Das zahme Raubtier
Das zahme Raubtier
Als die schweren Holztüren des Waschraums hinter Nami ins Schloss fielen, war sie noch immer leise vor sich hin am amüsieren. Das Bild der drei völlig versteinerten Mädchen im Spiegel hatte ihr den Rest gegeben. Doch kaum hatte sie zwei Schritte in den eleganten, weich teppichbelegten Korridor des Nobelhotels gemacht, blieb ihr fast selbst das Lachen im Hals stecken.
Direkt gegenüber, lässig mit einer Schulter an die edle Wandverkleidung gelehnt, stand Kai.
Die Arme hatte er locker vor der Brust verschränkt, das perfekt sitzende Revers seines schwarzen Smokings hob sich scharf vom gedimmten Licht des Flurs ab. Seine rubinroten Augen fixierten sie in genau dem Moment, als sie heraustrat, und fingen ihren amüsierten, sichtlich vom Lachreiz gezeichneten Blick augenblicklich auf.
Nami blinzelte überrascht, ehe sich ein spitzbübisches, unendlich liebevolles Lächeln auf ihre Züge stahl. Sie blieb ein paar Schritte vor ihm stehen, legte den Kopf schräg und musterte ihr ganz persönliches „Raubtier“ mit einem belustigten Funkeln in den ozeanfarbenen Augen.
„Na, sieh mal an“, raunte sie charmant und trat noch ein Stück näher an ihn heran. „Hat es dich etwa doch nicht auf deinem Stuhl gehalten, oder wolltest du mich hier einfach abholen, weil du es keine zehn Minuten ohne mich aushältst?“
Kai stieß ein tiefes, raues Schmunzeln aus, das als angenehme Vibration in seiner breiten Brust widerhallte. Er stieß sich mit einer fließenden Bewegung von der Wand ab und verringerte den Abstand zwischen ihnen, bis Nami die vertraute, intensive Wärme seines Körpers spüren konnte.
„Dein Schuldirektor kam an den Tisch in dem Moment als du auf Klo gegangen bist.“, erklärte er mit seinem tiefen, unendlich trockenem Timbre, während seine Augen kurz spöttisch aufblitzten.
„Der Mann ist eine absolut unerträgliche Plaudertasche. Er hat zu viel gequatscht und mich mit seinen langatmigen Reden über deine akademische Zukunft belästigt. Ich musste da weg. Jetzt belagert er wohl deine Eltern.“
Nami musste leise glucksen. Sie konnte sich lebhaft vorstellen, wie der ehrfürchtige Direktor versucht hatte, ein hochgestochenes Gespräch mit dem kühlen Ex-Champion zu führen, nur um von Kais eisiger Aura quasi im Keim erstickt zu werden.
Kai schritt noch einen halben Schritt vor, sodass seine Hand ganz automatisch den Weg an ihre Taille fand. Seine Finger gruben sich mit besitzergreifendem Druck in den smaragdgrünen Seidenstoff ihres Kleides, während sein Blick an ihren Lippen hängen blieb.
„Und jetzt verrat mir, was dich da drinnen so lange aufgehalten hat“, raunte er intensiv, und ein fordernder Unterton schwang in seiner Stimme mit.
„Ich stehe hier schließlich seit exakt fünf Minuten und habe auf dich gewartet. Und du siehst aus, als hättest du ein verdammt gutes Geheimnis.“
Nami musste bei seinen Worten erneut unwillkürlich auflachen, ein helles, klangvolles Geräusch, das im fast leeren Korridor sanft widerhallte. Sie dachte an die absurden Theorien der Mädchen und das kreideweise Gesicht von Ema zurück. Statt direkt zu antworten, biss sie sich einfach nur mit einem unendlich amüsierten, spitzbübischen Blick auf die Unterlippe, während ihre ozeanfarbenen Augen vor Vergnügen funkelten.
Kai verengte seine rubinroten Augen, als er ihr sündhaft gutes Amüsement sah. Seine Geduld war ohnehin nicht die größte, erst recht nicht, wenn sie ihm etwas verschwieg.
Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, machte er einen schnellen, dominanten Schritt nach vorn. Mit einer fließenden, unaufhaltsamen Bewegung drängte er Nami sanft zur Seite gegen die edle Wandverkleidung des Flurs.
Der smaragdgrüne Seidenstoff ihres Kleides raschelte leise, als sie mit dem Rücken an das Holz stieß. Im nächsten Moment stemmte Kai seine große Hand mit hörbarem Nachdruck direkt neben ihrem Kopf gegen die Wand, blockierte jeden Fluchtweg und schirmte sie komplett von der Außenwelt ab. Seine breite Statur warf einen tiefen Schatten über sie.
„Was ist so witzig?“, raunte er unendlich rau, fast schon fordernd, während sein Gesicht nur noch Zentimeter von ihrem entfernt war.
Sein heißer Atem streifte ihre Lippen, und sein Blick brannte sich regelrecht in ihren.
Nami sah mit einem absolut furchtlosen, herausfordernden Lächeln zu ihm auf. Sie genoss dieses besitzergreifende Verhalten viel zu sehr.
„Na schön, ich erlöse dich“, flüsterte sie schmunzelnd.
In kurzen, pointierten Worten flüsterte sie ihm die Story brühwarm ins Ohr... angefangen bei der verlorenen Wette über sein Erscheinen, über Emas Panik vor dem „Monster“ aus dem Hotelzimmer vor einem Jahr, bis hin zu der glorreichen Dark-Romance- und Otome-Game-Theorie, dass sie wohl voll darauf stehen würde, wenn er das Raubtier rauslässt.
Kaum war Nami mit dem letzten Satz fertig und wollte gerade Kais Reaktion abwarten, ging hinter ihnen mit einem leisen Quietschen die schwere Tür des Mädchenwaschraums auf.
Die drei Mitschülerinnen traten hintereinander in den Korridor, noch immer leise tuschelnd... und erstarrten augenblicklich mitten in der Bewegung.
Das Bild, das sich ihnen bot, war die absolute, lebendige Bestätigung all ihrer wildesten Theorien: Der unnahbare, mächtige Kai Hiwatari hatte die Jahrgangsbeste im smaragdgrünen Kleid regelrecht gegen die Wand gedrängt, hielt sie mit einer Hand neben ihrem Kopf gefangen und wirkte in seiner dominanten Smoking-Statur gefährlicher und besitzergreifender als je zuvor.
Den Mädchen sackte kollektiv die Kinnlade herunter. Ema holte hörbar Luft, während die Dark-Romance-Expertin aussah, als würde sie auf der Stelle in Ohnmacht fallen. Sie standen da wie Ölgötzen, unfähig, sich auch nur einen Millimeter zu bewegen.
Kai änderte seine Haltung nicht um einen Millimeter. Seine Hand blieb fest neben Namis Kopf gegen das Holz gestemmt, sein breiter Rücken schirmte sie nach wie vor ab. Er würdigte die Mitschülerinnen keines einzigen Blickes... für ihn waren sie schlichtweg Luft.
Einzig das dunkel amüsierte, raue Funkeln in seinen rubinroten Augen verriet Nami, dass er die starren Blicke im Hintergrund sehr wohl registriert hatte. Seine Lippen formten sich zu einem unendlich tiefen, gefährlichen Schmunzeln.
Er hatte die Story über das „Raubtier“ und die Dark-Romance-Theorien verdammt gut weggesteckt... und er dachte gar nicht daran, die Mitschülerinnen vorzeitig aus ihrer Schockstarre zu erlösen.
„Ein Raubtier also?“, raunte seine tiefe Stimme unendlich leise und rau, sodass nur Nami es hören konnte. Sein Blick glitt langsam von ihren ozeanfarbenen Augen hinab zu ihren Lippen und verweilte dort mit einer Intensität, die ihr augenblicklich eine Gänsehaut über den nackten Rücken jagte.
„Und du stehst also voll drauf, wenn ich es rauslasse?“
Nami hielt seinem Blick mutig stand, auch wenn ihr Herz bei dieser rauen, dominanten Tonlage direkt wieder einen unvernünftigen Sprung machte. Ein spitzbübisches Lächeln umspielte ihre Lippen, während sie die Hand flach auf seine Smoking-Brust legte.
„Das sind nicht meine Worte. Das ist die fundierte Analyse deiner Fangemeinde da hinten.“
„Ist das so?“, raunte er, und das Schmunzeln auf seinen Lippen wurde noch ein Stück dunkler.
Er nutzte die Situation eiskalt aus. Ohne den Kopf auch nur ansatzweise zu den versteinerten Mädchen umzudrehen, beugte er sich mit einer langsamen, unendlich provokanten Eleganz tiefer zu Nami hinab. Seine Lippen verfehlten ihren Mund nur um Haaresbreite, stattdessen glitt er an ihrer Wange vorbei, bis sein heißer Atem ihre empfindliche Haut am Hals traf.
Im Hintergrund stieß Ema ein fassungsloses, fast schon ersticktes Geräusch aus, während die Dark-Romance-Expertin hörbar nach Luft schnappte. Die Mädchen sahen live und in Farbe das, was sie eben noch theoretisiert hatten.
Kai kümmerte es nicht. Er hauchte Nami einen unendlich intensiven, brennend heißen Kuss auf die empfindliche Stelle zwischen Hals und Schulter, genau dort, wo der smaragdgrüne Stoff ihres Kleides der Haut Platz machte.
Seine Lippen verweilten dort für einen quälend langen, besitzergreifenden Moment, während seine Hand an der Wand sich noch ein Stück fester ins Holz presste. Nami entkam ein leises, unwillkürliches Seufzen, und sie krallte ihre Finger unbemerkt in den Stoff seines Sakkos.
Als er sich langsam wieder aufrichtete, sah er sie mit einem Blick an, der keinen Zweifel daran ließ, wem sie gehörte.
„Sie hatten mit einer Sache recht, Nami“, flüsterte er mit belegt rauer Stimme, während er nun doch eine Augenbraue hochzog und die drei Mädchen im Hintergrund mit einem einzigen, eiskalten Seitenblick bedachte.
„Es ist reine Definitionssache. Und was ich mit dir hinter verschlossenen Türen mache, übersteigt die Fantasie dieser Mädchen bei Weitem.“
Das war der finale Stoß. Die eisige Aura, die Kai in diesem Moment ganz bewusst verströmte, kombiniert mit der ungenierten Zärtlichkeit von eben, brach die Schockstarre der Mitschülerinnen.
Ema stammelte ein lautloses, panisches „Entschuldigung!“, packte ihre beiden Freundinnen am Arm, und die drei stolperten in einem absolut filmreifen Eiltempo am Paar vorbei, rissen die Flügeltüren des Festsaals auf und flohen regelrecht zurück in die Menge.
Nami sah den flüchtenden Mädchen hinterher, ehe sie den Kopf in den Nacken legte und befreit auflachte. Ihr helles Lachen vertrieb die knisternde Spannung im Flur im Nu.
„Du bist unmöglich, Kai“, sagte sie kopfschüttelnd, während sie ihre Arme um seinen Nacken legte und ihn mit einem unendlich stolzen, glücklichen Blick belohnte. „Jetzt haben sie für die nächsten zehn Jahre Gesprächsstoff.“
„Sollen sie ruhig“, erwiderte Kai trocken, schlang seinen Arm nun ganz ungezwungen um ihre Taille und drückte sie fest an sich. Ein ehrliches, seltenes Schmunzeln stahl sich auf sein Gesicht.
„Gehen wir wieder rein? Ich will sehen, ob der Direx endlich weg ist und ob dein Vater immer noch darauf brennt, meine Walzer-Vergangenheit zu erfragen.“
Nami und Kai kehrten Hand in Hand in den majestätischen Festsaal zurück. Während sie elegant an den Tischreihen vorbeiglitten, entging Nami nicht, dass die drei Mitschülerinnen bereits wieder an ihren Plätzen saßen.
Aus sicherer Entfernung warfen sie den beiden immer noch hochrote, ehrfürchtige Blicke zu, hielten sich die Hände vor den Mund und tuschelten aufgeregter denn je. Nami schenkte ihnen im Vorbeigehen nur ein kurzes, unendlich amüsiertes Lächeln, das die Mädchen fast augenblicklich wieder zusammenzucken ließ.
Als sie an ihrem Tisch ankamen, saß Hiro Tachiba immer noch mit diesem absolut unbezahlbaren, neugierigen Schmunzeln auf den Lippen da. Er hatte die Arme verschränkt und fixierte Kai sofort mit den Augen eines Mannes, der so schnell nicht lockerlassen würde.
„Na, der Direktor hat euch wohl endlich entkommen lassen?“, scherzte Nami gut gelaunt, während Kai ihr galant den Stuhl zurechtrückte und sich anschließend selbst mit einer fließenden, unnahbaren Eleganz auf seinen Platz setzte.
Nami goss sich ein wenig Wasser nach, sah das verräterische Funkeln in den Augen ihres Vaters und musste direkt wieder befreit auflachen. Es war ein helles, klangvolles Geräusch, bei dem ihre silberweißen Wellen sachte mitsangen.
„Papa, ich sehe es dir doch an der Nasenspitze an“, stellte sie amüsiert fest und schüttelte schmunzelnd den Kopf.
„Es lässt dich wohl einfach absolut nicht los, was?“
„Es lässt mich in der Tat nicht los“, gab Hiro völlig ungeniert zu, während Namis Mutter Hilda leise kicherte und Kenji amüsiert an seinem Glas nippte während Momoko neugierig die Ohren spitzte. Hiro beugte sich ein Stück vor, stützte die Unterarme auf die weiße Tischdecke und sah Kai mit einem schelmischen, aber zutiefst respektvollen Blick an.
„Ich meine, Kai, als ehemaliger Champion und Spitzenblader schlägst du dich ja mit ganz anderen Kalibern herum. Aber dieser Walzer vorhin… das war absolut meisterhaft. Ich muss nun einfach doch fragen: Wo lernt ein vielbeschäftigter junger Mann wie du so eine feine Beinarbeit?“
Kai stieß ein tiefes, unendlich trockenes Schnauben aus. Er griff nach seinem Glas, lehnte sich entspannt im Stuhl zurück und bedachte seinen Schwiegervater in spe mit einem dunkel amüsierten, aber gewohnt einsilbigen Blick aus seinen rubinroten Augen.
„Man lernt es, um Schmerzen zu vermeiden, Hiro“, erwiderte Kai mit seiner tiefen, rau untermalten Stimme, ohne jedoch weiter ins Detail zu gehen.
Nami biss sich grinsend auf die Unterlippe, hielt aber brav den Mund, wie sie es Kai versprochen hatte.
Hiro blinzelte kurz überrascht, schien die geheimnisvolle Antwort des 20-Jährigen kurz zu verdauen und lehnte sich dann lachend auf seinem Stuhl zurück.
„Um Schmerzen zu vermeiden? Na, das klingt mir ganz nach der harten russischen Schule, von der man so viel hört.“
Er schmunzelte breit, ehe ihm ein neuer, absolut teuflischer Gedanke kam. Ein augenzwinkerndes Blitzen trat in Hiros Augen.
„Weißt du was, Kai? Wenn du das so gut beherrschst, sollte ich dich glatt für die nächste große Familienfeier als Tanzpartner buchen. Meine liebe Hilda beschwert sich schließlich schon seit Jahren, dass ich ihr zu oft auf die Füße trete. Da könntest du doch glatt einspringen und eine Runde mit meiner Frau übers Parkett drehen.“
Hilda lief bei den Worten ihres Mannes prompt eine zarte Röte übers Gesicht. „Hiro, jetzt hör aber auf, den Jungen zu necken!“, rief sie empört, musste aber selbst schüchtern lächeln.
Kai hielt mitten in der Bewegung inne, sein Glas kurz vor den Lippen. Bei der bloßen Vorstellung, auf einer Familienfeier vor versammelter Mannschaft offiziell den Vortänzer für seine potentielle Schwiegermutter spielen zu müssen, entkam ihm ein so unendlich trockenes, tief gequältes Brummen aus der Kehle, dass Nami und Kenji sich nicht mehr halten konnten.
Nami prustete laut los und verschüttete vor Lachen fast ihren Champagner, während Kenji sich hustend die Hand vor den Mund hielt. Selbst Kais sonst so unnahbare, kühle Maske bröckelte für einen Moment und wich einem absolut genervten, aber tief im Inneren amüsierten Gesichtsausdruck.
„Ich denke“, raunte Kai unendlich trocken und setzte das Glas mit hörbarem Nachdruck auf dem Tisch ab, während sein rubinroter Blick Hiro fixierte, „meine Tanzkarriere hat heute Abend offiziell begonnen und im selben Moment auch wieder geendet.“
Um Kai aus der Schusslinie von Hiros unerbittlichen Tanz-Plänen zu retten, erbarmte sich schließlich Kenji. Er setzte sein Glas mit einem leisen Klacken ab, schüttelte lachend den Kopf und klopfte Kai kameradschaftlich, wenn auch mit gebührendem Respekt vor dessen Aura, auf die Schulter.
„Lass ihn in Frieden, Dad“, schaltete Kenji sich amüsiert ein und grinste breit. „Wenn du Kai noch weiter mit Standardtänzen drohst, erdolcht er dich noch mit seinem eisigen Blick.“
Ein leises, tiefes Schnauben von Kai bewies, dass Kenji mit dieser Einschätzung gar nicht so weit daneben lag. Die kühle Maske schloss sich wieder, doch das gefährliche Funkeln in seinen rubinroten Augen war einem gelassenen, fast schon dankbaren Ausdruck gewichen.
„Um das Erbe der ungeschickten Tachiba-Männer zu retten, muss wohl ich einspringen“, fuhr Kenji fort, stand schwungvoll auf und knöpfte sein Sakko zu. Er trat um den Tisch herum, baute sich vor Nami auf und vollführte eine theatralische, tief überspitzte Verbeugung, die absolut typisch für ihn war.
„Gnädigste Zwillingsschwester, die Musik wechselt gerade zu etwas… Dynamischerem. Würde die Dame mir die Ehre erweisen, bevor unser Vater noch mehr glorreiche Ideen aus seinem Mund hören lässt?“
Nami legte den Kopf in den Nacken und lachte herzlich über das Spektakel ihres Bruders. Sie warf Kai einen kurzen Blick aus ihren ozeanfarbenen Augen zu. Er nickte ihr nur einmal kurz und langsam zu... eine stumme, aber unmissverständliche Erlaubnis, dass sie sich ruhig amüsieren sollte.
„Die Ehre ist ganz meinerseits, mein Herr“, erwiderte Nami schmunzelnd, legte ihre Hand in die seine und ließ sich von ihm auf die Tanzfläche führen.
Die Musik hatte tatsächlich gewechselt. Statt des getragenen, klassischen Walzers erfüllte nun ein schwungvoller, modernerer Rhythmus den Saal, der perfekt zu der ausgelassenen Stimmung des späten Abends passte. Kaum standen die Zwillinge auf dem Parkett, bewiesen sie, dass sie ein blind eingespieltes Team waren.
Ihre Schritte griffen mühelos ineinander, und das smaragdgrüne Seidenkleid von Nami wirbelte in eleganten Kreisen um ihre Beine, während ihre silberweißen Wellen die Bewegung schwungvoll nachvollzogen.
„Du siehst wirklich umwerfend aus, Nami“, sagte Kenji leise, während er sie gekonnt unter seinem Arm hindurchdrehen ließ. Sein Blick war warm und voller geschwisterlicher Zuneigung.
„Und im Ernst… ich bin verdammt froh, wie die Dinge laufen.“
„Wie meinst du das?“, fragte Nami mit einem Lächeln, während sie den Rhythmus hielten.
Kenji warf einen kurzen Blick zurück zum Tisch.
„Als du damals mit Kai zusammenkamst, hatte ich meine Zweifel. Der Typ war… nun ja, er ist eben Kai Hiwatari. Eine wandelnde Naturgewalt. Aber wenn ich sehe, wie er dich ansieht, wie er dich hält… und wie er heute Abend über seinen eigenen Schatten gesprungen ist, nur um dir diesen Moment zu schenken… Er behandelt dich genau so, wie du es verdienst. Meine Skepsis ist offiziell Geschichte.“
Nami spürte ein tiefes, warmes Glücksgefühl in ihrer Brust aufsteigen.
„Danke, Kenji“, flüsterte sie gerührt.
Währenddessen war es am Tisch merklich ruhiger geworden. Hilda stand lächelnd auf, glättete ihr elegantes Kleid und sah in die Runde.
„Ich entschuldige mich kurz, ich gehe mich kurz frisch machen“, sagte sie sanft.
Momoko nutzte die Gelegenheit sogleich, um sich anzuschließen. Sie erhob sich ebenfalls mit einer grazilen Bewegung, schenkte der verbliebenen Herrenrunde ein charmantes Lächeln und zupfte ihr Kleid zurecht.
„Ich begleite dich direkt, Hilda. Ich muss auch kurz mal auf Toilette“, fügte sie gut gelaunt hinzu.
Die beiden Frauen schlenderten plaudernd davon, sodass Kai und Hiro allein zurückblieben.
Kai saß vollkommen entspannt im Stuhl, ein Bein lässig über das andere geschlagen, die Finger um sein Glas geschlossen. Seine rubinroten Augen waren ununterbrochen auf die Tanzfläche gerichtet, fixierten jede einzelne Bewegung von Nami. Ein seltenes, unendlich stolzes und ruhiges Schmunzeln lag auf seinen Zügen, das ihn in diesem Moment fast schon nahbar wirken ließ.
Hiro beobachtete den jungen Mann an seiner Seite eine Weile schweigend. Das neckische Schmunzeln des Vaters war einem ernsteren, tieferen Ausdruck gewichen. Da er selbst einst eine tiefe, dauerhafte Verschmelzung mit seinem eigenen Bit-Beast eingegangen war, besaß Hiro eine Gabe, die anderen Menschen verwehrt blieb: Er konnte hinter die Fassade eines jeden blicken und Energien wahrnehmen, die für das bloße Auge unsichtbar waren.
Er nahm einen Schluck von seinem Getränk, stellte es ab und sah Kai direkt von der Seite an.
„Du liebst sie wirklich sehr, nicht wahr?“, brach Hiro das Schweigen mit ruhiger, väterlicher Stimme.
Kai bewegte sich nicht, wandte den Blick nicht von Nami ab, doch die feine Linie seines Kiefers spannte sich kurz an. Es war keine Frage, die man einem Mann wie ihm leicht stellte, doch Hiro hatte sich dieses Recht als Namis Vater verdient.
„Sie ist mein Ein und Alles, Hiro“, erwiderte Kai. Seine Stimme war leise, aber von einer so absolut kompromisslosen, unerschütterlichen Tiefe, dass kein Raum für Zweifel blieb. „Daran wird sich nie etwas ändern.“
Hiro nickte langsam, ein zutiefst zufriedenes, erleichtertes Lächeln auf den Lippen. Doch statt das Thema zu wechseln, lehnte er sich ein Stück näher zu Kai und senkte die Stimme, während sein Blick ebenfalls kurz zu den wirbelnden Zwillingen auf dem Parkett glitt.
„Ich habe vorhin etwas unendlich Interessantes wahrgenommen, als ich dich mit Nami habe tanzen sehen“, begann Hiro ruhig, und ein mystischer Unterton schwang in seinen Worten mit. Er wandte den Kopf wieder zu Kai.
„Sag mir, Kai… ist dir eigentlich bewusst, dass Namis und deine Aura miteinander kommunizieren?“
Kai hielt mitten in der Bewegung inne. Seine rubinroten Augen verengten sich leicht, und er wandte den Kopf nun langsam zu Hiro um. Die kühle, scharfe Aufmerksamkeit des Ex-Champions war sofort hellwach. Normal sterbliche Menschen konnten die feinen Nuancen einer Bit-Beast-Aura nicht einmal erahnen, geschweige denn ihre Interaktionen lesen.
„Was genau hast du gesehen?“, raunte Kai tief, und seine Stimme klang plötzlich merklich rauer.
Hiro lächelte milde, wissend um die Skepsis des Jüngeren. „Du weißt, dass ich durch meine eigene Vergangenheit Dinge sehe, die anderen verborgen bleiben. Als ihr beide dort vorne standet, war es nicht nur ein Tanz zwischen zwei jungen Leuten. Eure Auren... das ungezähmte, feurige Wesen in dir und die tiefen Energien von Namis Pegasus... haben sich nicht einfach nur berührt. Sie haben ineinandergegriffen. Sie haben miteinander harmoniert, sich gegenseitig gestützt und eine perfekte Balance gebildet. Dranzer und Pegasus sprechen dieselbe Sprache, Kai. Sie erkennen sich wieder.“
Hiro legte eine Hand kurz auf Kais Schulter und drückte sie respektvoll, während sein Blick wieder unendlich warm wurde.
„Eure Verbindung geht weit über das hinaus, was man auf dieser Welt als Liebe bezeichnet. Es ist eine Bindung der Seelen, die bis in die Tiefen eurer Bit-Beasts reicht. Und das zu sehen… gibt mir als Vater die absolute Gewissheit, dass sie bei dir sicher ist.“
Kai erwiderte den Druck nicht direkt und schwieg für einen langen Moment, während seine Augen wieder zu Nami auf der Tanzfläche glitten. Doch in der Tiefe seines rubinroten Blicks lag ein unerschütterliches, wissendes Leuchten. Er brauchte keine Bestätigung von außen, doch Hiros Worte hatten das bandagiert, was er tief in seiner eigenen Brust jede Sekunde spürte.
„Ich weiß“, erwiderte Kai leise, aber mit einer absoluten, königlichen Gewissheit. Er sah Hiro noch einmal direkt an... ein stummes Einverständnis und tiefer Respekt zwischen zwei Männern, die die Geheimnisse der Bit-Beasts und die Liebe zu derselben Frau teilten.
Das tiefgründige Gespräch der beiden Männer fand ein natürliches Ende, als Hilda mit einem sanften Lächeln an den Tisch zurückkehrte. Fast im selben Moment erstarb die schwungvolle Musik auf dem Parkett. Ein kurzes, feierliches Fanfaren-Signal ertönte aus den hochwertigen Lautsprechern des Festsaals und ließ die Gespräche im Raum augenblicklich verstummen.
Kenji führte Nami mit einer angedeuteten, galanten Verbeugung zurück an ihren Platz, wo Kai ihr bereits lautlos den Stuhl bereithielt.
Kaum saß sie, spürte sie seine großen, warmen Finger, die unter der Tischdecke nach ihrer Hand griffen und sie mit einem festen, beruhigenden Druck umschlossen.
Am oberen Ende des Saals trat der Schuldirektor ans Mikrofon. Er rückte seine Brille zurecht, blickte mit sichtlich stolzer Miene über die versammelte Festgesellschaft und ließ die Zettel in seiner Hand kurz rascheln.
„Liebe Absolventinnen, liebe Absolventen, verehrte Eltern und Ehrengäste“, begann seine Stimme durch den Raum zu schallen. „Wir nähern uns dem offiziellen Höhepunkt des heutigen Abends. Ein Abschlussball ist nicht nur ein Fest des Abschieds, sondern vor allem ein Fest der Anerkennung. In jedem Jahrgang gibt es Talente, die herausragen. Doch in diesem Jahr dürfen wir eine Schülerin ehren, deren akademische Leistungen, Disziplin und Scharfsinn die Messlatte für zukünftige Generationen auf ein völlig neues Niveau gehoben haben.“
Ein Raunen ging durch den Saal. Nami spürte, wie sich unzählige Blicke bereits in ihre Richtung drehten. Sie blickte kurz zur Seite, direkt in Kais rubinrote Augen. Er sagte kein einziges Wort. Doch der intensive, brennende Blick, den er ihr schenkte, war voller unbändiger, tiefer Anerkennung.
Er brauchte keine großen Reden... Nami las den Stolz seines gesamten Wesens in seinen Augen ab.
„Mit der absoluten Bestnote des gesamten Präfektur-Jahrgangs und einer beispiellosen akademischen Laufbahn“, verkündete der Direktor nun mit feierlicher, fast schon theatralischer Stimme, „bitten wir die Jahrgangsbeste auf die Bühne: Nami Tachiba!“
Der Saal explodierte förmlich in tosendem Applaus. Hiro und Kenji johlten lautstark auf, während Hilda sich gerührt eine kleine Freudenträne aus dem Augenwinkel wischte.
Bevor Nami jedoch aufstehen konnte, löste Kai den Griff um ihre Hand. Doch statt einfach nur sitzen zu bleiben, erhob er sich als allererster Mann im gesamten Saal von seinem Stuhl.
Mit einer absolut dominanten, königlichen Präsenz baute er sich im perfekt sitzenden Smoking neben ihr auf. Seine breite Statur und seine kühle, unnahbare Aura zogen augenblicklich die Aufmerksamkeit des gesamten Raumes auf sich. Es war etwas... das er als Teenager niemals zugelassen hätte.
Das tuschelnde Lehrerkollegium, die staunenden Mitschüler und vor allem die drei Mädchen aus dem Waschraum, die in der dritten Reihe saßen, starrten gebannt zu ihm auf. Kai ignorierte das gaffende Publikum komplett.
Sein Blick war einzig und allein auf Nami gerichtet, während er gelassen, aber kraftvoll in die Hände klatschte.
Dieses unmissverständliche Statement... dass der mächtige Kai Hiwatari vor aller Augen als Erster aufstand, um sie zu ehren... gab Nami eine unglaubliche Welle an Eleganz und Selbstbewusstsein.
Sie schenkte ihm ein strahlendes, unendlich glückliches Lächeln, strich den smaragdgrünen Seidenstoff ihres Kleides glatt und schritt mit erhobenem Haupt durch die Reihen der applaudierenden Gäste nach vorne. Ihre silberweißen Locken wippten bei jedem Schritt, und die anmutige Aura, die sie verströmte, ließ keinen Zweifel daran, dass sie diesen Moment mit jedem Recht der Welt besaß.
Als sie die Stufen zur Bühne hinaufstieg und die gläserne Ehrenurkunde aus den Händen des Direktors entgegennahm, blickte sie noch einmal zurück durch den weiten Saal. Direkt an ihrem Tisch stand Kai immer noch aufrecht da, die Arme nun locker vor der Brust verschränkt, das dunkel amüsierte, aber unendlich stolze Schmunzeln zurück auf den Lippen. Er zeigte jedem einzelnen Menschen in diesem Raum, dass diese brillante, wunderschöne junge Frau an der Spitze des Jahrgangs ganz allein an seine Seite gehörte.
Unter dem donnernden Applaus des gesamten Saals schritt Nami die Stufen der Bühne wieder hinab. Die gläserne Ehrenurkunde lag schwer und kühl in ihren Händen, doch das Gefühl in ihrer Brust war von einer unendlichen, warmen Erleichterung geprägt. Als sie sich dem Tisch näherte, stand Kai bereits wieder bereit, fing ihren Blick auf und hielt ihr mit einer fließenden Bewegung den Stuhl auf.
Kaum hatte sie sich gesetzt, spürte sie seine große, warme Hand, die unter der weißen Tischdecke ihren Weg auf ihren Oberschenkel fand. Seine Finger drückten mit einem festen, besitzergreifenden und unendlich vertrauten Druck zu... ein stummes, aber intensives „Gut gemacht“, das ihr augenblicklich eine wohlige Gänsehaut über den Rücken jagte. Kai hielt sich im Hintergrund, überließ den ersten emotionalen Moment ganz ihrer Familie, doch seine Berührung hielt sie ununterbrochen an seiner Seite fest.
Hiro und Hilda waren sichtlich gerührt. Namis Vater strich sich über das Revers seines Anzugs, während seine Augen vor Stolz feucht glänzten.
„Die beste Absolventin der gesamten Präfektur“, sagte Hiro mit einer Stimme, die vor tiefer Bewegung leicht belegte. Er griff nach seiner Champagnerflöte und hob sie weit an.
„Ich wusste immer, dass in dir eine unbändige Kraft steckt, Nami. Aber dich dort oben zu sehen… Auf dich, mein Schatz. Auf deine glänzende Zukunft!“
„Auf Nami!“, stimmten Hilda und Kenji und Momoko im Chor an. Die Gläser klangen mit einem hellen, kristallinen Ton aneinander.
Selbst Kai hob seine Flöte ein Stück, seine rubinroten Augen fixierten Nami über den Rand des Glases hinweg mit einer so absoluten, brennenden Intensität, dass ihr Herz einen verräterischen Schlag aussetzte.
Er nahm einen kleinen Schluck, sein Blick wich keine Sekunde von ihr.
Es folgte ein wunderbar warmer, gelöster Moment am Tisch. Kenji nahm die gläserne Urkunde ehrfürchtig in die Hand, drehte sie im Licht der Kronleuchter und klopfte seiner Zwillingsschwester stolz auf die Schulter.
Hilda erzählte gerührt von Namis ersten Schultagen, und die Zwillinge und Momoko lachten gemeinsam über alte Geschichten, während der Trubel des restlichen Festsaals um sie herum langsam in den Hintergrund trat.
Als sich die erste Aufregung legte, wechselte die Musik im Hintergrund langsam zu einem tiefen, sanften Rhythmus. Die Lichter im großen Saal wurden noch ein Stück weiter gedimmt, und die ersten Paare schlenderten für den klassischen Stehblues zum Ausklang des Abends auf das Parkett.
Kenji beobachtete die Tanzfläche mit einem spöttischen Grinsen, lehnte sich im Stuhl zurück und warf Kai einen unendlich herausfordernden Seitenblick zu.
„Na, Kai“, zog Kenji ihn amüsiert auf und stupste Nami leicht mit dem Ellbogen an.
„Da vorne spielen sie genau deine Kragenweite. Ein schöner, langsamer Stehblues. Aber ich schätze mal, auf die Tanzfläche kriegt dich heute niemand mehr, was? Erst recht nicht, um hier vor der versammelten Mannschaft öffentlich rumzukuscheln. Das würde das unnahbare Image wohl komplett ruinieren.“
Nami schmunzelte leise, legte die Hand beruhigend auf Kais Arm und sah ihren Bruder mit einem milden Blick an.
„Lass gut sein, Kenji“, sagte sie sanft und lächelte Kai unendlich liebevoll an.
„Es ist völlig in Ordnung, wenn wir einfach hier sitzen bleiben. Der Abend war ohnehin schon perfekt.“
Doch Nami hatte die Rechnung ohne das unbändige Ego ihres Freundes gemacht. Kenjis Worte waren keine harmlose Neckerei gewesen... für einen Mann wie Kai Hiwatari waren sie eine offene, direkte Herausforderung. Und Kai dachte gar nicht daran, vor Kenji oder sonst jemandem klein beizugeben.
Seine rubinroten Augen verengten sich leicht, als er Kenji fixierte. Die kühle Maske wie einem unendlich arroganten, überlegenen Schmunzeln.
„Du solltest nicht von dir auf andere schließen, Tachiba“, raunte Kai.
Noch ehe Nami richtig reagieren konnte, erhob er sich mit einer fließenden, unaufhaltsamen Bewegung vom Stuhl. Er knöpfte sein Sakkorevers mit einer fast schon königlichen Lässigkeit zu, trat um den Tisch herum und baute sich vor ihr auf. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, nahm er ihre Hand in seine großen Finger und zog sie mit sanftem, aber absolut bestimmtem Druck auf die Beine.
Kenjis Grinsen fror augenblicklich ein, während Hiro leise in sich hineinlachte und die Arme amüsiert vor der Brust verschränkte.
Doch Kenji fing sich schnell, schüttelte schmunzelnd den Kopf und wandte sich mit einem charmanten Blick an seine eigene Begleitung. Er stand ebenfalls auf, knöpfte sein Sakko zu und hielt Momoko galant die Hand hin.
„Na, wenn das so ist... Mylady, wollen wir den beiden zeigen, wie man sich wirklich auf der Tanzfläche bewegt?“, fragte er augenzwinkernd. Momoko strahlte übers ganze Gesicht, legte ihre Hand in seine und ließ sich glücklich von ihm auf das Parkett führen.
Kai würdigte das andere Paar keines Blickes mehr. Er legte seine Hand fest an Namis Taille und führte sie mit ruhigen, dominanten Schritten direkt auf das spärlich beleuchtete Parkett.
Als sie das Zentrum der Tanzfläche erreichten, zog er sie ohne jede Spur von Zögern fest an sich. Jede Distanz zwischen ihnen schmolz augenblicklich dahin. Nami entkam ein leises, wohliges Seufzen, als ihre Brust flach gegen seinen Smoking stieß.
Seine Hand an ihrem unteren Rücken drückte sie so eng an seinen breiten Körper, dass sie jede einzelne Kontur seiner Muskeln und das kraftvolle, ruhige Schlagen seines Herzens spüren konnte. Sie schlang ihre Arme ganz automatisch um seinen Nacken, vergrub ihre Finger in seinem nackenlangen Haar und sah mit einem unendlich stolzen, glücklichen Funkeln zu ihm auf.
Kai beugte sich tief zu ihr hinab, sein Gesicht nur Zentimeter von ihrem entfernt, während sie sich im langsamen, intimen Rhythmus der Musik bewegten. Seine rubinroten Augen brannten regelrecht in ihren. Aus den Augenwinkeln konnte Nami die Blicke der drei Mitschülerinnen aus dem Waschraum spüren, die unweit der Tanzfläche saßen.
Ema und ihre Freundinnen starrten mit aufgerissenen Augen und glühenden Wangen zu ihnen herüber. Die Dark-Romance-Expertin hielt sich fast schon theatralisch die Hand ans Herz, als sie sah, wie besitzergreifend der mächtige Ex-Champion Nami hielt, während Ema völlig fassungslos an ihrem Glas nippte. Es war die absolute Bestätigung all ihrer Fantasien.
Kai ignorierte die gaffenden Mädchen komplett. Er senkte den Kopf noch ein Stück weiter, bis seine Lippen fast ihr Ohr berührten, und sein heißer Atem schickte eine intensive Gänsehaut über Namis Nacken.
„Keine Sorge, mein Schatz.“, raunte seine tiefe Bassstimme unendlich rau, samtig und voller dunkler Zärtlichkeit direkt in ihr Ohr.
„Das Raubtier wird ohnehin nur bei dir zahm.“
Nami musste bei diesen unendlich intensiven, aber perfekt platzierten Worten leise in sich hineinkichern. Ihr Körper bebte sanft an seiner Brust, und sie schmiegte sich nur noch ein Stück enger an ihn, während ihr ein leises, unendlich glückliches Seufzen entkam.
Um sie herum mochte die Welt der Highschool existieren und gaffen, doch in seinen Armen gab es nur sie beide und die unerschütterliche Gewissheit, dass sie zusammengehörten.
Nach dem wunderschönen Tanz kehrten sie schließlich an den Tisch zurück, dicht gefolgt von Kenji und Momoko, die sich sichtlich amüsiert hatten. Nami spürte nun, wie die Anspannung der letzten Wochen endgültig von ihr abfiel und einer wohligen, tiefen Müdigkeit wie. Sie lehnte sich ein Stück unauffällig gegen Kais breite Schulter.
Er spürte die subtile Veränderung ihrer Körpersprache sofort. Seine Finger auf ihrem Oberschenkel strichen beruhigend über den smaragdgrünen Seidenstoff, während er sich unbemerkt ein Stück näher zu ihr beugte, sodass seine maskuline Präsenz sie fast vollständig abschirmte.
Hiro, der seine Tochter zeitlebens genauestens zu lesen wusste, bemerkte das feine Gähnen, das Nami hinter vorgehaltener Hand zu unterdrücken versuchte. Ein wissendes, unendlich warmes Schmunzeln stahl sich auf das Gesicht des Vaters. Er warf Kai einen kurzen, vielsagenden Blick zu, den dieser mit einem kaum merklichen, langsamen Nicken erwiderte.
„So, meine Lieben“, ergriff Hiro mit gedämpfter Stimme das Wort, stellte sein Glas ab und klopfte sich auf die Knie.
„Ich denke, der offizielle Teil ist vorbei, und die alten Leute sollten das Feld räumen. Außerdem sieht unsere Jahrgangsbeste aus, als hätte sie sich ihren wohlverdienten Feierabend mehr als verdient.“
Er sah Nami und Kai schmunzelnd an und gab ihnen mit einem augenzwinkernden Nicken den väterlichen „Segen“.
„Verdrückt euch ruhig, ihr beiden. Kenji, Momoko, deine Mutter und ich nehmen den offiziellen Ausgang. Fahrt nach Hause.“
Nami sah ihren Vater dankbar an. „Danke, Papa“, flüsterte sie und schenkte ihm ein erschöpftes, aber überglückliches Lächeln.
Kai verlor keine Zeit. Mit der ihm eigenen, zielstrebigen Entschlossenheit stand er auf und reichte Nami die Hand, um ihr aufzuhelfen. Er gab Hiro und Kenji ein kurzes, respektvolles Nicken zum Abschied. Während die Familie den Abend am Tisch langsam ausklingen ließ, führte Kai Nami mit festem Griff an der Taille abseits des Hauptstroms durch einen diskreten Seitenausgang des Luxushotels... weg von den starrenden Blicken, weg von den tuschelnden Mädchen, hinein in die angenehm kühle, sternenklare Nachtluft Tokios, wo das nächste Kapitel des Abends bereits auf sie wartete.
Als sich die schweren Glastüren des Luxushotels hinter ihnen schlossen, schlug den beiden die angenehm kühle, klare Nachtluft Tokios entgegen.
Das ununterbrochene Summen der Metropole wirkte nach der dichten Atmosphäre und der Musik des Festsaals seltsam beruhigend.
Am glänzenden Marmor-Vorfahrtsbereich des Hotels wartete bereits eine vertraute, makellose Silhouette. Die vertrauten Konturen des dunkelgrünen Bentley hoben sich elegant von den warmen Lichtern des Portikus ab.
Graham stand mit gewohnt stoischer, aufrechter Haltung neben der geöffneten Fondtür, die Hand im makellosen weißen Handschuh am Griff.
„Einen wunderschönen guten Abend, Miss Nami, Master Kai.“, begrüßte der Butler sie mit seiner tiefen, angenehm distanzierten Stimme und einer perfekten, leichten Verbeugung.
„Ich hoffe, der Abend verlief ganz nach Ihren Wünschen.“
„Das ist er, Graham, danke“, erwiderte Nami mit einem müden, aber unendlich glücklichen Lächeln.
Bevor sie einstieg, wanderte ihr Blick jedoch kurz hinüber zu den Parkbuchten des Hotels, wo Kais schwarzer Wagen im Schein der Laternen glänzte. Sie legte den Kopf leicht schräg und sah zu Kai auf, der festen Schrittes neben ihr ging.
„Kai? Was ist eigentlich mit deinem Wagen? Der steht immer noch dort drüben“, fragte sie leise und deutete mit dem Kinn zu dem Sportwagen.
Kai warf dem Auto nicht einmal einen Blick zu. Seine großen Finger lagen noch immer warm an ihrer Taille, als er sie sanft, aber bestimmt dazu brachte, in den weich gepolsterten Fond des Bentley zu steigen.
„Der Portier hat den Schlüssel“, erklärte er mit seinem tiefen, unendlich trockenen Timbre, während er nach ihr einstieg und die schwere Tür mit einem satten, gedämpften Klang ins Schloss fiel. Der Innenraum des Wagens schirmte sie augenblicklich von jedem verbliebenen Geräusch der Außenwelt ab.
„Er lässt den Wagen morgen früh ins Anwesen bringen.“
Nami drehte sich auf den edlen Ledersitzen zu ihm um, während der Bentley mit einer fast lautlosen, fließenden Bewegung der Reifen anrollte. Sie zog eine Augenbraue hoch. „Ich dachte, du hättest heute Abend nur zwei Gläser Champagner getrunken? Seit wann bist du so extrem vorsichtig?“
Ein tiefes, raues Schmunzeln entkam Kais Kehle. Er lehnte sich entspannt in die tiefen Polster zurück, schlang seinen langen Arm ganz ungezwungen um ihre Schultern und zog sie mit sanfter Dominanz an seine breite Brust.
„Egal wie viel oder wie wenig es war. Auf Nummer sicher zu gehen, ist reine Logik“, raunte er, und seine rubinroten Augen fingen das gedimmte Licht der Straßenlaternen auf, das in regelmäßigen Abständen durch die getönten Scheiben glitt.
Er senkte den Kopf ein Stück, bis seine Lippen fast ihr silberweißes Haar berührten. „Und außerdem… wollte ich auf dem Rückweg verdammt nah bei meiner müden Freundin sitzen. Am Steuer des eigenen Wagens kuschelt es sich schlecht.“
Ein warmes, unendlich tiefes Glücksgefühl breitete sich in Namis Brust aus. Sie schmiegte sich dankbar eng an ihn, legte den Kopf auf seine Smoking-Brust und vergrub eine Hand in dem edlen Stoff seines Sakkos.
Sie lauschte dem ruhigen, kraftvollen Schlagen seines Herzens, während draußen die neonbeleuchtete Skyline von Tokio wie ein verschwommenes Kunstwerk an ihnen vorbeizog.
Der Abend, die Reaktionen der Mädchen, das Gespräch mit ihrem Vater und schließlich Kais absolut majestätischer Auftritt im Saal ließen sie einfach nicht los. Sie ließ die vergangenen Stunden im Geist noch einmal Revue passieren.
„Es ist wirklich unglaublich, was du heute alles getan hast, Kai“, flüsterte sie leise in die Stille des Wagens hinein. Ihre ozeanfarbenen Augen blickten nachdenklich ins Nichts des luxuriösen Fonds.
„Der Walzer mit mir… wie du meinen Vater pariert hast… und dann auf der Bühne. Wie du als allererster Mann aufgestanden bist, um mich vor all diesen gaffenden Leuten zu ehren. Das sind Dinge… die hätte früher absolut niemand von Kai Hiwatari erwartet. Niemals.“
Kai schwieg für einen langen Moment. Seine Finger strichen in einer langsamen, beruhigenden und unendlich zärtlichen Bewegung über ihren Oberarm, während er den Blick starr nach vorne gerichtet hielt. Doch seine Züge wirkten nicht kühl, sondern zutiefst gefasst und reflektiert.
„Das Problem dieser Gesellschaft ist, dass sie in Schubladen denkt, Nami“, begann er schließlich, und seine tiefe Bassstimme klang belegt, rau und von einer unerschütterlichen Reife.
„Die Leute kreieren ein Image von dir, stülpen es dir über den Kopf und denken dann, ein Mensch könnte sich nicht ändern oder weiterentwickeln. Sie erwarten, dass du für immer der unnahbare, wütende Junge bleibst, der alles und jeden von sich stößt.“
Er hielt kurz inne und lenkte seinen rubinroten Blick hinab zu ihr, fixierte sie mit einer Intensität, die ihr den Atem raubte.
„Aber ich bin kein Teenager mehr, mein Schatz. Ich bin zwanzig. Und ich habe schlichtweg andere Prioritäten in meinem Leben gefunden. Ich muss niemandem mehr beweisen, wie unnahbar ich bin, indem ich die Menschen verletze, die mir wichtig sind.“
Ein unendlich stolzes, dunkles Schmunzeln stahl sich auf seine Lippen, während er sie noch ein Stück fester an sich drückte, als wolle er sie vor der gesamten Welt abschirmen.
„Ich bin immer noch derselbe Kai, der ich gestern war, und der ich morgen sein werde. Ich lasse mir von niemandem in meine Karten schauen. Mit dem einzigen Unterschied… dass ich jetzt etwas zu verlieren habe. Etwas, das es wert ist, jede einzelne meiner verdammten Regeln dafür zu brechen.“
Nami spürte, wie ihr bei diesen absolut kompromisslosen, tiefen Worten eine wohlige Gänsehaut über den Rücken jagte. Sie hob den Kopf leicht an, blickte in das raue, unendlich attraktive Gesicht ihres Freundes und schenkte ihm ein Lächeln, das all ihre Liebe, ihren Stolz und ihre tiefe Geborgenheit widerspiegelte.
Diese ehrlichen, reifen Worte aus dem Mund einer wandelnden Naturgewalt waren mehr, als sie sich jemals hätte erträumen lassen.
„Ich liebe dich, Kai“, hauchte sie unendlich leise.
„Ich weiß“, erwiderte er mit dieser typischen, herrlich arroganten Gewissheit, ehe er sich ganz tief zu ihr hinabbeugte, ihre Lippen mit seinen einfing und ihr im Schutz der Dunkelheit des Bentley einen unendlich intensiven, brennend heißen Kuss schenkte, der sie den Rest der Welt endgültig vergessen ließ.