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Der erste Tag

Der Gezähmte Phönix — www.fanfiktion.de · All chapters

Der erste Tag

Der Abflug verlief in einem perfekten, schwebenden Rausch aus Champagner und leisem, amüsierten Zähneknirschen von Tala, der es sich im luxuriösen First-Class-Abteil trotz allem nicht nehmen ließ, jede Bewegung von ihr zu mustern. Doch nun, viele Stunden und gefühlte Welten entfernt, war die Realität eingekehrt.

Moskau empfing sie mit einer beißenden, klirrenden Kälte, die sich sofort wie feine Nadeln in die Lungen schnitt, als sie den Flughafen verließen und in Talas Wagen stiegen. Die Fahrt durch die nächtlichen, spärlich beleuchteten Straßen der russischen Metropole war schweigend verlaufen... eine Mischung aus latenter Anspannung und der ungesagten Gewissheit, dass ab jetzt alles anders war.

Talas Penthouse lag im Herzen der Stadt, hoch über den belebten, schattigen Alleen. Es war ein atemberaubender, weitläufiger Ort von minimalistischer Eleganz: Dunkler, polierter Stein, raumhohe Fensterfronten, die einen spektakulären Blick auf das nächtliche Lichtermeer Moskaus boten, und eine schlichte, teure Einrichtung, die eher nach einem architektonischen Statement aussah als nach einem gemütlichen Zuhause. Es gab hier keine schweren, verstaubten Schlösser oder absurd übertriebene Sicherheitsvorkehrungen... nur die gewohnte, gediegene Privatsphäre eines erfolgreichen Bladers, der in seiner Heimat ohnehin seine Ruhe hatte.

Kaum hatte Tala die schwere Eingangstür hinter ihnen ins Schloss geworfen und die Schlüssel auf die Konsole geworfen, entlud sich die aufgestaute Spannung.

Er ließ seine Ledertasche fallen, zog mit einer harten, ungeduldigen Bewegung den schweren Mantel aus und warf ihn über einen Sessel. Seine massiven Schultern spannten sich unter dem schwarzen Hemd an, als er sich zu Lumina umdrehte, die in der Mitte des geräumigen Wohnbereichs stand, den Blick mit fasziniertem Ausdruck über die moderne, offene Penthouse-Architektur schweifen ließ.

Tala trat mit langen, bedrohlichen Schritten auf sie zu, bis er direkt vor ihr stand. Der Kontrast zwischen ihnen könnte nicht schärfer sein: seine harten, finsteren Gesichtszüge, umrahmt von den roten Strähnen und dem leichten Dutt, und ihre makellose, fast spielerische Selbstsicherheit.

„Du stehst ab sofort unter Hausarrest, bis ich verstanden habe, was für einen verdammten Blödsinn du hier eigentlich abziehst“, knurrte Tala mit seiner tiefen, rauen Stimme, die in dem minimalistischen Raum bedrohlich hallte.

Er packte sie sanft, aber unnachgiebig an den Schultern und drückte sie gegen die breite, glatte Glasfront, hinter der sich die glitzernde Skyline von Moskau erstreckte. Die Kälte des Glases strahlte durch ihren Mantel, doch die Hitze, die von seinem massiven Körper ausging, verzehrte jeden frostigen Hauch.

„Ich mache keine Witze, Lumina“, presste er hervor, während seine eisblauen Augen in den ihren brannten. „Morgen früh fängt meine Arbeit in der RBA an. Ich bin stundenlang weg. Du bleibst hier drin. Du bewegst dich keinen Zentimeter vor die Tür, gehst nirgendwo alleine hin und machst keine unüberlegten Alleingänge, kapiert?“

Lumina hob den Kopf, ließ sich von seiner absoluten Autorität kein bisschen einschüchtern und schenkte ihm stattdessen dieses typische, gefährlich strahlende Lächeln, das seine Nerven zuverlässig bis zum Zerreißend anspannte. Ihre magentafarbenen Augen funkelten voller Provokation im Halbdunkel.

„Ein goldener Käfig?“, hauchte sie mit rauchiger, amüsimierter Stimme, während sie langsam die Hände hob und sie flach an seine breite Brust legte. „Du verlangst ziemlich viel von jemandem, der sich gerade freiwillig in ein fremdes Land hat einfliegen lassen, nur um bei dir zu sein.“

Talas Kiefer mahlte wild. Ein dunkles, tiefes Knurren scholl aus seiner Kehle... das gefährliche Signal eines Mannes, der genau wusste, dass sie seine harten Ansagen im nächsten Moment ohnehin wieder brechen würde.

Er schloss für einen winzigen Moment die Augen. Ein tiefes, schweres Ausatmen entwich seiner Kehle, ehe er den Kopf senkte und seine harte Stirn mit einer seltenen, fast schmerzvollen Sanftheit direkt gegen die ihre lehnte. Der eiskalte Wind Moskaus pfiff draußen vor der gewaltigen Glasfront, doch hier, in diesem flüchtigen Augenblick, existierte nur die drückende Hitze zwischen ihren Körpern.

Sein Atem strich heiß und unregelmäßig über ihre Lippen. Die gewohnte, eisige Maske der absoluten Kontrolle bröckelte für den Bruchteil einer Sekunde ab und gab den Blick frei auf etwas, das er sonst mit aller Macht zu verbergen versuchte.

„Ich glaube einfach nicht, dass es sicher für dich ist, verdammt noch mal ganz allein durch diese Stadt zu laufen“, raunte er mit einer abgrundtiefen, heiseren Stimme, die rau vor unterdrückter Anspannung klang.

„Du kennst dich in Moskau nicht aus. Du sprichst die Sprache nicht. Und du hast nicht den blassesten Schimmer, wie verdammt schnell die Dinge hier umschlagen können, wenn du an die falschen Leute gerätst.“

Lumina blinzelte.

Ein überraschter, fast ungläubiger Ausdruck stahl sich in ihre magentafarbenen Augen. Die schlagfertige Antwort, die ihr bereits auf der Zunge gelegen hatte, verflog im Bruchteil einer Sekunde. Für gewöhnlich knallte Tala ihr Befehle an den Kopf, unnachgiebig, besitzergreifend und ohne jede Erklärung.

Doch diese knappen, rauen Worte... das war keine bloße Machtdemonstration. Das war keine reine Willkür.

Er machte sich tatsächlich Sorgen um sie.

Der unerschütterliche, eiskalte Russe, der sonst jede Form von Verletzlichkeit wie eine tödliche Schwäche behandelte, hatte Angst um ihre Sicherheit.

Ein leises, wunderbar warmes Gefühl breitete sich in Luminas Brust aus und vertrieb die letzte verbliebene Kälte der Reise. Ihre Lippen öffneten sich leicht, während ihr Blick tiefer in seinen eisblauen Augen versank, die sie aus nächster Nähe mit einer so ungeschützten Dringlichkeit musterten, dass ihr Herz einen verräterischen Schlag aussetzte.

Ein sanftes, unverfälschtes Lächeln stahl sich auf Luminas Lippen. Der sonst so gewohnte, spitzbübische Spott war aus ihren Zügen gewichen und hatte einer tiefen, fast zärtlichen Wärme Platz gemacht. Sie hob die Hand, legte ihre sanften Finger an seine raue Wangenpartie und sah ihm direkt in die eisblauen Augen, die sie so eindringlich musterten.

„Ich werde hier auf dich warten, Tala“, sagte sie leise, mit einer ehrlichen, ruhigen Sanftheit in der Stimme. „Ich verspreche es dir.“

Tala schloss die Augen.

Seine harten Kiefermuskeln mahlten wild unter der blassen Haut, während er den Kopf für einen Herzschlag tief in ihre Handfläche schmiegte. Seine Brust hob und senkte sich schwer. Er war ein Mann, der keine Worte für das hatte, was in seinem Inneren vorging... ein Mann, der Gefühle nie gelernt, geschweige denn jemals benannt hatte. Doch dieses plötzliche, fast schmerzhafte Ziehen in seiner Brust war nichts anderes als reine, tief sitzende Erleichterung.

Eine Erleichterung, die ihn wie ein Schlag traf: Sie war wirklich hier. Sie war nicht tausende Kilometer weit weg in England, sondern in seinen Armen, mitten in seiner Heimat, mitten in seinem Leben.

Bevor er auch nur einen weiteren Gedanken zu lassen konnte, schloss sich seine schwere Hand mit rauer, kompromissloser Kraft um ihr Handgelenk. Er riss sie an sich und begrub ihre Lippen in einem tiefen, alles verschlingenden Kuss.

Es war ein Kuss voller Dringlichkeit und verzehrendem Verlangen... rau, herrschsüchtig und doch von einer Intensität, die Lumina den Atem raubte. Seine andere Hand fuhr fest in ihren Nacken, hielt sie unerbittlich an sich gepresst, während er ihren Geschmack gierig in sich aufsaugte.

Luminas Knie wurden augenblicklich weich unter der rohen Wucht seiner Nähe. Sie krallte ihre Finger in den Stoff seines dunklen Hemdes, um nicht den Halt zu verlieren, und gab sich dem strudelnden Gefühl völlig hin, das sie Beide vollkommen einnahm...

Etwa zwölf Stunden später...

Die schweren, schallisolierten Doppeltüren des RBA-Hauptquartiers fielen hinter Tala ins Schloss und schluckten das monotone, kalte Echo seiner Schritte. Die Luft hier roch nach sterilem Metall, hartem Training, Schweiß und dem unerbittlichen Druck absoluter Perfektion... eine Welt, die ihm normalerweise in Fleisch und Blut übergegangen war. Doch an diesem Morgen schien sie seltsam weit weg.

Talas Gedanken waren meilenweit von den Trainingsringen und den wartenden Instruktoren entfernt. Sein Körper summte noch immer von einer tiefen, berauschenden Schwere, und doch pulsierte in seinen Adern eine unbändige, dunkle Energie.

Er musste nur die Augen schließen, und sofort war sie wieder da.

Das Bild brannte sich mit der Schärfe eines Messers in sein Bewusstsein. Er erinnerte sich an die Kälte des Glases an ihrem Rücken, an den funkelnden, herausfordernden Blick in ihren magentafarbenen Augen, bevor er sie sich in jener ersten Nacht im Penthouse genommen hatte. Er hatte sie gepackt, rau, unerbittlich und mit einer animalischen Gier, die keinen Raum für Widerstand gelassen hatte.

Ihre schluchzenden Schreie der Ekstase, die in dem minimalistischen Raum widerhallten, waren für ihn mittlerweile wie eine Droge... ein süchtig machender Beweis dafür, dass sie jede Grenze eingerissen hatte, nur um bei ihm zu sein.

Danach war er im Badezimmer verschwunden, hatte das kalte Wasser über seinen erhitzten Körper laufen lassen, um den unstillbaren Brand in sich zu kühlen. Als er schließlich ins Schlafzimmer zurückgekehrt war, hatte ihn ein Anblick erwartet, der seine harte Brust für einen Herzschlag schmerzhaft zusammengezogen hatte.

Lumina hatte tief und fest auf dem breiten Bett geschlafen. Obwohl der Zeitunterschied zwischen London und Moskau nur wenige Stunden betrug, hatten der Stress der spontanen Flucht, die angespannte Anreise und die intensive Erschöpfung ihren Tribut gefordert. Sie war wie erschlagen gewesen, zusammengerollt in den Laken, während ihre silbrig-weißen Haare wild über das Kissen fielen.

Er hatte sich zu ihr ins Bett gelegt, schwer und leise wie ein Schatten. Statt sich abzuwenden oder zu flüchten, wie er es sonst am Anfang nach jeder Nacht getan hätte, hatte er sie an sich gezogen.

Er hatte seinen massiven Arm fest um ihre schlanke Taille geschlungen und sie die gesamte Nacht über an seinen harten Körper gepresst... stumm, besitzergreifend und unerbittlich, als wollte er sie mit seinem eigenen Gewicht an sich ketten und sicherstellen, dass sie kein Traum war.

Sie hatte noch immer tief geschlafen, eingehüllt in die Wärme der Decke, als er im Morgengrauen aufgestanden war, um sich auf den Weg zur RBA zu machen.

Tala schüttelte unmerklich den Kopf, um den Fokus zurückzuholen, während er mit steinernen Gesichtszügen den Hauptgang betrat.

Er bog gerade um eine der scharfen Ecken im Haupttrakt der RBA, seine Gedanken noch halb im Penthouse bei der tief schlafenden Lumina, als sich ein bekannter, provozierender Schatten in seinen Weg stellte.

Bryan blieb abrupt stehen. Seine Augen weiteten sich schlagartig vor purem Unglauben, als er den massiven Rotschopf vor sich musterte, als sähe er einen Geist, der sich gerade aus dem Nichts materialisiert hatte.

„Verdammt, Tala. Sag bloß, du bist wieder da?“, zischte Bryan fast fassungslos, während er die Hände in die Hüften stemmte und ungläubig den Kopf schüttelte.

„Der Boss hatte richtig getobt, als du einfach so ins Ausland nach England gereist bist, ohne auch nur einen verdammten Urlaubstag zu beantragen! Du hast hier Pflichten, Mann!“

Tala verzog keine Miene. Nicht ein einziger Muskel in seinem eisig harten Gesicht zuckte.

Er blieb einfach stehen, die Hände lässig in den Taschen seiner dunklen Hose vergraben, und musterte Bryan mit einer kalten, absoluten Gleichgültigkeit, die jeden Versuch einer Standpredigt sofort im Keim erstickte.

Ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, schlenderte Tala einfach an Bryan vorbei. Er verlangsamte nicht einmal seine Schritte, als er die breite Schulter seines Teamkameraden passierte.

„Mach dir nicht ins Hemd, Bryan“, brummte Tala trocken und mit einer so unerschütterlichen Gelassenheit, dass es fast provokant wirkte. Seine Stimme war tief und stoisch, als er im Weitergehen hinzufügte:

„Ich hatte eben was zu erledigen.“

Bryan wirbelte auf dem Absatz herum, um Tala hinterherzusehen. Ein vielsagendes, leicht spöttisches Grinsen stahl sich auf seine Züge, während er die Arme vor der Brust verschränkte.

„Sowas wie diese heiße Lumina in England zu besuchen?“, rief Bryan ihm nach, und in seiner Stimme lag eine deutliche Portion Amüsement. „Ja, mein Lieber... auch hier in Moskau sind diese Pressefotos angekommen.“

Tala blieb abrupt stehen.

Für einen Herzschlag herrschte vollkommene Stille im sterilen Korridor der RBA. Tala wandte den Kopf nicht direkt um, doch seine Schultern spannten sich unter dem Stoff seiner Jacke merklich an. Er stieß ein tiefes, raues Schnauben aus der Brust aus... ein trockenes, amüsiertes Geräusch, das keinerlei Entschuldigung enthielt.

„War mir klar“, brummte Tala knapp, ohne sich die Blöße zu geben, genauer darauf einzugehen.

Bryan trat ein paar Schritte näher, musterte die breite Gestalt des Kapitäns von der Seite und legte den Kopf leicht schräg. Der spöttische Unterton in seiner Stimme wich einem unerwartet beobachtenden, fast nachdenklichen Klang.

„Du hast dich verändert, Tala“, sagte Bryan leise und schüttelte grinsend den Kopf. „Du wirkst... nicht mehr ganz so wütend. Willkommen zurück.“

Tala verharrte kurz in der Bewegung. Seine eisblauen Augen verengten sich im Halbdunkel des Flurs, während Bryans Worte wie ein leiser Nadelstich in seiner Brust nachhallten.

Nicht mehr ganz so wütend.

Er antwortete nicht. Stattdessen mahlten seine Kiefermuskeln einmal hart gegeneinander, ehe er sich wieder in Bewegung setzte und mit gewohnt schweren, unerbittlichen Schritten weiter den Gang hinabmarschierte – hinein in den Trainingsraum, während seine Gedanken bereits wieder zu der Frau im Penthouse wanderten, die ihn auf so verstörende Weise verändert hatte.

Nur wenige Etagen höher, im hochgesicherten Überwachungs- und Verwaltungstrakt des RBA-Hauptquartiers, flimmerten Dutzende Bildschirme in gedimmtem Licht. Vor ihnen saß der Leiter der RBA – Direktor Witali Petrow. Er war ein Mann von eiskalter, unerbittlicher Präsenz, dessen Wort hier im Komplex als absolutes Gesetz galt. Seine grauen, scharfen Augen musterten ungerührt die Live-Bilder der Sicherheitskameras, die die Korridore überwachten.

Plötzlich blieb sein Blick auf einem vertrauten, breiten Rücken hängen.

Tala Valkov. Unverkennbar mit seinen roten Strähnen und dem streng gebundenen Dutt, schlenderte er gerade durch den Hauptgang, als gehörte ihm der gesamte verdammte Komplex. Nach tagelangem, unentschuldigtem Verschwinden nach England.

Nach einem erneuten medialen Sturm aus Pressefotos, die den Kapitän der russischen Elite in Gesellschaft einer atemberaubenden, silbrig-weißen Schönheit im Herzen von London zeigten.

Ein dunkles, gefährliches Zucken ging durch den Mund von Direktor Petrow. Seine Hand hob sich langsam und drückte auf das Sprechgerät des internen Kommunikationssystems.

Ein metallisches, scharfes Knacken riss durch die Lautsprecher, die in jedem Winkel des Haupttrakts an den Wänden angebracht waren... und schnitt direkt in Talas Schritte.

„Valkov.“

Die raue, autoritäre Stimme des Direktors hallte blechern und unerbittlich durch den gesamten Gang, laut genug, dass auch Bryan, der ein paar Schritte entfernt stand, erschrocken zusammenzuckte.

„Sofort in mein Büro. Keine Widerrede.“

Tala blieb mitten auf dem Flur stehen. Die massiven Schultern spannten sich unter seiner Jacke an, und seine eisblauen Augen verengten sich zu Schlitzen. Eine eisige Wut flackerte in ihm auf, gepaart mit der ungeduldigen Gewissheit, dass dieses unangenehme Gespräch mit Petrow ihn nur unnötig lange von dem fernhielt, was wirklich zählte.

Ohne eine Miene zu verziehen, wandte er sich um und schlug stoischen Schrittes den Weg zum Büro des Direktors ein.

Währenddessen...

Auf dem breiten Bett im Schlafzimmer schien die Zeit stehen geblieben zu sein.

Die Kissen waren noch leicht eingedrückt, und der unverkennbare, schwere Duft von Tala lag in der Luft. Lumina schlug langsam die Augen magentafarbenen Augen auf, blinzelte gegen das helle Tageslicht an, das durch die raumhohen Fenster strömte, und streckte sich genüsslich aus. Ihr Körper fühlte sich herrlich schwer an, durchdrungen von der intensiven Nähe der vergangenen Nacht.

Sie rollte sich auf die Seite, griff nach der Stelle, wo Tala gelegen hatte, und fand... natürlich... nur leere, bereits abgekühlte Laken.

Ein kurzes, amüsiertes Schnauben entwich ihrer Kehle. Sie hatte gar nichts anderes erwartet. Er war im Morgengrauen verschwunden, um sich in der RBA den pflichtbewussten Kapitän spielen zu lassen, während sie hier im vermeintlich sicheren goldenen Käfig zurückgeblieben war.

Lumina setzte sich auf, warf die Beine aus dem Bett und zog sich einen von Talas schwarzen Hoodies über, der lässig über einem Sessel hing. Der Stoff war viel zu groß, umschloss sie wie eine schützende Rüstung und roch intensiv nach ihm. Sie trat barfuß auf den kalten, polierten Steinboden und schlenderte in den offenen Wohnbereich, um sich erst einmal einen Überblick zu verschaffen.

Auf dem minimalistischen Küchenblock aus dunklem Marmor fiel ihr sofort ein kleiner, zusammengeknüllter Zettel ins Auge.

Neugierig trat sie näher und entfaltete ihn. Mit Talas markanter, ungeduldiger Handschrift waren ein paar wenige Worte darauf gekritzelt:

Bleib hier. Ich bin am Nachmittag zurück.

Lumina starrte auf die Notiz, und ein funkelndes, absolut diebisches Lächeln breitete sich auf ihren Zügen aus.

Bleib hier.

Als ob sie jemals auf Befehl den ganzen Tag in einem leeren Penthouse herumsitzen würde, während draußen eine komplett neue, aufregende Stadt auf sie wartete! Doch... sie hatte es versprochen...

Sie wanderte durch die Räume, ließ die Finger über die teuren, modernen Designer-Möbel gleiten und warf einen Blick in Talas schlichtes, aber makellos aufgeräumtes Arbeitszimmer. Hier gab es keine verspielten Dekorationen, keine alten Familienfotos... nur purer Minimalismus, ein schwerer Schreibtisch und ein paar Regale mit Fachliteratur und alten Dokumenten.

Doch als sie die Tür zum angrenzenden Raum öffnete, der wohl als privater Rückzugsort oder Umkleide diente, blieb sie abrupt stehen.

Dort, auf einer schlichten Kommode aus dunklem Holz, lag ein kleiner, unscheinbarer, alter Holzkasten mit eisernen Beschlägen.

Neugierig trat Lumina näher, öffnete den Deckel mit einer leisen Bewegung und hielt den Atem an. Darin lagen Erinnerungsstücke aus einer Zeit, die Tala sonst eisern verschwieg: alte, vergilbte Fotos aus den Tagen der Abtei und der Blitzkrieg Boys, Medaillen von frühen Turnieren und... am faszinierendsten von allen... ein schwerer, handgefertigter Anhänger, der ein Wolfsmotiv zeigte. Es war ein selten privater Einblick in die steinernen, unnahbaren Mauern von Talas Vergangenheit.

Sie fuhr mit den Fingerspitzen über das kalte Metall, während in ihrem Kopf sofort ein neuer, brillanter Plan heranreifte.

Er hatte ihr verboten, das Penthouse zu verlassen. Er hatte ihr verboten, sich allein in Moskau zu bewegen. Aber er hatte absolut nichts davon gesagt, dass sie sich nicht ein bisschen in seiner eigenen Wohnung austoben durfte... oder, noch besser, dass sie sich nicht eine kleine Überraschung einfallen ließ, die ihn nach seinem harten Training in der RBA garantiert komplett aus der Fassung bringen würde.

Plötzlich flackerte das Display ihres Smartphones auf der polierten Holzkommode stumm auf. Lumina, die sich gerade noch fasziniert über den alten Holzkasten gebeugt hatte, bemerkte das helle Leuchten nur durch Zufall.

Ein spitzbübisches, diebisches Grinsen stahl sich auf ihre Lippen, als sie das Display genauer ins Auge fasste. Der Anrufername war unverkennbar... Daddy... und direkt darunter prankte die beeindruckende Zahl von mehr als zehn verpassten Anrufen.

Die Nachricht, die sie ihrem Vater nach dem Abflug geschickt hatte, war endlich auf seinem Schreibtisch eingeschlagen.

Mit absolut tiefenentspannter Gelassenheit strich sie über den Bildschirm und hielt sich das Smartphone ans Ohr.

„Guten Morgen, Daddy“, begrüßte sie ihn zuckersüß und voller unschuldigem Charme.

Am anderen Ende der Leitung knirschte Lord Davies so laut mit den Zähnen, dass es fast schmerzte. Seine sonst so aristokratisch beherrschte Stimme klang vor angestauter Wut und purem Entsetzen eine Oktave tiefer.

„Wo zum Teufel bist du?!“, donnerte er heiser durch den Lautsprecher. „Stimmt das? Du bist nach Russland gereist?! Bist du denn jetzt komplett übergeschnappt, Lumina?!“

Lumina lachte leise auf und setzte sich lässig auf die Kante des Tisches, während sie sich eine silbrig-weiße Strähne aus dem Gesicht strich.

„Sorry, Daddy... das war ehrlich gesagt ziemlich spontan“, erwiderte sie ohne die geringste Spur von Reue. „Aber mach dir bitte absolut keine Sorgen. Ich bin hier in den besten Händen.“

Ein langes, theatralisches Seufzen hallte durch die Leitung, gefolgt vom deutlichen Rascheln von Papier in Davies Hall. Lord Davies rieb sich sichtlich die Schläfen.

„Mich wundert bei dir langsam absolut gar nichts mehr...“, murmelte er erschöpft.

Dann entstand plötzlich eine unerwartete, schwere Stille am anderen Ende. Das wütende Poltern war schlagartig verflogen, und die Pause zog sich mehrere Sekunden lang hin. Als Lord Davies schließlich wieder das Wort ergriff, klang seine Stimme ungewohnt ernst, fast vorsichtig:

„Sag mir die Wahrheit, Lumina... Liebst du diesen Sturkopf etwa?“

Lumina hielt für einen Herzschlag den Atem an. Ihre magentafarbenen Augen wandernten zu dem alten Holzkasten vor ihr, und das spöttische Grinsen auf ihren Zügen weichte einer tiefen, ehrlichen Sanftheit.

„Ja...“, sagte sie leise. Die Härte und der gewohnte Spott waren komplett aus ihrer Stimme verschwunden. „Ich glaube... das tue ich wohl. Ich möchte einfach bei ihm sein.“

Die Worte fielen so weich, so wahrhaftig und ohne jeden Hauch von Provokation, dass Lord Davies am anderen Ende hörbar den Atem anhielt. Für einen Moment herrschte absolute Sprachlosigkeit auf der englischen Seite der Leitung. Er hatte seine Tochter in ihrem ganzen Leben noch nie so erlebt... nie so nachdenklich, so emotional und so kompromisslos ehrlich, wenn es um ein Gefühl ging.

Er räusperte sich verlegen, um die plötzliche Ergriffenheit und die aufkommende Strenge seiner Vaterrolle wiederzufliegen.

„Kommst du... kommst du denn vor deinem Semesterstart in Tokio noch einmal nach Hause?“, fragte er mit deutlich sanfterem Unterton.

„Natürlich komme ich nach Hause, Daddy“, versicherte Lumina ihm mit einem leisen, warmen Schmunzeln. „Aber ich bleibe jetzt erst einmal ein paar Wochen hier in Moskau.“

Lord Davies brummte kurz und unverständlich in seinen nicht vorhandenen Bart... das typische Geräusch eines Vaters, der genau weiß, dass er gegen den Kopf seiner Tochter ohnehin keine Chance hatte.

„Pass auf dich auf, Lumina“, sagte er schließlich leise, aber bestimmt. „Und sag diesem Russen, dass er gut auf dich achten soll... sonst komme ich persönlich nach Moskau. Ich muss das jetzt erstmal deiner Mutter erklären.“

Ein sanftes, fast herausforderndes Lächeln stahl sich auf Luminas Lippen, während sie sich mit einer Hand auf der Kante der dunklen Holzkommode abstützte.

„Mach dir keine Sorgen, Daddy. Tala wird schon verdammt gut auf mich aufpassen“, erwiderte sie mit einer unerschütterlichen, fast liebevollen Überzeugung in der Stimme.

„Ich melde mich in den nächsten Tagen noch mal bei dir. Und... richte Mummy bitte einen Kuss von mir aus.“

Lord Davies stieß am anderen Ende ein leises, resigniertes Seufzen aus, in dem trotz aller väterlichen Strenge eine tiefe, unerschütterliche Nachsicht mitschwang. Er wusste, dass jede weitere Standpauke bei ihr ohnehin ins Leere lief.

„Komm einfach heil zurück, mein Kind“, gab er schließlich geschlagen zu Protokoll, während im Hintergrund bereits das leise Murmeln seiner Frau zu hören war.

„Mach’s gut, Daddy“, hauchte Lumina mit einem warmen Schmunzeln und drückte auf dem Display auf den roten Hörer, bevor er doch noch zu einer finalen Ermahnung ansetzen konnte.

Das leise Signal der getrennten Leitung füllte für einen Herzschlag den Raum, ehe wieder absolute, friedliche Stille in dem minimalistischen Schlafzimmer einkehrte.

Lumina ließ das Smartphone achtlos auf die Kommode gleiten. Ihr Blick wanderte sofort wieder zu dem alten Holzkasten und Talas Erinnerungsstücken. Das Gespräch mit ihrem Vater hatte sie kein bisschen aus der Bahn geworfen... im Gegenteil. Es hatte ihr nur noch einmal schwarz auf weiß gezeigt, dass sie ihren eigenen Weg gegangen war und nun genau da stand, wo sie sein wollte.

Sie schloss den Deckel des Kastens mit einem leisen Klicken, strich noch einmal über den Stoff von Talas viel zu großem Hoodie und trat mit einem diebischen, strahlenden Lächeln an das raumhohe Fenster.

Moskau lag unter ihr in der kristallklaren, eiskalten Mittagssonne... und sie hatte noch ein paar Stunden Zeit, bevor der unerbittliche Rotschopf von seinem ersten Tag bei der RBA ins Penthouse zurückkehren würde.