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Nightlife

Der Gezähmte Phönix — www.fanfiktion.de · All chapters

Nightlife

Das Winter Open Pub-Festival hatte das gesamte Viertel von Soho in ein einziges, pulsierendes Labyrinth aus Licht, Musik und schierer Lebensfreude verwandelt. Die Grenzen zwischen drinnen und draußen schienen komplett aufgehoben: Jeder traditionelle Pub im Umkreis beteiligte sich an dem Event, bot exklusive Wintergetränke und ein spezielles Abendprogramm an, während vor den Eingängen provisorische Stände aufgebaut waren, die dicht umringt von feiernden Menschen waren.

Dichter Dampf von heißem gewürztem Punsch und gebrannten Mandeln stieg in die kalte Nachtluft auf, vermischt mit dem dröhnenden Bass, der aus den geöffneten Türen der Kneipen auf die Straße schwappte, und dem hellen Lachen hunderter Besucher.

Elias, dessen auffallend attraktive Erscheinung in diesem neonbeleuchteten Trubel noch stärker zur Geltung kam, steuerte die Gruppe sicher durch die Menge. Mit seiner imposanten Größe, dem markanten, weißblonden Haar, das weich sein fast symmetrisches Gesicht umrahmte, und den leuchtenden, himmelblauen Augen war er ein absoluter Blickfang. Die hellen, weichen Züge verliehen ihm eine fast schlafwandlerische Eleganz, die in starkem Kontrast zu der rauen Umgebung stand.

Kein Wunder, dass ihm auf dem Weg zu einem der beliebtesten Pubs an der Ecke reihenweise die Blicke junger Frauen zuflogen. Mehr als eine drehte sich im Vorbeigehen um, lächelte verlockend oder flüsterte ihrer Begleitung etwas zu.

Tala hingegen schien für diese weibliche Aufmerksamkeit wie immer völlig blind zu sein. Seine Welt hatte im Radius von wenigen Schritten um Lumina herum eine absolute, unerschütterliche Grenze gezogen. Neben Elias’ strahlender, fast makelloser Ästhetik wirkte Tala wie ein dunkler Monolith aus roher Gewalt und ungezähmter Männlichkeit.

Der schwere schwarze Mantel betonte seine breiten Schultern, und seine eisblauen Augen glitten wie zwei frisch geschliffene Klingen über die Menschenmassen. Jeder Mann, der es auch nur wagte, einen Tick zu lange oder zu gierig in Luminas Richtung zu schauen, fing sich einen Blick ein, der so unbarmherzig und frostig war, dass die betreffenden Gestalten augenblicklich erschrocken den Kopf einzogen und das Weite suchten.

Elias, der dieses subtile Reviergehabe aus dem Augenwinkel mitbekam, hielt kurz an und lehnte sich lässig gegen den Holzbalken eines gut besuchten Pub-Standes, an dem dampfende Getränke ausgeschenkt wurden. Ein amüsiertes, charmantes Schmunzeln zuckte um seine weichen Mundwinkel.

„Sieht ganz so aus, als hättest du alles im Griff... “, raunte Elias mit einer melodischen, spöttischen Tonlage, während sein Blick kurz von den Frauen abdriftete, die ihn selbst gerade wieder ausgiebig musterten. „Oder sorgt dein eisiger Blick etwa dafür, dass sich kein Mensch mehr traut, auch nur in unsere Nähe zu atmen?“

Talas Kiefermuskeln zuckten unheilvoll. Ein tiefes, gefährliches Schnauben drang aus seiner Brust, während er Elias mit einer Intensität fixierte, die Bände sprach.

„Lass stecken, Aristokrat“, knurrte Tala mit seiner tiefen, rauen Stimme, die den Lärm der Straße mühelos durchschnitt. „Die einzigen, die hier atmen, sind diejenigen, die lernen, verdammt schnell wegzuschauen.“

Lumina, die eng an Talas Seite stand und jede Sekunde dieses amüsanten Kräftemessens auskosten konnte, stieß ein helles, vergnügtes Lachen aus. Ihre magentafarbenen Augen funkelten voller diebischem Vergnügen zwischen den beiden Männern hin und her. Sie lehnte den Kopf an Talas massive Schulter und strich mit einer vertrauten Geste über den Revers seines Mantels.

„Lass ihn nur machen, Elias“, hauchte sie mit rauchiger, amüsierter Stimme, während sie zu ihrem Cousin herübersah. „Tala teilt sein Revier eben nicht gern... auch dann nicht, wenn sich so viele Mädchen verlangend nach ihm umdrehen.“

Elias lachte leise auf... ein warmes, echtes Geräusch, das die Spannung in der Luft auf wunderbare Weise auflöste. Er hob abwehrend eine Hand, während er zu dem Barkeeper des Außenstandes winkte, um drei heiße Gläser des lokalen Winterpunsches zu bestellen.

„Na schön“, schmunzelte Elias, während er das dampfende Glas entgegennahm und es Tala und Lumina reichte. „Dann schlagen wir uns jetzt in diesem Getümmel die Nacht um die Ohren. Aber wehe, dein Beschützerinstinkt lässt mich nicht in Ruhe mein Getränk genießen, Tala.“

Tala ergriff das Glas mit massiven Fingern, während sein Blick trotz des entspannten Tons weiterhin jede Regung in der Umgebung scannte. Die eisblauen Augen glänzten im flackernden Neonlicht der Pub-Reklame, als er den Blick kurz zu Lumina senkte, die ihm mit einem strahlenden, verruchten Lächeln zuprostete.

Das Festival war erst richtig warmgelaufen, und die Nacht versprach alles andere als ruhig zu werden.

Das Gedränge um sie herum verschob sich, als sie eine Biegung nahe einem der großen, festlich geschmückten Pub-Eingänge rund um den Hauptplatz passierten, wo die Musik laut und vibrierend in die kalte Nachtluft scholl. Genau in diesem Moment stockte der Fluss der Menschen vor ihnen.

Eine junge Frau trat unvermittelt in ihren Weg, und ihre hastige Atmung zeichnete sich in kleinen Dampfwolken vor ihrem Gesicht ab.

Ihr langes, glossig braunes Haar fiel in weichen Wellen über ihre Schultern, und ihre markanten blaugrauen Augen waren weit aufgerissen... eine unverkennbare Mischung aus verzweifelter Hoffnung und nervöser Anspannung lag in ihrem Blick. Unter dem warmen, goldenen Schein der Lichterketten fielen die leichten Sommersprossen auf, die sich über ihre feine Nase zogen. Sie sah unbestreitbar hübsch aus, doch ihre gesamte Körperhaltung strahlte eine zitternde, unsichere Dringlichkeit aus.

Sie starrte Elias an, während ihre Finger nervös an der Kante ihrer Handtasche zerrten. Ihr Blick glitt kurz scheu und fast erschrocken zu Tala und Lumina herüber, ehe er sich sofort wieder auf Elias fixierte.

„Elias...“, presste sie hervor, und ihre Stimme schnitt knapp durch den Lärm des Festivals.

„Elias, bitte... können wir... können wir kurz reden? Unter vier Augen. Nur eine Minute.“

Elias zuckte nicht einmal mit der Wimper. Die charmante, entspannte Maske, die er eben noch getragen hatte, wich augenblicklich einer kühlen, marmornen Beherrschung. Doch wenn man genau hinsah... und Tala entging dies mit seinen messerscharfen, unbarmherzigen Augen nicht im Geringsten... , schmerzte es. Der Schmerz lag tief und nackt verborgen in den blauen Tiefen seiner eigenen Augen, gut geschützt hinter einer Wand aus absolutem Stolz.

Er nahm einen langsamen, bewussten Zug von seinem Becher und hielt den Blick fest auf sie gerichtet.

„Es gibt nichts zu bereden, Fiona“, antwortete Elias mit einer ruhigen, völlig ebenen Stimme, die jegliche Wärme vermissen ließ.

Fiona schluckte schwer. Ein Funke blanker Panik flackerte in ihren blaugrauen Augen auf, und sie machte einen ungeduldigen Schritt auf ihn zu, völlig unbeeindruckt von der bedrohlichen, massiven Präsenz des Russen, der dicht hinter Lumina stand.

„Bitte“, stammelte sie fast flehend, während ihre Stimme bebte. „Gib mir nur zwei Minuten. Ich... ich habe das gestern nicht so gemeint, ich war einfach abgelenkt... Claire hatte mir erzählt, dass du uns gesehen—“

„Wo ist er eigentlich?“, unterbrach Elias sie leise, aber mit einer so schneidenden Entschlossenheit, dass Fiona mitten im Satz stoppte. Seine blauen Augen verengten sich minimal.

„Dein neuer Freund. Der Typ, mit dem du gestern im Club unterwegs warst.“

Fiona erbleichte merklich. Die Sommersprossen auf ihrer Haut schienen vor dem plötzlichen Verlust jeglicher Farbe noch stärker hervortreten. Ihre Augen flüchteten für eine Sekunde zur Seite, ehe sie schuldbewusst und panisch wieder zu ihm hochblickten.

„Er... er war doch nur ein guter Freund!“, platzte es aus ihr heraus, und die Verzweiflung in ihrer Stimme war unüberhörbar. „Ich bin seit dem Tag, an dem du Schluss gemacht hast, Single. Ich habe mich mit niemandem eingelassen... ich war völlig am Ende... und bin es immer noch. Ich vermisse dich so unglaublich.“

Eine schwere, dichte Stille legte sich trotz des tobenden Festivals um die kleine Gruppe. Lumina beobachtete ihren Cousin aus harten, wachsamen Augen, während Tala reglos dastand, jede Faser seines Körpers auf Abruf bereit, sollte das Drama auch nur ansatzweise umschlagen.

Elias musterte Fiona. Keine Wut war in seinem Gesicht zu erkennen, keine Bitterkeit, die ihn entblößen würde... nur eine unendliche, traurige Endgültigkeit.

„Es spielt keine Rolle mehr, Fiona“, sagte er leise, und seine Worte klangen wie eine Falltür, die endgültig zuschnappte. „Du musst dir keine Sorgen mehr machen, ob du mich vermisst.“

Fiona blinzelte verwirrt, und ihre Unterlippe bebte leicht. „Was... was meinst du damit?“

Elias atmete tief aus, während der kalte Wind durch sein weißblondes Haar strich.

„Ich bin in zwei Monaten weg“, sprach er die Worte mit unerbittlicher Klarheit aus. „Ich gehe nach Tokio. Zum Studieren. Für mindestens zwei Jahre.“

Die Nachricht traf sie wie ein physischer Schlag. Fiona starrte ihn an, die Lippen leicht geöffnet, während die Farbe endgültig aus ihrem Gesicht wich. In diesem Augenblick begriff sie mit der Wucht der Realität, dass die Brücke zwischen ihnen nicht nur eingerissen, sondern unwiederbringlich zu Asche verbrannt war... während das bunte, laute Treiben des Winter Open Pub-Festivals gleichgültig um sie herum weiterbrauste.

Ihr Atem ging flach, und für einen Augenblick schien der laute, pulsierende Lärm des Festivals um sie herum in einem tauben Rauschen zu versinken. Doch Elias ließ ihr keine Zeit, sich in ihrer Schockstarre zu verlieren. Seine klaren Augen blieben unnachgiebig auf ihr haften, während ein eisiger, fast müder Zug um seine perfekten Züge zuckte.

„Du tust so, als wäre das alles erst gestern passiert“, begann Elias mit einer bedächtigen, fast gefährlich ruhigen Stimme, die keinen Raum für Ausflüchte ließ. „Aber du vergisst etwas Entscheidendes, Fiona. Ich habe vor über sieben Monaten den Schlussstrich gezogen.“

Er machte eine kurze, schwere Pause, während seine Hände tief in den Taschen seines hellgrauen Mantels vergraben blieben. Seine Blicke bohrten sich in ihre blaugrauen Augen, die von blanker Panik erfüllt waren.

„Monatelang schien es so, als hättest du dich längst damit abgefunden. Du hast deine Kreise gezogen, warst unterwegs, hast nach außen hin so getan, als wärst du darüber hinweg... und jetzt, wo die Realität zuschlägt, stehst du plötzlich hier und willst es rückgängig machen? Gib es zu... du hattest bereits davon gehört, dass ich England verlasse.“

Ein Schatten von kalter, bitterer Enttäuschung huschte über sein feines, symmetrisches Gesicht. Seine Stimme, eben noch tonlos, nahm plötzlich einen messerscharfen, unerbittlichen Unterton an, der keinen Widerspruch duldete.

„Was ist los, Fiona? Ist dir in den letzten Monaten etwa langsam klar geworden, wie die Welt da draußen wirklich tickt? Dass die meisten anderen Typen, bei denen du dein Glück gesucht hast, dich schlicht und einfach nur ins Bett bekommen wollten... dass sie in dir verdammt noch mal nur einen Körper sehen und sich einen Scheißdreck darum scheren, wer du als Mensch bist?“

Fiona zuckte zusammen, als hätten diese Worte sie physisch getroffen. Ihre Unterlippe bebte heftig, und sie presste die Hände vor die Brust, während die Sommersprossen auf ihrer blassen Haut vor Scham und Entsetzen noch stärker hervortraten. Doch Elias kannte keine Gnade mehr. Er hielt ihr den Spiegel vor... ungeschönt, schonungslos und brutal ehrlich.

„Du wolltest damals kein Vertrauen, du wolltest nur Drama und Kontrolle“, fuhr er fort, und jedes Wort saß mit der Präzision eines Skalpells. „Dabei war ich einer der ganz wenigen anständigen und loyalen Menschen in deinem Leben, die dich respektiert und wirklich gesehen haben. Aber diese Erkenntnis kommt jetzt verdammt noch mal ein paar Monate zu spät.“

Fiona stand wie vom Blitz getroffen da, unfähig, auch nur einen einzigen Laut oder eine Entgegnung hervorzubringen. Die harten, glasklaren Worte hatten jeden Rest ihrer Illusionen restlos eingerissen.

Elias wandte den Blick endgültig von ihr ab. Ohne ein weiteres Wort des Zorns oder der Verbitterung setzte er sich in Bewegung, trat einen Schritt vor und ließ sie einfach stehen. Als er auf der Höhe an ihr vorbeiglitt, verlangsamte er für einen winzigen Herzschlag seinen Schritt. Er drehte den Kopf nicht einmal ganz zu ihr herum, doch seine Stimme... plötzlich völlig frei von Härte, getragen von einer tiefen, leisen Melancholie... drang leise an ihr Ohr:

„Ich habe dich wirklich geliebt, Fiona... aber ich war wohl einfach nicht der Richtige für dich.“

Elias hielt nicht an. Er lief mit festen Schritten weiter, ließ die Vergangenheit und die Trümmer dieser zerstörten Beziehung hinter sich und steuerte zielstrebig weiter auf das pulsierende Treiben des Festivals zu.

Tala und Lumina blieben reglos stehen und blickten ihm kurz nach, ehe sich ihre Blicke wieder auf Fiona richteten.

Die junge Frau starrte ihm mit weit aufgerissenen Augen hinterher, während der letzte Rest ihrer gefassten Haltung in sich zusammenbrach. Ein erstickter Schluchzer riss sich aus ihrer Kehle. In der nächsten Sekunde brachen alle Dämme: Dichte, heiße Tränen schossen ihr in die blaugrauen Augen und strömten ungehindert über ihre blassen Wangen. Sie presste die Hände schützend vor das Gesicht, unfähig, das Gewicht der Realität länger zu tragen.

Ehe ihre weich gewordenen Knie sie endgültig auf dem feuchten Asphalt einbrechen ließen, riss sie sich zusammen, drehte sich schluchzend um und rannte davon... hinein in die anonyme Menge des Londoner Nachtlebens, verschlungen von den bunten, grellen Neonlichtern des Festivals.

Während Fionas schluchzende Gestalt im bunten, lärmenden Strom des Festivals verschwand und Elias bereits mit festen Schritten ein Stück vorausgegangen war, blieb Tala unbewegt stehen. Er starrte der flüchtenden Frau mit eisblauen, völlig ungerührten Augen nach, während ein tiefes, abfälliges Schnauben aus seiner Brust drang.

Mit einer trockenen, scharfen Tonlage, die jegliche Spur von Romantik im Keim erstickte, brach er das Schweigen:

„Das war gerade ein regelrechtes Schnulzen-Drama... ich könnte bei der Scheiße direkt kotzen.“

Lumina, die sich noch immer an seiner Seite befand, presste prompt eine Hand fest auf den Mund, um das helle, schallende Lachen zu ersticken, das sich unaufhaltsam in ihrer Kehle anstob. Ihre magentafarbenen Augen funkelten voller diebischem Vergnügen, während sie zu dem Russen aufblickte. Diese kompromisslose, ungeschönte Härte war schließlich genau das, was sie an ihm liebte... keine falschen Masken, sondern pure, rohe Realität.

Ein tiefes, ungeduldiges Schnauben drang aus Talas Brust.

„Bitte sag jetzt nicht, wir müssen Elias aufmuntern“, brummte Tala mit seiner tiefen, rauen Stimme, in der eine unmissverständlich genervte Härte lag. „Das kannst du getrost alleine machen.“

Ohne auf eine Antwort zu warten, setzten sie sich wieder in Bewegung und folgten dem weißblonden jungen Mann durch das dichte, pulsierende Getümmel des Hauptplatzes. Elias hatte sich zielstrebig zu einem der gut besuchten Open-Air-Tresen eines traditionellen Pubs durchgekämpft, auf einen hölzernen Barhocker geschwungen und gerade einen dunklen, hochprozentigen Drink in einem Zug hinuntergekippt, als wolle er die letzten Reste der Konfrontation mit der harten Schärfe des Alkohols ausbrennen.

Lumina trat dicht an Tala heran, während sie zu ihrem Cousin an der Theke hinübersah. Ihre magentafarbenen Augen musterten Elias für einen Moment, doch in ihrem Blick lag keinerlei echten Mitleids... eher das klare Verständnis dafür, dass dieser Mann genau wusste, was er tat.

„Mach dir mal keine Sorgen, Tala“, hauchte sie mit rauchiger, amüsierter Stimme, während sie eine Hand vertraut an den Revers seines schweren Mantels legte. „Elias kommt schon klar. Er ist ein starker Mensch... er weiß genau, was er tut.“

Drei Stunden waren vergangen, in denen das Winter Open Pub-Festival sie wie ein unaufhaltsamer, warmer Strom durch die zahllosen, stimmungsvoll beleuchteten Gassen und traditionsreichen Kneipen von Soho getragen hatte. Die Luft war erfüllt von einem dichten Gemisch aus Live-Musik, dem Klirren von Gläsern, dem Lachen hunderter feiernder Menschen und dem verlockenden Duft von winterlichen Gewürzen und gebratenem Fleisch, der aus den offenen Türen der Pubs auf die Straßen waberte.

Während sie sich treiben ließen und ab und zu das Lokal wechselten, zeigte sich eine unerwartete Facette von Elias. Es schien, als wäre halb London mit ihm vertraut; immer wieder wurden sie von jungen Frauen angehalten oder aus der Entfernung fixiert.

Viele von ihnen kannten ihn offensichtlich noch aus Schulzeiten oder vom Sehen in den elitären Kreisen der Stadt. Elias gab sich dabei gewohnt souverän, charmant und mit einer makellosen Leichtigkeit, die jedem Flirt sofort den Wind aus den Segeln nahm, ohne unhöflich zu sein. Doch nach zwei weiteren Drinks und einem kühlen Bier hatte er unmissverständlich die Reißleine gezogen... von da an griff er konsequent nur noch zu Wasser, um sich einen klaren Kopf für den restlichen Abend zu bewahren.

Tala hingegen schien für den Trubel um sie herum und Elias’ weibliche Bewunderer ohnehin blind zu sein. Seine Welt war stets auf einen Radius von genau einer Person reduziert.

Immer dann, wenn der Strom der Menschen in den engeren Kneipen oder an den Straßenkreuzungen besonders dicht wurde und Fremde zu nah an Lumina herandrängten, schaltete sein Instinkt unbarmherzig auf Besitzgier. Seine schwere, warme Hand schloss sich dann wie ein eiserner Schraubstock um ihre Hüfte, zog sie kompromisslos und mit rauer Kraft direkt an seine massive Brust, während sein eisblauer Blick jeden potenziellen Störfaktor im Umkreis von Metern musterte, bis dieser freiwillig den Blick senkte.

Lumina genoss diese dunkle, alles vereinnahmende Nähe in vollen Zügen; sie lehnte sich an ihn, ließ sich von seiner unerschütterlichen Präsenz halten und kostete jede Sekunde dieser kompromisslosen Dominanz aus.

Inzwischen war es auf die Uhr geschaut genau halb zwölf geworden... eine halbe Stunde vor Mitternacht. Das Festival erreichte seinen Höhepunkt, und die bunten Neonlichter spiegelten sich in den feuchten Fensterscheiben der umliegenden Gebäude.

Plötzlich blieb Lumina mitten im geschäftigen Treiben stehen, ein plötzlicher, strahlender Ausdruck von diebischer Vorfreude erhellte ihre Züge, während ihre magentafarbenen Augen im Neonlicht aufleuchteten. Sie stupste Tala leicht an und wandte sich mit einem breiten Lächeln an ihn, während Elias direkt von einem alten Schulfreund in ein Gespräch verwickelt wurde.

„Hey“, rief sie mit rauchiger, amüsimierter Stimme gegen den Lärm der Musik an.

„Müsste es in Tokio bei Nami und Kai jetzt nicht exakt halb acht Uhr morgens sein? Lass uns die beiden anrufen und völlig unvorbereitet aus dem Bett werfen!“

Tala verzog das Gesicht, während ein tiefes, unwillkürliches Murren aus seiner Brust drang. Er musterte Lumina mit einem skeptischen, leicht genervten Blick aus seinen eisblauen Augen, während um sie herum das laute, bunte Treiben des Festivals unaufhaltsam weiterbrauste.

„Musst du diesen Scheiß jetzt wirklich bringen?“, knurrte Tala mit seiner tiefen, rauen Stimme, während er die schweren Schultern leicht hängen ließ.

Lumina blinzelte für einen Herzschlag, ehe ein diebisches, unverkennbar verschmitztes Lächeln über ihre Züge glitt. Sie lehnte den Kopf schief und sah ihn aus ihren faszinierenden magentafarbenen Augen direkt von unten an, während sie sich noch enger an seine massive Seite schmiegte.

„Was ist denn?“, hauchte sie mit einer rauchigen, amüsanten Tonlage, in der eine offene Provokation mitschwang. „Hast du etwa Angst vor ein paar blöden Kommentaren von Kai? Etwa weil dir plötzlich eingefallen ist, Hals über Kopf aus Russland nach England zu reisen, nur um mich nicht mehr aus den Augen zu lassen?“

Talas Kiefermuskeln zuckten unheilvoll. Ein dunkles, ungeduldiges Schnauben drang über seine Lippen, während das grelle Neonlicht einer Reklametafel über sein hartes, markantes Gesicht strich.

„Ich habe schlicht und einfach keine Lust auf das Theater“, brummte er abfällig, auch wenn ein schärferes, wissendes Blitzen in seinen eisblauen Augen aufblitzte. „Es ist mir völlig egal, was Kai von mir denkt. Und abgesehen davon... wetten wir, dass dieser verdammte Sturkopf die neuesten Schnappschüsse von uns beiden sowieso schon längst auf dem Tisch liegen hat?“

Ein helles, schallendes Lachen durchschnitt die kühle Nachtluft, als Lumina den Kopf in den Nacken warf und zu dem Russen heraufblickte. Das Neonlicht der Festivalstände spiegelte sich in ihren magentafarbenen Augen, die vor purem Übermut funkelten.

„Ach, red keinen Unsinn, Tala!“, rief sie vergnügt, während sie sich noch fester an seine massive Seite schmiegte.

„Außerdem will ich unbedingt das süße Baby nochmal sehen! Der kleine Gou sieht im Gesicht aus wie der leibhaftige Kai. Sag mal... hast du den Kleinen eigentlich schon zu Gesicht bekommen? Ich durfte ihn vor ein paar Tagen schon über Videochat bewundern... er ist einfach zum Knuddeln süß!“

Tala verzog kurz das Gesicht, und eine fast ungläubige Abwehrregung zuckte durch seine harten Züge, während ein tiefes, ungeduldiges Schnauben aus seiner Brust drang. Der Gedanke, sich mitten im Partytrubel von Soho mit Windeln, Babygeschrei oder auch nur der häuslichen Idylle von Kai und Nami auseinanderzusetzen, widerstrebte jeder Faser seines rauen Verstandes.

„Ich habe das Baby nicht gesehen“, knurrte Tala mit seiner tiefen, dunklen Stimme, während ein kühler, unnachgiebiger Zug um seinen Mundwinkel lag, „und ganz ehrlich... es interessiert mich auch einen verdammten Scheiß.“

Doch ehe er auch nur ein weiteres Wort zur Bekräftigung anfügen oder seinen Protest fortführen konnte, blitzte ein diebisches, absolutes Entschlossensein in Luminas Blick auf.

Ihre schlanken Finger hatten ihr Smartphone bereits aus der Tasche gezogen, flogen mit rasanter Geschwindigkeit über das Display, und bevor Tala überhaupt realisieren konnte, wie ernst sie es meinte, tippte sie auf den Bildschirm. Mit einem leisen Wisch startete sie die Videotelefonie direkt nach Tokio... bereit, den frischgebackenen Vater und seine Familie ohne Vorwarnung mitten am frühen Morgen aus dem Schlaf zu reißen.

Bevor Tala auch nur ansatzweise einschreiten oder ihr das Smartphone aus der Hand schlagen konnte, leuchtete das Display auf.

Nach nur zwei kurzen Freizeichen sprang die Verbindung an, und das helle, gestochen scharfe Bild eines ruhigen, in sanftes Morgenlicht getauchten Raumes im Ayame-Anwesen in Tokio füllte den Bildschirm.

Namis Gesicht erschien auf dem Display.

Ihre silbrig-weißen Haare fielen ihr in weichen Strähnen über die Schultern, und auf ihren Zügen lag ein müder, aber zutiefst glücklicher Ausdruck. Doch was den Bildschirm sofort dominierte, war das winzige Bündel in ihren Armen.

Der kleine Gou war erst wenige Tage alt. Er lag eingewickelt in eine weiche Decke, die Augen fest geschlossen, während leise, unregelmäßige Atemzüge seine winzige Brust hoben. Seine Gesichtszüge... selbst in dieser zarten frühen Phase ließ es keinen Zweifel offen: Er war das pure, unverkennbare Ebenbild von Kai in Miniaturformat.

„Lumina?“ Nami blinzelte überrascht in die Kamera, während sie mit einer Hand vorsichtig den Kopf des kleinen Jungen stützte. Ihre rauchige Stimme klang leise, um den Schlaf des Neugeborenen nicht zu stören. „Bei euch ist es Mitten in der Nacht? Was verschafft mir die Ehre?...“

Lumina stieß ein helles, verzücktes Keuchen aus. Ihre magentafarbenen Augen wurden riesig, und sie drückte sich noch enger an Tala heran, während sie gebannt auf das Display starrte.

„Oh Gott, Nami!“, hauchte sie fast atemlos vor Begeisterung. „Er ist so unvorstellbar winzig... und er sieht wirklich aus wie Kai im Westentaschenformat! Lass mich ihn nochmal genauer sehen!“

Tala hinter ihnen verankerte sich derweil wie ein steinerner, unwilliger Fels im Strom. Seine massiven Schultern zuckten leicht nach hinten, während seine eisblauen Augen den Bildschirm mit einer Mischung aus Skepsis und absoluter Entfremdung musterten. Ein tiefes, ungeduldiges Schnauben drang aus seiner Brust. Die Aussicht, sich mitten im lauten Getümmel von Soho über ein schreiendes Neugeborene oder familiäre Windel-Idyllen auszutauschen, überstieg die Grenzen seiner Geduld bei Weitem.

„Sag mal, spinnst du eigentlich völlig?“, knurrte Tala leise und rau direkt in Luminas Richtung, während er den Blick am liebsten von dem winzigen Bildschirm abgewandt hätte. „Pack das Ding weg, das interessiert mich einen Schrott...“

Weiter kam er nicht.

Denn in diesem exakten Moment schob sich eine Gestalt hinter Nami ins Bild. Kai trat mit absoluter, lautloser Präsenz an die Seite seiner Frau. Er trug ein dunkles, schlichtes Hemd, und in seiner Hand hielt er eine dampfende Tasse schwarzen Kaffee. Seine markanten, kühlen Gesichtszüge und die hellen rubinroten Augen fixierten die Kamera mit jener unerbittlichen, messerscharfen Präzision, die jeden Raum sofort dominierte.

Kai blinzelte kurz, musterte das bunte, flackernde Neonlicht im Hintergrund von Luminas Bildschirm und blickte dann direkt... mit einer unerschütterlichen, eiskalte Ruhe in die Linse. Sein Blick wanderte zu dem massiven, schwarz gemantelten Mann, der sich im Hintergrund über Lumina befand.

„Tala“, setzte Kai an, und seine tiefe, völlig monotone Stimme schnitt mit einer chirurgischen Präzision durch den Lautsprecher, als wäre es das Normalste der Welt.

„Soll das heißen, du hast es tatsächlich geschafft, deinen Arsch von Russland nach London zu bewegen, nur um Namis Cousine auf den Fersen zu kleben?“

Kai nahm einen langsamen, bewussten Schluck aus seiner Kaffeetasse, während ein kaum merkliches, kaltes Amüsement in seinen roten Augen aufblitzte.

„Ich dachte, du sagtest... du hättest Besseres zu tun, als den eifersüchtigen Leibwächter zu spielen. Das waren übrigens wieder erstklassige Schnappschüsse.“

Für einen Herzschlag schien die Zeit um Tala herum komplett einzufrieren.

Er presste die Zähne aufeinander, bis die Kieferknochen weiß hervortraten, und zischte mit einer Stimme, die so dunkel und eisig klang wie die Hölle selbst:

„Halt die Fresse, Kai.“

Die scharfen, harten Worte hingen schwer in der kalten Nachtluft von Soho, während das bunte, flackernde Neonlicht der Festivalreklame unbarmherzig über Talas finsteres Gesicht strich. Um sie herum drängten sich die feiernden Menschenmassen, die Musik hämmerte dumpf aus den geöffneten Pub-Türen, doch in diesem winzigen Radius schien die Welt für einen Herzschlag stillzustehen.

Die Adern an Talas Hals traten deutlich hervor, und seine massiven Hände ballten sich zu Fäusten, während sein Blick in das Display des Smartphones bohrte, als könnte er den Mann auf der anderen Seite des Planeten eigenhändig erwürgen.

Kai hingegen rührte sich nicht einmal einen Millimeter. Auf dem gestochen scharfen Bildschirm, der das sanfte, graue Morgenlicht des Tokioter Ayame-Anwesens einfing, wirkte er wie eine eisige Statue. Seine rubinroten Augen fixierten Tala mit einer so absoluten, herablassenden Gleichgültigkeit, dass es wie Gift wirkte. Er nahm einen weiteren, langsamen Schluck aus seiner Tasse, ehe er mit jener kalten, monotonen Präzision antwortete, die jeden Raum zu dominieren schien.

„Dein Temperament in Ehren, Tala“, setzte Kai an, und seine tiefe Stimme schnitt mit der Schärfe einer Skalpellklinge durch den Lautsprecher. „Aber du machst hier gerade eine ziemliche öffentliche Show auf der Straße. Oder schaust du nur so mörderisch, weil dir langsam dämmert, dass die ganze Welt sieht, wie du als treu ergebener Leibwächter durch London marschierst?“

Ein dunkles, animalisches Knurren drang tief aus Talas Brust. Der Gedanke, sich von diesem arroganten Kerl vor Lumina und Elias vorführen zu lassen, trieb sein Adrenalin auf den absoluten Siedepunkt.

„Pass verdammt noch mal auf, was du redest, Kai“, zischte Tala mit einer Stimme, die so dunkel und gefährlich klang wie ein heraufziehender Sturm. Seine Kiefermuskeln arbeiteten wild. „Wenn du auch nur noch ein einziges Wort sagst, buche ich den nächsten Flug zurück nach Tokio, stehe vor deiner Haustür und prügle dir dieses elende Grinsen eigenhändig aus dem Gesicht!“

Lumina schmunzelte. Ihre magentafarbenen Augen funkelten vor purem, diebischem Vergnügen. Sie liebte diese ungezähmte Wut, diese rohe Reibung zwischen den beiden Männern, die selbst über Tausende von Kilometern hinweg nichts von ihrer Explosivität verloren hatte.

Nami, die im Hintergrund des Bildes in einem Sessel lehnte und den kleinen Gou im Arm hielt, rollte leise mit den Augen und seufzte unhörbar über die ewig währen Testosteron-Duelle der beiden.

Kai jedoch blinzelte nicht einmal. Ein fast unsichtbares, eiskaltes Lächeln zuckte um seine Mundwinkel, als er den Blick erwiderte.

„Versuch es ruhig, Tala“, konterte Kai völlig unbeeindruckt, während sein Blick kurz über den Bildschirm wanderte. „Aber vergiss nicht, Windeln für dich selbst einzupacken. Du siehst gerade so aus, als hättest du es wesentlich nötiger als der Kleine hier.“

Tala holte Luft, um zu einer Antwort anzusetzen, die jede verbale Grenze überschritten hätte, doch Kai war schneller.

„Aber... lern du erst mal, in London Manieren zu behalten. Wir sprechen uns, wenn du wieder klarer siehst.“

Mit einer abrupten, gleichgültigen Handbewegung tippte Kai auf den Bildschirm. Der Anruf erlosch mit einem leisen Piepen, und das Display wurde augenblicklich schwarz.

Tala starrte das tote Glas an, während die angespannte Stille, die der Abbruch hinterlassen hatte, nur durch den dröhnenden Bass des Festivals gefüllt wurde. Seine Brust hob und senkte sich schwer unter dem schweren Mantel, ehe ein tiefes russisches Fluchen seine Lippen verließ und Lumina sich kichernd an seine harte Schulter lehnte.