Frühlingserwachen
Frühlingserwachen
3 Monate später...
Als Nami die schweren Glastüren des Prüfungszentrums hinter sich ins Schloss gleiten ließ, stieß sie einen Atemzug aus, der sich anfühlte, als hätte sie die Last der gesamten Welt von ihren Schultern geworfen. Die frostige Februarluft Tokios traf ihre erhitzten Wangen, doch im Gegensatz zu dem nervösen Zittern der letzten drei Monate spürte sie jetzt nur noch eine unendliche, befreiende Erleichterung.
Es war vorbei. Die letzte, alles entscheidende Abschlussprüfung war geschrieben.
Ein tiefes, absolut sicheres Gefühl breitete sich in ihrer Brust aus. Das ununterbrochene Büffeln, die schlaflosen Nächte inmitten von Bergen aus Lehrbüchern und die strikte Disziplin der vergangenen drei Monate hatten sich ausgezahlt. Sie wusste, ohne einen Funken Zweifel, dass ihre Punktezahl mehr als ausreichen würde. Die Erleichterung war so überwältigend, dass sie am liebsten laut über den Vorplatz gejubelt hätte.
Stattdessen beschleunigte sie ihre Schritte, während ein unendlich glückliches Lächeln ihr Gesicht erhellte. Sie wollte nur noch nach Hause. In ihr echtes, neues Zuhause.
Die vergangenen Monate hatten ihr Leben komplett auf den Kopf gestellt. Der endgültige Einzug bei Kai war nun keine flüchtige Idee mehr, sondern gelebte, wunderschöne Realität. Ihr altes Jugendzimmer im Haus ihrer Eltern hatte sie inzwischen komplett geräumt und ihrer jüngeren Schwester Midori überlassen, die den neu gewonnenen Platz gequetscht zwischen ihren eigenen Teenager-Sachen bereits lautstark feierte.
Zur unbändigen, wenn auch gewohnt trocken und diskret überspielten Freude von Graham, bewohnten sie nun dauerhaft den Westflügel des Ayame-Anwesens.
Kai hatte diese Entscheidung ganz allein und ohne ein einziges großes Wort getroffen... einzig und allein für sie. Er wusste, wie sehr Nami dieses geschichtsträchtige, 60 Jahre alte Anwesen am Rande von Tokio liebte, das mit seiner klassizistischen Pracht eher an ein europäisches Herrenhaus erinnerte. Er wusste, wie wohl sie sich in der Nähe ihres Elternhauses fühlte. Und so hatte der sonst so unnachgiebige Champion seine Zelte in Shinjuku abgebrochen, um ihr genau diesen Rückzugsort zu schenken. Es war ein stiller, monumentaler Liebesbeweis, den sie ihm niemals vergessen würde.
Ein leises Kichern entwich ihrer Kehle, als sie an den Dezember zurückdachte. Der Umzug hatte nämlich für eine der skurrilsten Situationen des Winters gesorgt.
Tyson und Ray hatten bis weit in den Dezember hinein tatsächlich keinen blassen Schimmer gehabt, dass Nami bereits seit Anfang September fest mit Kai zusammenwohnte. Kai hatte es schlichtweg nicht für nötig gehalten, es zu erwähnen... für ihn war es Privatsache.
Erst als Tyson im Dezember mit Ray im Schlepptau völlig uneingeladen und mit einer Packung Tiefkühl-Pizza in den Westflügel des Anwesens gestürmt war, um Kai zu einem spontanen Beyblade-Match zu nötigen, war das Geheimnis aufgeflogen.
Ray war übrigens nur mitgekommen um Tyson wenigstens etwas zu bändigen...und weil ihm langweilig war.
Nami erinnerte sich noch haargenau an Tysons fassungsloses Gesicht, als sie im gemütlichen Pullover mit einer Teetasse aus der Küche gekommen war, während Ray im Hintergrund nur langsam die Puzzleteile zusammengesetzt und entgeistert gemurmelt hatte: „September?! Sie wohnt mit dir zusammen seit September und sagst kein Wort?!“ Kai hatte die beiden damals nur mit einem eisigen, absolut unbeeindruckten Blick gemustert und trocken erwidert, dass ihre mangelnde Beobachtungsgabe nicht sein Problem sei.
Das vertraute, tiefe Schnurren eines Wagenmotors riss Nami jäh aus ihren Gedanken.
Sie sah auf und ihr Herz machte einen heftigen Satz. Am Ende des Vorplatzes, direkt am Bordstein, stand der Wagen. Und am Fahrzeug gelehnt, die Arme stoisch vor der breiten Brust verschränkt, wartete Kai. Der Kragen seines dunklen Mantels war leicht aufgestellt, und das feine Licht der Wintersonne brach sich im Rubinrot seiner Augen, die sofort auf ihr lagen, als sie aus der Menge trat.
Trotz der Kälte und der Tatsache, dass die halbe Schule mal wieder tuschelnd hinter ihr stehen blieb, weil der legendäre Champion persönlich seine Freundin abholte, sah Nami nur ihn.
Sie rannte die letzten Meter fast, vergaß jede Zurückhaltung und warf sich direkt in seine Arme.
Kai fing sie mühelos auf. Seine großen Hände schlossen sich besitzergreifend um ihre Taille und drückten sie fest gegen seine massive Brust. Trotz der kühlen Luft strömte seine vertraute, intensive Wärme sofort auf sie ein.
Er vergrub die Nase für einen kurzen Moment in ihren silberweißen Locken, ehe er den Kopf hob und sie mit diesem tiefen, nur für sie bestimmten Schmunzeln ansah.
„Und?“, raunte seine tiefe, raue Stimme dicht an ihrem Ohr. „Hast du die Prüfer das Fürchten gelehrt?“
Nami sah zu ihm auf, ihre ozeanfarbenen Augen strahlten so hell wie seit Monaten nicht mehr. Sie legte die Hände an seine Wangen und strahlte ihn an. „Es ist vorbei, Kai. Es lief perfekt. Ich bin endlich fertig.“
Das Schmunzeln auf seinen Lippen wurde intensiver, rauer und unendlich zufrieden. Er beugte sich herab und besiegelte das Ende ihrer Oberschul-Prüfungshölle mit einem tiefen, besitzergreifenden Kuss... wie immer völlig unbeeindruckt von den Handykameras der Mitschüler und dem Raunen auf dem Vorplatz.
„Gut“, raunte er gegen ihre Lippen, während er ihr die Beifahrertür öffnete. „Dann gehört deine Aufmerksamkeit ab jetzt wieder ganz allein mir. Steig ein, wir fahren nach Hause.“
Die letzten Wochen vor der offiziellen Zeugnisvergabe im März fühlten sich für Nami nun fast surreal an. Der lähmende Druck der Prüfungshölle war von ihr abgefallen, doch die Hallen ihrer exklusiven Schule in Tokio brodelten vor einer völlig neuen Art von Energie. Überall in den Gängen standen Gruppen von Schülerinnen zusammen, die Köpfe dicht aneinandergesteckt, während das Rascheln von Modemagazinen und das Aufblitzen von Smartphones die Atmosphäre bestimmten.
Das einzige Thema, das die Gemüter der Tokioter Elite-Sprösslinge derzeit bewegte, war die Shaon-kai... die prunkvolle Dankesgala, die von der wohlhabenden Elterngemeinschaft in einem der luxuriösesten Ballsäle in Roppongi organisiert wurde.
Nami stand an ihrem Spind als das unüberhörbare, gezielte Tuscheln zweier Mitschülerinnen ein paar Meter weiter an ihr Ohr drang.
„...ich wette, er lässt sie eiskalt sitzen“, raunte Satomi, die Tochter eines einflussreichen Bankiers, während sie sich demonstrativ eine Strähne hinter das Ohr schob. „Ich meine, wir reden hier von Kai Hiwatari. Er bringt sie zwar morgens her und holt sie ab, aber ein offizieller Abendball der High Society? Smalltalk mit den Lehrern? Champagner mit unseren Eltern? Das ist absolut lächerlich. Er wird niemals aufkreuzen.“
„Stimmt doch auch“, pflichtete ihr ihre Freundin Yuka mit einem süffisanten Lächeln bei. „Er ist ein weltberühmter Champion. Warum sollte er sich zwischen ein paar Oberschülern aufhalten? Nami tut mir jetzt schon fast leid, wenn sie dort ganz allein im Abendkleid auftauchen muss, während die ganze Welt zuschaut.“
Nami schloss die Spindtür mit einem leisen, absolut gelassenen Klicken. Ein amüsiertes Schmunzeln stahl sich auf ihre Lippen, das sie jedoch geschickt hinter ihren silberweißen Wellen verbarg. Wenn diese Mädchen wüssten, wie wenig Kai sich um die ungeschriebenen Gesetze der High Society scherte... und wie viel weniger ihn die Wetten ihrer Mitschüler interessierten. Sie verließ das Schulgebäude mit ruhigen, eleganten Schritten und trat hinaus auf den winterlichen Vorplatz.
Und da stand er wie immer.
Wie ein unbezwingbarer Fels in der Brandung lehnte Kai an der glänzenden Karosserie seines Wagens. Der dunkle Stoff seines Mantels schirmte die kühle Februarluft ab, und die Arme hatte er stoisch vor der breiten Brust verschränkt. Kaum dass Nami aus den schweren Flügeltüren des Hauptgebäudes trat, fixierten seine rubinroten Augen sie mit einer Intensität, die das leise Getuschel der umstehenden Schüler augenblicklich verstummen ließ.
Nami ging direkt auf ihn zu. Jede Faser ihres Körpers entspannte sich, sobald sie in seine Nähe kam. Kai wartete nicht, bis sie den Wagen erreichte; er stieß sich vom Auto ab, fing sie mit einer fließenden Bewegung ab und legte seine großen Hände besitzergreifend um ihre Taille. Er zog sie fest an sich, atmete den Duft ihrer Haare ein und senkte die Lippen auf die ihren. Es war ein tiefer, fordernder Kuss, der den Mitschülerinnen auf den Stufen augenblicklich die Sprache verschlug.
„Du bist spät dran“, raunte seine tiefe, raue Stimme an ihrer Schläfe, als er sich langsam von ihr löste.
„Die Lehrer mussten noch die Sitzordnung für die Dankesgala im März besprechen“, antwortete Nami mit einem spitzbübischen Funkeln in den ozeanfarbenen Augen, während sie sich von ihm die Beifahrertür öffnen ließ.
Erst als der dunkle Wagen mit einem tiefen, kraftvollen Schnurren die Einfahrt der Schule hinter sich gelassen hatte und die hell erleuchteten Straßen Tokios an ihnen vorbeizogen, drehte Nami den Kopf zur Seite. Sie betrachtete sein markantes Profil im fahlen Licht der Armaturen. Seine großen Hände lagen locker auf dem Lenkrad.
„Die ganze Schule wettet übrigens gegen mich“, begann sie leise, und ein leises Kichern entwich ihrer Kehle. „Einige sind felsenfest davon überzeugt, dass du mich auf der Gala eiskalt sitzen lässt. Sie meinen, Smalltalk mit Lehrern und Champagner mit den Eltern der Oberschicht wäre unter der Würde eines Kai Hiwatari.“
Kai bewegte keine Miene. Das schwache Licht des Nachmittags betonte die absolute, fast schon arrogante Gelassenheit in seinen Zügen. Ein leises, rau vibrierendes Schnauben entwich seiner Kehle.
„Die Gören der High Society waren schon immer schlecht im Kalkulieren“, erwiderte er absolut trocken, ohne auch nur den Blick von der Straße zu nehmen. Seine Stimme klang so eiskalt und sachlich, als würde er ein unbedeutendes Detail der BBA abhaken. „Ich interessiere mich weder für ihre Wetten noch für ihre Eltern. Aber wenn du mich auf dieser Feier an deiner Seite haben willst, Nami, dann werde ich verdammt noch mal dort sein. Niemand sonst hat das Recht, an diesem Abend deine Hand zu halten.“
Ein tiefes Gefühl der Wärme breitete sich in Namis Brust aus. Es war genau diese kompromisslose, besitzergreifende Loyalität, die sie so unendlich an ihm liebte.
Etwas später am Abend war die hektische Welt Tokios vollkommen in den Hintergrund getreten. Im Westflügel des Ayame-Anwesens brannte ein wohliges, warmes Licht. Die klassizistische Pracht des alten Hauses mit seinen schweren Vorhängen und den dunklen Holzmöbeln wirkte wie ein sicherer Kokon gegen die Außenwelt. Graham hatte ihnen bereits vor einer Weile mit seinem gewohnt trockenen Humor frischen Tee serviert und sich diskret zurückgezogen.
Nami saß im gemütlichen Pullover auf dem großen Sofa, umgeben von ein paar Skizzen und Stoffmustern für Abendkleider, die Hana ihr am Nachmittag per Expressbote geschickt hatte. Sie war so vertieft in die feinen Seidenstoffe, dass sie kaum bemerkte, wie Kai den Raum betrat.
Er trug nur ein einfaches, dunkles Shirt, das seine breiten Schultern und die durchtrainierte Statur perfekt betonte. Ohne ein Wort zu sagen, setzte er sich neben sie, streckte einen Arm aus und zog sie mit einer selbstverständlichen Dominanz an seine breite Brust. Nami schmiegte sich sofort an ihn, legte den Kopf auf seine Schulter und genoss die intensive Hitze, die von ihm ausging.
„Hana hat mir diese Entwürfe von ihrer damaligen Hochzeitsdesignerin geschickt“, murmelte sie leise, während sie mit den Fingern über ein tiefblaues Seidenmuster strich. „Sie meint, für die Dankesgala im Luxushotel müsste es etwas Atemberaubendes sein. Aber ich kann mich einfach nicht entscheiden...“
Kai warf den Skizzen auf dem Tisch einen kurzen, prüfenden Blick aus seinen rubinroten Augen zu. Dann wanderte seine Hand, die an ihrer Taille geruht hatte, langsam nach oben. Seine großen, leicht schwieligen Finger legten sich behutsam unter ihr Kinn und zwangen sie sanft, den Kopf zu heben, sodass sie ihn direkt ansehen musste.
Ein dunkles, unendlich tiefes und gefährlich wissendes Schmunzeln legte sich auf seine Lippen. Das Rubinrot seiner Augen blitzte voller amüsierter Überlegenheit auf.
„Du brauchst dir über die Entwürfe deiner Schwester keine Gedanken zu machen, Nami“, raunte seine tiefe Bassstimme so dicht vor ihren Lippen, dass sein heißer Atem ihre Haut prickeln ließ. „Das Kleid für diesen Abend wird nächste Woche geliefert. Ich habe es bereits vor einem Monat in Auftrag gegeben als du diese Gala zum ersten Mal erwähnt hattest.“
Nami hielt mitten im Atemzug inne. Ihre ozeanfarbenen Augen weiteten sich vor blanker Überraschung, und ihr Mund öffnete sich leicht. „Was...? Du hast ein Kleid für mich bestellt? Ohne mir etwas zu sagen?“
„Ich weiß eben ganz genau, was dir steht“, erwiderte er absolut trocken, während sein Daumen in einer langsamen, unnachgiebigen Bewegung über ihre Unterlippe strich. Seine Finger drückten ihr Kinn minimal fester, um ihr zu zeigen, wer hier die Kontrolle hatte.
„Es ist maßgeschneidert. Und wenn wir diesen Ballsaal in Roppongi betreten, wird jede dieser naiven Gören begreifen, dass du in einer völlig anderen Liga spielst. Du wirst an meiner Seite perfekt aussehen.“
Nami starrte ihn immer noch mit leicht geöffnetem Mund an, unfähig, die passenden Worte für diese absolute, besitzergreifende Geste zu finden. Sie spürte das vertraute, wilde Klopfen ihres Herzens gegen ihre Rippen.
Kai beobachtete sie intensiv. Das amüsierte Schmunzeln auf seinen Lippen verflüchtigte sich für einen Moment und wich einem ruhigen, fast schon nachdenklichen Ausdruck. Das Rubinrot seiner Augen fixierte sie mit einer Ernsthaftigkeit, die jede Arroganz vermissen ließ. Er löste die Finger sanft von ihrem Kinn, ließ seine Hand jedoch wie selbstverständlich an ihrer Wange ruhen, wo sein Daumen sachte über ihre warme Haut strich.
„Wenn dir das natürlich zu viel ist…“, begann er mit seiner tiefen, rau vibrierenden Bassstimme, und ein Hauch von ehrlicher, ungeschönter Rücksichtnahme schwang in seinen Worten mit.
„Wenn dir das zu viel von meinem Kontrollzwang ist, Nami… dann sag es. Du musst es nicht tragen. Du kannst dir natürlich das Kleid aussuchen und anziehen, das du dir selbst ausgesucht hast. Ich werde dich zu nichts zwingen.“
Nami sah ihn aus ihren ozeanfarbenen Augen an, in denen augenblicklich ein unendlich warmes, tiefes Gefühl der Zuneigung aufblitzte. Die anfängliche Fassungslosigkeit verflog im Nu und machte Platz für ein wunderschönes, ehrliches Lächeln, das ihr ganzes Gesicht erhellte.
Sie schüttelte langsam und sanft den Kopf, während sie ihre Hand auf die seine legte, die noch immer an ihrer Wange lag, und die intensive Hitze seiner Haut genoss.
„Nein“, entgegnete sie leise, und ihre Stimme trug ein ehrfürchtiges, glückliches Zittern in sich. „Es ist mir überhaupt nicht zu viel, Kai. Ganz im Gegenteil.“
Sie rutschte noch ein Stück näher an seine breite Brust heran und sah zu ihm auf, während ein spitzbübisches, liebevolles Funkeln in ihren Augen trat.
„Ich bin schon unglaublich gespannt darauf, was du für mich ausgesucht hast. Ich vertraue deinem Geschmack blind“, gestand sie ihm mit einer entwaffnenden Offenheit, die all seine Schutzmauern im Nu schmelzen ließ. Sie legte ihre Arme fester um seinen Nacken, suchte seine Nähe und fügte mit einem Timbre hinzu, das so sanft und voller Hingabe klang, dass es direkt unter die Haut ging: „Schließlich will ich an diesem Abend ja sowieso nur einem einzigen Menschen gefallen. Und das bist du.“
Kai schwieg für einen langen Atemzug. Seine Zähne mahlten kurz aufeinander, und in seinem Blick lag für einen winzigen Moment eine so tiefe, ungesagte Ergriffenheit über ihre bedingungslose Loyalität, dass es fast schmerzhaft schön war. Er wusste, dass sie seine dominante, kontrollierende Art nicht nur akzeptierte, sondern sie als das verstand, was sie im Kern war: seine ganz eigene, unumstößliche Art, sie zu beschützen und zu lieben.
Das dunkel amüsierte, unendlich zufriedene Schmunzeln kehrte auf seine Lippen zurück. Er drückte sie minimal enger an sich, beugte den Kopf herab und vergrub seine Lippen für einen Moment in den silberweißen Wellen an ihrer Schläfe, ehe er sein Gesicht wieder hob.
„Du wirst mir gefallen, Nami. Daran habe ich nicht den geringsten Zweifel“, raunte er dunkel und besiegelte ihr Geständnis mit einem tiefen, unendlich zärtlichen Kuss, der jede verbliebene Skizze auf dem Tisch vollkommen bedeutungslos werden ließ.
Ein paar Tage später...
Es war Punkt zehn Uhr morgens an einem klaren, eisigen Februartag. Im Westflügel des Ayame-Anwesens war es so still, dass man das leise Knistern des Kamingewölbes und das Ticken der alten Standuhr hören konnte.
Nami saß am großen Mahagonitisch, die Knie fest aneinandergepresst, während ihre Finger das Smartphone so fest umschlossen, dass ihre Knöchel weiß anliefen. Auf dem Display war die offizielle Login-Seite der Oberschule geöffnet. Das weiße Textfeld forderte die Eingabe ihrer Prüfungsnummer. Ihr Herz hämmerte in einem fast schon schmerzhaften Rhythmus gegen ihre Rippen.
Obwohl sie nach den Prüfungen ein unheimlich gutes Gefühl gehabt hatte, fraß sich in den letzten Minuten des Wartens die nackte, irrationale Angst in ihre Gedanken. Was, wenn sie sich überschätzt hatte? Was, wenn sie einen fatalen Übertragungsfehler auf dem Antwortbogen gemacht hatte?
Hinter ihr stand Kai.
Er wirkte wie die personifizierte Ruhe inmitten ihres inneren Sturms. Die Arme stoisch vor der breiten Brust verschränkt, die Beine leicht schulterbreit geöffnet, überragte er sie mit seiner massiven Gestalt. Er bewegte keine Miene, doch seine rubinroten Augen lagen ununterbrochen auf ihr. Er verströmte eine so unerschütterliche, fast schon arrogante Gewissheit, dass es Nami eine winzige Nuance von Sicherheit gab. Für Kai existierte die Option des Scheiterns schlichtweg nicht.
„Nami“, raunte seine tiefe, raue Bassstimme plötzlich so dicht hinter ihr, dass sie leicht zusammenzuckte. „Atme.“
Sie stieß ein zittriges Kichern aus und blickte über die Schulter zu ihm auf. „Meine Hände zittern so sehr, dass ich kaum tippen kann…“
Kai schwieg für einen Moment. Dann löste er eine seiner großen Hände, trat einen Schritt näher an sie heran und legte seine warme, breite Handfläche flach auf ihre Schulter. Der feste, besitzergreifende Druck tat unendlich gut. Er drückte sie sachte, aber unnachgiebig gegen die Rückenlehne.
„Tipp es ein“, befahl er ruhig, und in seiner Stimme lag nicht der geringste Zweifel. „Es gibt keinen Grund zu warten.“
Mit einem tiefen Atemzug sammelte Nami ihren Mut. Ihre Fingerspitzen berührten das Glas des Displays. Sie tippte ihre Nummer ein, kontrollierte sie dreimal mit fliegendem Atem und drückte schließlich auf den Button für die Ergebnisabfrage.
Die Seite lud für eine quälende Sekunde, in der die Welt um sie herum stillzustehen schien. Dann baute sich der Text in schlichten, unbarmherzigen Schwarz-Weiß-Zeichen auf dem Bildschirm auf.
Ganz oben, in fetten Schriftzeichen, stand das erlösende Wort:
BESTANDEN.
Ein ungläubiger, glücklicher Laut entwich ihrer Kehle. Sie wollte gerade vor Freude aufspringen, als ihr Blick weiter nach unten wanderte, wo die detaillierte Statistik des gesamten Prüfungsjahrgangs aufgelistet war. Dort stand ihre erreichte Punktzahl. Und direkt daneben, fett gedruckt, die offizielle Platzierung unter allen tausenden Bewerbern im ganzen Land:
Platz 1. Jahrgangsbeste.
Nami hielt mitten im Atemzug inne. Das Smartphone entglitt ihren Fingern und landete mit einem leisen Klacken auf dem Tisch. Sie starrte den Bildschirm an, unfähig zu begreifen, was sie dort schwarz auf weiß sah. Jahrgangsbeste. Sie hatte nicht nur bestanden... sie hatte die gesamte Tokioter Elite hinter sich gelassen.
Bevor die überwältigende Flut aus Freudentränen und Erleichterung sie ganz einholen konnte, spürte sie, wie Kai sie an den Oberarmen packte und mühelos vom Stuhl nach oben zog. Er drehte sie zu sich um und schloss sie in eine so feste, besitzergreifende Umarmung, dass ihr fast die Luft wegblieb. Seine massive Brust fing ihr Zittern vollkommen auf.
„Ich habe es dir gesagt“, raunte seine tiefe Stimme an ihrem Ohr, und Nami konnte das tiefe, raue Vibrationsgeräusch in seiner Brust spüren... es war das pure, unbändige Stolzgefühl, das aus ihm sprach. Er vergrub sein Gesicht für einen Moment in ihren silberweißen Locken, ehe er den Kopf hob und sie mit einem unendlich intensiven, raubtierhaften Schmunzeln ansah.
Das Rubinrot seiner Augen blitzte voller triumphierender Überlegenheit.
Nami sah zu ihm auf, die Tränen der Erleichterung glitzerten in ihren ozeanfarbenen Augen, während sie ihn einfach nur anstrahlte. Sie legte ihre Hände an seine Wangen. „Jahrgangsbeste, Kai… ich kann es gar nicht glauben.“
„Ich schon“, erwiderte er absolut trocken, während seine großen Hände an ihre Hüften wanderten und sie noch ein Stück enger an sich drückten. Er beugte sich tief zu ihr herab, bis seine Lippen die ihren fast berührten. „Du hast sie alle vernichtet, Nami. Genau so, wie es sich für meine Freundin gehört.“
Nami schlang die Arme eng um seinen Nacken und zog ihn zu sich hinab, um diesen monumentalen Triumph mit einem tiefen, leidenschaftlichen Kuss zu besiegeln.
Jetzt gab es keinen Zweifel mehr. Wenn sie im März diesen Ballsaal in Roppongi betreten würde, würde sie dort nicht nur an der Seite dieses wundervollen Mannes stehen... sie würde den Raum als unangefochtene Königin ihres Jahrgangs betreten. Und keine einzige Wette ihrer Mitschülerinnen würde dem jemals wieder standhalten können.