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Die Uhr tickt...

Der Gezähmte Phönix — www.fanfiktion.de · All chapters

Die Uhr tickt...

Die milde Frühlingssonne Mitte April tauchte das alte, im klassizistischen Stil erbaute Ayame-Anwesen am Rande von Tokio in ein warmes, goldenes Licht. Die hohen, schweren Flügeltüren zum Garten standen leicht geöffnet, sodass ein Hauch frischer Frühlingsluft und das leise Rauschen des leichten Windes durch den weitläufigen Salon zogen. Die antike Einrichtung und die edlen Holztäfelungen verliehen dem Raum jene schwere, zeitlose Eleganz, die das Anwesen seit Jahrzehnten prägte.

Nami saß auf dem tiefen, samtbezogenen Sofa in der Mitte des Raumes. In ihren Armen hielt sie den kleinen Gou, der inzwischen etwas mehr als zwei Monate alt war. Sein winziger Körper lehnte sich vertraut an sie, während seine großen, wachen Augen neugierig durch den Raum wanderten. Jedes Detail schien seine Aufmerksamkeit zu erregen... von den tanzenden Staubpartikeln im Sonnenlicht bis hin zu den glänzenden Knöpfen an der Kleidung seiner Mutter.

Namis langes, welliges Haar fiel in sanften Strähnen über ihre Schulter und bildete einen schönen Kontrast zu ihrem hellen, karamellen Hautton, während sie dem kleinen Jungen liebevoll über den weichen Kopf strich.

Ihnen gegenüber hatten sich Hilary und Mariah auf den Sesseln niedergelassen.

Die beiden jungen Frauen waren inzwischen hochschwanger, und ihre beachtlichen Babybäuche zeichneten sich deutlich unter ihrer leichten Frühlingskleidung ab. Zwischen ihnen auf dem niedrigen Marmortisch stand eine feine Porzellankanne, aus der zarter Dampf aufstieg, begleitet von einer Auswahl an Gebäck.

„Schau dir diesen Blick an“, sagte Hilary mit einem warmen, amüsierten Lächeln im Gesicht, während sie sich leicht nach vorn beugte und zu dem kleinen Gou hinüberblickte. Sie stützte eine Hand schützend auf ihren runden Bauch. „Der Kleine verpasst hier im Raum wirklich keine Sekunde. Er schaut exakt so neugierig drein, als würde er uns alle gerade genauestens analysieren.“

Mariah lachte leise auf, eine helle, entspannte Melodie, die die ruhige Atmosphäre des Salons erfüllte. Sie strich sich behutsam über ihren eigenen Bauch und lehnte sich etwas zurück.

„Das kannst du laut sagen“, stimmte Mariah schmunzelnd zu. Sie musterte Nami und den kleinen Jungen mit einem liebevollen Blick.

„Wenn er so weitermacht, hält er dich und Kai noch ordentlich auf Trab, bevor er überhaupt laufen kann. Wie schlägt er sich nachts? Bekommst du überhaupt noch ein Auge zu, Nami?“

Nami schenkte den beiden ein sanftes, gelassenes Lächeln, während Gou in ihren Armen ein leises, zufriedenes Brabbeln von sich gab und seine kleinen Händchen reckte.

„Die Nächte sind kurz, das will ich gar nicht leugnen“, antwortete Nami mit ihrer ruhigen, melodischen Stimme. „Aber er ist erstaunlich pflegeleicht, solange er merkt, dass jemand da ist. Sobald man ihn hochnimmt, ist die Welt für ihn in Ordnung.“

Hilary lehnte sich zurück und nahm eine Tasse Tee entgegen, während ihr Blick wehmütig und voller Vorfreude über den Bauch und dann zu Gou glitt.

„Genieß es, solange sie noch so klein sind und man sie einfach im Arm halten kann“, gab Hilary mit einem schmunzelnden Unterton zurück. „Bei uns beiden dauert es schließlich nicht mehr allzu lange, bis hier bei uns im Haus das absolute Chaos ausbricht.“

Mariah, die das amüsierte Treiben mit einem Lächeln beobachtet hatte, lehnte sich vor und warf einen erneuten direkten, prüfenden Blick auf den winzigen Jungen in Namis Armen. Ein breites Schmunzeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus.

„Weißt du, Nami... es ist wirklich jedes Mal aufs Neue absolut verblüffend“, stellte Mariah kopfschüttelnd fest. „Schau dir den Kleinen an. Er sieht im Grunde exakt aus wie Kai... und das im Grunde schon seit seiner Geburt. Sag mal ganz ehrlich: Haben deine Gene bei ihm überhaupt auch nur den Hauch eines Versuchs gestartet, oder hat Kai das komplett im Alleingang dominiert?“

Nami schmunzelte.

„Manchmal frage ich mich das allerdings auch“, gab sie lachend zurück. „Es hat fast den Anschein, als hätte Kai sich einfach kopieren lassen.“

Ein sanftes Lächeln umspielte Namis Lippen, während sie den kleinen Gou, der in ihren Armen friedlich brabbelte, behutsam an ihre Brust drückte.

„Sag mal, Hilary...“, begann Nami mit einem amüsierten Unterton in ihrer melodischen Stimme, während sie den Kopf leicht schräg legte. „Hat Tyson eigentlich inzwischen das Kinderzimmer eingerichtet, oder droht bei euch demnächst der totale Ausnahmezustand?“

Hilary stöhnte leise auf, winkte ab und verdrehte theatralisch die Augen, während sie sich auf dem Sessel etwas bequemer zurechtzufinden versuchte.

„Frag lieber nicht“, seufzte Hilary mit einer Mischung aus Erschöpfung und liebevoller Verzweiflung. „Tyson hat sage und schreibe drei Tage gebraucht, um dieses verflixte Babybett aufzubauen. Natürlich hat er die Anleitung von Anfang an ignoriert, weil er felsenfest davon überzeugt war, dass er so etwas ‚mit links‘ hinkriegt. Und sich helfen lassen? Um Gottes willen, nein! Er wollte absolut keine Unterstützung annehmen... schon gar nicht von mir.“

Nami musste bei dieser Vorstellung laut auflachen. Die glockenhelle Melodie ihrer Stimme erfüllte den eleganten Salon, während sie sich bildlich vorstellte, wie Tyson schwitzend, fluchend und mit unerschütterlichem Stolz vor einem unvollendeten Holzhaufen stand. Der kleine Gou zuckte bei dem plötzlichen Lachen kurz zusammen, blinzelte mit seinen großen Augen und wandte dann wieder neugierig den Kopf.

Hilary, die ebenfalls in ein herzhaftes Lachen einstimmen wollte, hielt mitten in der Bewegung abrupt inne. Sie zuckte heftig zusammen, presste die Zähne aufeinander und fuhr mit einer Hand erschrocken an ihren beachtlichen Babybauch, während ein leises, schmerzhaftes Keuchen über ihre Lippen kam.

„Uff...“, presste Hilary hervor und atmete flach, während sie die Augen schloss.

„Verdammt, das war ein Volltreffer... direkt in die Blase.“

Sie öffnete die Augen wieder, schaute halb gequält, halb lachend in die Runde und schüttelte den Kopf.

„Ich glaube, der Kleine da drinnen hat genau mitgehört, was ich über seinen Vater gesagt habe, und wollte mir mal zeigen, wer hier im Haus wirklich die Fäden in der Hand hält.“

Hilary atmete tief aus, strich sich beruhigend über den runden Bauch und fing sich nach der kleinen Attacke ihres ungeduldigen Babys wieder auf. Ein amüsiertes, warmes Lächeln huschte über ihr Gesicht, während ihr Blick suchend durch den sonnendurchfluteten Salon glitt.

„Wo steckt Kai eigentlich?“, fragte Hilary neugierig, während sie sich auf ihrem Sessel wieder bequemte. „Ich habe ihn heute ja noch gar nicht durch den Flur huschen sehen.“

Nami lächelte, während Gou in ihren Armen ein leises, zufriedenes Glucksen von sich gab.

„Ich habe ihn heute in den Tower geschickt“, erwiderte Nami mit einem leichten, fast belustigten Unterton in ihrer melodischen Stimme. „Er hat seit Gous Geburt überwiegend Home Office gemacht, um mir Tag und Nacht zur Hand zu gehen und in meiner Nähe zu sein. Aber... mittlerweile habe ich hier alles so gut im Griff, dass ich darauf bestanden habe, dass er sich dort mal wieder blicken lässt.“

Hilary zog überrascht die Augenbrauen nach oben, während Mariah interessiert zuhörte.

„Und das hat er einfach so hingenommen?“, hakte Hilary ungläubig nach.

Nami lachte leise auf.

„Oh, absolut nicht. Er war überhaupt nicht erfreut darüber und wollte partout hierbleiben, um mich bloß nicht allein zu lassen. Aber ich bin hart geblieben und habe darauf bestanden. Jetzt macht er immerhin Halbtags-Home-Office, damit der Übergang nicht zu abrupt ist.“

Mariah lehnte sich mit einem bewundernden Lächeln zurück und stützte die Hände auf ihren beachtlichen Babybauch.

„Es ist wirklich unglaublich, wie unterstützend Kai ist“, stellte Mariah mit echter Anerkennung in der Stimme fest. „Richtig hingebungsvoll. Man merkt einfach, wie komplett er in seiner Rolle als Vater aufgeht.“

Ein warmes, tiefes Leuchten trat in Namis Augen. Sie lächelte sanft und blickte hinunter auf ihren Sohn, dessen große, wachen Augen gerade gebannt an einer der Stuckverzierungen an der Decke hingen.

„Er war von der ersten Sekunde an eine unfassbare Hilfe“, sagte Nami leise und voller Zuneigung. „Vor allem in den ersten Wochen... Gou wollte damals plötzlich fast nur mit Körperkontakt schlafen, und am besten natürlich im Zusammenhang mit dem Stillen.

Für mich gab es phasenweise kaum eine Möglichkeit, mich auch nur einen Zentimeter von der Stelle zu bewegen.“

Ein zärtliches Schmunzeln umspielte ihre Lippen.

„Aber das Beste war: Gou schläft unglaublich gerne auf Kais nackter Brust. In diesen Wochen hat Kai sich stundenlang so hingelegt, und der Kleine ist sofort wie ein Engel eingeschlafen. Das hat mir endlich die Freiheit gegeben, mich selbst auch mal frei zu bewegen oder etwas Schlaf nachzuholen.“

Hilary hielt inne, tief ergriffen von diesem Bild, und presste langsam eine Hand vor den Mund. Ein weicher, fast gerührter Ausdruck breitete sich auf ihrem Gesicht aus, während ihre Augen leicht glänzten.

„Das... das ist ja ein Bild für die Götter“, hauchte Hilary mit leiser, bewegter Stimme.

„Ich kann mir Kai bildlich vorstellen, wie er da mit dem Kleinen liegt... ungläubig, dass so viel Leben in diesen großen Händen Platz hat.“

Nami drückte den kleinen Gou, der nun friedlich an ihrer Brust schlummerte, noch ein Stück fester an sich.

„Oh, das ist es tatsächlich“, schmunzelte Nami, während ein amüsiertes Blitzen in ihren Augen tanzte. „Es hatte fast etwas Magisches. Man hat ihm jede einzelne Sekunde angesehen, wie sehr er diesen kleinen Menschen beschützen will.“

Mariah lehnte sich in ihrem Sessel zurück und schüttelte kopfschützend, aber über alle Maßen amüsiert den Kopf. Ein breites Lächeln lag auf ihren Lippen.

„Das hätte man früher doch niemals im Leben von einem Kai Hiwatari erwartet“, stellte Mariah fest. „Der alte Kai hätte vermutlich jeden, der es gewagt hätte, ihm ein Neugeborenes auf die bloße Haut zu legen, eigenhändig zum Teufel gejagt.“

Ein tiefer, unendlicher Ausdruck von Zuneigung trat in Namis Züge.

„Ich habe immer gewusst, was in ihm schlummert“, sagte Nami leise und völlig aufrichtig. „Unter dieser harten Schale... er war von Anfang an der wunderbarste Mann, den man sich wünschen kann. Und ich bin jeden Tag dankbar dafür, dass ich ihn... heiraten durfte.“

Ein feiner, errötender Schleier stieg ihr bei diesen Worten unwillkürlich in die Wangen, während ein warmes Lächeln ihre Lippen umspielte.

Hilary, die den zarten Anflug von Verlegenheit auf Namis Gesicht bemerkte, legte sofort den Kopf schräg. Ein verschmitztes, neugieriges Funkeln trat in ihre Augen, als sie die Chance ergriff, das Thema auf eine deutlich intimere Ebene zu lenken.

„Erzähl mal, Nami...“, setzte Hilary an und musterte ihre Freundin mit einem wissenden Blick. „Wenn wir schon so offen sprechen... seid ihr eigentlich inzwischen wieder... na du weißt schon, intim geworden? Das Wochenbett müsste bei dir doch längst rum sein, oder?“

Nami blinzelte ein paar Mal völlig überrascht.

Für einen Bruchteil einer Sekunde verschlug es ihr schlicht die Sprache. Sie schwieg, während ein plötzliches, verräterisches Wärmegefühl in ihr aufstieg.

Hilary und Mariah hatten absolut keine Ahnung von der Wahrheit. Sie wussten nicht, dass Nami dank ihrer speziellen heilenden Aura überhaupt kein klassisches, langwieriges Wochenbett durchlebt hatte... und dass sie und Kai insgeheim schon seit Wochen längst wieder die Nächte miteinander verbrachten, leidenschaftlich und intensiver denn je. Doch das mussten die beiden Freundinnen ja nicht bis ins Detail wissen.

Nami fing sich blitzschnell, schluckte das leichte Prickeln auf ihrer Haut herunter und lächelte charmant, während sie sich eine lange, wellige Haarsträhne hinter das Ohr strich.

„Nun ja...“, antwortete sie mit einem unschuldigen, fast unmerklichen Zucken um die Mundwinkel, während sie den Blick auswich. „Ehrlich gesagt... bleibt das im Moment trotzdem ein bisschen auf der Strecke.“

Hilary musterte Nami sofort mit einem skeptisch verengten Blick. Sie legte den Kopf schräg und verschränkte demonstrativ die Arme vor ihrem beachtlichen Babybauch, während ein amüsiertes, aber durchtriebenes Lächeln auf ihren Lippen zuckte.

„Ach, hör doch auf“, schnalzte Hilary mit einer ungläubigen Handbewegung und einem feixenden Unterton in der Stimme. „Ich kann mich noch sehr gut an die Dynamik zwischen euch beiden zu Anfangszeiten erinnern, Nami. Ich glaube dir im Leben nicht, dass bei euch irgendetwas auf der Strecke bleibt.“

Hilary lehnte sich ein Stück vor und fixierte ihre Freundin mit einem durchdringenden, wissenden Blick.

„Kai hat dich damals schon belauert wie ein hungriges Raubtier seine Beute. Selbst damals beim Matsuri vor fast genau einem Jahr, hat man doch meilenweit gegen den Wind gerochen, wie extrem er fixiert auf dich war. Dieser Mann schaut dich an, als würde er dich am liebsten auf der Stelle verschlingen. Und du willst mir ernsthaft erzählen, dass ihr jetzt Asketiker spielt?“

Nami musste bei Hilarys Worten unwillkürlich auflachen. Die helle Melodie ihrer Stimme hallte durch den Salon, während ihr Gesicht leicht warm wurde... nicht nur, weil Hilary recht hatte.

Sie schüttelte amüsiert den Kopf, während der kleine Gou in ihren Armen seelenruhig ein weiteres Mal tief ein- und ausatmete.

„Du unterschätzt gewaltig, was so ein kleines Wesen für ein Energiefresser ist, Hilary“, verteidigte sich Nami mit einem schmunzelnden Unterton.

„Glaub mir, wenn man tagelang auf Trab gehalten wird, ist Kai am Ende des Abends genauso erschöpft wie ich. Wenn man erst mal todmüde ins Bett sinkt, denkt man eben... verdammt selten an Sex.“

Nami wandte den Blick wieder ihrem Sohn zu, der die Äuglein fest geschlossen hatte und tief, gleichmäßig in seinen eigenen kleinen Rhythmus verankert atmete. Behutsam und mit einer unendlichen Zärtlichkeit in ihren schlanken Fingern löste sie sich von ihm und bettete den kleinen Gou in sein weiches, gepolstertes Babynestchen, das geschützt auf dem großen Sofa lag. Sie strich ihm noch einmal kurz über den weichen Hinterkopf, ehe sie sich aufrichtete.

Exakt in diesem Bruchteil der Sekunde fiel das schwere Holz der Flügeltüren ins Schloss.

Kai trat ein. Er trug noch die Spuren seines halbtags absolvierten Arbeitstages im Tower, den dunklen Anzug, und zog im Eintreten mit einer flüssigen, fast automatischen Bewegung sein Sakko aus, das er sich nun über den Unterarm warf. Sein kühler, von Natur aus trockener Blick glitt durch den Raum und musterte Hilary und Mariah mit einem Ausdruck, der unmissverständlich verriet, dass er sich in diesem Moment weitaus Schöneres vorstellen konnte, als Gäste im Haus zu haben.

Doch im selben Augenblick, als seine intensiven, rubinroten Augen auf Nami fielen, erweichte sich sein Gesichtsausdruck mit einer plötzlichen, fast abrupten Wärme. Die harten Linien um seinen Mund wichen einer tiefen, ungesicherten Vertrautheit.

Ein helles, liebevolles Lächeln huschte über Namis Gesicht, während ihr langes, silbrig-weißes Haar in weichen Wellen über ihren Rücken glitt. Sie stand auf, trat von dem Sofa zurück und ging ihm mit ein paar Schritten direkt entgegen, um ihn nach seinem halben Tag Außerhalb zu begrüßen.

Kai ließ keine Sekunde verstreichen. Noch bevor sie ganz bei ihm war, schloss er die verbleibende Distanz, ließ das Sakko achtlos auf die nächstbeste Ablage gleiten und fasste mit seinen großen Händen sofort entschlossen nach ihrer Taille. Mit einer selbstverständlichen, besitzergreifenden Intensität zog er sie dicht an seinen Körper und senkte den Kopf, um ihr einen leichten, aber lang anhaltenden Kuss auf die Lippen zu geben.

Er löste sich nur wenige Millimeter von ihr, seine rubinroten Augen bohrten sich tief in die ihren, während seine tiefe Stimme leise und völlig unberührt von der Tatsache erklang, dass sie sich keineswegs allein im Raum befanden:

„Alles in Ordnung hier?“, fragte er leise, und in seinem Ton schwang jene ständige, unterschwellige Sorge mit, die er nur für sie bereithielt.

Es schien ihm in diesem Moment schlicht und ergreifend vollkommen egal zu sein, dass Hilary und Mariah keine zwei Meter entfernt saßen und jedes Wort mithörten.

Hilary, die das vertraute Schauspiel mit weit aufgerissenen Augen und einem breit grinsenden, amüsierten Gesichtsausdruck verfolgt hatte, lehnte sich langsam zu Mariah herüber. Ein durchtriebenes Glitzern lag in ihrem Blick, während sie die Hand schützend vor den Mund hielt und ihrer Freundin ein leises, vergnügtes Flüstern zusteckte:

„Ich sags dir...“, kicherte Hilary leise, „die beiden bringen es nie und nimmer fertig auch nur eine Sekunde die Finger voneinander zu lassen.“

Nami lächelte sanft an Kais Lippen, während seine Arme sie nach wie vor schützend und besitzergreifend umfassten. Doch bevor sie ihm auf seine besorgte Frage antworten konnte, schnitt Kais tiefe, gewohnt kühle Stimme trocken durch das leise Geplänkel am Fenstertisch.

„Ich kann euch übrigens hervorragend hören, Hilary“, sprach Kai gelassen in den Raum, ohne auch nur für eine Sekunde den Blick von Namis Gesicht zu wenden.

Sein Tonfall war die reine, unerschütterliche Gleichgültigkeit, gewürzt mit jenem typischen, feinen Spott, der ihn seit jeher auszeichnete. Erst nach einem ausgiebigen Augenblick wandte er den Kopf langsam herum. Seine rubinroten Augen fixierten Hilary über Namis Schulter hinweg mit einer hochgezogenen Augenbraue.

„Und wenn du schon spekulierst, wie oft wir die Finger voneinander lassen, darfst du deine hochgeschätzten Theorien auch gerne laut aussprechen“, fuhr Kai unbeeindruckt fort. Er legte die Hände etwas fester an Namis Taille. „Ich bin ganz Ohr.“

Hilary verschluckte sich im selben Moment beinahe an ihrer Spucke. Das breite, feixende Grinsen gefror auf ihren Lippen, und ein hektisches Rot stieg ihr augenblicklich in die Wangen. Sie hustete leise einmal auf, während Mariah sich neben ihr ein lautes, herzlich belustigtes Lachen hinter der Hand verkneifen musste.

„Oh... hallo Kai“, stammelte Hilary mit einem unschuldigen, reichlich verlegenen Winken und versuchte sofort zurückzurudern. „Ich... äh... wir haben nur gerade festgestellt, wie wunderbar eingespielt ihr beide seid. Mehr nicht!“

Nami konnte sich ein leises, melodisches Kichern schlichtweg nicht mehr verkneifen. Sie lehnte ihren Kopf leicht gegen Kais breite Brust, strich ihm sanft über den Arm und sah mit einem feinen, amüsierten Funkeln in den Augen zu ihren Freundinnen hinüber.

„Lass sie ruhig, Kai“, bat Nami schmunzelnd und wandte das Gesicht wieder ihrem Ehemann zu. „Sie wollten doch nur sichergehen, dass du von deinem halben Tag im Tower nicht völlig eingerostet zurückkehrst.“

Ein Hauch von einem Lächeln... kaum wahrnehmbar für Außenstehende, aber für Nami kristallklar... zeichnete sich auf Kais Lippen ab.

„Keine Sorge“, knurrte Kai leise, und seine Stimme senkte sich wieder so weit, dass sie vor allem für Nami bestimmt war. „Dafür sorgt hier schon jemand anderes.“

Mit einem letzten, intensiven Blick in Namis Augen löste er den festen Griff um ihre Taille ein wenig, behielt aber eine Hand auf ihrem Rücken, während sein Blick hinüber zu dem großen Sofa glitt, auf dem der kleine Gou in seinem Babynestchen lag. Das kühle, unnahbare Auftreten wich in diesem Sekundenbruchteil wieder jener tiefen, Beschützerinstinkt ausstrahlenden Ruhe, die Kai Hiwatari seit nunmehr zwei Monaten begleitete.

Mariah lehnte sich in ihrem Sessel zurück, verschränkte die Hände auf ihrem runden Bauch und fügte mit einer herrlich trockenen, unbeeindruckten Tonlage hinzu:

„Übrigens... Hallo, Kai. Es ist auch schön dich zu sehen.“

Kai schenkte ihr daraufhin lediglich einen absolut nüchternen, kurzen Seitenblick... einen dieser typischen Blicke, die Bände sprachen und jeglichen Kommentar überflüssig machten. Es war ihm offenkundig völlig egal, ob sie da war oder nicht.

Er wandte sich wieder seiner Frau zu, ließ seine Hand noch einmal kurz über ihren Rücken gleiten und beugte sich vor, um ihr einen sanften, aber bestimmten Kuss auf die Wange zu drücken.

„Ich muss direkt weiter in mein Arbeitszimmer“, murmelte er leise, während seine rubinroten Augen noch einmal tief in die ihren blickten. „Gleich fängt eine Videokonferenz an.“

Mit einem letzten, knappen und absolut höflich-distanzierten Nicken in Richtung Hilary und Mariah drehte er sich auf dem Absatz um und schritt mit ruhigen, zielstrebigen Schritten aus dem Salon, um sich in sein Arbeitszimmer zurückzuziehen.

Kaum hatten sich die Flügeltüren hinter ihm geschlossen, lehnte Mariah den Kopf schmunzelnd zurück und musterte das dunkle Holz mit einem amüsierten Funkeln in den Augen.

„Weißt du, Nami...“, sagte Mariah kopfschützend und leicht belustigt, „in diesen maßgeschneiderten Anzügen wirkt er beim besten Willen nicht wie einundzwanzig, sondern eher wie ein knallharter CEO Ende dreißig. Trägt der Mann eigentlich jemals etwas anderes als Hemden und feine Tuchhosen?“

Nami prustete bei diesen Worten sofort los. Eine helle, glockenhelle Lacherfüllung glitt über ihre Lippen, während sie sich amüsiert an die Stirn fasste.

„Ehrlich gesagt?“, kicherte Nami, während sie den Blick zu der Tür wandte, durch die Kai gerade verschwunden war. „Einfache T-Shirts hat er gefühlt schon seit einer Ewigkeit nicht mehr angehabt. Wenn er im Home Office ist, wechselt er höchstens mal in einen Pullover, aber selbst da zieht er meistens einen Kragen drunter.“

Nami lächelte sanft, während ihr Blick noch einen Moment auf der geschlossenen Tür ruhte, durch die Kai verschwunden war. Ein warmes, fast verträumtes Schmunzeln huschte über ihre Lippen, als der drastische Kontrast zwischen dem heutigen, makellos gekleideten Geschäftsmann und dem Mann, den sie vor fast zwei Jahren kennengelernt hatte, in ihren Gedanken aufblitzte.

Damals hatte er rein gar nichts von einem steifen CEO an sich gehabt. Sie erinnerte sich genau an diesen Anblick: Er hatte ein enges, schwarzes Shirt getragen, das seine durchtrainierten Konturen perfekt betonte, kombiniert mit lässigen Cargohosen, die seine gefährliche, ungezähmte Ausstrahlung nur noch unterstrichen hatten.

Ganz automatisch, während diese Erinnerung an die ersten, elektrisierende Zeit durch ihren Kopf zog, biss sich Nami leicht auf die Unterlippe.

Hilary, deren wachsamer Blick in diesem Moment wie an ihrer Freundin festgeklebt war, entging diese kleine, verräterische Geste natürlich keine Sekunde.

„Aha!“, platzte Hilary sofort laut heraus, schoss in ihrem Sessel nach vorn und deutete triumphierend mit dem Zeigefinger auf Nami. Ein breites, durchtriebenes Grinsen breitete sich auf ihrem Gesicht aus. „Du beißt dir auf die Lippe! Sag schon, Nami... an was für schmutzige Dinge denkst du bitteschön gerade? Lass es raus!“

Mariah lehnte sich neugierig zurück und sah die beiden mit einem amüsierten Funkeln in den Augen an.

Nami lachte ertappt auf, während eine leichte, warme Röte in ihre Wangen stieg. Sie hob abwehrend die Hände und schüttelte amüsiert den Kopf.

„Das ist und bleibt mein ganz persönliches Geheimnis, Hilary“, gab sie mit einem charmanten, melodischen Lachen zurück, das jeglichen Verdacht nur noch weiter anheizte.

Hilary stieß einen langgezogenen, leicht theatralischen Seufzer aus, lehnte sich mit einer ausladenden Bewegung wieder schwer in ihren Sessel zurück und strich sich abgelenkt über den runden Bauch.

„Mhhh, verdammt. Aber... sag mal, ...“, hob Hilary an und legte den Kopf schräg, während ihr ein neugieriger Ausdruck ins Gesicht trat.

„Hast du eigentlich in letzter Zeit mal wieder etwas von Lumina gehört? Soweit ich mich erinnern kann, wollte sie doch in den kommenden Wochen hier nach Tokio kommen, oder täusche ich mich da?“

Nami schmunzelte und wandte den Blick wieder ihren Freundinnen zu, während sie sich eine feine, silbrig-weiße Haarsträhne aus dem Gesicht strich.

„Oh, wir telefonieren ziemlich regelmäßig“, antwortete Nami mit ihrer ruhigen, melodischen Stimme und einem zufriedenen Lächeln. „Ihr geht es gut.“

Nami hatte zu diesem Zeitpunkt natürlich absolut keine Ahnung davon, dass Lumina längst völlig andere Pläne geschmiedet hatte. Sie wusste nicht, dass ihre Cousine seit fast zwei Monaten heimlich in Moskau weilte und dort mit ihrer furchtlosen Art das Leben des unbarmherzigen Tala Valkov gehörig auf den Kopf stellte.

Etwa zwei Stunden später war das helle, goldene Nachmittagslicht im Salon einem sanften, gedämpften Zwielicht gewichen.

Mariah und Hilary hatten sich inzwischen verabschiedet und das Anwesen verlassen, sodass im weitläufigen Raum eine tiefe, fast greifbare Ruhe eingekehrt war.

Nami saß auf dem tiefen, samtbezogenen Sofa. In ihren Armen hielt sie den kleinen Gou, der ruhig und andächtig an ihrer Brust trank, während sie ihm mit einer sanften, beschützenden Handbewegung über den Rücken strich. Ihr langes, silbrig-weißes Haar fiel in weichen Wellen über ihre Schulter, und auf ihrem Gesicht lag ein Ausdruck vollkommener, mütterlicher Gelassenheit.

Da klickte das Schloss der schweren Flügeltüren leise.

Kai trat ein. Er wirkte sichtlich gelöster als noch am Vormittag, doch es lag eine unverkennbare, konzentrierte Schwere in seinen Schritten. Er ging direkt auf das Sofa zu und ließ sich unmittelbar neben Nami nieder. Seine großen Hände glitten sofort nah an sie heran, während sein rubinroter Blick zärtlich auf seiner Frau und seinem Sohn ruhte.

Nami lehnte sich einen Moment an seine Seite, ehe sie den Kopf leicht schräg legte und ihn mit einem amüsierten, aber neugierigen Funkeln in den Augen musterte.

„Ist im Tower eigentlich alles in Ordnung?“, fragte Nami mit ihrer ruhigen, melodischen Stimme. „Du warst vorhin nämlich ziemlich eisig zu Mariah und Hilary.“

Kai schürzte leicht die Lippen, während ein trockener, ungerührter Zug sein Gesicht umspielte.

„Ich bin immer so“, antwortete er trocken und ohne mit der Wimper zu zucken, während seine intensiven Augen auf ihr hängen blieben.

Nami musste bei dieser Antwort leise auflachen... eine helle, glockenhelle Melodie, die durch den stillen Raum klang. Sie schüttelte amüsiert den Kopf.

„Ach, komm schon“, schmunzelte sie. „Sonst würdest du sie wenigstens ansatzweise grüßen, statt sie eisern zu ignorieren.“

Ein kurzes, tiefes Schnauben entkam Kais Kehle. Er lehnte sich etwas zurück, legte den Arm hinter Nami auf die Rückenlehne und strich ihr beiläufig über den Arm, während ein genervter Unterton in seine Stimme schlich:

„Na schön... Ich war heute schlicht und ergreifend extrem getresst“, gab er zu. „Es gab in der Entwicklung einen unerwarteten Fehler... ein technisches Problem, das ich mir heute Nachmittag absolut im Alleingang ansehen musste, bevor ich mich überhaupt freimachen konnte.“

Ein amüsiertes Lächeln huschte über Namis Gesicht, während sie ihren Blick von dem kleinen Gou, der friedlich an ihrer Brust trank, zu ihrem Ehemann hob. Die Erwähnung des technischen Problems und des stressigen Tages im Tower schien sie keineswegs zu beunruhigen; vielmehr weckte es einen kleinen, herausfordernden Funken in ihr.

„Weißt du...“, überlegte Nami mit einem leisen, melodischen Unterton in der Stimme, während sie Kai direkt in die rubinroten Augen sah. „Vielleicht wird es langsam wirklich mal Zeit, dass ich dem Tower wieder einen offiziellen Besuch abstatte. Nur, um zu sehen, ob deine Entwicklungsabteilung überhaupt noch fähig ist, ohne meine Aufsicht zu arbeiten.“

Kai erstarrte für einen Bruchteil einer Sekunde. Seine intensiven Augen verengten sich schlagartig, während er langsam eine einzelne, dunkle Braue nach oben theilte. Ein fast ungläubiges, trockenes Blitzen lag in seinem Blick, als er die Konsequenzen dieses Vorschlags in Sekundenschnelle durchdachte.

„Vergiss es“, sagte Kai mit tiefer, unmissverständlicher Entschiedenheit. „Du wirst hier bei Gou gebraucht. Der Tower läuft dir nicht weg.“

Nami lachte leise auf, genüsslich über die augenblickliche, fast beschützerische Panik, die in seiner Stimme mitschwang.

„Ich meine ja auch nicht heute oder morgen“, erwiderte sie charmant und strich dem kleinen Jungen sanft über den Kopf.

„Irgendwann... wenn Gou etwas älter ist und man ihn beruhigt für ein paar Stunden in fähige Hände geben kann.“

Kais Gesichtsausdruck weichte sich schlagartig auf, als eine ganz andere, weit weniger geschäftsmäßige Intention in seinen Zügen die Oberhand gewann. Mit einer langsamen, fließenden Bewegung lehnte er sich noch ein Stück weiter zu ihr herüber, bis sein Gesicht ganz nah an ihrem Ohr war. Die kühle Luft des Raumes schien augenblicklich zu verschwinden, verdrängt von der schweren, vertrauten Hitze seiner Nähe.

Seine tiefe, raue Stimme glitt wie ein leises Versprechen direkt an ihrer empfindlichen Haut vorbei:

„Wenn Gou älter ist“, flüsterte Kai dunkel und mit einer fast unerträglichen Intensität, „geht er erst einmal für ein paar Tage zu Oma und Opa Tachiba... damit ich dich endlich mal wieder ausgiebig durch dieses gesamte Anwesen jagen kann.“

Nami schloss für einen kurzen, genussvollen Augenblick die Augen, während ein feiner, prickelnder Schauer über ihren Rücken lief.

Der raue, dunkle Ton in seiner Stimme und die vertraute Wärme seines Atems an ihrer Haut riefen augenblicklich eine süße, vertraute Unruhe in ihr hervor. Statt zurückzuweichen, lehnte sie sich noch ein Stück weiter an seine breite Brust und neigte den Kopf leicht zur Seite, um ihm noch mehr Nähe zu gewähren.

„Und was...“, raunte Nami leise, während sie die Augen wieder öffnete und ihm mit einem verschmitzten, herausfordernden Lächeln seitlich in die intensiven, rubinroten Augen blickte, „...hält dich eigentlich genau jetzt davon ab? Gou schläft doch bald wieder fest.“

Kai verzog keine Miene, doch der Griff seiner Hand spannte sich unwillkürlich an. Ein tiefes, leises Grollen drang aus seiner Kehle, ehe er sich noch ein Stück näher an ihre Lippen schob. Seine Stimme war nur noch ein raues, dunkles Flüstern, das schmerzhaft direkt unter ihre Haut ging.

„Dass dieser kleine Mann maximal dreißig Minuten alleine schläft, bevor er wieder nach deinem Körperkontakt verlangt“, entgegnete Kai, und in seinen Worten lag eine ehrliche, fast ungeduldige Frustration.

Er beugte sich vor und drückte einen langsamen, brennenden Kuss auf die empfindliche Stelle direkt unter ihrem Kiefer.

„Dreißig Minuten... das ist verdammt noch mal viel zu wenig Zeit für das, was ich mit dir vorhabe“, flüsterte er heiser an ihrer Haut.

„Ich will endlich wieder Stunden mit dir. Am liebsten die ganze verdammte Nacht.“

Nami hielt für einen Herzschlag den Atem an. Das brennende Funkeln in seinen Augen ließ keinen Zweifel daran, wie sehr diese Beherrschung an seinen Kräften zehrte... und wie sehr sie beide sich nach genau dieser ungestörten Intensität sehnten.

Ein feines, verführerisches Lächeln huschte um Namis Lippen.

Der Gedanke daran, wie kompromisslos und ungeduldig er nach ihr verlangte, entfachte ein wohliges, heißes Kribbeln in ihrem Inneren. Sie hob den Kopf ein kleines Stück, um ihn direkt anzusehen, während der kleine Gou in ihren Armen soeben den letzten Schluck getrunken hatte und mit tiefen, regelmäßigen Atemzügen in den Schlaf glitt.

„Weißt du was...“, hauchte Nami mit einer leisen, rauchigen Intonation, die direkt auf seine Nervenbahnen zielte, während sie ihm spielerisch über die breite Brust strich. „Gou ist jetzt fertig.“

Sie warf einen kurzen, liebevollen Blick auf ihren Sohn, ehe sie ihre ozeanfarbenen Augen wieder voll und ganz auf ihren Ehemann heftete.

„Du hast vorhin gesagt, dreißig Minuten seien dir zu wenig... aber ich lege ihn jetzt in sein Babynestchen“, flüsterte sie mit einem herausfordernden, unverschämten Funkeln in den Augen. „Und in diesen exakt dreißig Minuten kannst du mit mir machen, was du willst.“

Kais Augen verengten sich schlagartig zu einem intensiven, fast lodernden Glutnest.

Die Aussicht, die provokante Einladung, die pure Versuchung... all das schlug in ihm ein wie ein Blitz. Für einen Moment schien die Zeit in dem stillen, gedimmten Salon komplett stillzustehen, während seine Hände unwillkürlich fester an ihrer Schulter zupackten.

Doch dann... mit einer abrupten, fast quälenden Realitätsfalle zuckte ein hagerer Muskel an seinem Kiefer.

Langsam, wie in Zeitlupe, senkte Kai den Blick von ihren Lippen ab, hob das Handgelenk und warf einen trockenen, fast hasserfüllten Blick auf seine edle Armbanduhr.

Eine kurze, bleierne Stille folgte. Dann atmete er tief, fast zischend durch die Nase aus.

„Zwanzig Minuten...“, knurrte Kai mit einer so tonlos-trockenen Enttäuschung in der Stimme, dass es fast schon tragisch war.

Er hob den Kopf wieder und sah Nami mit einem Blick an, der zwischen absolutem Willen und blanker Resignation schwankte.

„In genau zwanzig Minuten fängt die nächste Videokonferenz mit der Entwicklungsabteilung an.“

Ein feines, verführerisches Lächeln huschte um Namis Lippen, während seine heißen Lippen noch immer auf ihrer Haut brannten.

Sie wandte den Blick kurz von ihm ab, beugte sich behutsam nach vorn und bettete den kleinen Gou mit unendlicher Vorsicht und sanften Bewegungen in sein weiches, gepolstertes Babynestchen, das geschützt auf dem Sofa lag. Sie strich ihm noch einmal kurz über den weichen Hinterkopf, bis der Kleine tief und gleichmäßig atmete.

Doch im selben Moment, als sie sich wieder aufrichten wollte, griff Kai an ihrer Taille zu und zog sie an seine Brust.

Ein tiefes, gefährliches Blitzen trat in seinen rubinroten Augen auf, als die Realität der zwanzig Minuten bei ihm einsickerte. Doch von Resignation war plötzlich keine Spur mehr zu spüren... stattdessen wich sie einer puren, ungezähmten Entschlossenheit.

„Das bekomme ich hin“, knurrte Kai mit einer so dunklen, selbstbewussten Intonation, dass es direkt unter ihrer Haut brannte. „Ich brauche meist keine fünf Minuten, um dich komplett um den Verstand zu bringen.“

Nami unterdrückte ein leises, überraschtes Lachen, das ihr bei diesen Worten auf den Lippen lag. Doch bevor sie auch nur einen einzigen Gedanken an eine schlagfertige Erwiderung verschwenden konnte, ging alles rasend schnell.

Mit einer fließenden, absolut entschlossenen Bewegung drehte er sie zu sich herum, glitt unter ihren Körper und warf Nami mit einer spielerischen, aber kraftvollen Selbstverständlichkeit über die Schulter, als wüsste er genau, wie man jede Sekunde auskostet.

Nami entfuhr ein ersticktes Keuchen der Überraschung, das sie im nächsten Bruchteil geistesgegenwärtig erstickte, indem sie sich rasch die Hand fest auf den Mund presste, um nicht laut aufzuschreien.

Der kleine Gou regte sich in seinem Nestchen zwar kurz, schlief nach einem leisen, zufriedenen Seufzer jedoch seelenruhig weiter, während Kai mit schnellen, zielstrebigen Schritten den Salon verließ und sie in Richtung Korridor trug.