Strippenzieher
Strippenzieher
Kai verharrte noch einen Moment in der Stille des Zimmers und beobachtete das ruhige Heben und Senken von Namis Brust. Sein Blick war dunkel und forschend, erfüllt von einer tiefen, besitzergreifenden Zufriedenheit. Er strich ihr mit dem Handrücken flüchtig über die heiße Haut der Wange, ehe er sich lautlos aus dem Bett schälte. Seine Bewegungen waren geschmeidig, fast raubtierhaft, als er das Schlafzimmer verließ und ins Wohnzimmer trat.
Ein kurzer Blick auf die Wanduhr bestätigte ihm, dass er den Vormittag völlig verloren hatte.
In wenigen Minuten sollte ein Kurier eintreffen, um ein Paket aus Tibet anzuliefern...eine diskrete Sendung, die er bereits vor Tagen unter strengster Geheimhaltung angefordert hatte.
Auf dem Weg zur Tür hielt Kai vor dem großen Flurspiegel inne. Das helle Tageslicht, das durch die Fenster des Penthouses fiel, ließ keine Details mehr im Verborgenen. Er musterte sein Spiegelbild und stellte fest, dass die Veränderung weit über das Geistige hinausging. Seine Muskulatur wirkte massiger, die Sehnen und Fasern unter der Haut waren so definiert, als bestünde sein Körper aus gemeißeltem Stein. Seine Augen glühten in einem so tiefen, unnatürlichen Rubinrot, dass es fast so wirkte, als brenne ein inneres Feuer hinter seinen Pupillen. Dass er sogar ein paar Zentimeter an Körpergröße gewonnen hatte, bemerkte er in diesem Moment der Selbstbetrachtung gar nicht...sein Fokus lag auf der unbändigen Ausstrahlung, die von ihm ausging.
Seine Gedanken rasten. Er erinnerte sich an Namis fast schon manisches Verlangen, an diesen unstillbaren Hunger, der sie wie eine Droge beherrscht hatte. War es seine Aura? Hatte die Verschmelzung mit Dranzer tatsächlich seine energetische Signatur so sehr verändert, dass er nun auf Nami wie ein übernatürliches Aphrodisiakum wirkte? Die bloße Präsenz seiner neuen Macht schien ihre Sinne zu überladen und ihren Körper in einen Zustand permanenter Erregung zu versetzen.
Plötzlich riss ihn das schrille Klingeln der Sprechanlage aus seinen Überlegungen. Kai ging zur Konsole und drückte die Sprechtaste.
„Lieferung für Mr. Hiwatari“, tönte die Stimme des Kuriers blechern aus dem Lautsprecher.
„Bringen Sie es hoch“, antwortete Kai kurz angebunden, seine Stimme klang tiefer und autoritärer als gewöhnlich. „Stellen Sie es einfach vor der Tür ab. Ich nehme es dann entgegen.“
Er wartete nicht auf eine Bestätigung, sondern beendete das Gespräch. Während er darauf wartete, dass der Lift den Flur erreichte, glitten seine Finger über die glatte Oberfläche des Spiegels. Er musste herausfinden, wie er diese neue Kraft kontrollieren konnte, bevor Nami darin verbrannte.
Etwa fünf Minuten später...
Das alte, in schweres Leder gebundene Buch aus Tibet lag wie ein Relikt vergangener Zeiten auf dem gläsernen Couchtisch, während daneben die frisch eingetroffene Übersetzung in russischer Sprache aufgeschlagen war. Kai ließ den Blick zwischen den vergilbten, fast unleserlichen Originalseiten und den klar gedruckten kyrillischen Buchstaben der Übersetzung hin und her wandern. Der würzige Geruch alter Kräuter, der dem antiken Werk entströmte, vermischte sich mit der kühlen Luft des Penthouses, als Kai sich tiefer in die Polster des Sofas zurücklehnte.
Er überflog das Register der Übersetzung, die ihm ein alter Kontakt aus Sibirien in Rekordzeit beschafft hatte. Die Worte darin waren der Schlüssel zu den Rätseln der letzten Stunden. Sein Finger blieb an einer Überschrift hängen, die seine volle Aufmerksamkeit forderte:
„Physische Seelen-Effekte und Nachwirkungen nach der Verschmelzung“
Mit einem leisen Seufzen begann er zu lesen:
„Kapitel 35...Wenn das Biest sich mit der passenden Seele verbindet, entsteht ein Pakt, in dem die Lebensenergie der heiligen Gottheit mit der Lebensenergie des Menschen verschmilzt. Der Mensch erhält dadurch Zugriff auf physische Unversehrtheit und die Gabe der körperlichen Heilung. Die physische Erscheinung kann je nach Biest positiv beeinflusst werden, indem diese für Außenstehende stärker ausgeprägt wird.
Je nach Eigenschaften des Menschen kann es ebenso zur Steigerung der ausstrahlenden Aura kommen. Es kann sein, dass sexuelle Anziehung, Schönheit, physische Stärke, Maskulinität, Fürsorge, Auffassungsgabe oder die Fähigkeit zu heilen etc. gesteigert wird und sich auf andere seelenverwandte Menschen im Umfeld überträgt oder sie beeinflusst.
Der ausstrahlende Effekt dieser Aura ist kurz nach der Verschmelzung am stärksten und normalisiert sich auf ein bestimmtes Niveau innerhalb weniger Tage...“
Kai stoppte kurz und überlegte. Nun ergab alles einen Sinn. Namis unkontrollierbares Verlangen, die Intensität ihrer Reaktionen...es war tatsächlich die direkte Auswirkung seiner neuen Aura.
~Willst du wissen, welchen Seelen-Effekt Nami hat?~
Kai erstarrte mitten in der Bewegung. Jede Faser seines Körpers spannte sich reflexartig an, während sein Blick wachsam durch das stille Wohnzimmer fuhr. Wessen Stimme hallte da plötzlich, klar und metallisch, direkt in seinem Kopf wider?
„Wer...ist da?“, sprach er leise, die Augen auf die Schatten gerichtet, während er peinlich darauf achtete, Nami im Nebenzimmer nicht zu wecken.
~Du weißt, wer hier spricht...~
Es vergingen ein paar Sekunden, in denen Kai die vertraute, stolze Resonanz in der Stimme erkannte. Es war Dranzer. Er bezähmte die kalte Überraschung in seinem Inneren und konzentrierte sich darauf, die nächste Frage nur noch zu denken.
~Wie kann es sein, dass ich dich höre?~
~Das Buch, Kai. Das Buch ist erfüllt von Bit-Beast-Magie. Es hat eine Art Kanal geöffnet, durch den ich mit dir kommunizieren kann...~
Kai starrte auf den zerfledderten Umschlag des tibetischen Buches. Es war faszinierend und beängstigend zugleich, dass ein so abgenutztes Objekt eine solche Macht besaß...ein lebloser Gegenstand aus Leder und Papier, der als Brücke zu einer uralten Gottheit fungierte.
~Was meinst du mit Namis Seelen-Effekt?~ fragte er, während er jede Gefühlsregung hinter einer eisigen mentalen Mauer begrub.
~Jeder, der mit einem Bit-Beast verschmolzen ist, besitzt mehrere~ ,antwortete die metallische Stimme gelassen.
Mehrere?
~Du, Kai, hast eine bessere physische Verfassung und Ausdauer erhalten, selbstheilende Eigenschaften und durch deine dominante Natur eine stärkere körperliche Anziehung, welche sich, wie du bereits bemerkt hast, auf Nami ausgeübt hat ...~
Kai hätte schwören können, dass er Dranzers Grinsen hören konnte. Es war kein menschliches Lächeln, sondern das arrogante Amüsement eines Wesens, das weit über den Dingen stand.
~... aber keine Sorge. Die Wirkung wird in den nächsten Tagen etwas nachlassen, und dann werden die Nächte wieder ruhiger. Nur ... weggehen wird es nicht mehr, so viel ist sicher...~
~Machst du dich gerade über mich lustig?~, schoss Kai in Gedanken zurück. Selbst in der Stille seines Bewusstseins war sein Tonfall scharf, gespickt mit jener Kälte, die ihn seit Jahren auszeichnete. Er war nicht in der Stimmung für die Spielchen eines Phönix.
~Niemals würde ich es wagen...~, neckte Dranzer, und die Vibration der Stimme schien fast in Kais Knochen zu schwingen.
~Du sagtest, du kennst Namis Seelen-Effekt?~
~Ich fragte lediglich, ob du es wissen willst...~
Kai saß unbeweglich auf dem Sofa, die Muskeln seines Kiefers arbeiteten sichtlich. Eine kleine Zornesfalte grub sich tief über seine Stirn. Die Arroganz des Bit-Beasts brachte sein Blut schneller in Wallung, als es die Verschmelzung je könnte.
~Das heißt, du sagst es mir nicht? Willst du mich verarschen?!~
Er wartete. Die Stille im Wohnzimmer wurde nur durch das ferne Summen der Stadt und Namis gleichmäßigen Atem aus dem Schlafzimmer unterbrochen. Dranzer ließ sich Zeit, als würde er die Ungeduld seines Trägers genussvoll auskosten.
~Ich will dir lediglich sagen, dass es besser wäre, jemanden aufzusuchen, der dir noch mehr Antworten geben kann als ich~, erklang die Stimme schließlich wieder, diesmal ernster, fast mahnend. ~Jemand, der dir meiner Meinung nach schon sehr lange einige Erklärungen schuldig ist...~
Kai stieß ein genervtes Seufzen aus und vergaß für einen Moment die telepathische Barriere. „Und wer wäre das?“, zischte er leise in den leeren Raum, während er die Übersetzung auf den Tisch warf. „Jetzt rück schon raus, wer soll dieser Jemand sein?“
Die Antwort hallte nicht nur in seinem Kopf, sondern schien die gesamte Aura des Raumes kurzzeitig zu verdichten.
~Hiro Tachiba ist sein Name...~
Kai erstarrte. Der Name traf ihn völlig unvorbereitet.
Er starrte fassungslos auf das alte Buch, während die Stille des Wohnzimmers ihn wie eine Wand umschloss. Der Name hallte noch immer in seinem Bewusstsein nach, doch er ergab keinen Sinn.
Dass Dranzer ausgerechnet den Namen von Namis Vater nannte, war kein Zufall...es war eine gezielte Provokation und eine Spur zugleich.
~Hiro Tachiba...~, wiederholte Kai den Namen in Gedanken, während er die Puzzleteile neu zusammensetzte.
Bisher hatte er den Mann als jemanden betrachtet, der lediglich seine Tochter beschützen wollte oder in die Geschäfte von Tachibey Industries verwickelt war. Doch wenn Dranzer behauptete, dieser Mann schulde ihm Erklärungen über Bit-Beast-Magie und Seeleneffekte, dann steckte hinter Namis Familiengeschichte weit mehr, als sie beide ahnten. Hatte Hiro etwa gewusst, was die Verschmelzung mit Nami machen würde? War ihre Familie seit Generationen mit diesen Kräften verbunden?
~Dranzer!?~, rief er innerlich erneut, fast schon fordernd.
Kein Echo. Kein Grinsen. Nicht einmal das vertraute, wohlige Brennen in seiner Brust war in diesem Moment spürbar. Dranzer war weg...verstummt in dem Moment, als er die wichtigste Information preisgegeben hatte.
Kai spürte ein tiefes Unbehagen. Er sah zum Schlafzimmer, in dem Nami noch immer in ihrem tiefen, erschöpften Schlaf lag. Wenn er sie mit der Nachricht konfrontierte, dass ihr eigener Vater Antworten auf das Chaos in ihrem Inneren hatte, würde das ihr gesamtes Weltbild erschüttern.
Er trat wieder an den Tisch und schlug das Buch mit einem dumpfen Schlag zu. Der Staub tanzte im Sonnenlicht. Dranzers Schweigen war nun noch unerträglicher. Das Bit-Beast hatte ihm einen Namen vorgeworfen wie einen Brocken Fleisch einem hungrigen Hund, wohl wissend, dass Kai nun keine Ruhe geben würde, bis er Hiro Tachiba gegenüberstand.
„Du spielst ein gefährliches Spiel, Dranzer“, murmelte Kai finster in die Stille des Raumes.
Er wusste nun, was er zu tun hatte. Er musste Nami vorerst schützen, während er gleichzeitig einen Weg finden musste, Hiro Tachiba zur Rede zu stellen...ohne dass Nami sofort Wind davon bekam. Der Gedanke, dass sein Schwiegervater in spe Geheimnisse über die intimsten Vorgänge ihrer Seelen hütete, ließ Kais Zorn nur noch weiter schwelen. Er würde Antworten bekommen, und Hiro würde sie ihm liefern, ob er wollte oder nicht.
Etwa eine Stunde später...
Die Stille im Schlafzimmer war nun von einer ganz anderen Qualität...friedlich, fast schwerelos. Nami schlug langsam die Augen auf und starrte einen Moment lang an die Decke, während die goldenen Staubkörner im Licht des Nachmittags tanzten. Sie fühlte sich merkwürdig leicht, so als wäre jede Faser ihres Körpers einmal komplett aufgelöst und neu zusammengesetzt worden.
Vorsichtig hob sie einen Arm, der sich schwer wie Blei anfühlte, und legte sich die Handfläche auf die Stirn. Sie atmete tief durch und lauschte in sich hinein. Die quälende, fast schmerzhafte Erregung, die sie zuvor wie eine Besessene angetrieben hatte, war endlich abgeklungen. Sie fühlte sich nicht mehr wie eine Ertrinkende, die nach Luft schnappt, sondern einfach nur... ruhig.
Trotz der körperlichen Erschöpfung und der anfänglichen Überforderung durch diesen Gefühlssturm stahl sich ein zartes Lächeln auf ihre Lippen. Ein wohliges Seufzen entrann ihrer Kehle, als die Bilder der letzten Stunden wie ein warmer Film vor ihrem inneren Auge abliefen. Sie erinnerte sich an die Intensität in Kais Blick, an die unnachgiebige Kraft seiner Arme und daran, wie er ihrem verzweifelten Flehen schließlich nachgegeben hatte...nicht nur einmal, sondern immer und immer wieder.
Ein leichtes Zittern durchlief sie noch immer, wenn sie an die rohe Energie dachte, die zwischen ihnen geflossen war. Es war weit mehr gewesen als nur körperliche Nähe; es war, als hätte er jedes einzelne Teilchen ihres Seins mit seiner Hitze markiert. Auch wenn sie sich noch immer fragte, was genau diesen plötzlichen Rausch ausgelöst hatte, konnte sie nicht leugnen, wie sicher und angekommen sie sich in diesem Moment des absoluten Kontrollverlusts gefühlt hatte.
Sie rollte sich langsam auf die Seite und suchte instinktiv nach der Stelle, an der Kai gelegen hatte. Das Laken war dort noch immer zerwühlt und kühlte langsam ab. Nami schloss für einen Moment erneut die Augen und genoss das Gefühl der vollkommenen Geborgenheit, das trotz der vorangegangenen Ekstase in ihr nachhallte. Kai war da gewesen. Er war geblieben. Und er hatte sie genau so gehalten, wie sie es in diesem Moment gebraucht hatte.
Nami schob die Bettdecke beiseite und unternahm einen mutigen Versuch, ihre Beine über die Bettkante zu schwingen. Doch sobald sie versuchte, ihr Gewicht auf die Füße zu verlagern, passierte es erneut: Mit einem weichen *Plopp* sank sie haltlos zurück auf die Matratze. Ihre Beine fühlten sich nicht nur schwach an...sie waren wie Wackelpudding, völlig ohne Knochen oder Widerstandskraft.
Anstatt frustriert zu sein, entrann ihr ein leises, fast ungläubiges Kichern. Die Situation war vollkommen surreal. Ein flüchtiger Gedanke blitzte auf: Vor etwas mehr als einer Woche war sie noch völlig unerfahren gewesen, hatte nur vage Vorstellungen davon gehabt, wie sich Intimität überhaupt anfühlte. Und jetzt? Jetzt war die Intensität zwischen ihr und Kai auf ein so extremes Maß eskaliert, dass sie buchstäblich nicht einmal mehr einen Fuß vor den anderen setzen konnte.
„Na toll, Nami“, murmelte sie grinsend und biss sich auf die Unterlippe.
Mit purer Willenskraft stemmte sie sich erneut hoch. Diesmal krallte sie ihre Finger in den Türrahmen und hangelte sich mühsam an der Wand entlang. Jeder Schritt war ein Wagnis, ihre Knie gaben bei jeder Bewegung leicht nach, doch sie wollte wissen, wo er war.
Völlig nackt und mit zerzaustem Haar wackelte sie vorsichtig durch den Flur in Richtung des weitläufigen, lichtdurchfluteten Wohnzimmers. Der kühle Marmor unter ihren Sohlen war eine willkommene Abwechslung zur Hitze ihres Körpers.
„Mh?“, machte sie leise, als sie den leeren Raum erblickte. Kai war nicht da. Das einzige, was auf seine Anwesenheit hindeutete, waren zwei Bücher auf dem gläsernen Wohnzimmertisch...ein uraltes, zerfleddertes Lederbuch und ein neueres Manuskript. Beide waren zugeklappt, als hätte er sie überstürzt liegen lassen.
Zitternd ließ sie sich auf das weiche Sofa sinken, froh, ihre Beine endlich wieder entlasten zu können. Dabei bemerkte sie einen kleinen Zettel, der ordentlich neben den Büchern platziert war. Sie griff danach und erkannte sofort Kais markante, feste Handschrift.
> „Ich bin kurz einkaufen gegangen. Milch war leer. Bin bald zurück. K...“
Nami las die Zeilen immer wieder, während ihr Herz einen kleinen, glücklichen Sprung machte. Dieser Kontrast...der unnahbare, mächtige Kai Hiwatari, der vorhin noch wie eine Naturgewalt über sie hergefallen war und nun ganz pragmatisch feststellte, dass die Milch leer war...brachte sie erneut zum Lächeln. Sie drückte den Zettel kurz an ihre Brust und atmete tief durch, während sie die Stille des Penthouses genoss.
Wie lange war er wohl schon weg? Und was war das für ein seltsames altes Buch, das er so geheimnisvoll studiert hatte?
Die Luft im zwanzigsten Stock von Tachibey Industries schien förmlich zu flirren, als Kai den Flur entlangschritt. Sein Auftreten glich einer heraufziehenden Gewitterfront; das rhythmische Klacken seiner Schuhe auf dem polierten Marmor klang wie ein unaufhaltsamer Countdown. Die Angestellten, die ihm entgegenkamen, pressten sich fast schon gegen die Wände, um seinem eisigen, raubtierhaften Blick auszuweichen.
Als er das Büro erreichte, war sein Klopfen eher eine formelle Warnung als eine Bitte um Einlass.
Das monotone „Ja?“ aus dem Inneren war kaum verklungen, als Kai die schwere Eichentür mit so viel Schwung aufstieß, dass sie beinahe gegen die Wand schlug. Hiro Tashiba saß dort, eingerahmt von der gigantischen Fensterfront, die einen Blick über das industrielle Herz Tokios bot. Er wirkte wie die Ruhe selbst...ein krasser Gegenpol zu der kochenden Energie, die Kai in den Raum trug. Die Lesebrille auf seiner Nase verlieh ihm etwas Gelehrtes, fast Harmloses, doch das zögerliche Lächeln in seinem Gesicht verriet, dass er genau wusste, welcher Sturm da gerade sein Büro betreten hatte.
„Ah, Kai. Ich hab mich schon gefragt, ob du heute noch auftauchst, ist Nami auch schon da?“, begann Hiro mit einer Gelassenheit, die Kai nur noch mehr reizte.
Kai ignorierte die Provokation. Die Erinnerung an Namis zitternde Knie und ihr verzweifeltes Schluchzen am Morgen brannte wie Feuer in seinem Hinterkopf, doch er schob sie mit eiserner Disziplin beiseite. Er kam nicht für Smalltalk.
„Wieso ... sagt mir mein Bit-Beast, dass ich zu Ihnen kommen soll, wenn es um die Frage um Namis Seelen-Effekt geht?“
Die Worte hingen wie eine schwere Anklage im Raum.
Für einen winzigen Moment bröckelte Hiros Maske. Die Überraschung in seinen Augen war echt, ein kurzes Aufflackern von
„Das-hätte-ich-nicht-erwartet“, bevor die professionelle Ernüchterung zurückkehrte. Er nahm die Brille ab, ein langsamer, bewusster Vorgang, als wollte er Zeit gewinnen. Das Leder seines Sessels knarrte leise, als er sich zurücklehnte und die Finger ineinander verschlang...die Geste eines Mannes, der wusste, dass ein lang gehütetes Geheimnis gerade ans Licht gezerrt wurde.
„Mh, früher oder später musste es ja so kommen ...“, murmelte Hiro mehr zu sich selbst als zu Kai. Er sah Kai lange an, maß die Veränderung in dessen Ausstrahlung, die neue Massivität seiner Aura und das unnatürliche Leuchten seiner Augen. Er erkannte die Zeichen der Verschmelzung sofort.
„Setz dich, Kai ...“, sagte er schließlich, und sein Tonfall war nicht mehr der eines Vorgesetzten oder eines besorgten Vaters, sondern der eines Mannes, der bereit war, die Karten auf den Tisch zu legen.
Kai blieb einen Moment stehen, die Muskeln im Kiefer angespannt, bevor er der Aufforderung nachkam.
Kai verzog keine Miene, als er sich auf den angebotenen Stuhl gleiten ließ. Seine Bewegungen waren kontrolliert, doch die Anspannung in seinem Körper war fast greifbar, wie eine gespannte Feder, die jeden Moment reißen konnte. Er ignorierte die bequeme Polsterung des Stuhls und lehnte sich stattdessen leicht vor, den Blick fest in Hiros Augen verankert.
Hiro sah ihn einen langen Moment lang schweigend an.
Das Leder knarzte leise, als er sich aus seinem massiven Chefsessel erhob und beide Hände auf die glatte Oberfläche seines Schreibtisches abstützte. Er wirkte in diesem Moment weniger wie ein Geschäftsführer und mehr wie ein Mann, der eine schwere Beichte ablegt. Er sprach ruhig und sehr bedacht.
„Ich bitte dich, Kai, höre mir bitte bis zum Ende zu und denke nicht schlecht von mir, wenn du die Dinge, die ich dir gleich erzähle, hören wirst.“ Er setzte sich langsam wieder hin und schloss für einen Moment die Augen, als müsste er die Erinnerungen erst ordnen.
„Du weißt ... ich kannte deine Eltern, Kai. Doch vor allem kannte ich deinen Vater sehr gut. Es gab eine Zeit in unser beider Leben, in der wir die besten Freunde waren ...“
Hiro Tashiba öffnete seine Augen, um direkt in Kais blitzenden, rubinroten Blick zu starren, der vor Ungeduld und aufgestautem Zorn nur so bebte.
„Du weißt es vielleicht nicht, aber wir kannten uns seit unserer frühesten Kindheit. Wir bladeten zusammen... gingen zusammen zur Schule und studierten. Ich bewunderte deinen Vater, da er trotz der Kälte, die ihm sein Vater Voltaire entgegenbrachte, ein durch und durch guter Mensch war...“
Ein scharfes Zischen entrann Kais Kehle, was Hiro Tashibas Worte jäh verstummen ließ. „Was soll das Geseusel über meinen Vater?“, warf Kai ihm verächtlich entgegen. Er war nicht hierhergekommen, um nostalgische Anekdoten über einen Mann zu hören, der ihn vor Jahren allein gelassen hatte.
Es machte ihn nur noch wütender, als er das leichte Schmunzeln auf Hiro Tashibas Gesicht vernahm. „Ruhig ... dazu komme ich noch. Jetzt entspann dich endlich mal. Meine Güte ...“
Natürlich entspannte sich Kai nicht. Im Gegenteil: Er saß steif da, sein Blick kalt, genervt und abweisend.
„Weißt du, was ich deinem Vater versprechen musste ... kurz bevor er starb?“ Erneut herrschte Stille. Kai fragte natürlich nicht nach; er beharrte in seiner sturen, abwartenden Haltung und starrte sein Gegenüber einfach nur finster an. „Ich musste ihm versprechen, ein Auge auf dich zu haben ....“
Nun verschränkte Kai die Arme vor der Brust und schloss die Augen, als könne er die Worte so besser abwehren. „Was haben Sie schon für mich getan?“
Kai öffnete ein Auge und sah das breite Grinsen auf Mr. Tashibas Gesicht, das so gar nicht zu der Ernsthaftigkeit des Themas passen wollte. „Oh, eine ganze Menge, mein lieber Kai, und das erzähle ich dir jetzt gerne in allen Einzelheiten. Denn so, wie es aussieht, bleibt mir ja eh keine andere Wahl.“
Nun lehnte sich Mr. Tashiba erneut in seinem Sessel zurück und faltete die Hände.
„Als dein Vater den Plan deines Großvaters Voltaire aufdeckte, versuchte er alles, um dich wieder zurück nach Japan zu bringen. Er engagierte die besten Anwälte und Agenten, doch leider hatte Voltaire deine Eltern getäuscht und sie einen bindenden Vertrag unterschreiben lassen. Dieser Vertrag besagte, dass du bis zu deinem zwölften Lebensjahr in seiner Obhut bleiben musst und dass ihm das alleinige Sorge- und Aufenthaltsrecht obliegt ...“
Nun hörte Kai tatsächlich zu, auch wenn seine abweisende Haltung sich nach außen hin nicht verändert hatte. Er spürte, wie die Informationen tiefer sickerte, als er es zugeben wollte.
„In dem Moment, in dem deine Eltern herausfanden, dass er dich für seine Zwecke benutzt und als Soldat ausbildet, wollten sie den Vertrag anfechten, doch ... schickte er Agenten nach Japan, die ihnen Gift ins Essen mischten. Sie starben an den Folgen von Kugelfischgift, wie du sicher weißt.“
Eine bedrückende, fast greifbare Stille legte sich über das teure Interieur von Hiro Tashibas Büro. Das mit dem Gift und der Täuschung durch Voltaire wusste Kai bereits...es war der dunkle Fleck seiner Kindheit. Jedoch hatte er bisher nichts über einen solchen Vertrag gewusst oder darüber, dass sich sein Vater und der von Nami bereits seit Kindertagen so nahestanden. Die Welt, wie er sie kannte, bekam in diesem Moment erste Risse.
„Jedenfalls ... traf ich mich an dem Tag seines Todes noch mit deinem Vater.“
Kais Augenbraue zuckte bei diesen Worten unwillkürlich kurz nach oben. Die Vorstellung, dass Hiro Tashiba einer der letzten Menschen war, die seinen Vater lebend gesehen hatten, ließ eine unangenehme Kälte in ihm aufsteigen.
„Er erzählte mir, dass er sich sicher ist, dass sie verfolgt werden und dass Voltaire sie bald ermorden lassen wollte“, fuhr Hiro mit belegter Stimme fort. „Er flehte mich an, dass ich mich nicht einmischen solle. Ich solle nicht versuchen, dich da rauszuholen oder über Anwälte versuchen, irgendetwas zu bewegen, denn sonst ... würde Voltaire sich auch an meiner Familie vergehen. Das Einzige, worum er mich bat, war, dass sobald du wieder japanischen Boden unter den Füßen hast, ich ein Auge auf dich halten sollte. Dir eventuell helfen sollte, wenn du es denn wirklich benötigen solltest ...“
Kai hielt es nicht mehr aus. Dieser Ausflug in die Vergangenheit fühlte sich an wie ein Labyrinth, in dem er den Ausgang nicht finden konnte. Er unterbrach den unaufhörlichen Redefluss seines Gegenübers barsch: „Und was hat das jetzt alles mit Nami zu tun?“
Mr. Tashiba schmunzelte nur, eine Reaktion, die Kais Puls weiter beschleunigte.
„Wie du mittlerweile sicher weißt, ist Nami als Baby mit ihrem Bit-Beast verschmolzen“, erklärte Hiro, während er die Hände hinter dem Kopf verschränkte. „Direkt in der Anfangszeit bemerkte ich Veränderungen an ihr und an einigen Menschen in ihrer Nähe. Eine alte Nachbarin von uns, Mrs. Ito, verlor ihren Mann nach langer Krankheit. Sie war ein emotionales Wrack und wünschte sich, ihrem Mann bald folgen zu können. Sie zog sich monatelang in ihrem Haus zurück, ohne dass sie jemand zu Gesicht bekam. Bis ... meine Frau mit den Zwillingen spazieren war und sie zufällig traf. Mrs. Ito fühlte sich aus unerklärlichen Gründen zu Nami hingezogen. Da war Nami gerade mal ein Jahr alt. Jedenfalls endete es damit, dass Mrs. Ito uns jeden Tag besuchen kam und nach etwa einer Woche war sie so voller Lebensfreude, dass sie den Tod ihres Mannes nicht einmal mehr erwähnte ...“
Kai rollte genervt mit den Augen. „Lassen Sie mich raten ... das hat auch was mit der Sache zu tun?“
„Natürlich, Kai! Alles in meinen Erzählungen hat einen Sinn.“ Hiro räusperte sich kurz und fixierte Kai dann mit einem Blick, der keine Widerrede duldete. „Hattest du dich nicht gefragt, weshalb Mr. Dickenson dich regelrecht angefleht hat, auf dieses für dich unbedeutende Turnier zu kommen?“
Nun hob Kai den Kopf. Er hielt inne. Es stimmte...er hatte es tatsächlich seltsam gefunden, dass der alte Dickenson ihn über Wochen hinweg regelrecht belagert hatte. Jahrelang war Kai jeder öffentlichen Veranstaltung und jedem Turnier konsequent aus dem Weg gegangen, hatte seine Anonymität und seine Ruhe wie ein Heiligtum gehütet.
„Weiter ...“, forderte Kai kurz angebunden. Er merkte, wie sich die Puzzleteile langsam, aber sicher zusammenfügten.
Hiro nickte langsam. „Er machte dies nur, weil ich ihn darum gebeten habe. Ich wollte, dass du Nami bei ihrem Debüt in der Welt des Beybladens zusiehst. Dass du siehst, wer sie ist und wie talentiert sie bladen kann. Ich wusste, dass deine Augen regelrecht an ihr kleben würden...“
Kai verzog angewidert das Gesicht, die Röte des Zorns stieg ihm in die Wangen. „Was sagen Sie da?!“, fuhr er ihn an. Der Gedanke, dass seine erste Begegnung mit Nami, dieser Moment, den er als rein zufällig und schicksalhaft abgespeichert hatte, das Ergebnis einer gezielten Manipulation ihres Vaters war, war für seinen Stolz kaum zu ertragen.
„Hast du dich nicht gefragt, wieso sie so eine Wirkung auf dich hatte? Wieso du nicht aufhören konntest, an sie zu denken? Weshalb du plötzlich komplett unrationale Entscheidungen trafst?“
Es brodelte tief in Kai. Ein unangenehmer Schauer lief ihm über den Rücken, denn es war fast schon gruselig, wie präzise dieser Mann seine intimsten Regungen beschrieb...als stünde sein Verstand für Hiro Tashiba sperrangelweit offen.
„Als du damals mit Zwölf aus Russland zurückkamst, merkte ich es bereits bei deinem ersten öffentlichen Match. Dieser Mann, Voltaire, hatte dich komplett verkorkst“, fuhr Hiro ungerührt fort. „Deine Emotionen waren die eines Soldaten, klein gehalten und auf das Minimum reduziert. Du zeigtest Anzeichen von emotionalem Missbrauch und Traumata. Der kühle, kaltherzige Kai Hiwatari, der niemanden an sich ran lässt, war geboren ...“
Kai hielt es nicht mehr auf seinem Stuhl aus. Er schnellte nach vorne und schlug mit beiden Fäusten so hart auf den massiven Schreibtisch, dass die dort liegenden Protokolle erzitterten.
„Was zum Teufel geht hier vor?“, herrschte er ihn an, während er sich über die Tischplatte beugte. „Woher ... wissen Sie das alles?“
Mr. Tashiba blickte weiter völlig unbeeindruckt in Kais zornige, rubinrote Augen. Sein Gesichtsausdruck blieb von einer stoischen Ruhe geprägt.
„Ich war traurig. Traurig und wütend darüber, was er aus dir gemacht hat. Du warst so ein liebes Kind. So viel Lebensfreude... und dann standest du da, und die Welt akzeptierte dich einfach so. Es wurde zu deinem Image. Jeder wusste: So ist er nun mal. Das ist eben Kai. Jemand, der keine Liebe zulassen konnte und auch nie danach verlangte. Doch ich erinnerte mich an das Versprechen, welches ich deinem Vater gab, und ich war mir sicher, dass ich dich retten konnte ....“
Langsam dämmerte es Kai, in welche Richtung dieses Gespräch steuerte, und das Ausmaß der Planung hinter seinem Privatleben ließ ihm das Blut in den Adern gefrieren.
„Versteh mich nicht falsch. Es ging natürlich nicht nur allein um dich, sondern selbstverständlich auch um meine Tochter“, ergänzte Hiro, während er sich entspannt zurücklehnte. „Sie sah dich oft im Fernsehen und himmelte dich an. Du warst ihr Vorbild, ihre Sehnsucht und sicher auch teilweise der Traum ihrer schlaflosen Nächte ...“ Bei dem letzten Satz blitzte erneut dieses wissende Grinsen auf Hiros Gesicht auf. „Durch meine Fähigkeit, hinter die Fassade zu blicken, sah ich, was für ein Mensch du im Grunde deines Herzens doch bist, wenn die Dunkelheit, die dich umgibt, erst einmal gewichen ist. Das hat mich zu meinem letztlichen Entschluss gebracht.“
Hiro wirkte zutiefst zufrieden mit sich selbst. Er sonnte sich förmlich in der Wirkung seiner Worte, während Kai fassungslos auf die Pointe wartete.
„Ich manipulierte einen unserer Testblades, um ein Feuer auszulösen“, gestand er beiläufig, als spräche er über das Wetter. „Ich hatte tatsächlich nicht mit solch einer Zerstörungskraft gerechnet, aber naja, was soll man machen. Am Ende hat es ja trotzdem den gewünschten Effekt gehabt. Ich wusste: Wenn ich dich um den Gefallen bitte, zu mir in die Firma zu kommen, wirst du aufgrund des vorigen Zusammentreffens mit meiner Tochter nicht anders können, als zuzustimmen. Denn ... ihr Effekt hatte schon ganz gut Wirkung gezeigt ...“
In diesem Moment verzog sich Kais Gesicht zu einer Maske aus purem Entsetzen und ungläubiger Überraschung. Die Vorstellung, dass der Brand, die Rettungsaktion und sein gesamter Weg zu Tachibey Industries ein abgekartetes Spiel waren, war fast zu viel.
„Entspann dich, sie hat dich nicht verhext oder dir irgendwas ins Hirn gepflanzt ...“, fügte Hiro eilig hinzu und verkniff sich nur mühsam ein lautes Lachen über Kais Gesichtsausdruck.
„Namis Seelen-Effekt nennt sich Seelen-Anker“, erklärte Hiro mit einer feierlichen Ruhe. „Sie kann bei manchen Menschen den Einfluss von negativen Emotionen und Gefühlen unterdrücken. Oder wie in deinem Falle... kann sie die Dunkelheit, die durch Traumata entstand, aus deinem Herzen vertreiben, um Platz für andere Emotionen zu schaffen. Gleichzeitig entwickelt man eine Art...Anziehung, da man sich in ihrer Gegenwart leichter fühlt.“
„Solche Emotionen wie ... Liebe ...“, sprach Kai das Wort aus, das ihm früher nie über die Lippen gekommen wäre. Plötzlich fügten sich die Bruchstücke der letzten Monate zusammen wie ein perfektes Mosaik. Die unerklärliche Ruhe in ihrer Gegenwart, das langsame Aufbrechen seines Eispanzers... es war nicht nur Zufall gewesen. Nami hatte durch ihren Effekt den Boden bereitet, auf dem seine Gefühle überhaupt erst wachsen konnten. Er war hin- und hergerissen; ein Teil von ihm fühlte sich von Hiro wie eine Spielfigur in einem perfekten Plan benutzt, doch ein anderer Teil erkannte die bittere Notwendigkeit dieser Heilung an.
„Kai ... ich war mir sicher, dass du Nami brauchst, und zwar genauso, wie sie dich gebraucht hat“, fuhr Hiro fort. „Ihr seid füreinander bestimmt, und das war mir von Anfang an klar ...“
„Und was sollte das mit dem bei mir Einziehen für zwei Wochen?“, herrschte Kai ihn an, die Fassung mühsam wahrend. „Ihnen ist schon klar, zu was uns das beide gebracht hat? Welcher Vater will sowas?“
„Ich musste euch irgendwie noch näher bringen“, erwiderte Hiro achselzuckend. „Nami länger an deine Seite stellen, um noch mehr Dunkelheit aus dir rauszuholen ... denn der Effekt besteht nur, solange sie bei dir ist. Seid ihr getrennt, gerätst du ... sagen wir ... in eine Art leichten Entzug. Das mit dem Zusammenziehen ... war eine ganz spontane Sache.“
Kai brummte finster. „Heißt wohl auch, dass Sie von Anfang an wussten, dass das Seelenband keinen Effekt bei Nami hat ...“
„Mh ... exakt“, grinste Hiro Tashiba ungeniert. „Aber es war eine gute Idee, meinst du nicht?“
„Eine Sache noch ...“, unterbrach Kai ihn scharf, bevor der Zorn wieder die Oberhand gewinnen konnte. „Woher wissen Sie das alles, und wieso stellten Sie von Anfang an meine Aussage bezüglich meines Bit-Beasts nicht in Frage? Hat es Sie überhaupt nicht gewundert, wieso ich mit Dranzer reden kann?“
Hiro grinste und nickte langsam. „Ahh ja ... natürlich, natürlich. Sieh dich an, Kai, du glühst förmlich seit der Verschmelzung mit deinem Bit-Beast. Sogar ein bisschen größer geworden bist du, und deine Augen ... mh.“
„Woher ... wissen Sie das?“, forderte Kai mit ruhigem, aber bedrohlichem Unterton. „Niemand weiß davon außer ... hat Kenji Ihnen davon erzählt?“
„Ich sage dir jetzt erst mal etwas, das niemand über mich weiß. Nicht einmal meine eigene Frau ...“
Hiro legte seine teure Armbanduhr ab und drehte sie um. Auf der Unterseite des Gehäuses war ein filigranes, fremdartiges Wesen eingraviert.
„Was soll das sein?“, fragte Kai skeptisch.
„Ein Greif .... sein Name ist Aetherion.“
Kai hielt inne. Er starrte auf das Symbol, dann auf das triumphierende Gesicht seines Gegenübers, und die Erkenntnis traf ihn mit der Wucht eines Schlages. Er schreckte fast ein Stück zurück. „Sie haben ebenfalls ein Bit-Beast, mit dem Sie verschmolzen sind? Ihr Bit-Beast hat Ihnen all diese Informationen zugeflüstert?!“
Nun lachte Mr. Tashiba laut auf, ein tiefes, ehrliches Lachen, das durch das gesamte Büro hallte. „Hahahaha, scharfsinnig wie eh und je ...“