Der Ungläubige aus Übersee
Der Ungläubige aus Übersee
Die Mensa des BBA-Hauptquartiers in Tokio war zur Mittagszeit wie gewohnt von einem geschäftigen Summen erfüllt. Junge Blader in Trainingsanzügen drängten sich am Buffet, das Klacken von Beyblades auf harten Untergründen hallte aus den angrenzenden Trainingsräumen herüber, und der Duft von frischem Ramen und Curry lag in der Luft.
An dem großen Ecktisch am Fenster, der seit Jahren so etwas wie der inoffizielle Stammtisch der Bladebreakers war, herrschte jedoch eine völlig andere, fast schon geladene Atmosphäre.
Max Tate saß auf seinem Stuhl, die Arme flach auf der Tischplatte aufgestützt, und starrte sein Gegenüber mit weit aufgerissenen, tiefblauen Augen an. Seine sonst so unbeschwerten, blonden Haare schienen vor schierer Fassungslosigkeit fast noch wilder abzustehen als sonst. Er war erst vor zwei Tagen aus den USA gelandet, um das ehemalige Team für ein paar Wochen in Tokio zu besuchen. Obwohl er in den letzten Monaten durch hektische Gruppenchats und späte Telefonate mit Tyson und Kenny flüchtige Bruchstücke mitbekommen hatte, war die Realität im fernen Amerika einfach nicht greifbar gewesen.
Jetzt, wo er seit exakt dreißig Minuten auf Kai einredete und ihn mit einer Frage nach der anderen löcherte, glich sein Gesichtsausdruck dem eines Menschen, der gerade ein UFO gesichtet hatte.
„Kumpel... ich raffe es immer noch nicht“, stammelte Max zum gefühlt zehnten Mal und schüttelte fassungslos den Kopf. „Ich war weg. Ein paar Jahre. Und ich komme wieder und du... du triffst dich mit jemandem? Freiwillig? Und du küsst sie in Stadien vor laufenden Kameras? Kai Hiwatari?!“
Kai rührte sich nicht. Er saß absolut gewohnt stoisch da, die massiven Arme fest vor der breiten Brust verschränkt, die Beine lang unter den Tisch gestreckt. Seine Augen waren geschlossen, die Züge wie aus kaltem Marmor gemeißelt. Kein Muskel in seinem Gesicht zuckte. Nur das langsame, tiefe Heben und Senken seiner Brust verriet, dass er überhaupt noch atmete.
Er hatte seine Schmerzgrenze an gesellschaftlicher Interaktion für den heutigen Tag bereits vor fünfundzwanzig Minuten drastisch überschritten. Seine Lust, sich diesem Verhör weiter auszusetzen, lag weit unter dem Gefrierpunkt.
Ray, der schräg daneben saß und seelenruhig mit seinen Stäbchen in einer Schüssel Reis rührte, stieß ein leises, amüsiertes Schnauben aus. „Gib es auf, Max. Sie existiert wirklich. Und sie ist das Beste, was diesem Eiszapfen je passieren konnte.“
„Aber wie?!“, rief Max aus, etwas zu laut, sodass sich zwei jüngere Blader am Nachbartisch erschrocken umdrehten. Ein eisiger, kaum merklicher Hauch von Kais Aura ließ die Jungs jedoch sofort ihre Tabletts packen und fluchtartig das Weite suchen.
Max bemerkte es gar nicht, so fixiert war er auf den Champion. „Ich dachte immer, Kai wird irgendwann einsam mit Dranzer auf einem Berg im Himalaya sterben! Wer ist sie? Wie hält sie das aus?“
„Oh, das ist noch gar nichts, Max“, klinkte sich Tyson mit vollem Mund ein. Er schlang eilig einen riesigen Bissen seines Teriyaki-Hühnchens hinunter, ehe er sich mit einem diebischen, absolut provokanten Grinsen nach vorne lehnte. Er genoss es sichtlich, Öl ins Feuer zu gießen, besonders weil er wusste, dass er Kai damit an den Rand eine emotionalen Ausbruchs trieb.
„Das Beste kommt erst noch. Die beiden daten nicht nur. Nami und er wohnen sogar schon zusammen. Seit September.“
Max hielt mitten im Atemzug inne. Das Stück Melone, das er gerade mit der Gabel aufgespießt hatte, rutschte unbemerkt zurück auf den Teller. Er sah von Tyson zu Ray, dessen breites Grinsen Tysons Aussage nur bestätigte, und schließlich zurück zu der unbeweglichen Naturgewalt auf der anderen Seite des Tisches.
„Du... ihr... was?!“, brachte Max hervor, während seine Stimme eine Oktave nach oben rutschte. Er lehnte sich so weit über den Tisch, dass er Kai fast in die Quere kam.
„Kai, sag mir, dass das ein Scherz ist. Tyson verarscht mich doch, oder? Du teilst dir ein Badezimmer mit einer Frau? Du?!“
Für ein paar Sekunden passierte gar nichts. Die Stille am Tisch wurde so dicht, dass Tyson das Grinsen langsam verging und er nervös schluckte.
Dann öffnete Kai langsam ein einziges Auge. Das Rubinrot seiner Iris blitzte gefährlich, scharf und unendlich genervt auf. Er fixierte Max mit einem Blick, der flüssigen Stickstoff wie eine warme Sommerbrise wirken ließ.
Er löste die verschränkten Arme nicht, doch seine Stimme, als er sie schließlich erhob, war eine tiefe, raue Basslinie, die absolute, unumstößliche Dominanz einforderte.
„Tyson“, raunte Kai eiskalt, und seine Stimme war so leise, dass sie fast im Lärm der Mensa unterging, aber dennoch jeden am Tisch zum Erstarren brachte. „Wenn du noch ein einziges Wort über mein Privatleben verlierst, sorge ich höchstpersönlich dafür, dass Dragoon die nächsten sechs Monate keine Arena mehr von innen sieht. Und ich werde dein Gesicht als Bremsklotz benutzen.“
Tyson hob augenblicklich abwehrend die Hände und sackte auf seinem Stuhl zusammen, während er leise etwas von
„Man darf ja wohl noch stolz auf dich sein“ brummte.
Kai wandte den Blick langsam zu Max. Das rubinrote Auge schloss sich wieder, und Kai stieß ein tiefes, rau vibrierendes Schnauben aus, das seine absolute Genervtheit über diese anhaltende Kindergarten-Diskussion unterstrich.
„Es ist kein Scherz, Tate“, erwiderte Kai absolut trocken, kurz und bündig, als würde er die Quartalszahlen der BBA vorlesen.
„Sie wohnt bei mir. Es funktioniert. Und jetzt haltet eure Klappen, ich will verdammt noch mal in Ruhe mein Wasser trinken.“
Ray schüttelte schmunzelnd den Kopf und klopfte dem immer noch völlig perplexen Max auf die Schulter. „Gewöhn dich dran, Max. Er ist zahmer geworden, aber der Biss ist immer noch derselbe.“
„Zahmer...?“, flüsterte Max schockiert und starrte Kai an, als hätte dieser gerade zugegeben, heimlich Stricken als Hobby gelernt zu haben. „Das ist nicht zahmer, Ray... das ist ein verdammtes Weltwunder.“
Max blinzelte ein paar Mal heftig, öffnete und schloss den Mund wie ein gestrandeter Goldfisch und versuchte sichtlich, die Trümmer seines bisherigen Weltbildes irgendwie wieder zusammenzusetzen. Er atmete tief durch, schüttelte den Kopf und fuhr sich mit beiden Händen durch die wilden, blonden Haare.
„Okay… okay, ich fange mich wieder“, murmelte er, obwohl seine Stimme immer noch ein ungläubiges Zittern in sich trug. Er lehnte sich wieder ein Stück vor und fixierte Kai, der nach wie vor mit geschlossenen Augen dasaß.
„Aber im Ernst, Kumpel. Ich war auf der anderen Seite des Atlantiks, ich habe da drüben absolut gar nichts mitbekommen. Wie heißt sie? Ich muss wissen, wer dieses Mädchen ist. Wie sieht sie überhaupt aus?“
„Ihr Name ist Nami Tachiba, achtzehn Jahre alt.“, klinkte sich Ray ruhig ein, da er genau wusste, dass von Kai keine ausführliche Antwort mehr zu erwarten war.
„Sie ist die Tochter von Hiro Tachiba, dem CEO von Tachibey Industries.“
Max’ Augen weiteten sich noch ein Stück mehr, als er den Namen des mächtigen Industriegiganten hörte.
„Tachiba…? Die Tachiba-Familie?!“ Hastig tippte er die Schriftzeichen in die Suchleiste seines Smartphones, während Tyson ihm neugierig über die Schulter spickte, als hätte er Namis Gesicht nicht selbst schon tausendmal gesehen.
Die Suchergebnisse luden in Sekundenschnelle. Auf Max’ Display erschienen hochauflösende Pressefotos vom Rande der letzten großen Beyblade-Turniere sowie offizielle Porträts der Wirtschafts-Elite.
Als das erste große Bild geladen war, das Nami in ihrer ganzen eleganten Pracht zeigte... mit den tiefen, ozeanfarbenen Augen, dem makellosen, hellen Karamellton ihrer Haut und den wallenden, silberweißen Wellen, die ihr bis zum Gesäß reichten..., erstarrte Max komplett.
„Heilige verdammte Scheiße…“, entfuhr es ihm ungefiltert. Er schluckte hörbar, und seine blauen Augen wirkten plötzlich doppelt so groß wie vorher. Er starrte das Display an, als könne er nicht fassen, dass diese bildschöne, fast schon unwirklich elegante junge Frau existierte und... noch viel unrealistischer... mit dem mürrischen Typen ihm gegenüber das Leben teilte.
Das leise Klicken von Kais Wasserglas auf dem Holztisch ließ die Luft im Bruchteil einer Sekunde gefrieren.
Kai öffnete die Augen. Das Rubinrot seiner Iris fixierte Max mit einer eisigen, messerscharfen Präzision, die absolut keinen Raum für Missverständnisse ließ. Die Züge waren starr, seine Aura drückte schwer auf den Tisch, und seine tiefe Stimme klang zwar gewohnt trocken, besaß aber einen gefährlich ernsthaften, warnenden Unterton.
„Tate“, raunte Kai eiskalt, während sein Blick sich in Max’ Augen bohrte. „Überleg dir ganz genau, welche Worte du als Nächstes über sie verlierst.“
Max hob gar nicht erst abwehrend die Hände. Er schüttelte einfach nur ungläubig den Kopf, völlig hypnotisiert von dem Foto auf seinem Bildschirm, ohne den Blick auch nur eine Millisekunde von Namis Gesicht abzuwenden. Kais Drohung schien in diesem Moment an der schieren Sprachlosigkeit des blonden Bladers komplett abzuprallen.
„Kai…“, flüsterte Max, und in seiner Stimme lag jetzt kein Entsetzen mehr, sondern pure, ehrfürchtige Anerkennung. „Ich nehme alles zurück. Ich verstehe es vollkommen. Ich verstehe absolut und zu einhundert Prozent, wieso du ihr komplett verfallen bist. Sie ist… einfach wow. Ein absoluter Engel.“
Tyson prustete in sein Getränk und musste sich heftig hustend auf die Brust schlagen, während Ray leise in sich hineingrinste. Kai hielt Max’ Blick noch für einen langen, intensiven Moment stand. Als er jedoch sah, dass in Max’ Gesicht keinerlei respektlose Gedanken, sondern lediglich ehrliche, ungläubige Bewunderung für Namis Schönheit lag, entspannte sich die gefährliche Linie seiner Schultern minimal.
Ein kaum wahrnehmbares, raubtierhaftes und unendlich stolzes Schmunzeln stahl sich für den Bruchteil einer Sekunde auf Kais Lippen, ehe er die Augen wieder schloss und die Arme erneut verschränkte.
Er schwieg... aber das spitzbübische, besitzergreifende Schweigen sprach Bände. Er wusste verdammt noch mal ganz genau, was für eine Königin er an seiner Seite hatte.
Max atmete noch einmal tief und hörbar ein, ehe er das Smartphone langsam sinken ließ. Er war immer noch vollkommen von den Socken, und sein Gehirn lief sichtlich auf Hochtouren, um all diese Informationen über Kais Liebesleben und die Tochter des Tachibey-CEOs irgendwie zu verarbeiten.
Er rieb sich die Schläfen, um seine Gedanken zu sortieren, als ihm plötzlich ein ganz anderer Gesprächsfaden in den Sinn kam.
Er hob den Blick, ließ Nami auf dem Display ruhen und fixierte stattdessen Ray.
„Warte mal…“, begann Max, während sich seine Stirn in Falten legte und er die Augen leicht verengte. „Ray, was machst du eigentlich noch hier in Tokio? Ich kann mich vage an unser Telefonat vor ein paar Monaten erinnern. Du hast mir doch erzählt, dass du und Mariah fest geplant habt, zurück nach China zu ziehen?“
Ray schmunzelte und lehnte sich entspannt auf seinem Stuhl zurück. Er wirbelte locker eines seiner Stäbchen zwischen den Fingern.
„Das war auch der Plan“, gab er offen zu und nickte. „Aber wir haben uns kurzfristig entschieden, doch noch ein Jahr länger in Tokio zu bleiben. Mir macht die Arbeit als Trainer hier bei der BBA unglaublich viel Spaß, und Mariah hat sich mittlerweile einen richtig guten Freundeskreis aufgebaut. Sie fühlt sich hier pudelwohl.“ Er machte eine kurze Pause, ehe sein Grinsen noch ein Stück breiter wurde. „Zu diesem Freundeskreis gehört übrigens auch Nami.“
„Ach, tatsächlich?“, murmelte Max.
Er nickte langsam, während die Rädchen in seinem Kopf sofort wieder anfingen zu rattern. Er blickte noch einmal kurz auf das Foto der bildschönen Frau auf seinem Display, dann zu dem stoischen, unnahbaren Champion ihm gegenüber und schließlich wieder zu Ray. Ein spitzbübisches, hoffnungsvolles Blitzen trat in seine blauen Augen.
Er lehnte sich mit einem Mal wieder ganz weit über den Tisch, senkte die Stimme zu einem verschwörerischen Flüstern und sah zwischen den Jungs hin und her.
„Sagt mal…“, fragte Max mit unschuldiger Miene, während er grinste wie ein Honigkuchenpferd. „Hat diese Nami zufällig eine Zwillingsschwester? Die noch Single ist? Ich frage natürlich nur für einen Freund.“
Tyson prustete prompt das nächste Stück Hühnchen über den Tisch, während Ray laut auflachte und den Kopf schüttelte.
Kai rührte nach wie vor kein Glied, doch plötzlich bewegten sich seine Lippen.
„Sie hat tatsächlich einen Zwilling“, raunte seine tiefe, raue Bassstimme absolut trocken in die Runde.
Max’ Augen weiteten sich augenblicklich auf die Größe von Teetassen. Ein euphorischer, ungläubiger Glanz trat in seinen Blick, und er wollte gerade zu einem triumphierenden Jubelschrei ansetzen, weil er dachte, er hätte den absoluten Jackpot geknackt.
Doch Kai war noch nicht fertig. Er öffnete langsam ein Auge, fixierte den blonden Blader mit einem eisigen, mitleidlosen Blick und sprach mit stoischer Seelenruhe weiter.
„Einen männlichen Zwilling“, fügte der Champion unbarmherzig hinzu, während sein Blick an Max’ schockiert einfrierenden Gesichtszügen hängen blieb.
„Sein Name ist Kenji. Ich glaube allerdings kaum, dass er dein Typ ist, Tate.“
Das war der absolute Gnadenstoß für Tysons verbliebene Selbstbeherrschung. Er hielt mitten im Schlucken inne, seine Augen traten hervor, und im nächsten Moment explodierte er förmlich. Ein lautes, unkontrolliertes Prusten entfuhr ihm, das sich in ein markerschütterndes Brüllen verwandelte. Tyson verlor komplett das Gleichgewicht, rutschte seitlich von der Sitzfläche und fiel mit einem lauten -Rums- samt seinem Stuhl rückwärts auf den harten Boden der BBA-Mensa.
Er blieb einfach auf dem Rücken liegen, hielt sich den Bauch und schlug mit einer Hand flach auf die Fliesen, während er so heftig lachte, dass kein Ton mehr aus seiner Kehle kam, sondern nur noch ein asthmatisches Keuchen.
Selbst Ray konnte an dieser Stelle die chinesische Beherrschung nicht mehr wahren. Er schlug sich eine Hand vors Gesicht und lachte laut in seine Hand, während seine Schultern heftig bebten.
Max hingegen starrte Kai fassungslos an, der einfach nur das Auge wieder schloss, ein unendlich mattes, dunkel amüsiertes Schnauben von sich gab und seine Arme noch ein Stück fester vor der breiten Brust verschränkte. Es war eben ein fataler Fehler, sich mit Kai Hiwataris Familie anzulegen.
Gerade als Tyson auf dem Boden langsam wieder nach Luft schnappte und Max’ Gesichtsausdruck von bitterer Enttäuschung in ein beleidigtes Schmollen überging, durchbrach ein dumpfes, rhythmisches Vibrieren die Heiterkeit am Tisch.
Kai löste ohne Hast eine Hand aus seiner verschränkten Haltung und zog sein Smartphone aus der Hosentasche. Er entsperrte das Display mit einem kurzen Daumendruck, und das Rubinrot seiner Augen huschte über die Zeilen, die auf dem Bildschirm aufblitzten.
> Nami: Ich bin gleich bei dir im Hauptquartier. In der Schule gibt es für mich ja nichts mehr zu tun und ich war ohnehin gerade in der Nähe. Hast du noch Pause?
>
Ein winziger, fast unsichtbarer Ruck ging durch Kais markante Züge. Er befand sich augenblicklich in einer handfesten Zwickmühle. Jede Faser seines Körpers wollte, dass sie kam... nach den langen Monaten der Prüfungshölle genoss er jede Sekunde, die sie nicht über Büchern brütete oder bei ihren Eltern verbrachte.
Aber jetzt?
Ausgerechnet jetzt, wo Max wie ein hyperaktiver Welpe neben ihm saß, Tyson sich gerade erst vom Boden aufrappelte und Max ihn ohnehin schon seit einer halben Stunde mit Fragen durchlöcherte?
Einerseits wäre ihr Auftauchen die ultimative Machtdemonstration. Es würde Max ein für alle Mal den Wind aus den Segeln nehmen und Tyson endgültig das Maul stopfen. Doch andererseits hielt Kai absolut nichts von billiger Angeberei. Sein Privatleben war heilig, und er hatte wenig Lust, Nami dem lautstarken Chaos seiner Teamkollegen in einer überfüllten BBA-Mensa auszusetzen.
Mit schnellen, präzisen Bewegungen tippte er eine Antwort:
> Kai: Schreib mir, wenn du am Haupteingang stehst. Ich hole dich ab.
>
Er hatte bereits einen Plan im Kopf. Er würde sie am Empfang abfangen, sie direkt an den Jungs vorbeischleusen und sie entweder in sein privates Büro in den oberen Etagen oder in einen der exklusiven Besprechungsräume bringen. Die unruhige, laute Mensa musste es für ihr Aufeinandertreffen nun wirklich nicht sein.
Er steckte das Handy gerade wieder weg, als es im selben Moment erneut in seiner Hand aufvibrierte. Kai sah auf das Display.
> Nami: Zu spät, bin schon im Gebäude. Bist du noch in der Mensa? Tyson hat mir vorhin geschrieben, dass ihr hier festsitzt.
>
Kais Kiefermuskeln spannten sich gefährlich an. Seine Zähne mahlten aufeinander, und sein rubinroter Blick schnellte mit der Geschwindigkeit eines abfeuernden Beyblades nach rechts, wo Tyson gerade versuchte, seinen umgestürzten Stuhl unauffällig wieder aufzurichten.
„Tyson“, raunte Kais Stimme, und der Tonfall war so tief, rauh und voller mörderischer Absicht, dass Tyson mitten in der Bewegung fror wie eine Statue.
„Wenn ich herausfinde, dass du meine Pläne durchkreuzt hast, erlebst du das Ende dieses Tages nicht mehr.“
„Was? Ich?! Was habe ich denn gemacht?!“, stammelte Tyson mit einer Mischung aus echter Panik und schlechtem Gewissen, während Ray im Hintergrund bereits ahnend das Gesicht in den Händen vergrub.
Doch Kai hörte ihm schon gar nicht mehr zu. Sein Blick wanderte automatisch zu den großen, gläsernen Flügeltüren am Ende der Mensa. Er wusste, dass es jetzt kein Entkommen mehr gab.
Kai hatte keine Zeit mehr, Tyson für seinen digitalen Verrat eigenhändig zu erwürgen. Am Ende des Raumes schwangen die gläsernen Flügeltüren der Mensa auf, und schlagartig verstummte das geschäftige Gemurmel der umliegenden Tische.
Es war, als würde eine völlig andere Welt den Raum betreten. Nami schritt mit jener angeborenen, federleichten Eleganz durch die Stuhlreihen, die sie schon immer ausgezeichnet hatte. Ihr langer, dunkler Wintermantel war offen und gab den Blick auf ein einfaches, aber perfekt sitzendes Kleid frei. Ihre silberweißen Haare fielen in dichten, sanften Wellen an ihren Schultern vorbei bis knapp über ihr Gesäß. Die ozeanfarbenen Augen wanderten aufmerksam durch die Mensa, bis sie den vertrauten Ecktisch fixierten. Ein wunderschönes, strahlendes Lächeln erhellte ihr Gesicht.
Max, der den Blick starr nach vorne gerichtet hatte, atmete hörbar ein. Das Foto auf seinem Display war atemberaubend gewesen, aber die Realität? Die Realität raubte ihm schlichtweg den Atem.
„Heilige…“, flüsterte Max, während er wie hypnotisiert zusah, wie sie immer näher kam.
Kai wartete nicht, bis sie den Tisch erreichte. Mit einer fließenden, ungeduldigen Bewegung stieß er sich von seinem Stuhl ab, trat ihr entgegen und fing sie auf halbem Weg ab.
Seine großen Hände legten sich sofort besitzergreifend und fest um ihre Taille, um sie an seine massive Brust zu ziehen. Ohne Rücksicht auf die gaffenden Blader im Raum oder seine feixenden Teamkollegen senkte er den Kopf und küsste sie tief und fordernd... eine unmissverständliche Erinnerung daran, wer das absolute Vorrecht auf sie hatte.
„Du hörst nicht auf meine Nachrichten“, raunte seine tiefe, raue Bassstimme dicht an ihrem Ohr, als er sich langsam von ihr löste. In seinem Blick lag dieses dunkle, gefährliche Schmunzeln.
„Weil ich weiß, dass du mich sonst wieder in irgendein steriles Büro gesperrt hättest, Kai“, entgegnete Nami mit einem spitzbübischen Funkeln in den Augen, das bewies, wie gut sie ihn inzwischen durchschaute.
Sie löste sich sanft aus seinem Griff, hielt aber seine Hand fest umklammert, während sie an den Tisch trat. Das Chaos, das Tyson und Max veranstalteten, war ihr natürlich nicht entgangen. Tyson saß mit einer leicht geröteten Nase wieder auf seinem Stuhl, und Max starrte sie immer noch an, als wäre sie eine Erscheinung.
„Hallo Ray, hallo Tyson“, grüßte Nami die beiden mit einer Herzlichkeit, die das eisige Klima, das Kai eben noch verbreitet hatte, im Nu dahinschmelzen ließ. Sie blickte Tyson amüsiert an.
„Danke für den Tipp mit der Mensa, Tyson. Sonst hätte Kai mich wahrscheinlich wirklich am Eingang abgefangen.“
„Immer wieder gern!“, tönte Tyson sofort stolz und warf Kai einen triumphierenden Blick zu, wofür er von dem Champion nur ein mörderisches Verengen der Augen erntete.
Schließlich wandte Nami sich dem blonden Blader zu, der immer noch wie versteinert dasaß. „Und du musst Max sein. Ray und Mariah haben mir schon viel von dir erzählt. Es ist schön, dich endlich mal persönlich kennenzulernen.“ Sie streckte ihm elegant die Hand hin.
Max blinzelte heftig, als würde er aus einem Tiefschlaf erwachen. Er sprang so hastig auf, dass sein Knie laut gegen die Tischkante stieß, was er jedoch völlig ignorierte. Er ergriff ihre Hand viel zu vorsichtig, als hätte er Angst, sie zu zerbrechen, und schüttelte sie mit einem völlig überforderten, aber breiten Grinsen.
„M-Max. Ja, der bin ich. Aus den USA. Also… wow. Freut mich auch, Nami. Ganz meinerseits. Absolut“, stammelte er, und seine sonst so coole Surfer-Attitüde war im fernen Amerika zurückgeblieben.
Er war sichtlich derart von den Socken, dass Tyson sich schon wieder ein Lachen verkneifen musste.
Kai sah sich das Spektakel genau zwei Sekunden lang an. Dann reichte es ihm mit den gesellschaftlichen Förmlichkeiten. Er legte seinen Arm unnachgiebig von hinten um Namis Schultern, zog sie fest gegen seine Seite und markierte damit unmissverständlich sein Revier. Seine Muskeln waren angespannt, und das Rubinrot seiner Augen fixierte Max mit einer eisigen Warnung.
Nami spürte die intensive Hitze, die von Kais breiter Brust ausging, und ein leises, unendlich glückliches Kichern entwich ihrer Kehle. Sie lehnte sich ganz ungezwungen an ihn, legte eine Hand auf seinen Arm und schaffte es mit dieser einen, sanften Berührung, die gefährliche Aura des Champions augenblicklich zu besänftigen.
Max sah zwischen den beiden hin und her... dem eiskalten, sonst so unnahbaren Kai Hiwatari, der jetzt wie ein beschützerischer Löwe über dieser bildschönen Frau wachte, und Nami, die einfach nur voller Liebe zu ihm aufsah. Für den Blondschopf stand fest: Er hatte in seinem Leben schon viele Beyblade-Matches gesehen, aber das hier war das mit Abstand größte Weltwunder der BBA-Geschichte.
Kai bewegte keine Miene, während Max immer noch völlig konsterniert dreinblickte, doch der Griff um Namis Schultern wurde unmerklich fester. Er senkte den Kopf, bis seine Lippen fast ihre Ohrläppchen berührten, völlig unbeeindruckt von den neugierigen Blicken am Tisch.
„Ist es dir jetzt genehm, wenn wir in mein Büro gehen?“, raunte seine tiefe, raue Bassstimme so leise, dass kein anderer am Tisch auch nur ein Wort verstehen konnte.
Ein gefährlich dunkles, unendlich besitzergreifendes Schmunzeln schwang in seinem Tonfall mit. „Dort werde ich die Sache mit deinem Ungehorsam noch einmal ganz neu aufrollen. Und ja, die Tür lässt sich hervorragend abschließen. Schalldicht ist es übrigens auch.“
Max starrte wie gebannt auf die Szenerie. Er konnte zwar beim besten Willen nicht hören, was der Champion ihr da gerade zuflüsterte, aber als er sah, wie ein leises, melodisches Kichern aus Namis Kehle entwich und sich augenblicklich eine feine, zartrosa Röte auf ihren karamellfarbenen Wangen ausbreitete, schluckte er nur schwer.
Nami wandte den Kopf leicht und sah Kai aus ihren ozeanfarbenen Augen unendlich neckisch an. „Unter diesen Umständen…“, flüsterte sie schmunzelnd zurück, während sie ihre Hand von seinem Arm löste, „…komme ich jetzt definitiv mit dir.“
Sie wandte sich noch einmal mit ihrem strahlenden Lächeln an die verbliebene Runde. „Es war mir wirklich eine Freude, Max. Bis später Ray, Tyson!“
Unter den eifersüchtigen und faszinierten Blicken der gesamten Mensa drehten sich die beiden um. Kai legte seine Hand flach und bestimmend auf ihren unteren Rücken, um sie vor sich herzuleiten, und gemeinsam verließen sie den großen Raum durch die gläsernen Flügeltüren.
Max starrte den beiden mit offenem Mund hinterher, bis die Türen sanft ins Schloss gefallen waren und Nami und Kai auf dem hellen Flur verschwunden waren. Er rührte sich sekundenlang nicht, ehe er fassungslos den Kopf schüttelte.
„Ich fasse es einfach nicht…“, brachte Max schließlich flüsternd hervor und ließ sich schwer auf seinen Stuhl zurückfallen.
Tyson, der genüsslich den letzten Rest seines Hühnchens kaute, blickte kurz auf und zog eine Augenbraue nach oben. „Was genau kannst du denn nicht fassen, Max? Dass Kai überhaupt eine Freundin hat, oder dass er eine Freundin abgeschleppt hat, die so verdammt gut aussieht?“
Max hob den Blick und sah Tyson an, als hätte dieser den Verstand verloren. „Beides! Aber vor allem… habt ihr das eben nicht gesehen?! Kai hat dieses Mädchen gerade vor aller Leute Augen gepackt und geküsst, als gäbe es keinen Morgen mehr! Er hat sie praktisch mit den Augen verschlungen! Kai Hiwatari! Der Typ, der sonst jeden einfriert, der ihm näher als zwei Meter kommt und dem nichts mehr heilig ist als sein Privatleben!“
Tyson gab nur ein tiefes, fast schon gelangweiltes Seufzen von sich, machte eine wegwerfende Handbewegung und winkte absolut tiefenentspannt ab.
„Ach, das…“, murmelte Tyson und grinste sich eins, während er sich gemütlich auf seinem Stuhl nach hinten lehnte. „Glaub mir, Max, das war noch gar nichts. Du hättest ihn mal im Stadion erleben müssen. Der Typ ist wie ausgewechselt, wenn sie im Raum ist.“
Max ließ den Blick noch immer auf den geschlossenen Flügeltüren ruhen, während er nachdenklich an seiner Unterlippe zupfte.
„Ich würde ja ziemlich gerne wissen, was genau Kai ihr da gerade ins Ohr geflüstert hat“, murmelte er, und ein neugieriges Blitzen trat in seine blauen Augen. „Ich meine, sie ist augenblicklich rot geworden wie eine Tomate.“
Ray nahm einen entspannten Schluck aus seiner Teetasse, stellte sie mit einem leisen Klicken ab und sah Max mit einem vielsagenden Blick an.
„Glaub mir, Max, du würdest dich wundern.“
Tyson blickte verwirrt von seiner Reisschüssel auf, sah erst Ray und dann Max an und runzelte die Stirn. „Häh…?“, machte er lautstark, während er verständnislos den Kopf schüttelte.
„Was soll er denn schon groß geflüstert haben? Wahrscheinlich sowas wie: 'Komm mit, mir wird das hier zu blöd' oder 'Ich hab keinen Bock mehr auf Tyson'. Sowas halt. Was denn sonst?“
Ray schmunzelte sachte und schüttelte mitleidig den Kopf, während er Tyson aus seinen goldenen Augen betrachtete.
„Tyson… du bist manchmal einfach viel zu naiv für diese Welt“, stellte er absolut trocken fest.
Max überlegte für einen kurzen Moment. Seine Rädchen im Kopf drehten sich, er rief sich Namis plötzliche, zartrosa Röte und ihr neckisches Lächeln ins Gedächtnis... und plötzlich schien der Groschen in Lichtgeschwindigkeit zu fallen. Eine heftige, unübersehbare Röte schoss nun auch Max augenblicklich in die Wangen. Er stieß ein peinlich berührtes Keuchen aus, hob beide Hände und vergrub sein Gesicht komplett in den Handflächen.
„Oh Gott…“, tönte es dumpf aus seinen Händen hervor, ehe er die Finger ein Stück spreizte, um die Jungs ungläubig anzusehen. „Heilige Scheiße. Okay, ich nehme alles zurück. Kai ist ab heute offiziell mein absolutes Vorbild. Der Typ zieht das einfach eiskalt durch.“
Ray blickte ihn nun vollkommen belustigt an, stützte das Kinn auf eine Hand und zog eine Augenbraue nach oben.
„Jetzt mal im Ernst, Max, was ist eigentlich dein Problem?“, fragte er mit einem amüsierten Unterton. „Du beschwerst dich hier, als wärst du der einsamste Wolf auf dem Planeten. Du bist vor kurzem erst in Tokio gelandet, siehst mittlerweile aus wie ein gut bezahltes Model für amerikanische Strandmode und bist mit deinen über 1,80 Metern und den blonden Haaren drüben in den USA sicher verdammt beliebt bei den Mädels.“
Max nahm die Hände langsam aus dem Gesicht, hob den Blick und seufzte theatralisch auf, während er auf seinem Stuhl ein Stück nach unten rutschte.
„Ja, mag sein…“, gab er mit einem matten, leicht verlegenen Lächeln zu und kratzte sich verlegen im Nacken. „Aber das bringt mir halt auch nichts. Ich bin… nun ja, ich bin eben ziemlich wählerisch. Und wenn mir dann tatsächlich mal ein Mädchen so richtig gefällt… dann bin ich der absolute Vollidiot. Ich bin einfach verdammt schlecht im Smalltalk, okay? Ich bringe dann keinen geraden Satz mehr heraus.“
Ray betrachtete Max’ jämmerliche Haltung mit einem amüsierten Blick und stieß ein kurzes, absolut trockenes Lachen aus.
„Na ja, wenn du Nachhilfe in Sachen Romantik und Smalltalk brauchst, solltest du dir schleunigst ein anderes Vorbild suchen“, stellte Ray nüchtern fest und schüttelte den Kopf.
„Kai wird dir da sicher nicht weiterhelfen.“
„Warum denn nicht?“, schmollte Max und lugte zwischen seinen Fingern hindurch.
„Hast du doch eben gesehen, der Typ hat den absoluten Dreh raus!“
„Du verstehst das falsch“, erwiderte Ray, und sein Blick wurde ein wenig nachdenklicher, während ein wissendes Schmunzeln auf seinen Lippen lag.
„Kai ist kein Romantiker, Max. Nicht mal ansatzweise. Er kauft keine Blumen, weil es im Kalender steht, und er hält keine Händchen, um der Welt zu zeigen, wie nett er sein kann. Wenn es bei den beiden mal romantisch wird… dann ist das lediglich ein Nebenprodukt seines absolut dominanten und besitzergreifenden Verhaltens.“
Max nahm die Hände ganz aus dem Gesicht und blinzelte verwirrt.
„Ein… Nebenprodukt?“
„Genau“, nickte Ray und wirbelte locker sein Stäbchen durch die Finger.
„Paar das mal mit seinem extremen Perfektionismus und seinem strategischen Gehirn. Kai überlässt nichts dem Zufall... erst recht nicht, wenn es um das geht, was ihm gehört. Er plant und kontrolliert alles so perfekt und kompromisslos im Hintergrund, dass es am Ende für eine Frau eben wie die ultimative, aufmerksamste Geste wirkt.
Es ist seltsam.
Eigentlich ist es verdammt bescheuert.
Aber bei ihm funktioniert es.“
Tyson, der der psychologischen Analyse seines Teamkapitäns mühsam gefolgt war, kratzte sich ratlos am Hinterkopf.
„Klingt irgendwie ziemlich anstrengend, wenn du mich fragst.“
„Für die meisten Frauen wäre es das wahrscheinlich auch“, stimmte Ray zu und sah wieder zu den Flügeltüren, hinter denen die beiden verschwunden waren. Sein Lächeln wurde weicher.
„Aber Nami ist eben speziell. Sie versteht genau, dass dieser Kontrollzwang seine Art ist, zu sagen, wie viel sie ihm bedeutet. Sie kontert seine Kälte mit ihrer Wärme, ohne sich von ihm unterkriegen zu lassen. Die beiden sind wie zwei Puzzleteile, die eigentlich nicht zusammenpassen dürften, aber jetzt bombenfest ineinandergreifen.“
Tyson hielt mitten in der Bewegung inne, die Stäbchen kurz vor dem Mund geparkt, und blinzelte Ray verständnislos an. Für einen Moment sah man förmlich, wie die Zahnräder in seinem Kopf lautstark gegeneinander mahlten, um Rays tiefgründige Beziehungsanalyse irgendwie zu verarbeiten. Er schluckte den letzten Bissen hinunter, legte die Stäbchen auf dem Rand seiner Schüssel ab und runzelte tief die Stirn.
„Warte mal, Ray“, begann Tyson sichtlich verwirrt und gestikulierte wild mit den Händen in der Luft.
„Wieso bitteschön zwei Puzzleteile, die... nicht... zusammenpassen dürften? Das ergibt doch überhaupt keinen Sinn!“
Ray zog amüsiert eine Augenbraue nach oben, schwieg aber und überließ dem Weltmeister das Feld.
„Ich meine, guck sie dir doch an!“, redete Tyson sich direkt in Fahrt und lehnte sich mit Nachdruck über den Tisch.
„Anscheinend ist Nami doch das absolut perfekte, passende Puzzleteil für Kai. Schau mal, wir kennen den Kerl jetzt seit Jahren. Wir haben mit ihm trainiert, wir haben gegen ihn gekämpft, wir haben den Hintern vollgekriegt und wir haben zusammen die Weltmeisterschaft gewonnen. Aber hat es irgendjemand von uns jemals geschafft, sein Eis komplett zu brechen? Nö! Bei uns zieht er immer noch das Gesicht, als hätte er in eine Zitrone gebissen.“
Max nickte zustimmend und lauschte Tysons flammender Rede mit offenem Mund.
„Aber sie?“, fuhr Tyson triumphierend fort, und ein breites, wissendes Grinsen stahl sich auf sein Gesicht.
„Sie kommt einfach hier reinspaziert, lächelt ihn an, legt ihm eine Hand auf den Arm und puff... der große, böse Kai Hiwatari schnurrt zwar nicht wie ein Kätzchen, aber er mutiert zum ultra-beschützerischen Alpha-Wolf. Sie versteht ihn doch anscheinend besser als jeder andere Mensch auf diesem Planeten! Wenn du mich fragst, passen die beiden nicht nur zusammen, die wurden quasi im selben Werk gegossen. Die ist genau das Gegenstück, das diesem Eiszapfen all die Jahre gefehlt hat.“
Ray betrachtete Tyson für einen langen Moment mit einem beinahe väterlichen, tief zufriedenen Lächeln. Er nahm noch einen kleinen Schluck von seinem Tee, ehe er leise schmunzelte.
„Weißt du was, Tyson?“, sagte Ray sanft und stellte die Tasse endgültig ab.
„Da hast du wohl ausnahmsweise mal absolut recht.“