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Revierabsteckung

Der Gezähmte Phönix — www.fanfiktion.de · All chapters

Revierabsteckung

Etwa eine Stunde später hatte sich das schwere, erdrückende Gefüge des Speisesaals endgültig in den gewohnten, kühlen Rhythmus des Anwesens aufgelöst. Die Vorbereitungen für den Aufbruch waren unaufgeregt und doch voller elektrischer Vorfreude getroffen worden.

Im weitläufigen Eingangsbereich von Davies Manor trafen die drei schließlich aufeinander, bereit, das steife Gewand der Etikette hinter sich zu lassen. Lumina hatte sich für den Abend noch einmal umgezogen. Sie trug ein kurzes, raffiniertes Partykleid, das sich perfekt an ihre Silhouette schmiegte, geschützt vor der kühlen Nachtluft durch dicke, blickdichte Strumpfhosen. Darüber hatte sie eine voluminöse Daunenjacke geworfen, während robuste, kniehohe Stiefel ihre Beine umrahmten und ihr das nötige Fundament gaben, um die Spuren des Nachmittags endgültig abzuschütteln. Ihr silbrig-weißes Haar fiel glatt und schwer über den Kragen ihrer Jacke.

Tala hatte es sich erspart, sich komplett umzuziehen. Er hatte seine dunkle Hose und das schlichte Hemd vom Dinner beibehalten, das nun an den obersten Knöpfen offen stand, und trug nun seinen langen, schweren schwarzen Mantel darüber, der seine massiven Schultern und die ungezähmte Präsenz perfekt unterstrich.

Elias, der sich ihnen wie vereinbart angeschlossen hatte, strahlte eine gewohnt makellose, fast mühelose Eleganz aus. Er trug einen engen, schwarzen Rollkragenpullover, der seine athletische Figur optimal betonte, dazu edle graue Hosen und einen langen, hellgrauen Mantel, der locker um seine weiten Schultern fiel. Von den dunklen Schatten unter seinen Augen schien er sich äußerlich vollkommen befreit zu haben; stattdessen lag ein befreites, fast gespanntes Lächeln auf seinen Zügen.

Als die drei den großen Korridor passierten, der zum Hauptportal führte, kreuzte sich ihr Weg für einen kurzen Moment mit dem einer Bediensteten. Das junge Zimmermädchen war gerade auf dem Weg in die hinteren Trakte und trug routiniert einen Teppichklopfer in der Hand. Doch als sie den Blick hob und direkt auf Tala und Lumina traf, stockte ihr der Atem. Die schwere, fast greifbare Aura, die das Paar umgab... gepaart mit dem Wissen um die Ereignisse des heutigen Tages... , ließ ihr Gesicht im Bruchteil einer Sekunde in purpurroter Glut erstrahlen.

Mit weit aufgerissenen Augen presste sie sich so flach wie möglich an die holzgetänelte Wand, um dem Trio Platz zu machen, senkte schlagartig den Kopf und stammelte ein kaum verständliches:

„G… guten Abend, Herrschaften“, bevor sie mit fliegenden Schritten und hochroten Wangen eilig an ihnen vorbei an den Bediensteten-Trakt davon rauschte.

Lumina stieß ein leises, amüsiertes Lachen aus, das in der kühlen Halle von den hohen Wänden widerhallte, während Tala nur ein kurzes, dunkles Schnauben von sich gab.

Elias schmunzelte charmant und hielt den schweren Haupteingang für sie auf, als die massiven Flügeltüren nach draußen in die kühle, dunkle Londoner Nacht aufschwangen. Die frische Luft schlug ihnen entgegen, getragen von dem fernen, verlockenden Lärm des Stadtfestivals, das jenseits der eisernen Tore auf sie wartete.

Die frische, kühle Nachtluft schlug ihnen entgegen, als sie die Stufen von Davies Manor hinabstiegen. Das knirschende Geräusch von Kies unter ihren Stiefeln vermischte sich mit dem fernen, dumpfen Rauschen der Stadt.

Elias verlangsamte seinen Schritt ein wenig, schob die Hände tief in die Taschen seines hellgrauen Mantels und neigte sich leicht zu Lumina hinüber.

„Ich muss ja gestehen...“, raunte er ihr mit gedämpfter, amüsierter Stimme leise zu, während seine Augen kurz zu dem hochgewachsenen Russen vor ihnen wanderten.

Elias wusste genau, welche unerschütterliche Härte dazu gehörte, sich als absoluter Außenseiter in eine Schlangengrube wie Davies Manor zu begeben... erst recht für einen Mann wie Tala, dessen erster Reflex bei gesellschaftlicher Heuchelei normalerweise das Zerschlagen von Porzellan war...

„...ich war wirklich extrem überrascht, dass Tala sich tatsächlich auf dieses Dinner eingelassen hat, ohne davor schlagartig die Flucht zu ergreifen.“

Ein feines, ungläubiges Schmunzeln glitt über Elias’ Züge, als er den Kopf leicht neigte.

„Wie um alles in der Welt hast du ihn überhaupt dazu gebracht, nach Davies Manor mitzukommen? Ich hätte jeden Eid darauf geschworen, dass er augenblicklich einen Rückzieher macht, sobald es darum geht... irgendwelche Familienmitglieder kennenzulernen.“

Lumina kicherte kurz leise vor sich hin, ein warmes, perlendes Geräusch, das in der Dunkelheit verhallte. Sie zog den Kragen ihrer Daunenjacke etwas enger um den Hals und sah Elias aus dem Augenwinkel mit einem hochgradig diebischen Funkeln an.

Sie wusste nur zu gut, dass Tala diesen Schritt einzig und allein für sie getan hatte... weil seine Loyalität zu ihr mitlerweile stärker war als jeder stolze Abwehrreflex gegen ihre Familie...

„Glaub mir, ich war von Anfang an darauf gefasst, dass er wütend abhaut und sich irgendwo in London versteckt“, flüsterte sie ihm schmunzelnd zurück. „Aber... er ist überraschenderweise vollkommen ohne Murren mitgekommen.“

Noch ehe Elias antworten oder nachfragen konnte, verstummte das Getuschel schlagartig.

Tala, der ein paar Schritte vor ihnen marschiert war, hielt unvermittelt an. Er drehte sich nicht einmal vollständig um, doch die massiven Konturen seiner Schultern unter dem langen schwarzen Mantel strahlten augenblicklich eine gefährliche, lauernde Präsenz aus. Seine eisblauen Augen schnitten durch die Dämmerung wie zwei frisch geschliffene Klingen.

„Was gibt es da hinten eigentlich permanent zu tuscheln?“, unterbrach Tala die beiden mit einem tiefen, rauen Zischen, das keinen Zweifel daran ließ, dass seine feinen Sinne nicht die geringste Regung entgehen ließen.

Die kalte Nachtluft schien um ihn herum zu gefrieren, als er den Kopf langsam zu ihnen herumdrehte. Seine eisblauen Augen bohrten sich wie zwei eiskalte Klingen in Elias’ Richtung, während die harten Linien seines Kiefers unheilvoll zuckten.

Elias ließ sich von diesem mörderischen Blick jedoch gewohnt nicht im Geringsten einschüchtern. Im Gegenteil... anstatt zusammenzucken oder den Blick zu senken, schmunzelte er nur noch breiter. Mit einer vollkommenen, fast unverschämten Gelassenheit vergrub er die Hände tiefer in den Taschen seines hellgrauen Mantels und trat einen Schritt vor.

„Ach, mach dir keine Sorgen.“, entgegnete Elias mit einer ruhigen, melodischen Stimme, in der purer Hohn mitschwang. „Ich war nur gerade dabei, meiner Cousine zu gestehen, wie überrascht ich bin, dich einmal so... beherrscht zu erleben.“

Er machte eine kurze, theatralische Pause, während sein Blick an dem großen Russen entlangwanderte, und legte den Kopf leicht schief.

„Sonst kennt man dich ja schließlich meistens nur wütend und... sagen wir, dezent überfordert. Aber ich muss dir lassen: Abgesehen von deiner gewohnt scharfen Zunge hast du beim Dinner vorhin fast schon nahbar und beinahe vorzeigbar gewirkt.“

Lumina, die neben ihnen stand, presste prompt eine Hand auf den Mund, um ein helles, schallendes Lachen zu ersticken. Ihre magentafarbenen Augen funkelten vor purem Vergnügen, und sie warf Elias einen Blick zu, der unmissverständlich verriet, wie sehr sie diesen kleinen, perfekten Nadelstich genoss.

Tala stand wie vom Blitz getroffen da.

Die pure Unverfrorenheit dieses jungen Aristokraten, der es wagte, ihn... den unberechenbaren, brandgefährlichen Blader... süffisant als vorzeigbar zu betiteln, ließ die Luft zwischen ihnen vibrieren. Für einen Herzschlag drohte die Situation zu kippen; das dunkle, gefährliche Feuer in Talas Pupillen loderte so heftig auf, dass man hätte meinen können, er würde Elias im nächsten Moment an die Gurgel springen.

Ein tiefes, bedrohliches Knurren drang aus Talas Brust, während seine Hände zu Fäusten ballten.

„Noch so ein Wort, Aristokrat“, knurrte Tala mit einer Stimme, die so dunkel und eisig klang wie das Innere eines Gletschers, „und du wirst heute Abend nicht das Festival besuchen, sondern deine Zähne vom Pflaster kratzen.“

Elias zuckte bei der Morddrohung nicht einmal mit der Wimper. Anstatt zusammenzucken oder den Blick zu senken, breitete sich ein erneutes, fast brüderliches Schmunzeln auf seinen Zügen aus, während er die Hände weiterhin lässig in den Taschen seines hellgrauen Mantels vergraben ließ.

„Uuund da haben wir ihn wieder“, sagte Elias mit einer so vollkommenen, unerschütterlichen Entspanntheit, als hätte Tala ihm gerade ein Kompliment gemacht statt einer handfesten Gewaltandrohung.

„Genauso hatte ich dich noch aus Tokio in Erinnerung. Also... immer noch kein ‚Danke, Elias, dass du mir geholfen hast, Lumina zu überraschen‘... hm?“

Lumina prustete los. Ein helles, glockenhelles Lachen durchschnitt die kühle Nachtluft, während ihre magentafarbenen Augen voller diebischer Freude zwischen den beiden hin und her wanderten. Sie trat einen Schritt vor, legte den Kopf schief und musterte ihren Cousin mit funkelndem Blick.

„Weißt du was, Elias?“, kicherte sie und schüttelte amüsiert den Kopf, während sie sich kurz an Talas massiven Arm anlehnte.

„Ich habe mir gestern Abend im Pub schon gedacht, dass du deine Hände bei dieser kleinen Aktion im Spiel hattest. Du konntest es einfach nicht lassen, uns den Weg zu bereiten, oder?“

Tala starrte die beiden aus verengten, eiskalten Pupillen an. Die harten Linien seines Kiefers zuckten unheilvoll, während ein tiefes, ungeduldiges Schnauben aus seiner Brust drang. Er dachte gar nicht daran, sich auch nur einen Hauch von Dankbarkeit abringen zu lassen; der Gedanke, diesem aalglatten Aristokraten auch nur ein Zollnachgeben zu schenken, widerstrebte jeder Faser seines Stolzes.

„Ich habe dir gestern schon gesagt, dass ich dir einen Scheiß schulde, Aristokrat“, knurrte Tala mit seiner tiefen, rauen Stimme, die wie trockenes Eis durch die Dunkelheit schnitt.

Er machte einen bedächtigen Schritt auf Elias zu, sodass die massive, erdrückende Präsenz seines langen schwarzen Mantels den leicht älteren Mann fast einzuhüllen schien.

„Und ich bleibe verdammt noch mal dabei.“

Ein kaltes, fast schon Raubtierhaftes Grinsen zog sich über Talas Mundwinkel, während die eisblauen Augen in einer gefährlichen Intensität aufleuchteten. Er ließ sich von Elias’ entspannter Haltung keineswegs aus dem Konzept bringen, sondern nutzte den Punkt, um eiskalt nachzulegen.

„Weiß Kai eigentlich Bescheid... darüber, dass du es damals auf seine Frau abgesehen hattest?“

Elias zuckte nicht einmal mit der Wimper.

„Natürlich weiß Kai darüber Bescheid“, antwortete Elias mit einer beneidenswerten, fast lässigen Selbstverständlichkeit. „Er weiß alles darüber... auch über meine Einstellung dazu. Und wenn du es genau wissen willst: Er respektiert mich sogar dafür, weil ich offen dazu stehe.“

Er machte eine kleine, bedeutsame Pause, während ein amüsiertes Funkeln in seinen Augen aufblitzte, das direkt zu Tala hinüberwanderte.

„Aber das...“, fuhr Elias fort, während seine Stimme einen süffisanten, fast lehrhaften Unterton annahm, „...hättest du eigentlich ganz genau wissen müssen. Wärst du an Weihnachten damals im Ayame-Anwesen mit dabei gewesen, anstatt Lumina mitten im Trubel per Nachricht aus dem Haus zu zitieren, nur damit du dich leidenschaftlich an ihr abarbeiten konntest, um deine eigene schiere Überforderung in den Griff zu bekommen.“

Die Worte trafen die Szene mit der Wucht eines Präzisionsgewehrs.

Lumina, warf den Kopf in den Nacken und sah Elias mit einer Mischung aus purem Triumph und schallendem Amüsement an.

Tala hingegen erstarrte.

Für einen winzigen Herzschlag schien die Zeit um sie herum komplett stillzustehen. Die harten Linien seines Kiefers zuckten heftig, und in seinen eisblauen Augen flackerte ein so ungläubiges, dunkles Feuer auf, dass man hätte meinen können, er wüsste im ersten Moment nicht, ob er lachen oder Elias auf der Stelle die Luft abdrücken sollte. Dass dieser verdammt coole Aristokrat ihn so eiskalt bei seiner eigenen, längst vergangenen Taktik ertappte, schmeckte dem Russen absolut gar nicht... und machte das Ganze gleichzeitig so unverschämt treffend, dass er keinen einzigen Ton herausbrachte.

Ein schweres, fast unhörbares Ausatmen glitt über Talas Lippen. Die angespannte, elektrische Härte in seinen Zügen brach für einen Moment auf, als ein langsames, fast anerkennendes Schmunzeln über seine harten Mundwinkel huschte.

„Touché...“, knurrte er dunkel und tief, während er den Kopf leicht schüttelte.

Es schien ihm sichtlich Mühe zu kosten, diese Worte über die Lippen zu bringen, doch in seiner rauen Stimme lag eine unumstößliche, rohe Ehrlichkeit.

„Du hast dir meinen Respekt verdient, Aristokrat... auch wenn du verdammt noch mal nicht darauf hoffen brauchst, dass jetzt ein ‚Danke‘ über meine Lippen kommt.“

Elias lachte leise auf, sichtlich amüsiert und vollkommen zufrieden mit diesem kleinen intellektuellen Sieg, während er die Hände lässig in den Taschen seines hellgrauen Mantels vergraben ließ.

Tala wandte sich mit einer abrupten, fließenden Bewegung wieder ab, schob die Hände ebenfalls in die Taschen seines schweren Mantels und musterte die dunkle, weitläufige Zufahrt des Anwesens.

„Na schön“, brummte er rau, während ein finsteres, aber amüsiertes Blitzen in seinen eisblauen Augen lag. „Wollen wir uns jetzt ein Taxi rufen oder was haben wir vor?“

In diesem exakten Moment schnitt das gedämpfte, edle Motorengeräusch einer Oberklasse-Limousine die kühle Nachtluft. Aus der geschwungenen Kurve der gepflegten Auffahrt glitt ein makellos polierter, schwarzer Wagen heran, gelenkt mit jener absoluten, stoischen Präzision, die nur ein einziges Gesicht im gesamten Anwesen an den Tag legen konnte.

Der Wagen bremste sanft direkt vor dem Trio ab, und das leise Surren begleitete den Moment, als der Wagen zum Stehen kam.

Lumina stieß ein helles, vergnügtes Lachen aus, während sie sich an Talas massiven Arm lehnte und mit einem diebischen Funkeln in den magentafarbenen Augen zu dem Fahrzeug blickte.

„Kein Taxi nötig, Rotschopf“, hauchte sie mit rauchiger, amüsierter Stimme, während sie mit dem Kopf in Richtung des Autos nickte. „Brimsley war so frei, uns den Weg zu bereiten... er wird uns alle drei direkt nach Soho kutschieren.“

Der edle, in tiefes Schwarz gehüllte Innenraum der Limousine schloss sich mit einem satten, fast lautlosen Klicken hinter ihnen. Brimsley glitt ungerührt auf den Fahrersitz nachdem er die Türen für alle Insassen geöffnet hatte, und im nächsten Moment setzte sich der schwere Wagen mit sanfter, fast gleitender Präzision in Bewegung. Die weichen Ledersitze schluckten jede Erschütterung, während draußen die funkelnden Lichter des abendlichen London an den Scheiben vorbeizogen.

Elias lehnte sich im Fond zurück, verschränkte die Arme vor seiner athletischen Brust und blickte kurz aus dem Fenster, wo der helle Kragen seines Mantels an seinem dunklen Rollkragenpullover rieb.

Tala saß direkt neben ihm, die massiven Schultern entspannt, aber die eisblauen Augen wie gebannt auf den jungen Mann gerichtet. Er musterte Elias mit einer scharfen, unnachgiebigen Intensität, die jede Regung auf dessen Zügen sezierte.

„Aus Langeweile also hast du gestern zu tief ins Glas geschaut?“, fragte Tala mit seiner tiefen, rauen Stimme, in der ein skeptischer, fast lauernder Unterton mitschwang, der keinen Raum für Ausflüchte ließ. „Ein Mann, der sich von seiner eigenen Schwester auf dem Familiendinner auf die Schliche locken lässt, trinkt nicht einfach nur aus Langeweile. Da steckt mehr dahinter.“

Elias atmete langsam aus. Die makellose, fast unerschütterliche Souveränität, die er eben noch zur Schau gestellt hatte, bröckelte für einen winzigen Augenblick. Ein Schatten zog über seine Züge, und er wandte den Blick von der Scheibe ab, um Lumina direkt in die Augen zu sehen.

„Schon gut“, gab Elias schließlich mit gedämpfter, fast widerstrebender Stimme zu. „Die Wahrheit ist... ich habe Fiona gesehen. Zusammen... mit Jemandem.“

Lumina, die sich gerade bequem in den Ledersitzen eingerichtet und die Daunenjacke ein Stück geöffnet hatte, fuhr abrupt herum. Ihre magentafarbenen Augen weiteten sich vor blankem Unglauben, und sie blinzelte überrascht.

„Fiona?“, wiederholte Lumina mit ihrer rauchigen, ungläubigen Stimme und lehnte sich vor. „Warte mal... du hast dich vor über einem halben Jahr von ihr getrennt, Elias. Und wenn ich mich recht entsinne, warst du derjenige, der den Schlussstrich gezogen hat, weil sie dich mit ihrer Eifersucht in den Wahnsinn getrieben hat. Sie hat doch wochenlang versucht, dich auf allen Kanälen zurückzubekommen!“

Sie musterte ihren Cousin aus verengten Augen, während ein irritierter Zug um ihre Mundwinkel spielte.

„Du hast sie eiskalt abblitzen lassen. Warum in aller Welt sollte es dich also ausgerechnet gestern so aus dem Gleichgewicht bringen, sie mit einem Anderen zu sehen?“

Der sanfte, gleichmäßige Sog der Oberklasse-Limousine schien die Geräusche der Außenwelt vollkommen auszusperren, während die bunten Lichter des abendlichen Londons wie verschwommene Streifen über die getönten Scheiben glitten.

Elias verschob sein Gewicht auf den weichen Ledersitzen, und die maskenhafte Souveränität, die er bisher so perfekt aufrechterhalten hatte, schien für einen Moment in sich zusammenzufallen. Ein schwerer, fast schmerzhafter Schatten legte sich über seine Züge, als er den Blick von der Scheibe abwandte und geradeaus in die Dunkelheit starrte.

„Ich habe sie geliebt, trotz allem“, begann Elias mit einer gedämpften, fast tonlosen Stimme, in der eine ungefilterte Ehrlichkeit lag. „Aber sie war innerlich so unendlich kaputt, dass ich es nach einem Jahr Beziehung einfach nicht mehr ausgehalten habe. Sie hatte so viele Baustellen... und ich meine damit nicht nur ihre krankhafte Eifersucht, die damals absolut komplett unbegründet war.“

Er atmete tief aus, während seine Hände sich leicht in den Stoff seiner grauen Hosen krallten.

„Ich will kein Drama. Ich suche jemanden Beständigen. Jemand, der mich ergänzt und mir vertraut... Jemanden für die Zukunft.“

Elias hielt inne. Seine Kiefermuskeln traten hart hervor, und ein Ausdruck von tiefem, ungelöstem Groll legte sich auf sein Gesicht. Er schluckte schwer, ehe er weitersprach.

„Außerdem... bevor ich überhaupt den Schlussstrich gezogen hatte, hatte ich Fiona in einem Club dabei beobachtet, wie sie mit einem anderen Typen tanzte.“

Lumina blinzelte überrascht. Sie fuhr leicht zusammen, während ihre magentafarbenen Augen argwöhnisch größer wurden.

„Vielleicht war es ja nur ein Verwandter oder irgendwer, den sie flüchtig kannte?“, warf Lumina rasch ein, als wollte sie den Gedanken sofort entkräften.

Elias stieß ein kurzes, trockenes, völlig humorloses Lachen aus.

„Ein Familienmitglied ganz sicher nicht“, entgegnete er mit kalter Bestimmtheit. „Sie hat diesen Typen geküsst... und es später, als ich sie darauf zur Rede stellte, sogar eiskalt zugegeben.“

Die Stille, die sich daraufhin im Fond der Limousine ausbreitete, war mit Händen zu greifen. Das dumpfe Summen des Motors schien in den Hintergrund zu treten.

Lumina starrte ihren Cousin an. Die Farbe wich für einen Herzschlag aus ihrem Gesicht, während ihr die provokante, lockere Art augenblicklich aus dem Blick wich. Sie hatte gedacht, sie wüsste alles über die Trennung... aber das hatte er ihr verschwiegen. Mit fast tonloser, fassungsloser Stimme flüsterte sie:

„Das... das hattest du mir gar nicht erzählt...“

Tala, der die Szene schweigend und mit verschränkten Armen beobachtet hatte, lehnte den Kopf leicht nach hinten gegen die Lederkopfstütze. Seine eisblauen Augen glitten von Luminas fassungslosem Gesicht zu Elias hinüber, ehe er die Lippen zu einer harten, kompromisslosen Linie verzog.

„Ich dachte eigentlich, wir wollen uns heute Abend die Nacht um die Ohren schlagen und verdammt noch mal Leben in die Bude bringen“, schaltete sich Tala mit seiner tiefen, rauen Stimme ein, die die bedrückende Stille im Fond rücksichtslos durchschnitt.

Er musterte die beiden mit einem kühlen, beinahe ungeduldigen Unterton, auch wenn in seinen Pupillen kein echter Zorn, sondern vielmehr die rohe Unverfälschtheit lag, die ihn ausmachte.

„Aber wenn das hier spontan zu einer Selbsthilfegruppe für gebrochene Herzen mutieren soll, könnt ihr Bescheid sagen. Dann lasse ich Brimsley an der nächsten Ecke anhalten, setze mich ab und ziehe allein durch die Stadt.“

Elias blinzelte überrascht, ehe die Schwere in seinem Gesicht im Bruchteil einer Sekunde aufbrach. Ein echtes, ehrliches Lachen drang aus seiner Kehle... ein helles, befreiendes Geräusch, das die erdrückende Atmosphäre im Innenraum der Limousine mit einem Schlag auflöste. Er hob beschwichtigend eine Hand und schüttelte den Kopf.

„Tut mir leid“, entgegnete Elias schmunzelnd und rieb sich kurz über den Nacken, während seine Souveränität augenblicklich zurückkehrte. „Ich wollte die Stimmung ganz sicher nicht beerdigen. Ich gebe zu... ihr Anblick gestern hat mich einfach für einen kurzen Moment ins Wanken gebracht. Und das Absurde daran ist: Sie hat mich nicht einmal bemerkt.“

Er winkte mit einer leichten, souveränen Handbewegung ab, strich den Revers seines hellgrauen Mantels glatt und sah erst Lumina, dann Tala mit einem ausdrucksstarken, vorfreudigen Blitzen in den Augen an.

„Aber Schwamm drüber“, verkündete Elias vollkommen gefasst, während ein breites, charmantes Lächeln auf seine Züge trat.

„Tala hat absolut recht. Wir haben schließlich einen Auftrag: Es geht jetzt ins Nightlife. Und ich habe definitiv nicht vor, mir den Abend verderben zu lassen.“

Die Limousine glitt mit sanfter, fast schwebender Präzision durch die Straßen, während draußen die bunten, grellen Neonlichter des pulsierenden Nachtlebens von Soho an den getönten Scheiben vorüberzogen.

„Eins verstehe ich jedoch... ehrlich gesagt nicht“, knurrte Tala mit seiner tiefen, rauen Stimme, während er den jüngeren Mann musterte. „Wieso hat Nami dich damals eigentlich abgewiesen? Du wirkst wie das wandelnde Lehrbuch für den perfekten Schwiegersohn... und erst gestern Abend konnte man kaum hinsehen, ohne dass dir an der Bar reihenweise junge Mädchen an den Kleidern geklebt haben.“

Elias blinzelte kurz, überrascht von dieser direkten Frage, ehe ein amüsiertes, fast wehmütiges Schmunzeln über seine Züge huschte. Er lehnte sich ein Stück zurück und musterte den Russen.

„Hat Kai dir das etwa nicht erzählt?“, fragte Elias mit einem leichten, rhetorischen Unterton, während er den Kopf schieflegte.

Talas eisblauen Augen verengten sich schlagartig zu scharfen Schlitzen. Die harten Linien seines Kiefers zuckten, und seine Brauen zogen sich in einer harten, fordernden Linie zusammen.

„Was hätte er mir denn erzählen sollen?“, zischte Tala gefährlich leise, und in seinem Blick lag jene ungeduldige Intensität, die keinen Raum für Spielchen ließ.

Elias atmete tief aus, während sein Blick kurz ins Leere schweifte, als würde er in Erinnerungen an eine längst vergangene Jugend graben.

„Nami war schon seit ihrem zehnten Lebensjahr völlig von Kai fasziniert“, erklärte Elias mit einer ruhigen, fast resignierten Ehrlichkeit. „Und diese Fixierung hat dazu geführt, dass sie unbewusst jeden anderen Annäherungsversuch komplett abgeblockt hat. Nicht etwa, weil sie damals den festen Plan hatte, sich den Typen irgendwann tatsächlich zu angeln... sondern schlicht und einfach, weil sie innerlich für andere Annäherungen absolut nicht empfänglich war. Für sie gab es da einfach keinen Platz.“

Er lehnte den Kopf an die Lederkopfstütze und stieß ein leises, bedächtiges Seufzen aus.

„Ich kenne Nami schon sehr lange, und natürlich habe ich damals gehofft, dass sie meine Gefühle irgendwann erwidert... aber im Nachhinein verstehe ich auch vollkommen, wieso sie in mir nie etwas anderes als eine Art Bruder gesehen hat. Selbst wenn uns kein einziger Tropfen Blut verbindet.“

Ein unerwarteter, schwerer Gedanke durchquerte Talas Bewusstsein, während er Elias musterte. Für einen kurzen Moment glitten seine Gedanken zurück in jene Tage, in denen ihm diese unerbittliche, blinde Fixierung zwischen Kai und Nami noch komplett fremd und absolut unverständlich gewesen war.

Er erinnerte sich an die bitteren, verletzenden Worte, die er damals im Zorn über Nami ausgesprochen hatte, nachdem er die Wahrheit über ihre heilende Aura erfahren hatte... jene seltene, beruhigende Kraft, die imstande war, Kais unbändige innere Dunkelheit zu besänftigen.

Damals hatte er es abgelehnt, diesen unsichtbaren Pakt zu begreifen. Doch heute wusste er es besser. Wenn er bedachte, dass Kai und Nami inzwischen seit einigen Monaten verheiratet und vor wenigen Tagen erst Eltern eines kleinen Sohnes geworden waren, hatte sich sein Blick auf diese Verbindung grundlegend gewandelt.

Er respektierte sie aus tiefster Seele. Er begriff nun, dass Nami die absolut Einzige auf dieser Welt gewesen war, die die Kraft besessen hatte, Kai aus der eisigen Kälte seines Herzens zu ziehen und ihm endlich ein echtes Zuhause zu geben.

„Kein Wunder, dass du auf Granit gebissen hast, Aristokrat“, knurrte Tala mit seiner tiefen, dunklen Stimme, in der ein Hauch von finsterer Anerkennung lag.

„Wer sein halbes Leben lang auf einen Sturkopf wie Kai fixiert ist, lässt sich von ein bisschen charmantem Plüsch und perfekten Manieren nicht den Kopf verdrehen. Da bleibt für andere schlicht kein Sauerstoff mehr übrig.“

Elias schmunzelte über diese direkte, treffende Analyse, während die Limousine sanft weiterglitt.

„Da ist wohl was dran..."

Die Limousine verlangsamte sanft ihre Fahrt, als sie tiefer in das pulsierende, von grellen Neonreklamen getauchte Herz von Soho vordrangen. Bunte Lichter in tiefem Karminrot, grellem Blau und glühendem Gold warfen flüchtige, schattenhafte Muster durch die getönten Scheiben und strichen über die dunklen Ledersitze, während draußen das dichte, lärmende Treiben des Nachtlebens begann.

Elias musterte den Mann an seiner Seite für einen Moment aus halbgeschlossenen Augen. Ein amüsiertes, fast ungläubiges Schmunzeln zuckte um seine Mundwinkel. Er lehnte sich langsam zurück, verschränkte die Arme vor seiner athletischen Brust und legte den Kopf schief.

„Du bist wirklich ungewohnt gesprächig und neugierig...“, bemerkte Elias mit einer ruhigen, charmanten Tonlage, in der ein unverkennbarer Hauch von Spott mitschwang. „Muss man sich da etwa Sorgen machen?“

Lumina lehnte sich entspannt an Talas breite Schulter, während ihre magentafarbenen Augen voller diebischer Vorfreude zwischen den beiden Männern hin und her wanderten.

Tala musterte den jungen Mann aus eisblauen Augen, die eine so schwere, messerscharfe Intensität ausstrahlten, dass die Luft im Fond der Limousine fast zu knistern schien. Für einen Augenblick verengten sich seine Pupillen zu feinen Schlitzen, während die harten Linien seines Kiefers unheilvoll zuckten.

In Talas Welt gab es keine ungesicherten Flanken und keinen Raum für blinde Flecke... als Raubtier in einem fremden Revier funktionierte sein Verstand wie eine permanente Bestandsaufnahme, die jeden potenziellen Störfaktor akribisch katalogisierte.

Der Gedanke, dass ein anderer Mann... und sei es in der Vergangenheit gewesen... auch nur ansatzweise nach den Fäden im direkten Umfeld gegriffen hatte, verlangte nach absoluter Klarheit. Er dachte gar nicht daran, sich mit unvollständigen Informationen zufriedenzugeben.

Ein kurzes, tiefes Schnauben drang aus seiner Brust, während seine massiven Schultern unmerklich zuckten.

„Sorgen?“, knurrte Tala mit seiner tiefen, rauen Stimme, die gefährlich leise, aber von einer absoluten, unnachgiebigen Härte durchdrungen war, als er Elias direkt fixierte.

„Dazu gibt es keinen Grund, Aristokrat. Ich kartiere lediglich das Terrain. Wer in diesem Zirkel die Fäden in der Hand hatte... oder es zumindest versucht hat... , gehört auf den Tisch, solange wir uns in diesem verdammten Nest aufhalten.“

Lumina, die sich eng an Talas Seite schmiegte, stieß ein leises, belustigtes Schnauben aus. Sie lehnte den Kopf an seine breite Schulter und warf Elias einen vielsagenden Blick zu.

„Du musst ihm verzeihen, Elias“, hauchte sie mit rauchiger, amüsierter Stimme, während ein diebisches Funkeln in ihren magentafarbenen Augen tanzte. „Talas Definition von ‚Smalltalk‘ besteht eben aus Bestandsaufnahme und Revierabsteckung. Er lässt schlicht niemanden im Unklaren darüber, wer hier die Fäden zieht.“

Elias schmunzelte charmant, hob abwehrend eine Hand und schüttelte den Kopf, während draußen die neonfarbenen Lichter von Soho endgültig in den Wagen fluteten und die Reise dem pulsierenden Nachtleben entgegenführte.

Die Limousine glitt mit sanfter, fast geräuschloser Eleganz durch die dicht gedrängten Straßen von Soho, bis Brimsley den schweren Wagen in einer ruhigen Seitenstraße direkt in der Nähe des prasselnden Hauptplatzes des Festivals zum Stehen brachte. Das dumpfe, pulsierende Rauschen von Hunderten von Stimmen, dröhnenden Bässen und das helle Glitzern tausender bunter Lichter schwappten sofort in den Innenraum, als die Motorenverkleidung leise abkühlte.

Brimsley glitt in gewohnter, stoischer Perfektion aus dem Wagen und öffnete die hinteren Türen. Mit einer makellosen Verbeugung wandte er sich direkt an Lumina.

„Falls der Trubel zu drückend wird, Miss Lumina, müssen Sie mich nur kurz anrufen“, sprach Brimsley mit seiner ruhigen, fehlerfreien Stimme, während sein Blick kurz über das Trio glitt. „Ich werde die ganze Zeit in der Nähe bleiben und auf Abruf bereitstehen.“

Lumina schüttelte den Kopf, während ein warmes, fast mütterliches Schmunzeln über ihre Züge glitt. Sie trat aus dem warmen Wagen in die kühle, mit dem Duft von gebrannten Mandeln und elektrischer Spannung geschwängerte Nachtluft.

„Das ist nicht nötig, Brimsley“, entgegnete Lumina mit einem sanften, aber unumstößlichen Tonfall, der keinen Widerspruch duldete. „Du fährst jetzt schön zurück nach Davies Manor und legst die Füße hoch. Das ist eine offizielle Anweisung.“

Brimsley stockte für den Bruchteil einer Sekunde. Ein fast unsichtbares Zucken ging durch seine korrekten Gesichtszüge, ehe er den Kopf kurz und respektvoll neigte.

„Wie Sie wünschen, Madam.“, antwortete er leise, schloss die Wagentüren und verschwand kurz darauf wieder hinter dem Steuer, um den schweren Wagen in der Dunkelheit zu wenden.

Tala, Lumina und Elias machten sich daraufhin auf den Weg und tauchten direkt in das dichte Getümmel des Festivals ein. Es war exzellent besucht... fast schien es, als wäre heute Abend noch mehr Volk auf den Beinen als am gestrigen Tag. Die bunten Leuchtreklamen der Stände warfen flackernde, farbige Schatten auf den feuchten Asphalt, während Musik aus verschiedenen Ecken herüberschallte.

Tala bewegte sich mit der erhabenen, gefährlichen Leichtigkeit eines Raubtiers durch die Menge. Doch während er neben Lumina herging, entging ihm nicht die winzige, physische Nachwirkung der letzten Stunden: Er spürte, dass ihre Beine ab und zu noch immer ganz leicht zitterten... eine feine, verborgene Erschöpfung unter ihrer sonst so unerschütterlichen Fassade.

Gleichzeitig nahm er noch etwas anderes wahr, das seine Sinne augenblicklich auf Hochtouren brachte.

Die Blicke.

Überall um sie herum drehten sich Köpfe um. Luminas atemberaubende, fast unwirkliche Schönheit... das schwere, silbrig-weiße Haar, das ihr bis zum Gesäß fiel, die blasse Haut und die faszinierenden magentafarbenen Augen im Kontrast zu dem kurzen Partykleid... war schlicht unübersehbar.

Immer wieder traf Tala auf die gierigen, verlangend fixierenden Blicke junger Männer aus der Menge, die wie Motten dem Licht entgegenstarrten.

Talas Kiefermuskeln traten hart hervor, und in seinen eisblauen Augen flackerte ein so dunkles, raubtierhaftes Feuer auf, dass jeder in seiner unmittelbaren Nähe unbewusst einen Schritt zurückwich. Er war so absolut und obsessiv damit beschäftigt, die Gesichter und Blicke dieser Kerle zu scannen und im Kopf zu mustern, wer es auch nur wagen würde, einen Schritt zu weit zu gehen, dass er völlig blind für die Gegenrichtung war.

Denn während Tala wie ein eifersüchtiger Wächter jede männliche Aufmerksamkeit abtastete, merkte er überhaupt nicht, wie die jungen Frauen im vorbeiströmenden Strom des Festivals stattdessen den Blick nicht mehr von ihm und Elias abwenden konnten.

Die Kombination aus Elias’ makelloser, eleganter Aura und Talas dunkler, gefährlicher, ungezähmter Männlichkeit zog die Blicke der weiblichen Besucher magisch an... eine Tatsache, die Lumina bei einem heimlichen Blick zur Seite mit einem amüsierten, diebischen Lächeln quittierte.

Plötzlich spürte sie die massive, feste Wärme einer Hand, die sich um ihre eigene schloss.

Talas Finger schoben sich wie selbstverständlich zwischen die ihren und verschränkten sich so fest und nahtlos mit ihr, als gäbe es keinen Raum für einen Zweifel.

Eine plötzliche Welle heißer Röte schoss Lumina in den Körper. Ihre Wangen glühten, und überrumpelt von dieser unerwarteten, rohen Intimität mitten im bunten Trubel wandte sie den Blick seitlich ab, fixierte für einen Herzschlag den Boden unter ihren Stiefeln. Ihr Herz klopfte ihr bis zum Hals... wild, schnell und spürbar bis unter ihre Rippen.

Sie erwiderte den Druck seiner Hand augenblicklich, presste ihre Finger fester in die seinen, als wollte sie sich dieses Haltens versichern.

Nach einigen Herzschlägen, in denen die Welt um sie herum für einen Moment stillzustehen schien, hob sie den Kopf wieder. Sie lenkte ihren Blick zur Seite und nach oben, um direkt zu Tala hinaufzusehen.

Sein markantes, raues Profil zeichnete sich scharf gegen das flackernde Neonlicht der umliegenden Stände ab. Doch seine eisblauen Augen waren unnachgiebig und eiskalt starr nach vorne gerichtet... jeder Muskel in seinem Gesicht auf absolute Wachsamkeit geeicht, während er sie gleichzeitig mit eiserner Entschlossenheit an seiner Seite hielt.

Ein tiefes, heimliches Schmunzeln breitete sich in Lumina aus, während sie den Blick von seinem unbewegten Profil abwandte und wieder nach vorne in das bunte, flackernde Lichtermeer des Festivals richtete.

Tief in ihrem Inneren musste sie in sich hineinlächeln, denn sie kannte diesen Mann gut genug, um die wahre Natur hinter dieser Geste glasklar zu deuten. Das war kein beiläufiges, romantisches Händchenhalten im Gedränge.

Es war ein unmissverständliches, stummes Signal an jeden einzelnen Mann in dieser Menge... eine eiserne, unübersehbare Grenzziehung, die einzig und allein seiner tiefen, kompromisslosen Besitzgier entsprang.

Sie gehört mir. Sucht euch ein anderes Ziel, oder spürt die Konsequenzen.

Lumina genoss es mit jeder Faser ihres Körpers. Sie liebte diese raue, unbändige Intensität an ihm, mit der er sie im geschäftigen Trubel der Stadt voll und ganz für sich beanspruchte, ohne auch nur ein einziges Wort darüber zu verlieren.

Während um sie herum das laute, schrille Leben des Festivals tobte, fühlte sie sich in diesem festen, warmen Griff seiner Hand auf eine fast berauschende Art gehalten und geschützt.