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Mein Leben

Der Gezähmte Phönix — www.fanfiktion.de · All chapters

Mein Leben

Manchmal habe ich das Gefühl, dass mein Leben in den ruhigen Bahnen verläuft, die bereits vor Generationen für mich geebnet wurden. Wir residieren in einem weitläufigen Anwesen in einem der gehobeneren Grenzviertel Tokios...eine Gegend, in der die Stille ein kostbares Gut ist und die gepflegten Alleen direkt in einen nahegelegenen, fast schon malerischen Park münden. Es ist eine Welt für sich, abgeschirmt vom rastlosen Puls der Metropole.

Obwohl ich das dritte Kind meiner Eltern bin, hat sich das Gefüge in unserem Haus gewandelt. Meine ältere Schwester ist bereits ausgezogen, um sich in Osaka ein gemeinsames Leben mit ihrem Freund aufzubauen, was mir den Luxus bescherte, ihr altes Zimmer zu übernehmen. Es ist zweifellos der schönste Rückzugsort im Haus: Die hohen Dachschrägen verleihen dem Raum eine majestätische Weite, und wenn ich morgens auf den Balkon trete, liegt mir die friedliche Stille des Parks zu Füßen.

Mein Alltag wird derzeit noch vom Rhythmus der Oberschule bestimmt, doch der Abschluss rückt in greifbare Nähe. Die Weichen für die Zukunft sind bereits gestellt; ein Studium steht bevor, und die Aussicht, eines Tages eine leitende Position in der väterlichen Firma Tachibey Industries zu übernehmen, schwebt wie ein unausgesprochenes Versprechen über mir.

Innerhalb meiner Familie bin ich jedoch selten allein. Da ist Kenji, mein Zwillingsbruder, der mir gerade einmal drei Minuten voraus ist. Er ist die männliche Spiegelung meiner selbst, wenngleich er mich um einen Kopf überragt. Er lässt keine Gelegenheit aus, mich neckisch als seine „kleine Schwester“ zu bezeichnen, ein Privileg, das er sich allein aufgrund dieser winzigen Zeitspanne herausnimmt.

Und dann ist da Hana. Mit ihren 23 Jahren steht sie bereits kurz vor dem Abschluss ihres Jurastudiums. Wir sehen uns so verblüffend ähnlich, dass Fremde uns oft für dieselbe Person halten. Erst beim zweiten Blick offenbaren sich die Unterschiede: Während mein silberweißes Haar in unbändigen Wellen herabfällt, trägt sie ihres glatt und seidig. Ihre Augen leuchten in einem tiefen Amethyst, ein kühler Kontrast zu meinem Ozeanblau.

Unsere jüngeren Geschwister hingegen tragen die Handschrift meines Vaters Hiro. Midori ist mit ihren dreizehn Jahren in einer Phase, in der Frechheit zu ihrem Charme gehört; ich bringe es selten über das Herz, ihr ihre Kapriolen wirklich übel zu nehmen. Noah, unser achtjähriger Nachzügler, ist das unangefochtene Nesthäkchen. Er besitzt eine für sein Alter erschreckende Cleverness und einen natürlichen Charme, dem die Mädchen in seiner Klasse bereits jetzt reihenweise erliegen.

Meine Mutter Hilda ist mit ihren 45 Jahren eine Frau, die eine bewundernswerte Ruhe ausstrahlt...sie war selbst kaum älter als ich jetzt, als sie Hana zur Welt brachte. Mein Vater, der dieses Jahr seinen 50. Geburtstag feierte, hat nach Noahs Geburt einen klaren Schlussstrich unter die Familienplanung gezogen; die Praxis der Sterilisation war seine Art zu sagen, dass unser Kreis nun vollkommen ist.

Doch jenseits von Etikette und familiären Pflichten schlägt mein Herz für etwas anderes: das Bladen. Es ist eine Leidenschaft, die mich begleitet, seit ich stehen kann. Lange Zeit blieb mir der Zutritt zu den großen Arenen verwehrt, da mein Vater unnachgiebig darauf beharrte, dass Bildung und mein Engagement in der Firma Vorrang haben. Ich habe seinen Wunsch respektiert. Es war für mich kein Opfer, mein Turnier-Debüt bis zu meinem achtzehnten Lebensjahr aufzuschieben. Es gab eine ganz eigene, stille Intensität darin, von der Loge aus zuzusehen, die Strategien der anderen zu studieren und das Feuer in mir brennen zu lassen, bis der Tag kommt, an dem ich selbst den Ring betrete.