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Aus den Fugen

Der Gezähmte Phönix — www.fanfiktion.de · All chapters

Aus den Fugen

Das weiche, goldene Licht des frühen Morgens stahl sich träge durch die schweren Vorhänge des Schlafzimmers und zeichnete lange, schimmernde Linien auf das dunkle Holz des Bodens. Im Ayame-Anwesen war es noch vollkommen still, als Nami langsam die Augen aufschlug.

Ihre Lider fühlten sich schwer an, und das erste, was sie wahrnahm, war die überwältigende, vertraute Hitze, die sie einhüllte. Kai hielt sie noch immer fest an seine Brust gepresst. Ein langer, muskulöser Arm lag schwer über ihrer Taille, seine Finger leicht in ihre Hüfte gekrallt... ein unbewusster, selbst im Schlaf besitzergreifender Griff, der keinen Millimeter Raum zwischen ihnen ließ.

Nami rührte sich kaum, um ihn nicht zu wecken. Sie genoss diesen seltenen Anblick. Ohne seine eiserne, wachsame Maske wirkten Kais harte Gesichtszüge fast friedlich. Seine Züge waren entspannt, die dunkelblau silbrigen Haare fielen ihm tief in die Stirn.

Sie atmete tief durch und spürte in ihren Körper hinein. Schmerzen hatte sie keine... die sanfte, heilende Aura ihres eigenen Bit-Beasts hatte über Nacht bereits ganze Arbeit geleistet. Die rauen Bisse und dunklen Flecken an ihrem Hals und den Schlüsselbeinen waren fast vollständig verschwunden; nur noch hauchzarte, blasse Schatten auf ihrer karamellfarbenen Haut erinnerten an die Brutalität der Jagd.

Doch als sie versuchte, sich aufzusetzen, merkte sie es sofort: Ihre Beine waren weich wie Pudding. Das Nachbeben des gewaltigen Hormon- und Endorphincocktails der letzten Nacht hielt ihren Körper noch immer in einer süßen, lähmenden Gefangenschaft. Sie hatte schlichtweg keine Kraft in den Knien, um zu laufen.

Das leise, gehetzte Atmen bei diesem Versuch reichte aus, um Kais Instinkte zu wecken. Seine Augen zuckten, und im nächsten Moment öffneten sich diese. Das tiefe Rubinrot seiner Iris fixierte sie augenblicklich. Da war keine morgendliche Trägheit in seinem Blick, sondern sofort diese intensive, schmerzhafte Aufmerksamkeit.

„Nami?“, raunte seine Stimme, extrem tief und rau vom Schlaf.

„Ich kann tatsächlich nicht aufstehen“, gestand sie mit einem matten, leicht verlegenen Schmunzeln.

„Meine Beine fühlen sich mal wieder an wie Pudding. Das Adrenalin von gestern hat sich wohl endgültig verabschiedet.“

Kai sah sie einen Moment stumm an. Dann strich ein fast unmerkliches, unendlich sanftes Leuchten durch seine Augen, gemischt mit einem Funken jenes dunklen, maskulinen Stolzes, der ihm eigen war.

Er beugte sich ein Stück vor, drückte einen kurzen, warmen Kuss auf ihre Lippen und strich ihr eine silberweiße Locke aus der Stirn.

„Bleib liegen“, raunte er leise. „Ich bin gleich zurück. Ich gehe kurz das Wasser in die Wanne lassen.“

Nami nickte dankbar und sank zurück in die Kissen, während Kai sich mit einer fließenden Bewegung aus dem Bett schälte. Sie beobachtete stumm seine nackte, muskulöse Silhouette im fahlen Morgenlicht, als er im angrenzenden Badezimmer verschwand.

Kurz darauf ertönte das ferne, beruhigende Rauschen von heißem Wasser, das in die tiefe Marmorwanne einlief.

Es dauerte nicht lang, bis Kai wieder im Türrahmen auftauchte. Der aufsteigende Wasserdampf wirbelte in leichten Schwaden hinter ihm her. Ohne ein weiteres Wort trat er an ihre Bettseite, schlug die schwere Decke zurück und schob seine Arme unter ihren Rücken und ihre Knie.

Er hob sie nach oben, als wöge sie absolut nichts. Nami schlang instinktiv die Arme um seinen Nacken, hielt sich fest und genoss die vertraute Sicherheit, während er sie ins Badezimmer trug.

Behutsam stieg er mit ihr zusammen in das heiße Wasser. Nami seufzte wohlig auf, als die Hitze ihren trägen Körper umspülte. Kai setzte sich zuerst, glitt tief in das Becken und zog sie sachte mit sich.

Am Ende saß Nami sicher zwischen seinen massiven Schenkeln, den Rücken eng an seine breite, nackte Brust gelehnt. Das warme Wasser reichte ihnen bis an die Schlüsselbeine. Kais Arme legten sich von hinten um ihren Bauch, hielten sie fest und gaben ihr den Halt, den ihre weichen Muskeln gerade nicht aufbringen konnten. Sie spürte den gleichmäßigen, beruhigenden Schlag seines Herzens an ihren Schulterblättern.

Einige Minuten lang herrschte absolute Stille, nur das leise Plätschern des Wassers war zu hören. Nami legte den Kopf nach hinten auf seine Schulter und schloss die Augen, während Kai begann, mit seinen großen, warmen Händen langsam ihre Waden unter Wasser zu kneten, um die letzte Trägheit zu vertreiben. Jede Berührung war von einer unendlich behutsamen Sorgfalt geprägt.

„Besser?“, flüsterte er an ihr Ohr, und sein warmer Atem brachte die feinen Härchen auf ihrer nackten Haut zum Aufstellen.

„Ja… viel besser“, hauchte sie und schmiegte sich noch enger an seine Brust.

Die Unsicherheit der Nacht war wie weggewaschen. Das Geständnis stand noch immer ungeklärt im Raum, doch die Art und Weise, wie er sie hielt, wie er sich jetzt um sie kümmerte und ihre Schwäche auffing, war für sie erneut eine Antwort.

Kai drückte seine Wange sanft gegen ihre Schläfe, spürte das seidige Silber ihrer Haare auf seiner Haut und gab ein leises, unheimlich tiefes Schmunzeln von sich.

„Umso besser, dass heute Sonntag ist“, raunte er, und seine Stimme vibrierte warm an ihrem Ohr.

„So musst du dich wenigstens nicht schon wieder für dein Fehlen in der Schule rechtfertigen.“

Nami lachte kurz und erschöpft auf, die Anspielung auf ihre gelegentlichen, durch ausgedehnte Nächte verursachten Fehlzeiten am Morgen wohl verstehend. Doch noch während das belustigte Geräusch in ihrer Kehle widerhallte, stockte sie plötzlich mitten in der Bewegung. Ihr Atem fror ein.

Sonntag.

Irgendetwas tief in ihrem Unterbewusstsein schlug mit einem Mal wild Alarm. Ein eisiger Schauer der Erkenntnis jagte ihr durch die Glieder und vertrieb die wohlige Wärme des Badewassers im Bruchteil einer Sekunde.

Sonntag, der 21. November.

Und plötzlich fiel es ihr wie Schuppen von den Augen.

Mit einem Ruck, der das Wasser heftig über den Rand der Marmorwanne schwappen ließ, schreckte Nami nach vorne. „Scheiße!“, fluchte sie laut und presste die Hände gegen die Stirn.

Kai reagierte sofort auf die abrupte Bewegung. Seine Muskeln spannten sich an, und seine Arme, die eben noch locker um ihren Bauch gelegen hatten, fingen sie instinktiv ab, damit sie im nassen Marmor nicht den Halt verlor. Seine rubinroten Augen verengten sich prüfend. „Was ist los?“, fragte er mit rauer, augenblicklich fokussierter Stimme. „Hast du Schmerzen?“

„Nein, nein, keine Schmerzen“, fluchte Nami erneut, nur diesmal schloss sie frustriert die Augen und schüttelte fassungslos über sich selbst den Kopf.

„Verdammt noch mal, Nami… wie konntest du das nur vergessen?!“

Kai zog eine Augenbraue nach oben, sichtlich irritiert über ihren plötzlichen emotionalen Ausbruch im ansonsten so friedlichen Badewasser. „Nami. Red mit mir. Was ist verdammt noch mal los?“

Sie drehte den Kopf halb zu ihm um, die ozeanblauen Augen geweitet vor purem, ungläubigem Entsetzen.

„Heute ist der einundzwanzigste November, Kai“, brachte sie fassungslos hervor. „Heute ist der achtzigste Geburtstag meiner Großmutter Yumiko. Oma Yumi!“

Kai zog die Augenbrauen zusammen, sichtlich unbeeindruckt von der plötzlichen Panik. Für einen Mann, der mit familiären Pflichten und Geburtstagsfeiern zeitlebens absolut nichts am Hut gehabt hatte, war diese Information schlichtweg kein Grund zur Aufregung.

„Und?“, fragte er mit seiner gewohnt trockenen, tiefen Stimme, ohne auch nur eine Miene zu verziehen.

Nami stöhnte frustriert auf und warf die Arme in die Luft, was erneut eine kleine Welle über den Wannenrand schwappen ließ.

„Und das bedeutet, dass heute die gesamte Familie Tachiba bei Oma Yumi in Ueno eingeladen ist, um dort zu feiern! Heißt… dass ich heute ebenfalls dorthin muss. Pünktlich. Und die ganze Familie wird da sein, Kai. Die ganze Familie.“

Kai sah sie einen unendlich langen Moment einfach nur schweigend an. Kein Muskel in seinem Gesicht bewegte sich. Dann glitt sein Blick langsam, fast schon auf reizende Weise provokant, von ihren Schultern hinab unter die Wasseroberfläche, wo ihre nackten Beine wie weicher Pudding unter dem warmen Nass schimmerten. Er dachte an ihren Zustand von vor fünf Minuten, als sie sich keinen Zentimeter aus den Kissen bewegen konnte.

Er hob den Blick wieder, fixierte ihre ozeanblauen Augen und zog eine Augenbraue nach oben. „Und du willst… so da hingehen? Also… wenn wir hier überhaupt vom... Gehen... reden können.“

Nami kniff die Augen zusammen und bedachte ihn mit einem vernichtenden, wenn auch völlig wirkungslosen Blick. Da sie der schieren Realität seiner Worte jedoch absolut nichts entgegenzusetzen hatte, stieß sie die Luft aus den Lungen und ließ sich seufzend wieder nach hinten sinken, bis ihr Rücken flach an seiner breiten, warmen Brust lag.

Die Situation war an Absurdität kaum zu übertreffen. Sie saß nackt in einer Marmorwanne, war nach einer Nacht voller rauer, besitzergreifender Ekstase körperlich so handlungsunfähig, dass sie getragen werden musste, und sollte in wenigen Stunden im feinen Dress beim 80. Geburtstag ihrer Großmutter aufkreuzen.

Kais unerschütterliche Ruhe und sein staubtrockener Humor machten die Sache endgültig skurril. Trotz der leichten Verzweiflung, die in ihrer Magengrube rumorte, spürte Nami, wie ein unwillkürliches Glucksen in ihrer Kehle aufstieg. Sie vergrub das Gesicht in den nassen Händen und schüttelte den Kopf gegen seine Schulter. „Du bist unmöglich, Kai“, murmelte sie lachend.

„Wie viel Uhr haben wir überhaupt?“, fragte Nami leise und blickte sehnsüchtig in Richtung der beschlagenen Fensterscheiben, als könnte sie die Zeit dort ablesen.

Kai legte den Kopf leicht in den Nacken und wandte den Blick zur Seite, um auf die kleine, filigrane Uhr zu schauen, die auf dem steinernen Fensterbrett des Badezimmers stand. „Zehn Uhr sechzehn“, antwortete er ungerührt.

Nami stieß ein langes, melodramatisches Seufzen aus und vergrub das Gesicht kurz im warmen Badewasser, ehe sie wieder auftauchte.

„Die Familie trifft sich bereits um zwölf Uhr im Ryokan von Oma Yumi und Opa Takeshi. Das ist in knapp anderthalb Stunden! In Ueno!“

Kai gab ein tiefes, raues Schmunzeln von sich. Seine Arme schlossen sich wieder fester um sie, während er sie besitzergreifend an seine heiße Brust zog, als wolle er sie gar nicht erst an die Außenwelt abtreten. „Sag einfach, du bist krank, und gut ist“, raunte er pragmatisch. „Du kannst ohnehin kaum stehen.“

Nami schüttelte energisch den Kopf, was einige silberweiße Locken fliegen ließ. „Das geht nicht. Du kennst Oma Yumi einfach noch nicht, Kai. Sie wäre tottraurig, wenn ich… wenn... wir... nicht kämen.“

Sie hielt mitten im Satz inne, als sie spürte, wie Kais Griff um ihren Bauch plötzlich eine Nuance fester, fast schon starr wurde.

„Wir?“, fragte er mit seiner tiefen, rauen Bassstimme direkt an ihrem Ohr. „Du willst, dass ich mitkomme?“ Er legte den Kopf leicht schief, und obwohl sie sein Gesicht nicht sehen konnte, hörte sie das ungläubig trockene Amüsement in seinem Tonfall förmlich heraus. Er war keineswegs wütend oder genervt... der Gedanke war für ihn einfach nur völlig absurd.

„Auf eine Familienfeier? Nachdem ich gestern schon einen ganzen Tag im Disneyland verbracht habe?“

Nami biss sich verlegen auf die Unterlippe. Es stimmte ja; Kai durch ein bizarres Familienfest der Tachibas zu schleppen, nachdem er am Vortag bereits heroisch die Reizüberflutung eines Freizeitparks überlebt hatte, grenzte an seelische Grausamkeit.

„Und wieso überhaupt sollte deine Großmutter traurig sein, wenn ich nicht auftauche?“, hakte er nach, und das dunkle Schmunzeln schwang wieder in seiner Stimme mit. „Sie hat mich noch nie im Leben gesehen.“

Nami wandte das Gesicht ein Stück zu ihm um, die Wangen nun nicht mehr nur vom heißen Wasser leicht gerötet. „Weil sie eben… schon ziemlich viel von dir gehört hat, Kai“, gestand sie leise.

„Sie hat mir am Telefon mehrmals die Ohren vollgejammert.“ Sie räusperte sich kurz und versuchte, Oma Yumis theatralische, aber unendlich liebevolle Stimme nachzuahmen:

„Nami-chan, du musst mir unbedingt diesen unverschämt gutaussehenden jungen Mann mitbringen, von dem alle reden! Bring deinen Freund mit, ich will ihn sehen!“

Nami drehte den Kopf noch ein Stück weiter, bis sie sein Profil im dampfenden Dunst des Badezimmers genau erkennen konnte. Ein ertapptes, fast schon schuldbewusstes Lächeln stahl sich auf ihre Lippen.

„Und du musst wissen… Oma Yumi hat natürlich einen Fernseher“, fügte sie mit einem amüsierten Unterton hinzu. „Auf dem sie… nun ja, öfter mal diese typischen Klatsch- und Boulevard-Sendungen verfolgt. Und da hat sie eben Berichte über uns beide gesehen. Einschließlich des Videos, in dem du mich damals mitten im Stadion geküsst hast. Das hat bei den älteren Damen in Ueno für ordentlich Gesprächsstoff gesorgt.“

Als sie endgültig Kais Gesichtsausdruck auffing... dieses unbezahlbare Bild von absolutem, staubtrockenem Entsetzen gepaart mit purer Fassungslosigkeit darüber, dass er das Thema einer Seniorentratschrunde war..., konnte sie an sich halten. Sie lachte hell auf, und das Geräusch hallte melodisch von den Fliesen des Badezimmers wider.

„Es tut mir leid!“, entschuldigte sie sich glucksend, hob eine Hand aus dem Wasser und strich ihm sanft über den nackten Oberarm. „Du musst natürlich überhaupt nicht mitkommen, Kai. Du kannst absolut hierbleiben und den Sonntag im ruhigen Anwesen genießen, wenn du keine Lust auf den Tachiba-Clan hast. Ich dränge dich zu rein gar nichts, und es ist wirklich vollkommen in Ordnung für mich. Versprochen.“

Kai schnaubte nur verächtlich, eine tiefe, raue Geste des Amüsement, während er den Blick wieder auf sie richtete. Seine Augen verengten sich, während wieder dieser besitzergreifende, dominante Funke aus der Nacht aufblitzte.

„Ich will erst mal sehen, wie du überhaupt geradeaus läufst, Nami“, entgegnete er ungerührt und ließ seine Hand unter Wasser an ihrer Hüfte heraufgleiten, um den weichen, kraftlosen Zustand ihrer Muskeln zu prüfen. „Denn selbst wenn du theoretisch ohne mich gehen...würdest… das auch zu können, ist im Moment eine ganz andere Sache.“

Nami lachte erneut auf, diesmal mit einem warmen, neckisch strafenden Blick, den sie ihm über die Schulter zuwarf. Er hatte ja verdammt noch mal recht. Wie sie in diesem Zustand und ohne seine starken Arme auch nur bis zur Eingangshalle kommen sollte, war ihr selbst noch ein absolutes Rätsel.

„Wir werden sehen“, raunte Kai, und das dunkle, besitzergreifende Schmunzeln kehrte auf seine Lippen zurück.

Bevor Nami überhaupt reagieren konnte, veränderte sich die Dynamik seiner Berührungen im Wasser grundlegend. Er wartete nicht darauf, dass der Pudding in ihren Beinen auf magische Weise verschwand.

Mit einer absolut selbstverständlichen Dominanz griff er tiefer in das heiße Wasser und packte ihre Waden erneut. Diesmal war es kein sanftes, behutsames Streichen mehr. Seine großen, schwieligen Hände schlossen sich mit festem, unbarmherzig gezieltem Druck um ihre Muskeln.

Nami keuchte überrascht auf und wollte instinktiv vor dem intensiven Druck zurückweichen, doch in der engen Wanne und zwischen seinen massiven Schenkeln gab es kein Entkommen. Er hielt sie mühelos fest.

Sie hatte absolut keine Ahnung, was er da tat... es fühlte sich an, als würde er jeden einzelnen Nervenstrang in ihren Beinen eigenhändig wieder zum Leben erwecken.

„Kai… was machst du da?“, brachte sie leicht atemlos hervor, während eine wohlige, aber verdammt intensive Hitze durch ihre Waden schoss.

Kai beugte sich ein Stück nach vorn, bis seine Lippen fast ihre Ohrläppchen streiften. Sein heißer Atem mischte sich mit dem aufsteigenden Dampf der Wanne, als er ihr die Erklärung mit seinem tiefen, rauen Timbre direkt ins Ohr raunte.

„Ich löse die Blockade in deinen Muskeln“, erklärte er ungerührt, während seine Daumen mit festen, kreisenden Bewegungen die Durchblutung anregten.

„Nach einem extremen Adrenalinschub und der anschließenden Entspannung sackt der Tonus weg. Das Blut versackt in den Gefäßen. Wenn ich die Tiefenmuskulatur jetzt nicht rigoros durchknete, kommst du heute nicht mal unfallfrei aus dieser Wanne heraus, geschweige denn nach Ueno.“

Nami biss sich auf die Unterlippe und legte den Kopf stöhnend nach hinten auf seine Schulter. Es war eine faszinierende Mischung aus intensiver, fast schmerzhafter Stimulation und einer unglaublichen Erleichterung, die sich Sekunde für Sekunde in ihren Beinen breitmachte.

Mit jedem festen Griff seiner Finger spürte sie, wie die lähmende Schwäche schwand und die gewohnte Stabilität in ihre Glieder zurückkehrte.

Er war eben durch und durch ein Profi; er kannte den menschlichen Körper, seine Grenzen und die Erste-Hilfe-Griffe nach einer totalen Überanstrengung perfekt. Dass er dieses Wissen nun ausgerechnet anwendete, um die Folgen ihrer gemeinsamen, wilden Nacht zu beseitigen, verlieh dem Ganzen eine herrlich prickelnde Note.

„Du bist… erstaunlich effizient.“, murmelte sie mit einem leisen, matt glücklichen Lächeln, während sie spürte, wie das Gefühl in ihren Zehen und Knien vollkommen zurückkehrte.

„Ich überlasse eben nichts dem Zufall“, entgegnete er raubbeinig. Seine Hände wanderten langsam von ihren Waden hoch zu ihren Oberschenkeln, um das Werk zu vollenden, und sein Griff wurde für einen Moment wieder deutlich besitzergreifender.

„Schon gar nicht, wenn es um das geht, was mir gehört.“

Nami lachte leise auf, ein schönes, leicht ungläubiges Geräusch, während sie den Kopf noch ein Stück weiter nach hinten an seine Schulter lehnte. „Und wieso, bitteschön, hast du das nicht bereits bei den letzten Malen so gemacht?“, fragte sie neckisch. „Da hast du mich wie eine Invalide getragen, anstatt mir einfach die Beine zu kneten.“

Kai hielt für einen Wimpernschlag in der Bewegung inne. Dann senkte er den Kopf vollends, bis seine Lippen ihre heiße Haut am Hals berührten.

„Weil ich es verdammt noch mal genossen habe, dich so gezeichnet zu haben“, hauchte er ihr dunkel ins Ohr, und seine Stimme war so tief, dass Nami das raue Vibrieren direkt auf ihren Schlüsselbeinen spürte.

„Ich wollte, dass du jeden Schritt spürst. Dass du weißt, zu wem du gehörst.“

Namis Atem wurde augenblicklich flacher.

Die sündige Wärme, die sich bei seinen Worten sofort wieder in ihrem Unterleib ausbreitete, hatte absolut nichts mit dem heißen Badewasser zu tun. Das vertraute, gefährliche Prickeln war sofort wieder da.

„Kai…“, flüsterte sie, und ihre Stimme verlor schlagartig jede neckische Leichtigkeit.

„Hör auf. Das da gerade geht schon wieder genau in die Richtung, die meine Beine im Endeffekt nur noch weicher macht. Wir haben keine Zeit für eine Revanche.“

Ein tiefes, unheimlich amüsiertes Schmunzeln löste sich aus seiner Kehle, direkt an ihrem Ohr. Er verlangsamte die Bewegungen seiner Hände auf ihren Oberschenkeln nicht, doch der Druck seiner Daumen wurde eine Nuance geschmeidiger, fast schon aufreizend langsam.

„Ich habe keine Ahnung, was du meinst“, raunte er mit perfekt gespielter Ahnungslosigkeit, während seine Lippen ihre Halsbeuge streiften.

„Ich bin absolut unschuldig. Ich massiere dich hier nur. Rein medizinisch… und völlig ohne Hintergedanken.“

Nami kniff die Augen zusammen und stieß ein hilfloses, leicht verzweifeltes Seufzen aus, obwohl ihr Herz schon wieder viel zu schnell gegen ihre Rippen hämmerte. Dieser Mann war die pure Provokation... und er wusste es ganz genau.

Nami versuchte, sich trotz des wohltuenden Gefühls in ihren Muskeln spielerisch aus seinem Griff zu winden.

„Ohne Hintergedanken, dass ich nicht lache.“, murmelte sie, während ihr Herzschlag merklich beschleunigte.

„Wir müssen hier raus. Sofort.“

Kai ließ ein tiefes Schmunzeln vernehmen, das an ihrem Rücken vibrierte. Anstatt sie jedoch sofort freizugeben, wanderte seine Hand auf ihrem Oberschenkel noch ein kleines, unverschämtes Stück weiter nach oben. Er drückte sie noch einmal fest gegen seine nackte Brust, senkte den Kopf und fing ihre Lippen in einem tiefen, fordernden Kuss ein. Ein besitzergreifendes, heißes Versiegeln, das ihr für einen Moment komplett den Verstand raubte.

Er wollte ihr noch ein letztes Mal beweisen, wer hier die absolute Kontrolle über ihren Atem und ihren Zeitplan hatte.

Erst als er spürte, dass sie vor akuter Atemnot und der schieren Panik vor Oma Yumis traurigem Blick leise gegen seine Brust klopfte, löste er sich mit einem unanständig dreckigen Schmunzeln von ihr.

„Na schön“, raunte er, und das rubinrote Glühen in seinen Augen sprach Bände.

Mit einer fließenden, unheimlich athletischen Bewegung stieg er aus der Marmorwanne. Nami blieb für einen Herzschlag die Spucke weg, als sie erneut den unzensierten Blick auf seinen perfekt gebauten, nackten Körper erhaschte, an dem das Wasser in langen Bahnen herablief.

Er griff nach einem der großen, dunklen Handtücher, schlang es sich nachlässig um die Hüften und drehte sich zu ihr um.

„Raus da“, befahl er trocken, und sein Blick glitt prüfend über sie. „Zehn Minuten zum Anziehen. Ich komme mit.“

Nami sah ihn überrascht an. „Du kommst mit? Wirklich?“

„Ich lasse dich ganz bestimmt nicht in diesem Zustand allein auf ein Familienfest los“, entgegnete er raubbeinig, während er ihr ein großes, weiches Handtuch hinhielt.

Seine Augen verengten sich leicht, als er sah, wie sie beim Aufstehen noch ganz leicht schwankte. Die Massage hatte zwar Wunder gewirkt und die Lähmung vertrieben, aber ein feines Zittern war noch da. „Du fällst mir sonst auf halber Strecke um. Und ich habe keine Lust, dich später aus Ueno abholen zu müssen, weil deine Knie nachgegeben haben.“

Nami fing das Handtuch auf und sah ihn überrascht, aber mit einem warmen Glänzen in den Augen an.

„Du tust dir das also wirklich an? Den Tachiba-Clan? Nur wegen meiner weichen Knie?“

Kai schnaubte leise und wandte den Blick ab, während er sich das Handtuch enger um die Hüften zog. „Wenn ich nicht mitkomme, jammert deine Großmutter dir doch die Ohren voll, weil du ohne Begleitung aufkreuzt.“

Es war wieder die typische Hiwatari-Art, seine Fürsorge hinter Pragmatismus zu verstecken.

Aber Nami kannte ihn mittlerweile gut genug, um zu wissen, was es ihn an Überwindung kostete, sich freiwillig in ein solches Familienevent zu stürzen. Dass er mitkam, war wie so oft sein ganz persönliches, stilles Zugeständnis an sie.

„Danke.“, hauchte sie leise, wickelte sich in das Handtuch und trat testweise auf den Boden. Die Beine hielten. Sie waren zwar noch weich wie Watte, aber sie stand stabil.

„Nicht reden. Beeilen“, schnaubte er nur, während er sie sanft aber bestimmt in Richtung des Schlafzimmers schob.

Etwa 20 Minuten später...

Das vertraute, tiefe Summen des Sportwagens war das einzige Geräusch, das die Kabine erfüllte, während die Skyline von Tokio im grauen Novemberlicht an ihnen vorbeizog. Kai hielt das Lenkrad mit einer Hand locker, aber fest im Griff. Sein Blick war starr auf die Straße gerichtet, die Züge seines Gesichts so unnahbar und maskulin wie eh und je.

Neben ihm saß Nami, die hektisch noch einen letzten Blick in den kleinen Spiegel der Sonnenblende warf und ihre silberweißen Haare ordnete. Sie war sichtlich angespannt wegen des engen Zeitplans. Kai schwieg. Doch hinter seiner eisernen, kühlen Fassade rasten die Gedanken.

Er dachte an die vergangene Nacht. An den Moment als sie ihm die drei Worte geschenkt hatte, die noch immer wie ein unsichtbares Echo in seinem Kopf widerhallten.

Ich liebe dich.

Sie hatte es ausgesprochen. Mutig, bedingungslos und ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Und er? Er hatte geschwiegen.

Nicht, weil er nichts fühlte..., sondern weil diese Worte sich in seiner Kehle anfühlten wie eine unüberwindbare Barriere. Kai Hiwatari sagte so etwas nicht einfach.

Er war kein Mann der großen Reden.

Doch in der Stille der Nacht, als sie erschöpft an seiner Brust geschlafen hatte, war ihm etwas wieder eingefallen. Ein Gedanke, der ihn seither nicht mehr losgelassen hatte.

Er hatte es bereits gesagt.

Mehr oder weniger.

Es war nicht direkt zu ihr gewesen, nicht in einer friedlichen, intimen Sekunde wie dieser. Es war in jenem Moment purer, nackter Verzweiflung geschehen, als er alles riskierte, um sie aus den Fängen seines eigenen, von Black Dranzer besessenen Klons zu retten.

Inmitten des Chaos, als der Klon Nami verletzen und ihre Seele rauben wollte, hatte Kai die Kontrolle verloren. All sein Stolz, all seine Beherrschung waren in diesem Augenblick verbrannt.

Er konnte sich noch genau an das raue, hasserfüllte Brüllen erinnern, das damals aus seiner eigenen Kehle geschossen war, gerichtet an sein künstliches Ebenbild:

„Du gibst dich für mich aus und verletzt das Mädchen, das ich liebe!“

Kai spürte, wie sich seine Finger um das Leder des Lenkrads minimal fester verkrampften, als die Erinnerung ihn durchflutete. Er erinnerte sich an den Blick des Klons in genau diesem Wimpernschlag. Es war ein Ausdruck von absolutem, ungläubigem Entsetzen gewesen. Für die gequälte, künstliche Seele des Klons, die im Inneren von der bösartigen Macht von Black Dranzer unterdrückt und kontrolliert wurde, waren diese Worte wie ein verheerender Donnerschlag gewesen.

Dieses Geständnis von seinem originalen Ebenbild war das fehlende Puzzleteil für das künstliche Bewusstsein gewesen. Es war der Beweis für eine menschliche Bindung, die der Klon niemals für eine Person wie Kai Hiwatari möglich gehalten hätte. Und genau dieses Teil hatte dem wahren Kern in der Tiefe des Körpers die Kraft gegeben, sich aufzubäumen.

Es war der Katalysator gewesen, der die Unterdrückung durch Black Dranzer für einen entscheidenden Moment ins Wanken brachte, damit sie die Kontrolle über den besessenen Körper zurückerlangen und dem Albtraum ein Ende setzen konnten.

Kai warf einen kurzen, fast unmerklichen Seitenblick zu Nami. Sie strich sich gerade eine Locke aus dem Gesicht und blickte nach draußen, ahnungslos, welche Stürme in seinem Inneren tobten.

Er hatte es damals vor dem Klon zugegeben. Sie war das Mädchen, das er liebte.

Daran hatte sich bis heute nichts geändert... es war im Gegenteil nur noch tiefer, dunkler und unumstößlicher geworden. Er konnte es ihr nur noch nicht ins Gesicht sagen.

Noch nicht.

Sein Blick wanderte zurück auf die Straße, während er das Gaspedal ein Stück tiefer durchdrückte und der Motor kraftvoll aufheulte. Er würde es ihr erneut zeigen. Heute, indem er sich für sie dieser Familienfeier stellte.

Und an jedem verdammten Tag danach.