Die Provokation trägt Rot
Die Provokation trägt Rot
Bryan starrte immer noch auf die Stelle an der Wand, als hätte sich dort gerade ein Geist in Luft aufgelöst, während Spencer sich langsam mit der Hand über den Hinterkopf strich. Die Realität hatte sie mit der Wucht eines Dampfhammers getroffen. Ihr gefürchteter, eiserner Kapitän... der Mann, der sonst jeden mit einem Blick vernichtete... hatte soeben eine atemberaubende, weinrot gekleidete junge Frau an sich gerissen und sie wie einen wertvollen, aber höchst illegalen Schatz in seinen privaten Trakt gezerrt.
„Sag mal...“, brach Bryan das Schweigen mit einer Stimme, die ein paar Tonlagen zu hoch klang. Er sah Spencer an, als bräuchte er dringend eine Bestätigung dafür, dass er nicht kollektiv den Verstand verloren hatte. „Hast du das gerade auch gesehen? Das... das war sie.“
„Ich hab Augen, Bryan“, gab Spencer trocken zurück, auch wenn ein ungewohnt amüsiertes Zucken um seine Mundwinkel spielte. „Und Nein, wir gehen da jetzt nicht hin. Wenn der Kapitän uns im Moment auch nur in die Nähe seines Flurs atmen hört, schleift er uns eigenhändig durch die Arena, bis wir bluten.“
„Ach komm schon!“, zischte Bryan, dessen schrullige Neugier augenblicklich die Angst überwiegte. „Er hat sie weggeschleppt, und Petrow weiß garantiert noch von nichts! Nur ein kleiner Blick!“
Bevor Spencer ihn noch davon abhalten konnte, setzte Bryan sich bereits in Bewegung. Mit schnellen, leisen Schritten stapfte er den Korridor entlang in Richtung des privaten Bereichs, wo sich Talas schallisolierte Räume befanden. Spencer stöhnte leise auf, verdrehte die Augen und folgte ihm widerwillig... wohl wissend, dass sie hier gerade sehenden Auges in ihr eigenes Verderben rannten.
Hinter der schweren Holztür des Büros war von der äußeren Welt nichts zu hören.
Die angespannte Luft hatte sich langsam in eine tiefe, fast greifbare Intimität verwandelt.
Lumina lehnte noch immer leicht an der Tür, während ihre Finger sanft in den Haaren des Rotschopfs ruhten. Tala stand dicht vor ihr, seine breite Brust hob und senkte sich in gleichmäßigem, schwerem Takt. Die Wut und die Panik waren verflogen, zurückgeblieben war jene wortlose, absolute Fixierung aufeinander, die keinen Raum für Fragen ließ.
Plötzlich riss ein schrilles, unüberhörbares Geräusch die Stille zerrissen.
Klopf. Klopf. Klopf.
Drei harte, ungeduldige Knöchelschläge gegen das massive Holz von außen.
Talas Körper spannte sich augenblicklich an. Jede einzelne Muskelnote in seinem Rücken versteifte sich zu Stahl. Die friedliche, schwere Ruhe im Raum zerbrach mit der Subtilität einer explodierenden Granate.
Lumina hob amüsiert eine Augenbraue, während ein leises, keckes Lächeln auf ihren Lippen zuckte.
„Besuch, Tala.“, flüsterte sie mit rauchiger, amüsierter Stimme, die den absoluten Kontrast zu dem bildete, was sich in Talas Augen abspielte.
Diese verdunkelten sich in Bruchteilen einer Sekunde zu einem tosenden Sturm. Das Blut schoss ihm mit einer solch brachialen Wucht in den Kopf, dass er am liebsten durch das Holz hindurchgegangen wäre. Wer zum Teufel wagte es... wer verdammt noch mal wagte es, ihn in diesem Moment zu stören?!
Mit einer abrupten Bewegung trat er von Lumina zurück, und zog sie leicht zur Seite.. Seine Schritte waren schwer, als er sich zur Tür wandte, die Hand flach auf das kalte Metall der Klinke legte und sie mit einem einzigen, harten Ruck aufriss.
Draußen im Flur standen Bryan und Spencer. Bryan hatte gerade den Arm gehoben, um ein weiteres Mal anzuklopfen, und erstarrte mitten in der Bewegung. Sein Gesichtsausdruck gefror augenblicklich, als treffe ihn der physische Blick eines hungrigen Wolfes. Neben ihm schluckte Spencer so hart, dass man es im halben Flur hören konnte, und wich reflexartig einen halben Schritt zurück.
Tala sagte kein einziges Wort. Er stand einfach nur da... breit, bedrohlich, die Hände locker zu Fäusten geballt, während eine so tödliche, erdrückende Kälte von ihm ausging, dass die Luft im Korridor schlagartig gefror.
„Wenn ihr nicht wollt, dass ich eure Köpfe als Ersatz für die Trainings-Dummies benutze“, knurrte Tala mit einer so tiefen, heiseren und mörderischen Intonation, dass Bryan die Luft wegblieb, „dann rate ich euch, in den nächsten zwei Sekunden zu verschwinden.“
Bryan brachte kein Wort heraus. Er nickte panisch, packte Spencer am Arm, und die beiden machten auf dem Absatz kehrt, als stünde der leibhaftige Teufel vor ihnen.
Tala ließ die Tür mit einem ohrenbetäubenden Bums ins Schloss fallen, drehte sich um und schloss sofort wieder die Distanz zu Lumina, die im Zimmer stand und sich ein amüsiertes, helles Lachen schlicht und einfach nicht mehr verkneifen konnte.
Draußen im Flur fuhr Spencer herum, starrte Bryan mit fassungslosen Augen an und schnappte nach Luft.
„Was zum Teufel... hat das jetzt eigentlich gebracht, Bryan?“, zischte Spencer gedämpft, während er mit einem nervösen Seitenblick auf das massive Holz sicherstellte, dass der Kapitän sie nicht direkt wieder aufriss.
„Wolltest du unbedingt testen, ob Tala uns heute noch eigenhändig exekutiert?“
Bryan rieb sich den Nacken, grinste jedoch breit und völlig unbeeindruckt, als hätte er gerade den besten Einfall seines Lebens gehabt.
„Ach, komm schon“, gab Bryan mit einem spöttischen Schulterzucken zurück. „Ich wollte diesen heißen Feger, den er da drinnen versteckt hält, einfach nur noch mal aus der Nähe sehen. Hat sich gelohnt, der Anblick war's wert.“
Spencer schnaupte verächtlich aus, schüttelte fassungslos den Kopf und warf ihm einen durchdringenden Blick zu.
„Du bist schlicht und einfach lebensmüde, weißt du das eigentlich?“, zischte Spencer mit Nachdruck. „Sag das bloß nicht vor Tala, sonst schickt er dich nicht als Trainings-Dummy in die Arena, sondern lässt dich gleich ganz verschwinden.“
Hinter der dichten Schalldämmung der Holztür war von dem Wortwechsel im Flur nur ein dumpfes Murmeln gedrungen, doch das mörderische Funkeln in Talas eisblauen Augen sprach Bände. Er stand noch immer dicht vor Lumina, die Muskeln in seinem Nacken gespannt wie Drahtseile, während sein Atem langsam wieder zur Ruhe kam.
Lumina, die die Szene mit einer faszinierten, fast spielerischen Gelassenheit verfolgt hatte, hob langsam das Kinn. Ein amüsiertes, keckes Lächeln zuckte um ihre perfekten Lippen, während sie ihre Hände locker auf seine breite Brust legte.
„Weißt du, Tala...“, säuselte sie mit rauchiger, melodischer Stimme und strich ihm sacht über den Stoff seiner Jacke. „Vielleicht wäre es gar keine so schlechte Idee, wenn ich mich deinen Jungs demnächst mal... ganz offiziell vorstelle? Nur, damit deine Teamkollegen wissen, mit wem sie es zu tun haben.“
Talas Kiefer mahlte augenblicklich wieder. Die Vorstellung, dass diese beiden Idioten auch nur einen einzigen weiteren Gedanken an sie verschwendeten oder sie in einem offiziellen Rahmen musterten, ließ seinen besitzergreifenden Instinkt augenblicklich in Flammen aufgehen.
„Gar nichts wirst du“, knurrte er dunkel und absolut unmissverständlich, während seine eisblauen Augen gefährlich dunkel wurden.
„Du bleibst hier. Niemand bekommt dich zu Gesicht.“
Ein dunkles, herausforderndes Glitzern trat in Lumina magentafarbene Augen. Denn sie wäre schlicht und einfach nicht Lumina, wenn sie sich von einem mörderischen Blick oder einer knappen Drohung auch nur im Ansatz einschüchtern lassen würde.
Statt einzuknicken, hob sie das Kinn ein Stück höher, während ein amüsiertes, fast schon süffisantes Lächeln auf ihren Lippen lag. Ihre Hände, die auf seiner breiten Brust ruhten, wanderten langsam an seinem Revers nach oben, bis ihre schlanken Finger spielerisch seinen Nacken berührten.
„Niemand?“, hauchte sie mit einer rauchigen, melodischen Verführung, die direkt unter seine Haut ging.
Sie lehnte den Kopf leicht zur Seite, während ihr Blick ihn voll und ganz einfing.
„Du überschätzt dich gewaltig, Rotschopf, wenn du ernsthaft glaubst, dass ich den Rest meines Aufenthalts in deinem goldenen Penthouse hocke, wie ein stilles Dekorationsstück, das du nur abends auspackst. Ich bin nicht nach Moskau gereist, um deine Tapeten zu bewundern... und ganz bestimmt nicht, um mich von ein paar eifersüchtigen Teamkollegen oder einem verstaubten Direktor verstecken zu lassen.“
Talas Atem stockte für einen Herzschlag.
Die schiere, unerschütterliche Frechheit in ihren Worten traf ihn mit der Wucht eines Vorschlaghammers. Jede andere Person in diesem Gebäude wäre nach so einer Ansage längst zitternd vor Angst zurückgewichen.
Doch Lumina lehnte sich seelenruhig an ihn, genoss das Beben in seinen Muskeln und forderte ihn mit jeder Faser heraus.
Seine Kiefermuskeln mahlten wild unter der rauen Haut. Sein Verstand schrie danach, ihr zu widersprechen, sie an sich zu ketten und ihr unmissverständlich klarzumachen, dass hier er die Regeln machte. Doch tief in seinem Inneren, in diesem dunklen, aufgewühlten Bereich, den er selbst kaum verstand, wachte erneut etwas anderes auf: eine brodelnde, fast schmerzhafte Mischung aus rasender Wut und diese völlig verdrehte, tiefe Faszination für ihre Sturheit.
Er konnte sie nicht zähmen. Und verdammt noch mal... genau das war der Grund, warum er sie so verdammt dringend brauchte.
Mit einem tiefen, rauen Knurren, das mehr einem grollenden Raubtier als einem Menschen glich, presste er die Lippen aufeinander, ehe er die Hände noch fester um ihre Taille schloss und sie so nah an sich heranzog, dass kein Hauch von Luft mehr zwischen ihre Körper passte.
„Petrow wird dich in der Luft zerreißen, wenn er merkt, dass du einfach so hier hereinspaziert bist“, knurrte Tala dunkel, und seine Stimme klang wie das Knirschen von Eis auf einer gefrorenen Fahrbahn. „Du hast absolut keine Ahnung, wie dieser Mann tickt. Nach den Zeitungen in London... wenn er erfährt, dass du hier im Hauptquartier auftauchst, nutzt er das, um mich komplett fertigzumachen.“
Lumina lächelte nur. Ein schiefes, fast vergnügtes Zucken lag um ihre perfekten Lippen, während sie den Kopf leicht schräg legte.
„Und wo genau ist das Problem?“, fragte sie mit unverschämter, fast provozierender Gelassenheit.
Tala presste die Zähne aufeinander, dass seine Wangenmuskeln hervortraten.
„Das Problem ist“, zischte er durch die geschlossenen Zähne, „dass in dieser Basis ausnahmslos Mitglieder der RBA Zutritt haben. Besucher kommen nur mit offizieller Genehmigung und strenger Anmeldung hinein. Du hast hier absolut nichts verloren!“
Lumina blinzelte langsam, unbeeindruckt von seiner rauen Strenge.
„Aber ich habe mich doch nicht etwa reingeschlichen, Tala“, gab sie mit sanfter, fast säuselnder Stimme zurück. „Der Wachmann hat mich durchgelassen, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Sie kennen mich alle dank der Klatschblätter. Wenn es also eine Regel gibt, haben sie sie für mich gebrochen.“
Sie machte eine kurze Pause, während ihre magentafarbenen Augen in den seinen funkelten, und fügte mit einem fast schon unschuldigen Unterton hinzu:
„Dann stell mich deinem Direktor eben offiziell vor. Und außerdem... ich würde unheimlich gerne mal live bei deinem Training zusehen. Ich will schließlich wissen, ob du hier wirklich so hart arbeitest, wie du tust.“
Talas Atem stockte.
Sie wollte ernsthaft... von sich aus in die Höhle des Löwen? Sie wollte vor Petrows Augen auftreten, sich im Herzen der RBA präsentieren und obendrein in der Trainingshalle hocken, während er sich durch die grausamen Sessions quälte?
Sein Verstand sagte ihm, dass das der absolute Wahnsinn war... ein katastrophaler Fehler, der das Fass bei Petrow endgültig zum Überlaufen bringen würde. Doch in seiner Brust schlug sein Herz gegen seine Rippen wie ein gefangenes Tier, hin- und hergerissen zwischen dem drängenden Bedürfnis, sie sofort wieder wegzusperren, und einer verbotenen, elektrisierenden Faszination für ihre absolute, grenzenlose Furchtlosigkeit.
Ein langes, tiefes Ausatmen entrang sich Talas Kehle... ein Laut, der irgendwo zwischen totaler Kapitulation und der erneuten dumpfen Erkenntnis lag, dass es absolut keinen Sinn hatte, gegen ihren Sturkopf anzukämpfen. Seine breite Brust senkte sich langsam, während er seinen eisblauen Blick tief in ihre funkelnden magentafarbenen Augen heftete.
„Na schön“, knurrte er schließlich heiser, und in seiner Stimme lag eine Mischung aus rauer Resignation und einer untergründigen, elektrisierenden Anspannung. „Ich nehme dich mit in die Trainingshalle.“
Er machte eine kurze Pause, während seine Kiefermuskeln unheilvoll zuckten. Er kannte den RBA-Komplex und er kannte Petrow besser als jeder andere.
„Aber mach dir keine Illusionen“, fuhr er fort, während er sie noch einmal kurz an den Schultern packte, ehe er seine Hände widerstrebend von ihr löste. „Der alte Direx sitzt garantiert schon vor seinen Überwachungsmonitoren und hat mit hundertprozentiger Sicherheit jeden einzelnen Schritt gesehen, den du hier reingelatscht bist. Es wird nicht lange dauern, bis er in der Halle aufkreuzt und die Hölle losbricht. Also benimm dich... den Rest regle ich.“
Luminas Gesichtsausdruck veränderte sich schlagartig. Die sanfte, vertraute Intimität wich einer Welle purer, ungespielter Begeisterung.
Ein strahlendes, fast triumphierendes Lächeln erhellte ihr blasses Gesicht, und ihre magentafarbenen Augen weiteten sich vor freudiger Überraschung. Sie schien in diesem Moment kaum fassen zu können, dass er tatsächlich nachgegeben hatte.
„Du nimmst mich wirklich mit zum Training?“, hauchte sie fast atemlos, während ein helles, vergnügtes Lachen ihre Kehle verließ. Sie trat einen Schritt näher an ihn heran und musterte ihn mit einem schelmischen Funkeln.
„Wirst du mich dann auch deinen reizenden Teamkollegen offiziell vorstellen?“
Tala schloss für einen winzigen Bruchteil einer Sekunde die Augen und unterdrückte ein tiefes, verräterisches Augenrollen. Allein der Gedanke daran, Bryan und Spencer in derselben Sekunde wie Lumina in einem Raum zu haben, ließ seinen Blutdruck in astronomische Höhen steigen.
Er sah sie aus halb zusammengekniffenen Augen an.
„Du kannst dich gefälligst selbst vorstellen“, brummte er mit tiefer, unerbittlicher Stimme. Er trat auf sie zu und sah ihr direkt in die Augen, während ein letzter, warnender Unterton in seinen Worten mitschwang: „Aber reize es nicht aus... übertreib es bloß nicht, Lumina.“
Der Weg durch die langen, sterilen Gänge des RBA-Hauptquartiers fühlte sich an wie der Marsch an die vorderste Front eines unvorhersehbaren Krieges. Tala ging voraus, seine breiten Schultern unter der dunklen Jacke angespannt, während Lumina direkt hinter ihm schritt... jede ihrer Bewegungen von einer selbstverständlichen, fast provokanten Eleganz begleitet.
Als Tala schließlich die schweren, metallverstärkten Doppeltüren zur Haupttrainingshalle aufstieß, geschah etwas, das im harten Alltag der RBA extrem selten war: Der Lärm im Raum erstarb schlagartig.
Das hochfrequente Surren rotierender Blades verstummte mitten im Lauf. Das Klirren von Abschussvorrichtungen verstummte, und Dutzende Augenpaare... von den verunsicherten Neulingen bis hin zu Spencer und Bryan, die gerade noch am Rand gestanden hatten... richteten sich wie auf ein unsichtbares Kommando auf den Eingang.
Dort stand er, der gefürchtete Rotschopf, und an seiner Seite eine atemberaubende, silbrig-weiße Vision in einem enganliegenden, weinroten Samtkleid. Die blasse Haut, die magentafarbenen Augen, das bis zum Gesäß fallende Haar... es gab niemanden im Raum, der die Fotos aus den britischen Boulevardzeitungen den letzten Tagen nicht wiedererkannt hätte.
Doch während der Rest der Halle in absoluter Schockstarre verharrte, rührte sich an der Kante des massiven Beystadiums nur eine einzige Person mit kühler, unerschütterlicher Gelassenheit.
Ian.
Er lehnte lässig, aber mit scharfer Haltung am Rand der Arena, die Arme vor der Brust verschlossen. Seine dunklen Violetttöne im Haar spiegelten sich im harten Hallenlicht, während seine hellvioletten Augen die Szene mit einer messerscharfen Präzision musterten.
Ian hatte die Überwachungsaufnahmen aus dem Kontrollraum bereits Punkt für Punkt verfolgt; er wusste exakt, wie sie reingekommen war, wie Tala im Büro reagiert hatte, und er zog seine ganz eigenen, analytischen Schlüsse daraus.
Langsam, mit einer fast provozierenden Ruhe, löste Ian sich von der Kante des Stadiums und ging ein paar Schritte auf das Duo zu.
„Ich wusste gar nicht, dass wir neuerdings VIP-Führungen im Hauptquartier anbieten, Kapitän“, tönte Ians ruhige, schneidende Stimme durch die stille Halle. Ein Hauch von trockenem Spott lag in seinem Ton. „Oder hat der britische Medienrummel beschlossen, den Trainingsplan der RBA eigenhändig zu inspizieren?“
Talas Kiefer mahlte derart wild, dass das Knochenreiben im Raum fast hörbar war. Das Blut schoss ihm mit einer solch brachialen Wucht in die Schläfen, dass jede Faser seines Körpers danach schrie, Ian für diesen spöttischen Satz augenblicklich eigenhändig über die Arena-Kante zu schleudern. Seine Hände ballten sich in den Taschen zu so festen Fäusten, dass seine Knöchel weiß wurden.
Ein gefährliches, tiefes Knurren drang aus seiner Kehle, bereit, jede Sekunde in absolute Zerstörung umzuschlagen.
Bevor Tala jedoch nach vorn schießen und Ian an die Kehle gehen konnte, trat Lumina seelenruhig an ihm vorbei.
Sie schaute den kühlen Strategen mit einem absolut furchtlosen, strahlenden Lächeln an... jener perfekten Mischung aus britischer Aristokratie und absoluter Überlegenheit. Ihre magentafarbenen Augen musterten Ian von Kopf bis Fuß, ehe sie mit klarer, melodischer Stimme das Wort ergriff, das die Luft im Raum endgültig zum Zerreißen spannte.
„Oh, keine Sorge“, hauchte Lumina, während sie einen eleganten Schritt in die Halle machte und ihren Blick über die fassungslosen Gesichter der anwesenden Blader schweifen ließ. „Ich bin ganz gewiss nicht hier, um den Trainingsplan zu stören. Ich wollte mir nur höchstpersönlich ansehen, ob der Rotschopf hier tatsächlich so hart arbeitet, wie er immer tut... oder ob er nur große Töne spuckt.“
Talas Kiefer spannte sich so extrem an, dass die Knochen unter seiner blassen Haut weiß hervortraten. Er stieß ein tiefes, verächtliches Schnauben aus, das wie das Grollen eines gereizten Raubtiers durch die mucksmäuschenstille Halle hallte.
„Du überschätzt deine Narrenfreiheit, Lumina“, knurrte er dunkel, doch seine Stimme verlor trotz der Rauheit jede echte Schärfe, sobald er sie ansah.
Ein paar Schritte entfernt weiteten sich Bryans Augen zu tellergroßen Scheiben. Er schluckte schwer und stieß Spencer ungläubig mit dem Ellbogen in die Rippen.
Dass eine Frau es wagen würde, den berüchtigten Kapitän der RBA vor versammelter Mannschaft als „Rotschopf“ zu bezeichnen und ihm vorzuwerfen, er würde nur große Töne spucken... und dass Tala sie dafür nicht auf der Stelle mit einem eisigen Todesblick pulverisierte... , war ein absolutes Novum. Bryan dämmerte in diesem Bruchteil einer Sekunde mit voller Wucht:
Dieses Mädchen hatte Tala Valkov schlicht und ergreifend im Griff. Sie konnte sich Dinge erlauben, für die jeder andere in dieser Halle bereits blutend am Boden gelegen hätte.
Ian hingegen zuckte nicht einmal mit der Wimper. Seine hellvioletten Augen musterten das Zusammenspiel zwischen Tala und der silbrig-weißen Schönheit mit eiskalter, analytischer Präzision.
„Große Töne spucken ist das eine“, schaltete sich Ian ruhig wieder ein und verschränkte die Arme noch etwas fester vor der Brust. „Die Frage ist vielmehr, ob der Kapitän unter dieser... Ablenkung noch in der Lage ist, seine gewohnte Leistung abzurufen. Der Direktor ist ohnehin schon bedient. Wenn dein Fokus leidet, Tala, haben wir ein echtes Problem.“
Talas eisblaue Augen verengten sich zu zwei gefährlichen Schlitzen. Der Funke war gesprungen.
„Mein Fokus leidet nicht, Ian“, zischte Tala mit einer so bedrohlichen Intonation, dass die umstehenden Neulinge panisch zwei Schritte zurückwichen. „Mache einen Schritt an die Arena und überzeuge dich selbst.“
„Mit Vergnügen“, erwiderte Ian ohne Zögern.
Mit kühlen, gemessenen Schritten trat der Stratege an den Rand des Beystadiums, zog flüssig seinen Starter hervor und setzte seinen Blade auf.
Lumina trat ebenfalls näher an den Rand der Arena heran. Ihre hochhackigen Ankle Boots klackten leise auf dem harten Hallenboden, ehe sie sich direkt an die Kante stellte... so nah, dass sie die kalte Zugluft der Arena spüren konnte. Es war das allererste Mal, dass sie Tala live in Aktion sehen würde. Sie kannte die Geschichten, die Zeitungsartikel und die Berichte über den unbarmherzigen RBA-Kapitän, doch ihn hier, in seinem Element, zu erleben, ließ einen prickelnden Schauer über ihren Rücken laufen.
Tala trat an seine Position gegenüber von Ian.
Er zog Wolborg hervor, fing ihren Blick für den Bruchteil einer Sekunde auf und sah das blitzende, amüsierte Herausfordern in ihren magentafarbenen Augen. In seinen Adern entfachte sich augenblicklich ein flammendes Feuer. Er wollte es ihnen nicht nur beweisen... er wollte sie alle in Grund und Boden stampfen mit der reinen, unbändigen Gewalt, die in ihm steckte.
„Drei... Zwei... Eins...“, zählte Spencer mit angespannter Stimme von der Seite an.
„LET IT RIP!“, brüllten Tala und Ian wie aus einem Mund.
WUMM!
Die Entladung war brachial. Mit einer rohen, zerschmetternden Kraft riss Tala die Leine durch. Wolborg katapultierte sich wie ein entfesselter, silberner Eissturm in das massive Beystadium. Das metallische Dröhnen war so laut, dass das Trommelfell schmerzte, und eine drückende Schockwelle aus reinem Winddruck fegte durch die Halle. Lumina musste leicht blinzeln, als ihr langes, silbrig-weißes Haar durch den plötzlichen Luftzug wild nach hinten geweht wurde, doch ihr Blick blieb wie gebannt an der Arena kleben.
Sofort entbrannte ein gnadenloser, hochfrequenter Clash.
Ians Blade versuchte mit präzisen, schnellen Angriffen die Schwachstellen zu finden, doch Wolborg detonierte förmlich bei jedem einzelnen Kontakt. Metall knallte auf Metall, Funken sprühten in kaskadenartigen Garben durch die Luft und tauchten die Halle in ein zuckendes, oranges Licht.
Tala stand da wie ein unerschütterlicher Monolith. Jede Faser seines Körpers war angespannt, seine Muskeln zeichneten sich scharf unter dem Stoff seiner Kleidung ab, und seine eisblauen Augen brannten vor einer dunklen, beinahe beängstigenden Dominanz. Er kämpfte nicht einfach nur... er herrschte über die Arena.
Lumina hielt unwillkürlich den Atem an. Das spöttische Lächeln glitt langsam von ihren Lippen und wich einer tiefen Faszination. Die rohe, ungezähmte Kraft, die von ihm ausging, die absolute Kontrolle und die gefährliche Aura, die ihn mitten im Kampf umgab... es war berauschend.
Mit einem letzten, unerbittlichen Befehl fuhr Talas Arm nach vorn. Wolborg holte zu einem vernichtenden Schlag aus, traf Ians Blade mit voller Wucht und schleuderte ihn in einem hohen Bogen hoch über die Banden der Arena hinweg.
Das metallische Scheppern des abprallenden Blades war das einzige Geräusch in der sonst vollkommen erstarrten Halle.
Tala fing Wolborg mit einer einzigen, blinden Handbewegung ab, schob ihn zurück in seine Tasche und wandte den Kopf langsam zu Lumina herum. Sein Atem ging schwer und unregelmäßig, die Brust hob und senkte sich, und sein Blick bohrte sich rau in Ians Augen.
„Und?“, brummte er heiser, die Stimme tief im Kehlkopf sitzend. „Überzeugt?“
Bevor Ian auch nur Luft holen oder auf Talas Bemerkung reagieren konnte, knallten die schweren Doppeltüren der Trainingshalle erneut auf. Ein leises, fast ehrfürchtiges Raunen ging durch die Reihen der Neulinge, als sich der Blick auf den Neuankömmling richtete.
Direktor Witali Petrow schritt hinein.
Wenn man ihn mit Mr. Dickinson vergleichen wollte, dann war Petrow sein finsteres, unbarmherziges Pendant aus dem eisigen Osten. Ein paar Jahre jünger, von drahtiger, unnachgiebiger Statur und mit einer Autorität, die jede Wärme augenblicklich aus dem Raum saugte. Doch zu Talas grenzenloser Überraschung lag in Petrows grauen Augen nicht die brodelnde, explosive Wut, die er sich angesichts der unerlaubten Eindringling ausgemalt hatte. Stattdessen sprach aus seinem Blick eine kalte, abgeklärte Pragmatik.
Petrow wusste zu genau, dass ein offener Krieg mit seinem stärksten Blader kurz vor den wichtigsten Turnieren der Neulinge mehr Schaden anrichten würde, als ihm lieb sein konnte.
Tala spannte sich dennoch sofort an, ein dunkles, tiefes Knurren in der Kehle, bereit, sich schützend und angriffsbereit vor Lumina zu stellen, falls Petrow es wagen sollte, auch nur einen Schritt auf sie zuzumachen.
Doch bevor Tala auch nur einen Muskel nach vorn bewegen konnte, geschah das Unfassbare.
Lumina zuckte nicht einmal mit der Wimper.
Mit einer absoluten, atemberaubenden Selbstverständlichkeit hob sie das Kinn, glättete den Stoff ihres weinroten Samtkleides mit einer eleganten Handbewegung und ging Petrow mit federnden, zielstrebigen Schritten direkt entgegen.
Die gesamte Trainingshalle hielt den Atem an. Selbst Bryan, der überzeugt war, heute schon den Gipfel des Wahnsinns gesehen zu haben, riss die Augen auf und stieß ein ersticktes Keuchen aus. Niemand ging Direktor Petrow einfach so freiwillig entgegen. Niemand außer Lumina.
Sie blieb wenige Schritte vor dem mächtigen RBA-Chef stehen, neigte den Kopf leicht in einer perfekten Mischung aus unerschrockener Höflichkeit und aristokratischer Eleganz und schenkte ihm ein strahlendes, entwaffnendes Lächeln.
„Guten Tag, Direktor Petrow“, sagte sie mit einer klaren, melodischen Stimme, die in der stillen Halle wie eine Glocke klang. „Ich muss mich aufrichtig für mein unangemeldetes Hereinspazieren entschuldigen. Der Vormittag in Talas Penthouse war schlicht und einfach zu still, und ich war furchtbar neugierig, diesen Ort kennenzulernen, von dem man in den letzten Tagen so viel hört.“
Petrow musterte sie. Seine grauen, scharfen Augen durchbohrten sie mit einer messerscharfen Intensität, die jeden normalen Menschen in die Flucht geschlagen hätte. Er taxierte das teure Kleid, die blasse Haut, die magentafarbenen Augen und rief sich in Bruchteilen einer Sekunde das Gesicht aus den britischen Boulevardzeitungen ins Gedächtnis.
Ein kurzes, unheilvolles Muskelzucken ging durch Petrows Kiefer, ehe er das Wort ergriff.
„Der Wachmann an der Pforte“, begann Petrow mit einer Stimme, die so kalt klang wie das Eis auf der Newa, „wird nachher noch ein sehr, sehr langes und unangenehmes Wort mit mir zu reden haben.“
Er machte eine kurze Pause, während sein Blick kurz zu Tala hinüberschweifte, der dastand wie eine Raubkatze kurz vor dem mörderischen Sprung. Dann richtete Petrow seine Aufmerksamkeit wieder voll auf die furiose junge Frau vor ihm.
„Aber ich bin kein Unmensch, Miss Davies“, fuhr Petrow tonlos fort, während in seinen harten Zügen ein Hauch von kühler Anerkennung durchschimmerte. „Ich weiß, wer Sie sind. Und ich weiß, wie viel Gewicht Ihr Familienname hat. Ich belasse es heute dabei. Sie dürfen hier sein und sich umsehen, so lange Sie möchten.“
Petrows Blick verengte sich zu einem scharfen, warnenden Schlitz, als er den Schlusssatz wie eine eiserne Klinge in den Raum warf:
„Aber lassen Sie sich eines gesagt sein: Sollte der Fokus meines Kapitäns auch nur um einen Millimeter unter diesem Besuch leiden, werde ich Sie höchstpersönlich bitten, diesem Hauptquartier in Zukunft für immer fernzubleiben. Verstanden?“
Lumina verlor ihr charmantes Lächeln nicht einmal für eine Millisekunde. Sie nickte anmutig.
„Vollkommen, Direktor Petrow. Darauf können Sie sich verlassen“, antwortete sie ohne jede Furcht.
Tala kochte innerlich, während die Anspannung in seinen Muskeln langsam, aber sicher der blanken, ungläubigen Faszination wich. Sie hatte den alten Drachen tatsächlich gebändigt.
Drei Stunden waren vergangen.
Die schwere, fast greifbare Anspannung, die bei Petrows Auftauchen noch in der Luft gelegen hatte, war einer völlig surrealen, fast gemütlosen Vertrautheit gewichen... einer Dynamik, die Tala mit jedem Blick, den er in ihre Richtung warf, an den Rand des Wahnsinns trieb.
Lumina saß mitten im Pausenbereich der Trainingshalle, direkt zwischen Spencer und Bryan auf einer der massiven, grauen Metallbänke. Bryan hatte ein altes, digitales Archiv-Pad aus den Untiefen des RBA-Büros hervorgekramt und blätterte feixend durch uralte Trainingsaufnahmen und Teamfotos aus den Tagen der Blitzkrieg Boys.
Ein helles, perlendes Lachen erklang von Lumina, das durch die kühlen Hallen wanderte.
„Oh, bei Gott, nein... das ist er nicht im Ernst, oder?“, kicherte sie amüsiert, während sie mit dem Finger auf das Display tippte. „Bryan, sag mir, dass das nicht Tala sein soll.“
Bryan lehnte sich triumphierend zurück, ein breites Grinsen im Gesicht.
„Doch, genau er!“, jubelte Bryan fast. „Damals, frisch aus Sibirien importiert, vierzehn oder fünfzehn Jahre alt, komplett hager und in diesem absolut grauenvollen, unförmigen Standard-Trainingsanzug der Akademie. Kein Wunder, dass er damals so sauer auf die Welt war.“
Lumina neigte den Kopf, musterte das historische Foto auf dem Bildschirm mit zusammengekniffenen, kritischen Augen und schüttelte dann amüsiert den Kopf.
„Also, sei mir nicht böse, aber sexy sah dieser Trainingsanzug nun wirklich nicht aus“, stellte sie mit einer herrlich trockenen Unbekümmertheit fest, die Spencer zu einem lauten Lachen verleitete.
Ein Stück weiter drüben, auf einer separaten Bank im Halbschatten, saß Tala. Er hatte die Arme vor der Brust verschlagen, die Beine lang ausgestreckt und blickte mit einer so eisigen, trockenen und mörderischen Gleichgültigkeit in die Runde, dass man Steine hätte schmelzen können. Er war absolut machtlos.
Sie hatte seine alten Teamkameraden in Rekordzeit komplett um den Finger gewickelt... sie zeigten ihr freiwillig seine peinlichsten Teenie-Fotos, und er konnte rein gar nichts dagegen tun, ohne völlig die Contenance zu verlieren.
Mit einem tiefen, genervten Seufzen, das aus tiefster Kehle kam, warf er ein:
„Ich war verdammt noch mal fünfzehn“, knurrte er dunkel durch den Raum, während seine eisblauen Augen kurz gefährlich aufblitzten. „Mit fünfzehn ist jeder dünn. Und jetzt hört auf mit dem Scheiß.“
Bryan blinzelte unschuldig, lehnte sich mit verschränkten Armen zurück und warf trocken ein:
„Kai war's nicht. Der hatte mit fünfzehn schon Muckis.“
Für einen Wimpernschlag stockte selbst das leise Summen der Lüftungsanlage. Spencer schloss gequält die Augen, als bete er bereits für Bryans Seele, während Tala den Kopf langsam zu ihm herumdrehte... mit einem Blick, der puren, ungesummt flüssigen Stickstoff versprühte.
Bryan winkte jedoch ab, lachte tonlos auf und fügte gut gelaunt hinzu:
„Genau wie ich!“
Tala verzog keine Miene. Seine Stimme klang im nächsten Moment flach, trocken und absolut unbarmherzig:
„Stimmt... du warst schon damals fett, Bryan.“
Neben ihnen prustete Lumina in diesem Bruchteil einer Sekunde laut los, während Spencer sich schwer gegen die Metallbank lehnte und sich seufzend an den Kopf fasste.
Bryan zuckte nur unschuldig mit den Schultern und klickte grinsend weiter.
Lumina jedoch fing sich wieder und schien genug von den alten Erinnerungen zu haben. Mit einer fließenden, eleganten Bewegung stand sie auf. Der weinroten Samtstoff ihres Kleides glitt an ihren makellosen Beinen herab, während sie mit federnden Schritten über den harten Hallenboden zu Tala hinüberging.
Tala folgte jeder ihrer Bewegungen mit einem angespannten, finsteren Blick. Doch bevor er auch nur einen scharfen Kommentar abfeuern konnte, war sie bereits bei ihm.
Sie setzte sich einfach direkt neben ihn auf die schmale Bank. Ihr Körper lehnte sich warm und dicht an seine massive Statur.
Mit einer langsamen, fast provokanten Geste hob sie eine Hand und strich über den festen Stoff seines Ärmels, ehe ihre schlanken Finger zielstrebig seinen Bizeps berührten. Sie tätschelte den harten Muskel mit einem spöttischen, aber unverkennbar bewundernden Glitzern in den magentafarbenen Augen.
„Ach, mach dir keine Sorgen, Tala.“, säuselte sie leise und mit einer rauchigen Intonation direkt an seiner Seite, während Bryan und Spencer im Hintergrund leise kicherten.
Sie neigte sich ein Stück näher zu ihm, sodass ihr silbrig-weißen Haar seine Schulter streifte:
„So wie du jetzt aussiehst... gefällst du mir definitiv um ein Einiges besser.“
Lumina lehnte sich noch ein Stück weiter vor, bis ihr Mund fast direkt sein Ohr berührte. Die kühle, sterile Luft der Trainingshalle schien für einen Moment völlig zu verschwinden, ersetzt durch die schwere, vertraute Intimität zwischen ihnen.
Mit einer rauchigen, bewusst verruchten Stimme flüsterte sie ihm leise zu, sodass es für Spencer und Bryan am anderen Ende des Raumes unmöglich zu verstehen war:
„Außerdem...“, hauchte sie direkt an seiner Haut, während ihre Hand spielerisch seinen Arm entlangwanderte, „liebe ich es vor allem, wie du mich mit genau diesen Muskeln an die Wand fixieren und mich vollkommen um den Verstand vögeln kannst.“
Tala stockte der Atem.
Die Worte trafen ihn mit der Wucht eines physischen Schlages und brannten sich mit einer brachialen Intensität direkt in sein Gehirn.
Er schloss für einen winzigen Augenblick die Augen, während ein scharfes, zischendes Einatmen durch seine Zähne drang. Die Adern an seinen Unterarmen spannten sich schlagartig an, und in seinem Magen zog sich alles zusammen. Seine eisblauen Augen blitzten auf, als er den Kopf langsam zu ihr drehte, die Zähne aufeinanderbiss und ihr mit einer so heiseren, gefährlich tiefen Dringlichkeit ins Gesicht zischte:
„Du gehst verdammt noch mal zu weit, Lumina...“
Ein finsteres, unmissverständlich drohendes Funkeln lag in seinem Blick, das jedoch von der puren, brodelnden Hitze in seinen Adern Lügen gestraft wurde.
„Aber das bekommst du heute Abend, wenn wir zurück sind, doppelt und dreifach zurück.“
Lumina schmunzelte. Ein triumphierendes, absolut unerschrockenes Lächeln legte sich auf ihre perfekten Lippen, während ihre magentafarbenen Augen in den seinen glänzten. Sie lehnte sich seelenruhig ein Stück zurück, musterte ihn mit einer Mischung aus Vorfreude und Provokation und gab leise zurück:
„Ich zähle jede Sekunde... ich freue mich schon darauf.“