Ein Hauch von Normalität
Ein Hauch von Normalität
Drei Stunden nach dem Finale im Lime-Stadion überschlugen sich die Schlagzeilen in Tokio bereits. Das Video des Kusses auf der Bey-Plattform war millionenfach geteilt worden. Die Presse belagerte das Hauptquartier der BBA und Kais Penthouse in Shinjuku gleichermaßen... doch die Reporter suchten vergebens. Kai und Nami waren wie vom Erdboden verschluckt.
Er hatte sie nicht weit weg gebracht, sondern an einen Ort, den praktisch niemand mit ihm in Verbindung brachte: das Ayame-Anwesen. Verborgen am grün bewachsenen Stadtrand von Tokio lag das erst sechzig Jahre alte Anwesen, dessen klassizistische Architektur und schwere Steinfassade wirkten, als stünde es dort seit Jahrhunderten wie ein altes europäisches Herrenhaus. Es war nun Kais privates Refugium, ein gut gehütetes Geheimnis, abgeschirmt von hohen Mauern und dichten Baumkronen.
Keine Fans, kein Blitzlichtgewitter, keine Erwartungen. Nur das ferne Rauschen des Windes in den alten Eichen und die absolute, ungestörte Stille.
Es war Sonntagnachmittag. Nami stand auf der steinernen Terrasse des Anwesens, die Arme leicht um sich selbst geschlungen. Ihr silbrig-weißes, welliges Haar, das ihr bis knapp über das Gesäß reichte, bewegte sich sanft im kühlen Wind. Es war das erste Mal seit Tagen, dass sie sich nicht wie eine Spielfigur in einem grausamen Intrigenspiel fühlte.
Hinter ihr öffnete sich die schwere, dunkel hölzerne Flügeltür. Kai trat heraus, die Schritte lautlos auf dem Stein. Er trug ein einfaches, dunkles Shirt, und in den Händen hielt er zwei Tassen mit dampfendem Tee. Er reichte ihr schweigend eine davon und stellte sich neben sie, den Blick auf die weitläufigen, herbstlichen Gärten gerichtet.
„Es ist so friedlich hier“, murmelte Nami und genoss die Hitze der Keramiktasse an ihren Fingern. „Man vergisst fast, dass da draußen eine ganze Welt ist, die gerade völlig den Verstand verliert.“ Ein leises, mattes Grinsen stahl sich auf ihre Lippen.
Kai sah ins Grüne. Die scharfen, unbarmherzigen Linien in seinem Gesicht, die sonst von ständiger Kampfbereitschaft zeugten, wirkten im Schatten des alten Herrenhauses weicher. „Das ist der Sinn dieses Ortes. In Shinjuku bin ich entweder der Champion oder der Erbe. Hier ist man einfach nur man selbst.“ Er trank einen Schluck und musterte sie dann von der Seite. „Jetzt wird es erstmal eine Weile keine Kämpfe mehr geben. Wirst du es vermissen? Das Blade? Die Arena?“
Nami dachte einen Moment nach. Ihr Pegasus lag drinnen auf dem schweren Kaminsims. „Ich vermisse das Kämpfen nicht. Aber ich bin froh, dass ich durch das Turnier gelernt habe, wer ich wirklich bin. Und...dass es mich endgültig zu dir geführt hat.“ Sie sah ihn von der Seite an. „Aber zwei Tage ohne das Geräusch von aufeinanderprallendem Metall sind genau das, was ich jetzt brauche.“
Kai stellte seine Tasse auf der steinernen Brüstung ab, trat einen Schritt näher und legte von hinten die Arme um ihre Taille. Er zog sie sanft an seine breite Brust, und Nami lehnte den Kopf dankbar an seine Schulter.
„Ich habe darüber nachgedacht, was als Nächstes kommt“, sagte Kai leise an ihrem Ohr, seine tiefe Stimme eine vertraute Vibration. „Wenn wir morgen in die Realität zurückkehren. Balkov wird sicher nicht einfach aufgeben. Er wird irgendwann versuchen, uns über die Medien zu diskreditieren oder mich über die geschäftliche Ebene unter Druck zu setzen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass von dieser Seite gar nichts mehr kommt.“
Nami drehte sich in seinen Armen um, sodass sie direkt in seine rötlichen Augen blicken konnte.
„Soll er es versuchen. Wir haben nichts mehr zu verbergen, Kai. Und wir lassen uns nicht mehr auseinanderbringen.“
Kai sah sie lange an, immer noch fasziniert von der unerschütterlichen Stärke, die aus ihrer zierlichen Gestalt sprach. Er beugte sich vor und drückte seine Stirn ganz leicht gegen die ihre. „Du bist stärker, als ich es je war, Nami.“
Sie lachte leise, ein warmes, klares Geräusch. „Wir sind stärker, Kai.“
Die Zeit in dem alten Herrenhaus verging viel zu schnell. Das Wochenende war wie eine schützende Blase, doch das Ende rückte unaufhaltsam näher...
Fünf Tage später...
Fast eine Woche war seit dem Turnier vergangen, und Tokio hatte sich noch immer nicht ganz beruhigt. Durch die Presse war Namis Name in aller Munde; die Medien überschlugen sich mit Berichten über das „geheimnisvolle Mädchen Nami Tachiba, das den unnahbaren Champion gezähmt hat“. Für die Öffentlichkeit war sie eine Sensation, die Frau, die das erste Mal überhaupt die eisigen Mauern des ewigen Einzelgängers Kai Hiwatari durchbrochen hatte.
Inmitten dieses Trubels saß Nami in einem kleinen, eleganten Café in Shimokitazawa, das durch seine Lage im ersten Stock etwas abseits der belebten Einkaufsstraße lag. Der Duft von frisch gebrühtem Matcha-Latte und warmem Gebäck erfüllte den Raum. Am Tisch saßen Mariah, die entspannt an ihrem Tee nippte, und Hilary... die Nami heute das erste Mal überhaupt privat traf und sie seither mit einer Mischung aus ungläubiger Faszination und offener Neugier beobachtete.
„Ich muss es einfach noch mal sagen“, begann Hilary, lehnte sich über den kleinen runden Tisch und stützte das Kinn in die Hände. Ihre Augen blitzten auf. „Es ist absolut surreal, dich hier vor mir sitzen zu sehen. Nami, du bist für mich wie ein mystisches Wesen oder eine Naturgewalt! Ich kenne Kai jetzt seit Jahren und wenn mir vor einem Monat jemand gesagt hätte, dass dieser Mann jemanden im Scheinwerferlicht einer Arena so ansieht, geschweige denn küsst... ich hätte ihn für verrückt erklärt!“
Nami konnte nicht anders, als leise zu lachen. Ihre Wangen nahmen einen zarten Roséton an, doch in ihren Augen lag ein tiefes, ruhiges Glück. „Er hat eben zwei Seiten, Hilary. Die Welt sieht meistens nur den Panzer, den er um sich herum aufgebaut hat.“
„Aber dass er diesen Panzer für dich komplett fallen lässt, ist wirklich der Wahnsinn“, warf Mariah schmunzelnd ein und strich sich eine pinke Strähne aus dem Gesicht.
„Ray hat mir von der Szene in den Katakomben erzählt. Du hast nicht nur Kai gerettet, Nami, du hast Maylin den Wind aus den Segeln genommen. Ohne Gewalt. Das hat bisher noch niemand geschafft.“
Hilary nickte heftig. „Genau das meine ich! Du wirkst so zierlich, aber du musst eine unglaubliche Energie haben, um diesen Eisklotz zum Schmelzen zu bringen. Tyson hat eine Stunde lang nur fassungslos auf die Arena gestarrt und immer wieder ‚Das gibt’s doch nicht‘ gemurmelt.“
Nami genoss das unbeschwerte Gespräch. Nach all den Wochen voller Angst, Klone und düsterer Geheimnisse fühlte sich dieses ganz normale Treffen wie eine Erlösung an. Sie nahm einen Schluck von ihrem süßen Matcha Latte und blickte kurz auf ihr Handy.
„Kai hat mir übrigens vorhin geschrieben“, erwähnte sie beiläufig und lächelte. „Er holt mich später ab. Er meinte, bei dem Auflauf in der Stadt und dem Andrang der Presse lässt er mich nicht allein nach Hause fahren.“
Mariah grinste wissend, während Hilary theatralisch die Hände vor die Brust schlug. „Oh Gott, der große Kai Hiwatari spielt den Leibwächter! Seine besitzergreifende Art ist ja jetzt schon legendär, aber dass er es jetzt so schamlos zeigt...“
Nami spürte ein warmes Kribbeln im Bauch. Sie wusste, dass Kais Beschützerinstinkt in diesen Tagen schärfer war als je zuvor. Die Belagerung durch die Presse sah er beinahe als persönliche Pflicht an, sie abzuschirmen. Und Nami? Sie genoss diese besorgte, dominante Seite an ihm in vollen Zügen. Es gab ihr ein unerschütterliches Gefühl von Sicherheit.
„Wo wir gerade von Kai sprechen“, wechselte Hilary plötzlich mit einem verschmitzten Funkeln im Blick das Thema. „In weniger als zwei Monaten wird er zwanzig, richtig? Der große Meilenstein! Wir müssen uns dringend etwas überlegen. Er wird eine Überraschung hassen, was genau der Grund ist, warum wir es tun sollten!“
Mariah prustete fast in ihre Tasse. „Hilary, spiel nicht mit dem Leben aller Beteiligten. Was hast du vor?“
„Tokyo Disneyland!“, verkündete Hilary stolz und schlug mit der flachen Hand leicht auf den Tisch. „Eine Einladung ins Disneyland für seinen Geburtstag. Es ist absolut perfekt!“
Mariah hielt sich prustend die Hand vor den Mund und schüttelte den Kopf, während Nami unwillkürlich das Gesicht verzog und skeptisch dreinblickte. Ein matter Schweißausbruch drohte sie bei der bloßen Vorstellung zu ereilen.
„Hilary...“, setzte Nami vorsichtig an, während ihr Amüsement mit purem Mitleid für ihren Freund kämpfte. „Kai im Disneyland? Zwischen winkenden Riesenmäusen, bunten Luftballons und kreischenden Kindern? Für ihn wäre das nicht der glücklichste Ort der Welt, sondern die absolute, vorderste Reihe der Hölle.“
„Ach, Quatsch!“, winkte Hilary energisch ab. „Das ist ja der Clou! Es wird ein Dreifach-Date! Ich und Tyson, Mariah und Ray, und Du und Kai. Tyson findet die Idee übrigens jetzt schon super. Er hat gesagt, er will unbedingt sehen, wie Kai aussieht, wenn er gezwungen ist, Mickey-Maus-Ohren zu tragen!“
„Tyson will sich doch nur hinter Rays Rücken verstecken, wenn Kai Dranzer ruft“, kicherte Mariah, gab dann aber zu: „Die Vorstellung hat irgendwie was. Ray würde sich sicher auch amüsieren.“
„Seht ihr?“, bohrte Hilary triumphierend nach und sah Nami bittend an. „Kai wird zwanzig. Er ist ein erwachsener Mann, der sich weigert, Spaß zu haben. Er muss sich langsam mal an so etwas wie normale Pärchen-Aktivitäten gewöhnen! Und wer, wenn nicht du, Nami, könnte ihn dazu bringen, da durchzugehen? Für dich tut er es. Das wissen wir alle.“
Nami blickte zwischen den beiden hin und her. Die Vorstellung, wie Kai mit finsterer Miene und verschränkten Armen vor dem Dornröschenschloss stand, während Tyson neben ihm Zuckerwatte mampfte, war zugegebenermaßen brillant.
„Ich verspreche nichts“, murmelte Nami mit einem schuldigen Grinsen. „Aber ich werde das Feld mal vorsichtig sondieren... falls ich mich traue.“
In diesem Moment vibrierte ihr Handy auf dem Tisch. Eine kurze Nachricht von Kai:
Bin unten. Komm raus.
Nami spürte, wie ihr Herz augenblicklich schneller schlug. Sie packte ihre Tasche und erhob sich. „Mister Hiwatari wartet. Es war wirklich wunderschön mit euch.“
„Halt uns auf dem Laufenden wegen Disneyland!“, rief Hilary ihr hinterher, während Nami mit einem winken die Treppe des Cafés hinunterlief.
Als sie die schwere Glastür zur Straße öffnete, schlug ihr die kühle Abendluft Tokios entgegen. Und da stand er. Kai lehnte mit dem Rücken an seinem eleganten, dunklen Wagen, die Arme vor der Brust verschränkt. Er trug einen langen, schwarzen Mantel, der seine breiten Schultern betonte, und seine rötlichen Augen scannten wachsam die Umgebung, als würde er jeden Moment mit einem Angriff der Paparazzi rechnen. Seine Aura war so intensiv, dass die Passanten instinktiv einen Bogen um ihn machten.
Sobald sein Blick jedoch auf Nami fiel, entspannten sich seine Züge merklich. Er stieß sich vom Wagen ab und trat ihr entgegen.
„Hatten die Damen ihren Spaß?“, fragte er mit seiner tiefen, rauen Stimme, während er wie selbstverständlich eine Hand an ihre Taille legte und sie fest an sich zog.
Nami sah zu ihm auf, legte eine Hand auf seine Brust und lächelte ihn verzaubert an. „Oh, du ahnst ja gar nicht, wie viel Spaß wir hatten, Kai. Du ahnst es wirklich nicht.“
Etwa eine Stunde zuvor...
Die Stille im Penthouse in Shinjuku war von einer ganz anderen Qualität als die Ruhe im alten Anwesen. Hier oben, im höchsten Stockwerk des modernen Wolkenkratzers, wirkte das dumpfe Grollen der darunterliegenden Metropole wie das Summen eines fernen Bienenstocks.
Kai saß mit überschlagenen Beinen in einem der tiefen, dunklen Ledersessel. Vor ihm auf dem flachen Couchtisch aus massivem Schiefer stand eine kunstvolle Flasche aus dunkler Keramik, flankiert von drei kleinen Ochoko-Schälchen. Eigentlich hatte er den Nachmittag, an dem Nami sich mit Mariah und Hilary traf, für ein intensives Einzeltraining mit Dranzer in der BBA nutzen wollen.
Doch Ray hatte andere Pläne gehabt. Er war unangemeldet aufgetaucht, fest entschlossen, Kai zu einem freundschaftlichen Beisammensein zu überreden... und hatte zu Kais anfänglicher Skepsis direkt Namis Zwillingsbruder Kenji im Schlepptau gehabt.
Mittlerweile hatte sich Kenji spürbar an den Gedanken gewöhnt, dass die Beyblade-Legende Kai Hiwatari der Mann an der Seite seiner Schwester war. Die anfängliche Skepsis war einer entspannten Vertrautheit gewichen.
Ray hob sein Schälchen, genoss den feinen Duft des warmen Premium-Sake und nahm einen kleinen Schluck. Er lehnte sich tief in die Polster und sah Kai mit einem forschenden, aber freundschaftlichen Blick an.
„Sag mal, Kai... jetzt, wo sich der ganze Staub der Meisterschaft ein wenig gelegt hat...wie ist das eigentlich für dich? So ganz allgemein. Endlich mal in einer festen Beziehung zu sein?“
Kenji, der auf dem Sofa gegenüber saß, hielt die Luft an und sah gespannt von seinem Schälchen auf. Eine solche Frage an Kai Hiwatari zu richten, grenzte in den Augen der meisten Menschen an ein Himmelfahrtskommando.
Kai bewegte keine Miene. Er drehte das kleine Keramikschälchen langsam zwischen den Fingern, während das bläuliche Licht Tokios durch die riesige Glasfront auf sein markantes Profil fiel.
„Trocken“, antwortete er schließlich, und seine Stimme war so tief und ruhig wie eh und je. „Ich habe nie darauf gewartet, mal eine Beziehung zu führen. Ich war mein ganzes Leben lang fest davon überzeugt, irgendwann vollkommen allein zu sterben. Und ehrlich gesagt...hat mich dieser Gedanke nie gestört.“
Ray schmunzelte leise, als hätte er genau diese Antwort erwartet. Doch Kai war noch nicht fertig. Er warf einen kurzen Blick zur Seite, dorthin, wo Namis Sachen ordentlich auf der Kommode lagen, und seine rötlichen Augen wurden für den Bruchteil einer Sekunde weicher.
„Aber... es fühlt sich besser an, als ich gedacht hätte“, fügte er fast beiläufig hinzu.
Mehr würde er nicht sagen. Kai mied es nach wie vor wie die Pest, große Reden über Gefühle zu schwingen wenn es nicht Nami war, die zuhörte... erst recht nicht, wenn der Zwillingsbruder seiner Freundin direkt gegenüber saß und jede Silbe aufgoss wie kostbaren Wein.
Kenji grinste nun breit und nahm einen tiefen Schluck Sake, bevor er das Schälchen mit einem leisen Klacken absetzte.
„Weißt du, Kai...wenn man es ganz genau nimmt und die Romantik mal kurz weglässt...ist Nami technisch gesehen ja auch nichts anderes als ein verdammt erfolgreicher Groupie.“
Kais Hand stoppte mitten in der Bewegung. Seine rötlichen Augen wanderten langsam, wie die eines lauernden Raubtiers, zu Kenji. Die Luft im Raum schien augenblicklich um einige Grad abzukühlen. Doch Kenji ließ sich nicht beirren; er genoss es sichtlich, ein Familiengeheimnis zu lüften, das Nami in all der gemeinsamen Zeit mit Kai peinlichst verschwiegen hatte.
„Es ist die Wahrheit!“, lachte Kenji und lehnte sich vor. „Sie wird mich umbringen, wenn sie erfährt, dass ich dir das erzähle, aber sie schwärmt von dir, seit sie zehn Jahre alt ist. Jedes Mal, wenn du im Fernsehen aufgetaucht bist oder sie als Zuschauerin in der Loge saß, war sie wie hypnotisiert. Sie hat in den letzten Jahren jeden einzelnen Jungen, der auch nur versucht hat, ihr den Hof zu machen, eiskalt abgeschmettert. Warum? Weil niemand an ihr großes Ideal herankam. Es gab einfach keinen, der neben dir nicht wie ein Schuljunge aussah. Du warst immer die Nummer eins.“
Kenji erwartete, dass Kai nun zumindest überrascht reagieren würde. Doch zu seinem absoluten Erstaunen blieb der Champion vollkommen gelassen. Kai führte das Schälchen zum Mund, trank den Sake mit einer fließenden Bewegung und stellte das Gefäß fehlerfrei zurück auf den Tisch.
„Ich weiß“, sagte Kai schlicht.
Kenji sperrte den Mund auf. „Was? Du weißt es? Hat...hat Nami dir das etwa tatsächlich selbst gestanden?“
„Nicht direkt“, erwiderte Kai neutral. „Sie hat es unbewusst ein paar Mal angedeutet.“
~...und die Worte deines Vaters letztens, hatten meine These dazu noch zusätzlich bestätigt...~
Während Kai die Flasche griff, um Rays Schälchen nachzuschenken, blieben seine wahren Gedanken hinter seinen Lippen verschlossen. Er dachte gar nicht daran, den beiden zu erzählen, wie tief diese Geständnisse eigentlich gegangen waren.
~„...auch du bist ein Traum der wahr geworden ist, Kai...vielleicht sogar der Wichtigste von allen ...~
Er erinnerte sich genau an das leise, glückliche Flüstern als sie den Kopf an seine Brust gelegt hatte. Und er erinnerte sich an die Intensität in ihrer Stimme, als sie das erste Mal miteinander intim gewesen waren und sie ihm unter Tränen der Erleichterung gestanden hatte, dass es für sie niemals einen anderen hätte geben können.
~Ich will, dass du mein Erster bist. Das solltest du schon immer sein...~
Diese Worte waren für ihn wie ein unumstößliches Siegel gewesen.
Ray beobachtete Kais unbewegtes Gesicht und ein wissendes, tiefes Lächeln legte sich auf die Züge des Tigers. Er klopfte Kenji auf die Schulter. „Siehst du? Du unterschätzt die Beobachtungsgabe unseres Champions, Kenji. Dem Mann entgeht nichts. Schon gar nicht, wenn es um Nami geht.“
Kenji schüttelte fassungslos, aber amüsiert den Kopf. „Wahnsinn. Da denkt man, man hat die ultimative Geheimwaffe gegen seine Schwester in der Hand, und er hat die Festung schon längst eingenommen.“
Kai stellte die Keramikflasche zurück. Er blickte auf die Uhr an der Wand. Die Zeit war fast um. Das Treffen im Café musste gleich vorbei sein.
„Ich bin gleich weg. Stellt den restlichen Sake in die Küche bevor ihr geht...“, stellte Kai fest, stand mit einer geschmeidigen Bewegung aus dem Sessel auf und griff nach seinem langen, dunklen Mantel, der über der Lehne hing. „Ich hole sie ab. Die Presse treibt sich noch immer da draußen herum.“
Ray hob sein Schälchen zum Abschied. „Grüß sie von uns, Kai. Und pass auf sie auf.“
„Immer“, antwortete Kai kurz, schob die Hände in die Manteltaschen und verließ mit festen Schritten das Penthouse, während die beiden Männer schweigend zurückblieben und auf den Champion anstießen, der nun endgültig sein Rudel gefunden hatte.