Die Ruhe danach
Die Ruhe danach
Trigger: Sexualität
Kai zog sich langsam und behutsam aus ihr zurück, eine Bewegung, die Nami mit einem leisen, bedauernden Schauer quittierte. Ohne ein Wort zu verlieren, legte er sich neben sie, bettete ihren Kopf auf seinen starken Oberarm und zog sie mit einer beschützerischen Geste eng an sich. Das einzige Geräusch im Raum war das gleichmäßige Atmen der beiden und das ferne, nun etwas dumpfere Grollen des Sturms. Mehrere Minuten verharrten sie einfach nur so...
Nami genoss die Wärme seiner Haut. Sie lauschte dem ruhigen Schlag seines Herzens und spürte, wie die Anspannung der letzten Tage endgültig von ihr abfiel. Doch in der Stille begannen Kenjis Worte wieder in ihrem Kopf zu arbeiten. Die Intimität, die sie gerade geteilten hatten, gab ihr den Mut, eine Frage zu stellen, die sie schon länger verfolgt hatte.
„Kai?“, flüsterte sie und strich geistesabwesend über seine Brust. Er brummte leise als Zeichen, dass er zuhörte. „Weshalb hast du das getan? Dich so jung ... sterilisieren zu lassen?“
Kai versteifte sich für einen winzigen Augenblick. Er starrte an die Decke, während sein Arm sie noch ein Stück fester an sich drückte. Ein leiser, schwerer Seufzer entwich seiner Lunge.
„Ich habe mir schon gedacht, dass du davon weißt“, sagte er schließlich, und seine Stimme klang seltsam klanglos.
Erst jetzt wurde Nami die volle Tragweite seiner Worte bewusst... und auch die Frage, die er ihr kurz vor ihrer Vereinigung gestellt hatte: „Vertraust du mir?“ Es war nicht nur die Frage nach ihrer Hingabe gewesen. Er hatte geahnt, dass sie selbst nicht anderweitig verhütete, und er hatte darauf vertraut, dass sie sein Handeln, kein Kondom zu benutzen, nicht hinterfragen würde. Weil er geahnt hatte, dass sie über sein Geheimnis Bescheid wusste.
„Kenji hat es mir erzählt“, gestand Nami leise. Sie spürte das Bedürfnis, die Quelle offenzulegen. „Ich wollte es erst nicht glauben, aber... Ray hatte es ihm wohl gesagt. Aus Sorge um mich.“
Kai schloss für einen kurzen Moment die Augen. Ein Schatten von Genervtheit flackerte über seine Züge... er schätzte es ganz und gar nicht, wenn Informationen über sein Privatleben den Besitzer wechselten. Doch der Unmut verflog so schnell, wie er gekommen war.
Er kannte Ray.
Er wusste um dessen unumstößlichen Moralkodex und das Pflichtgefühl, das ihn angetrieben hatte. Er konnte Ray nicht einmal wirklich böse sein; Ray hatte lediglich versucht, Nami zu beschützen.
„Ich weiß“, murmelte Kai dumpf und strich mit den Fingerspitzen nachdenklich über Namis Schulter. „Ray tut eben, was Ray tun muss.“
Er schwieg eine Weile, als müsste er die Worte erst mühsam aus den Tiefen seiner Vergangenheit zusammensuchen. Sein Blick wirkte distanziert, fast so, als würde er einen Film betrachten, den er am liebsten für immer gelöscht hätte.
„Es war die ultimative Demütigung, Nami“, begann er, und eine schneidende Kälte kehrte in seinen Tonfall zurück. „Eine kalkulierte Falle. Sie dachte, sie könnte mich brechen, mich an sich binden und eine Situation schaffen, aus der ich mich nicht freikämpfen kann.“
Er schloss die Augen. „Ich war siebzehn und begriff in diesem Moment, dass mein Name, mein Erbe und meine Kraft immer Menschen anziehen würden, die mich als Beute sehen. Ich wollte nie, dass jemand die Macht hat, mein Leben durch ein Kind gegen meinen Willen zu bestimmen.“
Er drehte den Kopf zu ihr und sah sie ernst an. „Ich wollte die absolute Kontrolle über meinen Körper und meine Zukunft zurück. In dieser Welt, in der mein Großvater und alle anderen immer über mich verfügt haben, war das meine Art zu sagen: Bis hierher und nicht weiter. Niemand wird mich jemals wieder so in die Enge treiben.“
Nami spürte den tiefen Schmerz und die Paranoia, die hinter dieser radikalen Entscheidung gestanden hatten. Es war ein verzweifelter Schutzmechanismus eines jungen Mannes, der sich Zeit seines Lebens wie eine Schachfigur gefühlt hatte.
„Kai...“, hauchte sie und küsste die Stelle über seinem Herzen. Sie verstand nun, dass die Sterilisation für ihn weit mehr war als nur ein medizinischer Eingriff...es war seine ganz persönliche Unabhängigkeitserklärung gewesen.
Nami hielt den Atem an. Die Stille im Raum fühlte sich plötzlich schwer an, fast so drückend wie die Gewitterwolken draußen vor dem Fenster. Sie spürte, wie Kais Herzschlag unter ihrer Hand einen Moment lang unruhig wurde, bevor er sich wieder zwanghaft normalisierte.
„Hat sie...“, begann Nami zögerlich, ihre Stimme kaum mehr als ein Hauch, „hat dieses Mädchen tatsächlich ein Kind von dir erwartet? Wurde sie schwanger?“
Kai antwortete nicht sofort. Er starrte starr in die Dunkelheit, und für einen Moment bereute Nami ihre Frage zutiefst. Die Intimität, die sie gerade erst aufgebaut hatten, wirkte plötzlich zerbrechlich.
„Tut mir leid, Kai“, schob sie hastig hinterher, während sie ihr Gesicht an seiner Schulter verbarg. „Ich wollte nicht neugierig sein. Es geht mich eigentlich nichts an, ich hätte nicht fragen dürfen...“
„Schon gut, Nami“, unterbrach er sie leise. Seine Stimme klang nicht wütend, sondern seltsam leer, als würde er über eine Person sprechen, die er vor langer Zeit gekannt hatte. Er atmete tief durch. „Es ist okay. Wenn ich möchte, dass du mich verstehst, musst du wohl die ganze Geschichte kennen.“
Er strich ihr mechanisch über den Oberarm, während er weitersprach. „Ja, sie wurde tatsächlich schwanger. Aber nicht, weil ich leichtsinnig war. Ich hatte wie immer ein Kondom benutzt.“
Nami runzelte die Stirn. „Aber wie konnte dann...? War es kaputt?“
Kai lachte kurz auf, ein bitteres, Freudloses Geräusch, das ihr eine Gänsehaut bescherte. „Ich war vorsichtig. Ich habe dieser Person nicht vertraut...ich habe damals niemandem vertraut“, korrigierte er sich mit einem finsteren Unterton. „Ich war keine zwei Minuten im Badezimmer. Aber als ich zurückkam, war sie weg. Und der Dreck, den ich im Mülleimer hinterlassen hatte, auch.“
Nami richtete sich ein Stück auf und sah ihn fassungslos an. „Sie hat es... gestohlen?“
„Sie war Abschaum, aber sie war clever genug, um zu wissen, was mein Name wert ist“, bestätigte Kai düster. „Sie hat sich den Inhalt später selbst eingeführt, um sich in mein Leben einzukaufen. Um das Hiwatari-Erbe zu erzwingen.“ Er drehte sein Gesicht zu Nami... „In diesem Moment wurde mir klar, dass man selbst mein eigenes Blut gegen mich als Waffe einsetzen würde, wenn ich die Wurzel des Problems nicht eigenhändig herausschneide. Kurz darauf habe ich den Termin für die Operation gemacht.“
Nami schluckte schwer. Sie konnte sich kaum vorstellen, wie es sich anfühlen musste, so dermaßen benutzt zu werden. Dass Kai danach Mauern hochgezogen hatte, die fast unüberwindbar schienen, erschien ihr nun in einem völlig neuen, tragischen Licht. Es war kein Hass auf Kinder gewesen, sondern die reine Angst vor der absoluten Machtlosigkeit.
Die Stille, die seinen Worten folgte, war schwerer als jeder Donner zuvor. Nami rührte sich nicht, sie lauschte nur dem harten, beinahe mechanischen Klang seiner Stimme. Kai starrte weiterhin an die Decke, seine Züge im fahlen Licht der Stadt wie aus Stein gemeißelt.
„Sie hat das Baby verloren“, sagte er schließlich, und seine Stimme war so flach, dass es Nami einen Schauer über den Rücken jagte. „Etwa drei Wochen später bei einem Unfall. Es war vorbei, bevor es überhaupt richtig angefangen hatte.“
Er machte eine kurze Pause, als würde er die Reaktion der Welt auf das erwarten, was er als Nächstes sagen würde. Sein Griff um Namis Schulter lockerte sich nicht, aber er wirkte innerlich meilenweit entfernt.
„Es klingt wahrscheinlich kalt... schrecklich sogar“, fuhr er fort, und ein Anflug von Ehrlichkeit schwang in seinem Ton mit, der fast wehtat. „Aber ich war froh. In dem Moment, als ich die Nachricht erhielt, empfand ich nichts als Erleichterung. Ich war froh, dass es so gekommen war.“
Nami spürte, wie er tief einatmete, während er versuchte, die richtigen Worte für das Unaussprechliche zu finden. „Für mich bedeutete es nur, dass ich ein Problem weniger hatte. Eine Kette weniger, die mich an eine Zukunft fesselte, die ich nie gewählt hatte. Mir war klar, dass dieses kleine Wesen absolut nichts dafür konnte... es war unschuldig. Aber das änderte nichts an der Tatsache, dass ich mir niemals vorstellen konnte, Vater zu werden. Weder damals, noch später, noch irgendwann.“
Er drehte den Kopf zu ihr, und sein Blick war entwaffnend direkt, fast fordernd. „Ich habe keine väterlichen Instinkte, Nami. Ich habe nur den Drang zu überleben und meine Freiheit zu schützen. Ein Kind wäre für mich immer nur ein Symbol für diesen einen Moment gewesen, in dem ich die Kontrolle verloren habe.“
Nami sah ihn an und erkannte die tiefe Narbe auf seiner Seele, die weit über den medizinischen Eingriff hinausging. Er sprach aus einer tiefen, existenziellen Notwehr heraus. Er war ein Mann, der so oft als Werkzeug benutzt worden war, dass er jede Form von Abhängigkeit als Bedrohung empfand.
Sie schwieg, strich ihm aber sanft über den Arm, um ihm zu zeigen, dass sie noch da war. Dass sie ihn gehört hatte. Dass sie den „kaputten“ Kai, von dem er gesprochen hatte, nicht verurteilte, auch wenn seine Worte eine harte Realität zeichneten, die so gar nicht zu ihren eigenen Träumen von einer großen Familie passen wollte. In diesem Moment, in der Dunkelheit seines Penthouses, zählte nur die Wahrheit zwischen ihnen...so schmerzhaft sie auch sein mochte.
Nami schob sich noch ein Stück näher an ihn heran, bis keine Handbreit Platz mehr zwischen ihren Körpern war. Sie vergrub ihr Gesicht an seinem Hals und sog den beruhigenden Duft seiner Haut ein, der nun vermischt war mit dem schweren Aroma von Leidenschaft und Regen. „Es tut mir so leid, Kai“, flüsterte sie, und ihre Stimme zitterte leicht vor Mitgefühl für den jungen Mann, der er einmal gewesen war. „Es tut mir leid, dass dir so etwas passiert ist und dass du dich so sehr schützen musstest.“
Kai antwortete nicht mit Worten. Stattdessen löste er seinen Arm unter ihrem Kopf und legte seine Hand an ihr Kinn. Mit sanftem Druck zwang er sie, ihn anzusehen. Seine roten Augen wirkten in der Dunkelheit fast glühend, erfüllt von einer neuen, hungrigen Intensität. Er neigte sich vor und küsste sie...zuerst nur ein federleichter, fast ehrfürchtiger Kontakt, doch innerhalb von Sekunden wandelte sich die Stimmung im Raum erneut.
Mit einer einzigen, fließenden Bewegung schob er sich über sie, stützte sein Gewicht auf seine kräftigen Arme und vertiefte den Kuss, bis Nami das Gefühl hatte, der Boden unter dem Bett würde nachgeben. Ihr Atem wurde augenblicklich wieder flacher, ihr Herzschlag beschleunigte sich zu einem wilden Trommeln gegen ihre Rippen. Die Melancholie des vorangegangenen Gesprächs wurde weggespült von einer neuen Welle purer, elektrisierender Elektrizität.
Kai unterbrach den Kuss nur, um sein Gesicht in ihren silbrig weißen Haaren zu vergraben und seinen Mund ganz nah an ihr Ohr zu bringen. Sein heißer Atem ließ sie unkontrolliert erschauern.
„Nami...“, raunte er, und seine Stimme war so tief und rau, dass sie wie eine physische Berührung wirkte. Er hielt kurz inne, und sie spürte, wie sich seine Muskeln über ihr so intensiv anspannten, dass sie fast zitterten. „Für mich war das heute auch ein erstes Mal.“
Sein Blick bohrte sich in ihren, dunkel, brennend und absolut besitzergreifend.
„Das erste Mal in meinem Leben, dass ich dieses verdammte Stück Gummi weggelassen habe. Ich habe den Scheiß selbst nach der Operation bei jeder anderen benutzt... weil ich keine von ihnen an mich heranlassen wollte.“ Seine Lippen streiften ihre Wange, während sein Atem heiß gegen ihre Haut stieß. „Aber bei dir... ich wollte keine Barriere zwischen uns. Ich wollte dich direkt auf meiner Haut spüren.“
Er biss ihr sanft ins Ohrläppchen, was Nami ein tiefes Keuchen entlockte, ehe er heiser weitersprach. „Und ich bin jetzt schon verdammt noch mal süchtig nach dir. Süchtig nach deiner Wärme... und ganz besonders nach deinen Schreien.“
Die Direktheit seiner Worte ließ Namis Blut in den Adern kochen. Sie spürte, wie das Verlangen in ihr erneut aufflammte, heißer und fordernder als beim ersten Mal. Kai wartete keine Antwort ab; er suchte erneut ihren Mund, während seine Hände über ihre Hüften glitten und sie fest an sich zogen. Draußen mochte der Taifun an Kraft gewinnen, doch hier drin war es Kai, der die volle Kontrolle über die Sinne des Mädchens übernahm, das es geschafft hatte, sein perfekt kontrolliertes Leben in nur einer Nacht völlig auf den Kopf zu stellen.
Einige Stunden später...
Das sanfte, rhythmische Atmen an Namis Ohr verriet ihr, dass Kai tief schlief. Ein Blick auf die dezent glimmende Digitalanzeige des Weckers auf dem Nachttisch verriet die Uhrzeit: 03:14 Uhr.
Ein dumpfer, hartnäckiger Druck in ihrer Blase riss Nami vollends aus dem Dämmerschlaf. Vorsichtig, um Kai keinesfalls zu wecken, schob sie seine schwere, warme Hand millimeterweise von ihrer Taille.
Er rührte sich kaum, brummte nur leise im Schlaf und drehte sich auf die Seite, wobei er ein Kissen dorthin zog, wo Nami eben noch gelegen hatte.
Mit behutsamen Bewegungen schälte sich Nami aus dem Bett. Die kühle Nachtluft des Penthouses traf ihre nackte Haut wie ein kleiner Temperaturschock nach der sengenden Hitze, die unter der Decke geherrscht hatte.
Sie richtete sich auf und machte die ersten leisen Schritte über den dunklen, kühlen Marmorboden in Richtung des angrenzenden Badezimmers.
Doch mitten im langen Flur hielt sie abrupt inne.
Ein warmes, zartes Gefühl ließ sie erschauern. Nami verharrte mitten in der Bewegung und blickte an sich herab. Ein kleiner, dünner Faden flüssiger Wärme lief langsam an der Innenseite ihres Oberschenkels hinab.
Eine wohlige, fast schon brennende Rötung stieg Nami augenblicklich in die Wangen, während ihr Herz einen unruhigen Freudensprung machte. Seine Worte aus der Nacht hallten augenblicklich in ihrem Kopf nach:
~Ich wollte keine Barriere zwischen uns. Ich wollte dich direkt auf meiner Haut spüren...~
Dieses physische, unverkennbare Gefühl, dass etwas von ihm in ihr geblieben war, löste ein seltsam prickelndes Gemisch aus wohligem Prickeln, unglaublicher Intimität und tiefer Vertrautheit in ihr aus.
Sie strich fahrig mit der Hand über ihre Hüfte, schluckte die plötzliche Befangenheit hinunter und huschte schnell ins Badezimmer.
Nachdem sie auf der Toilette gewesen war und sich frisch gemacht hatte, verzichtete sie darauf, das grelle Licht einzuschalten.
Stattdessen schritt sie nackt zu dem bodentiefen Panoramafenster, das sich an der Stirnseite des luxuriösen Badezimmers erstreckte.
Draußen hatte sich der schwere Sturm der Nacht endlich gelegt. Die mächtigen Regengüsse waren zu einem feinen, glitzernden Sprühregen verdunstet, der sich wie ein feiner Schleier über die Stadt legte.
Von hier oben, weit über den Dächern von Shinjuku, wirkte die riesige Metropole atemberaubend und fast schon friedlich. Die bunten Lichter der Wolkenkratzer spiegelten sich auf den nassen Straßen wie ein Meer aus flüssigem Neon.
Nami lehnte die Stirn gegen das kühle Glas des Badezimmerfensters und verschränkte die Arme locker vor der Brust. Ein leiser, tiefempfundener Seufzer entwich ihren Lippen.
Sie konnte es immer noch nicht ganz begreifen.
Sie blickte hinaus auf das leuchtende Tokio, das sich langsam von dem Unwetter erholte, und hielt für einen Moment den Atem an. Sie war wirklich hier... nackt, in Kais Penthouse, und hatte ihr erstes Mal mit ihm erlebt.
„Kannst du nicht schlafen?“, durchschnitt plötzlich eine tiefe, raue Stimme die Stille hinter ihr.
Nami erschrak kurz, ihr Atem stockte und sie drehte sich um.
Kai lehnte mit der Schulter und leicht verschränkten Armen vollkommen nackt am Türrahmen des Badezimmers.
Namis Herz begann augenblicklich zu rasen. Es war das allererste Mal, dass sie ihn komplett nackt und in voller Pracht erblickte.
Im Gefecht der Leidenschaft des letzten Abends war sie viel zu benebelt von seinen berauschenden Küssen und seiner überwältigenden Nähe gewesen, als dass sie seine Nacktheit wirklich bewusst hätte begreifen können.
Das fahle Scheinlicht der Stadt, das durch die Fensterscheibe drang, zeichnete die harten Konturen seines durchtrainierten Körpers ab... jede Sehne, jede Muskelgruppe wirkte wie aus Marmor gemeißelt.
Auch wenn Kais Miene wie gewohnt unbewegt schien, kreisten seine Gedanken um genau dasselbe. Sein dunkler, intensiver Blick lag auf ihr, während er die atemberaubende Kulisse auf sich wirken ließ:
Nami, völlig nackt vor der riesigen Glasfront stehend, ihren surreal perfekten Körper silbrig von den Lichtern Tokios umrahmt. Das silbrig weiße, wellige Haar, das ihr über das Gesäß reichte, umspielte ihre zarte Haut wie ein flüssiger Schleier.
Für ihn war dieser Anblick schlichtweg berauschend.
„Ich...“, setzte Nami an, doch ihre Kehle fühlte sich plötzlich wie zugeschnürt an. Sie spürte, wie eine Woge der Verlegenheit und gleichzeitig eine tiefgehende Hitze durch ihren Körper schoss.
„Ich musste kurz auf die Toilette... und bin dann hier hängengeblieben.“
Als Kai sich langsam vom Türrahmen löste und Schritt für Schritt auf sie zulief, fing Namis Herz nur noch mehr an zu rasen. Seine lautlosen, geschmeidigen Bewegungen hatten etwas Raubtierhaftes an sich, und mit jedem Zentimeter, den er sich näherte, fühlte sich die Luft im Raum heißer an.
Er kam direkt vor ihr zum Stehen. Seine großen, warmen Hände legten sich fest an ihre nackten Hüften und zogen sie ohne Umschweife eng an seinen massiven Körper.
Die Erschütterung ihres eigenen Herzschlags übertrug sich direkt auf seine Brust.
„Dein Puls rast“, bemerkte Kai leise. Er las in ihren geweiteten Pupillen und ihrem Beben wie in einem offenen Buch; er wusste millimetergenau, was sein Anblick in ihr auslöste.
Ein feines Zucken umspielte seinen Mundwinkel.
„Ich weiß ganz genau, woran du denkst.“
Namis Atem wurde flacher. Ihre Oberschenkel fühlten sich plötzlich wie aus Gummi an.
„Du... “, gab sie leise und atemlos zu, während sie den Blick nicht von seinen scharfen Gesichtszügen wenden konnte.
„Dein Anblick... ist schuld daran.“
Bevor er etwas dazu sagen konnte, schüttelte sie leicht den Kopf und korrigierte sich hastig, während eine frische Woge der Befangenheit über sie rollte: „Ich... wir sollten wohl wieder ins Bett gehen.“
Ein tiefes, gefährliches Glimmen stieg in Kais Augen auf. Er dachte gar nicht daran, sie gehen zu lassen. Stattdessen fasste er mit unnachgiebigem, aber behutsamem Druck an ihr Kinn, hob ihr Gesicht leicht an und zog sie ohne Vorwarnung in einen Kuss.
Nami schloss augenblicklich die Augen. Ein schweres, zittriges Seufzen entwich ihren Lippen direkt in seinen Mund hinein, während sich der Rest ihrer Widerstandskraft in Luft auflöste.
„Das... macht die Sache auch nicht besser“, hauchte sie schwindelig, kaum dass sich ihre Lippen für den Bruchteil einer Sekunde voneinander lösten.
Mit einer fließenden, kraftvollen Bewegung drängte Kai sie rückwärts direkt an die bodentiefe Fensterscheibe. Das kühle Glas an ihrem Rücken bildete einen unbeschreiblichen Kontrast zu der sengenden Hitze, die von Kais nackter Haut ausging.
Er nahm den Kuss sofort wieder auf... noch tiefer, erotischer und vollkommen benebelnd. Seine Zunge forderte die ihre, während seine Hände über ihre Taille und den Rücken glitten und sie fest an sich pressten.
Draußen erholte sich die Millionenstadt im Regen, doch hier drinnen raubte Kai ihr mit jeder Sekunde mehr den Verstand.
Als er sich schließlich Zentimeter von ihren leicht geöffneten Lippen löste, lag sein Atem heiß auf ihrer Haut. Sein Blick bohrte sich dunkel in ihren.
„Dieser Blick von dir...“, flüsterte er heiser an ihrer Halsschlagader, während seine Lippen ihre empfindliche Haut dort sanft streiften, „... und deine Worte... machen mich sicher nicht müde, Nami.“
Während er sie fest gegen die Scheibe gepresst hielt, glitt eine seiner Hände von ihrer Hüfte hinab und tastete sich vorsichtig zwischen ihre Beine. Ein Schmunzeln zeichnete sich in seine Mundwinkel als er die Feuchtigkeit an seinen Fingern spürte.
„Schau an... wieder kurz davor den Verstand zu verlieren.“, raunte er heiser.
Seine Worte brannten noch auf ihrer Haut, als er sie vollends einnahm. Mit einer geschmeidigen, mühelosen Bewegung fasste er unter ihre Oberschenkel, hob Nami an und drückte sie sanft, aber unnachgiebig gegen das bodentiefe Fenster.
Ein leiser, zittriger Schrei entwich Namis Kehle. Der eisige Kontrast zur kochenden Hitze von Kais nacktem Körper raubte ihr augenblicklich den Atem. Sie schlang automatisch die Beine um seine Hüften und verkrallte ihre Finger in seinen muskulösen Schultern, um Halt zu finden.
Nami keuchte auf und vergrub ihr Gesicht an seinem Hals, während eine frische Woge der Hitze durch ihren Körper schoss.
Es war erst das dritte Mal... ihr Körper war noch vollkommen ungeschult für diese ungeheure Intensität.
Kai verankerte sie fest an der Scheibe. Mit kontrollierter Vorsicht schob er sich langsam in sie hinein. Nami atmete keuchend ein. Doch durch den geänderten Winkel in der Luft, hochgezogen an der kühlen Scheibe, traf er sie tief im Inneren auf eine völlig neuartige, fast beängstigend intensive Weise.
Jedes Mal, wenn er tief in sie drang, traf er genau diesen empfindlichen Punkt. Nami verlor im selben Augenblick vollkommen den Verstand.
„Kai... oh Gott...“, wimmerte sie hilflos.
Sie war noch immer überfordert von dieser schier erdrückenden Woge der Lust, doch der letzte Widerstand in ihr brach. Sie hatte gelernt, die Kontrolle vollends abzugeben und sich der ekstatischen Erlösung einfach hinzugeben.
Kai wartete nicht mehr. Er stieß kraftvoll, tief und in einem unerbittlichen Rhythmus in sie vor. Jeder einzelne Stoß war so tief, dass er ein abgehaktes, hilfloses Schluchzen aus Namis Kehle riss.
Ihre Sicht verschwamm völlig. Mit dem Rücken an das Glas gepresst, richtete sie ihren berauschten, verschleierten Blick ins Leere des abgedunkelten Badezimmers. Die Konturen des Raumes zerflossen vor ihren Augen, während alles in ihr in einer einzigen, gleißenden Hitze aufging.
„Ich... es... Kai, es kommt wieder...“, schluchzte sie zittrig, während sie sich haltlos an ihm festklammerte. Sie wimmerte auf, stöhnte seinen Namen hilflos in die kühle Luft, während die innere Stimulation sie völlig auflöste.
Dann brach die Flutwelle endgültig über sie herein.
Nami wand sich zitternd in seinen Armen und stieß einen lautstarken, hallenden Schrei der Ekstase direkt in den Raum hinein. Ihr gesamter Körper befeuerte die Entladung mit einem unkontrollierbaren Beben, während sich ihre Muskeln krampfhaft um ihn zusammenzogen.
Direkt im Anschluss, als der Schrei verhallte und die Welle sie noch immer durchschüttelte, rang sie keuchend und mit weit geöffneten Lippen nach Luft. Es klang, als würde sie schier ertrinken in dieser rasenden Lust, vergeblich versuchend, ihren entglittenen Atem wieder unter Kontrolle zu bringen.
Als die erlösende Welle schließlich auch Kai überrollte, stieß er ein tiefes, raues Knurren an ihrem Hals aus und senkte sich ein letztes Mal mit ganzer Kraft tief in sie hinein. Er hielt sie fest an das Glas gepresst, während Nami zitternd an ihm hing, völlig berauscht, schwindelig und nach Luft ringend, während ihr gemeinsamer Atem die Scheibe hinter ihr dicht beschlug.
Minutenlang herrschte absolute Stille im Raum, abgesehen von ihrem schwer gehenden, synchronen Atmen und Namis tiefen, unregelmäßigen Atemzügen, mit denen sie langsam wieder zu sich kam.
Langsam und mit äußerster Behutsamkeit zog sich Kai aus ihr zurück und ließ sie an sich herabgleiten, bis Namis Füße wieder den kühlen Marmorfliesenboden berührten. Ihre Beine waren so weich wie Pudding, doch Kai fing sie sofort ab, schlang einen Arm um ihre Taille und stützte sie mühelos.
Er küsste sie sanft, seine Züge im dämmrigen Licht überraschend weich.
„Jetzt“, flüsterte er heiser an ihrem Ohr, während er sie auf seine Arme hob und sie schweigend aus dem Bad zurück ins Schlafzimmer trug, „werden wir schlafen.“
Nami schlang matt ihre Arme um seinen Nacken und vergrub ihr Gesicht an seiner Brust. Als er sie sanft ins Bett legte und sich sogleich zu ihr gesellte, zog er sie so fest an sich, dass kein spürbarer Raum mehr zwischen ihnen blieb.
Gehüllt in seine Wärme und das Gefühl vollkommener Geborgenheit glitt Nami innerhalb von Sekunden in einen tiefen, traumlosen Schlaf.