Eine Frage der Effizienz
Eine Frage der Effizienz
Das gedämpfte Licht des späten Nachmittags sickerte durch die schweren Vorhänge des Schlafzimmers und warf lange, goldene Schatten über das große Bett.
Es war erst halb sechs.
Nami schlief tief und fest an seiner Brust, vollkommen erschöpft von der emotionalen Zerreißprobe der letzten Stunden. Ihr Atem ging nun ruhig und gleichmäßig, und ihr Gesicht wirkte im Schlaf so friedlich, dass Kai den Blick kaum von ihr abwenden konnte.
Das wunderschöne Mädchen, das vor knapp einem Jahr in sein Leben getreten war und all seine Mauern eingerissen hatte, lag hier. Und sie war nun tatsächlich die Mutter seines ungeborenen Kindes.
Kai schlief nicht. An Schlaf war für ihn in diesem Zustand überhaupt nicht zu denken. Sein messerscharfer Verstand, der nach dem emotionalen Ausbruch im Badezimmer langsam wieder die Kontrolle übernahm, lief auf Hochtouren. Er verharrte noch eine ganze Weile vollkommen regungslos, um sie nicht zu wecken, während er das unaufhörliche Hämmern der Realität in seinem Kopf verarbeitete.
Er wurde Vater. Er. Kai Hiwatari. Ein Mann, der die Kälte der Welt wie eine zweite Haut trug.
Vorsichtig, mit einer fast schon unheimlichen, raubtierhaften Geschmeidigkeit, löste er sich aus ihrer Umklammerung. Er bettete ihren Kopf sanft auf das weiche Kissen, zog die Decke ein Stück höher und strich ihr ein letztes Mal über das silberweiße Haar, das sich über das Laken ergoss.
Er brauchte einen Kaffee. Stark, schwarz und heiß. Irgendetwas, das ihn in der Realität erdete, während er diese monumentale Erkenntnis weiter verdaute.
Leise schloss er die schwere Zimmertür hinter sich und trat auf den holzgetäfelten Flur. Das 60 Jahre alte Ayame-Anwesen strahlte eine erhabene, jahrhundertealte Ruhe aus. Als Kai die monumentale, geschwungene Marmortreppe in die weitläufige Eingangshalle hinabstieg, hallten seine Schritte gedämpft auf dem edlen Stein.
Unten in der Halle kam ihm Graham entgegen. Der alte Butler trug wie immer seine tadellose Weste, doch seine Haltung war von einer subtilen, aufmerksamen Wachsamkeit geprägt.
Graham kannte Kai, seit dieser ein kleiner Junge gewesen war. Doch in Kais dunkelsten Jahren... in seiner Kindheit und früheren Jugend... hatte Graham kaum an seiner Seite sein können. Er hatte machtlos mitansehen müssen, wie der Junge für viele Jahre in die eisigen Fänge seines tyrannischen Großvaters Voltaire nach Russland verschleppt worden war, um dort gebrochen und zu einer Waffe geschmiedet zu werden.
Graham hatte sich damals strikt geweigert, das bis dahin unbewohnte Ayame-Anwesen zu verlassen. Seine Loyalität galt von jeher Kais anderem Großvater, Satoshi Minamoto... dem Vater von Kais verstorbener Mutter.
Graham war der letzte lebende Hüter der mütterlichen Blutlinie, ein Fels der Diskretion und von einer ungeheuren Beobachtungsgabe.
Er las Kai fast so gut wie Kai den Rest der Welt.
Graham hielt im Zentrum der Halle inne, legte die Hände auf den Rücken und neigte den Kopf leicht, als er den jungen Hausherrn die Treppe herabsteigen sah. Er bemerkte sofort die veränderte Aura des 20-Jährigen. Die eiskalte, mürrische Wut vom Nachmittag war weg, stattdessen wirkte Kai wie ein Mann, der eine unermessliche Last auf den Schultern trug... aber mit erhobenem Haupt.
„Master Kai“, begann Graham mit seiner gewohnt ruhigen, wohlformulierten Stimme, deren tiefer, trockener Unterton eine angenehme Konstante im Haus war.
„Ich war gerade im Begriff, in die Küche zu gehen. Darf ich Ihnen etwas bringen? Ein starker Kaffee, nehme ich an?“
Kai blieb auf den letzten Stufen stehen, die Hände in den Taschen seiner Hose vergraben, und fixierte den Butler mit seinen rubinroten Augen. Ein schwaches, fast unmerkliches Nicken war seine Antwort.
„Schwarz. Und stark, Graham. Bring ihn mir in die Bibliothek.“
„Sehr wohl, Sir.“ Graham machte keine Anstalten, sofort wegzugehen. Er zögerte einen winzigen Moment... ein Verhalten, das dem sonst so perfekten Butler eigentlich fremd war. Seine scharfen, lebendigen Augen hinter der Brille musterten Kais Gesichtsausdruck mit väterlicher Sorge. In seiner typisch trockenen, aber unendlich diskreten Manier wagte er sich einen Schritt vor.
„Wenn mir die Bemerkung erlaubt ist, Sir… die Luft im Anwesen fühlt sich heute Abend merklich anders an als noch vor zwei Stunden. Darf ich mich nach dem Befinden von Miss Nami erkundigen? Die… Hitze in der BBA scheint ihr tiefer zugesetzt zu haben, als es gewöhnlich der Fall ist.“
Es war eine meisterhaft verpackte Frage. Graham wusste ganz genau, dass das schwüle Juni-Wetter nicht der Grund für den Zusammenbruch auf der Auffahrt gewesen war. Er hatte die Mappe der urologischen Privatklinik in Kais Jackentasche gesehen, als er die Jacke vorhin weghängen wollte, und er hatte Namis Weinen bis in den Flur gehört. Er stellte keine Fragen, auf die er keine Antwort verdient hatte, aber seine Sorge um das junge Glück in diesem Haus war echt.
Kai sah Graham lange an. Zwischen den beiden Männern lag kein herkömmliches Herr-und-Diener-Verhältnis; da war eine tief verwurzelte, unausgesprochene Schuld der Vergangenheit und ein unerschütterliches Vertrauen.
Kai wusste, dass Graham Satoshi Minamotos treuester Gefährte gewesen war. Und er wusste, dass Graham Nami über alles schätzte.
Er atmete tief durch die Nase aus. Die Starre in seinen Zügen lockerte sich um ein winziges Stück.
„Sie schläft“, raunte Kais tiefe Stimme, rau und leise im weiten Raum der Eingangshalle. Er trat von der Treppe und ging langsam auf die Bibliothek zu. Kurz vor der Tür hielt er inne, ohne sich umzudrehen, und fügte mit einer beinahe ehrfürchtigen Schwere hinzu: „Sie braucht die Ruhe, Graham. Ab heute mehr denn je.“
Ein kaum merkliches Aufblitzen des Verstehens glitt über Grahams altkluges Gesicht. Die feinen Falten um seine Augen vertieften sich, und für einen kurzen Moment wich die steife Butler-Maske einem warmen, tief erleichterten Lächeln. Er verbeugte sich etwas tiefer als gewöhnlich.
„Ich verstehe vollkommen, Master Kai“, erwiderte Graham leise, und seine Stimme trug plötzlich eine unverkennbare Wärme.
„Ich werde den Kaffee sofort zubereiten. Und ich denke, dass das Abendessen heute besonders nährstoffreich und schonend zubereitet werden sollte. Für Miss Namis… vollständige Genesung.“
Kai erwiderte nichts, doch das kurze Aufrechten seiner Schultern zeigte, dass Grahams diskretes Verständnis angekommen war. Als er die Bibliothek betrat, wusste er: In diesem Anwesen war seine kleine Familie sicher.
Das schwere, dunkle Holz der Bibliothek schien das späte Abendlicht förmlich zu verschlucken. Kai saß in einem der tiefen Ledersessel vor dem unbefeuerten Kamin. Er hatte die Ellbogen auf den Knien aufgestützt und starrte ins Leere, während die Reste der Anspannung des Nachmittags noch immer wie Blei in seinen Gliedern lagen.
Es klopfte leise. Graham trat ein, lautlos wie ein Schatten, und stellte eine silberne Untertasse mit einer dampfenden Tasse pechschwarzem Kaffee auf den Beistelltisch neben Kai. Der intensive, herbe Duft erfüllte sofort den Raum.
„Ihr Kaffee, Master Kai“, sagte Graham ruhig.
Kai nickte stumm, griff nach der Tasse und nahm einen großen Schluck. Die Hitze brannte in seiner Kehle, tat aber gut, um seinen rasenden Verstand zu erden.
Graham ging nicht sofort. Er blieb mit respektvollem Abstand stehen, die Hände hinter dem Rücken verschränkt. Seine scharfen Augen hinter den Brillengläsern ruhten auf dem jungen Mann, den er so lange hatte aufwachsen sehen... meistens aus der schmerzhaften Distanz heraus.
„Master Kai“, begann der Butler mit belegter, aber fester Stimme.
„Ich diente Ihrem Großvater, Master Minamoto, bis zu dessen letztem Atemzug. An seinem Totenbett habe ich ihm geschworen, diesem Anwesen bis zu meinem eigenen Tod treu ergeben zu sein. Selbst wenn die Hallen für immer leer stünden und niemand anderes mehr hier drin wohnen würde. Es war mein Versprechen an die Minamoto-Blutlinie.“
Kai hob langsam den Blick. Seine rubinroten Augen verengten sich leicht. Grahams Stimme trug plötzlich ein Gewicht, das weit über die übliche geschäftsmäßige Höflichkeit hinausging.
„Master Minamoto hat mir vor seinem Ableben etwas anvertraut.“, fuhr Graham ungerührt fort, und ein Hauch von alter Ehrfurcht schwang in seinen Worten mit.
„Etwas… von unschätzbarem Wert für Ihre Zukunft. Und er gab mir den strikten Befehl, es Ihnen erst dann weiterzugeben, wenn der passende Moment gekommen ist. Wenn Sie bereit sind, das Erbe der Minamotos nicht nur zu verwalten, sondern weiterzuführen.“
Kai stellte die Kaffeetasse mit einem leisen Klirren zurück auf den Tisch. Seine gesamte Körperhaltung spannte sich wieder an.
„Was soll das heißen, Graham? Wovon redest du?“
Graham gestand sich ein winziges, trockenes Lächeln zu. „Kennen Sie das kleine Gemälde des Familienhundes draußen in der Eingangshalle, Sir?“
Kai runzelte die Stirn. Sein messerscharfes Gedächtnis rief sofort das Bild des schmalen Korridors im Erdgeschoss auf.
„Meinst du das von dem hässlichen Shiba-Inu?“
„Exakt das, Master Kai“, bejahte Graham, ohne mit der Wimper zu zucken, obwohl seine Augen kurz amüsiert aufblitzten.
„Auch wenn Ihr Großvater das Tier vermutlich als ‚charakterstark‘ beschrieben hätte. Nun… direkt dahinter, eingelassen in das alte Mauerwerk, befindet sich ein Safe. Niemand außer Master Minamoto und mir wusste jemals von dessen Existenz. Nicht einmal Ihr Vater. Und erst recht nicht Voltaire Hiwatari.“
Bei der Erwähnung seines tyrannischen Großvaters Voltaire verfinsterte sich Kais Blick augenblicklich. Der Name war wie ein Gift.
„Und was ist in diesem Safe?“, raunte Kai, und seine Stimme war gefährlich leise, getragen von einer Mischung aus Misstrauen und einer tief sitzenden, fassungslosen Neugierde.
Graham trat einen Schritt näher und neigte den Kopf.
„Das, Sir, sollten Sie am besten selbst herausfinden. Die Zahlenkombination kenne nur ich. Wenn Sie den Kaffee ausgetrunken haben… bin ich bereit, Ihnen zu folgen und das Siegel zu brechen. Ich glaube, der heutige Tag hat bewiesen, dass der Moment, auf den Ihr Großvater Satoshi gewartet hat, endlich gekommen ist.“
Kai stellte die Kaffeetasse mit einem leisen, fast scharfen Klirren auf den Unterteller zurück. Er brauchte keine Bedenkzeit. Die Worte des Butlers hatten eine Saite in ihm zum Klingen gebracht, die er nicht ignorieren konnte.
„Zeig es mir“, sagte Kai. Seine Stimme war tief, frei von jedem Zweifel und duldete keinen Widerspruch.
Graham neigte erneut schweigend das Haupt. Er trat einen Schritt zurück und bedeutete Kai mit einer eleganten Handbewegung, ihm zu folgen. Gemeinsam verließen die beiden Männer die schwere Symmetrie der Bibliothek und traten zurück in den weiten, kühlen Korridor des Erdgeschosses, der von der monumentalen Eingangshalle abging.
Die schattigen Winkel des Hauses wirkten im schwindenden Tageslicht noch geschichtsträchtiger als sonst. Das alte Holz der Wandpaneele schien die Geheimnisse der Minamoto-Familie förmlich in sich aufgesaugt zu haben.
Nach wenigen Metern hielten sie vor dem kleinen, bescheidenen Ölgemälde. Kai verschränkte die Arme vor der Brust und fixierte das Porträt des Shiba-Inus.
Es war tatsächlich ein recht eigenwillig getroffenes Tier mit einem fast schon mürrischen Gesichtsausdruck... ein krasser Gegensatz zu den sonst so hochtrabenden, aristokratischen Kunstwerken.
Kai beobachtete Graham mit scharfem, unnachgiebigem Blick. Der alte Butler zögerte nicht. Mit einer fast feierlichen Präzision hob er die behandschuhte Hand, griff an den hölzernen Rahmen des Bildes und schob es mit einem leisen, gut geölten Gleiten zur Seite. Dahinter kam eine matte, stählerne Safe-Tür zum Vorschein, die bündig in das massive Mauerwerk eingelassen war. Ein mechanisches Zahlenschloss glänzte im schwachen Licht des Flurs.
Grahams Finger bewegten sich flink und ohne Zittern. Das leise, metallische Klicken der sich drehenden Scheibe erfüllte die Stille des Korridors. Kai verfolgte die Zahlen unwillkürlich im Geist... und plötzlich verengten sich seine rubinroten Augen.
Die Kombination. Es war kein zufälliger Code, keine wirre Zahlenfolge aus Satoshis Geschäftsbüchern.
Es war Kais eigenes Geburtsdatum.
Ein dumpfes, schweres Klacken ertönte, als der Riegel zurücksprang. Graham zog die kleine Stahltür auf.
Der Safe war überraschend tief, doch er war fast vollständig leer. Auf dem nackten Metallboden stand, einsam und unberührt von der Zeit, ein kleines, quadratisches Kästchen aus tiefblauem Samt.
Graham langte mit äußerster Behutsamkeit hinein und holte das Döschen heraus. Er drehte sich langsam zu Kai um, behielt das Kästchen jedoch noch einen Moment auf seiner flachen Handfläche, als würde er das Gewicht einer ganzen Epoche tragen.
„Master Minamoto“, begann Graham leise, und seine Stimme bekam einen beinahe nostalgischen, weichen Klang, den Kai noch nie an ihm gehört hatte, „war ein Mann von unendlicher Leidenschaft. Er war unendlich verliebt in seine Frau Ayame... nach der er dieses Anwesen taufte, um ihr ein ewiges Denkmal zu setzen.
Er verlor sie viel zu früh, Master Kai. Und auch wenn dieser schmerzhafte Verlust ihn tief im Inneren gebrochen hatte, so war er bis zu seinem letzten Atemzug unendlich dankbar für diese große, reine Liebe gewesen. Es war sein sehnlichster Wunsch, dass auch sein Enkelsohn eines Tages eine solche Liebe finden würde. Eine Liebe, die stark genug ist, um selbst die dunkelsten Zeiten zu überdauern.“
Graham trat den entscheidenden Schritt vor und hielt Kai das samtene Kästchen entgegen.
„Er sagte mir, ich würde den Moment erkennen, wenn Sie bereit sind, dieses Erbe anzunehmen. Bitte, Sir.“
Kais Hand hob sich. Seine Finger, sonst so ruhig und unerschütterlich beim Führen eines Beyblades, zögerten für den Bruchteil einer Sekunde, bevor er das Kästchen entgegennahm.
Der Samt fühlte sich kühl und weich an. Mit einem leisen Druck des Daumens sprang der Deckel auf.
Kai hielt den Atem an.
Auf dem weißen Seidenpolster im Inneren ruhte ein Ring von atemberaubender, filigraner Schönheit. Er war aus makellosem Weißgold geschmiedet, dessen Oberfläche über und über mit winzigen, perfekt geschliffenen Brillanten besetzt war, die selbst im gedämpften Flurlicht wie ein eingefangener Sternenhimmel funkelten.
Doch das wahre Herzstück des Rings war der monumentale, ozeanfarbene Diamant, der thronend in der Mitte prangte. Seine Tiefe war so unergründlich und rein, dass er fast lebendig wirkte.
„Dies war der Verlobungsring, den Master Minamoto seiner geliebten Ayame schenkte, als sie sich versprachen“, erklärte Graham, während er Kais starren Blick beobachtete.
„Als sie starb, behielt er ihn als Pfand ihrer Liebe ganz nah bei sich, um ihn irgendwann an einen männlichen Nachfolger weitergeben zu können, der seinerseits eine Frau von wahrem Wert gefunden hat. Er ist von so unschätzbarem materiellen und emotionalen Wert, dass Ihr Großvater ihn an diesem Ort versteckte. Vor den Augen der Welt. Und vor allem vor Voltaire.“
Kai starrte auf den Ring. Der ozeanblaue Stein spiegelte sich in seinen roten Augen. In diesem Moment zog die unbändige Wucht der Ereignisse des Tages noch einmal an ihm vorbei.
Nami.
Ihr Zusammenbruch. Ihre Tränen im Badezimmer. Die Erkenntnis, dass sie sein Kind unter dem Herzen trug. Und nun dieses Vermächtnis. Sein Großvater Satoshi hatte an ihn geglaubt, lange bevor Kai überhaupt wusste, was Liebe bedeutete.
Vorsichtig schloss Kai den Deckel des Kästchens mit einem dumpfen Klicken und umschloss es fest mit seiner Hand. Das Metall und der Samt wurden warm unter seiner Haut.
Er sah auf und blickte Graham direkt in die Augen. Da war kein mürrischer Blick mehr, kein kaltes Abblocken.
„Danke, Graham“, sagte Kai, und seine tiefe Stimme vibratierte vor einer ungewohnten, echten Emotionalität.
Graham deutete eine tiefe, respektvolle Verbeugung an und schob das Gemälde des Shiba-Inus mit einer fließenden Bewegung wieder an seinen Platz, um das Geheimnis erneut zu wahren.
„Es war mir eine Ehre, Master Kai. Ich werde mich nun um das Abendessen kümmern. Ich vermute… Sie haben heute Abend noch etwas Wichtiges vor.“
Ein seltenes, fast ungläubiges Schnauben entwich Kais Kehle. Er sah auf das geschlossene Samtkästchen in seiner Hand, und für einen Moment schien die unerschütterliche Fassade des sonst so unnahbaren Kai Hiwatari eine winzige, sehr menschliche Rissbildung zu zeigen.
„Nicht heute, Graham“, sagte Kai, und seine tiefe Stimme klang seltsam belegt, fast abwehrend. Er wandte den Blick ab und starrte den Korridor hinunter.
„Ich kann nicht einfach so… heute Abend um ihre Hand anhalten. Nach allem, was heute passiert ist. Das ist… zu überstürzt.“
Graham hielt in seiner Bewegung inne. Er richtete sich langsam auf, legte die Hände wieder ordentlich auf den Rücken und sah Kai durch seine Brille an. Sein Blick war vollkommen verständnislos. Es war einer dieser seltenen Momente, in denen der alte Butler seine steife Etikette für eine Sekunde beiseitelegte und die Rolle des Mannes einnahm, der Kais Familie seit Jahrzehnten kannte.
„Und warum, wenn ich fragen darf, Master Kai, sollte das nicht gehen?“, fragte Graham mit einer Trockenheit, die den Korridor fast augenblicklich abkühlte.
Kai erwiderte nichts, was Graham nur als Aufforderung verstand, deutlicher zu werden. Er trat einen kleinen Schritt näher und hob leicht das Kinn.
„Was genau sollte Sie aufhalten, Sir?“, fuhr der Butler im gewohnt monotonen, aber messerscharfen Tonfall fort.
„Die Gesellschaft? Weil ein feiner Herr von Welt sich an starre Zeitpläne halten muss? Die Presse? Die ohnehin jede Ihrer Bewegungen seziert und der Sie noch nie ein Mitspracherecht eingeräumt haben? Oder sorgt sich der junge Master etwa um die Familie Tachiba? Ich darf Ihnen versichern, dass Master Hiro Tachiba und der Rest der Familie eine solche Nachricht mehr als nur begrüßen würden. Man wird Ihnen den roten Teppich ausrollen.“
Graham machte eine kunstvolle Pause, musterte die angespannte Kiefermuskulatur seines jungen Herrn und zog eine Augenbraue hoch.
„Oder…“, fügte er mit einer feinen, fast unmerklichen Prise Ironie hinzu, „ist Ihnen die Angelegenheit etwa… zu kitschig, Master Kai? Ist der große, unnahbare Kai Hiwatari besorgt, dass ein Kniefall und ein Ring an einem ganz gewöhnlichen Dienstagabend sein Image beschädigen könnten?“
Kai warf dem Butler einen finsteren, mürrischen Blick zu... den Blick, der gestandene Beyblader normalerweise in die Flucht schlug. Doch Graham zuckte nicht einmal mit der Wimper. Er kannte diesen Blick, seit Kai ein kleiner Junge war.
„Wenn Sie meine ehrliche Meinung dazu hören möchten, Sir“, sagte Graham, und seine Stimme verlor jede Spur von Spott, wurde stattdessen tief, direkt und von einer unumstößlichen Ernsthaftigkeit getragen, „Miss Nami hat heute wohl erfahren, dass sie ein Kind von Ihnen erwartet. Sie hat vor Angst, Zweifel und Erschöpfung geweint. Sie hat in Ihren Armen Zuflucht gesucht. Was sie jetzt braucht, ist keine perfekt durchgeplante Gala in drei Monaten. Sie braucht Gewissheit. Sie muss wissen, dass Sie an ihrer Seite stehen... bedingungslos. Dieser Ring ist kein Kitsch, Master Kai. Er ist das Versprechen, dass sie in diesem Sturm nicht allein ist. Es gibt keinen besseren, keinen ehrlicheren Moment als das Jetzt.“
Graham hielt Kais Blick stand. Er hatte gesprochen... diskret, aber mit der vollen Wucht der Wahrheit.
Ein langes, tiefes Schweigen dehnte sich im Korridor aus. Kai starrte den alten Butler an, die Kiefermuskeln so fest angespannt, dass die Konturen seines Gesichts wie aus Stein gemeißelt wirkten. Grahams Worte hallten mit einer fast schmerzhaften Präzision in seinem Kopf wider. Sie drangen durch den dicken Panzer aus Stolz und Gewohnheit, den Kai so sorgfältig gepflegt hatte.
Grahams Blick blieb unerschütterlich. Er wusste, dass er die Grenze des Erlaubten gestreift hatte, aber er bereute kein einziges Wort.
Schließlich löste sich die Starre in Kais Zügen. Ein mürrisches, fast unmerkliches Grollen entwich seiner Kehle. Er sah nicht ein, dem Butler offen recht zu geben... das lag schlichtweg nicht in seiner Natur..., aber seine nächste Bewegung sprach Bände. Mit einer fließenden, fast schon trotzigen Geste schob er das blaue Samtkästchen tief in die Tasche seiner Hose.
„Bereite das Abendessen vor, Graham“, raunte Kai, seine Stimme tief und rau.
„Sehr wohl, Master Kai“, erwiderte Graham. Die steife Maske des Butlers kehrte zurück, doch in seinen Augen lag ein tiefes, väterliches Leuchten. Er deutete eine perfekte Verbeugung an und zog sich lautlos in Richtung der Küche zurück.
Kai blieb noch einen Moment allein im fahlen Licht des Flurs stehen. Seine Hand in der Hosentasche umschloss den Samt des Kästchens. Seine Entscheidung war gefallen. Er würde nicht warten. Nicht auf den perfekten Moment, nicht auf das Einverständnis der Außenwelt. Für einen Mann wie ihn gab es nur das Jetzt.
Mit schweren, aber entschlossenen Schritten stieg er die monumentale Marmortreppe wieder hinauf. Das Anwesen war still, fast ehrfürchtig. Als er die Tür zum Schlafzimmer leise öffnete und wieder schloss, sah er, dass Nami sich bewegt hatte. Das Rascheln der Bettdecke verriet, dass sie gerade aufwachte.
Ihr silberweißes Haar lag wild und wunderschön über den Kissen verstreut. Sie blinzelte schlaftrunken gegen das schwindende Licht des Tages, setzte sich langsam auf und rieb sich die Augen. Als sie Kai an der Tür stehen sah, stahl sich ein mattes, aber unendlich warmes Lächeln auf ihre Lippen. Die Spuren der Tränen vom Nachmittag waren noch schwach zu sehen, doch die Panik in ihren Augen war verflogen.
„Kai…“, flüsterte sie, ihre Stimme noch ganz rauchig vom Schlaf. „Wo warst du?“
Kai antwortete nicht sofort. Er ging langsam auf das große Bett zu, seine rubinroten Augen fest auf sie gerichtet. In ihm tobte ein Sturm, den er mühsam hinter einer Fassade der Ruhe verbarg. Er blieb direkt vor der Bettkante stehen und sah auf sie herab. Das wunderschöne Mädchen, welches sein Kind unter dem Herzen trug.
Er atmete tief durch die Nase aus, führte die Hand in die Tasche und zog das blaue Kästchen heraus. Namis Blick folgte seiner Bewegung, und ihre Augen weiteten sich leicht, als sie den edlen Samt erkannte.
Kai spannte die Schultern an. In seinem Kopf liefen die Bilder ab, wie ein solcher Moment laut gesellschaftlicher Etikette auszusehen hatte. Er hatte es in Filmen gesehen, er hatte davon gehört. Man machte es eben so. Also versuchte er es. Er machte einen Schritt zurück, beugte das Knie und setzte an, sich vor ihr auf den Boden herabzulassen.
Doch noch bevor sein Knie den Teppich berühren konnte, hielt er inne. Seine gesamte Körperhaltung rebellierte gegen die Pose. Es fühlte sich steif an, erzwungen, beinahe lächerlich für jemanden wie ihn.
Ein lautes, frustriertes Schnauben entwich seiner Kehle. Er schüttelte fast schon wütend über sich selbst den Kopf und richtete sich mit einer abrupten, fließenden Bewegung wieder zu seiner vollen Größe auf.
„Vergiss es“, sagte er rauh, und ein fast schon amüsiertes, aber tief ehrliches Funkeln blitzte in seinen roten Augen auf. „Das bin einfach nicht ich. Ich werde hier keinen Kitsch abziehen.“
Nami starrte ihn einen Moment lang mit völlig offenem Mund an, überrascht von dem plötzlichen Manöver, bevor ein leises, ungläubiges Kichern aus ihrer Brust drang.
Das Kichern verwandelte sich in ein warmes, befreites Lachen, das die letzte Schwere aus dem Raum fegte.
Kai trat wieder ganz nah an die Bettkante, setzte sich zu ihr auf die Matratze und öffnete das Kästchen mit einem leisen Klicken. Der ozeanblaue Diamant fing das letzte Licht des Abends ein und erstrahlte in einer atemberaubenden, funkelnden Pracht. Die Brillanten auf dem Weißgold wirkten wie Sterne auf dunklem Wasser.
Nami hielt den Atem an. Das Lachen starb auf ihren Lippen, ersetzt durch eine tiefe, sprachlose Ehrfurcht. Es war schon leicht surreal, wie perfekt die Farben dieses Rings zu ihr passten. Das kühle, edle Weißgold harmonierte makellos mit ihrem langen, silberweißen Haar, während der prachtvolle, ozeanfarbene Stein in der Mitte mit ihren eigenen ozeanblauen Augen regelrecht um die Wette zu strahlen schien.
„Kai… ist das…?“, hauchte sie.
„Das ist der Verlobungsring meiner Großmutter Ayame“, erklärte Kai, und seine tiefe Stimme verlor jede Spur von Spott, wurde stattdessen von einer unumstößlichen, schweren Ernsthaftigkeit getragen.
„Mein Großvater Satoshi hat ihn im Anwesen versteckt, bis der Moment reif war. Bis ich die Frau finde, die es wert ist.“
Er nahm den Ring vorsichtig aus dem Seidenpolster, legte das Kästchen beiseite und ergriff ihre schmale Hand. Seine Finger waren warm und absolut ruhig, als er ihr direkt in die ozeanblauen Augen sah.
„Ich bin kein Mann für große Reden, Nami, und das weißt du“, sagte er, und die Intensität seines Blicks schien sie fast körperlich zu berühren.
„Aber nach dem, was heute passiert ist… will ich keine Zweifel mehr lassen. Du trägst mein Kind unter dem Herzen. Du bist die einzige Frau, die jemals meine Mauern durchbrochen hat. Und ich werde nicht zulassen, dass die Presse, die Gesellschaft oder sonst irgendjemand dich weiter infrage stellt. Ab heute gehörst du ganz zu mir. Offiziell. Du und ich gegen den Rest der Welt. Trägst du meinen Namen?“
Nami starrte von dem funkelnden Ring zu Kais Gesicht. Ihre Augen füllten sich erneut mit Tränen, doch dieses Mal waren es Tränen des absoluten, reinen Glücks. Die Gewissheit, die aus seinen Worten sprach, fegte jede letzte Angst hinweg, die sie am Nachmittag gequält hatte. Er stand zu ihr. Bedingungslos.
„Ja“, flüsterte sie, und ihre Stimme brach vor Emotionen, während sie sich nach vorne warf und ihre Arme um seinen Nacken schlang.
„Ja, Kai. Nichts lieber als das.“
Kai fing sie ab, schloss die Arme fest um ihren Körper und vergrub sein Gesicht in ihrem weichen, silberweißen Haar. Als er sie ein Stück zurückzog, um ihr den Ring sanft auf den Finger zu schieben, passte er überraschend perfekt. Der ozeanfarbene Stein funkelte an ihrer Hand, als wäre er schon immer dort gewesen, und verschmolz vollkommen mit dem Leuchten ihres eigenen Blicks.
Nami vergrub das Gesicht kurz an seiner Halsbeuge, und ein Schaudern ging durch ihren gesamten Körper. Sie weinte, aber gleichzeitig stieg ein helles, ungläubiges Lachen aus ihrer Brust auf... eine wunderschöne, befreiende Melodie, die das verblassende Licht des Zimmers mit purem Leben erfüllte.
Es war eine emotionale Überforderung der schönsten Sorte.
Sie löste sich ein Stück von ihm, die Wangen noch feucht von den Tränen des Glücks, und sah ihn aus ihren ozeanblauen Augen strahlend an.
„Kein Mann der großen Reden?“, wiederholte sie mit tränenerstickter, aber neckender Stimme. Sie hob die Hand, an der nun das Weißgold und der Diamant funkelten, und legte ihre Handfläche sanft an seine Wange.
„Kai, seit Monaten machst du mir reihenweise Liebesgeständnisse. Du hast mir in so vielen wundervollen Worten gesagt, was ich dir bedeute. Für die Welt magst du schweigsam sein... aber für mich? Für mich bist du ein Mann vieler Worte. Vieler schöner, wunderbarer Worte.“
Kais Kiefermuskel zuckte kurz, und auf seinen Zügen zeichnete sich eine feine, fast ertappte Röte ab. Er wandte den Blick nicht ab, doch dieses ehrliche Kompliment traf den sonst so unnahbaren Strategen mitten ins Herz.
Nami strich mit dem Daumen über seine Wange und sah ihn neugierig an.
„Sag mir... wie lange hast du das bereits geplant?“
Kai sah sie einen Moment stumm an. Ein unromantischerer Mann hätte jetzt gelogen, um die Situation perfekt wirken zu lassen, aber Kai war und blieb Realist.
Ein trockenes, tiefes Schnauben entwich seiner Kehle.
„Ungefähr fünfzehn Minuten“, gab er unumwunden und mit absolut ernster Miene zu.
Nami blinzelte überrascht, doch bevor sie etwas sagen konnte, redete er rauchig weiter, und seine roten Augen fixierten sie mit einer Intensität, die keinen Widerspruch duldete.
„Ich habe den Ring eben erst von Graham bekommen. Aber mach dir keine falschen Gedanken, Nami. Das Kind ändert nur den Zeitpunkt, nicht meinen Entschluss. Ich hätte dich so oder so gefragt. Irgendwann... sicher. Ich lasse dich ohnehin nicht mehr gehen.“
Er hielt kurz inne, blickte zur Zimmertür und fügte dann mit einem leicht mürrischen Unterton hinzu: „Außerdem hat Graham mich da unten im Flur massiv unter Druck gesetzt. Er meinte, wenn ich jetzt kneife, wäre ich feige.“
Nami starrte ihn an, verarbeitete die absolute Trockenheit seiner Beichte... und brach in ein lautes, herzliches Lachen aus. Das Bild, wie der mächtige, unnahbare Kai Hiwatari von seinem eigenen, betagten Butler im Korridor eine Standpauke über Romantik und Entschlossenheit gehalten bekam, war einfach zu herrlich.
„Graham hat dich erpresst?“, brachte sie zwischen zwei Lachern hervor, während ihre Augen vor Amüsement und Liebe nur so sprühten.
„Er war... sehr direkt“, grummelte Kai, doch das Eis war endgültig gebrochen. Ein seltenes, echtes Lächeln stahl sich auf seine Lippen.
Nami hielt es nicht mehr aus. Sie zog ihn am Nacken zu sich herab und küsste ihn. Es war ein Kuss voller Erleichterung, tiefer Leidenschaft und dem unumstößlichen Versprechen, dass sie ab heute jede Hürde gemeinsam nehmen würden.
Als sie sich voneinander lösten, lehnte sie ihre Stirn gegen seine.
Nami sah auf den funkelnden Ring an ihrem Finger, während ihr Lachen langsam in ein tief zufriedenes, glückliches Lächeln überging. Sie strich mit den Fingerspitzen über das kühle Weißgold und sah Kai dann direkt in die rubinroten Augen.
„Weißt du was?“, sagte sie mit einer Sanftheit, die Kais Herzschlag unwillkürlich beschleunigte.
„Ich freue mich schon jetzt unheimlich darauf, bald offiziell eine Hiwatari zu sein. Nami Hiwatari… das klingt perfekt.“
Kais Blick wurde weich, eine Nuance, die er nur ihr gegenüber jemals zuließ. Er legte seine große Hand über ihre, umschloss sie sanft und drückte sie. Zu hören, dass sie seinen Namen mit Stolz und ohne Zögern annehmen wollte... trotz allem, was die Welt mit dem Namen Hiwatari verband..., bedeutete ihm mehr, als er jemals in Worte fassen konnte.
Sie reinigte den Namen von dem Gift seines Großvaters Voltaire.
„Er wird dir stehen“, raunte er tief, beugte sich vor und drückte einen kurzen, besitzergreifenden Kuss auf ihre Stirn.
Schließlich siegte die Erschöpfung des Tages und der aufkommende Hunger. Hand in Hand verließen die beiden das abgedunkelte Schlafzimmer und stiegen die monumentale Treppe hinab in den klassizistischen Speisesaal.
Der Raum war von dem warmen, goldenen Schein des Kronleuchters erfüllt. Auf dem schweren Holztisch dampfte bereits ein exquisites, nährstoffreiches Abendessen, das Graham mit gewohnter Perfektion angerichtet hatte... genau das Richtige, um Namis Kreislauf nach den Strapazen wieder aufzubauen.
Graham stand wie eh und je mit stoischer Miene und verschränkten Händen an der Anrichte. Doch seine scharfen Augen hinter den Brillengläsern wanderten sofort zu Namis linker Hand, als Kai ihr galant den schweren Stuhl zurückschob.
Der ozeanfarbene Diamant war im hellen Licht des Saals absolut nicht zu übersehen.
Nami setzte sich, blickte direkt zu dem alten Butler hoch und konnte sich ein breites, wissendes Grinsen nicht verkneifen. Sie hob die Hand ein Stück an, sodass der Stein funkelte, und sah Graham vielsagend an.
„Das Essen riecht fantastisch, Graham“, sagte sie mit spitzbübischem Unterton. „Und danke… für deine ausgezeichnete Beratung im Korridor.“
Graham veränderte seine steife Haltung nicht um einen Millimeter, doch in seinen alten Augen blitzte ein tief zufriedenes, fast schon triumphierendes Leuchten auf. Er deutete eine fließende, elegante Verbeugung an.
„Es ist mir wie immer eine Freude, der zukünftigen Lady des Hauses von Nutzen zu sein, Miss Nami. Ich habe mir erlaubt, ein besonders kräftigendes Menü zu wählen. Für… drei Personen, versteht sich.“
Kai, der gerade am Kopfende des Tisches Platz genommen hatte, stieß ein tiefes, mürrisches Schnauben aus. Er griff nach seinem Besteck und warf dem Butler einen messerscharfen Blick zu.
„Du wirst alt, Graham. Du redest zu viel.“
„Ein Privileg des Alters, Master Kai“, erwiderte Graham mit gewohnter Trockenheit und ohne mit der Wimper zu zucken, während er den beiden frisch Verlobten den nötigen Freiraum gab und sich diskret zurückzog.
Nami kicherte leise über die unschlagbare Dynamik der beiden Männer. Als sie Kais Blick auffing, sah sie, dass der mürrische Ausdruck auf seinen Zügen längst von einer tiefen, unerschütterlichen Ruhe abgelöst worden war.
Während sie schweigend, aber in absoluter, harmonischer Vertrautheit aßen, lag eine spürbare Gewissheit im Raum:
Der Sturm da draußen mochte toben, aber hier drin, im Schutz des Ayame-Anwesens, hatte die Zukunft der Hiwataris gerade erst begonnen.