LNCrawler

Verluste

Der Gezähmte Phönix — www.fanfiktion.de · All chapters

Verluste

Momoko starrte ihn mit einer Mischung aus Empörung und wachsender Verwirrung an. „Wie, das warst nicht du?! Das...warst...du! Ich bin doch nicht blind, Kai. Gut, ich muss schon sagen, dass ich etwas beleidigt war, als du mich vorhin einfach ignoriert hast, aber... hey! Hörst du mir überhaupt zu?“

Doch Kai war bereits in einer anderen Welt. Ihre Worte prallten an ihm ab wie an einer Mauer. Mit zitternden Fingern kramte er sein Handy aus der Hosentasche, sein Blick war gehetzt, die Sorge in seine Züge eingegraben. Er wählte Namis Nummer, presste sich das Gerät ans Ohr und starrte ins Leere, während das monotone Tuten in der Leitung seine Panik nur noch befeuerte.

„Verdammt!“, zischte er wütend und unterdrückte ein verzweifeltes Knurren. „Ihr Handy ist aus, es geht nur die Mailbox ran! Wieso ist ihr Handy aus?!“

Er wartete nicht auf das Signal, sondern sprach direkt auf das Band, seine Stimme ein brüchiges Flüstern voller Dringlichkeit, als könnte er sie allein durch die Intensität seiner Worte erreichen. „Nami, wenn du das hörst, bitte renn weg! Das bin nicht ich! Bitte renn sofort weg und ruf mich an, sobald du kannst!“

Er legte abrupt auf und wirbelte herum. Sein Gesicht war eine erschreckende Maske aus purer Verzweiflung und eiskalter Entschlossenheit. Er wirkte wie ein Raubtier, das die Fährte seiner Beute verloren hatte.

„Hey, jetzt warte doch mal... was... was hat das alles zu bedeuten?“, rief Momoko ihm hinterher, die nun endlich begriff, dass dies kein schlechter Scherz war.

„Momoko, ich habe jetzt keine Zeit, dir alles zu erklären!“, schrie er über die Schulter, während er bereits losstürmte. „Die Zeit läuft gegen uns! Ich muss Nami finden, bevor er... ich muss los!“

Er ließ die verdutzte Momoko einfach auf dem Gehweg zurück und rannte mit einer Geschwindigkeit los, die jeden Passanten zur Seite springen ließ. Seine Lungen brannten, doch der körperliche Schmerz war nichts gegen das tosende Chaos in seinem Kopf.

~Wo bringt er sie hin?~ Er erreichte sein Auto und stoppte abrupt vor der Fahrertür. Seine Gedanken überschlugen sich. Er musste wie sein Ebenbild denken. Er musste die Logik des Schattens verstehen.

~Dahin... wo ich, der echte Kai, nach so langer Zeit niemals hingehen würde... wo er aber bestens versteckt wäre.~

Ein eisiger Geistesblitz durchfuhr ihn. Er riss erneut sein Handy hervor, wählte eine Nummer, die er seit Ewigkeiten nicht mehr angerufen hatte, und wartete mit hämmernden Schläfen, bis die Leitung am anderen Ende abgenommen wurde.

„Graham?!“, stieß er hervor, noch bevor der Butler sich melden konnte. Seine Stimme klang heiser, fast flehend. „Bitte... beantworte mir nur eine einfache Frage. Ich weiß, das klingt vielleicht seltsam... aber bin ich zufällig jetzt gerade im Haus?“

Einige Momente zuvor ...

Die Stille des weitläufigen Foyers wurde jäh unterbrochen, als sich die schwere, kunstvoll geschnitzte Flügeltür bereits öffnete, noch bevor Kai die Klinke berühren konnte. Ein älterer Mann in einem tadellosen schwarzen Anzug, dessen Haltung trotz seines Alters unerschütterliche Disziplin ausstrahlte, trat ihnen entgegen. Seine Augen verrieten keine Überraschung, lediglich eine tiefe, fast mechanische Ergebenheit.

„Master Kai, Sie sind zurück“, sagte er mit einer Stimme, die so ruhig war wie die Luft in einer Gruft. „Soll ich den Bentley für Sie in die Garage fahren?“

Kai hielt nur einen winzigen Augenblick inne, sein Profil wirkte in dem dämmrigen Licht des Eingangs wie aus Stein gehauen. „Mach das, Graham.“

„Sehr wohl. Soll ich Ihnen und der Dame danach ein Getränk servieren?“

Ein sichtbares Beben des Unmuts ging durch Kais Gestalt. Er wirkte nicht nur gestresst, sondern regelrecht angewidert von der bloßen Anwesenheit des Butlers. „Nein, und bitte stör uns nicht. Such dir woanders Arbeit!“, herrschte er ihn an. Die abweisende, eiskalte Tonlage, mit der er den alten Mann abfertigte, traf Nami wie ein physischer Schlag gegen die Brust.

„Sehr wohl.“ Grahams Miene blieb unbewegt, während er den Schlüssel entgegennahm.

Kai verlor keine weitere Sekunde. Er packte Namis Handgelenk erneut mit jenem schmerzhaft festen Griff, der sie schon die ganze Fahrt über verunsichert hatte, und zog sie tiefer in das Labyrinth des Anwesens.

„H-hey... wer war denn das?! Und wieso nennt er dich Master?“, presste Nami hervor, während sie versuchte, mit seinen harschen Schritten mitzuhalten. Das Anwesen wirkte wie ein Museum einer längst vergangenen, dunklen Ära.

„Der Butler...“, zischte Kai nur, ohne den Kopf zu wenden.

„Du hast einen Butler?!“

Diesmal blieb jede Reaktion aus. Nami spürte, wie sich in ihr Unbehagen mit echtem Ärger mischte. Kais Verhalten gegenüber Graham war mehr als nur unhöflich gewesen; es war arrogant und völlig unverschämt, selbst für jemanden mit seinem Temperament. Das war nicht die kühle Souveränität, die sie an ihm kannte... das hier war bösartige Herablassung.

Er zerrte sie durch einen monumentalen Torbogen in einen Raum, der sich als riesige, alte Bibliothek entpuppte. Hohe Regale aus dunklem Mahagoni ragten bis unter die Decke, gefüllt mit tausenden Buchrücken, die wie stumme Zeugen im Halbschatten standen. Mit einem letzten, starken Ruck beförderte er sie wortwörtlich in die Mitte des herrschaftlichen Saals und ließ sie endlich los.

Nami rieb sich das schmerzende Handgelenk und wollte gerade Luft holen, um ihn zur Rede zu stellen, doch Kai war schneller. Er wirbelte herum und warf die beiden massiven Flügeltüren mit einem dumpfen Knall zu. Namis Augen weiteten sich, als sie beobachtete, wie er einen kleinen, antiken eisernen Schlüssel, der bereits im Schloss steckte, mit einer entschlossenen Bewegung umdrehte.

Klick.

Das Geräusch hallte unheilvoll durch die Bibliothek. Sie waren eingesperrt.

„Was ist hier los? Wieso verhältst du dich so seltsam?“, fragte Nami, und diesmal schwang ein deutliches Zittern in ihrer Stimme mit. Kai antwortete nicht. Er verharrte regungslos vor den verschlossenen Türen, den Rücken zu ihr gewandt. Die Stille im Raum war so dicht, dass man das Ticken einer fernen Standuhr hören konnte. Erst nach einer gefühlten Ewigkeit drehte er den Kopf nur ein winziges Stück zur Seite und blickte kalt über seine Schulter zu ihr zurück. Sein Auge schien in der Dunkelheit fast unnatürlich zu glimmen.

„Entschuldige... hab ich dir etwa Angst eingejagt?“

Die Worte klangen wie Kais Stimme, doch der Unterton war ein völlig anderer. Es war ein tiefes, grausam-ironisches Timbre darin, das Nami eine heftige Gänsehaut über den Rücken jagte. Sie verschränkte die Arme vor der Brust, um ihr Zittern zu verbergen.

„Wenn das in irgendeiner Art erotisch... oder witzig sein soll, will ich dir hiermit sagen, dass es nichts von beidem ist“, entgegnete sie, wobei sie versuchte, so fest wie möglich zu klingen. „Hör auf damit, Kai!“

Er reagierte nicht direkt. Stattdessen schritt er mit einer beunruhigenden, fast raubtierhaften Eleganz zu einem der hohen Fenster und blickte hinaus in den Garten des Anwesens. Die Stille in der Bibliothek wurde nur vom leisen Knistern des alten Papiers in den Regalen unterstrichen.

„Was... was machst du? Kannst du mir jetzt bitte erklären, was hier gespielt wird?“, presste Nami hervor. Ihr Herz hämmerte so wild gegen ihre Rippen, dass es schmerzte.

Die gesamte Atmosphäre in diesem Raum fühlte sich falsch an...wie ein Zerrbild der Realität. Kai war immer ihr Anker gewesen, der Ort, an dem sie sich trotz seiner rauen Art sicher gefühlt hatte. Doch nun schien jede Faser seiner Präsenz eine Bedrohung auszustrahlen, die sie nicht greifen konnte. Sie vermisste ihn in diesem Moment schrecklich, obwohl er nur wenige Meter von ihr entfernt stand. Er war physisch da, und doch hatte sie sich ihm noch nie ferner gefühlt.

Nun wandte er sich endlich um und sah sie an. Doch der Blick, der sie traf, brachte keine Erlösung. Es war nicht das vertraute, brennende Rot voller unterdrückter Leidenschaft oder kühler Berechnung. Dieser Blick war leer. Ein bodenloser Abgrund aus Kälte, der keine menschliche Regung mehr zuzulassen schien.

„Irgendwie verstehe ich tatsächlich, wieso er dich gewählt hat... wieso er dir so verfallen ist...“, sagte er leise, fast wie zu sich selbst. Dann begann er, in langsamen, gemessenen Schritten auf sie zuzukommen.

Getrieben von einem puren, animalischen Instinkt, wich Nami zurück. Jeder ihrer Schritte war eine Fluchtreaktion. „Huh? Wer hat mich gewählt? Verfallen...? Was zum...“

Er kam immer näher, drängte sie unaufhaltsam in den Schatten der hohen Regale. „Hör auf... bitte hör auf und sei bitte wieder du selbst... das ist nicht witzig!“, flehte sie, während ihre Stimme fast wegbrach.

Plötzlich spürte sie das harte Holz eines alten Bücherregals in ihrem Rücken. Sie war gefangen. Dieser Kai blieb nur wenige Zentimeter vor ihr stehen, so nah, dass sie seinen Atem auf ihrer Haut spüren konnte, doch er roch nicht nach ihm...es fehlte die vertraute Note von Zedernholz.

„Aber ich bin doch ich selbst. Ich war nie anders...“, flüsterte er.

Dann verzog sich sein Gesicht. Es war kein Lächeln, das die Augen erreichte, sondern ein verzerrtes, böses Grinsen, das eine unmaskierte Boshaftigkeit offenbarte. Es war ein Ausdruck, den der echte Kai niemals zeigen würde. Nami fühlte, wie ihr das Blut in den Adern gefriert, als er den Satz beendete:

„... ich bin einfach nur nicht der, für den du mich hältst...“

Der Horror breitete sich wie giftiges Eis in Namis Venen aus. Sie wollte schreien, wollte die Arme schützend vor sich reißen, doch ihr Körper gehorchte ihr nicht mehr. Als die Augen des Mannes vor ihr...die Augen, die sie so sehr liebte...in ein bodenloses, unnatürliches Pechschwarz umschlugen, schnürte es ihr die Kehle zu.

Eine unsichtbare, erdrückende Last legte sich auf ihre Glieder. Es war keine physische Fessel, sondern eine energetische Dominanz, die so absolut war, dass Nami wie eine Statue gegen das kühle Holz des Regals gepresst wurde. Ihr Blick war starr auf diese schwarzen Abgründe fixiert; eine fremde Macht zwang sie dazu, den Anblick ihres eigenen Untergangs zu ertragen.

~Verdammt... was passiert hier? Ich kann mich nicht bewegen. Das ist nicht Kai!~ Die Erkenntnis hämmerte gegen ihre Schläfen, doch die Wahrheit war schlimmer als jeder Albtraum.

Der Klon hob langsam den Arm und stützte ihn direkt neben ihrem Kopf am Regal ab, wodurch er sie komplett einengte. Sein Gesicht schob sich so nah an ihres, dass sich ihre Nasenspitzen fast berührten. Nami bebte innerlich vor Todesangst, doch äußerlich blieb sie starr, gefangen in der Lähmung.

„So, so, in dir hat er sich also versteckt“, murmelte er mit einer Stimme, die wie das Echo aus einem Grab klang. „Ein wenig schade um dich ist es schon. Hätte ich mehr Zeit, hätte ich mich sicher noch ein wenig amüsiert...“ Er hauchte ihr diese letzten Worte direkt ins Ohr, und Nami fühlte, wie sich jede einzelne Pore ihrer Haut vor Abscheu zusammenzog.

Dann geschah etwas Seltsames. Das Schwarz in seinen Augen flackerte. Für den Bruchteil einer Sekunde schimmerte das vertraute, brennende Rot des echten Kai durch...ein verzweifelter Funke, als würde die gefesselte Seele im Inneren dieses Monsters gegen den spinalen Chip und die Programmierung ankämpfen. War es eine Halluzination ihrer verzweifelten Sinne, oder gab es dort drin noch einen Rest Menschlichkeit, der sie warnen wollte?

„Aber... da wir sicher bald Besuch bekommen, mache ich lieber schnell...“, fuhr die Kreatur fort, und das Schwarz stabilisierte sich wieder.

Nami kämpfte gegen die unsichtbare Knebelung ihrer Stimmbänder. Mit schierer Willenskraft versuchte sie, den Bann zu brechen. Der falsche Kai bemerkte ihr Bemühen und schnippste lässig mit den Fingern. Ein kurzer Ruck ging durch ihren Hals; der Druck wich gerade weit genug zurück, um ihr das Sprechen zu erlauben.

„Du willst was sagen? Ich höre...“, spottete er.

„W-was willst du? Mein Bit-Beast?“, presste sie hervor, während ihre Gedanken verzweifelt nach innen schrien. ~Wieso hilfst du mir nicht, Pegasus?! Wo bist du?~ Doch in ihrem Inneren blieb es totenstill, als wäre die Verbindung gekappt worden.

Der Klon grinste erneut, und diesmal entblößte er seine Zähne auf eine Weise, die jede Ähnlichkeit mit dem echten Kai zunichtemachte. Es war die Mimik eines Raubtiers, das seine Beute bereits zwischen den Fängen spürte.

„Ich will nicht nur dein Bit-Beast...“, flüsterte er, während seine Lippen erneut gefährlich nah an ihr Ohr wanderten. Die Kälte, die von ihm ausging, war nun fast physisch greifbar.

„Du armes kleines Ding... dich will ich auch. Da du mit ihm verschmolzen bist, bleibt mir nichts anderes übrig, als deine komplette Seele aus dir herauszusaugen. Anders ist es leider nicht möglich. Alles hat eben seine Vor- und Nachteile...“

Nami schloss die Augen, während eine Träne über ihre Wange rollte. Die Endgültigkeit seiner Worte ließ keinen Raum für Hoffnung. Sie war nicht nur in der Falle eines Klons...sie sollte als Gefäß für ein Experiment enden, das ihre Existenz komplett auslöschen würde.

Heiße Tränen rannen ihre Wangen hinab und hinterließen brennende Spuren auf ihrer Haut. Das Gefühl der Ohnmacht war erdrückend. War dies wirklich das Ende? Sollte ihre Geschichte in diesem dunklen, verstaubten Saal voller Bücher enden, die nun wie Grabsteine auf sie herabblickten?

„Wer bist du?! Sag mir, wer du bist! Bitte, sag es mir!“, presste Nami hervor. Ihre Stimme zitterte, doch sie zwang sich dazu, weiterzusprechen, jede Sekunde nutzend, die sie herausschinden konnte. „Wenn du nicht Kai bist... wer bist du dann?“

Ein tiefes, amüsiertes Schmunzeln entwich ihm. „Mh, ich...bin...Kai. Nur eben eine etwas andere Version. Eine Version, die dich niemals kennengelernt hat und deswegen auch keinerlei Erinnerungen oder Emotionen dir gegenüber besitzt.“ Er sprach mit einer erschreckenden Sachlichkeit über seine eigene Existenz. „Ich bin aus dem Genmaterial deines Liebsten erschaffen worden. Ein perfektes genetisches Abbild...“

„Du bist ein Klon?!“, stieß Nami aus, während der blanke Horror in ihrem Verstand Gestalt annahm.

Er schien belustigt von ihrem Mut, die Wahrheit so direkt auszusprechen. Ein schmales, freudloses Lächeln legte sich auf seine Lippen. „Ganz genau...“

„Aber... Kai wäre niemals so böse...“, stammelte sie, den Blick verzweifelt in seinen Zügen verankert, die so vertraut und doch so fremd waren.

Er leckte sich langsam über die Lippen und schüttelte fast schon mitleidig den Kopf. „Nein, das ist auch tatsächlich eines der Probleme, die gelöst werden mussten. Deshalb wurde ich dazu befehligt, seine Emotionen und Handlungen zu steuern... ob er das nun will oder nicht...“ Wieder zuckte dieses pechschwarze Flackern durch seine Iris, ein Kampf zweier Mächte, der tief in seinem Inneren tobte.

„Aber... wenn du jemand anderes bist... jemand, der ihn böse macht... wer bist du dann?“, fragte sie weiter, während sie versuchte, die Panik in ihrem Brustkorb niederzukämpfen.

„Du bist ganz schön neugierig, weißt du das?“ Mit einer blitzschnellen Bewegung ließ er seinen zweiten Arm neben Namis Kopf gegen das Regal schnellen. Das dumpfe Krachen des Holzes ließ sie heftig zusammenzucken. Er baute sich wie eine Mauer vor ihr auf. „Ich bin eine Mischung aus Black Dranzer und Kai Hiwatari. Man kann nicht sagen, wer von uns mehr präsent ist. Ich bin der Spieler... er ist die Marionette... es ist kompliziert.“

Er beugte sich noch ein Stück weiter vor, sein Blick bohrte sich in ihren. „Was ich dir sagen kann, ist, dass ich spüre, wie er dich gerade jetzt, in diesem Moment, begehrt. Und das, obwohl er nie das mit dir erlebt hat, was der originale Kai mit dir teilen durfte. Wahrscheinlich liegt es daran, dass wir dich monatelang beobachtet haben und er einen kleinen Narren an dir gefressen hat... oder an dieser seltsamen Aura, die du ausstrahlst und die beinahe wie ein Magnet wirkt.“

Nami erstarrte, als sie seinen Atem auf ihrer Haut spürte. Dann leckte er ihr langsam und mit einer provokanten Ruhe über die Wange. Die absolute, ekelhafte Grausamkeit dieses Moments war kaum zu ertragen. Es war eine Schändung der Intimität, die sie mit dem echten Kai teilte...eine perverse Machtdemonstration, die sie bis ins Mark erschütterte. Sie war für ihn kein Mensch, nur eine Energiequelle, ein Spielzeug in den Klauen eines Monsters, das Kais Gesicht als Maske trug.

„Sehr schlau, mich so hinzuhalten...“, raunte er, und seine Stimme klang nun wie das Scharren von Metall auf Stein. „Ich würde sagen, wir tun dem inneren Begehren einen Gefallen und bringen es zu Ende. Wenn ich deine Seele inklusive Pegasus endlich in mich aufgenommen habe, werde ich die komplette und konstante Kontrolle über diesen Körper und seinen Geist erhalten... und das ohne Umkehr.“

Nami spürte, wie die Dunkelheit in seinen Augen sie regelrecht aufzusaugen begann. Trotz der lähmenden Starre mobilisierte sie jeden Funken ihres Willens, ihre Stimme zu erheben. „Kai, wenn du da drin bist! Kämpfe dagegen an! Du bist stärker als...“

Ein trockenes Schnippen seiner Finger schnitt ihr das Wort ab. Die unsichtbare Fessel legte sich wieder wie Blei über ihre Zunge. „Es war ein Fehler, dir das Reden zu erlauben...“, stellte er emotionslos fest.

Dann senkte er den Kopf. Als seine Lippen die ihren berührten, war es kein Kuss, sondern ein räuberischer Akt der Zerstörung. Nami riss die Augen weit auf, ein stummer Schrei der Qual in ihrem Blick. Er ließ seine Arme von dem Regal hinabgleiten und packte sie hart an den Schultern, um sie an sich zu pressen.

Sekunden später begann die Welt um sie herum zu verblassen. Ein Gefühl von unendlicher Müdigkeit überflutete sie, während ihr Blick langsam erschlaffte. Es war, als würde ein unsichtbarer Sog jede Faser ihrer Lebenskraft, jede Erinnerung und jeden Funken ihrer Seele aus ihr herausreißen. Im wahrsten Sinne des Wortes spürte sie, wie sie innerlich leer wurde. Nur das Wissen, dass dieses Monster nicht ihr Kai war, bewahrte ihren Geist davor, in diesem Moment endgültig zu zerbrechen, bevor die Erschöpfung sie übermannte.

Doch plötzlich durchschnitt ein fremdes Geräusch den dumpfen Rhythmus ihres schwindenden Herzschlags. In der Ferne hörte sie ein lautes Hämmern, das Bersten von Holz und ein wütendes Poltern. Mit letzter Kraft ließ sie ihren Blick zur Seite schweifen. Schemenhaft erkannte sie die großen Flügeltüren, in die nun mit brutaler Gewalt eine Axt getrieben wurde.

Splitter flogen, und ein kräftiger Arm schob sich durch das aufgeschlagene Loch, tastete blind, aber zielgerichtet nach dem Schlüssel. Ein metallisches Klicken hallte durch den Raum, als das Schloss nachgab.

Ehe ihre Sicht endgültig in vollkommene Dunkelheit versank, sah sie ihn. Ihren Retter. Den wahren Kai, der mit einer rasenden, fast schon übermenschlichen Wut in den Augen und der schweren Axt in der Hand in den Saal stürmte. Es war das letzte Bild, das ihr Bewusstsein registrierte, bevor ihre Knie nachgaben.

Sie sah nicht mehr, wie der Klon von ihr abließ und wie sich Kais flammende Wut innerhalb eines Herzschlags in ein zerreißendes, fassungsloses Entsetzen verwandelte. Kai sah mit geweiteten Augen zu, wie Nami...das Licht aus ihrem Blick gewichen, die Haut fahl wie Pergament...leblos in sich zusammensank und schlaff auf den harten Boden der Bibliothek aufschlug. Ein Schrei blieb ihm im Hals stecken, während die Welt um ihn herum für einen Moment in schrecklichem Schweigen erstarrte.

„Du bist leider zu spät ...“

Die Stimme des Klons war eine kalte Verhöhnung alles Menschlichen. Mit einer beiläufigen, fast tänzerischen Bewegung stieg er über Namis Körper hinweg, als wäre sie nicht mehr als ein Hindernis auf seinem Weg. Kai starrte auf sie hinunter; sein Herz setzte für einen Schlag aus, bis er das flache, quälend schwere Heben ihrer Brust sah. Sie lebte, doch sie wirkte wie eine ausgehöhlte Hülle.

Der Klon grinste triumphierend und genoss das Entsetzen in Kais Gesicht. „Ich hab mich schon gefragt, wann du hier auftauchst ...“

Er hob einen Finger und fuhr sich damit langsam, fast andächtig über die eigenen Lippen, während sein Blick provokant auf Kai ruhte. „Süß. Ihre Lippen schmecken wirklich süß. Ein perfektes genetisches Match, würde ich sagen... hach, das fühlt sich gut an...“ Er streckte sich genüsslich, während das Schwarz in seinen Augen vor purer Bösartigkeit zu vibrieren schien.

Doch die Genugtuung währte nur kurz. Ein schneidendes Surren durchschnitt die Luft der Bibliothek. Mit einem metallischen Kreischen prallte ein Objekt gegen die massiven Wände, sprühte Funken am Mahagoni der Regale und raste schließlich in die Mitte des Raumes, wo es wie ein glühendes Zentrum aus blauer Energie rotierte.

Kais Dranzer. Er hatte den Blade bereits abgeschossen, noch bevor er die Trümmer der Tür durchschritten hatte. Das blaue Metall funkelte gefährlich im Dämmerlicht.

„Du Monster!“, grollte Kai, und seine Stimme klang wie ein herannahendes Gewitter. „Du gibst dich für mich aus und verletzt das Mädchen, das ich liebe! Du hattest doch nicht wirklich geglaubt, dass ich allein hierherkomme ...“

Mit einem lauten KLONK warf er die schwere Axt neben sich auf das Parkett. Ein dumpfes, endgültiges Geräusch. Er wollte kein Blutbad anrichten...er wollte Gerechtigkeit, und er wusste, dass Stahl gegen dieses Wesen nicht ausreichen würde.

Kais Worte schienen wie ein elektrischer Schlag durch den Körper des Doppelgängers zu fahren. Der Klon zuckte zusammen, ein kurzes Aufblitzen von Unsicherheit in den schwarzen Augen, das er sofort mit einem hohlen Lachen zu überspielen suchte. Diese Worte von Liebe...sie kamen unüberlegt und doch sprach Kai sie aus....

„Haha, was willst du tun... mir... arrrgh! Was ist denn jetzt los?!“

Plötzlich riss der Klon die Hände hoch und krallte seine Finger in sein eigenes Haar. Er schrie auf, ein markerschütternder Laut, der zwischen Kais Bariton und einem unnatürlichen Kreischen schwankte. „Geh weg! Ich hab hier das Sagen!“, brüllte er gegen eine unsichtbare Präsenz in seinem eigenen Verstand.

Kai beobachtete fassungslos, wie sich das Gesicht seines Ebenbildes in einer grotesken Qual verzerrte. Es war ein Kampf, der unter der Haut stattfand.

„KAI ...“, presste der Doppelgänger hervor, doch der Tonfall war plötzlich anders...verzweifelt, menschlich, fast flehend. „Du musst ihn zerstören... den... den Chip! Zerstöre ihn... dann... kann ich... Black Dranzer... kontro...“

„SEI STILL!“, unterbrach ihn die dunkle Seite mit einer Wucht, die den Körper des Klons fast zu Boden zwang.

In diesem künstlichen Gefäß tobte ein Krieg zweier Seelen. Kai starrte auf das verzerrte Abbild seiner selbst und plötzlich traf ihn die Erkenntnis wie ein Blitzschlag. Die Worte dieses alten Wladimir, die Akten, die Warnungen...alles ergab nun einen Sinn. Er wusste genau, was die unterdrückte Seite ihm sagen wollte. Der Chip im Nacken war die Leine, an der Black Dranzer diese Marionette führte. Wenn er Nami retten wollte, musste er das Instrument der Kontrolle vernichten....doch Black Dranzer dachte nicht einmal daran, Kai zum Zug kommen zu lassen...

Das metallische, peitschende Geräusch des gegnerischen Starters durchschnitt die schwere Luft der Bibliothek wie ein Peitschenknall. Kai hatte keine Zeit zu reagieren. Bevor er überhaupt begreifen konnte, was geschehen war, explodierte ein brennender, unvorstellbarer Schmerz in seiner Körpermitte.

Ein Keuchen entwich seinen Lippen, und die Welt um ihn herum begann gefährlich zu schwanken. Er versuchte, einen Schritt nach vorn zu machen, doch seine Beine fühlten sich plötzlich wie Blei an. Als er an sich hinabsahen, weitete sich sein Blick vor Entsetzen: Ein tiefes, dunkles Rot breitete sich mit erschreckender Geschwindigkeit auf seiner Kleidung aus und rann in dicken Strömen auf das helle Parkett.

~W-was... was war das?~

Mühsam drehte er den Kopf. Hinter ihm, tief im massiven Holz der zertrümmerten Tür, steckte ein pechschwarzer Blade, der noch immer bedrohlich vibrierte. Er war blutverschmiert. Die Erkenntnis traf ihn mit der Härte eines Schlages: Das Ding war mit einer solchen magischen Wucht und Geschwindigkeit abgefeuert worden, dass es seinen Körper einfach durchschlagen hatte.

Kai sank schwerfällig auf ein Knie. Die Welt wurde an den Rändern schwarz, ein untrügliches Zeichen für den immensen Blutverlust. Er presste die Hand auf die faustgroße Wunde an seinem Bauch, doch das Blut quoll unaufhaltsam zwischen seinen Fingern hervor. Mit der anderen Hand tastete er blind in die Luft, die Finger zitternd in Richtung Nami gestreckt. Sie lag dort so friedlich, so leblos, nur wenige Meter hinter dem Monster, das sein Gesicht trug.

Der Klon stand nun wieder vollkommen aufrecht. Das interne Ringen schien unterdrückt, sein Blick war wieder starr und hämisch. Er sah auf den blutenden, sterbenden Kai hinab wie auf ein lästiges Insekt.

„Da sterben die zwei Liebenden gemeinsam“, spottete er, und seine Stimme triefte vor Verachtung. „Was für ein lyrisches Ende...“

Kai spürte, wie das Leben aus ihm wich. Die Kälte kroch in seine Glieder, doch in seinem Inneren loderte ein letzter Funke puren Überlebenswillens...nicht für sich, sondern für sie. Er schloss die Augen und sandte einen verzweifelten, mentalen Schrei an den blau leuchtenden Kreisel, der noch immer im Raum rotierte.

~Dranzer... wenn du mich hörst. Bitte... zerstöre den Chip in seinem Nacken...~

„DRANZER! BLAZING GIG!!!“, brüllte er mit der letzten Kraft seiner Lungen. Der Schrei endete in einem heftigen Husten, und ein Schwall aus Blut besudelte den Boden vor ihm.

Dranzer reagierte augenblicklich. Wie ein funkelnder Komet aus azurblauem Feuer nahm der Blade Fahrt auf. Er raste nicht direkt auf den Gegner zu, sondern nutzte die Wände der Bibliothek als Katapult, prallte mit ohrenbetäubendem Lärm ab und gewann bei jedem Kontakt an zerstörerischer Geschwindigkeit. Der Klon wirbelte herum, die Augen weit aufgerissen vor Verwirrung, doch er war zu langsam. Mit der Präzision eines Falken stieß Dranzer aus der Luft herab...direkt auf die ungeschützte Stelle im Nacken des Feindes.

Ein markerschütterndes Knistern von Elektrizität und berstender Hardware erfüllte den Raum, als Dranzers Spitze den Chip im Nacken des Klons zerschmetterte.

„ARRRGHHH!“ Ein gellender Schrei entwich der Kehle des Doppelgängers. Er krallte sich in den Nacken, fluchte und wand sich unter den Schockwellen, die durch sein Nervensystem rasten, bis er schließlich schwerfällig auf die Knie sank.

Als er den Kopf wieder hob, war das unnatürliche Schwarz aus seinen Augen gewichen. Er atmete schnell, stoßweise, und sein Blick huschte entsetzt umher. Es waren die Augen des Kais, der monatelang in der Finsternis seines eigenen Geistes eingesperrt gewesen war, unterdrückt von der kalten Logik Black Dranzers.

„Ich hab ihn...er wird nie wieder jemandem etwas tun!...“, murmelte er heiser, doch seine Stimme erstarb augenblicklich, als er Nami sah. Sie lag direkt zu seinen Füßen...eine zerbrechliche, leblose Gestalt auf dem harten Parkett.

Sein Blick wanderte weiter und blieb an dem echten Kai hängen. Er lag in einer erschreckend großen, dunklen Blutlache. Die Augen waren leer und starr auf die Decke gerichtet. ~Der steht nicht mehr auf ...~, dachte der Klon mit bleierner Gewissheit.

Doch als er sich über Nami beugte, bemerkte er ein hauchzartes Heben ihrer Brust. Ein Zittern ging durch seine Hände.

~Sie...lebt noch?!~

Hektisch schob er seinen Arm unter ihren Rücken und hievte sie auf seinen Schoß. Ihre Augen waren halb geöffnet, getrübt und ohne Fokus. Ohne zu zögern, getrieben von einem instinktiven Funken der Reue und der Energie, die er ihr zuvor geraubt hatte, senkte er sein Gesicht und küsste sie tief. Es war ein verzweifelter Versuch der Rückgabe.

Langsam, wie ein Funke, der im Nebel entzündet wird, kehrte das Licht in Namis Augen zurück. Ein schwaches Lächeln stahl sich auf ihre Lippen, und in ihrem noch benebelten Zustand fiel sie dem Klon um den Hals. Doch dieser löste die Umarmung sofort und schüttelte fast schon schmerzverzerrt den Kopf.

„Es tut mir leid ...“, flüsterte er.

„Huh?“ Nami blinzelte, die Klarheit kehrte vollständig zurück...und mit ihr das Grauen. Sie drehte den Kopf zur Seite und sah den Körper am Boden. Ein gellender Schrei, geboren aus reinem, unverarbeitetem Schmerz, durchschnitt die Stille der Bibliothek. Sie schlug sich die Hände vor den Mund, Tränen schossen ihr in die Augen, und sie stürzte auf Kai zu.

Alles war voller Blut. Kai war bereits leichenblass, seine Haut fühlte sich kühl an, und seine Brust bewegte sich nicht mehr. Mit einer Kraft, die ihr nur die pure Verzweiflung leihen konnte, hievte sie seinen schweren Oberkörper auf ihren Schoß.

„Bitte hilf ihm! HILF IHM!“, schrie sie und starrte flehend zu dem Klon auf, der wie eine steinerne Statue des Unglücks dastand. Er schüttelte langsam den Kopf, die Züge voller Trauer.

„Es tut mir leid... aber er ist tot...“

Nami brach über Kais Körper zusammen, ihre Finger krallten sich in sein blutdurchtränktes Shirt. „Ich liebe ihn...ich liebe ihn so sehr! Ich kann doch nicht ohne ihn weiterleben! Das geht doch nicht... wir hatten doch noch so viel Zeit!“

Der Klon beobachtete sie schweigend. Es war eine surreale Erfahrung, dieses Mädchen dabei zu beobachten, wie sie um das Leben seines Originals kämpfte. Er erinnerte sich an die Dunkelheit, in denen er die vorigen Worte des echten Kais wie Echos gehört hatte...Worte voller Liebe und Aufopferung, die er selber... nicht verstanden hatte. Diese Worte waren es gewesen, die ihm die Kraft gegeben hatte, gegen Black Dranzer aufzubegehren.

„DRANZER! DRANZER, ICH BITTE DICH! ER BRAUCHT DICH! BITTE HILF IHM, ICH FLEHE DICH AN!“, gellte Namis Stimme durch den Saal.

Zu seiner Überraschung sah der Klon, dass der blaue Blade immer noch in der Mitte des Raumes rotierte. Er schwankte, das Metall schien zu ächzen, doch er kam nicht zum Stillstand. Dranzer weigerte sich, aufzugeben.

Nami vergrub ihr Gesicht an Kais Hals und wimmerte ein letztes Mal gegen die Stille des Todes an: „Ich... bitte dich, Dranzer...“

Die Stille in der Bibliothek wurde plötzlich von einem unnatürlichen, tiefen Grollen abgelöst, das nicht von dieser Welt zu stammen schien. Nami hielt noch immer den leblosen Körper ihres Geliebten in den Armen, als das Unmögliche geschah.

Zuerst war es nur ein leises Flimmern, dann geschah es mit einer Geschwindigkeit, die jedem Naturgesetz spottete: Das dunkle, zähflüssige Blut, das den Boden der Bibliothek getränkt und Namis Hände dunkelrot gefärbt hatte, begann zu zittern. Wie von einem unsichtbaren Magneten angezogen, floss es in feinen, präzisen Bahnen über das Parkett zurück...weg von den Rissen im Holz, direkt auf Kais Körper zu.

„Nami, sieh nur!“, rief der Klon mit einer Stimme, in der nun echtes, menschliches Staunen mitschwang.

Nami schreckte hoch. Für einen winzigen Sekundenbruchteil hatte sie vergessen, dass die Stimme, die sie dort hörte, nicht die ihres Kais war, sondern die des geläuterten Doppelgängers. Doch als sie den Blick senkte, blieb ihr der Atem weg.

Aus dem blau funkelnden Dranzer, der sich noch immer mit letzter Kraft im Zentrum des Raumes drehte, stieg ein dichter, rubinroter Rauch empor. Er wirbelte durch die Luft, roch intensiv nach brennendem Feuer, uralter Macht und dem metallischen Duft von Sieg. Dieser Nebel war nicht flüchtig; er wirkte lebendig. Wie eine glühende Schlange wand er sich in die Höhe, suchte sein Ziel und floss dann in einem stetigen, warmen Strom direkt hinab in Kais leicht geöffneten Mund.

Mit weit aufgerissenen, verweinten Augen beobachtete Nami das Schauspiel. Sie sah zu, wie der letzte Tropfen Blut von ihrer eigenen Haut abgesaugt wurde und durch die Kleidung hindurch zurück in Kais Körper verschwand.

Die tödliche Blässe, die Kais Gesicht in eine Maske aus Marmor verwandelt hatte, wich mit jedem Herzschlag seinem gewohnten, lebendigen Teint. Ein plötzlicher, tiefer Atemzug erschütterte seinen Brustkorb...ein kurzes, heftiges Keuchen, als würde seine Seele mit Gewalt in die irdische Hülle zurückgepresst.

Und dann geschah das größte Wunder: Die faustgroße, zerfetzte Wunde in seinem Torso, die eben noch sein Ende besiegelt hatte, begann sich zu schließen. Das Fleisch webte sich vor Namis Augen zusammen, die Haut glättete sich und die Ränder der Verletzung verblassten innerhalb von Sekunden. Es blieb keine Narbe, kein Kratzer...es war, als hätte der schwarze Blade von Black Dranzer niemals seinen Körper durchschlagen.

Nami spürte, wie die Kälte in seinen Gliedern der vertrauten, inneren Hitze wich, die Kai seit jeher umgab. Er war zurück.