Ungezähmte Leidenschaft
Ungezähmte Leidenschaft
Triggerwarnung für dieses Kapitel:
Dieses Kapitel enthält sehr explizite sexuelle Inhalte mit Fokus auf Primal Play (einvernehmliche Jagd-/Beutedynamik), rauen Sex (Rough Sex), das Fixieren von Handgelenken, das einvernehmliche Zerreißen von Kleidung sowie dominantes Verhalten und Beißen (Marking). Alle Handlungen geschehen in absolutem, beidseitigem Einvernehmen (Consensual).
Das schwere Holz der Flügeltür fiel mit einem satten, endgültigen Schlag ins Schloss und schnitt das Tosen des Novemberregens beinahe vollständig ab. Drinnen empfing sie die absolute, dämmrige Dunkelheit des Ayame-Anwesens. Kein Licht brannte in der riesigen Eingangshalle; Graham hatte sich, wie befohlen, wortwörtlich unsichtbar gemacht. Nur das matte, goldene Schimmern der fernen Hoflaterne drang schwach durch die hohen Bleiglasfenster und zeichnete lange, tiefe Schatten auf den hellen Marmorboden.
Nami hatte kaum Zeit, die kühle, majestätische Stille des Hauses in sich aufzusaugen, als die Dunkelheit um sie herum lebendig wurde.
Kai verlor keine einzige Sekunde mehr. Die Beherrschung, die er den gesamten Tag im Park wie eine eiserne Rüstung getragen hatte, zerschlug sich auf diesem ersten Meter hinter der Schwelle in tausend Stücke.
Mit einem rauen, tiefen Knurren packte er sie an der Hüfte und drückte sie mit einer solchen Wucht gegen das kühle Holz der Eingangstür, dass ihr ein leises, atemloses Keuchen entwich.
Kais massiver Körper drängte sich unnachgiebig zwischen ihre Schenkel und nagelte sie regelrecht fest.
„Kai…“, flüsterte sie hilflos, doch ihr japsender Laut wurde sofort von seinen Lippen verschluckt.
Es war kein sanfter Kuss, kein vorsichtiges Vortasten. Es war ein besitzergreifender, hungriger Überfall, der ihr augenblicklich jegliche Luft aus den Lungen raubte. Seine Zunge forderte Einlass, forderte sie ganz, während seine großen Hände mit ungeduldiger Brutalität an den Knöpfen ihres Mantels rissen. Stoff raschelte, Reißverschlüsse gaben nach. Kai befreite sie mit wenigen, kraftvollen Griffen aus der schweren Winterkleidung und ließ die Sachen achtlos zu ihren Füßen auf den Boden gleiten.
Nami zitterte am ganzen Leib. Die Kälte der Wand im Rücken bildete einen fast schmerzhaften, aber unendlich erregenden Kontrast zu der sengenden Hitze, die von Kais Körper ausging. Jede seiner Bewegungen war von einer rohen, dominanten Dringlichkeit geprägt, die sie in dieser Intensität noch nie an ihm erlebt hatte. Er war das Raubtier, das seine Beute endlich in den Tiefen seines Reiches isoliert hatte.
Als er den Kuss für einen kurzen Atemzug löste, um an ihrer Kieferlinie hinabzubeißen, war sein Atem ein heißes, schnelles Jagen an ihrer Haut. Seine Finger krallten sich fest, fast schmerzhaft in das Fleisch ihrer Hüften, während er sie noch ein Stück tiefer gehen die Wand drückte.
„Du hast gesagt, du hast keine Angst vor meinen Abgründen“, raunte er, seine Stimme so tief und belegt, dass sie wie ein Bass in ihrer Magengrube vibrierte. Seine rubinroten Augen blitzten in der Dunkelheit gefährlich auf. „Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Ich nehme dich genau hier.“
Ein unwillkürliches Schluchzen entwich ihrer Kehle, als seine Hand nach dem Bund ihrer Hose griff. Die Worte, die er draußen im Regen gesprochen hatte, brannten wie flüssiges Feuer in ihrem Kopf. Er wartete nicht auf Komfort. Das Spiel seiner dunklen Seite, die sich durch ihre Furchtlosigkeit immer mehr zutraute, fand hier und jetzt seine absolute, kompromisslose Entladung.
Nami schlang die Arme eng um seinen Nacken, vergrub die Finger in seinem Nackenhaar und zog ihn schluchzend wieder zu sich hinab. Sie wollte nichts lieber als genau das... seine ungefilterte, besitzergreifende Wahrheit in der Dunkelheit dieser Halle.
Jede Bewegung war von einer rauen, ungeduldigen Dringlichkeit geprägt, als die letzten Barrieren zwischen ihnen fielen.
Kai lockerte für einen winzigen, atemlosen Moment den eisernen Griff um ihre Hüften, gerade so weit, um sich mit ein paar schnellen, blinden Griffen seiner eigenen Hose zu entledigen... ohne dabei auch nur für eine Sekunde die Verbindung ihrer Lippen zu unterbrechen. Seine Küsse blieben fordernd, tief und raubten Nami jeden klaren Gedanken.
Als sie schließlich nur noch in ihrer Unterwäsche vor ihm stand, duldete seine ungeduldige, dunkle Seite keinerlei sanftes Entkleiden mehr. Seine Finger fanden das Bündchen ihres Slips und mit einem kurzen, kraftvollen Ruck riss er den Stoff einfach entzwei, sodass er wie von selbst an ihren zitternden Beinen vorbei zu Boden rutschte.
Nami schluchzte wimmernd auf, als sie die plötzliche, kühle Luft auf ihrer nackten Haut spürte, doch die Kälte hielt nicht an. Im nächsten Sekundenbruchteil packte Kai sie wieder mit voller Wucht, hob sie mühelos an den Oberschenkeln hoch und drückte sie erneut unbarmherzig gegen die kühle Wand. Ohne Zögern, getrieben von dem aufgestauten Adrenalin des ganzen Tages, drang er hart und tief in sie ein.
Ein lautes Keuchen entwich ihr, und sie krallte sich mit aller Kraft an seinen breiten Schultern fest, die Beine fest um seine Hüfte geschlungen. Seine Bewegungen waren hungrig, ungehalten und absolut kompromisslos. Er nahm sich, wonach er verlangt hatte, fand einen unbarmherzigen, rhythmischen Takt und vergrub das Gesicht an ihrem Hals.
Während er sich tief in sie hineinbewegte, biss er mehrmals fordernd in die empfindliche Haut ihres Halses und ihrer Schultern, markierte sein Territorium in der Dunkelheit, nur um kurz darauf wieder zu ihren Lippen zurückzukehren.
Dort wurden seine Bisse für einen Moment sanfter, fast schon neckend, ehe seine Zunge erneut heiß und dominant um Einlass bat.
Es war überwältigend für Nami. Die Kombination aus seiner schieren, körperlichen Überlegenheit, den rauen Worten von draußen und der intensiven Reibung an der Wand forderte schnellen Tribut. Schon bald spürte sie, wie eine unaufhaltsame, glühende Welle in ihrem Unterleib zusammenbrach und der Orgasmus in greifbare Nähe rückte. Ihre Atmung wurde flacher, ihre Laute hilfloser.
Kai spürte das verräterische Zittern ihrer inneren Muskeln sofort. Schwer atmend, die Stirn schweißnass an die ihre gelehnt, grinste er dunkel gegen ihre Lippen, während er das Tempo und die Tiefe seiner Stöße noch einmal maximierte.
„Da kommt wohl jemand… heute sehr schnell“, flüsterte er mit einer rauen, tiefen Stimme, die vor besitzergreifendem Stolz vibrierte.
Das letzte Wort presste er regelrecht durch seine zusammengebissenen Zähne, als er einen besonders heftigen, finalen Stoß setzte. Das war zu viel für Namis überreizte Sinne. Sie schrie schluchzend auf, während die Welt um sie herum in tausend heiße Funken zersprang und der Orgasmus sie mit voller Wucht erfasste, während Kai sie hielt, als würde er sie nie wieder loslassen.
Jeder Urinstinkt in ihm schrie danach, sich der Reibung hinzugeben und ebenfalls die Kontrolle zu verlieren. Doch mit einer schier unmenschlichen, eisernen Willenskraft zwang er sich dazu, innezuhalten. Seine Muskeln traten am ganzen Körper schmerzhaft hervor, und seine Zähne mahlten laut aufeinander, als er den finalen Höhepunkt im allerletzten Sekundenbruchteil blockierte und tief in sich zurückhielt.
Er atmete schwer und rasselnd, die Stirn fest gegen die kühle Wand neben ihrem Kopf gepresst, während das Beben in Namis Körper allmählich nachließ.
Langsam, Zentimeter für Zentimeter, ließ er sie an der Wand entlang nach unten gleiten, bis ihre nackten Füße wieder den kühlen Marmorboden berührten. Nami war vollkommen kraftlos; sie sackte leicht in sich zusammen und suchte sofort Halt, indem sie sich mit dem Rücken gegen die schwere Eichentür des Haupteingangs lehnte. Ihr Blick war verschwommen, die Lippen leicht geöffnet, während sie schwer nach Luft rang.
Bis auf den dunklen BH, der ihre Brüste betonte, war sie vollkommen nackt, und ihre Haut schimmerte im fahlen Licht der fernen Laterne von einem feinen Schweißfilm.
Kai trat einen Schritt zurück und stand ihr gegenüber. Auch seine Brust hob und senkte sich in einem schnellen, unruhigen Rhythmus.
Er trug immer noch sein dunkles Shirt, doch die unvollständige Bekleidung nahm ihm nichts von seiner bedrohlichen, raubtierhaften Präsenz.
Während Namis Atem sich ganz langsam wieder beruhigte, hafteten ihre ozeanfarbenen Augen wie gebannt an seiner Gestalt. Sie beobachtete stumm, wie Kai mit einer fließenden, fast schon beiläufigen Bewegung das Shirt über den Kopf zog und es achtlos in die Dunkelheit der Halle warf. Sein muskulöser, breiter Oberkörper kam zum Vorschein, jede Faser angespannt und bereit für die Fortsetzung.
Er bewegte sich keinen Millimeter auf sie zu. Stattdessen fixierte er sie aus seinen rubinroten Augen mit einem Blick, der so hungrig und absolut fokussiert war, dass er ihr eine erneute Gänsehaut über den Körper jagte. Das dunkle, gefährliche Schmunzeln kehrte auf seine Lippen zurück.
„Zehn Sekunden.“, raunte er, und seine tiefe Stimme war so rau, dass sie die Stille der Eingangshalle regelrecht zerschnitt. Er legte den Kopf leicht schief, ohne den Blick von ihr abzuwenden. „Ich lasse dir zehn Sekunden Vorsprung. Geh. Versteck dich ruhig im Haus.“
Er machte eine winzige Pause, und das hungrige Funkeln in seinen Augen vertiefte sich.
„Ich finde dich ohnehin. Mein Körper schreit danach, dich noch einmal zu nehmen… und ich werde nicht aufhören, bis ich dieses gesamte Anwesen mit dir durchgemessen habe. Lauf.“
Namis Knie wurden augenblicklich weicher... doch diesmal lag es kaum an den süßen Nachwehen des gerade erlebten Orgasmus. Es war die nackte, ungeschönte Realität in seinen rubinroten Augen. Er meinte es wirklich ernst. Die Prophezeiung von draußen, diese unbarmherzige Jagd durch das finstere, weitläufige Ayame-Anwesen, begann genau in diesem Moment.
Sie schluckte schwer, während ihr Herzschlag wie wild gegen ihre Rippen hämmerte. Das Adrenalin flutete ihren Körper von Neuem und vertrieb jede Spur der Erschöpfung.
Anstatt in Panik zu geraten oder zu zögern, suchte sie seinen brennenden Blick. Sie stieß sich mit dem Rücken sanft von der schweren Eichentür ab und trat einen kleinen Schritt auf ihn zu. Ihre Finger wanderten mit einer fast schon herausfordernden Langsamkeit nach hinten, öffneten den Verschluss ihres BHs und ließen den dunklen Stoff ohne ein Wort zu Boden gleiten.
Vollkommen nackt stand sie nun vor ihm im fahlen, goldenen Lichtschimmer der Halle. Ihre Augen blitzten auf, und die stolze, furchtlose Leidenschaft, die Kai so sehr an ihr faszinierte, lag unmissverständlich in ihrer Haltung.
Sie verbarg sich nicht. Sie zeigte ihm mit jeder Faser ihres Körpers, mit jedem Atemzug, erneut dass sie es nicht erwarten konnte, von ihm gejagt, gestellt und unbarmherzig gefangen genommen zu werden.
Ein letzter, tiefer Blick, der die Luft zwischen ihnen endgültig entflammte, dann rannte Nami los.
Sie floh in die absolute Dunkelheit des Westflügels. Ihre nackten Fußsohlen berührten den kühlen Marmor der Halle kaum, ehe sie auf das schwere, vertraute Parkett des Korridors wechselte. Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals, ein wilder, unbarmherziger Rhythmus, der in ihren Ohren dröhnte. Das Adrenalin jagte wie flüssiges Eis durch ihre Venen und vertrieb jede noch so kleine Spur von Erschöpfung.
Hinter ihr verhallte seine tiefe, raue Stimme im Raum.
„Sieben… acht…“
Sie kannte das sechzig Jahre alte Anwesen mittlerweile in und auswendig, doch in dieser dämmrigen, einsamen Nacht wirkten die vertrauten Gänge wie die verschlungenen Pfade eines Labyrinths. Das matte, goldene Licht der fernen Hoflaternen schnitt nur vereinzelt durch die hohen Sprossenfenster und warf lange, skelettartige Schatten an die Wände. Nami hielt den Atem an, drückte sich flach an die Täfelung und huschte weiter, bis sie die massiven Flügeltüren der großen Bibliothek erreichte.
Mit einer vorsichtigen, fließenden Bewegung drückte sie die Messingklinke hinab, schlüpfte durch den Spalt und zog die Tür hinter sich fast lautlos wieder ins Schloss.
„Zehn.“ Die Stille, die daraufhin durch das riesige Haus ging, war erdrückend.
Die Jagd hatte begonnen.
In der zweistöckigen Bibliothek roch es nach altem Leder, Holz und Papier. Die meterhohen Regale, die bis unter die Decke reichten und über schwere Holzleitern erreichbar waren, schluckten jedes Geräusch. Nami bewegte sich wie ein Geist durch die dichten Gänge. Am Ende des Raumes, nahe den bodentiefen Fenstern, an denen der Novemberregen unaufhörlich peitschte, hingen schwere, dunkelblaue Samtvorhänge. Ohne zu zögern, schlüpfte sie hinter den dicken Stoff, presste den nackten Rücken gegen die kühle Fensterscheibe und zog den Samt eng vor sich zusammen.
Sie war vollkommen verborgen. Ihre nackte Haut bildete eine Gänsehaut gegen das kalte Glas, während sie versuchte, das verräterische Keuchen ihrer Lungen zu kontrollieren. Sie durfte kein Geräusch machen. Kein einziges.
Sekunden vergingen, die sich wie Stunden anfühlten.
Dann, urplötzlich, durchbrach ein leises, unbarmherziges Geräusch die Stille der Bibliothek. Das dumpfe, langsame Klong-Klong der schweren Messingklinke. Die Flügeltür wurde geöffnet. Kai eilte nicht. Er rannte nicht. Er schritt mit der absoluten, furchteinflößenden Gelassenheit eines Raubtiers in den Raum, das ganz genau wusste, dass seine Beute keinen Ausweg mehr hatte.
Nami hielt unwillkürlich den Atem an, bis ihre Brust schmerzhaft spannte. Das leise, fast unhörbare Knarren der alten Dielen verriet seine Schritte. Er bewegte sich langsam durch die Gänge der Regale, schnupperte regelrecht die von ihrer Hitze erfüllte Luft.
Das Knarren kam näher. Und näher.
Plötzlich verstummten die Schritte direkt vor ihrem Versteck. Die Luft hinter dem Samtvorhang schien schlagartig zu gefrieren. Nami starrte in den dunklen Stoff, ihr Puls raste so heftig, dass sie Angst hatte, er könnte ihn hören.
Einen Wimpernschlag später wurde der schwere Samt mit einem heftigen, unnachgiebigen Ruck zur Seite gerissen. Das schwache, bläuliche Licht des nächtlichen Sturms fiel in die Nische und erhellte Kais Gestalt. Er stand im Rahmen des Vorhangs, sein breiter, nackter Oberkörper glänzte leicht im fahlen Licht, die Muskeln steinhart angespannt. Und als Nami den Blick hob, traf sie auf seine rubinroten Augen. Sie brannten in der Dunkelheit mit einem so hungrigen, rasenden und absolut besitzergreifenden Leuchten, dass ihr im selben Moment die Knie endgültig wegsackten.
Er hatte sie gefunden. Und sein Blick sprach Bände darüber, dass er sie für diese Flucht büßen lassen würde.
Nami presste den Rücken enger gegen die kühle Fensterscheibe, während ihr Blick in seinen rubinroten Augen versank. Das Herz hämmerte ihr bis zum Hals, doch statt der nackten Angst flutete ein völlig anderer, brennender Impuls ihre Sinne. Sie biss sich heftig auf die Unterlippe, und ein trotziges, unendlich provokantes Funkeln blitzte in ihren ozeanfarbenen Augen auf. Er dachte, das Spiel sei hier vorbei. Er dachte, er hätte sie bereits gestellt. Aber sie wusste ganz genau, wie sehr sie ihn damit reizen konnte, wenn sie den Moment seiner scheinbaren Sicherheit eiskalt ausnutzte.
In dem Moment, als Kai die Hand ausstreckte, um ihre Taille zu packen und sie unbarmherzig aus der Nische zu ziehen, spannte Nami jede Faser ihres Körpers an.
Mit einer blitzschnellen, katzenhaften Wendung duckte sie sich unter seinem massiven Arm hinweg. Sie machte sich klein, schlüpfte mit einer unglaublichen Eleganz an seiner breiten Brust vorbei und nutzte den minimalen Raum zwischen ihm und dem schweren Regal. Kai reagierte sofort, seine Finger schossen vor, doch sie griffen mit einem harten Geräusch ins Leere... seine Hand bekam nur noch die kühle Luft zu fassen, die sie hinterließ.
Er drehte sich hastig um, die Muskeln seines Rückens heftig angespannt, und fixierte die Tür.
Dort, im dämmrigen Licht des Ausgangs, zeichnete sich Namis vollkommen nackte Silhouette ab. Sie hielt für einen winzigen Wimpernschlag inne, warf ihm über die Schulter einen Blick voller reiner, ungezähmter Leidenschaft zu und ließ ein kurzes, helles Lachen von den Lippen, das wie ein betörender Spott durch die meterhohen Bücherregale hallte.
Dann wirbelte sie herum und rannte eilig aus der Bibliothek davon, ihre nackten Füße klatschten leise auf das Parkett des dunklen Flurs.
Kai blieb für eine Sekunde wie angewurzelt stehen. Er schloss die Augen so fest, dass sich feine Fältchen um seine Lider bildeten, und presste die Kiefer mit einer solchen Wucht aufeinander, dass seine Zähne laut mahlten.
Seine eigene, mühsam zurückgehaltene Erregung schmerzte mittlerweile unerträglich im Unterleib. Jedes Einhalten an der Wand, jeder unterdrückte Impuls forderte jetzt seinen Tribut und trieb ihn an den Rand des Wahnsinns. Dieses kurze, freche Lachen von ihr war der Funke, der das Pulverfass in seinem Inneren endgültig sprengte.
Als er die Augen wieder öffnete, brannten seine rubinroten Irisse in der Dunkelheit wie reines, flüssiges Feuer. Die bedächtige, langsame Gelassenheit des lauernden Raubtiers war mit einem Schlag weggewischt.
Er setzte ihr sofort nach. Nicht mehr langsam. Nicht mehr bedächtig. Kai rannte. Mit schweren, kraftvollen und unaufhaltsamen Schritten stürmte er aus der Bibliothek, die absolute Jagd ging in die nächste, kompromisslose Runde... und jetzt wollte er sie erst recht fangen.
Nami hastete den endlos scheinenden Korridor des Westflügels entlang, ihr Atem flog in kurzen, gehetzten Stößen und das kühle Holz unter ihren nackten Füßen bot kaum genug Halt für ihre fluchtartigen Schritte. Das Adrenalin hielt sie aufrecht, trieb sie voran, doch mitten im Lauf erstarrte ihr Blut beinahe zu Eis.
Hinter ihr durchbrachen plötzlich schwere, unbarmherzig rhythmische Schläge die Stille des alten Hauses. Es war das dumpfe, kraftvolle Aufschlagen von Kais Schritten auf dem hölzernen Boden, das wie ein bedrohlicher Trommelwirbel durch den Flur hallte.
Sie blickte hastig über die Schulter... und der Anblick raubte ihr endgültig den Atem. Kai war ihr dicht auf den Fersen. Die berechnende Trägheit war vollkommen von ihm abgefallen; er setzte ihr mit einer unglaublichen, raubtierhaften Geschwindigkeit nach. Sein muskulöser, nackter Oberkörper war im fahlen Licht der Fenster nach vorne gebeugt, jede Faser seines Körpers auf sie ausgerichtet.
Doch es war vor allem sein Blick, der sie erzittern ließ: Seine rubinroten Augen waren mit einer so dunklen, absolut fokussierten Intensität auf sie geheftet, dass sie genau wusste, dass es für sie kein Entkommen mehr gab. Er rannte sie gnadenlos nieder.
In reiner Panik und getrieben von dem schieren Überlebensinstinkt der Gejagten riss Nami das Steuer herum. Sie bog scharf in einen abzweigenden Korridor ab, suchte verzweifelt nach einer Rettung und stürzte durch die erstbeste Tür, die sie finden konnte... direkt in den kleinen Salon des Anwesens.
Die Tür fiel hinter ihr zu, und für einen kurzen Moment war es still. Das einzige Licht in dem gemütlichen Raum stammte von dem großen gemauerten Kamin, in dem noch ein letzter, tiefer Rest Glut glimmte. Das matte, rötlich-orangefarbene Leuchten warf ein warmes, fast gespenstisches Licht an die Wände und hüllte den Raum in eine intime, schwere Atmosphäre.
Nami drehte sich um, die Brust hob und senkte sich panisch, während sie den Salon abscannte. Doch die bittere Erkenntnis traf sie wie ein physischer Schlag.
Sie war gefangen.
Dieser Raum besaß keinen zweiten Ausgang. Die massiven Wände und die schweren Möbel boten keinerlei Versteck, das Kais scharfen Sinnen standhalten würde. Und selbst wenn es eine Nische gegeben hätte... es war völlig zwecklos. Kai war ihr so dicht gefolgt, dass er ganz genau gesehen hatte, wie sie in dieses Zimmer hineingerannt war. Sie hatte sich selbst in die Enge getrieben.
Nami wich Schritt für Schritt zurück, bis ihre nackten Knie gegen die weiche Polsterung der Chaiselongue stießen, die unweit des Kamins stand. Ihre Augen starrten wie gebannt auf die geschlossene Salontür, während das dumpfe, unaufhaltsame Echo von Kais Schritten draußen auf dem Flur direkt vor ihrem Zufluchtsort abrupt verstummte.
Die Klinke senkte sich mit einem langsamen, unbarmherzigen Klicken. Die schwere Holztür des Salons öffnete sich, und Kai trat in den Raum. Er blieb im Rahmen stehen, seine massive, nackte Silhouette blockierte augenblicklich jeden erdenklichen Fluchtweg.
Statt sie jedoch sofort anzuspringen, wie es sein rasender Puls eigentlich verlangte, atmete er einmal tief durch. Er drehte sich um, schloss die Tür hinter sich ab und ging quälend langsam auf sie zu.
Er genoss diesen Moment in vollen Zügen. Er labte sich an ihren weichen Knien, an ihrem flachen, gehetzten Atem und der absoluten Hilflosigkeit, mit der sie an der Chaiselongue stand. Seine rubinroten Augen fingen das sterbende, rote Licht der Kaminglut auf und brannten wie zwei glühende Kohlen in der Dunkelheit.
Als er sie erreichte, gab es kein Zögern mehr, aber auch kein sanftes Ablegen auf dem Sofa.
Mit einer fließenden, unnachgiebigen Bewegung drängte er sie direkt nach unten auf den schweren, weichen Bärenfellteppich, der vor dem Kamin ausgebreitet lag. Das warme, rötliche Licht der Glut tanzte auf ihrer beiden Körpern, als Kai sich über sie warf.
Noch bevor Nami auch nur die Finger bewegen konnte, schossen seine Hände vor. Er packte ihre Handgelenke mit eisernem Griff, führte ihre Arme nach oben und fixierte sie fest über ihrem Kopf auf dem Boden. Sie war vollkommen bewegungsunfähig, festgenagelt unter seinem massiven Gewicht.
Kai wartete keine Sekunde länger. Der quälende Schmerz des Zurückhaltens, der Druck, den er in der Eingangshalle so eisern blockiert hatte, entfesselte sich jetzt mit brutaler Urgewalt. Er drang tief, hart und unbarmherzig in sie ein.
Nami schrie laut auf, die Augen weit geöffnet, während die Hitze des Kamins und die schiere Wucht seines Körpers sie vollkommen überrollten. Kai beugte sich tief zu ihr hinab, seine Brust hob und senkte sich im rasenden Rhythmus seiner Stöße, während sein heißer Atem ihre Haut versengte.
„Ich habe dir gesagt, was passiert, wenn ich dich fange“, raunte er ihr mit einer so tiefen, rauen Stimme ins Ohr, dass sie wie ein physischer Stoß durch ihren gesamten Körper vibrierte. Seine Muskeln waren steinhart angespannt, als er sich tiefer und fordernder in sie hineinbewegte. „Du wirst ab jetzt jeden einzelnen Raum dieses Hauses nun erneut genau so kennenlernen. Das ist erst der Anfang, Nami.“
Um seine Worte zu unterstreichen, zog er seine Zunge in einer heißen, feuchten Spur über die empfindliche Haut ihres Halses nach oben, ehe er erneut unbarmherzig in ihren Halsansatz biss.
Der leichte, scharfe Schmerz und die besitzergreifende Intensität seiner Stöße waren zu viel für sie. Nami wand sich hilflos unter ihm, die inneren Muskeln zuckten erneut in gierigen, unkontrollierbaren Krämpfen, die sie geradewegs in den nächsten, ohrenbetäubenden Orgasmus trieben.
Dieses enge, brennende Pulsieren war der endgültige Bruchpunkt für Kais eiserne Beherrschung. Er hielt den Druck nicht mehr aus. Seine Kiefer mahlten aufeinander, ein tiefes, fast schmerzhaftes Grollen löste sich aus seiner Kehle, und mit ein paar letzten, extrem tiefen Stößen verlor er im roten Schein der Glut nun ebenfalls vollkommen die Kontrolle und kam gemeinsam mit ihr.
Etwa 40 Minuten später lag Nami auf dem edlen Parkett des großen Ballsaals. Ihr Atem ging nur noch in schweren, flachen und leise wimmernden Stößen, während ihr glasiger Blick ins Leere des im schwachen Mondlicht liegenden Raumes starrte.
Hinter ihr lag Kai. Immer noch in ihr. Sein muskulöser Körper war schweißnass, seine Brust hob und senkte sich in demselben schweren, rasselnden Rhythmus wie ihrer, während er sie von hinten fest an sich gepresst hielt. Mit einer fast schon rituellen Langsamkeit ließ er nun ihr oben liegendes Bein, das er bis eben noch fordernd nach oben gehoben hatte, fließend sinken, bis es matt auf dem Boden zum Liegen kam
Die letzte Dreiviertelstunde waren eine Jagd der Superlative gewesen.
Nachdem sie gemeinsam im kleinen Salon im roten Schein der Kaminglut das erste Mal zusammen vollkommen die Kontrolle verloren hatten, hatte Kai seiner ungezähmten, hungrigen Seite keinerlei nennenswerte Pause gegönnt.
Maximal acht Minuten hatte er ihr gegeben, ehe seine raue Stimme in der Dunkelheit erneut ihre Flucht gefordert hatte. Mit zitternden Knien und brennenden Lungen war Nami tiefer in das weitläufige Anwesen geflohen, getrieben von der schieren Hitze des Spiels.
Ihre Flucht hatte sie zuerst in die große, sterile Küche geführt. Dort, zwischen den kühlen Edelstahlfronten, hatte sie all ihre verbliebene Geschicklichkeit zusammengenommen und war seinen zupackenden Händen tatsächlich noch ein Mal entkommen... nur um kurz darauf im langen Nordkorridor von seiner raubtierhaften Geschwindigkeit wieder überrumpelt zu werden. Er hatte sie ohne Gnade abgefangen und im Stehen unbarmherzig gegen die Wand gedrückt, während er sie erneut genommen hatte.
Doch selbst danach war der Funke in ihr nicht erloschen.
Mit letzter Kraft hatte sie versucht, sich im dämmrigen Dickicht des Wintergartens zwischen den großen Palmen zu verstecken, bis Kai sie schließlich hier, im großen Ballsaal, endgültig eingeholt und gestellt hatte.
Nami hatte jede Sekunde davon geliebt.
Sie lebte für diese extremen Herausforderungen, für dieses gefährliche, unendlich heiße Katz-und-Maus-Spiel, das Kai nun exklusiv und das erste Mal mit ihr spielte. Egal wie sehr ihre Muskeln geschmerzt hatten, egal wie erschöpft sie gewesen war... das Adrenalin, das durch ihre Adern geschossen war, war berauschender als jede Droge. Es hatte sie immer weitergetrieben, tiefer in seine Abgründe hinein.
Doch nun… kapitulierten sämtliche Fasern ihres Körpers endgültig. Das hochgepeitschte Adrenalin sackte langsam ab und hinterließ eine bleierne, süße Taubheit in ihren Gliedern. Sie konnte sich nicht einmal mehr umdrehen; sie war vollkommen wehrlos, leer und zutiefst befriedigt.
Und Kai spürte das. Das Raubtier in ihm hatte sich sattgesehen und sattgenommen. Er verengte den Arm um ihre Taille, zog sie noch ein Stück enger an seine heiße Brust und vergrub das Gesicht in den wirren, nach ihnen beiden duftenden Strähnen ihres silbrigen Haares, während die absolute, ungestörte Stille des Ayame-Anwesens sich langsam wieder über sie legte.
Die Kühle des edlen Parkettbodens sickerte nur langsam durch die Decke der Erschöpfung, die sich bleischwer über Namis Glieder gelegt hatte. Sie rührte sich nicht.
Jede Faser ihres Körpers fühlte sich an wie geschmolzenes Blei, angenehm taub und vollkommen leer.
Hinter ihr war Kais Atem der einzige Rhythmus in der absoluten Stille des Ballsaals, ein tiefes, allmählich flacher werdendes Beben an ihrem Rücken. Sein Arm, der schwer und besitzergreifend um ihre Taille geschlungen lag, hielt sie so fest verankert, als gäbe es die Welt außerhalb dieses Raumes gar nicht mehr.
Minuten vergingen, in denen nur das ferne, matte Schlagen des Regens gegen die meterhohen Fensterscheiben zu hören war während sich alle paar Sekunden das Mondlicht durch die Wolkenlöcher stahl.
„Du überraschst mich immer wieder“, raunte Kai plötzlich in die Dunkelheit hinein. Seine Stimme war so tief, rau und belegt von der überstandenen Ekstase, dass sie wie eine sanfte Vibration über ihre nackte Haut strich. Er vergrub die Nase noch ein Stück tiefer in ihrem silbrigen Haar, atmete ihren Duft ein.
„Du verträgst anscheinend von Mal zu Mal mehr… ehe du mir komplett schlappmachst.“
Ein leises, erschöpftes Lachen stahl sich aus Namis Kehle. Doch die plötzliche Bewegung ihrer Bauchmuskeln ließ sie augenblicklich schmerzvoll aufkeuchen, und sie zuckte eng an seine Brust gepresst zusammen.
Jedes einzelne Muskelband in ihrem Körper protestierte heftig gegen das Amüsement.
„Das Adrenalin…“, brachte sie schmunzelnd und mit rauer, fast flüsternder Stimme hervor, während sie den Kopf etwas nach hinten neigte, um seine Nähe noch mehr zu spüren.
„Es bewirkt wirklich Wunder. Solange es pumpt, spürt man absolut nichts. Aber jetzt… jetzt fühle ich mich, als hätte mich eine Lawine überrollt. Ich glaube, ich kann keinen einzigen Finger mehr rühren.“
Kai gab ein tiefes, leises Grollen von sich, das verdächtig nach einem stolzen, zutiefst zufriedenen Schmunzeln klang. Er drückte einen rauen Kuss auf ihre nackte Schulter, genau dorthin, wo seine Zähne sich vorhin tief in ihre Haut gegraben hatten.
Seine Hand glitt in einer langsamen, beruhigenden Geste über ihre Hüfte, strich sanft über das strapazierte Fleisch, um die Muskeln zu entspannen.
„Du hättest jederzeit aufhören können“, flüsterte er, und die anfängliche, rasende Dunkelheit in seiner Stimme war einer tiefen, fast schon ehrfürchtigen Ernsthaftigkeit gewichen.
„Du hättest in der Bibliothek stehenbleiben können. Du hättest im kleinen Salon aufgeben können. Aber du bist gelaufen. Du hast mich herausgefordert.“
Er hielt inne, und Nami spürte, wie er den Griff um sie noch einmal subtil verstärkte um sich ihrer Gegenwart absolut zu versichern.
„Es gibt niemanden außer dir.“, fuhr er leise fort, und die Offenheit in seinen Worten war das größte Privileg, das er ihr schenken konnte. „Niemanden, der meine Abgründe so annimmt und sie regelrecht einfordert, ohne darin zu ertrinken. Du hast keine Angst vor dem Raubtier.“
Nami schloss die Augen, legte ihre Hand matt auf seine, die immer noch auf ihrer Taille lag, und drückte sie sanft. „Weil ich weiß, dass das Raubtier mich zwar jagt… aber mich niemals verletzen würde. Ich liebe deine Abgründe, Kai. Weil sie echt sind.“
Kai rutschte mit einer fließenden, behutsamen Bewegung ein Stück zurück, um ihr den nötigen Freiraum zu geben. Nami nutzte den Platz dankbar und rollte sich langsam auf den Rücken, bis sie flach auf dem Parkett lag und direkt in sein Gesicht blicken konnte. Seine rubinroten Augen hatten jede Spur der jagenden Wildheit verloren; sie wirkten nun tief, dunkel und unendlich sanft.
Er beugte sich über sie und küsste sie... ganz langsam, zärtlich und ohne jede Dringlichkeit, als wollte er die raue Hitze der vergangenen Stunde mit diesem einen Moment der puren Hingabe hinwegwischen.
Als er den Kuss löste, legte er seine Stirn sachte gegen die ihre, sodass ihr warmer Atem sich miteinander vermischte.
„… und ich am Ende des Tages von dir aufgefangen werde“, führte Nami den Gedanken leise fort, während ihr Blick tief in seinem versank. Ein mattes, aber unendlich glückliches Lächeln lag auf ihren Lippen. „Du kannst so unglaublich heiß und beängstigend fordernd sein… und gleichzeitig so zärtlich und liebevoll.“
Kai sah sie einfach nur an. Seine Augen fixierten sie mit einer Intensität, die ihr fast den Atem raubte, während er langsam die Hand hob und ihr mit dem Handrücken über die erhitzte Wange streichelte. Seine Haut war warm, seine Berührung so vorsichtig, als bestünde sie aus feinstem Glas.
„Diese zärtliche und liebevolle Seite… ich habe sie einzig und allein für dich erschaffen.“, raunte er, und seine Stimme war so tief und fest, dass kein einziger Zweifel an seinen Worten bestand. Seine Finger glitten sachte zu ihrer Schläfe, strichen eine feuchte, silbrige Locke aus ihrem Gesicht.
„In dem Moment, als ich dich das erste Mal sah… da wurde diese Seite in mir geboren. Vorher gab es sie schlichtweg nicht.“
Nami schluckte schwer und blinzelte hastig, um die Tränen der Rührung zu unterdrücken, die plötzlich heiß in ihren Augenwinkeln brannten.
Es war so unfassbar überwältigend.
Kai sagte mittlerweile oft solche tiefgründigen, beinah ungewohnt romantischen Dinge... und das Faszinierendste daran war, dass er es nicht einmal zu bemerken schien. Er hielt nicht inne, er korrigierte sich nicht, er wirkte nicht unbeholfen dabei. Es war, als würde er überhaupt nicht darüber nachdenken, was er da gerade aussprach; er tat es einfach.
Weil es für ihn die einzige, unumstößliche Wahrheit war.
Seine Lippen sprachen einfach aus, was sein Herz für sie fühlte, ganz ohne Filter, ganz ohne die alte, kühle Maske, die er vor der restlichen Welt trug.
Sie schlang ihre Arme, so gut es ihre erschöpften Muskeln zuließen, enger um seinen Nacken und zog ihn wieder zu sich nach unten, um diese überwältigende Wahrheit in einem langen, tiefen Kuss auf ihren Lippen zu besiegeln.
Kai löste sich mit einer bedächtigen, fast schon andächtigen Behutsamkeit von ihr. Als sein wärmender Körper von dem ihren wich, spürte er sofort, wie tief Nami in die Kissen der Erschöpfung gesunken war; ihre Lider waren schwer, ihre Glieder so bleiern, dass sie wohl noch in derselben Sekunde nackt auf dem hölzernen Parkett des Ballsaals eingeschlafen wäre.
Ein leises, raues Schmunzeln löste sich aus seiner Kehle. „Ich trage dich ins Bett“, flüsterte er, und seine Stimme besaß wieder jene tiefe, beschützende Wärme, die nur ihr allein gehörte.
Er griff unter ihren Rücken und ihre Knie, um sie mühelos nach oben zu heben. Doch als er die ersten Schritte ansetzte, spürte er die verräterische, feuchte Kühle einer kleinen Pfütze direkt unter seinen nackten Fußsohlen. Kai hielt für einen Wimpernschlag inne. Das dunkle, raubtierhafte Schmunzeln kehrte für den Bruchteil einer Sekunde auf seine Lippen zurück, als er auf sie herabblickte. „Du hast alles nass gemacht, als du gekommen bist“, raunte er amüsiert.
Nami gab nur ein mattes, erschöpftes Seufzen von sich. Sie war viel zu müde, um überhaupt noch die Kraft aufzubringen, über seine schamlosen Worte nachzudenken oder gar darauf zu kontern. Sie ließ den Kopf einfach gegen seine breite, nackte Schulter sinken und schloss die Augen, während er sie mit gleichmäßigen, sicheren Schritten aus dem weiten Ballsaal herausführte.
Er durchquerte die dämmrige Eingangshalle und trug sie die breite, majestätische Marmortreppe hinauf in den ersten Stock.
Als sie den oberen Korridor erreichten, in dem die langen Schatten der Nacht wie stumme Wächter lagen, schmiegte sich Nami nur noch enger an seine Brust. Seine vertraute Hitze umgab sie, und plötzlich brannten ihr jene drei Worte, die sie schon so lange in sich trug, intensiver denn je auf den Lippen.
~Worauf warte ich eigentlich noch?~, dachte sie, während ihr Geist zwischen Schlaf und plötzlicher Klarheit hin- und herwog. Hatte er nicht erst letztens… beiläufig angemerkt, dass sie es ihm bereits gesagt hatte?
Nami konnte sich beim besten Willen nicht mehr an den genauen Moment erinnern, aber er musste diese Worte gemeint haben. Es gab nichts anderes von solcher Tragweite. Ihr Herz, das eben noch so ruhig geschlagen hatte, begann plötzlich wieder schneller gegen ihre Rippen zu hämmern... ein heftiger Adrenalinschub, der die lähmende Müdigkeit für einen Moment komplett wegwischte.
„Kai…“, flüsterte sie, und ihre Stimme war kaum mehr als ein rauer Hauch in der Stille des Flurs. Mit einer schwachen, zitternden Bewegung hob sie die Hand und legte ihre Handfläche sanft an seine warme Wange.
Kai blieb augenblicklich stehen. Sie befanden sich direkt vor der massiven Tür des Schlafzimmers. Er bewegte sich nicht, spannte die Muskeln an und blickte schweigend auf sie herab, während sie ihn aus ihren müden, aber unendlich entschlossenen ozeanblauen Augen ansah.
Für ein paar Sekunden hielt sie inne, die Luft zwischen ihnen schien stillzustehen. Kai spürte die plötzliche, vibrierende Anspannung in ihrem Körper, und er wusste ganz genau, was in ihr vorging. Er kannte sie zu gut.
„Du musst unbedingt schlafen“, flüsterte er raubbeinig, und in seinem Blick lag eine stumme Bitte, ein seltener Moment, in dem er sie vor der Intensität ihrer eigenen Gefühle schützen wollte. Er wusste genau, was auf ihren Lippen brannte. Er hatte es ihr vor einer Woche selbst erzählt wie sie es ihm im Halbschlaf bereits gesagt hatte, hatte ihr gesagt, sie müsse es nicht hinunterschlucken. Aber jetzt, in dieser tiefen Erschöpfung, wirkte sie wieder so schutzlos, dass er sie einfach nur abschirmen wollte... selbst vor sich selbst.
„Denn wenn du jetzt…“
„Ich liebe dich“, unterbrach Nami ihn mit zitternder, aber glasklarer Stimme.
Die Worte hingen für einen unendlich langen Moment in der Dunkelheit des Korridors. Kai erstarrte vollkommen.
Die eiserne, unnahbare Maske, die er sonst so perfekt beherrschte, bröckelte im Bruchteil einer Sekunde. Es war keine Überraschung über ihre Gefühle... er hatte sie längst gekannt, hatte sie in ihren Seufzern und in ihrem Halbschlaf gelesen und sogar gehört. Es war die nackte Wucht der Realität, die ihn traf, als sie es ihm hellwach und Auge in Auge direkt ins Gesicht sagte.
Sein Blick wandelte sich in eine faszinierende, fast schmerzhafte Mischung aus tiefer, ungezähmter Wärme und einer völlig ungewohnten, tief sitzenden Unsicherheit. Er sagte nichts, starrte sie einfach nur an, als hätte sie ein uraltes Siegel in seinem Inneren gebrochen.
Mit rasendem Herzen und den Tränen der Erschöpfung und Rührung in den Augenwinkeln stammelte Nami hastig weiter, um die plötzliche Schwere zu brechen: „Ich… ich musste es einfach sagen, Kai. Es musste sein. Weil es die Wahrheit ist.“ Sie schluckte schwer, spürte das wilde Hämmern in ihrer eigenen Brust und sah ihn flehend an. „Aber… ich erwarte überhaupt nicht, dass du es auch sagst. Es ist völlig okay, wenn du das nicht kannst. Wirklich. Vollkommen okay.“
Kai schloss langsam die Augen. Seine langen, dunklen Wimpern zeichneten scharfe Schatten auf seine Wangenknochen, während er einmal unendlich schwer und tief ein- und ausatmete. Seine breite Brust hob und senkte sich gegen ihren Körper, und für ein paar unbarmherzige Sekunden verharrte er in absoluter Reglosigkeit.
In Namis Brust raste das Herz mittlerweile so heftig, dass es schmerzte. Als sie seine verhaltene Reaktion bemerkte, flammte augenblicklich ein scharfer Funke von Reue in ihr auf. Ihr ganzer Körper war nach den Stunden der Ekstase noch immer völlig überflutet von einem berauschenden Cocktail aus Endorphinen, Hormonen und purer, körperlicher Erschöpfung.
Sie war in diesem Moment so verletzlich, so schutzlos und emotional aufgewühlt, wie man es nur sein konnte. Und genau deshalb konnte sie die aufkommenden Tränen nicht mehr zurückhalten. Sie brannten heiß in ihren Augenwinkeln und begannen langsam, in feinen Bahnen an ihren erhitzten Wangen hinabzugleiten.
Sie sah ihn einfach nur an, flehend und still, während er die Augen noch immer fest geschlossen hielt. Doch als schließlich ein erstes, leises, unwillkürliches Schluchzen ihre Kehle verließ, veränderte sich alles.
Kai riss die Augen auf. Das tiefe Rubinrot seiner Iris weitete sich, und ein seltener, zutiefst erschrockener Ausdruck legte sich über seine harten Gesichtszüge. Er hasste es, sie weinen zu sehen... und der Gedanke, dass er der Grund für diese Tränen sein könnte, traf ihn sichtlich unvorbereitet.
„Es… es tut mir leid…“, schluchzte Nami auf, und eine frische Träne stahl sich über ihre Lippen. Sie versuchte verzweifelt, den Blick abzuwenden, doch sie war in seinen Armen gefangen.
„Ich wollte dich nicht unter Druck se…“
Weiter kam sie nicht. Kai unterbrach sie mitten im Wort, indem er augenblicklich den Kopf senkte. Er fing ihre Lippen ab und zog sie in einen tiefen, unendlich zärtlichen Kuss, der jegliches weitere Schluchzen im Keim erstickte. Es war ein Kuss voller stummer Versprechungen, voller Reue darüber, sie auch nur eine Sekunde im Ungewissen gelassen zu haben, und voller Liebe, die keine Worte brauchte.
Als er sich schließlich schwer atmend von ihren Lippen löste, entfernte er sich keinen Millimeter zu weit. Er blieb ganz nah an ihrem Gesicht, suchte den direkten Kontakt und rieb seine Nase in einer unendlich liebevollen, fast schon schutzsuchenden Geste an der ihren, während seine warme Haut die salzige Feuchtigkeit auf ihren Wangen streifte.
„Du musst gar nichts mehr sagen“, flüsterte er, und seine raue Stimme war so sanft, wie sie es nur in den seltensten Momenten war. Er drückte seine Stirn gegen die ihre, um den Halt zu besiegeln. „Und du wirst dich erst recht nicht bei mir entschuldigen, Nami.“
Er machte eine winzige Pause, und seine roten Augen fixierten die ihren mit einer absoluten, unumstößlichen Aufrichtigkeit. „Ich fühle mich niemals von dir unter Druck gesetzt. Und ich will verdammt noch mal nicht, dass du jemals Angst davor hast, ehrlich zu mir zu sein. Nicht vor mir.“
Kai hielt erneut inne. Die Stille des Korridors legte sich wieder wie eine schwere, schützende Decke über sie, während sein Blick tief in ihren ozeanblauen Augen versank. Er wollte nichts Falsches sagen. Ihre Worte jetzt einfach so zu erwidern, nur um sie in ihrer emotionalen Aufgewühltheit zu beruhigen… das konnte er einfach noch nicht.
Es war nicht so, dass er nicht so fühlte wie sie. Das tat er. Jede einzelne Faser seines Körpers liebte diese junge Frau, und er würde sich selbst belügen, wenn er behaupten würde, es sei nicht so. Sie war sein Anker, sein Licht, die einzige Person, die jemals die Festung um sein Herz zum Einsturz gebracht hatte.
Doch das Wissen um eine Wahrheit war für Kai etwas völlig anderes, als sie selbst auszusprechen. Jemanden zu lieben, war ein Gefühl, das er mühsam zugelassen hatte... aber es zu erklären, es aktiv zu erwidern, bedeutete, die Kontrolle komplett abzugeben. Und genau das löste in seinem tiefsten Inneren eine instinktive Panik aus.
War es das Erbe seiner lieblosen, brutalen Kindheit? Die Kälte, mit der er aufgewachsen war? In der Welt, aus der Kai stammte, waren emotionale Zugeständnisse eine tödliche Schwachstelle gewesen. Worte wie diese waren Waffen, die man gegen einen verwenden konnte. Die Dunkelheit, die er Zeit seines Lebens wie eine zweite Haut in sich getragen hatte, flüsterte ihm noch immer zu, dass absolute Hingabe Gefahr bedeutete. Er wusste erst seit Kurzem, was Liebe überhaupt bedeutete, wie sie sich anfühlte und wie tief sie schneiden konnte. Genau deshalb waren diese drei Worte für ihn so viel mehr als nur Töne, Geräusche oder flüchtige Lippenbewegungen.
Sie bedeuteten für ihn eine absolute, unumkehrbare Kapitulation all seiner Verteidigungsmechanismen. Es war ein lebenslanges Versprechen, das er erst über die Lippen bringen konnte, wenn er die alten Geister seiner Vergangenheit endgültig zum Schweigen gebracht hatte. Diese Schwelle war für einen Mann wie ihn monumental.
Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, stieß Kai mit dem Fuß die Schlafzimmertür auf. Er trug sie hinein in die vertraute, warme Dunkelheit des Raumes, ging direkt auf das große Bett zu und legte sie mit unendlicher Vorsicht auf die weichen Laken. Bevor die Kühle der Decken sie einholen konnte, legte er sich zu ihr, zog ihren erschöpften Körper eng an seine breite Brust und hüllte sie vollständig in seine Hitze ein.
„Verzeih mir…“, flüsterte er so leise in ihr silbriges Haar, dass es fast im Raum verhallte. Seine Stimme war rau, fast brüchig vor einer ungewohnten Verletzlichkeit. „Bitte verzeih mir, dass ich es noch nicht sagen kann, Nami.“
Nami schmiegte sich nur noch enger an ihn, vergrub das Gesicht an seinem Hals und atmete seinen vertrauten Duft ein. Sie nickte sachte gegen seine Brust. Sie brauchte die Worte in dieser Nacht nicht.
Allein schon die Art und Weise, wie er sie jetzt hielt... so fest, als würde seine eigene Welt zusammenbrechen, wenn er sie losließ..., wie er sie vorhin geküsst und wie er sie nicht einen Moment allein gelassen hatte, war für sie Liebesbeweis genug.
Kai sprach vielleicht nicht die Sprache der Worte, aber sein Körper, seine Taten und seine bedingungslose Nähe in dieser Nacht sprachen eine weitaus lautere, unmissverständlichere Wahrheit.