LNCrawler

Ein sündig sonniger Nachmittag

Der Gezähmte Phönix — www.fanfiktion.de · All chapters

Ein sündig sonniger Nachmittag

Die warme Mai-Sonne tauchte die lebendigen Straßen von Tokio in ein sanftes, verheißungsvolles Licht. Es wehte ein angenehmer, frischer Frühlingswind durch die Alleen der Stadt, bewegte das zarte Grün der Bäume und trug den Duft von blühenden Glyzinien mit sich.

Nami genoss jede einzelne Sekunde dieser frischen Brise. Sie schob den hochmodernen, eleganten Kinderwagen vor sich her, in dem der kleine Gou... inzwischen dreieinhalb Monate alt... friedlich schlummerte, gut geschützt vor dem Trubel der Stadt. Neben ihr schritt ihre Cousine Lumina, die erst seit gestrigem Tag wieder offiziell in Tokio angekommen war.

In einigem Abstand folgte den beiden Frauen ein ungleiches, aber extrem wachsames Gespann: Graham, der wie gewohnt mit stoischer, aristokratischer Haltung die Umgebung im Blick behielt, und Armon, Kais massiver Sicherheitschef.

Kai hatte unmissverständlich klargestellt, dass Nami und der kleine Stammhalter der Hiwatari-Familie keinen Schritt völlig ungesichert durch die belebten Einkaufsstraßen von Tokio machen würden.

„Ich sage es dir, Nami, die Wohnung ist absolut perfekt!“, erzählte Lumina begeistert, während ihr silbrig-weißes Haar im Wind spielte und ihre magentafarbene Augen aufleuchteten. „Sie ist zwar relativ klein im Vergleich zu dem, was ich gewohnt bin, aber unheimlich gemütlich. Und die Lage ist einfach unschlagbar.“

Sie warf einen strahlenden Blick auf ihre Cousine und fügte gut gelaunt hinzu: „Elias kommt übrigens genau in einer Woche aus England nach. Dann ist das kleine Chaos-Team endlich wieder komplett vereint.“

Nami lächelte sanft und nickte, während sie den Kinderwagen behutsam um eine Pflanzkübel-Insel lenkte. Die Vorstellung, dass ihre Cousine nun endlich in Tokio studierte und ihr eigenes Leben aufbaute, erwärmte ihr das Herz.

„Das klingt wirklich wundervoll, Lumina“, erwiderte Nami mit ihrer ruhigen, melodischen Stimme und atmete den Frühlingswind tief ein. Doch dann schlich sich ein feines, neugieriges Schmunzeln auf ihre Lippen. Sie wandte den Kopf leicht zur Seite und warf Lumina einen Seitenblick zu.

„Sag mal... hast du eigentlich in letzter Zeit endlich mal was von Tala gehört? Ich meine... seit er damals zurück von England nach Moskau geflogen ist? Das war ja schon eine richtig krasse Aktion von ihm.“

Lumina hielt für einen Bruchteil einer Sekunde inne. Ein kurzes, helles Lachen entkam ihren Lippen, doch sie schwieg zunächst und schaute einfach nur geradeaus auf die belebte Promenade.

Nami blinzelte überrascht. Sie hielt den Kinderwagen kurz an und musterte Lumina scharf von der Seite. Auf dem Gesicht ihrer Cousine breitete sich langsam ein breites, unverschämtes und absolut verräterisches Grinsen aus, das ihre magentafarbenen Augen förmlich zum Funkeln brachte.

„Lumina...“, setzte Nami mit verengten Augen an, in der festen Ahnung, dass gleich eine spektakuläre Enthüllung folgen würde. „Was hast du angestellt?“

Lumina drehte sich zu ihr um, verschränkte die Arme hinter dem Rücken und sah Nami mit einer Mischung aus Stolz und Amüsement an.

„Nun ja...“, gestand Lumina lachend und neigte den Kopf leicht zur Seite. „Ich habe ihm damals nicht einfach nur hinterher gewunken, Nami. Ich bin... spontan mit ihm nach Moskau geflogen.“

Nami stockte der Atem. „Du bist was?“

„Ich habe fast sieben Wochen lang bei ihm gewohnt“, fuhr Lumina völlig ungeniert fort, während ihr Grinsen nur noch breiter wurde.

„Mitten in Moskau in seinem Penthouse. Erst vor knapp zwei Wochen bin ich überhaupt erst wieder zurück nach England geflogen, um meine Sachen für Tokio zu packen und meine Eltern zu besuchen.“

Nami starrte Lumina für einen Moment völlig fassungslos an, ehe sich ein ungläubiges, aber über alle Maßen amüsiertes Lachen auf ihren Lippen breitrang.

Sie schüttelte ungläubig den Kopf, während auf ihrem Gesicht ein Mix aus Belustigung und fassungslosem Staunen lag.

Lumina hingegen schien das Ganze mit einer bemerkenswerten, fast schon unverschämten Gelassenheit zu nehmen. Sie warf Nami einen verschmitzten Blick zu, während sie neben dem Kinderwagen weiterging.

„Du kannst dir gar nicht vorstellen, was für ein Aufstand das war“, erzählte Lumina und kicherte leise in sich hinein. „Tala hat seinem gesamten Team... von Ian über Bryan bis hin zu Spencer... bei Androhung körperlicher Vernichtung verboten, Kai auch nur ein einziges sterbenswörtchen davon zu verraten. Wenn dein Mann das erfahren hätte, wäre die Hölle losgebrochen.“

Sie winkte lässig mit der Hand ab, während ihre magentafarbenen Augen vor Vergnügen glänzten.

„Draußen in Moskau musste ich mich deshalb auch benehmen wie eine Geheimagentin. Tala hat darauf bestanden, dass ich draußen immer Mütze und dicke Kapuze trage, damit bloß keine Pressefotos von mir in der Nähe des RBA-Hauptquartiers und zusammen mit ihm an die Öffentlichkeit geraten.“

Lumina lachte hell und befreit auf.

„Aber ganz ehrlich? Es war ohnehin arschkalt zu der Zeit, also war ich am Ende sogar ganz dankbar für die ganze Vermummung!“

Nami sah ihre Cousine halb belustigt, halb entsetzt an. Sie konnte sich bildlich vorstellen, wie diese sieben Wochen in der russischen Kälte abgelaufen sein mussten. Doch bei dem Gedanken an die strengen Regeln und die Etikette der Familie Davies stieg eine ganz andere, drängende Frage in ihr auf.

„Und was haben deine Eltern bitte dazu gesagt?“, fragte Nami, zog eine Braue nach oben und blickte Lumina durchdringend an.

„Wie hast du Onkel Eric erklärt, dass du mal eben spontan mit Tala Valkov nach Moskau fliegst und wochenlang bei ihm einziehst?“

Lumina verzog keine Miene, schlenderte gelassen weiter neben dem Kinderwagen her und zuckte nur unverfroren mit den Schultern.

„Gar nicht“, antwortete sie vollkommen trocken. Ein breites, spitzbübisches Grinsen stieg auf ihre Lippen. „Ich bin einfach... geflogen. Und als ich sicher in Moskau war, habe ich ihnen eine kurze Nachricht geschickt und es ihnen gesagt.“

Nami blieb abermals kurz stehen, presste die Hand an die Stirn und stieß einen tiefen, langgezogenen Seufzer aus, bevor ein lautes, ungläubiges Lachen über ihre Lippen drang. Die Vorstellung, wie Lord Davies diese Nachricht erhalten haben musste, war schlichtweg unbezahlbar.

„Armer Onkel Eric... arme Tante Emily“, lachte Nami und schüttelte amüsiert den Kopf, während der frische Frühlingswind ihr silbriges Haar verwehte.

„Er muss doch kurz davor gewesen sein, sein gesamtes Sicherheitsaufgebot mobilzumachen und in Russland einzumarschieren!“

Lumina winkte jedoch nur mit einer nonchalanten Handbewegung ab und lachte leise.

„Ach was, mein Vater hat erstaunlich... gefasst reagiert“, gab sie schmunzelnd zurück und ließ den Blick über die blühenden Bäume Shinjukus gleiten. „Er hat nicht einmal gedroht, mich da rauszuholen. Er hat mich dort gelassen, ohne mit den Truppen einzumarschieren. Er kennt mich eben gut genug um zu wissen, dass ein Widerstand sowieso völlig zwecklos gewesen wäre.“

Nami musterte ihre Cousine mit einem neugierigen, aber zugleich skeptischen Blick, während sie den Kinderwagen weiter über den sonnendurchfluteten Gehweg lenkte. Die Vorstellung, dass diese beiden extrem temperamentvollen und besitzergreifenden Persönlichkeiten über einen so langen Zeitraum auf engstem Raum aufeinander hockten, ließ jede Menge Konfliktpotential vermuten.

„Und wie war es dann... also sieben Wochen lang mit Tala unter einem Dach?“, fragte Nami mit einem leichten, amüsierten Unterton in ihrer melodischen Stimme.

„Seid ihr euch nicht irgendwann an die Gurgel gegangen?“

Lumina lachte kurz auf... ein warmer, vergnügter Laut, der keinen Zweifel daran ließ, wie intensiv diese Zeit gewesen war. Sie winkte erneut ab, schloss kurz die Augen und atmete die Frühlingsluft ein, als würde sie die Erinnerung förmlich auf der Haut spüren.

„Ach was, an die Gurgel gegangen? Sagen wir so: In der ersten Woche sind wir uns kaum aus dem Weg gegangen, aber auf eine ganz andere Art“, gab Lumina völlig frei heraus und zuckte mit den Schultern, während ihre magentafarbenen Augen verschmitzt funkelten. „Wir haben in der ersten Woche praktisch ununterbrochen gevögelt sobald es uns zeitlich möglich war. Vorallem Abends. Jedes verdammte Mal, ging es direkt zur Sache.“

Nami musste bei dieser unverblümten Direktheit unwillkürlich schmunzeln und schüttelte kopfschützend den Kopf, während Lumina seufzte und die Augen für einen kurzen Moment ganz schloss.

„In der zweiten Woche wurde es dann immerhin ein ganz kleines bisschen seltener“, fuhr Lumina fort und lächelte verträumt. „Nur noch so alle zwei Tage. Da haben wir dann angefangen, abends öfter mal rauszugehen, sind gut essen gegangen und sogar in einen absolut wundervollen Club in Moskau eingetaucht.“

Ein feines, amüsiertes Zucken umspielte ihre Mundwinkel, als sie an diesen Abend dachte.

„Allerdings lief das nicht ganz reibungslos. Tala hat dort natürlich jede Menge Bekannte und Geschäftspartner getroffen, die ihn sofort belagert und über mich ausgefragt haben. Das war ihm dann nach einer Weile wohl deutlich zu viel öffentliche Aufmerksamkeit und Konversation für einen Abend.“

Lumina lachte leise und schritt gelassen neben dem Kinderwagen her, in dem der kleine Gou tief und friedlich schlief.

„Danach wurde es insgesamt deutlich ruhiger. Wir haben uns abends oft einfach ins Bett gekuschelt, stundenlang Filme angeschaut, danach natürlich wieder gevögelt... und vor allem haben wir unglaublich viel geredet.“

Lumina schmunzelte und fügte mit einem verschmitzten Unterton hinzu:

„Ich durfte übrigens alle paar Tage sogar mit ins RBA-Hauptquartier kommen und...“

„Lass mich raten...“, unterbrach Nami sie schlagartig mit hochgezogener Augenbraue und einem ungläubigen Grinsen.

„Ihr habt dort gevögelt?“

Lumina lachte laut auf und schüttelte schmunzelnd den Kopf.

„Nein, tatsächlich nicht! Tala hat das dort drinnen peinlichst vermieden. Er war sich absolut nicht sicher, ob Petrow in seinem Büro versteckte Kameras aufgestellt hatte... und diese Genugtuung wollte er nun wirklich niemandem gönnen.“

Nami blinzelte ein paar Mal, während sie den Kinderwagen weiter über die Promenade schob und all diese wilden Details verarbeitete. Sie warf Lumina einen faszinierten, etwas ungläubigen Blick zu, als ihr ein ganz bestimmter Satz ihrer Cousine wieder durch den Kopf schoss.

„Warte... Moment mal“, hielt Nami inne und sah Lumina scharf von der Seite an. „Gerade eben... du hast gesagt, ihr habt viel geredet. Tala Valkov? Er redet?... viel?“

Lumina zuckte gelassen mit den Schultern und warf Nami einen bedeutungsvollen Blick zu.

„Redet Kai denn nicht mit dir?“, fragte Lumina mit einem sanften Lächeln. „Ich meine... deutlich mehr als mit allen anderen?“

Der Groschen fiel augenblicklich. Namis Blick wandelte sich von Skepsis zu einem verstehenden, warmen Ausdruck. Sie kannte das nur zu gut von ihrem eigenen Ehemann... die Welt sah eine kühle, unnahbare Fassade, aber hinter verschlossenen Türen existierte eine ganz andere Intensität.

„Er... Tala... öffnet sich also?“, hakte Nami leise nach, während der Frühlingswind durch ihr silbriges Haar strich. „Er redet tatsächlich über Gefühle? Er?“

Lumina lachte leise und blickte verträumt in die Weite der Allee.

„Ach... sagen wir so... halb“, gestand Lumina mit einem Schulterzucken, während ihre magentafarbenen Augen aufleuchteten.

„Verpackt in seiner ganz eigenen, sperrigen und besitzergreifenden Art und Weise. Aber weißt du was? Das reicht mir völlig. Er sagt mir ungeschönt seine Meinung und teilt mir seine Gedanken mit. Es hat überraschend gut funktioniert... ganze sieben Wochen lang. Nicht zu vergessen, die Woche davor bei mir in England.“

Luminas magentafarbene Augen veränderten mit einem Schlag ihren Ausdruck. Das spöttische, unverschämte Grinsen, das eben noch ihr Gesicht dominiert hatte, wich einer unerwarteten, tiefen Sanftheit. Ihr Blick glitt für einen Moment ins Leere, als würde sie die schmerzhafte und zugleich wunderschöne Erinnerung an jenen Abschied direkt vor ihrem inneren Auge abspielen.

Nami, die neben ihr herging und den Kinderwagen schob, hielt für einen Herzschlag fast den Atem an. Sie kannte ihre Cousine gut genug, um zu wissen, dass Lumina normalerweise das pure, ungebändigte Leben in sich trug... selbstbewusst, strahlend und unerschütterlich. Doch so hatte Nami sie noch nie gesehen: Dieser verträumte, fast verletzlich wirkende emotionale Blick, der in die Ferne gerichtet war, während Lumina gedanklich in die Vergangenheit abtauchte.

„Weißt du...“, begann Lumina mit einer plötzlich sehr leisen, fast zarten Stimme, während ihre Hand wie von selbst nach oben glitt. Sie berührte mit ihren Fingerspitzen leicht ihre Lippen, als könnte sie den Geschmack des Moments noch immer spüren.

„Ich habe seine Nervosität gespürt, als er mich an diesem Tag zum Flughafen gebracht hat. In der Nacht zuvor... ich hätte schwören können, dass er mich noch fester an sich gedrückt hat als all die Wochen davor.“

Ein feines, weiches Lächeln umspielte ihre Mundwinkel.

„Er hat natürlich versucht, das gewohnt kühl zu unterdrücken, ganz der unnahbare Russe.“, fuhr sie fort und schüttelte leise den Kopf.

„Aber ich habe es in seinen Augen gesehen. Er wollte mich nicht gehen lassen. Er wollte mich einfach dabehalten.“

Sie senkte die Hand wieder und strich sich eine silbrig-weiße Strähne aus dem Gesicht, während ihr Blick noch immer auf der Erinnerung ruhte.

„Und zum Abschied...“, hauchte Lumina fast unhörbar, während ihre Stimme einen warmen, ergriffenen Klang annahm, „...hat er mich auf eine Weise geküsst, wie er es in all den Monaten zuvor niemals getan hatte. So unglaublich sanft. Kein Verlangen, kein Fordern... einfach nur purer Abschied.“

Nami schwieg. Sie spürte die tiefe Intensität dieser Worte, die so perfekt zu dem harten, besitzergreifenden Mann passten. Es brauchte gigantische Gefühle, um einen Mann wie Tala Valkov zu dieser Art von Sanftheit zu bewegen.

Lumina holte tief Luft, und das leise, verträumte Schmunzeln wich einem fast schüchternen Ausdruck, als sie leise weitersprach:

„Wir... wir schreiben seitdem jeden Tag miteinander. Nicht viel, verdammt wenig eigentlich... wohl, weil Tala immer noch nicht so genau weiß, was er mit all diesen Gefühlen anfangen und wie er sie in Texte fassen soll.“

Ein kurzes, fast wehmütiges Lachen entkam ihrer Kehle.

„Er hat mir immer so viel über das Körperliche erzählt und auf diese Weise kommuniziert... aber jetzt? Jetzt sind wir getrennt. Und ich habe ihn... ich habe ihn jetzt schon seit so vielen Wochen einfach nicht mehr gesehen.“

Nami war tief berührt von der unerwarteten Verletzlichkeit, die sich hinter den harten Mauern des russischen Bladers verbarg. Sie warf ihrer Cousine einen warmen, empathischen Blick zu und schob den Kinderwagen, in dem der kleine Gou noch immer fest schlief, mit ruhigen Schritten weiter voran.

„Und wann...“, fragte Nami mit sanfter Stimme und einem leisen, verständnisvollen Lächeln, „...hat er vor, dich hier in Tokio zu besuchen?“

Lumina atmete tief durch, während ein amüsantes, fast triumphierendes Zucken um ihre Mundwinkel spielte. Sie schüttelte den Kopf und sah Nami direkt an.

„Das wird wohl noch etwas dauern“, antwortete Lumina und kicherte leise. „Tala hat von Direktor Petrow erst einmal eine handfeste Urlaubssperre aufgebrummt bekommen. Der Grund dafür ist, dass Tala unerlaubt nach England gereist ist, um mich zu besuchen. Petrow lässt ihn im Moment schlichtweg keinen Fuß aus Moskau setzen.“

Nami musste bei dieser Vorstellung unwillkürlich schmunzeln. Doch Lumina verlor das amüsante Detail schnell wieder aus den Augen, als sich ihr Blick erneut in der Ferne verlor. Die Härte wich vollständig aus ihren Gesichtszügen, und eine tiefe, fast greifbare Intimität legte sich in ihre Worte

„Aber ich weiß, dass er mich braucht“, sagte Lumina und ihre Stimme wurde dabei ganz leise, fast andächtig. „Er... er hat es mir bereits gesagt. Auf seine ganz eigene Art.“

Sie sah Nami direkt in die Augen, während der Frühlingswind leicht an ihrem silbrig-weißen Haar zerrte.

„Ich weiß, dass ich für ihn wie Luft zum Atmen bin, er... hatte es mir gesagt.“, flüsterte Lumina, und in ihren magentafarbenen Augen spiegelte sich eine tiefe, unerschütterliche Gewissheit wider.

„Er hat mir Dinge anvertraut, die er sonst vor der ganzen Welt verbirgt. Er hat mir auch erzählt, dass all die Stimmen... der Lärm in seinem Kopf... vollkommen verschwinden, wenn ich einfach nur bei ihm bin.“

Lumina hielt plötzlich abrupt mitten auf dem Gehweg an. Direkt vor den Schaufenstern eines edlen, mondänen Dessousladens, dessen dezente, elegante Auslage mit feinster Seide und edler Spitze lockte, blieb sie stehen. Ein breites, fast übertrieben strahlendes Lächeln huschte über ihr Gesicht... ein offensichtlicher Versuch, die plötzliche Welle der Sehnsucht und Rührung zu überspielen.

In ihren magentafarbenen Augen kitzelten bereits unwillkürlich ein paar verräterische Tränen. Der Gedanke an Talas vertrauten Geruch, an die Härte seiner Lippen, an das tiefe, raue Timbre seiner Stimme und vor allem an jenes unerträglich intensive Gefühl, wenn er tief in ihr war, während seine Zähne zupackend in ihren Hals gruben und sie vor purer Extase verging... all das war gerade so greifbar nah, dass es ihr schier den Atem raubte. Sie durfte jetzt nicht weich werden.

Nicht hier auf offener Straße in Tokio.

Schlagartig wandte sie sich um, packte Nami am Arm und strahlte sie mit einem schelmischen Glitzern in den Augen an.

„So“, verkündete Lumina mit überschwänglicher Energie, um die aufsteigenden Emotionen zu vertreiben.

„Wir gehen jetzt da rein. Dessous shoppen!“

Nami machte sofort eine Vollbremsung, starrte auf das Ladenschild und dann auf ihre Cousine, während sie das Blut spürte, wie es heiß in ihre Wangen schoss. Sie schüttelte heftig den Kopf.

„Lumina, nein... das... das können wir doch nicht machen!“, stotterte Nami fast, während sie panisch an sich herunterschaute. „Ich habe das Baby dabei! Und außerdem... Graham und Armon können da doch unmöglich mit rein!“

Nami wurde tiefrot, als sie an Kais Leibwächter dachte. Lumina hingegen zuckte nur amüsiert mit den Schultern und warf einen beiläufigen Blick an Nami vorbei auf die Männer, die im gewohnten Sicherheitsabstand folgten.

Graham stand da wie eine eiserne Statue... ungerührt, mit stoischer Miene und absolutem Pokerface, als ginge ihn die Auslage des Ladens rein gar nichts an. Doch Armon, der gewaltige, zwei Meter große Sicherheitschef, versteifte sich bei diesen Worten schlagartig merklich, und ein Hauch von Unbehagen schlich sich in seine kantigen Züge.

Lumina winkte lässig ab und grinste noch breiter.

„Ach, stell dich nicht so an“, lachte sie ungerührt. „Die beiden warten eben draußen vor der Tür. Und der kleine Mann hier?“, sie tätschelte sanft den Rand des Kinderwagens, in dem Gou friedlich und absolut seelenruhig weiterschlief. „Gou schläft doch wie ein Engel. Den nehmen wir einfach mit rein!“

Nami sah ihre Cousine mit hochgezogener Augenbraue und einem leicht skeptischen Blick an, während die Röte auf ihren Wangen nur langsam abklang.

„Und darf ich fragen... wozu du jetzt eigentlich Dessous brauchst?“, fragte Nami und nickte vage in Richtung des edlen Schaufensters. „Ich meine... du studierst hier in Tokio und Tala sitzt festgenagelt in Moskau.“

Ein spitzbübisches, absolut unverfrorenes Grinsen schlich sich auf Luminas Lippen.

„Ganz einfach“, antwortete Lumina, neigte den Kopf und brachte ihr Gesicht ganz nah an Namis. „Ich kaufe diese sündhaft teuren Stücke, ziehe sie an, mache ein paar extrem heiße Fotos von mir und schicke sie ihm direkt auf sein Smartphone. Damit er drüben in Russland schier wahnsinnig vor Verlangen wird und sich gefälligst ein bisschen mehr Mühe gibt, Petrow umzustimmen!“

Nami konnte nicht verhindern, dass erneut ein leises Schmunzeln ihre Lippen umspielte, doch bevor sie etwas erwidern konnte, schob Lumina hastig und mit einem verheißungsvollen Funkeln in den magentafarbenen Augen hinterher:

„Und außerdem... wäre das doch wohl auch perfekt für dich. Um Kai wieder ein bisschen zu reizen.“

Nami stockte der Atem. „Was?“

„Ich kann mich noch verdammt gut an unsere Telefonate von vor einem Jahr erinnern“, fuhr Lumina ungeniert fort und strich sich eine silbrige Haarsträhne hinter das Ohr.

„Damals hast du es absolut geliebt, Kai aus der Reserve zu locken, ihn zu provozieren und seine eiserne Beherrschung so richtig auf die Probe zu stellen. Und ich wette mit dir... genau das ist in den letzten Monaten mit Baby und Alltag komplett auf der Strecke geblieben.“

Nami presste augenblicklich die Lippen fest aufeinander. Das Blut schoss ihr erneut heiß in die Wange. Sie trat einen kleinen Schritt näher an Lumina heran, warf einen vorsichtigen Blick zu Graham und Armon hinüber und flüsterte mit unterdrückter Empörung:

„Kai und ich... wir haben sehr wohl nach wie vor sehr guten und verdammt intensiven Sex, ja?!“

Lumina beugte sich schmunzelnd vor und antwortete ebenfalls in einem raunenden, verschmitzten Flüsterton:

„Oh, das stelle ich doch gar nicht in Frage, meine Liebe. Aber ich wette meinen Hintern darauf, dass es damals zwischen euch beiden deutlich wilder, unberechenbarer und gefährlicher zuging... bevor alles so perfekt organisiert war.“

Ein kurzes, verräterisches Zucken umspielte die Mundwinkel von Nami. Sie versuchte krampfhaft, ernst zu bleiben, doch der pure Triumph in den magentafarbenen Augen ihrer Cousine ließ jede Maske bröckeln.

„Ha! Das ist die verdammte Bestätigung!“, stieß Lumina jubelnd aus, während sie triumphierend die Arme in die Luft warf.

„Also los... rein da!“

Ohne auch nur eine Sekunde zu zögern, griff Lumina nach der vergoldeten Türklinke des edlen Dessousladens und stieß die Tür auf. Ein dezenter, luxuriöser Duft von feinstem Parfüm strömte aus dem Inneren nach draußen auf die Frühlingsluft von Shinjuku.

Nami warf einen schnellen, leicht verlegenen Blick zurück. Graham stand ungerührt da wie eine steinerne Skulptur, doch zu ihrer Überraschung war es der massige, fast zwei Meter große Armon, der das Zepter in die Hand nahm: Er musterte die Umgebung mit einem raschen, scharfen Blick, traf sich mit Namis Augen und nickte dann zusammen mit Graham kurz und prägnant, um ihr grünes Licht zu geben. Sie wussten genau, dass es keinen Sinn hatte, mit den beiden Frauen zu diskutieren.

Nami atmete tief durch, ein amüsiertes Schmunzeln auf den Lippen, und schob den Kinderwagen, in dem der kleine Gou noch immer friedlich schlief, an Lumina vorbei in den luxuriösen Laden, während ihre Cousine ihr lächelnd die Tür aufhielt.

Kaum hatte sich die schwere Glastür hinter ihnen geschlossen, wurden die beiden Frauen von der eleganten, fast schon ehrfurchtgebietenden Ruhe der Luxusboutique empfangen. Der Duft von feinem Jasmin und schwerem Parfüm lag in der Luft, während im Hintergrund sanfte Jazzmusik spielte. Gou schlief ungerührt im Kinderwagen weiter, unbeeindruckt von den meterhohen Spiegeln und den schimmernden Seidenstoffen, die die Wände zierten.

Lumina steuerte ohne jede Zögerung auf einen Ständer mit der provokantesten Kollektion des Hauses zu.

„Schau dir das an“, raunte Lumina begeistert und hielt ein hauchdünnes, mit schwarzer Wimpernspitze besetztes Ensemble hoch, das mehr enthüllte als es verhüllte.

„Das hier schicke ich Tala. Wenn er das sieht, schmeißt er Petrows Urlaubssperre binnen zehn Sekunden eigenhändig über den Haufen.“

Nami spürte, wie die Hitze wieder in ihre Wangen stieg, als sie das knappe Stück Spitze betrachtete.

„Lumina... das ist doch fast nichts!“, flüsterte sie amüsiert und warf einen nervösen Blick zur Tür, als könnte Armon jeden Moment durch die Scheibe lunzen.

Lumina drehte sich mit einem herausfordernden Funkeln in den magentafarbenen Augen zu Nami um und neigte den Kopf.

„Ach komm schon, Nami! Sag mir nicht, dass dir das zu gewagt ist. Wo ist die Nami hin, die Kai Hiwatari mit einem einzigen Blick und den richtigen Worten um den Verstand gebracht hat? Ist das die Ausrede einer jungen Mutter, oder hast du Angst, dass du ihn heutzutage nicht mehr mit so etwas überraschen kannst?“

Diese eine Äußerung traf exakt Namis Stolz. Ein feines, gefährliches Glitzen schlich sich in ihre ozeanfarbenen Augen. Sie neigte den Kopf leicht zur Seite, trat an Lumina vorbei und ließ ihre Fingerspitzen langsam über ein Gestell mit tiefroter, edler Seide gleiten.

„Angst?“, erwiderte Nami mit einer plötzlich so dunklen, samtigen Stimme, dass Lumina eine Braue nach oben zog. „Kai mag ein Meister der Beherrschung sein... aber ich weiß exakt, welche Knöpfe ich drücken muss, damit diese Beherrschung in tausend Teile zerspringt.“

Nami zog ein sündhaft teures, weinrotes Spitzen-Set heraus... ein Hauch von Nichts, kombiniert mit edlen Halterungen, die jede Kurve perfekt in Szene setzen würden.

„Das hier...“, flüsterte Nami und blickte Lumina herausfordernd an, „...wird dafür sorgen, dass er heute Abend jedes einzelne Meeting vergisst.“

Lumina stieß einen leisen, faszinierten Pfiff aus und klatschte begeistert in die Hände.

„Das ist meine Cousine!“, jubelte sie leise. „Ab in die Umkleidekabinen! Wir probieren das Zeug an. Und wenn wir fertig sind, machen wir die Fotos... du für die direkte Wirkung heute Abend, ich als Fernzündung für Moskau!“

Nami und Lumina schlenderten gemeinsam mit ihren ausgewählten Stücken hinüber zum eleganten Kassentresen, an dem zwei tadellos gekleidete Verkäuferinnen warteten.

Als die beiden Frauen näher traten, verstummte das leise Gespräch der Verkäuferinnen schlagartig. Die Damen am Tresen blickten auf und waren auf den ersten Blick sichtlich überwältigt vom Anblick der beiden silbrig-weißen Schönheiten. Die verblüffende Ähnlichkeit der beiden Cousinen, gepaart mit ihrer eleganten, selbstbewussten Ausstrahlung, ließ den Verkäuferinnen für einen kurzen Moment den Atem stocken.

„Guten Tag“, begann Nami mit einem höflichen, samtigen Lächeln. „Wir würden diese Stücke hier sehr gerne anprobieren.“

Die ältere der beiden Verkäuferinnen faste sich schnell wieder, während ihre Augen bewundernd zwischen Namis ozeanfarbenen und Luminas magentafarbenen Augen hin- und herwanderten.

„Aber natürlich, sehr gerne!“, erwiderte sie begeistert und nickte eifrig.

„Sie haben einen exquisiten Geschmack. Wenn Sie gestatten... dürfen wir Ihnen vielleicht noch ein paar weitere Modelle aus unserer exklusivsten Kollektion zeigen? Sie würden Ihnen ganz fantastisch stehen!“

Die jüngere Kollegin blickte lächelnd auf den edlen Kinderwagen, in dem der kleine Gou nach wie vor seelenruhig schlummerte, und fügte zuvorkommend hinzu:

„Wir haben im hinteren Bereich auch eine extra große VIP-Kabine für Mütter. Dort haben Sie absolut ungestörte Privatsphäre und der Kinderwagen passt ganz bequem mit hinein.“

Lumina lachte hell und vergnügt auf. Das Angebot traf genau ihren Nerv. Sie warf Nami einen verschmitzten, triumphierenden Blick zu und wandte sich dann strahlend an die Verkäuferinnen.

„Oh, das klingt absolut perfekt!“, sagte Lumina begeistert und klatschte leise in die Hände. „Bringen Sie uns ruhig alles, was Sie an atemberaubenden, gewagten Teilen da haben. Wir haben vor, gleich mehrere Ensemble anzuprobieren!“

Die beiden Verkäuferinnen strahlten über das ganze Gesicht, sichtlich begeistert von so viel Enthusiasmus und der Aussicht, den beiden außergewöhnlichen Kundinnen ihre glamourösesten Schätze zu präsentieren. Mit geschultem Blick und eleganten Schritten eilten sie bereits zu den exklusivsten Wandregalen, um eine erlesene Auswahl aus Seide, Spitze und feinen Riemchen zusammenzustellen.

Nami beobachtete den Eifer der Damen mit einem leisen Schütteln des Kopfes und wandte sich dann zu Lumina um. Ein amüsiertes, sanftes Schmunzeln legte sich auf ihre Lippen, als sie den vergnügten, siegesbewussten Ausdruck auf dem Gesicht ihrer Cousine sah.

Eigentlich hatte Nami keineswegs vorgehabt, hier eine stundenlangen Modenschau zu veranstalten... immerhin war sie nur für einen entspannten Frühlingsspaziergang und eine kleine Besorgung in der Stadt unterwegs gewesen. Doch das Funkeln in Luminas magentafarbenen Augen und die verlockende Aussicht, Kais legendäre Selbstbeherrschung heute Abend auf eine harte Probe zu stellen, verfehlten ihre Wirkung nicht.

„Na gut“, raunte Nami ihrer Cousine leise zu und ließ ein feines, spitzbübisches Lächeln aufblitzen. „Wenn wir es schon tun, dann richtig. Zeig mir, was du hast, Lumina.“

Sie ließ sich vollkommen auf das kleine Abenteuer ein und folgte der Verkäuferin, die sie lächelnd in Richtung der geräumigen VIP-Kabine lotste, während Nami den Kinderwagen mit dem friedlich schlummernden Gou behutsam hinter sich her schob.