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Beistand

Der Gezähmte Phönix — www.fanfiktion.de · All chapters

Beistand

In der Tachiba-Villa herrschte an diesem Nachmittag eine untypische Unruhe. Momoko war förmlich durch die Haustür gestürmt. Ihr Enthusiasmus war so ansteckend wie eine Druckwelle.

„Nami! Sag mir, dass das wirklich dein Ernst ist!“, rief sie, während sie die Treppe zum Zimmer ihrer Freundin hinaufstürmte. „Kai Hiwatari kommt mit uns ins Freibad? Der Kai Hiwatari? Der Mann, der wahrscheinlich in einem schwarzen Rollkragenpullover duscht?“

Nami saß auf ihrem Bett, umgeben von ein paar Kleiderbügeln, und sah Momoko mit einer Mischung aus Belustigung und leichter Panik an. „Papa konnte seinen Mund mal wieder nicht halten. Ja, er hat zugesagt. Aber er kommt nur als... naja, als Beistand. Damit die Leute nicht so starren.“

Momoko warf sich bäuchlings auf das Bett und stützte das Kinn in die Hände. „Beistand, klar. Er wird wie ein finsterer Turmwächter neben deinem Handtuch stehen und jeden grillen, der es wagt, in deine Richtung zu atmen. Das wird das Event des Sommers! Aber wichtiger: Was ziehst du an? Wir müssen ihn beeindrucken, Nami. Wenn wir schon den Champion dabeihaben, darfst du nicht in deinem Schul-Badeanzug auftauchen.“

Nami seufzte und deutete auf die kleine Auswahl, die sie aus den Tiefen ihres Schranks hervorgekramt hatte. Es war nicht viel. Da war ein schlichter, rosafarbener Bikini, den sie vor zwei Jahren gekauft hatte...süß, aber fast schon ein wenig zu mädchenhaft für die Frau, die sie mittlerweile geworden war. Daneben lag ein klassischer dunkelblauer Badeanzug, funktional und unauffällig.

„Und das hier?“, fragte Momoko und fischte ein Teil hervor, das unter dem blauen Badeanzug hervorgelugt hatte.

Es war ein Monokini mit auffälligem Leoprint, den Nami von ihrer älteren Schwester Hana „geerbt“ hatte. Hana hatte ihn ihr geschenkt, als sie nach Osaka gezogen war, mit dem Kommentar, dass Nami irgendwann das Selbstvertrauen besitzen würde, ihn zu tragen. Der Schnitt war gewagt...die Seiten waren tief ausgeschnitten, verbunden nur durch schmale Stoffstreifen, die die Taille und das Dekolleté betonten, während das Muster eine Wildheit ausstrahlte, die so gar nicht zu Namis sonst so beherrschter Art passte.

Momoko hielt das Stück Stoff hoch, ihre Augen leuchteten. „Nami... das ist er. Definitiv.“

„Auf keinen Fall“, entgegnete Nami sofort und spürte, wie sie allein bei dem Gedanken an den Leoprint errötete. „Das ist Hanas Stil, nicht meiner. Das ist viel zu... viel.“

„Es ist perfekt!“, beharrte Momoko. „Du sagst doch immer, du willst nicht als das süße, zerbrechliche Mädchen gesehen werden. In diesem Teil sieht man die Ingenieurin, die weiß, was sie will. Und stell dir Kais Gesicht vor, wenn er dich darin sieht. Er wird wahrscheinlich vergessen, wie man atmet.“

Nami biss sich auf die Lippe. Sie dachte an Kais Worte im Restaurant...dass er kein Interesse an überfüllten Becken hatte, aber dennoch für sie zugesagt hatte. Er tat das für sie. Ein Teil von ihr wollte ihm zeigen, dass sie seinen Schutz zwar schätzte, aber keine schüchterne Schülerin war, die sich verstecken musste.

„Ich weiß nicht...“, murmelte sie und betrachtete den Monokini. Er war provokant, ja. Aber er war auch stark.

„Probier ihn an“, befahl Momoko mit einem siegreichen Grinsen.

Während Nami und Momoko in der Tachiba-Villa zwischen Leoprint und Pastelltönen debattierten, befand sich Kai in einer Situation, die er schlichtweg für lästig hielt. Er stand in einem Sportgeschäft, die Hände tief in den Taschen seiner Hose vergraben, und starrte mit einem Blick, der Glas hätte schneiden können, auf das Sortiment der Badebekleidung.

Er war nicht hier, um sich modisch zu beraten. Er wollte einfach nur das unauffälligste Teil finden, die Sache hinter sich bringen und wieder verschwinden.

„Strandmode, Kai? Bist du jetzt unter die Surfer gegangen?“

Die Stimme war ruhig und triefte vor Amüsement. Kai bewegte keinen Muskel. Er musste nicht hinsehen, um zu wissen, dass Ray hinter ihm stand. Er atmete einmal langsam aus, drehte sich dann mit der ihm eigenen, trägen Eleganz um und sah Ray aus halbgeschlossenen Augen an.

„Ray“, war seine knappe Begrüßung. Er klang grenzenlos genervt.

Ray grinste breit und deutete auf eine knallrote Badeshorts direkt vor Kais Nase. „Suchst du was für den nächsten Urlaub? Oder hast du dich endlich entschieden, mal Sonne an deine Haut zu lassen?“

Kai verzog keine Miene. Er griff sich eine schlichte, schwarze Shorts vom Haken, ohne sie auch nur eines Blickes zu würdigen. „Hiro Tachiba hatte eine fixe Idee“, sagte er trocken. Sein Tonfall machte deutlich, dass er das Ganze für reine Zeitverschwendung hielt, der er sich nur aus einer gewissen Loyalität heraus beugte. „Ich sorge nur dafür, dass der Ausflug morgen nicht in einem Chaos endet.“

Ray zog eine Augenbraue hoch. „Chaos? Du meinst, du spielst den Aufpasser für Nami?“

Kai sah ihn einen Moment lang schweigend an. Er rechtfertigte sich nicht, er suchte nicht nach Ausflüchten. Er zuckte lediglich mit einer Schulter...eine Geste absoluter Gleichgültigkeit. „Nami hat keine Lust auf die Idioten im Freibad. Ich habe keine Lust auf Diskussionen mit Hiro. Also gehe ich mit und sorge für Ruhe. Dann sind alle zufrieden.“

„Und du glaubst wirklich, dass du dort weniger auffällst als die 'Idioten'?“, lachte Ray. „Du wirst da stehen wie eine Gewitterwolke an einem Sommertag.“

„Sollen sie doch starren“, erwiderte Kai kühl. Sein Blick war wieder so unnahbar wie eh und je. „Solange sie Abstand halten, ist mir egal, was sie denken.“

Er ging an Ray vorbei in Richtung Kasse, die schwarze Shorts lässig über der Schulter hängend. Er strahlte diese unerschütterliche Arroganz aus, die besagte, dass er selbst in einer Badehose noch die Kontrolle über die Situation hätte.

„Vergiss die Sonnencreme nicht, Champion!“, rief Ray ihm nach.

Kai hob nur kurz eine Hand, ohne sich noch einmal umzudrehen oder den Schritt zu verlangsamen. Er hatte keine Lust auf weitere Sprüche. Er wollte dieses Kapitel abschließen und sich mental auf das vorbereiten, was ihn morgen erwartete. Dass er sich bereits fragte, wie Nami wohl ohne ihre Schuluniform aussah, schob er mit der gleichen Lässigkeit beiseite, mit der er Rays Witze ignoriert hatte.

Am nächsten Tag.

Die Nachmittagssonne brannte bereits heiß auf den Asphalt vor der Oberschule, als Kais schwarzer Wagen lautlos am Bordstein zum Stehen kam. Er stieg aus und lehnte mit verschränkten Armen am Kotflügel, die Sonnenbrille auf der Nase, und strahlte jene unnahbare Lässigkeit aus, die dafür sorgte, dass die vorbeigehenden Schüler unwillkürlich einen Bogen um ihn machten. Er trug ein schlichtes, dunkles Shirt und wirkte als würde er eine unsichtbare Grenze um sich ziehen.

Die Türen der Oberschule schwangen auf und Momoko stürmte heraus über den Vorplatz, Nami im Schlepptau. „Da ist unser Chauffeur!“, rief Momoko gut gelaunt und schwenkte ihre Badetasche.

Doch sie waren nicht allein. Direkt hinter ihnen tauchte Kenji auf. Namis Zwillingsbruder wirkte alles andere als entspannt; seine Miene war finster, während er den Blick zwischen Kai und der offensichtlichen Vorfreude seiner Freundin hin- und herwandern ließ.

„Ich wusste gar nicht, dass der 'Champion' jetzt auch Freizeitaktivitäten koordiniert“, brummte Kenji, als sie die Gruppe erreichten. Er stellte sich instinktiv ein Stück näher zu Nami, als wollte er Kai daran erinnern, wer hier zur Familie gehörte.

Momoko, die die unterschwellige Spannung entweder nicht bemerkte oder sie gekonnt ignorierte, hakte sich bei Kenji unter. „Ach, sei nicht so ein Spielverderber, mein Schatz! Kai ist so nett und passt auf uns auf. Wenn wir jetzt alle zusammen hinfahren, wirkt das von außen fast wie ein perfektes Doppeldate!“

Kenji erstarrte. „Ein was?“, stieß er hervor, und seine Stimme klang plötzlich eine Oktave höher. Er warf einen schnellen, fast schon panischen Blick zu Nami und dann zu Kai. Die Vorstellung, dass seine Zwillingsschwester und dieser unterkühlte Typ in denselben Kontext wie ein „Date“ gesetzt wurden... und er selbst mittendrin steckte..., schien ihn innerlich brodeln zu lassen. „Das ist kein Date. Das ist... eine logistische Notwendigkeit.“

Kai verzog keine Miene. Er schob die Sonnenbrille ein Stück tiefer auf die Nase und bedachte Kenji mit einem Blick, der so trocken war wie die Wüste Gobi. „Wenn du fertig damit bist, die Begriffe zu sortieren, könnten wir losfahren“, sagte er kühl. „Die Sonne wartet nicht auf deine Erlaubnis.“

Nami spürte, wie ihr die Hitze ins Gesicht stieg. Sie vermied es tunlichst, Kai direkt anzusehen, besonders nach Momokos „Doppeldate“-Kommentar. „Es ist kein Date, Kenji“, murmelte sie und versuchte, die Situation zu entschärfen, während sie ihre Tasche im Kofferraum verstaute. „Kai sorgt nur dafür, dass wir unsere Ruhe haben. Nichts weiter.“

Kenji schnaubte ungläubig, warf Kai noch einen warnenden Blick zu und ließ sich dann missmutig auf den Rücksitz gleiten, direkt neben Momoko, die bereits eifrig die neuesten Gerüchte über das Freibad ausbreitete.

Kai stieg wortlos auf der Fahrerseite ein. Als Nami sich auf den Beifahrersitz setzte, begegneten sich ihre Blicke für einen Sekundenbruchteil im Rückspiegel. Kai sagte nichts, aber das kurze, fast unmerkliche Zucken seiner Mundwinkel verriet ihr, dass er Kenjis offensichtliche Eifersucht und Momokos Unbeschwertheit mit derselben arroganten Ruhe registriert hatte, mit der er auch einen Kampf in der Arena führte.

„Gurte an“, war alles, was er sagte, bevor er den Motor startete und den Wagen in den Verkehr lenkte.

Der Wagen hielt wenig später auf dem gut gefüllten Parkplatz des Freibads. Schon beim Aussteigen schlug ihnen die flirrende Hitze des Nachmittags und der typische Geruch von Chlor und Sonnencreme entgegen. Während Nami und Momoko ihre Taschen schulterten, stieg Kenji mit einer fast schon demonstrativen Langsamkeit aus dem Fond.

Er straffte die Schultern, verschränkte die Arme und sah sich mit einem Blick um, der jeden potenziellen Unruhestifter im Umkreis von hundert Metern sofort in die Schranken weisen sollte. Dann wanderte sein Blick zu Kai, der gerade den Wagen verriegelte, ohne Kenji auch nur eines Blickes zu würdigen.

„Ehrlich gesagt“, begann Kenji und stimmte seinen Schritt so ab, dass er direkt neben Kai lief, „verstehe ich immer noch nicht ganz, warum wir diese zusätzliche... 'Absicherung' brauchen.“

Kai reagierte nicht, was Kenji nur noch mehr anstachelte.

„Ich meine“, fuhr der Zwillingsbruder fort und baute sich zu seiner vollen Größe auf, „ich hätte als Bodyguard für Nami völlig ausgereicht. Ich bin mindestens genauso athletisch und einschüchternd wie du.“ Er machte eine kurze Pause, um den Effekt seiner Worte wirken zu lassen, und warf einen herablassenden Blick auf Kais Schläfe. „Davon abgesehen, dass ich sogar einen halben Kopf größer bin als du. Das allein sollte schon als Warnung reichen.“

Kai hielt inne. Er blieb stehen, drehte den Kopf ganz langsam zur Seite und sah Kenji aus halbgeschlossenen Augen an. Es war kein wütender Blick; es war dieser Blick absoluter Überlegenheit, der klarmachte, dass Größe allein in Kais Welt keine Währung war.

„Größe ist nur eine größere Zielfläche, Kenji“, erwiderte Kai. „Einschüchterung kommt nicht durch Zentimeter, sondern durch Präsenz. Und solange du dich wie ein eifersüchtiger Aufpasser aufführst, wirkst du eher wie eine Ablenkung als wie ein Schutz.“

Er wartete Kenjis Antwort gar nicht erst ab, sondern ging mit seiner gewohnt lässigen, fast raubtierhaften Eleganz an ihm vorbei in Richtung Eingang.

Momoko, die das Gespräch mitverfolgt hatte, unterdrückte ein Kichern und hakte sich bei ihrem Freund unter, der nun etwas bedröppelt dastand. „Komm schon, mein großer, starker Beschützer. Kai hat recht, du ziehst die Stirn so tief, dass du gleich über deine eigenen Füße stolperst.“

Nami schüttelte nur den Kopf und folgte Kai. „Tut mir leid“, murmelte sie, als sie auf gleicher Höhe mit ihm war. „Kenji ist manchmal etwas... nun ja, er ist eben mein Bruder. Du kennst ihn ja...“

„Er redet wie immer zu viel“, stellte Kai knapp fest. Er schob die Sonnenbrille wieder hoch und sah zum Haupteingang, wo sich bereits eine kleine Schlange gebildet hatte. „Sorgen wir dafür, dass wir einen Platz im Schatten bekommen. Ich habe nicht vor, den ganzen Tag als Anschauungsobjekt in der prallen Sonne zu stehen.“

Nami lächelte bei seinen Worten. Trotz seiner schroffen Art merkte sie, dass er die Situation vollkommen unter Kontrolle hatte...und dass Kenjis Provokationen an seinem Ego abprallten wie Kieselsteine an einer Panzerplatte.

Sie hatten sich wenig später einen Platz unter einer alten Trauerweide gesichert, deren lange Zweige einen Teil der großen Decke in kühlen Schatten tauchten. Doch die Aufmerksamkeit der Umstehenden ließ sich nicht durch Blätterwerk abschirmen.

Wie ein Magnet zogen die beiden Männer die Blicke auf sich. Kenji, der mit seinen 1,90 m und dem wilden, silbrig-weißen Haar wie eine antike Statue wirkte, genoss die Bewunderung sichtlich. Er strich sich durch sein Haar, seine helltürkisen Augen funkelten amüsiert, während er seine definierten Muskeln spielen ließ. Er war der strahlende Pol dieser Gruppe, ein Bild von einem Mann, der trotz seiner 18 Jahre eine Reife und Athletik ausstrahlte, die manch einen Profisportler blass aussehen ließ.

Direkt daneben bildete Kai den dunklen Kontrast. Mit 1,82 m war er zwar etwas kleiner als Kenji, doch seine Physis stand der des Zwillingsbruders in nichts nach. Seine Muskeln waren nicht für die Show gemacht, sondern das Resultat jahrelangen, gnadenlosen Trainings...massig, hart und perfekt definiert. Kai strahlte diese kühle, gefährliche Aura aus, die neugierige Blicke zwar anzog, sie aber gleichzeitig auf Distanz hielt.

Nami stand daneben und spürte, wie ihr Mund trocken wurde. Sie hatte Kai schon oben ohne gesehen, doch hier, im grellen Licht der Nachmittagssonne, wirkte alles intensiver. Ihr Blick glitt über seine breiten Schultern zu seinem markanten Sixpack, und sie musste den Drang unterdrücken, sich auf die Unterlippe zu beißen. Die dunkle Eleganz, die von ihm ausging, war fast greifbar.

Momoko hatte sich bereits ihrer Shorts entledigt und streckte ihre schlanken Beine in die Sonne. Mit ihren rosafarbenen Haaren und den leuchtend blauen Augen war sie ebenfalls ein Blickfang, auch wenn sie leise vor sich hin murmelte und an ihrem Bikini-Oberteil zupfte...ein altbekanntes Ritual, da sie sich oft wünschte, etwas mehr Oberweite zu haben.

Nami kniete auf der Decke und spürte die Hitze, die nicht nur von der Sonne, sondern auch von der Erwartung in Momokos Blick ausging. Sie sah zu Kai hinüber, doch er bot ihr keine Angriffsfläche. Er lag nun auf dem Rücken, die Augen geschlossen, die Arme hinter dem Kopf verschränkt. Er wirkte, als wäre er meilenweit weg, vollkommen unbeeindruckt von dem Trubel des Freibads oder der Tatsache, dass sie nur Zentimeter von ihm entfernt saß. Seine Beherrschung war eine Mauer, die er selbst im Liegen aufrechterhielt.

„Nami?“, drängelte Momoko und zupfte an ihrem Bikini-Oberteil. „Willst du etwa so schwimmen gehen? Los jetzt, zieh dich aus!“

Nami atmete tief durch. Sie spürte Kenjis besorgten Blick und Kais scheinbare Ignoranz. „Schon gut“, murmelte sie. Sie stand langsam auf und strich sich das Sommerkleid glatt. Sie wollte nicht länger das schüchterne Mädchen sein, das sich hinter Stofflagen verbarg.

Als sie die Arme hob und das Kleid mit einer fließenden Bewegung über den Kopf streifte, schien für einen Moment die Zeit im Umkreis mehrerer Meter einzufrieren.

Ohne das Kleid wurde eine Physis enthüllt, die in ihrer Makellosigkeit beinahe surreal wirkte. Nami war das Ebenbild einer klassischen Schönheit, deren Proportionen fast schon zu perfekt für die Realität schienen. Ihre Beine waren endlos lang und führten zu einer Taille, die so schmal war, dass man sie fast mit zwei Händen hätte umspannen können. Der Leoprint-Monokini von Hana ließ keinen Raum für Zweifel: Er betonte ihre runden Hüften und eine volle feste Oberweite...ein perfektes C-Körbchen, das durch die Schnitte des Stoffes noch mehr zur Geltung kam. Ihr karamellfarbener Teint glühte regelrecht in der Sonne, und das lange, silbrige Haar floss wie flüssiges Metall über ihren Rücken hinunter bis zum Gesäß.

Sie wirkte wie eine Erscheinung, die nicht in diese banale Welt aus Plastikbechern und Liegestühlen passte.

Kenji schluckte hart und vergaß für einen Moment seinen Stolz, während er mit einem mörderischen Blick die Jungs am Nachbarplatz fixierte, die ungläubig die Köpfe reckten. Er vergaß oft, dass seine Schwester

kein kleines Kind mehr war....

Kai hatte die Augen immer noch geschlossen. Doch als die Bewegung in seiner Nähe aufhörte und die plötzliche Stille der Umstehenden wie eine Druckwelle über die Decke rollte, schlug er die Lider auf. Er bewegte sich nicht, er setzte sich nicht einmal auf. Er sah einfach nur zur Seite.

Für einen winzigen Augenblick war er vollkommen überwältigt. Er sah Nami direkt an...die Sonne im Rücken, die ihr Haar wie einen Heiligenschein leuchten ließ, und diese unglaubliche Silhouette, die jede seiner kühlen Analysen im Keim erstickte. Es war ein visueller Schlag in die Magengrube. Sein Herz setzte einen Schlag aus, und das Blut hämmerte in seinen Schläfen.

Doch Kai wäre nicht Kai, wenn er sich etwas anmerken ließe.

Seine Miene blieb eine Maske aus Stein. Kein Muskel in seinem Gesicht zuckte, seine Augen verengten sich lediglich ein wenig, als würde er ein technisches Problem begutachten. Er ließ den Blick nicht an ihr herunterwandern; er fixierte sofort wieder ihre Augen, um die Kontrolle über seine Sinne zurückzugewinnen.

„Du stehst im Licht“, sagte er schließlich mit einer Stimme, die so trocken und emotionslos klang wie eh und je. Er verschränkte die Arme nur noch ein Stück fester, um das leichte Zittern seiner Finger zu unterdrücken, das er unter der Haut spürte.

Nami sah auf ihn herab. Sie hatte diesen Moment der Überwältigung in seinen Augen für einen Sekundenbruchteil gesehen, bevor die Maske wieder fiel. Es reichte ihr. Ein kleines, triumphierendes Lächeln umspielte ihre Lippen.

„Dann solltest du vielleicht aufstehen und mitkommen, Kai“, entgegnete sie leise und trat einen Schritt zurück, um den Weg zum Wasser freizugeben. „Oder ist dir die 'Kulisse' hier doch zu anstrengend?“

Kai stieß einen lautlosen Atemzug aus und schwang sich mit einer explosiven, athletischen Bewegung auf die Beine. Er überragte sie nun wieder, die dunkle Aura seiner Präsenz wie ein Schutzschild um sie beide gelegt. Er würdigte die gaffenden Umstehenden keines Blickes, doch die Kälte, die er ausstrahlte, ließ jeden potenziellen Annäherungsversuch sofort im Keim ersticken.

„Gehen wir“, sagte er knapp ohne sich noch einmal umzusehen.

Kai hielt einen konstanten Abstand von etwa zwei Schritten hinter Nami ein. Während sie sich ihren Weg durch die Reihen der Liegestühle in Richtung der Verkaufsstände bahnten, waren seine Augen ständig in Bewegung. Er analysierte die Umgebung wie ein Schlachtfeld: Die unverhohlene Bewunderung einer Gruppe Jugendlicher zu ihrer Rechten stufte er als harmlos ein; den gierigen Blick eines Mannes mittleren Alters am Beckenrand quittierte er mit einem so eisigen Starren, dass dieser sofort wegsah und sich hastig hinter seiner Zeitung verbarg.

Doch Kai bemerkte auch etwas anderes. Während Nami befürchtet hatte, als „exponiertes“ Objekt im Mittelpunkt zu stehen, fungierte er selbst als der stärkere Magnet. Seine dunkle, fast schon bedrohliche Ausstrahlung in Kombination mit seinem perfekt definierten Körper sorgte dafür, dass die Blicke der Badegäste förmlich an ihm hängen blieben. Er war die Gewitterwolke an diesem strahlenden Sommertag, die gleichermaßen faszinierte und einschüchterte.

Nami spürte seine Präsenz im Rücken wie einen unsichtbaren Schutzwall. Das beklemmende Gefühl, das sie normalerweise an öffentlichen Orten begleitete...dieses Gefühl, ständig bewertet zu werden..., war einer seltsamen Gelassenheit gewichen. Sie wusste, dass Kai hinter ihr war. Sie wusste, dass seine Präsenz die Aufmerksamkeit der Leute brach, noch bevor sie sie erreichen konnte. Es war das erste Mal, dass sie sich in einem Schwimmbad nicht wie eine Beute fühlte.

Als sie den Rand des großen Sportbeckens erreichten, das in der Sonne azurblau glitzerte, verlangsamte Kai seinen Schritt. Das Wasser war die logische Konsequenz dieses Ausflugs, der einzige Ort, an dem man der drückenden Hitze entkommen konnte.

„Das Becken ist in dieser Richtung“, stellte Kai trocken fest und deutete mit einem knappen Kopfnicken auf die glitzernde Oberfläche, als sie den Einstieg links liegen ließ. „Willst du nicht ins Wasser?“

Nami warf ihm über die Schulter einen Blick zu. Das silbrige Haar schwang bei der Bewegung mit und glänzte auf dem dunklen Leoprint des Monokinis. Trotz der Hitze wirkte sie vollkommen entspannt, fast schon ein wenig verspielt.

„Noch nicht“, erwiderte sie und schenkte ihm ein flüchtiges Lächeln, das seine kühle Miene für einen Moment ins Wanken brachte. „Ich möchte erst etwas zu trinken kaufen. Die Hitze trocknet einen schneller aus, als man denkt...auch wenn man nur 'Kulisse' ist.“

Kai zog eine Augenbraue hoch, doch er widersprach nicht. Er folgte ihr wortlos in Richtung des kleinen Kiosks, wobei er die Arme locker hängen ließ, die Hände jedoch leicht zur Faust geballt. Er war wie ein Raubtier auf Patrouille...hocheffizient, tödlich elegant und absolut fokussiert auf die Frau, die vor ihm lief.

„Dann beeil dich“, brummte er, während er den nächsten „Störfaktor“...einen neugierigen Rettungsschwimmer...mit einem einzigen Blick zum Schweigen brachte. „Die Schlange wird nicht kürzer.“

Kai blieb am Eingang des Kiosks stehen. Er lehnte sich mit einer beiläufigen Härte gegen den Türrahmen, die Arme vor der Brust verschränkt, während Nami sich in die kurze Schlange einreihte. Er wirkte wie jemand, der nur auf eine Bestellung wartete, doch seine Sinne waren hellwach.

Schon nach wenigen Sekunden drang verräterisches Getuschel aus dem Schatten des kleinen Ladens an sein Ohr.

Direkt hinter Nami hatten sich drei junge Männer positioniert. Sie flüsterten nicht einmal besonders leise; ihre Blicke wanderten unverhohlen über die tiefen Ausschnitte ihres Monokinis, folgten der Linie ihrer langen Beine und blieben an ihrem silbrigen Haar hängen, das im Sonnenlicht fast blendete.

„Siehst du das?“, raunte einer von ihnen und stieß seinen Kumpel mit dem Ellbogen an. „Die ist ja wohl nicht echt. Das Gesicht, die Figur... wie aus einem Videospiel.“

„Wetten, dass sie weiß, wie perfekt sie aussieht?“, kicherte ein anderer, während er den Blick über ihren Rücken gleiten ließ. „Schau dir das Teil an, das sie trägt. Das ist eine reine Einladung. Verdammt mir geht gleich einer ab...“

Kais Kiefer mahlte. Er sah, wie Nami den Kopf ein Stück senkte, wie sie sich plötzlich wieder versteifen wollte, obwohl sie eben noch so gelöst gewirkt hatte. In diesem Moment verstand er mit einer Klarheit, die ihn fast wütend machte, was sie im Unagi-Restaurant gemeint hatte.

Für ihn war Aufmerksamkeit ein Nebenprodukt seines Ruhms...etwas, das man mit Arroganz und Schweigen einfach abschalten konnte. Er war ein Mann; er wurde bewundert oder beneidet, aber er wurde nicht...taxiert. Als junge Frau war es für Nami schlicht unmöglich, diese Art von Aufmerksamkeit zu ignorieren. Es war keine Bewunderung, es war eine Art Belagerung. Jeder Schritt von ihr wurde bewertet, jeder Zentimeter Haut kommentiert.

Kai stieß sich lautlos vom Türrahmen ab. Er ging nicht schnell, aber seine Präsenz füllte den schmalen Gang des Kiosks sofort aus. Die Luft schien kälter zu werden, als er sich direkt hinter die Gruppe der drei Männer stellte. Er überragte sie zwar nicht um Welten, aber die Intensität, die von ihm ausging, war fast physisch greifbar.

„Habt ihr ein Problem mit eurer Bestellung?“, fragte er. Seine Stimme war nicht laut, aber sie hatte den Klang von brechendem Eis.

Die drei jungen Männer wirbelten herum. Ihr Grinsen erstarb augenblicklich, als sie in die granatroten Augen blickten, die sie mit einer Mischung aus Verachtung und tödlicher Ruhe fixierten. Kai sagte kein weiteres Wort. Er sah sie einfach nur an...mit jenem Blick, der schon erfahrenere Blade-Kämpfer in die Knie gezwungen hatte.

Das Getuschel verstummte augenblicklich. Der Mut der Gruppe verrauchte in Sekunden; sie starrten auf seine breiten Schultern, die harten Muskeln seiner Arme und die absolute Kälte in seinem Gesicht. Ohne ein weiteres Wort zu sagen, machten sie einen hastigen Schritt zur Seite und starrten stur auf ihre eigenen Füße.

Nami drehte sich um, ihre zwei Flaschen Mineralwasser in der Hand. Sie sah die drei Jungs, die plötzlich sehr interessiert an den Eissorten im Gefrierfach waren, und dann sah sie Kai. Er stand da wie ein Fels, die Aura eines Beschützers so dicht um ihn gewoben, dass sie fast die Funken sprühen sah.

„Hast du alles?“, fragte er knapp, seine Stimme wieder vollkommen kontrolliert.

Nami nickte langsam. Sie spürte, wie der Druck von ihren Schultern abfiel. Er hatte sie nicht nur gehört, er hatte sie verstanden.

„Ja“, antwortete sie leise. „Können wir?“

Kai legte ihr wie beiläufig eine Hand auf die Schulter...ein seltener Moment der Berührung, der mehr als nur ein Signal an die Umgebung war. Es war eine klare Grenzziehung. „Gehen wir“, sagte er und führte sie aus dem Kiosk, während er im Vorbeigehen den drei Jungs noch einen letzten, vernichtenden Blick zuwarf, der ihnen klarmachte, dass sie heute sehr viel Glück gehabt hatten.

Nachdem sie den Kiosk verlassen hatten, war die drückende Atmosphäre der Belagerung wie weggeblasen. Nami spürte, dass Kais Eingreifen den Ton für den Rest des Nachmittags gesetzt hatte: Er war nicht nur physisch da, er war ihre unüberwindbare Grenze zur Außenwelt.

An einem kleinen, weißen Stehtisch unweit des Beckenrandes hielt Nami kurz inne. Mit einer flinken Bewegung stellte sie die beiden Mineralwasserflaschen im Schatten des Tischbeins ab, um sie vor der direkten Sonne zu schützen. Die Tropfen des Kondenswassers glitzerten an ihren Fingern, als sie sich mit einem strahlenden, fast schon übermütigen Lächeln zu Kai umwandte.

„So, die Vorräte sind gesichert“, rief sie ihm zu, während sie bereits rückwärts auf das glitzernde Wasser des Sportbeckens zuging. Ihre Stimme klang deutlich gelöster als noch vor einer Stunde. „Ich halte das hier draußen nicht mehr aus. Ich muss jetzt endlich mal abtauchen!“

Sie blieb direkt an der Kante stehen und warf Kai einen neckischen Blick über die Schulter zu, wobei sie ihre Augenbrauen herausfordernd hob.

„Und du solltest dich auch endlich mal abkühlen, Kai.“, fügte sie mit einem frechen Grinsen hinzu. „Oder hast du Angst, dass deine kühle Aura im Wasser schmilzt?“

Ohne seine Antwort abzuwarten, drehte sie sich um und glitt mit einem eleganten Kopfsprung in das tiefe Blau.

Das kühle Nass des Sportbeckens war die einzige logische Flucht vor der drückenden Schwüle und den bohrenden Blicken. Mit der Anmut einer erfahrenen Schwimmerin glitt sie ins Wasser. Das silbrige Haar breitete sich für einen Moment wie ein Fächer an der Oberfläche aus, bevor sie abtauchte und in kraftvollen, langen Zügen die Tiefe suchte.

Kai blieb für einen Moment am Rand stehen, die Arme verschränkt, und sah zu, wie sie unter der Oberfläche verschwand. Ein kurzes, trockenes Schnauben entwich seiner Nase...halb genervt von ihrer Provokation, halb beeindruckt von ihrer Unbeschwertheit.

Er folgte ihr. Sein Sprung war weniger auf Ästhetik, sondern auf pure Kraft ausgelegt. Das Wasser schloss sich über ihm, und für einen Moment war da nur das gedämpfte, blaue Schweigen. Unter Wasser sah er Nami...eine fließende Silhouette aus Leoprint und hellem Glanz, die sich mit einer Leichtigkeit bewegte, die ihn erneut faszinierte.

Nach einer vollen Bahn tauchten sie fast zeitgleich am anderen Ende des Beckens auf. Nami strich sich das nasse Haar aus dem Gesicht, das nun schwer an ihren Schultern klebte. Ihre Haut glänzte von den Wassertropfen, und ihre Augen wirkten in der Spiegelung des Azurblau noch intensiver.

Sie suchten sich eine Stelle am Rand, etwas abseits von der Leiter, wo das Wasser tief genug war, um nur ihre Schultern herausragen zu lassen.

„Danke“, sagte Nami leise. Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, das im Lärm der planschenden Kinder unterging. „Für eben. Beim Kiosk.“

Kai lehnte sich mit dem Rücken gegen das Becken, stützte die Unterarme auf den gefliesten Rand und sah starr auf das Wasser vor sich. Die Kälte des Beckens hatte die Hitze aus seinem Körper vertrieben, aber das Bild von ihr, wie sie vor den gaffenden Jungs zusammengeschrumpft war, saß ihm immer noch in den Knochen.

„Du hattest recht“, erwiderte er, ohne sie anzusehen. Seine Stimme war ruhig, fast nachdenklich. „Ich dachte, du übertreibst. Aber... die Art, wie sie dich angesehen haben. Es war keine Bewunderung. Es war, als würden sie ein Ersatzteil begutachten.“

Nami lachte kurz auf, ein trockenes, trauriges Geräusch. „Genau so fühlt es sich an. Man ist kein Mensch mehr, nur noch eine Summe von Merkmalen, die jemandem gefallen oder nicht.“ Sie sah ihn von der Seite an. „Du bist der Erste, der das so direkt ausspricht. Normalerweise sagen die Leute nur, ich solle mich nicht so anstellen und das Kompliment genießen.“

Kai drehte den Kopf nun doch zu ihr. Sein Gesicht war nur wenige Zentimeter von ihrem entfernt. In der nassen Kühle des Wassers wirkte seine Aura weniger bedrohlich, aber umso intensiver. Er sah die kleinen Wassertropfen auf ihren Wimpern und die Ernsthaftigkeit in ihrem Blick.

„Es ist kein Kompliment, wenn es dir den Raum zum Atmen nimmt“, stellte er fest. Er sagte es mit einer Endgültigkeit, die keinen Widerspruch duldete.

Da war nun die seltene, rohe Ehrlichkeit zwischen zwei Menschen, die beide auf ihre Weise unter der Beobachtung der Welt standen.

Nami spürte, wie ihr Herz gegen ihre Rippen hämmerte...diesmal nicht vor Unsicherheit, sondern wegen der Nähe dieses Mannes, der sie in einer Weise verstand, die sie niemals für möglich gehalten hätte. Sie legte ihre Hand für einen kurzen Moment auf seinen Unterarm, der auf den kalten Fliesen ruhte.

„Vielleicht war die Idee mit dem 'Beistand' doch nicht so ineffizient.“, murmelte sie mit einem leisen Lächeln.

Kai verzog keine Miene, doch er entzog seinen Arm nicht. Er sah sie einfach nur an, und für einen langen Atemzug lang war die Maske des unnahbaren Champions vollkommen verschwunden. „Vielleicht“, gab er einsilbig zurück, bevor er sich wieder vom Rand abstieß. „Aber jetzt schwimmen wir. Ich bin nicht hierhergekommen, um nur am Rand zu hängen.“

Nami sah ihm nach, wie er wieder abtauchte. Ein warmes Gefühl breitete sich in ihr aus, das nichts mit der Sonne zu tun hatte. Sie wusste jetzt, dass sie heute nicht mehr vor den Blicken fliehen musste. Sie hatte jemanden an ihrer Seite, der nicht nur ihre Hülle sah, sondern auch den Sturm, der darunter tobte.

Kai tauchte tief in das kühle Blau, bis seine Lungen nach Luft schrien. Er brauchte die physische Anstrengung, um den Aufruhr in seinem Kopf zum Schweigen zu bringen. ~Черт~, fluchte er innerlich auf Russisch, während er mit harten Zügen durch das Wasser pflügte. Er verfluchte die Hitze, das Chlor und vor allem seine eigene, unerklärliche Unachtsamkeit. ~Was zum Teufel war das gerade eben gewesen?~

Er war Kai Hiwatari. Er war der Mann, der Mauern um sich herum errichtete, die so hoch waren, dass niemand sie auch nur zu erklimmen wagte. Und doch hatte er gerade zugelassen, dass Nami Tachiba diese Mauern wie so oft nicht nur berührte, sondern sie mit einer einfachen Handbewegung auf seinem Arm ins Wanken brachte. Die Wärme ihrer Haut auf seinen nassen Unterarm hatte sich wie ein elektrischer Schlag angefühlt...eine Systemstörung, die er sich nicht erlauben durfte.

~Distanz~, hämmerte es in seinem Kopf. ~Ich muss mehr Distanz wahren.~

Er verdrehte innerlich die Augen über seine eigene Dummheit. Wie hatte er sich von Hiro Tashiba und einem Teller Unagi dazu breitklopfen lassen können, hierherzukommen? Er hätte in der klimatisierten Testhalle sitzen und Daten analysieren sollen, anstatt in einer Badehose als menschliches Schutzschild für eine Frau zu fungieren, die ihn viel zu sehr aus dem Konzept brachte. Er kam sich lächerlich vor...eine strategische Fehlentscheidung par excellence.

Doch gerade als er zu einer weiteren Bahn ansetzen wollte, hielt er inne. Er ließ sich im tiefen Wasser treiben, nur der Kopf ragte über die Oberfläche, während er seinen Atem beruhigte.

Ihre Worte hallten in seinem Gedächtnis nach.

~Man ist kein Mensch mehr, nur noch eine Summe von Merkmalen, die jemandem gefallen oder nicht~

Er dachte an die jungen Männer am Kiosk und an das Gefühl der Entblößung, das sie beschrieben hatte. Er verstand dieses Gefühl besser, als er zugeben wollte. Sein ganzes Leben lang war er für die Welt nur der „Champion“, der „Erbe der Hiwataris“ oder das „Wunderkind“ gewesen. Die Leute sahen seine Stärke, seine Siege und seine Kälte, aber niemand hatte sich je dafür interessiert, was es ihn kostete, diese Fassade aufrechtzuerhalten oder aus welchem Antrieb er diese überhaupt besaß.

Nami und er waren sich ähnlicher, als er es wahrhaben wollte. Beide waren sie Gefangene der Erwartungen und der Urteile, die andere über sie fällten, sobald sie einen Raum betraten.

Sein Zorn auf sich selbst verrauchte ein wenig und machte einer kühlen, fast schmerzhaften Klarheit Platz. Er sah zu ihr hinüber, wie sie ein paar Meter weiter elegant durch das Wasser glitt. Er würde die Distanz wahren...das musste er, für seinen Fokus, für ihren Frieden. Aber er würde sein Versprechen halten. Er würde dieser „Beistand“ sein, den sie brauchte, um für einen einzigen Nachmittag mehr zu sein als nur eine schöne Kulisse.

Er atmete einmal tief durch, vergrub seine Verwirrung hinter der gewohnten Maske aus Stein und tauchte wieder ab. Er war hier, um eine Aufgabe zu erfüllen. Und Kai Hiwatari schloss seine Aufgaben immer erfolgreich ab.

Nach einigen weiteren Bahnen, in denen Kai die körperliche Erschöpfung nutzte, um seine Gedanken wieder zu ordnen, steuerten sie gemeinsam auf die Treppen des Sportbeckens zu. Nami stieg zuerst heraus. Das Wasser lief in Bächen an ihrem Monokini herab, und das nasse, silbrige Haar klebte wie ein schwerer Mantel an ihrem Rücken. Sie wirkte erfrischt, ihre Augen leuchteten, und der Schatten der Verunsicherung vom Kiosk schien weggewaschen zu sein.

Kai folgte ihr. Er schüttelte sich kurz das Wasser aus dem Haar, eine Geste, die so beiläufig und doch so kraftvoll wirkte, dass die Blicke der Umstehenden erneut wie an ihm festgetackert blieben. Er ignorierte sie mit einer Präzision, die fast schon eine Kunstform war.

„Fühlst du dich besser?“, fragte er knapp, während sie zu dem Stehtisch zurückkehrten, um die Mineralwasserflaschen zu holen.

Nami nahm einen tiefen Schluck aus ihrer Flasche und nickte. „Viel besser. Danke, Kai. Ich glaube, ich hätte mich ohne dich heute nicht getraut, einfach so... ich selbst zu sein.“

Kai griff nach seiner Flasche, hielt aber kurz inne. Er sah sie an...nicht als das Mädchen im Leoprint, sondern als die Frau, die ihm gerade eine seltene Form von Vertrauen entgegengebracht hatte. „Du solltest dich nicht von der Dummheit anderer einschränken lassen, Nami. Das ist eine Verschwendung von Talent.“

Es war das höchste der Gefühle an emotionalem Zuspruch, das man von ihm erwarten konnte, doch für Nami wog es schwerer als jedes überschwängliche Kompliment von Kenji oder Momoko.

„Komm schon“, sagte er dann wieder in seinem gewohnten, herrischen Tonfall und nickte in Richtung der Trauerweide, wo Kenji bereits mit verschränkten Armen und einem ungeduldigen Gesichtsausdruck auf ihrer Decke saß. „Dein Bruder sieht aus, als würde er gleich eine offizielle Vermisstenanzeige aufgeben.“

Nami lachte leise und folgte ihm. Als sie sich der Decke näherten, sprang Kenji fast schon auf.

„Wo wart ihr so lange?“, herrschte er sie halb besorgt, halb genervt an. „Ich dachte schon, Kai hätte dich in den Tiefen des Beckens verloren!“

Momoko, die entspannt auf der Decke lag und sich die Nägel feilte, verdrehte die Augen. „Setz dich hin, Kenji. Sie sehen beide so aus, als hätten sie alles im Griff. Tatsächlich sehen sie aus wie ein Power-Paar aus einer Sportzeitschrift.“

Nami spürte, wie ihr die Röte ins Gesicht stieg, während Kai sich einfach wortlos auf sein Handtuch gleiten ließ, die Arme hinter dem Kopf verschränkte und die Augen schloss, als wäre nie etwas geschehen. Doch Nami wusste es besser. Unter der Oberfläche dieses Nachmittags hatte sich etwas verschoben...eine Allianz war geschmiedet worden, die weit über das Projekt von Tachibey Industries hinausging.