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Dranzers Angebot

Der Gezähmte Phönix — www.fanfiktion.de · All chapters

Dranzers Angebot

Kai blinzelte gegen ein Licht an, das nicht von einer Sonne zu stammen schien. Als er die Augen vollständig öffnete, raubte ihm der Anblick den Atem: Unter ihm erstreckte sich eine schier endlose, leuchtende Leere. Es gab keinen Horizont, keine Wände, nur eine Sphäre aus sanftem, pulsierendem Licht, auf der er zu schweben schien, als bestünde der Boden aus verfestigtem Schein.

„Das war knapp ...“

Die Stimme war tief, hallend und besaß eine Wärme, die Kai bis in seine Knochen spürte. Sofort waren seine Instinkte hellwach. Er versuchte, sich aufzurichten, und stellte fest, dass der unsichtbare Untergrund ihm tatsächlich Halt bot.

„Wer ist da? Zeig dich!“, rief er in die Unendlichkeit hinaus, seine Hände unwillkürlich zur Abwehr bereit.

„Entspann dich ...“

Aus dem nebligen Gold der Ferne schälte sich eine Silhouette heraus. Mit ruhigen, sicheren Schritten kam eine Gestalt auf ihn zu, die über das Licht wandelte, als wäre es fester Boden. Kai verengte die Augen, während der Fremde näher trat.

Vor ihm stand ein junger Mann, dessen bloße Präsenz die Luft zum Vibrieren brachte. Er besaß eine flüchtige Ähnlichkeit mit Kai, doch sein Haar war von einem tiefen, fast glühenden Dunkelrot, und seine Augen leuchteten wie geschliffene Rubine, in denen ein ewiges Feuer brannte. Sein Gewand war ein Kunstwerk aus fließender, brennender Seide, verziert mit Mustern, die an lodernde Schwingen erinnerten und sich bei jeder Bewegung wie echte Flammen wanden.

Er blieb einige Meter vor Kai stehen und betrachtete ihn mit einem wissenden, fast schon stolzen Grinsen. „Endlich können wir uns mal von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen.“

Kai blieb skeptisch. Er spürte eine Verbindung zu diesem Wesen, eine Vertrautheit, die tiefer ging als alles, was er je gefühlt hatte, und doch blieb sein Verstand auf der Hut. „Wer bist du?“, verlangte er zu wissen.

Der junge Mann lachte leise, ein Geräusch wie das Knistern eines perfekt geschürten Kaminfeuers. „Du weißt die Antwort doch schon. Wieso fragst du dann noch?“

Kai hielt den Atem an. Die Hitze, die von dem Fremden ausging, die Farbe der Augen, die Macht, die diesen Ort erfüllte...es gab nur eine Möglichkeit.

„Dranzer?“

Das Grinsen des jungen Mannes wurde breiter, und für einen Moment meinte Kai, hinter ihm das gewaltige Aufspannen von feurigen Flügeln zu sehen, die den gesamten Raum in ein tiefes Scharlachrot tauchten.

„Hundert Punkte.“

Es war ein surreales, fast schon ehrfurchtgebietendes Gefühl für Kai, Dranzer in dieser menschlichen Gestalt gegenüberzustehen. In seinem Hinterkopf hallten Namis Erzählungen über ihre Begegnung mit Pegasus wider...und nun stand er selbst im Zentrum dieser unmöglichen Erfahrung.

„Was ist das hier?“, fragte Kai schließlich, während er mit einer vagen Handbewegung die endlose, leuchtende Umgebung markierte.

„Dies hier ist die Seelensphäre“, erklärte Dranzer mit einer Stimme, die wie das tiefe Grollen eines ruhig brennenden Feuers klang. „In diesem Bereich bin ich dazu in der Lage, direkt mit dir zu kommunizieren. Es war wirklich knapp, Kai. Beinahe wärst du gestorben... Die Wunde war absolut tödlich.“

Kai stieß ein trockenes Seufzen aus und verschränkte die Arme vor der Brust. „Du kamst ja auch reichlich spät dazu, mich zu retten, oder irre ich mich?“, konterte er kühl. Selbst hier, an der Schwelle zwischen Leben und Tod, verlor er seine scharfe Kante nicht.

Dranzer hob leicht das Kinn. Sein Grinsen flachte angesichts Kais scharfer Bemerkung nicht ab; im Gegenteil, die Arroganz des Bit-Beasts spiegelte exakt die seines Meisters wider. Es war, als würde Kai in einen Spiegel blicken, der seine eigene Unbeugsamkeit in flüssiges Feuer übersetzte.

„Entschuldige, aber Black Dranzer hatte eine magische Barriere erschaffen, die für mich und sogar für Pegasus selbst zunächst undurchdringlich war“, erwiderte das Bit-Beast ruhig. „Ich konnte nur durch den Blade agieren, solange Black Dranzer nicht gebannt war. Sei froh, dass es am Ende doch noch gereicht hat, und mecker gefälligst nicht so rum.“

Nun stahl sich doch ein schmales Grinsen auf Kais Lippen. Es gefiel ihm, dass Dranzer eine eigene, starke Meinung vertrat und einen Charakter besaß, der seinem eigenen so verblüffend ähnlich war. Es gab keine Unterwürfigkeit zwischen ihnen, nur einen gegenseitigen, rauen Respekt.

„Ich danke dir natürlich für die Rettung“, sagte Kai, wobei der Unterton von Ernsthaftigkeit die vorangegangene Spitze ablöste. „Was wohl heißt... ich bin nicht tot?“

Er stellte die Frage vorsichtig, fast misstrauisch gegenüber dem Wunder, das gerade geschehen war. Dranzer trat nun noch einen Schritt näher, bis er kaum einen halben Meter vor ihm zum Stehen kam. Die Hitze, die von dem jungen Mann in den feuerfarbenen Gewändern ausging, war nun fast körperlich spürbar. Sein Blick wurde ernst, doch tief im Rubinglanz seiner Augen lag eine unverhohlene Bewunderung für den Kampfgeist seines Meisters.

„Nein, du bist nicht tot“, antwortete Dranzer leise. „Jedenfalls, noch nicht...“

Ein feines, beinahe raubtierhaftes Amüsieren huschte über Dranzers Züge, als er sah, wie Kais Brauen bei seinen Worten unwillkürlich zuckten. Die Provokation saß, doch der Ernst der Lage blieb wie ein heißes Flimmern in der Luft hängen.

„Aber was nicht ist, kann ja noch werden“, fuhr Dranzer fort, und seine Stimme klang nun tiefer, machtvoller. „Es sei denn, du willigst ein, mit mir zu verschmelzen... die finale, unumkehrbare Bindung einzugehen.“

Kai weitete die Augen. Die Tragweite dieses Angebots traf ihn mit der Wucht einer physischen Welle. Eine Seelenverschmelzung. Er wusste, was das bedeutete... kein Band aus Befehl und Gehorsam mehr, sondern eine Einheit, die über den Tod hinaus Bestand haben würde.

„Warte nicht zu lange mit deiner Antwort“, drängte Dranzer leise. Er trat den letzten entscheidenden Schritt auf Kai zu und bohrte seine rubinroten Augen tief in Kais Blick. „Du kannst nur davon profitieren... glaub mir.“

Kai schluckte schwer. Sein Verstand arbeitete trotz der surrealen Umgebung mit kühler Präzision. „Werde ich mich dadurch verändern?“, fragte er, und seine Stimme hallte fest durch die leuchtende Leere.

Dranzer legte den Kopf leicht schräg. „Deine Physis wird verbessert werden. Du wirst schneller, stärker, ausdauernder sein als jeder gewöhnliche Mensch. Aber...“ Er hielt kurz inne, und ein Funke von ehrlicher Neugier blitzte in seinem Blick auf. „Ich kann die restlichen Effekte nicht voraussagen. Schließlich bist du der erste Mensch, dem ich dieses Angebot mache.“

Ein Wagnis. Ein Sprung in das lodernde Unbekannte. Doch Kai zögerte nicht lange. Er hatte Nami versprochen, bei ihr zu bleiben, und er würde jedes Opfer bringen, um dieses Versprechen zu halten... selbst wenn es bedeutete, seine eigene Menschlichkeit neu zu definieren.

Ohne ein weiteres Wort hob Kai den Arm und streckte seine Hand aus, um dem Handel zuzustimmen. Es war eine Geste der totalen Entschlossenheit.

Dranzer schmunzelte, ein Ausdruck von tiefer Zufriedenheit und triumphierender Verbundenheit. Er ergriff Kais Hand mit einem festen, brennend heißen Griff. In dem Moment, als sich ihre Handflächen berührten, schien die Seelensphäre zu explodieren. Weißes Licht und rotes Feuer verschmolzen zu einem gleißenden Sturm, der alles verschlang.

Ein heftiger, rasselnder Husten erschütterte Kais Lungen, als sein Geist mit der Wucht eines Hammerschlags in die physische Welt zurückkatapultiert wurde. Er keuchte, während er seinen Oberkörper mühsam aufrichtete. Die Umgebung der Bibliothek verschwamm vor seinen Augen, doch das brennende Gefühl in seinem Bauch war verschwunden... geblieben war nur eine seltsame, pulsierende Vitalität, die jede Faser seines Körpers flutete.

Noch bevor er sich orientieren konnte, wurde er fast wieder zu Boden gerissen. Nami warf sich schluchzend und vollkommen aufgelöst um seinen Hals.

„Du lebst! Oh mein Gott, Kai, du lebst!“, presste sie zwischen zwei Schluchzern hervor. Ihre Tränen benetzten seine Haut, während sie sich verzweifelt an ihn klammerte, als hätte sie Angst, er könnte sich bei der kleinsten Berührung wieder in Luft auflösen.

Kai zögerte keine Sekunde. Er schlang seine Arme fest um sie und drückte sie an sich, dankbar für die Wärme ihres Körpers und das vertraute Pochen ihres Herzens. „So schnell wird man mich nicht los...“, murmelte er rau und strich ihr sanft über das lange, silbrig-weiße Haar. Seine Berührung war frei von jeder Kälte; sie war erfüllt von einer tiefen, ungefilterten Zuneigung, die Nami wie ein schützender Kokon umgab.

Doch der Frieden war nur von kurzer Dauer. Kais Blick wurde schlagartig ernst und wanderte über Namis Schulter hinweg zu dem Mann, der sein eigenes Gesicht trug. Der Klon stand einige Meter entfernt, die Haltung starr, beinahe ungerührt... doch Kai sah das leichte Zittern in seinen Händen.

„Was hat das zu bedeuten?“, forderte Kai eine Erklärung, seine Stimme war nun wieder fest und gebieterisch.

Der Doppelgänger schloss für einen Moment die Augen und verschränkte die Arme vor der Brust. Es wirkte, als koste es ihn enorme Überwindung, seinem Original gegenüberzutreten. „Black Dranzer ist unter Kontrolle“, antwortete er schließlich, ohne Kai anzusehen. „Ich habe ihn tief in meinem Unterbewusstsein eingeschlossen. Er wird niemandem mehr etwas tun...“

Er zögerte, die Lider wieder zu heben.

„Und was ist, wenn er die Kontrolle zurückerlangt? Was dann?“, hakte Kai nach.

Nun öffnete der Klon doch die Augen. Sein Blick war kühl und scharf, erfüllt von einer rationalen Distanz, die Kai nur zu gut kannte. „Das kann er gar nicht. Er konnte die Macht nur übernehmen, weil mein Nervensystem durch diesen Chip manipuliert wurde. Was Balkov nie begriffen hat, ist ein grundlegendes Gesetz: Man kann eine Seelenverschmelzung mit einem Bit-Beast nicht erzwingen. Die primäre Seele muss dem Bund aus freiem Willen zustimmen...“

Ein schwaches, fast wehmütiges Schmunzeln legte sich auf die Lippen des Falschen Kai. „Da ich das nie getan habe, blieb die Verschmelzung instabil und unvollständig. Balkov hielt das für einen Fehler meiner Kopie-Existenz... und Black Dranzer war zu arrogant, um den Makel zu erkennen, geschweige denn Balkov davon zu berichten.“

Kai hörte schweigend zu. Es überraschte ihn nicht, dass sein künstliches Ebenbild über dieses Wissen verfügte, doch viele dieser Informationen waren selbst für ihn neu. Er dachte an das glühende Versprechen, das er Dranzer gerade erst in der Seelensphäre gegeben hatte.

„Aber... Nami hatte damals auch nicht zugestimmt“, warf Kai ein, während er spürte, wie Nami in seinen Armen leicht zusammenzuckte.

Der Klon nickte kaum merklich. „Das war eine Ausnahme. Die Seele eines Babys ist noch ein offener Kelch, ohne Bewusstsein für das eigene Selbst. Sie bietet keinen Widerstand. Du hingegen... du bist das ältere, abgeschlossene Gefäß. Dein Wille ist eine Festung. Ohne deinen Konsens bleibt jede Verschmelzung nur eine brüchige Illusion.“

Nami hob langsam den Kopf, während sie sich immer noch an den echten Kai klammerte. Es war eine surreale, fast schwindelerregende Erfahrung: Die Stimme, die sie so liebte, hallte doppelt durch den Raum. Wenn sie die Augen schloss, konnte sie nicht unterscheiden, wer sprach. Es war, als würde Kai ein Zwiegespräch mit seinem eigenen Echo führen.

Sie blinzelte und fixierte den Mann, der einige Meter entfernt stand. Es war beunruhigend. Dort vorne stand eine Version von Kai, dessen Blick nun wieder diese gewohnte, undurchdringliche Tiefe besaß... die schneidende, bösartige Kälte war verschwunden. Jede Nuance seiner Haltung, das Spiel der Muskeln in seinem Gesicht, die Art, wie er dastand... alles war eine perfekte Kopie des Mannes, dessen Herz sie gerade unter ihrer Hand schlagen spürte.

„Wieso... weißt du davon?“, fragte Nami mit brüchiger Stimme.

„Davon, dass mir das als Baby passierte?“

Der Klon richtete seinen Blick auf sie. Sein Ausdruck war rein analytisch, fast schon klinisch fasziniert, als wäre sie ein hochinteressantes Rätsel, das er endlich gelöst hatte. „Ich hörte die Gerüchte aus der Welt der Bit-Beasts, mit der Black Dranzer verbunden ist“, erklärte er ruhig. „Als er davon erfuhr, begriff er sofort, dass du der Schlüssel für seine endgültige Kontrolle über mich sein musstest. Er wollte die fehlende Zustimmung zur Verschmelzung wohl durch deine geraubte Energie erzwingen.“

Er hielt kurz inne und ein Schatten von Verachtung für das Wesen in seinem Inneren huschte über sein Gesicht. „Da er bei der Extraktion gestört wurde, blieb ein kleiner Teil deiner Seele in deinem Körper zurück. Das war dein Glück; es hat dich kurzzeitig am Leben erhalten. Dieses Viech war in seiner Gier so blind, dass es das nicht einmal bemerkt hat.“

Der falsche Kai fuhr sich mit einer fahrigen Bewegung durch das dichte Haar... eine Geste, die so typisch für Kai war, dass es Nami erneut schauderte. „Ich wusste nicht, ob es funktionieren würde, als ich versuchte, dir den Rest deiner Seele zurückzugeben“, gestand er. Sein Blick verweilte einen Moment zu lang auf Nami, und der echte Kai spürte ein unwillkürliches Knurren in seiner Brust aufsteigen. Ihm gefiel die Art nicht, wie sein Ebenbild sie ansah... mit einer Mischung aus Reue und einer seltsamen, tiefen Anerkennung.

„... aber es hat glücklicherweise funktioniert“, schloss der Klon.

Nami nickte schwach. Die emotionale Erschöpfung lastete schwer auf ihren Schultern; sie fühlte sich, als wäre sie durch einen Hurrikan gegangen und erst jetzt wieder festem Boden unter den Füßen begegnet. „Dafür danke ich dir... wirklich“, brachte sie hervor. Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, gezeichnet von den Tränen und dem unfassbaren Grauen der letzten Stunde.

Kai spürte, wie Nami in seinem Arm zitterte, und zog sie noch ein Stück enger an sich. Er sah sein Spiegelbild an, und in diesem Moment gab es kein Wort, das den bizarren Bund zwischen Schöpfer, Kopie und dem gemeinsamen Feind hätte beschreiben können.

Der Klon schwieg zu Namis Dank. Er stand da wie eine Statue aus Reue und unterdrückter Bewunderung. In seinem Inneren tobte ein Sturm, den er mühsam hinter der gewohnten Hiwatari-Maske verbarg. Emotional befand er sich an jenem Punkt, an dem der echte Kai vor einem halben Jahr gestanden hatte... an der Schwelle zu der schmerzhaften Erkenntnis, dass er kein unbezwingbares Monument aus Eis war, sondern ein Mensch, der fähig war, für jemanden zu brennen.

Er wandte sich Kai zu, sein Blick forschend. „Du hingegen hast einer Verschmelzung ja offensichtlich zugestimmt. Wie war er so? Wie war Dranzer, als du ihm in der Seelensphäre gegenüberstandest?“

Nami versteifte sich an Kais Seite. Die Puzzleteile fügten sich in ihrem Kopf mit erschreckender Klarheit zusammen. Sie blickte zu Kai auf, ihre Augen suchten Bestätigung. „Du... bist also mit Dranzer verschmolzen?“ Die Heilung, die zurückgekehrte Vitalität...das war kein bloßes Geschenk des Schicksals gewesen. Es war der Preis und die Belohnung einer endgültigen, seelischen Einheit.

„Er war etwas frech“, antwortete Kai, und ein Hauch von jenem arroganten Amüsement schwang in seiner Stimme mit, das er gerade erst in der Sphäre geteilt hatte. „Aber eigentlich... hatte ich mir seinen Charakter ganz genau so vorgestellt.“

Der Klon schmunzelte, ein seltenes, fast menschliches Zeichen der Übereinkunft. „Sehr gut. Dann ist er wohl tatsächlich so, wie ich dachte...“

Kai schob Nami sanft zur Seite und erhob sich. Die Leichtigkeit, mit der er aufstand, war berauschend. Er fühlte sich nicht nur geheilt; er fühlte sich neugeboren, durchströmt von einer Hitze, die tief in seinem Kern loderte. Er betrachtete sein zerrissenes Shirt... die Löcher im Stoff zeugten von dem tödlichen Durchschuss, doch die Haut darunter war makellos. Selbst das Blut war verschwunden.

Er bemerkte Namis fassungslosen Blick, trat einen Schritt auf sie zu und zog sie fest an der Taille gegen sich. Er küsste sie mit einer Intensität, die all seinen Schmerz und seine Erleichterung in sich trug. „Ich dachte kurz, ich hätte dich verloren... meine Welt ist fast zusammengebrochen“, hauchte er gegen ihre Lippen.

Sein Blick wanderte über ihre Schulter zu K-II. Der Klon beobachtete sie weiterhin kommentarlos. „Danke, dass du sie gerettet hast. Wie auch immer du das gemacht hast...“

Kai entging das subtile Schmunzeln nicht.

„Der Kuss war notwendig, um ihre Seele wieder zu vervollständigen.“, erwiderte der Doppelgänger trocken, als hätte er Kais Gedanken gelesen. „Dein leichter Anflug von Eifersucht ist also unbegründet. Ich habe sicher nicht vor, deinen Platz einzunehmen. Ich werde morgen zurück nach Sibirien reisen, und ihr werdet mich nie wieder sehen. Ich habe keinen Platz in dieser Welt. Ich dürfte nicht einmal existieren.“

Kai versteifte sich kurz. Das Vertrauen in sein Ebenbild war noch brüchig. „Du gehst zurück zu Biovolt?“

„Ich werde das tun, wozu du nie in der Lage warst“, entgegnete K-II mit schneidender Entschlossenheit. „Ich werde Boris zur Rechenschaft ziehen und ihn ein für alle Mal aus dem Verkehr ziehen.“

„Du willst ihn umbringen?“ fragte Kai trocken.

„Du weißt genau, dass das nicht dein... Stil ist... also ist es auch nicht meiner. Sagen wir einfach, dass ich ihn handlungsunfähig machen werde. Aber lass das meine Sorge sein.“

Kai blieb skeptisch, die Sorge um die Rückkehr von Black Dranzer stand ihm ins Gesicht geschrieben. Doch K-II zischte nur abfällig als er Kais Blick erneut analysierte. „Keine Sorge. Ich kann Black Dranzers Kraft nun kontrollieren und für mich nutzen. So wie in meinen Erinnerungen... in denen du mit ihm damals die Basis zerstört hattest. Genau so werde ich dieses verfluchte Labor dem Erdboden gleichmachen. Ich werde ihn, solange ich lebe, in mir gefangen halten.“

Der Klon schritt auf die zertrümmerte Tür zu, packte den schwarzen Blade und riss ihn mit einem Ruck aus dem Holz. Bevor er die Bibliothek verließ, hielt er inne und warf einen letzten Blick über die Schulter.

„Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sage... aber... halte dieses Mädchen fest. Sie ist diejenige, die dich gerettet und aus der Dunkelheit gezogen hat."