LNCrawler

Ein alter Bekannter

Der Gezähmte Phönix — www.fanfiktion.de · All chapters

Ein alter Bekannter

Der nächste Morgen...

Die Sonne kämpfte sich mühsam durch die dichten Wolkenreste des vergangenen Taifuns, und vereinzelte, helle Strahlen stahlen sich durch die bodentiefen Fenster des Penthouses. Es war Samstag, kurz nach zehn Uhr, als Nami langsam aus einem tiefen, traumlosen Schlaf erwachte. Sie fühlte sich seltsam schwer, aber auf eine unglaublich geborgene Art und Weise.

Noch bevor sie die Augen öffnete, spürte sie die vertraute Wärme und das feste Gewicht eines Armes, der sie sicher umschlungen hielt. Als sie schließlich die Lider hob, blickte sie direkt in Kais granatrote Augen. Er war bereits wach, den Kopf auf die Hand gestützt, und hatte sie offenbar schon eine ganze Weile beim Schlafen beobachtet. Sein Blick war ungewohnt friedlich.

„Guten Morgen“, raunte er mit einer Stimme, die vom Schlaf noch tief und belegt war. Er neigte sich vor und drückte ihr einen kurzen, intensiven Kuss auf die Lippen. „Du warst völlig weggetreten. Die Runde gestern Nacht im Bad hat dir den Rest gegeben.“

Nami entwich ein wohliges Seufzen. Die Erinnerungen an die Nacht fluteten in ihren Geist zurück...die Hitze, das Verlangen, die ungekannte Nähe. Sie streckte sich wie eine Katze und küsste ihn erneut, diesmal fordernder. „Ich liebe deine Intensität“, flüsterte sie gegen seine Lippen. „Ich fühle mich immer noch, als würde ich auf Watte liegen.“

Sie schmiegte ihr Gesicht an seine nackte Brust und atmete tief ein. „Du riechst übrigens so gut. Dein Duft hat mich schon von Anfang an regelrecht benebelt.“ Sie stieß ein kurzes, helles Lachen aus, das in der Stille des Zimmers wie kleine Glocken klang.

Kai beobachtete sie dabei, und ein winziges, ehrliches Lächeln stahl sich auf seine Züge. Er mochte ihr Lachen; diese unerschütterliche Lebensfreude war das genaue Gegenteil von seiner eigenen, oft düsteren Weltanschauung. Doch dann wurde sein Blick wieder etwas ernster, fast nachdenklich. Er hob die Hand und strich ihr mit dem Handrücken ganz sacht über die Wange, während er sie fest fixierte.

„Nami, hör mir zu“, begann er leise, und sein Blick fixierte sie unnachgiebig. „Ich werde dir nicht der Partner sein, den du aus irgendwelchen Romanen kennst. Ich bin kompliziert und ich habe kein Interesse daran, den perfekten Freund zu spielen.“ Er hielt nicht inne, sondern sprach mit kalter Ehrlichkeit weiter. „Aber ich werde alles dafür tun, dich glücklich zu sehen. Bitte nimm es mir nur nicht allzu übel, wenn ich manchmal in alte Muster zurückfalle. Mein Kontrollzwang, meine Art, Dinge allein regeln zu wollen... oder mein reserviertes, kühles Auftreten in der Öffentlichkeit. Das ist ein Teil von mir, den ich nicht einfach abschütteln kann.“

Es war eine Warnung, aber auch ein Friedensangebot...ein Eingeständnis seiner eigenen Schwächen, das ihm sichtlich schwerfiel.

Nami sah ihn an, und in ihren Augen lag nicht der Hauch eines Zweifels. Sie lächelte ihn so strahlend an, dass Kai für einen Moment blinzeln musste. Sie legte ihre Hand über seine und drückte sie sanft gegen ihr Gesicht.

„Ich nehme dich genau so, wie du bist, Kai“, sagte sie mit einer entwaffnenden Aufrichtigkeit. „Mit all deinen Mauern und all deiner Kontrolle. In meinen Augen bist du perfekt, genau so, wie du hier vor mir liegst.“

Kai antwortete nicht sofort, aber der Druck seines Arms um ihre Taille verstärkte sich. Er zog sie wieder fest an sich und vergrub sein Gesicht in ihrem Haar, während draußen die Stadt nach dem Sturm langsam wieder zum Leben erwachte. Zum ersten Mal seit Jahren fühlte es sich für ihn nicht nach einem Verlust von Kontrolle an, jemanden so nah an sich heranzulassen...sondern nach einer ganz neuen Art von Stärke.

Nami legte den Kopf schräg, ein schelmisches Funkeln in den Augen, während sie ihn durch ihre silbrig weißen Haarsträhnen hindurch ansah. „Heißt das jetzt etwa offiziell, dass ich die Freundin des unnahbaren Kai Hiwatari bin?“, fragte sie lachend, wobei sie das Wort „unnahbar“ besonders ironisch betonte.

Kai schmunzelte...ein seltener, fast schon gefährlicher Ausdruck, der seine Gesichtszüge völlig veränderte.

„Du warst es schon in dem Moment, als du gestern meine Wohnung betreten hast“, gab er mit einem rauen, tiefen Tonfall zurück. Sein Schmunzeln hatte etwas gefährlich Besitz ergreifendes. „Ich dachte, das wäre dir spätestens letzte Nacht klar geworden.“

...doch das dunkle Glühen in seinen granatroten Augen verriet, dass er absolut kein Problem mit diesem Anspruch hatte. Er hatte sich entschieden...und was Kai Hiwatari einmal beanspruchte, gab er so schnell nicht wieder her.

Nami lachte erneut, ein helles, klares Geräusch, das die letzte Schwere des Morgens vertrieb. Bevor Kai reagieren konnte, bewegte sie sich mit einer überraschenden Leichtigkeit. Mit einer fließenden Bewegung schwang sie sich über ihn und kam direkt auf seinem Schoß zum Sitzen.

Kai stieß ein kurzes, überraschtes Keuchen aus, als er den direkten Kontakt ihrer Haut spürte. Sein Blick verdunkelte sich augenblicklich. Das sanfte Licht des Vormittags betonte die Kurven ihres schönen Körpers, und die Tatsache, dass sie beide immer noch vollkommen nackt waren, ließ die Spannung im Raum innerhalb von Sekunden wieder bis zum Zerreißen ansteigen. Nami spürte unter sich sehr deutlich, dass ihr mutiger Move ihn alles andere als kalt ließ; die Reaktion seines Körpers war unmittelbar und intensiv.

Kais Hände, groß und warm, legten sich auf ihre Oberschenkel. Langsam, fast provokant, ließ er sie hinaufgleiten, über die Rundung ihrer Hüften, bis sie fest an ihrer schmalen Taille innehielten. Er übte gerade genug Druck aus, um ihr zu zeigen, dass er sie nun genau dort hatte, wo er sie wollte.

Er zog sie ein Stück näher an sein Gesicht, sein Blick fixierte sie mit einer Intensität, die ihr den Atem raubte. „Du solltest übrigens mit einer Sache fein sein, Nami“, raunte er, und seine Stimme war nun wieder dieses dunkle, tiefe Grollen, das sie schon in der Nacht um den Verstand gebracht hatte. „Wenn ich von Kontrolle rede, meine ich nicht nur mein Leben oder mein Image.“

Er ließ eine Hand von ihrer Taille zu ihrem Nacken wandern und vergrub seine Finger in ihrem Haar, um ihren Kopf sanft ein Stück nach hinten zu neigen. „Die Kontrolle über das Körperliche... ist mir extrem wichtig. Ich teile nicht gern, und ich gebe die Führung nur ungern aus der Hand.“ Ein arrogantes, aber unglaublich heißes Lächeln umspielte seine Lippen. „Ich hoffe, du bist bereit für das, was es bedeutet, meine Freundin zu sein.“

Mit einer kraftvollen, beinahe raubtierhaften Bewegung drehte Kai den Spieß um. Ehe Nami begriffen hatte, wie ihr geschah, lag sie wieder auf dem Rücken, tief in die weichen Laken gedrückt, während sein schwerer, durchtrainierter Körper sie unter sich begrub. Die Dominanz in seinem Blick war berauschend; er duldete keinen Zweifel daran, wer in diesem Raum die Führung übernahm.

Er neigte den Kopf und zog seine Zunge in einer langsamen, feuchten Spur über die empfindliche Haut ihres Halses. Nami entwich ein tiefes, unkontrolliertes Seufzen, und sie warf den Kopf in den Nacken. Als sie spürte, wie er zum vierten Mal innerhalb von nur zwanzig Stunden ihre Schenkel mit seinen Knien auseinanderschob, durchzuckte sie ein heftiges Zittern. Ihr Körper erinnerte sich nur zu gut an das Gefühl der vergangenen Nacht und verlangte bereits jetzt wieder nach mehr.

Kai hielt inne, sein Gesicht nur Millimeter von ihrem Ohr entfernt. Sein heißer Atem kitzelte ihre Haut, während er mit einer Stimme sprach, die vor dunkler Belustigung und rohem Verlangen vibrierte.

„Es ist übrigens Samstag.“, flüsterte er rau. „Wir müssten eigentlich schon längst in der Firma sein. Dein Vater fragt sich sicher schon...wo du steckst.“ Er biss ihr sanft in den Hals, ein kleiner, elektrisierender Schmerzimpuls. „Aber du bettelst ja regelrecht darum, heute noch einmal für mich zu schreien.“

Nami spürte, wie die Hitze in ihr bis zum Siedepunkt stieg. Trotz der Erschöpfung der letzten Stunden fühlte sie sich so lebendig wie nie zuvor. Sie erwiderte seinen intensiven Blick, ihre Augen funkelten vor neckischer Herausforderung. Sie hob die Hand, krallte ihre Finger in sein Nackenhaar und zog ihn ein Stück tiefer zu sich herab.

„Dann...“, flüsterte sie mit einem frechen, provokanten Grinsen direkt gegen seine Lippen, „...musst du dich wohl ein bisschen beeilen.“

Kais Augen verengten sich. Das war die Art von Herausforderung, der er niemals widerstehen konnte. Er wartete keine weitere Sekunde. Mit einem besitzergreifenden Kuss, der nach einem Versprechen und einer Warnung zugleich schmeckte, begrub er jeden weiteren Gedanken an die Arbeit unter sich. Draußen mochte die Sonne den Tag ankündigen, doch hier drinnen gab es nur noch das rhythmische Echo ihrer Leidenschaft, während Kai daran ging, ihr genau das zu geben, wonach sie so mutig verlangt hatte.

Etwa zwanzig Minuten später war die aufgeladene Stille des Schlafzimmers der geschäftigen, fast schon klinischen Effizienz von Kais moderner Küche gewichen. Nami saß auf einem der hohen Barhocker am Küchentresen. Sie trug wieder ihre eigenen Sachen, die über Nacht getrocknet waren, auch wenn sie sich in ihrer Haut noch immer so fühlte, als stünde sie unter Strom. Mit beiden Händen umschlang sie eine Tasse Tee und nippte vorsichtig an dem heißen Getränk, während Kai...inzwischen wieder in eine schlichte, schwarze Hose und ein dunkles Shirt gekleidet...sich einen tiefschwarzen Kaffee einschenkte.

Die Zeit drängte unerbittlich. Ein ausgiebiges Frühstück war längst utopisch, doch die kurze Ruhepause vor dem Sturm des Arbeitstages war notwendig, um die Ereignisse der Nacht halbwegs zu verarbeiten.

„Wir sind hoffnungslos zu spät“, stellte Nami fest und beobachtete, wie der Dampf ihres Tees nach oben stieg. Sie sah zu Kai auf, der mit dem Rücken zu ihr stand. „Was sagen wir eigentlich in der Firma? Wenn wir beide gleichzeitig auftauchen, und das erst um diese Uhrzeit... wir brauchen eine verdammt gute Ausrede, Kai.“

Kai stellte die Kaffeekanne ab und drehte sich zu ihr um. Er wirkte bereits wieder wie der kühle Blader, den die Welt kannte, doch der Blick, den er ihr zuwarf, besaß eine neue Tiefe. Er nahm einen Schluck von seinem Kaffee und sah sie trocken an.

„Wir brauchen keine Ausreden, Nami“, sagte er ruhig.

Nami hielt die Tasse mitten in der Bewegung an ihre Lippen an. „Willst du damit sagen, wir laufen da einfach so rein?“

„Warum nicht?“, erwiderte er und lehnte sich mit verschränkten Armen gegen die Küchenzeile. „Wir können ruhig bei der Wahrheit bleiben. Ich sehe keinen Grund mehr, zu verstecken, dass du mir wichtig bist. Das wäre nur Zeitverschwendung.“

Er beobachtete Namis Reaktion genau...das leichte Flattern ihrer Augenlider und die Überraschung, die sich in ihren Zügen widerspiegelte. Ein fast unmerkliches Schmunzeln stahl sich auf seine Lippen, während er ihren Blick hielt.

„Mir ist klar, dass die Welt so etwas von mir nicht gewohnt ist“, setzte er hinzu, und in seiner Stimme schwang eine Spur von dem arroganten Selbstbewusstsein mit, das ihn so unnahbar machte. „Sie werden reden. Sie werden spekulieren. Aber am Ende des Tages spielt es keine Rolle. Ich stehe zu dem, was ich will.“

Nami spürte, wie eine wohlige Gänsehaut über ihren Rücken lief. Es war eine Sache, im Schutz der Dunkelheit Intimität zu teilen, aber es war etwas völlig anderes, dass der „Eisprinz“ bereit war, seine Mauern vor den Augen der gesamten Welt einzureißen. In diesem Moment wurde ihr klar, dass er es todernst meinte: Er hatte sich entschieden, und er würde vor niemandem zurückweichen.

Nami stellte ihre Teetasse mit leicht zitternden Händen auf der Marmoroberfläche ab. Die Offenheit, mit der Kai zu ihr stand...ausgerechnet dieser Mann, der sein Privatleben bisher wie eine Staatsangelegenheit unter Verschluss gehalten hatte...löste eine Welle der Wärme in ihr aus.

„Ich bin so unglaublich glücklich darüber.“, sagte sie leise, und ihre Stimme klang belegt von der Intensität ihrer Gefühle. „Es fühlt sich immer noch an wie ein Traum. Ich kann es gar nicht richtig glauben, dass das alles gerade wirklich passiert.“ Sie sah ihn fest an, ihre Wangen noch immer leicht gerötet. „Und... ich möchte, dass du weißt, dass mein erstes Mal so viel schöner war, als ich es mir jemals hätte vorstellen können. Danke, dass du so... du warst.“

Kai stellte seinen Kaffeebecher ab. Er antwortete nicht sofort, sondern trat langsam auf sie zu, bis er direkt vor ihr stand. Die Distanz zwischen ihnen schrumpfte auf ein Minimum, und Nami spürte erneut die magnetische Anziehungskraft, die von ihm ausging. Er hob die Hand und legte sanft einen Finger unter ihr Kinn, um es anzuheben, sodass sie gezwungen war, direkt in seine granatroten Augen zu blicken.

„Ich muss gestehen... ich hatte nicht erwartet, dass du noch unerfahren bist“, gab er mit einer entwaffnenden Direktheit zu. Sein Daumen strich beiläufig über ihre Unterlippe. „Du bist ein außergewöhnlich schönes Mädchen, Nami. Ich bin mir sicher, dass du an deiner Schule unglaublich beliebt bist und etliche Verehrer hast, die dir zu Füßen liegen.“

Für jemanden, der Kai nicht kannte, mochte diese Aussage wie eine flüchtige Schmeichelei geklungen haben. Doch für Kai war sie das genaue Gegenteil.

In seinem bisherigen Leben hatte er Mädchen nie nach oberflächlicher Schönheit beurteilt, und er verabscheute die leeren, glatten Komplimente, die in seiner Welt so oft ausgetauscht wurden. Für ihn zählten von jeher nur innere Stärke, eiserner Wille und echte Werte.

Er verteilte keine Schmeicheleien... niemals.

Doch bei Nami brauchte er keine taktischen Mauern oder eiskalte Distanz mehr. Er sprach schlichtweg das aus, was er dachte, ungeschönt und unverfälscht. Es war die nackte Wahrheit:

Sie war schön. In seinen Augen war sie das mit Abstand schönste Mädchen, das er je gesehen hatte, und ihr schutzloses, ehrliches Wesen machte sie für ihn schlichtweg unwiderstehlich.

Nami hielt seinem Blick stand. „Es gab immer wieder...Verehrer, ja“, antwortete sie ehrlich. „Aber es war einfach nie jemand dabei, der... es wert gewesen wäre. Niemand, der dieses Feuer in mir entfacht hätte. Niemand, der etwas in mir ausgelöst hat.“

Sie hielt inne, und für einen Herzschlag lang lag ihr das Geständnis auf der Zunge. Sie wollte ihm sagen, dass sie eigentlich schon seit ihrem zehnten Lebensjahr von ihm verzaubert war. Dass sie stundenlang vor dem Fernseher gesessen hatte, um seine Kämpfe zu verfolgen, und dass kein Junge in ihrer Nähe jemals gegen das Ideal bestehen konnte, das er für sie verkörperte. Sie wollte ihm sagen, dass sie im Grunde immer nur auf ihn gewartet hatte.

Doch sie schluckte die Worte im letzten Moment hinunter. Es fühlte sich noch zu früh an, zu überwältigend. Sie wollte diese zarte, neue Verbindung nicht mit der Last einer jahrelangen Schwärmerei belasten, die er vielleicht als kindisch missverstehen könnte. Stattdessen lächelte sie ihn nur an...ein Lächeln, das mehr sagte als tausend Worte.

Kai schien die unausgesprochenen Worte in ihren Augen zu suchen, doch er drängte sie nicht. Er beugte sich nur tief zu ihr herab und gab ihr einen letzten, intensiven Kuss, der nach Kaffee und tiefem Verlangen schmeckte, bevor er sich schweren Herzens löste.

„Komm jetzt...“, sagte er rauer als beabsichtigt. „Wenn wir jetzt nicht gehen, sorge ich dafür, dass wir die Firma heute gar nicht mehr von innen sehen.“

Als sie die Wohnung verließen und den schmalen Flur zum privaten Aufzug einschlugen, herrschte eine angenehme, fast andächtige Stille zwischen ihnen. Kai drückte den Knopf für die Tiefgarage, und mit einem leisen Surren setzte sich die Kabine in Bewegung. In dem verspiegelten Edelstahl des Fahrstuhls sah er ihr gemeinsames Ebenbild: Nami, die immer noch ein wenig strahlte, und er selbst, dessen Züge ungewohnt entspannt wirkten.

Während der Aufzug nach unten glitt, drifteten Kais Gedanken ab. Er war ein Mann der harten Fakten, der Logik und der Disziplin. Gefühle waren für ihn bisher immer nur Störfaktoren gewesen...Schwächen, die man kontrollieren oder eliminieren musste. Er hatte noch nie zuvor etwas für ein Mädchen empfunden, das über flüchtiges Interesse hinausging. Doch bei Nami war alles anders.

Er beobachtete sie aus dem Augenwinkel und spürte dieses seltsame, fast schon beängstigende Ziehen in seiner Brust. Es war, als wäre ihre bloße Anwesenheit eine Art Heilung für die vielen unsichtbaren Narben, die er mit sich herumtrug. Dieses überwältigende Gefühl, das ihn schon bei ihrer ersten Begegnung wie ein Schlag getroffen hatte, war in der vergangenen Nacht zu einer unkontrollierbaren Naturgewalt angewachsen. Besonders in dem Moment, als er eins mit ihr gewesen war, als alle Barrieren...körperlich wie seelisch...gefallen waren, hatte er eine Verbundenheit gespürt, die er nicht benennen konnte.

~Was zur Hölle ist das?~, fragte er sich im Stillen, während die Zahlen der Stockwerkanzeige nach unten tickten. ~Dieses Biest von einem Gefühl, das mich völlig einnimmt~ Er hatte solche sentimentalen Regungen immer als Schwäche abgetan. Doch als er sah, wie Nami sich kurz im Spiegel die Haare richtete und ihm dann ein schnelles, vertrautes Lächeln schenkte, merkte er, dass diese Macht über ihn keine Schwäche war. Wenn es bedeutete, jede Faser seines Seins darauf auszurichten, sie zu besitzen und zu beschützen, dann war er bereit, diesen Preis zu zahlen.

Die Aufzugtüren öffneten sich mit einem sanften Ping in der kühlen Tiefgarage. Kai trat einen Schritt vor, hielt die Tür für sie auf und legte eine Hand auf ihre Taille. In diesem kurzen Kontakt lag all die stumme Bestätigung seiner Gedanken, die er noch nicht laut auszusprechen wagte.

Die Fahrt durch die noch nassen Straßen Tokios dauerte kaum sieben Minuten. Der Stadtverkehr floss nach dem Sturm zäh, doch im Inneren des Wagens herrschte eine ganz eigene, dichte Atmosphäre. Kai hielt das Lenkrad locker mit einer Hand, während er die andere wie selbstverständlich auf Namis Oberschenkel ruhen ließ. Es war kein fordernder Griff, sondern eine ruhige, besitzergreifende Geste, die Nami sofort mit ihrer eigenen Hand quittierte, indem sie ihre Finger sanft auf seine legte.

In ihrem Inneren tobte ein Chaos aus Glückshormonen. Die Schmetterlinge in ihrem Bauch wirbelten so wild durcheinander, dass ihr bei jedem Schlagloch leicht schwindelig wurde. Es war diese seltsame Mischung aus körperlicher Leere – da sie außer dem hastigen Tee noch nichts zu sich genommen hatte – und der emotionalen Überfütterung durch Kais Nähe. Jedes Mal, wenn sein Daumen fast unmerklich über den Stoff ihrer Hose strich, schoss ein wohliger Schauer durch ihren Körper.

Sie beobachtete sein Profil im Vorbeifahren der gläsernen Fassaden. Kai wirkte konzentriert, doch die Härte in seinem Kiefer war verschwunden. Nami fragte sich, ob er ahnte, wie sehr diese kleinen Berührungen sie aus der Fassung brachten. Für sie fühlte es sich an, als würde sie schweben, losgelöst von der harten Realität des Business-Alltags, der sie gleich in der Zentrale von Tachibey Industries erwarten würde.

„Alles okay?“, fragte Kai leise, ohne den Blick von der Straße zu wenden, als er bemerkte, dass sie ihn etwas zu lange anstarrte.

„Ja“, hauchte sie und drückte seine Hand ein wenig fester. „Mir ist nur ein bisschen schwindelig vor Glück.“

Kai schmunzelte kurz, ein Ausdruck purer Zufriedenheit, während er den Wagen geschmeidig in die Auffahrt des Parkhauses lenkte. Er genoss die Wirkung, die er auf sie hatte, sichtlich...und vielleicht genoss er es noch mehr, dass sie dieselbe Wirkung auf ihn ausübte, auch wenn er es niemals so blumig formuliert hätte wie sie.

Als er den Motor schließlich abstellte, blieb seine Hand noch einen Moment länger auf ihrem Bein liegen, als wollte er diese private Blase noch ein paar Sekunden länger aufrechterhalten, bevor sie sich der Welt und den neugierigen Blicken ihrer Kollegen stellen mussten.

Die kühle, künstliche Beleuchtung des Parkhauses spiegelte sich auf dem polierten Lack wider. Einen Moment lang herrschte absolute Stille im Autoinneren, nur unterbrochen vom leisen Knacken des abkühlenden Metalls.

Kai bemerkte, wie Nami die Schultern hob und einmal tief, fast schon hörbar, durchatmete. Er legte den Arm auf die Mittelkonsole, drehte sich halb zu ihr um und beobachtete sie mit einem fast schon klinischen Interesse, das jedoch von einer neuen Sanftheit gemildert wurde.

„Bist du tatsächlich nervös?“, fragte er, und ein Hauch von Amüsement schwang in seiner dunklen Stimme mit. „Nach allem, was letzte Nacht zwischen uns gelaufen ist... hast du vor den Blicken der Belegschaft mehr Respekt als vor mir?“

Nami sah ihn an, und wie auf Kommando legte sich ein zarter Rotschimmer auf ihre Wangen, der ihre Augen nur noch heller leuchten ließ. „Es fühlt sich einfach noch so unwirklich an, Kai“, gestand sie leise. Sie nestelte kurz an ihrem Sicherheitsgurt, ehe sie ihn löste. „Ich verspüre gerade so viel Glück, dass es mich fast ein wenig überfordert. Mein Herz klopft, als hätten wir gerade ein Weltmeisterschafts-Finale vor uns.“ Sie stieß ein kurzes, befreiendes Lachen aus, straffte dann die Schultern und öffnete entschlossen die Autotür. „Aber ich schaffe das.“

Sie stieg aus, und Kai tat es ihr auf der Fahrerseite gleich. Das Geräusch seiner zufallenden Tür hallte metallisch durch das weite Parkhaus. Während sie aufeinander zugingen, bemerkte Kai, dass Nami immer noch leicht nervös am Saum ihrer Bluse nestelte....eine kleine Geste der Unsicherheit, die er nicht unkommentiert lassen wollte.

Anstatt einfach nur voranzugehen, trat er direkt neben sie. Ohne zu zögern und mit einer Selbstverständlichkeit, die keinen Widerspruch duldete, ergriff er ihre Hand. Er spürte, wie sie kurz überrascht zusammenzuckte, doch dann lockerten sich ihre Finger. Er schob seine Handfläche gegen ihre und verschränkte seine Finger fest mit den ihren.

Seine Hand war groß, warm und bot ihr einen Halt, der so solide war wie ein Fels. Nami sah überrascht zu ihm auf, doch Kai blickte starr geradeaus in Richtung des Ausgangs, der sie direkt in das Herz des Unternehmens führen würde.

„Atme tief durch.“, sagte er ruhig, während er sie mit sich zog. Sein Griff war fest...eine wortlose Botschaft an sie und an jeden, der sie gleich sehen würde: Sie gehörte zu ihm, und er hatte nicht vor, das jemals wieder zu ändern.

„Dein Vater wird mich sicher vermöbeln, wenn er mich mit dir an der Hand sieht“, sagte Kai trocken, während sie auf die schweren Glastüren des Haupteingangs zugingen. Sein Tonfall war gewohnt emotionslos, doch in seinen Augen blitzte ein Funke von echtem Interesse...vielleicht sogar eine Spur von Respekt vor Hiro Tashiba.

Nami lachte hell auf und schüttelte den Kopf. „Das ist überhaupt nicht wahr! Mein Vater mag dich sehr. Er hat mir sogar schon vor Wochen gesagt, dass du der Einzige bist, dem er zutraut, auf Augenhöhe mit mir zu stehen...“

Mitten im Satz erstarrte sie. Sie ließ Kais Hand ruckartig los...

Kai blieb stehen und zog eine Augenbraue hoch. „Hat er das wirklich gesagt?“, fragte er, und ein Anflug von arrogantem Stolz legte sich in seine Stimme. „Tachiba kennt die Berichte über mich. Er weiß, dass ich niemanden an mich heranlasse.“

Nami senkte die Hand, ihr Gesicht brannte vor Verlegenheit, aber sie wich seinem Blick nicht aus. „Mein Vater hat eine verdammt gute Menschenkenntnis, Kai. Er schaut immer hinter die Fassade. Er meinte, er beobachtet dich schon seit Jahren und hält große Stücke auf dich.“

Kai schnaubte leise, doch ein zufriedenes Schmunzeln stahl sich auf seine Lippen. „Das erklärt wohl, warum er so erfolgreich ein Imperium leitet. Der Mann hat Augen im Kopf.“

Noch ehe sie den Moment vertiefen konnten, zerschnitt eine schrille, aufgeregte Stimme die Atmosphäre. Der klapprige Gudbrok kam mit seinem Klemmbrett in der Hand angerannt, seine Schritte wirkten so fahrig wie sein ganzer Auftritt.

„Da sind sie ja beide! Wir warten schon seit elf Uhr auf Sie! Der Chef lässt bereits fragen, wo Sie beide bleiben...“

Nami stemmte die Hände in die Hüften und versuchte, die aufkommende Nervosität mit einer Prise Arroganz zu überspielen. „Komm mal runter, Gudbrok. Wir sind ja schon da. Wir sind doch nur eine Stunde zu spät...“

„Zwei!“, korrigierte Gudbrok eifrig und hielt ihr seinen zitternden Finger samt Armbanduhr fast unter die Nase.

Nami schüttelte belustigt den Kopf. Sie hatte diesen Mann noch nie wirklich leiden können; seine Tendenz, bei jeder Kleinigkeit die Fassung zu verlieren, war in einem Hochleistungsunternehmen wie diesem fast schon eine Belastung.

„Mr. Hiwatari, wir hatten einen Stromausfall heute Nacht wegen des Taifuns! Einer der Hauptserver war für ganze dreißig Minuten vom Netz, bevor das tägliche Backup laufen konnte. Die Daten von gestern Morgen sind weg...“ Er sah aus, als würde er jeden Moment in Tränen ausbrechen.

Kai fuhr sich genervt durch die Haare und stieß ein tiefes Schnauben aus. Der sanfte Liebhaber der letzten Nacht war verschwunden, ersetzt durch den unnachgiebigen Strategen. „Nicht euer Ernst? Das heißt, wir müssen die Daten von gestern neu einspeisen?“

„Ganz recht, Mr. Hiwatari, Sir!“, nickte Gudbrok eifrig und krallte sich an sein Klemmbrett, als wäre es ein Rettungsring.

Ein genervtes Seufzen entwich Kais Lippen. Er drehte sich zu Nami um, und obwohl sein Blick wieder hart und unerschütterlich wirkte, lag in der kurzen Kopfbewegung, mit der er ihr die Richtung wies, eine vertraute Exklusivität.

„Geh schon mal vor in Halle 2 und warte da auf mich. Du kannst dich ja schon mal aufwärmen, wenn du möchtest. Es wird nicht lange dauern. Ich komm dann nach. Gib mir zwanzig Minuten, dann ist das Ding im Kasten.“

Er steckte die Hände lässig in die Hosentaschen und folgte dem zappeligen Gudbrok, ohne sich noch einmal umzusehen. Doch Nami wusste es besser. Sie sah ihm nach, ein wissendes Lächeln auf den Lippen.

„Okay, mach ich...“, flüsterte sie leise. Während sie sich in Richtung der Trainingshallen wandte, fühlte sie sich trotz der fehlenden Kalorien und der drohenden Arbeit stärker als je zuvor. Kai mochte jetzt wieder der unnahbare Eisprinz sein, aber sie wusste nun, wie sich der Mann hinter der Maske anfühlte.

Es war faszinierend zu sehen, wie schnell er wieder in seine Rolle als unnahbarer Anführer geschlüpft war, auch wenn sie noch immer das Brennen seiner Lippen auf ihren spüren konnte. Mit einem leisen, glücklichen Seufzen wandte sie sich ab.

Der Weg zu Halle 2 führte durch den gläsernen Verbindungstrakt des Hauptgebäudes. Überall herrschte reges Treiben: Techniker in weißen Kitteln hasteten mit Tablets an ihr vorbei, und aus den unteren Testbereichen drang das charakteristische, metallische Summen von Beyblades, die mit hoher Geschwindigkeit in den Arenen aufeinanderprallten. Nami fühlte sich, als würde sie auf Wolken durch die Gänge schweben. Die Müdigkeit und der Hunger waren wie weggeblasen, ersetzt durch dieses wohlige, neue Gefühl der Zugehörigkeit.

Sie erreichte den langen, etwas ruhigeren Flur, der zu den großen Trainingshallen führte. Ihre Schritte hallten auf dem polierten Boden wider. Sie dachte gerade darüber nach, welche Aufwärmübungen sie machen sollte, um die Zeit zu überbrücken, als sie die massive Stahltür von Halle 2 erreichte.

Gerade als sie die Klinke hinabdrücken wollte, durchschnitt eine Stimme die Stille...eine Stimme, die so gar nicht in die geschäftige Atmosphäre von Tachibey Industries passte. Sie klang schleppend, ein wenig zu sicher und mit einem Unterton, der Nami sofort die Nackenhaare aufstellte.

„Nicht zu fassen... da ist sie ja tatsächlich.“

Nami zögerte. Die Klinke blieb auf halbem Weg stehen. Sie kannte diesen Tonfall. Er weckte Erinnerungen an Turniere vor Jahren, an Partys, auf denen sie sich unwohl gefühlt hatte, und an ein Gesicht, das sie gehofft hatte, nie wieder in ihrem privaten Umfeld sehen zu müssen.

Sie atmete tief durch und drehte sich langsam um.

Vor ihr stand ein junger Mann, der fast so wirkte, als wäre er direkt einem Modekatalog entsprungen...oder einer sehr teuren Yacht. Er war groß, gut gebaut und trug einen schneeweißen Anzug, der im grellen Licht des Flurs fast blendete. Sein orangefarbenes Haar war perfekt gestylt, keine Strähne saß falsch, und an seinem linken Ohrläppchen funkelte ein kleiner Diamantohrring. Er lehnte lässig an der gegenüberliegenden Wand, die Arme vor der Brust verschränkt, und ein breites, selbstbewusstes Grinsen lag auf seinen Lippen.

„Na, wie lange ist das nun her, Nami? Drei oder sogar vier Jahre?“, tönte er und stieß sich von der Wand ab, um langsam auf sie zuzukommen. Sein Blick wanderte ungehemmt an ihr auf und ab, taxierte ihre Figur und blieb schließlich an ihrem Gesicht hängen. „Du siehst unglaublich aus... noch viel besser als in meinen Erinnerungen.“

In diesem Moment sackte Namis Herz ein Stück tiefer. Die Übelkeit, die sie sonst nur nach zu schnellen Drehungen in der Arena verspürte, stieg in ihr auf.

Brooklyn.

Brooklyn Masefield. Der Junge, der damals als Wunderkind galt, aber dessen Seele so dunkel und instabil war wie ein heraufziehendes Gewitter. Sie erinnerte sich an die Berichte aus den USA...er war dort zwar erfolgreich gewesen, aber sein Ruf als rücksichtsloser Herzensbrecher war ihm wie ein Schatten vorausgeeilt.

Nami versuchte ein Lächeln, doch ihre Mundwinkel zuckten verräterisch. In ihrem Kopf hämmerte nur ein einziger Gedanke:

Warum ausgerechnet heute? Und warum ausgerechnet hier?

Nami spürte, wie ihr der Magen eine unangenehme Drehung vollführte. Das helle, sterile Licht des Flurs schien plötzlich viel zu grell, während Brooklyn sie mit diesem hungrigen, berechnenden Blick fixierte, den sie schon damals verabscheut hatte. Er war die personifizierte Arroganz. Sein makelloser weißer Anzug und das perfekt frisierte orangefarbene Haar wirkten wie eine sorgfältig konstruierte Maske, hinter der sich ein Abgrund aus Egoismus verbarg. Während Kai eine natürliche Autorität ausstrahlte, wirkte bei Brooklyn alles wie eine einstudierte Performance.

„Brooklyn? Was... was treibt dich denn hierher?“, presste sie hervor. Ihre Mundwinkel zuckten bei dem Versuch, ein höfliches Lächeln zu erzwingen, das eher wie eine Grimasse der Qual aussah.

Er grinste breit, wobei seine Zähne fast schon unnatürlich weiß blitzten. „Ich war die letzten Jahre in den USA, aber ich musste unbedingt nach Tokio kommen, um dich zu sehen.“

„W-was? Wieso mich?“, entfuhr es ihr. Ihre Stimme rutschte in eine ungewohnt hohe Tonlage, die ihre innere Abwehrhaltung nur zu deutlich verriet. Sie erinnerte sich nur zu gut an seine Methoden. Er war der Typ Mann, der Komplimente wie Köder auswarf und erwartete, dass jede Frau sofort zuschnappte. Dass Kai ihn damals vernichtend geschlagen hatte, war einer der Momente gewesen, in denen Nami vor dem Fernseher laut gejubelt hatte – trotz Kais Verlust von Dranzer.

„Ach, ich wäre viel früher gekommen, um dich zu sehen, aber... leider wurde das Turnier in den USA nur als Aufzeichnung, einige Wochen später, gezeigt“, fuhr er fort, als hätte er ihren Einwand gar nicht gehört.

Namis Augenbrauen zuckten genervt. „Okay...“

Was für ein selbstreferenzieller Mist,

dachte sie grimmig. „Und dann... bist du einfach nach Tokio gereist, um mich zu sehen, weil du mich im Fernsehen gesehen hast?“ Sie sprach jedes Wort betont langsam aus, als würde sie versuchen, einem Kleinkind die Schwerkraft zu erklären.

„Ich habe dich gesehen und mich daran erinnert, dass ich dir damals ein Versprechen gab...“, sagte er mit einer Stimme, die wohl verführerisch klingen sollte, bei Nami aber nur einen Fluchtinstinkt auslöste. Er machte einen Schritt auf sie zu. Nami wich instinktiv zurück, bis sie den kalten, unnachgiebigen Stahl der Tür von Halle 2 im Rücken spürte.

Er soll verdammt nochmal stehen bleiben...,

schoss es ihr durch den Kopf.

„Hilf... mir doch bitte auf die Sprünge...“

Brooklyn setzte eine beleidigte Miene auf, die jedoch sofort wieder in dieses selbstgefällige Grinsen überging. Er kam ihr jetzt gefährlich nah. Mit einer fließenden Bewegung stemmte er seinen kräftigen Arm direkt neben ihrem Kopf gegen die Tür. Bevor sie reagieren konnte, wanderte seine freie Hand zu ihrem Kinn und hob es sanft, aber bestimmt an.

Nami versteifte sich. Ein kleiner Schock durchfuhr sie, der sie wie gelähmt an die Tür presste. Die Situation war so surreal, so kitschig und gleichzeitig so bedrohlich, dass ihr die Worte fehlten.

„Ich versprach dir, dass du irgendwann Mein sein würdest“, raunte er, und sein Atem roch nach teurem Minz-Kaugummi. „Ich meine, sieh dich an. Damals warst du schon ein Hingucker, aber jetzt... heilige Scheiße. Du bist der Traum jedes Mannes. Du bist das Schönste, was jemals den Boden dieser Erde berührt hat, und daher hast du nur das Beste verdient...“

Er beugte sich noch ein Stück weiter vor, sein Gesicht nur noch Zentimeter von ihrem entfernt. Nami verzog das Gesicht. In ihrem Kopf schrien alle Alarmsirenen. Nur einige Stunden zuvor hatte sie in Kais Armen gelegen und sich sicher gefühlt. Jetzt fühlte sie sich wie eine Beute, die in die Enge getrieben worden war.

„Und das Beste...“, Brooklyn senkte seine Stimme zu einem tiefen Flüstern, während seine Augen über ihre Lippen glitten, „...das bin natürlich ich.“

Nami spürte, wie die Wut die Lähmung langsam verdrängte.

Ihre Augen weiteten sich vor Zorn, und plötzlich kehrte die Kraft in ihre Glieder zurück. Die Lähmung, die der erste Schock ausgelöst hatte, war wie weggeblasen. Sie würde nicht zulassen, dass dieser Kerl sie wie eine Trophäe behandelte.

„Fass mich nicht an!“, herrschte sie ihn an. Ein lautes Klatschen hallte durch den sterilen Flur, als sie seine Hand mit aller Kraft wegschlug.

Brooklyn zuckte kurz zurück, und ein Ausdruck echter Überraschung stahl sich auf sein Gesicht. Doch das hielt nicht lange an. Anstatt sich zurückzuziehen, schien ihr Widerstand sein ohnehin schon krankhaftes Ego nur noch mehr anzustacheln. Ein dunkler Glanz trat in seine Augen, und das charmante Lächeln verwandelte sich in ein herablassendes Grinsen.

„Also immer noch so kratzbürstig wie vor drei Jahren?“, spottete er und trat wieder einen Schritt näher, ungeachtet der deutlichen Zurückweisung. „Ich dachte wirklich, du wärst nicht nur äußerlich gereift, Nami. Aber gut, ich mag Herausforderungen.“ Die Maske des perfekten Gentlemans begann nun endgültig zu bröckeln. Er konnte...oder wollte...nicht akzeptieren, dass eine Frau ihn nicht begehrte. „Denk doch mal nach! Was für ein perfektes Paar wir wären. Kein anderes Mädchen verzaubert mich so wie du. Unsere Kinder... sie wären die absolute Elite der Beyblade-Welt!“

„Nimm deine Drecksfinger von ihr, Brooklyn. Sofort.“

Die Stimme schnitt wie eine eiskalte Klinge durch Brooklyns selbstverliebtes Gerede. Er erstarrte mitten in der Bewegung, seine Augen weiteten sich vor Schreck.

„Was zum...!“, stammelte er und wirbelte herum.

Kai kam mit langsamen, aber unerbittlichen Schritten auf sie zu. Sein Blick war wie glühende Kohle auf Brooklyn fixiert.

„Haha... was... was machst DU denn hier?!“, versuchte Brooklyn zu lachen, doch es klang hohl und unsicher. Die bloße Anwesenheit von Kai schien ihn aus dem Konzept zu bringen. Er ahnte bereits, was dieser hier tat...ausgerechnet hier, bei dem Mädchen, das er für sich beansprucht hatte.

Ein hämisches, fast schon grausames Grinsen zog sich über Kais Lippen. Er stand nun direkt vor Brooklyn und überragte ihn mit einer Aura, die den ganzen Flur in eine bedrohliche Kälte tauchte.

„Was ich hier mache?“, wiederholte Kai mit einem gefährlich leisen, fast schon grausamen Tonfall. Er trat so nah an Brooklyn heran, dass seine titanische Aura den gesamten Flur zu beherrschen schien. „Ich sammle den Müll auf, den man vergessen hat, aus der Firma zu werfen. Sie gehört zu mir. Und wenn du sie noch ein einziges Mal ansiehst, vergesse ich mich.“

Seine Stimme war ruhig, aber man hörte die unterdrückte Wut in jedem einzelnen Wort. Trotz der Anspannung, lag eine tiefe Genugtuung in seinem Blick. Es schien ihn eine enorme Selbstbeherrschung zu kosten, Brooklyn nicht auf der Stelle eigenhändig aus dem Gebäude zu werfen. Er hatte die Szene seiner Annäherung zweifellos schon aus einiger Entfernung beobachtet.

„Sie gehört...zu dir?...“, wiederholte Brooklyn fassungslos. Er starrte Kai an, dann wandte er den Kopf ruckartig zu Nami, die kein Wort hervorbrachte.

„Das ist doch ein Witz?! Wieso... wieso ausgerechnet er?“

Nami beobachtete ihn schweigend. Es war fast mitleidserregend zu sehen, wie Brooklyn komplett die Fassung verlor. In seinem Kopf schien gerade ein ganzes Weltbild einzustürzen...die Vorstellung, dass er, der große Brooklyn, gegen Kai Hiwatari den Kürzeren gezogen hatte, war für sein Ego unerträglich.

„Das... kann nicht sein. Wieso du?! Gerade DU!“, schrie Brooklyn fast...

„Weil ich im Gegensatz zu dir weiß, wie man sich nimmt, was man will, anstatt wie ein winselnder Köter darum zu betteln“, entgegnete Kai mit schneidender Verachtung. Er blickte auf Brooklyn herab, als wäre er nichts weiter als ein lästiger Fleck auf dem Boden. „Du hast damals in der Arena alles verloren, Brooklyn. Und heute hast du dich endgültig lächerlich gemacht. Hau ab, bevor ich dafür sorge, dass dich die Security hochkant an der Grenze absetzt.“

Man hörte förmlich die Scherben in Brooklyns Kopf klirren. Sein riesiges Glashaus aus Träumen und Arroganz fiel krachend in sich zusammen. „Sie war alles, was ich jemals wollte“, presste er hervor, und seine Stimme klang fast weinerlich. „Sie ist die perfekte Frau für mich... und du nimmst sie mir einfach weg?“

Nami spürte, wie der Bann endlich gebrochen war. Mit schnellen Schritten huschte sie an dem völlig entsetzten Brooklyn vorbei und suchte Schutz an Kais Seite. Sofort spürte sie seinen starken Arm um ihre Taille, der sie mit einer besitzergreifenden Festigkeit an ihn drückte. Er hielt den Blick weiterhin starr auf Brooklyn gerichtet.

„Und jetzt...verpiss dich, Brooklyn.“

Die Ansage war endgültig. Brooklyn stand dort, allein und gedemütigt in seinem weißen Anzug, während Kai und Nami als Einheit vor ihm standen. Der Triumph in Kais Augen war unübersehbar...er hatte nicht nur den Server-Fehler behoben, sondern auch klargestellt, wem Namis Herz gehörte.