofort in purstes Interesse umschlug.

Und dazwischen ein etwa zehnjähriges Mädchen, das die blauen Augen weit aufriss und fasziniert zu dem hochgewachsenen Russen an Luminas Seite hinübersah.

Die schwere, elektrische Spannung im Raum war mit Händen zu greifen. Die Familie Davies hatte sich versammelt, um Gericht zu halten... doch der ungebetene Gast an der Spitze hatte nicht die geringste Absicht, den Kopf zu neigen.

Lord Eric Davies erhob sich als Erster vom Kopfende der Tafel. Seine hochgewachsene, aristokratische Gestalt wirkte in dem maßgeschneiderten dunklen Anzug wie aus einem Guss meißelt. Er knöpfte sein Sakko mit einer fließenden, bedächtigen Bewegung zu, während seine magentafarbenen Augen kalt und schneidend auf Tala ruhten. Doch trotz der spürbaren Abneigung, die wie eine unheilvolle Wolke über dem Patriarchen hing, gebot es die eiserne Etikette des Hauses, die Haltung zu wahren.

„Valkov“, sprach Lord Eric mit tiefem, tragendem Bariton, der mühelos den hallenden Speisesaal füllte. Er deutete mit einer knappen, schnellen Handbewegung auf die Gäste zur seiner Rechten. „Da Sie sich nun einmal für die nächsten Tage unter meinem Dach aufhalten, werden Sie unserer Familie gegenüber die gebührende Ehrerbietung erweisen.“

Er wandte den Blick kurz zu dem Ehepaar mittleren Alters, das die Beiden mit geschultem, distanziertem Interesse musterte.

„Dies sind meine Schwägerin, Evelyn Vaughn, und ihr Gatte Arthur.“, stellte Eric sie mit unnahbarer Präzision vor. Dann glitt sein Blick weiter zu den drei jüngeren Personen. „Sowie deren Kinder: Elias, den du ja bereits das Vergnügen hattest kennenzulernen, seine Schwester Madison...“ ... die junge Frau in Luminas Alter schenkte Tala daraufhin ein feines, vielsagendes Lächeln... „...und die jüngste Tochter der Familie, Clara.“

Das etwa zehnjährige Mädchen starrte Tala mit offenen, faszinierten Augen an, als stünde ein raubtierartiges Fabelwesen vor ihr.

Noch bevor Eric das Wort wieder an Tala richten konnte, schob sich am anderen Ende der Tafel der betagte Lord John Davies, Luminas Großvater, mit beeindruckender Haltung aus seinem Stuhl. Trotz seines hohen Alters strahlte der schlohweiße Mann eine unerschütterliche Würde aus. Er stützte sich leicht auf seinen kunstvoll geschnitzten Gehstock, legte die andere Hand an das Revers seines Fracks und richtete seinen klaren, wachsamen Blick auf den jungen Blader.

„Spar dir die weiteren Formalitäten, Eric“, erhob der alte Lord seine raue, charakterfeste Stimme und trat ein Stück vor, um sich selbst vorzustellen. „Ich bin durchaus noch in der Lage, mich meinem Gast gegenüber eigenständig zu repräsentieren. Lord John Davies. Und es kommt wahrlich nicht oft vor, dass ein junger Mann das Fundament dieses Anwesens bereits vor dem Erreichen der Vorspeise so... spürbar ins Wanken bringt, Mister Valkov.“

Ein trockenes, amüsiertes Blitzen trat in die Augen des Großvaters, während die schwere, elektrische Spannung im Raum nur noch weiter anstieg.

Tala neigte den Kopf nur um einen Hauch... keine ehrerbietige Verbeugung, sondern das kühle, gemessene Nicken eines Raubtiers, das sein Territorium absteckte. Seine eisblauen Augen glitten langsam von Lord John zu den übrigen Gästen am Tisch.

„Lord Davies“, entgegnete Tala mit seiner tiefen, rauen Stimme, die mühelos durch das leise Klirren der kristallenen Gläser schnitt. „Wenn ein Fundament so leicht ins Wanken gerät, liegt das selten am Gast. Sondern eher daran, wie morsch das Holz darunter bereits ist.“

Ein kurzes, fast unmerktliches Stocken ging durch die Reihen der Familie Vaughn. Lord Eric kniff die Lippen so fest zusammen, dass sie zu einer blassen Linie wurden, während Lord John ein raues, amüsiertes Glucksen in der Kehle unterdrückte.

Als Brimsley und die Dienerschaft lautlos die ersten Gänge...  eine dampfende, feine Consommé in antikem Meißner Porzellan... servierten, steuerte das Paar die zugewiesenen Plätze an. Sie saßen direkt gegenüber von Lord Eric und seiner Frau Lady Emily, während zu Talas Rechter Madison Vaughn saß.

Lumina glitt mit unerschütterlicher Eleganz in ihren Stuhl, während der schwarze Samt ihres Kleides die unübersehbaren, leuchtenden Bissspuren an ihrer Kehle wie auf einem Präsentierteller zur Schau stellte.

Madison, die Tala aus ihren blauen Augen mit unverhohlenem Interesse von der Seite musterte, lehnte sich leicht in seine Richtung. Ein charmantes, einstudierte Lächeln lag auf ihren Lippen.

„Ich muss gestehen, Mister Valkov, man hört in unseren Kreisen selten von professionellen Beybladern“, begann Madison mit samtweicher, flötender Stimme und ließ ihren Blick beiläufig über seine breiten Schultern gleiten. „Aber Sie scheinen eine bemerkenswerte Dringlichkeit mitzubringen. Wie schafft man es, in einem so... unkonventionellen Metier eine derart eiserne Selbstbeherrschung zu bewahren?“

Bevor Tala auch nur ansetzen konnte, griff Lumina mit spöttischer Präzision ein. Sie hob ihr Kristallglas, ließ das Mineralwasser darin kreisen und blickte ihre Cousine aus magentafarbenen Augen kalt an.

„Glaub mir, Madison, Talas Selbstbeherrschung ist exzellent“, hauchte Lumina mit rauchiger, feinsinniger Stimme, während ein gefährliches Lächeln ihre Lippen umspielte. „Er weiß genau, wann er zubeißen muss... und wann er sein Eigentum markiert. Du brauchst dir also nicht die Mühe zu machen, seine Ausdauer zu testen.“

Madison erstarrte für einen Sekundenbruchteil, ehe sie gezwungen lächelte und den Blick wieder auf ihre Suppe richtete.

In diesem Moment schaltete sich Lady Emily Davies ein. Luminas Mutter hatte das kleine Wortgefecht schweigend beobachtet. Ihre blonden Haare fielen makellos um ihr ebenmäßiges, kühles Gesicht, und ihre blauen Augen lagen mit einer unheimlichen, messerscharfen Präzision auf Tala. Sie ignorierte die Versuche ihres Mannes, das Gespräch wieder auf die Ländereien der Familie zu lenken, und fixierte den jungen Blader direkt.

„Lumina hat selten einen Mann an ihrer Seite geduldet, der ihr... keine Paroli bieten kann, Mister Valkov“, sprach Lady Emily ruhig, aber mit einer Durchsetzungskraft, die den gesamten Tisch zum Schweigen brachte.

„Die Presse nennt Sie unberechenbar und dominant. Aber die Presse sieht nur die Oberfläche. Mich interessiert etwas anderes: Was genau treibt einen Mann wie Sie an, der sich weder vor Lord Erics Drohungen beugt noch vor der Tradition unseres Hauses zurückweicht?“

Ihr Blick wanderte ganz bewusst für einen Herzschlag zu den frischen Spuren an Luminas Hals, ehe sie Tala wieder direkt in die Augen sah.

Tala legte den Löffel bedächtig ab. Er lehnte sich im Stuhl zurück, verschränkte die Arme vor der breiten Brust und hielt dem bohrenden Blick der Matriarchin ohne das geringste Zögern stand. Die eisblaue Kälte in seinen Pupillen war absolut und undurchdringlich.

„Mich treibt nichts an, Lady Davies“, antwortete Tala mit eiskalter, unerschütterlicher Gelassenheit. „Ich nehme mir schlicht und einfach das, was mir gehört. Und was die Traditionen dieses Hauses angeht... ich habe heute Nachmittag bereits gelernt, dass man sie nur auf dem Schachbrett schlagen muss, damit sie ihre Wirkung verlieren.“

Ein Eishauch schien durch den prunkvollen Saal zu wehen. Lord Eric starrte Tala mit purem, unterdrücktem Zorn an, doch Lady Emily Davies verzog keine Miene. Stattdessen glitt ein langes, hochgradig fasziniertes Lächeln über die Lippen von Luminas Mutter.

„Eine sehr ehrliche Antwort“, murmelte Lady Emily leise und hob ihr Glas in seine Richtung. „Und eine, die in diesem Anwesen seit Jahrzehnten gefehlt hat.“

Während das feine Klirren von Silberbesteck auf Porzellan für einen momentanen Atemzug die Stille füllte, wanderte Talas wachsamer Blick von Lady Emily zu dem jungen Mann ein paar Plätze weiter. Seine eisblauen Augen, die jede kleinste Regung im Raum mit raubtierhafter Präzision erfassten, blieben an Elias hängen.

Tala bemerkte sofort die leichten, dunklen Schatten, die sich unter Elias' Augen abzeichneten... deutliche Spuren von Erschöpfung.

Just in diesem Moment räusperte sich Lord Eric Davies am Kopfende des Tisches vernehmbar. Der Patriarch legte seine Serviette mit einer betont langsamen, herrschaftlichen Bewegung auf den Tisch, während seine magentafarbenen Augen kalt und tadelnd über die Tafel glitten.

„Es ist gelinde gesagt bedauerlich“, hob Eric mit tiefer, schneidender Stimme an, während sein Blick gezielt zu seinem Neffen herüberschwappte, „dass gestern offenkundig jemand versäumt hat, meine Tochter im Auge zu behalten. Die Londoner Presse spekuliert bereits über skandalöse Zustände, die dieses Haus seit Generationen nicht gesehen hat.“

Am Tisch schien die Luft schlagartig zu gefrieren.

Die scharfe Kritik von Lord Eric hing schwer im Raum, doch anstatt in Wut zu entbrennen oder die Beherrschung zu verlieren, blieb Elias von apathischer Ruhe umgeben.

Mit einer absolut ruhigen, fast lässigen Bewegung legte Elias sein Besteck auf den Teller. Er hob den Blick und sah seinem Onkel direkt in die Augen, während ein Hauch von kühler Amüsement um seine Mundwinkel spielte.

„Onkel Eric“, begann Elias mit einer gedämpften, kontrollierten Stimme, die mühelos die Stille des Speisesaals durchschnitt. „Ich schätze deine Sorge um die Familienehre, aber ich bin weder dein Sohn noch Luminas Bewacher. Hör bitte auf, in mir einen Sohnersatz zu sehen, dem du ständige brüderliche Pflichten aufbrummen kannst. Lumina ist erwachsen, sie kann hervorragend auf sich selbst aufpassen... und um dich zu beruhigen: Ich war gestern die ganze Zeit in ihrer Nähe. Ich habe rein gar nichts versäumt.“

Die souveräne Art, mit der er dem Patriarch die Grenzen aufzeigte, ließ selbst Lord Erics Kiefer mürrisch zucken.

In diesem Moment lehnte sich seine Schwester Madison mit einem typischen, geschwisterlichen Grinsen vor. Sie musterte ihren Bruder aus hellen Augen.

„Ach, komm schon, Elias“, warf Madison mit süffisanter Heiterkeit ein. „Tu nicht so erwachsen. Wahrscheinlich warst du gestern nur zu beschäftigt damit, dich zu betrinken und mit irgendwem aus meinem Jahrgang in die Kiste zu hüpfen, weil du nach fast zwei Jahren immer noch nicht über Namis Korb hinweggekommen bist. Mir sind da ein paar Dinge... zu Ohren gekommen.“

Elias blinzelte kurz, verzog aber keine Miene. Er war viel zu gefasst, um sich von seiner Schwester aus der Ruhe bringen zu lassen. Er warf ihr einen trockenen, fast langweiligen Blick zu.

„Das stimmt schlicht und einfach nicht, Maddie“, konterte er in aller Seelenruhe, während er sein Glas erhob und einen ruhigen Schluck Wasser trank. „Hör auf, auf Kosten deines Bruders Geschichten zu erfinden, nur weil dir das Dinner zu öde ist.“

Elias schmunzelte nur leicht, während er sein Glas mit einer so ruhigen, fast aristokratischen Selbstverständlichkeit absetzte, als ginge es hier um das Wetter und nicht um seinen eigenen Ruf.

„Aber... gut, ich gebe zu, ich habe gestern ein wenig zu tief ins Glas geschaut“, entgegnete Elias mit jener sanften, unerschütterlichen Gelassenheit, die ihn so souverän wirken ließ.

„Was zugegebenermaßen ziemlich selten vorkommt. Aber mir war schlicht und einfach langweilig.“

Er warf seiner Schwester Madison einen kurzen, trockenen Blick zu, in dem pure, geschwisterliche Vertrautheit lag.

„Und was dieses reizende Gerücht betrifft, ich sei mit jemandem im Bett gelandet... ich wette Haus und Hof, dass das direkt auf Claire Hollis zurückgeht“, fuhr er fort, während ein amüsiertes Glitzern in seinen Augen aufblitzte. „Sie hat wohl wirklich einen exzellenten Sinn für Humor und setzt vermutlich solche Geschichten in die Welt, weil sie sich insgeheim wünscht, dass ich mich endlich mal ihr zuwende.“

Ein leises, vielsagendes Raunen ging durch die Runde der Verwandten, während Elias sich unbeeindruckt zurücklehnte.

„Die langweilige Wahrheit ist jedoch“, beendete er das Thema mit einem charmanten, unerschütterlichen Lächeln, „ich bin gestern Nacht schlicht und einfach sehr spät nach Hause gegangen. Völlig allein.“

Ein kurzes, schweres Schweigen lag noch in der Luft des prunkvollen Speisesaals, als sich plötzlich eine tiefe, raue Stimme in die Stille einmischte.

Tala, der bisher schweigend dabeigesessen und die familiäre Dynamik mit einer Mischung aus kühler Belustigung und scharfer Aufmerksamkeit beobachtet hatte, lehnte sich langsam nach vorne. Die harten Linien seines Kiefers entspannten sich für einen winzigen Augenblick, während seine eisblauen Augen den jungen Mann direkt fixierten.

„Du und Nami also?“, warf Tala mit einem unverkennbar amüsierten, fast herausfordernden Unterton ein, der so unerwartet kam, dass selbst Lord Eric am Kopfende des Tisches kurz die Stirn in tiefe Falten legte.

Elias wandte den Kopf. Ein schmales, ehrliches Schmunzeln huschte über seine ansonsten so gefassten Züge.

„Ich gebe zu, ich habe Nami lange Zeit geliebt“, erwiderte Elias völlig ungeniert, und seine Stimme besaß jene klare, unerschütterliche Ehrlichkeit, die ihn so unverkennbar machte. „Das ist hier in der Familie ohnehin längst kein Geheimnis mehr.“

Er nahm sein Glas, drehte es gedanklich zwischen den Fingern, während das flackernde Kerzenlicht sich in der Oberfläche des Wassers brach.

„Aber ich bin darüber längst hinweg“, fuhr er fort, und in seinem Tonfall schwang nicht die Spur von Bitterkeit mit. „Und das liegt nicht nur daran, dass Nami glücklich mit Kai verheiratet ist und mit ihm ein Kind hat... sondern vor allem deshalb, weil sie mir damals ganz unmissverständlich und ohne Umschweife klergemacht hat, dass sie in mir nie mehr als eine Art Bruder gesehen hat.“

Ein feines, fast humorvolles Blitzen lag in Elias’ Augen, als er den Kopf leicht schüttelte.

„Wer einmal so glasklar in die Schranken gewiesen wird, lernt verdammt schnell, das Kapitel abzuhaken.“

Ein paar Plätze weiter lehnte sich Lumina entspannt in ihrem Stuhl zurück. Der tiefe, schwarze Samt ihres Kleides schmiegte sich an ihre elegante Haltung, während ein amüsiertes, fast diebisches Lächeln ihre Lippen umspielte.

Sie warf Tala einen kurzen, bedeutungsschwangeren Seitenblick zu, der genau verriet, was sie von Elias’ souveräner Ehrlichkeit hielt.

Tala selbst quittierte die Worte mit einem schmalen, respektvollen Nicken. Er schätzte Männer, die zu ihren Niederlagen stehen konnten, ohne daran zu zerbrechen... und die Art, mit der Elias diesen peinlichen Vorstoß seiner Schwester einfach ins Leere laufen ließ, zeigte einmal mehr, dass dieser Cousin keineswegs so leicht aus der Fassung zu bringen war, wie Lord Eric es sich vielleicht gewünscht hätte.

Mit dem Fortschreiten des Abends und dem Servieren der letzten Gänge schien sich die bleierne, konfrontative Spannung an der langen Mahlzeittafel langsam zu legen. Die anfängliche Härte in Lord Erics Blick wich einer kühlen, eisigen Distanz, während die Unterhaltungen um sie herum in einem gemessenen, höflichen Tonfall weitergeführt wurden. Es war, als hätte die Familie schliesslich eingesehen, dass sie mit frontalem Druck bei diesem ungebetenen Gast aus Russland und der selbstbewussten Erbin an seiner Seite schlicht und einfach keinen Erfolg haben würde.

Als schließlich der letzte Gang... eine feine, herbstliche Panna Cotta mit einem Hauch von Waldbeeren auf edlem Porzellan... aufgetragen wurde, lehnte sich Elias ein Stück nach vorne. Die leichte Schatten unter seinen Augen waren zwar geblieben, doch seine Haltung war vollkommen entspannt, fast beiläufig, während sein Blick zwischen Lumina und Tala hin und her wanderte.

Ein amüsantes, wissendes Blitzen lag in seinem Blick, als er das Glas mit frischem Wasser leicht ankippte.

„Sagt mal...“, hob Elias mit ruhiger, angenehmer Stimme an, die mühelos den Abstand zwischen den Plätzen überbrückte,

„Wollt ihr beiden euch nachher eigentlich wieder in das Chaos stürzen und euch auf das Festival in der Stadt begeben?“

Lumina, die gerade ihren Löffel beiseitegelegt hatte, lehnte sich in ihrem tiefschwarzen Samtkleid zurück. Ihre magentafarbenen Augen funkelten voller Vorfreude und diebischer Begeisterung, als sie ein breites, strahlendes Lächeln zeigte.

„Vollkommen richtig, Elias“, bestätigte sie mit ihrer rauchigen, melodischen Stimme und warf einen bedeutungsschwangeren Seitenblick zu Tala. „Das Festival geht schließlich drei Tage, und wir haben noch längst nicht alles gesehen. Vor allem nicht die verlockenden Angebote ab zwanzig Uhr.“

Elias schmunzelte charmant, während er kurz den Kopf neigte.

„Wäre es für euch in Ordnung, wenn ich mich anschließe?“, fragte er mit einer so entwaffnenden Selbstverständlichkeit, dass selbst einige der umgebenden Verwandten kurz innehielten. „Um ehrlich zu sein, könnte ich ein bisschen Ablenkung vertragen. Und ich bezweifle stark, dass es hier im Westflügel heute Abend noch sonderlich unterhaltsam wird... oder bei mir Zuhause.“

Tala, der das Gespräch mit verschränkten Armen und einem harten, aber unaufgeregten Gesichtsausdruck verfolgt hatte, musterte den jungen Cousin aus eisblauen Augen. Er schätzte direkte, klare Züge... und dass Elias sich freiwillig ihnen anschloss, um dem stickigen Familienklima zu entkommen, zeugte von echtem Pragmatismus.

Ein kurzes, tiefes Schmunzeln zuckte um Talas Mundwinkel, während er den Blick nicht von ihm wandte.

„Von mir aus“, brummte Tala mit seiner tiefen, rauen Stimme völlig trocken und frei von jedem Zögern. „Solange du uns nicht im Weg stehst.“

Elias lachte leise auf, sichtlich amüsiert über die direkte Art des Russen, und hob sein Glas zum kurzen, stummen Einverständnis. Lumina strahlte triumphierend... der steife Empfang im Anwesen war damit offiziell abgehakt, und der eigentliche Teil des Abends konnte beginnen.