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Ein Kampf unter Freundinnen

Der Gezähmte Phönix — www.fanfiktion.de · All chapters

Ein Kampf unter Freundinnen

Da waren sie: Die Bilder der beiden Kontrahentinnen prangten groß und in leuchtenden Farben auf dem riesigen Bildschirm des Warteraums. Ein Kichern hallte durch den Raum, gefolgt von einem freudigen Grinsen. Mariah war komplett entzückt, ihre Augen leuchteten fast so hell wie ihr pinkes Haar.

„Oh, wie toll! Das wird der absolute Wahnsinn!“, rief sie und hüpfte vor Begeisterung fast auf der Stelle. „Denen werden wir eine Show bieten, Nami! Die Arena wird beben!“

Auch Nami spürte, wie die Vorfreude ihre Nervosität verdrängte. Sie nickte freudig und musterte Mariah genauer. Schon die ganze Zeit über hatte sie gegrübelt, woher ihr das Gesicht so bekannt vorkam. Jetzt fiel es ihr wie Schuppen von den Augen: Es war einige Jahre her, aber sie hatte Mariah im Fernsehen gesehen, als diese noch als Mitglied der legendären White Tigers kämpfte. Nami erinnerte sich vage daran, dass Mariah ein außergewöhnlich flinkes Bit-Beast besaß – eine Gegnerin auf einem ganz anderen Niveau als Yuki Sato.

„Die Kontrahenten aus der Gruppe B, bitte in die Arena kommen! Kontrahenten Gruppe B!“, dröhnte die Lautsprecherstimme durch den Saal.

Mariah verzog das Gesicht und streckte genervt die Zunge heraus. „Bäh, menno... immer diese Warterei.“

„Ach, mach dir nichts draus“, erwiderte Nami und grinste breit. „Das gibt uns nur mehr Zeit. Wir zeigen ihnen noch früh genug, was wir wirklich drauf haben.“ Sie setzte sich auf eines der ausladenden Sofas und klopfte einladend auf den Platz neben sich. „Komm, setz dich. Erzähl mir mehr über deine Zeit bei den White Tigers.“

Oben in der Ehrenloge

„Schau an... Der Ausreißer kehrt zurück“, kommentierte Tala mit schneidender, kühler Stimme und einem zynischen Lächeln, während er lässig im Sessel lehnte.

Wortlos und mit gewohnt unnahbarer Miene betrat Kai die Loge. Jene Loge, die er erst vor kurzem mit der Behauptung verlassen hatte, er würde gelangweilt nach Hause gehen.

Neben Tala saß Ray, der Kais Rückkehr mit einem leicht amüsierten Blick verfolgte.

„Kein Wort, Tala... verkneif es dir einfach“, knurrte Kai. Er ignorierte das Grinsen der beiden, setzte sich auf seinen Platz, verschränkte die Arme vor der Brust und schloss die Augen, als wollte er ein kurzes Nickerchen machen.

„Ich dachte, du wärst schon auf dem Heimweg, Kai?“, fragte Ray schmunzelnd. „Oder hast du draußen noch etwas Dringendes erledigen müssen?“

„Mh. Mariah hat sich für dieses Turnier angemeldet, obwohl sie sich für so ein Anfänger-Ding eigentlich zu schade sein sollte.“ wechselte Kai das Thema.

„Du kennst doch Mariah“, fuhr Ray fort und sah wieder zum Arena-Monitor. „Sie hat einfach Spaß daran, unbekannte Talente herauszufordern. Manchmal ist es eben die Überraschung, die diesen Sport so abwechslungsreich macht. Es muss nicht immer um den Weltmeistertitel gehen.“

Kais Augen huschten kurz zu Ray.

„Abwechslung? Überraschung? Was soll an Low-Class-Bladern überraschend sein?“ Er verstand es wirklich nicht. Während er als Champion der High-Class gar nicht erst zugelassen worden wäre, war Mariah als Mid-Class-Bladerin gerade noch an der Grenze. Und Nami? Nami war ein unbeschriebenes Blatt, das noch in keine Kategorie passte.

„Na, dich hat diese Nami doch auch überrascht, oder etwa nicht?“, fragte Ray und zwinkerte ihm schelmisch zu. Kai lehnte sich nun doch wieder vor, seine stoische Ruhe bröckelte leicht.

„Falls du es noch nicht mitbekommen hast: Mariah ist ihre nächste Gegnerin.“

Das hatte Kai tatsächlich noch nicht offiziell auf dem Schirm gehabt, auch wenn er es insgeheim gehofft hatte. Ein seltenes, kaum merkliches Schmunzeln stahl sich auf sein Gesicht, was Ray und Tala sichtlich registrierten.

„Auf einmal hast du was zu grinsen?“, meldete sich Tala mit gewohnt trockenem Unterton.

Kai lehnte sich mit einem ruhigen Blick zurück.

„Ich war gerade beim alten Dickenson auf seiner Tribüne. Ich habe ihm vorgeschlagen, dass ein bisschen 'Schwung' dem Turnier gut tun würde. Er fand die Idee, Nami gegen Mariah antreten zu lassen, phänomenal. Er kennt den alten Tachiba gut und wollte Namis Wunsch nach einem starken Gegner gerne unterstützen.“

Tala stieß ein leises, abwertendes Lachen aus.

„So aufopfernd kennen wir dich ja gar nicht, Kai. Seit wann spielst du die Wünsche von fremden Mädchen durch die Gegend? Das ist doch nicht der wahre Grund, warum du deine Meinung geändert hast.“

„Denk, was du willst, Tala... ernsthaft.“

„Du lässt dich von ihr völlig aus dem Konzept bringen“, provozierte Tala weiter, seine Augen verengten sich eiskalt. „Spiel ruhig weiter den Unnahbaren.“

„Halt den Rand, Tala.“

Ray lachte leise mit. „Nein, nein, er hat nicht ganz unrecht. Wieso solltest du dir sonst die Mühe machen, beim Vorsitzenden zu intervenieren? Du findest sie definitiv mehr als nur 'interessant'.“

„Sei bitte auch still, Ray. Ich muss mich vor euch nicht rechtfertigen.“ Kai bemerkte, wie seine Geduld langsam am Ende war und er das Thema lieber auf der Stelle beenden wollte.

„Wo ist eigentlich Tyson?“, wechselte Ray klug das Thema. „Ich hätte schwören können, er lungert hier irgendwo rum, wo es Gratis-Essen gibt.“

„Der ist mit Hilary gerade in den USA, Max besuchen“, erklärte Tala knapp.

„Die kommen erst in einem Monat zurück.“

Kai hatte Tyson zwar nicht direkt kontaktiert, erinnerte sich aber an die dämliche Frage seines Rivalen, ob er nicht mit in die USA kommen wolle. Natürlich hatte Kai dankend abgelehnt... drei Wochen mit Tyson und Hilary auf engem Raum wären seine persönliche Hölle gewesen.

Plötzlich flutete ein Mix aus Jubel und enttäuschtem Raunen die Arena. Das Match der Gruppe B war zu Ende gegangen... so langweilig, dass die drei Champions es kaum bemerkt hatten.

„GRUPPE D bitte in die Arena! Gruppe D!“

Jetzt galt Kais Aufmerksamkeit nur noch dem Monitor. Er beobachtete, wie Nami und Mariah die Arena betraten. Sie grinsten sich an, und man sah ihnen an, dass sie in der letzten halben Stunde eine Verbindung aufgebaut hatten. Eine Freundschaft, die nun in der Hitze des Gefechts auf die Probe gestellt wurde.

„Mariah Wong gegen Nami Akasuna! Zwei taffe Gegnerinnen! Wer wird dominieren?“, schrie der Kommentator ins Mikrofon.

Die Menge tobte. Nami und Mariah schritten die Stufen zur Arena hinauf und bezogen Stellung.

„Bereit zu verlieren, Nami?!“, rief Mariah über das Gebrüll der Zuschauer hinweg. Nami konnte sie kaum hören, aber sie las die Worte von ihren Lippen ab.

Sie lachte laut zurück: „Nicht heute und nicht in naher Zukunft! Mach dich auf was gefasst!“

„Drei! Zwei! Eins! LET IT RIP!“

Beide rissen die Reißleinen mit solcher Wucht durch die Starter, dass die Blades bereits Funken sprühten, bevor sie den Boden berührten. Die Kreisel jagten umher, belauerten sich wie Raubtiere, ehe sie mit einem ohrenbetäubenden Krachen in der Mitte kollidierten. Funken regneten herab, während sie sich trennten und in rasendem Tempo Bahnen am Rand der Arena zogen.

„GALUX! SCRATCH ATTACK!“, befahl Mariah. Ihr Blade begann in einem giftigen Pink zu leuchten.

Ein pinker Lichtstrahl schoss aus der Mitte empor, und ein riesiger, fauchender Luchs erschien... Galux. Die Menge hielt den Atem an. Mariah schickte ihr Blade im Sturzflug auf Nami zu, doch im Moment des Aufpralls geschah das Unmögliche: Namis Blade war verschwunden.

„Hööö?“, der Kommentator starrte entgeistert auf das leere Feld. „Wo ist das Blade hin?“

„Schau doch mal nach oben...“, rief Nami mit einem siegessicheren Grinsen.

Tatsächlich: Namis Blade war durch die Wucht der Rotation und ein geschicktes Manöver weit in die Luft katapultiert worden. Es schien dort oben auf einem unsichtbaren Luftstrom zu tanzen, fast so, als würde es fliegen.

„Jetzt, Pegasus! Zeig ihnen deine wahre Macht! PEGASUS! WHITE LIGHT WING!“

Nami schrie aus voller Kehle. Ein gewaltiger Tornado aus reinem Licht brach aus dem Blade in der Luft hervor. Unter einem donnernden Wiehern erschien ein gewaltiger, strahlend weißer Pegasus mit mintfarbenem Schweif und einem goldenen Horn. Das Bit-Beast stürzte wie ein Komet hinab.

„Galux, weich aus! Cat Bites!“, reagierte Mariah blitzschnell.

Ihr Luchs wich dem direkten Einschlag aus, doch die Wucht der Landung war verheerend.

RUMS!!!

Teile der Arena wurden förmlich zerfetzt. Trümmer flogen durch die Luft, und Staub regnete herab. Als sich der Rauch legte, klaffte ein riesiger Krater im Boden. Mitten darin drehte sich Namis Blade unbeeindruckt weiter.

„Du hast es echt drauf, Nami!“, rief Mariah beeindruckt, aber kämpferisch. „Aber hier ist Endstation! Galux, JETZT!“

Beide Bit-Beasts bekämpften sich nun direkt. Galux fauchte und biss, während Pegasus mit seinen mächtigen Flügeln schlug und durch die Arena galoppierte. Es war ein Spektakel aus Licht und Schatten. Der Staub wurde so dicht, dass Nami und Mariah kaum noch atmen konnten.

„PEGASUS... CRYSTAL BLADE HIT!“, presste Nami hervor.

Ein dumpfer Schlag erschütterte die Halle. Etwas schoss mit der Geschwindigkeit einer Kugel aus der Arena und schlug mit solcher Wucht in die Stadionwand ein, dass der Beton barst. Mariah konnte sich gerade noch wegducken, als ihr Blade direkt hinter ihr in der Mauer stecken blieb... völlig lädiert und rauchend. Galux löste sich mit einem letzten Fauchen auf.

Ein gewaltiger Windstoß, ausgelöst durch die finale Rotation von Namis Blade, fegte den Staub aus der Arena. Pegasus wieherte ein letztes Mal triumphierend, bevor er im Blade verschwand.

Stille. Mariah sank auf ihre Knie, den Blick starr auf ihr zerstörtes Blade gerichtet. Das Publikum hielt kollektiv den Atem an, unfähig zu begreifen, welche Urgewalt sie gerade miterlebt hatten. Nami hatte gewonnen.