Nach dem Feuerwerk
Nach dem Feuerwerk
Als die letzten goldenen Funken des Feuerwerks am wolkenverhangenen Nachthimmel verblasst waren, flammten die hellen Straßenlaternen des Parks mit einem leisen Summen wieder auf. Die magische Illusion von Disneyland wich augenblicklich wieder der nasskalten Realität des Novemberabends. Ein kollektives Seufzen ging durch die dicht gedrängte Menschenmenge, die sich nun wie eine träge, unaufhaltsame Lawine in Richtung des Ausgangs in Bewegung setzte.
Die BBA-Clique ließ sich ein wenig zurückfallen, um nicht im absoluten Chaos der Hauptstraße unterzugehen. Tyson streckte die Arme weit von sich und gähnte herzhaft.
„Mann, meine Füße brennen wie Feuer“, jammerte er, schielte dann aber mit einem breiten, unverbesserlichen Grinsen zu Kai hinüber, der mit gewohnter, unnahbarer Haltung neben Nami schritt. „Aber das war’s wert. Wann sieht man den Champion schon mal als Prinzen der Eisprinzessin? Das Bild kriege ich so schnell nicht aus dem Kopf.“
Ray schüttelte amüsiert den Kopf und legte einen Arm um Mariahs Schultern, während Hilary Tyson mit einem strafenden Blick bedachte. „Sei bloß ruhig, Tyson.“
Als sie schließlich den großen, spärlich beleuchteten Parkplatz erreichten, wo der Wind die Kälte der Bucht spürbar herüberdrückte, blieb die Gruppe an der Weggabelung zu den verschiedenen Fahrzeugen stehen. Es war Zeit für den Abschied.
Hilary trat als Erste vor und reichte Nami mit einem warmen Lächeln die Hand, ehe sie sie kurz, aber herzlich drückte. „Danke, dass ihr beide da wart. Es war wirklich ein schöner Tag, trotz Tysons Klappe.“ Dann wandte sie sich an Kai, hielt respektvoll zwei Schritte Abstand und nickte ihm entschlossen zu.
„Nochmal alles Gute zum Geburtstag, Kai. Und... Respekt, dass du durchgehalten hast.“
Kai erwiderte das Nicken mit einer fast schon aristokratischen, minimalen Bewegung des Kopfes. Seine Miene war eine absolute Kälteplatte, doch die mörderische Schärfe des Vormittags war einer distanzierten Gelassenheit gewichen.
Mariah trat an Nami heran, umarmte sie herzlich und nutzte den Moment, um ihr mit einem tief amüsierten, vielsagenden Flüstern ins Ohr zu raunen: „Vergiss nicht, was er dir im Restaurant versprochen hat, Nami. Er hat dich den ganzen Abend nicht aus den Augen gelassen.“ Als sie sich löste, zwinkerte sie Nami verschmitzt zu und erntete prompt ein zartes Erröten auf den Wangen der Silberhaarigen.
Ray trat einen Schritt auf Kai zu, bot ihm die Hand an und klopfte ihm mit der anderen respektvoll auf die Schulter. „Mach’s gut, Kai. Danke für den Tag. Wir sehen uns in der BBA, wenn der Trubel sich gelegt hat.“
Kai ergriff Rays Hand mit einem kurzen, festen Druck. „Ray“, erwiderte er mit seiner tiefen, rauen Stimme... ein stummes Zeichen der tiefen, jahrelangen Verbundenheit, die zwischen den beiden ehemaligen Teamkollegen nach wie vor ohne viele Worte existierte.
Tyson hielt sich diesmal weise im Hintergrund, hob aber grinsend die Hand zum Abschied. „Feiert noch schön, Eure Hoheit!“, rief er aus sicherer Entfernung, während Hilary ihn bereits unsanft am Jackenärmel in Richtung ihres Wagens zog.
Nami sah der Truppe mit einem warmen Gefühl im Bauch nach, bis ihre Gestalten im fahlen Licht der Parkplatzbeleuchtung verschwanden. Erst als sie wieder allein waren, spürte sie, wie die Anspannung des Tages vollends von ihr abfiel. Die Reizüberflutung, die Stimmen, die Musik – alles verstummte, als Kai seine Hand fließend an ihre Taille legte und sie unmissverständlich zu seinem Wagen dirigierte.
Die schwere Autotür fiel mit einem satten, dumpfen Geräusch ins Schloss und schnitt die Außenwelt mit einem Schlag komplett ab.
Im abgedunkelten Innenraum des Wagens herrschte augenblicklich eine dichte, fast greifbare Stille. Kai startete den Motor, und das vertraute, dumpfe Grollen der Maschine vibrierte leise im Fahrgestell. Fast im selben Moment setzte der Novemberregen wieder ein... erst vereinzelt, dann immer heftiger peitschten die schweren Tropfen gegen die Windschutzscheibe, während die Scheibenwischer in einem monotonen, fast hypnotischen Rhythmus die Sicht freigaben.
Kai schaltete das Licht im Cockpit aus, sodass nur noch das matte, bläuliche Leuchten der Armaturen ihre Gesichter streifte. Er legte den Gang ein, lenkte den Wagen mit einer Hand fließend vom Parkplatz und steuerte auf die dunkle Auffahrt des Highways in Richtung Tokio zu.
Nami lehnte den Kopf erschöpft, aber unendlich zufrieden gegen die kühle Seitenscheibe. Ihr Blick glitt über das Lichtermeer des fernen Parks, das im Rückspiegel im strömenden Regen allmählich verblasste. Das sanfte Schaukeln des Wagens und die monotone Melodie des Regens ließen ihren Atem ruhiger werden.
Doch die vermeintliche Ruhe täuschte.
Sie waren kaum fünf Minuten auf der Autobahn, als Kai die Hand vom Schaltknüppel nahm. Ohne den Blick von der nassen Fahrbahn abzuwenden, wanderte seine große, massive Handfläche zielsicher über die Mittelkonsole und legte sich schwer und besitzergreifend auf ihren Oberschenkel.
Nami hielt unwillkürlich den Atem an. Die Hitze seiner Finger drang augenblicklich durch den Stoff ihrer Hose und jagte ihr eine heftige, vertraute Gänsehaut über den Körper.
Kai veränderte seine Position nicht. Seine Finger schlossen sich fest um die Kurve ihres Beines, und sein Daumen begann, mit einem langsamen, unbarmherzig kontrollierten Druck über den Stoff der Hose zu streichen. Es war kein sanftes Liebkosungsspiel wie beim Feuerwerk. Es war ein lautloses, unmissverständliches Territoriumsmanöver. Jeder Zentimeter, den seine Hand für sich beanspruchte, erinnerte sie an die dunklen, rauen Worte, die er ihr im Restaurant ins Ohr geraunt hatte.
Nami spürte, wie ihr Herzschlag augenblicklich wieder an Fahrt aufnahm. Die wohlige Erschöpfung des Tages wich einer intensiven, prickelnden Hitze, die sich unaufhaltsam in ihrem Inneren ausbreitete. Ihr Blick wanderte von der regennassen Scheibe zu seinem scharfen, markanten Profil. Das bläuliche Licht der Armaturen betonte die harten Linien seines Kiefers und das gefährliche, absolut fokussierte Funkeln in seinen rubinroten Augen.
Er fuhr schweigend durch die Dunkelheit, die Skyline von Tokio im Hintergrund nur noch als verschwommene Silhouette im Nebel. Doch die Art und Weise, wie sein Griff auf ihrem Oberschenkel mit jedem Kilometer ein winziges Stück fester, fordernder wurde, sprach lauter als jedes Wort. Er hielt den Sturm in seinem Inneren nur noch mühsam an der Leine... exklusiv für die Fahrt.
Nami legte ihre eigene Hand über die seine, verschränkte ihre Finger mit den seinen und spürte das raue, fast unhörbare Schmunzeln, das als Antwort in Kais Kehle vibrierte. Die kilometerlange Fahrt durch das nächtliche Unwetter wurde zu einem meditativen, unendlich heißen Aufladen der Spannung.
Sie beide wussten ganz genau: Sobald die schweren Tore des Ayame-Anwesens hinter ihnen zufallen würden, gab es kein Zurück mehr. Und Nami sehnte sich mit jeder Faser ihres Körpers danach.
Die monotone Fahrt durch die regennasse Nacht hielt ihre Sinne fest im Griff. Das gleichmäßige Klacken der Scheibenwischer und das schwere, heiße Gewicht von Kais Hand auf ihrem Oberschenkel hatten eine fast hypnotische Spannung im Innenraum des Wagens aufgebaut. Nami beobachtete sein unbewegtes Profil im fahlen Licht der vorbeiziehenden Autobahnlaternen, vollkommen darauf eingestellt, dass das Schweigen erst im Ayame-Anwesen brechen würde.
Doch zu ihrer absoluten Überraschung tat er es jetzt.
Ein tiefes, raues Seufzen löste sich aus Kais Brust, und der Griff um ihr Bein wurde für einen Moment so fest, dass sie die intensive Kraft seiner Finger spüren konnte. Er wandte den Blick nicht von der dunklen, spiegelnden Fahrbahn ab, doch als er sprach, klang seine tiefe Stimme noch eine Spur belegter und rauer als sonst.
„Diese dämliche Maus, der ohrenbetäubende Kitsch an jeder Ecke und Tysons ununterbrochenes Gequatsche...“, begann er staubtrocken, und ein ungläubiges, fast schon fassungsloses Schmunzeln schwang in seiner Kehle mit. „Das war die absolute Hölle für meine Nerven, Nami. Wenn ich noch einmal diese Melodie hören muss, brennt mir eine Sicherung durch.“
Nami blinzelte überrascht und wollte gerade zu einer amüsierten Antwort ansetzen, doch die Worte starben ihr auf den Lippen, als sie die plötzliche, subtile Veränderung in seiner Aura spürte.
Kai schien in diesem Moment innerlich auf einem schmalen Grat zu wandern. Da war diese ungezähmte, besitzergreifende dunkle Seite, die nach dem erduldeten Trubel des Parks am liebsten sofort die Kontrolle übernommen hätte... eine rohe Energie, die sich in dem unbarmherzigen Druck seiner Hand auf ihrer Haut widerspiegelte. Und doch vibrierte da gleichzeitig diese andere, seltene Seite in ihm. Eine zutiefst ehrliche, verletzliche Wärme, die er ausschließlich vor ihr entblößte.
Er atmete einmal tief durch, und die Härte in seinen Gesichtszügen lockerte sich um Nuancen, als sein Daumen wieder zu einer langsameren, fast schon zärtlichen Streichelbewegung auf ihrem Oberschenkel ansetzte.
„Aber...“, fuhr er leise fort, und der ungeschönte, absolute Ernst in seiner Stimme traf sie direkt ins Herz, „...ich würde mich morgen exakt zur selben Zeit wieder dort hinstellen. Jeden einzelnen Moment davon. Wenn es bedeutet, dass du mich so ansiehst wie heute. Für dich tue ich das jederzeit wieder.“
Nami spürte, wie ihr Herz einen heftigen Schlag tat. Diese raue, schnörkellose Liebeserklärung kam so unerwartet und traf sie mit einer solchen emotionalen Wucht, dass ihr die Tränen der Rührung ganz kurz in die Augen schossen. Kai war kein Mann großer, romantischer Reden. Er verpackte seine Gefühle nicht in Kitsch. Aber dieses ehrliche Geständnis, eingebettet in seine typische Unnahbarkeit, war schöner als alles, was sie je gehört hatte.
Sie drehte ihre Hand unter seiner, sodass sich ihre Finger fest in seine großen, warmen Handflächen krallten. „Kai...“, flüsterte sie, ihre Stimme vor lauter Emotion nur noch ein sanfter Hauch gegen das Prasseln des Regens.
Er warf ihr einen schnellen, intensiven Seitenblick aus seinen rubinroten Augen zu. Das weiche Aufblitzen darin verschwand so schnell, wie es gekommen war, und wich sofort wieder dem dunklen, hungrigen Leuchten, das ihr eine wohlige Hitze durch den Körper jagte. Seine Finger schlossen sich wieder besitzergreifend um ihr Bein und zogen sie ein Stück näher zu sich an die Mittelkonsole.
„Sag jetzt nichts“, raunte er, und das gefährliche Grollen war zurück in seiner Stimme. „Heb dir deinen Atem auf. Wir sind gleich da.“
Nami nickte stumm, unfähig, das überwältigende Glück in ihrer Brust in Worte zu fassen, während der Wagen die Ausfahrt zum Anwesen ansteuerte.
Die dichte, aufgeladene Atmosphäre im Wagen schien nach Kais Geständnis nur noch intensiver zu werden. Nami hielt seine Hand fest umschlossen, während der Wagen mit gleichmäßigem Tempo durch die dunklen, regennassen Vororte von Tokio glitt. Die Scheinwerfer schnitten durch die Dunkelheit und erhellten vereinzelt die nackten Äste der spätherbstlichen Bäume.
Doch bevor sie die vertraute Allee erreichten, die zum Ayame-Anwesen führte, löste Kai für einen kurzen Moment die Finger aus ihrem Griff. Zu Namis leiser Überraschung steuerte seine große Hand zielsicher auf das beleuchtete Touch-Display der Mittelkonsole zu. Mit einer fließenden, fast schon beiläufigen Bewegung drückte er die oberste Schnellwahltaste.
Das leise, monotone Tuten des Wähltons erklang dreimal über die High-End-Lautsprecher des Wagens, ehe das vertraute, absolut professionelle Klicken der Leitung folgte.
„Ja, Master Kai?“, ertönte Grahams Stimme über die Freisprechanlage. Trotz der späten Stunde klang der treue Butler so wach, präzise und unerschütterlich wie an jedem gewöhnlichen Vormittag.
Kai hielt den Blick starr auf die spiegelnde Fahrbahn gerichtet. Seine Hand fand sofort wieder ihren Platz auf Namis Oberschenkel, und der Druck, den er diesmal ausübte, war von einer unmissverständlichen Endgültigkeit geprägt.
„Graham“, begann Kai, und seine tiefe, raue Stimme duldete nicht den geringsten Widerspruch. „Wir sind in zehn Minuten am Anwesen. Du kannst dich für heute Abend in dein Quartier zurückziehen.“
Am anderen Ende der Leitung entstand eine winzige, kaum merkbare Pause. Graham kannte seinen jungen Herrn gut genug, um die dichte, besitzergreifende Nuance in dessen Tonfall sofort richtig zu deuten. Da war kein Raum für organisatorische Nachfragen oder spätes Teeservieren im Salon. Kai Hiwatari forderte die absolute, ungestörte Isolation für sich und seine Freundin ein.
„Ich verstehe, Master Kai.“, erwiderte Graham mit gewohnt trockenem, aber absolut respektvollem Unterton. „Das Anwesen ist bereits für Sie vorbereitet. Ich wünsche Ihnen noch einen angenehmen Restabend. Und selbstverständlich... alles Gute zum Geburtstag.“
„Danke. Wir brauchen für diesen Abend nichts mehr“, schloss Kai das Gespräch kurz und bündig ab, ehe er mit dem Daumen das Telefonat über das Lenkrad beendete.
Die Leitung erlosch, und die dichte, meditative Stille des Wagens schloss sich augenblicklich wieder um sie. Doch das kurze Telefonat hatte die Dynamik verändert.
Es war der finale, administrative Schlussstrich unter der Außenwelt gewesen. Graham würde dafür sorgen, dass das klassizistische Herrenhaus vollkommen leer und still war, wenn sie ankamen.
Absolute, ungestörte Privatsphäre.
Nami sah von der Seite zu ihm auf. Das bläuliche Licht der Armaturen spiegelte sich in ihren ozeanfarbenen Augen, während sie spürte, wie sich bei dem Gedanken an die absolute Einsamkeit des riesigen Hauses eine süße, brennende Nervosität in ihrem Bauch ausbreitete.
Kai spürte ihren Blick. Sein Daumen strich langsam, aber mit einem fordernden Druck über ihre Haut, und das raue, dunkle Schmunzeln, das in diesem Moment in seiner Kehle vibrierte, war die Antwort auf das stumme Versprechen dieses Abends.
„Jetzt gibt es keine Ablenkungen mehr“, raunte er leise in die Dunkelheit hinein, während der Wagen schließlich an den hohen Mauern des Ayame-Anwesens vorbeizog und auf die schweren, schmiedeeisernen Tore zusteuerte.
Der Wagen rollte mit einem leisen Knirschen auf dem nassen Kies zum Stehen und der Motor verstummte. Das gleichmäßige Prasseln des Novemberregens auf das Dach des Wagens war nun das einzige Geräusch, das die tiefe Stille des Ayame-Anwesens untermalte.
Das alte, klassizistische Herrenhaus lag majestätisch und dunkel vor ihnen, nur vereinzelt warfen die schmiedeeisernen Laternen im Hof ein fales, goldenes Licht auf die regennassen Stufen des Haupteingangs.
Als sie gemeinsam ausstiegen, schlug ihnen die eisige Nachtluft entgegen. Doch noch bevor Nami auch nur einen Schritt in Richtung der schweren Eichentür machen konnte, schoss Kais Hand vor.
Seine Finger schlossen sich fest um ihr Handgelenk und mit einem einzigen, unnachgiebigen Zug beförderte er sie direkt an seine breite Brust.
Nami keuchte leise auf, als sie gegen den dunklen Stoff seines Mantels stieß. Doch Kai ließ ihr keine Zeit zum Atmen. Seine freie Hand glitt fließend unter ihren Kragen, tauchte tief in die kühle, silbrige Seide ihres langen Haares ein und fand am Hinterkopf festen Halt. Mit kontrollierter Intensität zog er sie ein Stück nach oben und lehnte seine Stirn sanft, aber bestimmt gegen die ihre.
Er schloss für einen Moment die Augen, als müsste er die absolute Stille dieses Augenblicks tief in sich aufsaugen. Nami hielt den Atem an. Im schwachen, tanzenden Schein der kleinen Laterne neben dem Haupttor beobachtete sie fasziniert sein schönes, markantes Gesicht. Aus dieser Nähe wirkten seine Züge im Halbschatten fast wie gemeißelt, und sie spürte das leichte, unregelmäßige Zittern seiner Wimpern auf ihrer Haut.
Kais Atem war flacher geworden, warm und schwer, ehe er die Stille mit einer rauen, fast ungläubigen Stimme brach.
„Es ist unglaublich...“, raunte er, und ein gefährlicher, dunkler Unterton schwang in seiner Kehle mit, „...wie du letzte Woche vor mir geflüchtet bist. Zu glauben, du könntest mir entkommen.“
Namis Atem wurde augenblicklich ebenso flach. Eine intensive Hitze schoss ihr in die Wangen, als Kai sich langsam von ihrer Stirn löste. Seine Lippen wanderten tiefer, suchten die empfindliche Haut an ihrem Hals und drückten dort einen heißen, brennenden Kuss nach dem anderen ab, die sie im Inneren erbeben ließen.
Seine Stimme vibrierte dumpf an ihrer Haut, als er sie flüsternd an die Worte aus dem Restaurant erinnerte: „Vergiss mein Versprechen für morgen nicht. Ich werde kein bisschen Rücksicht nehmen.“
Ein süßes, brennendes Prickeln breitete sich in ihrem Bauch aus.
„Hat es dir... gefallen, mich zu fangen?“, flüsterte sie, ihre Stimme kaum mehr als ein zittriger Hauch in der Kälte der Nacht.
Kai hielt inne. Ein tiefes, unendlich dunkles Schmunzeln vibrierte an ihrer Halsschlagader, ehe er den Kopf hob und sie aus seinen rubinroten Augen fixierte. Das hungrige Raubtier in ihm war nun vollkommen erwacht.
„Gefallen?“, wiederholte er mit einer so rauen, besitzergreifenden Intensität, dass es ihr den Atem raubte. „Der Adrenalinrausch war überwältigend. Zu wissen, dass ich dich jage... es hat mein Blut regelrecht zum Rasen gebracht. Ich war kurz davor, die Kontrolle zu verlieren."
Er verschärfte den Griff an ihrem Hinterkopf minimal und drückte seine Hüfte unmissverständlich gegen ihre. „Ich würde dich am liebsten genau jetzt durch dieses gesamte, verdammte Anwesen jagen, Nami. Dich laufen lassen, nur um dich wieder zu jagen... und dich jedes Mal rücksichtslos nehmen, wenn ich dich fange. Am liebsten in jedem einzelnen Raum dieses Hauses.“
Bei diesen ungeschönten, unendlich dominanten Worten entwich Nami ein kurzes, hilfloses Schluchzen. Ihre Knie gaben unter dem massiven emotionalen und körperlichen Druck endgültig nach, während ein regelrechter, heißer Elektrostoß tief in ihren Unterleib fuhr und sie heftig zusammenzucken ließ.
Sie drohte den Halt zu verlieren, doch Kais starker Arm an ihrer Taille hielt sie unbarmherzig fest an seinem Körper verankert. Er dachte gar nicht daran, sie jetzt schon loszulassen.
Kai spürte das hilflose Zittern ihres Körpers an seiner Brust, und ein erneutes, tiefes Schmunzeln vibrierte in seiner Kehle. Doch hinter diesem satten Laut reiner Befriedigung lag eine Erkenntnis, die für Kai selbst absolut überwältigend war.
Am Anfang ihrer Beziehung hatte ihn stets eine unterschwellige Sorge begleitet. Er hatte befürchtet, seine ungezähmte Intensität, diese dunkle, fordernde Seite in seinem Inneren und die schiere Wucht seiner besitzergreifenden Leidenschaft könnten einfach zu viel für sie sein. Er hatte tatsächlich...Angst gehabt, sie zu brechen oder zu erschrecken.
Doch Nami hatte immer wieder jede dieser Sorgen im Keim erstickt.
Letzte Woche erst hatte er diese Intensität noch einmal auf ein völlig neues Level gesteigert, weil sie ihn regelrecht dazu animiert hatte. Sie hatte ihm unmissverständlich und ohne jeden Zweifel erneut klar gemacht, dass sie keine Angst vor der Tiefe seiner Abgründe hatte. Sie war nicht vor seiner Dunkelheit zurückgewichen, sondern hatte sie mit offenen Armen empfangen.
Und genau das veränderte alles für ihn: Er traute sich nun immer und immer mehr. Er ließ die Leine, an der er das Tier in sich so lange gefangen gehalten hatte, mit jedem Tag ein Stückchen weiter locker.
Egal wie dominant und fordernd er sich nun gab... es schreckte sie in keinster Weise ab. Ganz im Gegenteil. Seine ungeschönten Worte über die Jagd durch das Anwesen hatten noch einmal eine gewaltige Schippe auf alles gelegt, was sie in den letzten Monaten an Intimität erlebt hatten. Und selbst das... diese Worte allein... schienen Nami regelrecht um den Verstand zu bringen.
Kai las die absolute, brennende Hingabe in ihren glasigen, ozeanfarbenen Augen und spürte, wie sein eigenes Blut bei diesem Anblick nur noch heißer pulsierte.
„Du willst es genau so sehr wie ich“, raunte er mit seiner tiefen, rauen Stimme, während er die schwere Flügeltür des Anwesens mit einer Hand aufstieß.
Nami konnte nur hilflos nicken, die Finger fest in den Stoff seines Mantels gekrallt, während sie gemeinsam die Schwelle in die absolute, dämmrige Dunkelheit des Hauses überschritten.