Die Last des Erbes
Die Last des Erbes
Fünf Tage waren seit jenem turbulenten Nachmittag im BBA-Hauptquartier vergangen, und die schwüle Hitze Ende Juni drückte schwer auf die Straßen von Tokio.
Doch für Kai und Nami hatte sich die Welt in dieser kurzen Zeit weit über die Wettervorhersage hinaus verändert. Nami war nun am Ende der siebten Schwangerschaftswoche angekommen, und ihr Körper forderte unmissverständlich Tribut für das kleine Wunder, das in ihr heranwuchs.
Sie befanden sich in einer hochemotionalen Zwischenphase: Es waren nur noch drei Tage bis zu Namis 19. Geburtstag und lediglich zwei Tage bis zu dem ersehnten ersten Ultraschalltermin, an dem sie endlich Gewissheit über die Gesundheit ihres Babys bekommen würden.
Vielleicht lag es an der nervlichen Anspannung vor diesem Termin, doch Nami verließ das Ayame-Anwesen seit zwei Tagen überhaupt nicht mehr. Die extreme, schwangerschaftsbedingte Müdigkeit hatte sie regelrecht überrollt.
Zu der Erschöpfung hatte sich vor ein paar Tagen ein neues, tückisches Symptom gesellt: Eine schleichende, flaue Übelkeit, die ihr sofort den Magen umdrehte, sobald auch nur die leiseste Note von frisch gebrühtem Kaffee durch die Gänge des Hauses zog und am heutigen Morgen hatte es sie schließlich das erste Mal komplett bezwungen... das heftige Erbrechen im Badezimmer hatte Kai fast mehr zugesetzt als ihr selbst.
Er hatte es abgrundtief gehasst, sie heute Morgen allein im Anwesen zurückzulassen. Die Fahrt in die BBA ohne sie an seiner Seite fühlte sich falsch an, fast wie ein Verrat an seinem eigenen Beschützerinstinkt. Das Einzige, was ihn überhaupt dazu gebracht hatte, den Wagen zu starten, war das absolute Vertrauen in Graham.
Der alte Butler war eingeweiht, absolut diskret und würde wie ein Fels in der Brandung über Nami wachen, während Kai seine Pflichten als Coach erfüllte.
Nun saß Kai in der kühl klimatisierten Mensa der BBA. Vor ihm stand ein unberührter Teller, das Essen längst kalt, während seine Aufmerksamkeit an etwas völlig anderem klebte.
Mit einer stummen, fast schon mechanischen Bewegung griff er nach seinem Smartphone, entsperrte das Display und überflog den Chatverlauf.
Nichts.
Keine neue Nachricht von ihr. Keine Statusmeldung von Graham. Das war ein gutes Zeichen... es bedeutete, dass sie schlief und sich ausruhte... ,aber die Ungewissheit fraß sich wie Säure durch sein strategisches Gehirn.
Er sperrte das Handy, legte es flach auf den Tisch, nur um keine zwei Minuten später die Muskeln anzuspannen und das Display erneut aufleuchten zu lassen. Dieses wiederholte, nervöse Checken war so untypisch für den sonst so unerschütterlichen Champion, dass es im Grunde Bände sprach.
„Mann, Kai, wenn du das Ding noch länger anstarrst, fängt es gleich an zu brennen!“
Die lautstarke, energische Stimme durchschnitt die gedämpfte Atmosphäre der Mensa wie eine stumpfe Axt.
Tyson Granger ließ sich mit einem vernehmlichen Seufzen auf den Stuhl direkt gegenüber von Kai fallen. Er hielt ein Tablett in den Händen, das unter der Last von drei riesigen Sandwiches und zwei Schalen Pudding fast zusammenbrach.
Tyson war eigentlich nur in die BBA gekommen, weil ihm im Dojo seines Großvaters erneut sterbenslangweilig gewesen war.
Ohne anstehende Turniere und mit Kenny, der sich tief in seinen Daten vergraben hatte, trieb den ehemaligen Weltmeister der reine Leerlauf an... und die Aussicht auf das kostenlose Kantinenessen des Hauptquartiers.
„Was ist überhaupt los mit dir?“, mampfte Tyson bereits mit vollem Mund, während er sich das erste Sandwich einverleibte, ohne auf irgendeine Etikette zu achten.
„Du sitzt hier rum wie eine Gewitterwolke. Und wo ist eigentlich Nami? Die letzten Wochen ist sie dir doch auch nicht von der Seite gewichen. Hat sie endlich gemerkt, was für ein ungemütlicher Brocken du bist und hat Reißaus genommen?“
Kai bewegte den Kopf nicht. Seine rubinroten Augen hoben sich langsam und fixierten Tyson mit einem Blick, der so eisig und geladen war, dass jeder normale Mensch sofort das Weite gesucht hätte. Seine Hand schloss sich im selben Moment wieder fest um sein Smartphone, als wollte er es vor Tysons neugierigen Blicken abschirmen.
„Halt den Mund, Tyson“, raunte Kais tiefe Stimme, trocken und gefährlich leise. „Und iss dein Sandwich, bevor ich dich mitsamt dem Tisch aus dieser Halle befördere.“
Tyson schluckte schwer, ließ sich aber von der altbekannten Kälte seines ehemaligen Teamkollegen nicht wirklich inmitten des rasanten Mampfens einschüchtern.
Er grinste nur breit, schob sich ein Stück Pudding in den Mund und schielte weiter neugierig auf das Handy in Kais Hand. Er ahnte nicht im Geringsten, auf welch dünnem Eis er sich in diesem Moment bewegte.
Bevor Tyson jedoch zu einer weiteren spitzfindigen Bemerkung ansetzen konnte, die Kais ohnehin strapazierten Geduldsfaden endgültig zerrissen hätte, schob sich eine vertraute Gestalt in das Blickfeld der beiden.
Ray betrat die Mensa mit jener unerschütterlichen, katzenhaften Gelassenheit, die ihn auszeichnete. Er trug eine frische Tasse grünen Tee in den Händen und hatte die Situation am Tisch mit seinen scharfen, goldenen Augen bereits im Vorbeigehen perfekt taxiert.
Er sah das unberührte Essen vor Kai, das nervös umklammerte Smartphone und Tysons ahnungsloses, kauendes Gesicht. Ray wusste sofort, wie spät es war.
Kai stand kurz vor dem Explodieren, und Tyson tanzte fröhlich auf dem Minenfeld.
„Morgen, Tyson“, sagte Ray mit ruhiger, angenehmer Stimme und setzte sich unaufgefordert auf den freien Stuhl neben den ehemaligen Weltmeister.
„Ich dachte mir schon, dass man dich hier findet. Riechst du es eigentlich, wenn die Küche frische Sandwiches rausstellt, oder ist das eine Art sechster Sinn?“
Tyson schluckte den letzten Bissen seines zweiten Sandwiches hinunter und grinste Ray breit an.
„Hey, Ray! Reiner Instinkt. Aber gut, dass du da bist. Sag dem Griesgram hier drüben mal, dass er nicht so ein Gesicht ziehen soll. Er starrt sein Handy an, als würde er einen Angriff der verfeindeten Blader-Teams erwarten und Nami ist auch nicht da.“
Ray nahm einen langsamen, bewussten Schluck von seinem Tee, stellte die Tasse ab und warf Kai einen extrem kurzen, aber messerscharfen Blick zu. Es war ein stummer Code unter den beiden ehemaligen Teamkollegen.
~Ich übernehme das hier. Verschwinde~
„Nami hat heute ein paar wichtige Termine in der Firma ihres Vaters, Tyson“, log Ray absolut schmerzfrei und mit einer so entwaffnenden Professionalität, dass Tyson nicht den geringsten Verdacht schöpfte.
Noch im selben Atemzug beugte sich Ray ein Stück vor und zog Tysons Aufmerksamkeit geschickt von Kai weg.
„Aber wo wir gerade von Instinkten reden… Kenny hat mir vorhin ein neues Diagramm von deinem Dragoon per Email geschickt. Er meinte, die Gewichtsverteilung beim Prototyp für die nächste Saison könnte Probleme beim Oberflächenkontakt machen. Was sagst du dazu?“
Tysons Augen leuchteten augenblicklich auf. Das Thema Beyblade-Tuning und der Drang, Kennys Berechnungen zu widerlegen, waren die perfekten Trigger, um sein Gehirn komplett zu fluten.
„Was?! Kenny spinnt doch! Dragoon hat überhaupt kein Problem mit dem Oberflächenkontakt, der neue Angriffsring ist perfekt ausbalanciert! Ich habe ihm doch gesagt, dass er die Reibungswerte anders kalkulieren muss! Weißt du, was das Problem mit diesen Computertypen ist? Die sehen nur Zahlen, keine Dynamik! Ich wette, wenn ich den Launch im 45-Grad-Winkel ansetze…“
Während Tyson in einen seiner typischen, wild gestikulierenden Monologe verfiel und mit einem Löffel die Flugbahn seines Beys auf dem Tisch nachstellte, nutzte Kai das Zeitfenster.
Er verschwendete keine Sekunde. Mit einer fließenden, lautlosen Bewegung ließ er sein Smartphone in die Hosentasche gleiten, stand auf und schob den Stuhl zurück. Er verabschiedete sich nicht, er warf Tyson keinen Blick mehr zu... er drehte sich einfach auf dem Absatz um und ging mit großen, schnellen Schritten auf den Ausgang der Mensa zu.
Kurz bevor er die Schwingtüren erreichte, sah er noch einmal kurz über die Schulter zurück. Ray saß völlig entspannt da, nickte zu Tysons Ausführungen und fing Kais Blick für einen winzigen Moment ein. Ray hob minimal die Teetasse... eine lautlose Geste der Rückendeckung.
Kai erwiderte das Ganze mit einem kaum merklichen, dankbaren Senken des Kopfes, bevor er durch die Türen trat und das laute Gemurmel der Mensa hinter sich ließ.
Als er den kühlen, menschenleeren Korridor des Westflügels erreichte, atmete Kai das erste Mal seit Stunden tief durch. Er zog das Handy heraus und suchte sich eine ruhige Nische am Ende des Flurs, wo große Fenster den Blick auf den Innenhof freigaben. Seine Finger tippten schnell auf dem Display.
Er musste nicht mehr auf eine Nachricht warten. Er würde Graham jetzt einfach direkt anrufen, um endlich zu wissen, wie es ihr ging.
Kai wählte Grahams Nummer, während sein Blick starr durch die großen Fenster auf den wolkenlosen, flirrend heißen Himmel über Tokio gerichtet war. Das Telefon tutete nur einmal, bevor die vertraute, tiefe und absolut gelassene Stimme des alten Verwalters am anderen Ende ertönte.
„Ayame-Anwesen, Graham am Apparat.“
„Graham. Ich bin’s“, raunte Kai, ohne große Umschweife. Seine Stimme war tief und von einer unterdrückten, fast schon greifbaren Anspannung durchzogen.
„Wie ist die Lage? Hat sie sich noch mal übergeben müssen?“
„Guten Tag, Master Kai“, erwiderte Graham in seinem gewohnt ruhigen, britisch-distanzierten Tonfall, der für Kai in diesem Moment eine ungemeine Erleichterung darstellte.
„Machen Sie sich keine Sorgen. Miss Nami hat sich vor einer Stunde wieder hingelegt. Sie hat ein wenig Kamillentee getrunken und schläft im Moment sehr ruhig. Das gesamte Anwesen ist absolut kaffeefrei.“
Kai atmete tief durch die Nase aus, während sich der Knoten in seiner Brust ein ganz kleines Stück lockerte. Doch der Drang, einfach in seinen Wagen zu steigen und die BBA hinter sich zu lassen, war dennoch übermächtig.
„Ich breche das hier ab. Ich bin in zwanzig Minuten zu Hau–“
„Kai? Bist du das?“
Die Stimme am anderen Ende der Leitung war plötzlich nicht mehr Grahams tiefer Bariton. Sie war leise, leicht rauchig vor Müdigkeit, aber unverkennbar.
Nami.
Sie musste genau in dem Moment in die Küche oder den Flur gekommen sein, als Graham telefonierte, und hatte nach dem Hörer verlangt.
„Nami“, sagte Kai sofort. Seine mürrische Maske verflog im Bruchteil einer Sekunde, ersetzt durch eine weiche, zutiefst besorgte Intensität.
„Du solltest im Bett liegen. Ich fahre jetzt los, ich bin gleich bei dir.“
Ein leises, unendlich liebevolles, aber sichtlich mattes Seufzen drang durch den Hörer.
„Nein, Kai… bleib bitte in der BBA. Du brauchst wirklich nicht zu kommen.“
„Nami–“
„Hör mir zu“, unterbrach sie ihn sanft, aber mit einer Bestimmtheit, die keinen Widerspruch duldete. Kai spürte förmlich, wie sie am anderen Ende der Leitung matt lächelte.
„Mir ist einfach nur ein bisschen schlecht und ich bin unglaublich müde. Mehr nicht. Das ist für dieses Trimester und das Ende der siebten Woche absolut normal. Unserem Baby geht es gut. Es holt sich einfach nur, was es braucht.“
Kai schwieg für einen langen Moment. Er hasste es, diese Kontrolle abzugeben. Er hasste es, dass er ihr diese körperliche Last nicht abnehmen konnte. Er war der Champion, der Stratege... er war es gewohnt, jedes Problem mit Kraft und Fokus zu lösen.
Aber gegen die Natur und die biologischen Veränderungen in ihrem Körper war er machtlos.
„Graham passt hervorragend auf mich auf“, fuhr Nami leise fort, und ihre Stimme klang schon wieder ein wenig schläfriger.
„Konzentrier dich auf das Training mit den Junioren, ja? Und mach dir keine Sorgen. Wir sehen uns heute Abend.“
„In Ordnung“, gab er sich schließlich geschlagen, auch wenn jedes einzelne Wort wie ein rauer Brocken aus seiner Kehle kam. Er spannte die Kiefermuskeln an.
„Wenn irgendetwas ist… egal was… lässt du Graham mich anrufen. Sofort.“
„Das mache ich. Ich liebe dich.“
„Ich liebe dich auch“, flüsterte er, wartete, bis sie als Erste auflegte, und ließ die Hand mit dem Handy langsam sinken.
Er starrte noch eine Minute lang schweigend ins Leere, bevor er das Telefon in die Tasche schob. Die Worte von ihr hatten ihn beruhigt, doch die nervöse Anspannung auf den übermorgendlichen Ultraschalltermin waren nun umso heftiger in seine Brust zurückgekehrt.
Er musste sich ablenken, und die BBA bot an diesem Nachmittag mehr als genug Arbeit.
Er zog sich vor dem Aufbruch zu den Junioren, in sein privates Büro zurück, schloss die Tür und setzte sich hinter den wuchtigen Schreibtisch.
Vor ihm stapelten sich die Berichte über die Leistungsdaten der Junioren-Liga und die Logistikpläne für die kommenden nationalen Qualifikationsturniere.
Normalerweise überflog er diese Dokumente mit der Präzision eines Falken, doch heute verschwammen die Zeilen vor seinen Augen. Immer wieder ertappte er sich dabei, wie er den Blick zum Fenster schweifen ließ.
Übermorgen ist der Ultraschall.
Ein leises, aber bestimmtes Klopfen an der Bürotür riss ihn aus seinen Gedanken.
Bevor er antworten konnte, öffnete sich die Tür und Mr. Dickenson trat ein.
Der ältere Chef der BBA wirkte in seinem eleganten Anzug wie gewohnt gütig, doch seine Augen blitzten vor geschäftsmäßigem Scharfsinn. Er hielt eine dünne Mappe unter dem Arm und lächelte, als er Kais finsteren Blick bemerkte.
„Ah, Kai. Ich hatte gehofft, dich hier anzutreffen“, sagte der ältere Herr mit seiner warmen, leicht rauchigen Stimme. Er wartete nicht auf eine Einladung, sondern setzte sich gemächlich auf den Stuhl gegenüber des Schreibtischs.
„Ich habe vorhin Tyson in der Mensa getroffen. Er meinte, du hättest eine besonders… frostige Aura heute.“
Kai verschränkte die Arme vor der Brust und lehnte sich im Chefsessel zurück.
„Tyson redet zu viel. Was gibt es, Mr. Dickenson?“
Der BBA-Chef schmunzelte leise, legte die Mappe auf den Tisch und schob sie in Kais Richtung.
„Es geht um die langfristige Strukturierung der BBA hier in Japan. Ich habe gestern Abend den Vertrag mit Max finalisiert. Er wird die Koordination der Junioren-Liga in Tokio übernehmen. Aber Max ist jung, impulsiv und… nun, wie wir schmerzhaft gelernt haben, manchmal etwas unbedacht im Umgang mit Familienverhältnissen.“
Ein amüsiertes Funkeln trat in Mr. Dickensons Augen, bevor er wieder ernst wurde.
„Ich brauche eine Konstante hier, Kai. Jemandem, vor dem die Junioren Respekt haben, aber vor allem jemanden, der die strategische Führung übernimmt. Ich möchte, dass du die offizielle administrative Leitung des gesamten Trainer-Stabs in Japan übernimmst.“
Kai sah auf die Mappe, rührte sie jedoch nicht an.
„Ich bin Blader, kein Bürokrat.“
„Du bist ein Anführer, Kai“, korrigierte ihn Mr. Dickenson sanft, aber mit einem unerschütterlichen Nachdruck.
„Das warst du schon immer. Du hast dieses Team durch die dunkelsten Zeiten geführt. Du hast Boris besiegt, du hast die Abtei hinter dir gelassen. Die nächste Generation von Bladern braucht jemanden, der ihnen zeigt, was wahre Stärke bedeutet... nicht durch Zerstörung, sondern durch Schutz und Disziplin.“
Die Worte des älteren Mannes trafen eine Saite in Kais Innerem, die ohnehin schon schmerzhaft gespannt war.
Schutz und Disziplin. Keine Zerstörung.
Ausgerechnet jetzt, wo die Geister Voltaires und die Angst vor seinen eigenen Genen ihn nachts wachhielten, sprach Mr. Dickenson über seine Fähigkeit zu beschützen.
Der BBA-Chef ahnte nichts von Namis Schwangerschaft und doch rüttelten seine Worte an der Grundfeste von Kais tiefsten Zweifeln über die Vaterschaft.
Er war kein zerstörerischer Hiwatari mehr.
„Die Verantwortung für die Jugend ist eine schwere Last“, fuhr Mr. Dickenson leise fort und sah Kai fest an. „Aber ich kenne niemanden, dessen Schultern breit genug dafür wären als deine. Du bist erwachsen geworden, Kai. Du baust dir ein Leben auf. Und diese Liga hier… sie wird das Erbe sein, das du hinterlässt.“
~Mein Erbe~
dachte Kai, und unwillkürlich wanderte sein Gedanke zu dem winzigen, schlagenden Herzen im Bauch von Nami. Das wahre Erbe der Hiwatari-Blutlinie würde nicht aus Beyblades oder BBA-Titeln bestehen. Es würde ein Kind sein, das in Liebe aufwuchs, weit weg von der Kälte der russischen Abtei.
Kai schwieg für eine gefühlte Ewigkeit. Er starrte auf die Mappe, und die starre, mürrische Maske auf seinem Gesicht wirkte plötzlich nicht mehr abweisend, sondern zutiefst nachdenklich, fast schon ehrfürchtig vor der Wucht der eigenen Erkenntnis.
„Ich werde mir die Unterlagen ansehen“, raunte Kai schließlich. Seine Stimme war leise, aber von einer neuen, unerschütterlichen Festigkeit geprägt.
„Aber ich treffe keine Entscheidungen zwischen Tür und Angel.“
Mr. Dickenson lächelte zufrieden und erhob sich langsam von seinem Stuhl.
„Mehr verlange ich gar nicht, Kai. Nimm dir die Zeit, die du brauchst. Grüße Nami von mir, wenn du sie siehst.“
Mit einem höflichen Nicken verließ der ältere Herr das Büro und ließ Kai allein in der Stille zurück. Kai sah der geschlossenen Tür nach, dann glitt sein Blick hinab zu seinen Händen. Er spannte die Finger an.
Die Kälte in seinem Inneren war verschwunden, ersetzt durch einen tiefen, beschützerischen Fokus.
Er würde diesen Nachmittag produktiv beenden. Für die BBA, für seine Zukunft... und für die kleine Familie, die im Ayame-Anwesen auf ihn wartete.
Als sich die Bürotür hinter Mr. Dickenson schloss, breitete sich eine drückende Stille im Raum aus. Kai starrte auf die Mappe mit den Plänen für die Junioren-Liga, doch seine Gedanken fühlten sich zum ersten Mal seit Tagen ein Stück strukturierter an.
Er war kein Zerstörer.
Er konnte aufbauen.
Er konnte der Vater sein, den er selbst nie gehabt hatte.
Doch genau in diesem Moment des inneren Friedens vibrierte sein Smartphone erneut auf der dunklen Tischplatte.
Es war nicht der sanfte Rhythmus von Namis Kurznachricht oder das vertraute Brummen von Grahams Nummer. Es war ein langes, ununterbrochenes Summen. Eine unbekannte, aber seltsam vertraute Zahlenfolge leuchtete auf dem Display auf.
Kai verengte die rubinroten Augen. Sein strategisches Gedächtnis filterte die Nummer innerhalb von Sekundenbruchteilen aus den tiefsten Archiven seiner Vergangenheit.
Ein eiskalter Schauer kroch seine Wirbelsäule hinauf.
Er hatte diese Nummer, diese exakte Kombination, seit fast vier Jahren nicht mehr auf seinem Bildschirm gesehen. Es war die Kanzlei von Kenshin Ozu... dem leitenden Chefjustiziar und persönlichen Anwalt der Hiwatari-Familie. Ozu war der Mann gewesen, der damals Kais endgültige Ausschlagung des Erbes und den totalen Bruch mit dem Firmenimperium seines Großvaters Voltaire abgewickelt hatte.
Wenn Ozu anrief, bedeutete das niemals etwas Gutes. Es bedeutete, dass die Toten der Familie Hiwatari keine Ruhe gaben.
Kai spannte jeden Muskel in seinem Oberkörper an, griff nach dem Gerät und drückte den Hörer an sein Ohr. Er sagte nichts. Er atmete nicht einmal hörbar. Er wartete.
„Mr. Hiwatari.“, ertönte die Stimme am anderen Ende der Leitung. Sie war gealtert, klang noch ein Stück brüchiger und geschäftsmäßiger, als Kai sie in Erinnerung hatte, verlor dabei aber nichts von ihrer juristischen Kälte.
„Ich hatte gehofft, diese Nummer niemals wieder wählen zu müssen. Aber die Umstände lassen mir keine Wahl.“
„Ozu“, raunte Kai, und seine tiefe Stimme schnitt die Luft im Raum wie ein Skalpell. Die mürrische Kälte war im Bruchteil einer Sekunde zurück auf seinen Zügen.
„Ich dachte, wir hätten vor vier Jahren eine unumstößliche Vereinbarung getroffen. Mein Name hat nichts mehr mit Ihren Klienten zu tun.“
Ein schweres, fast schon bedauerndes Seufzen des Anwalts war durch die Leitung zu hören.
„Die Vereinbarung betraf Ihren Großvater. Aber das Schicksal hat die Karten in der vergangenen Nacht neu gemischt. Ihr Großonkel Sojiro ist tot.“
Kai bewegte keine Faser seines Gesichts, doch seine Pupillen verengten sich zu Stecknadelöhren. Sojiro Hiwatari, der vor vier Jahren... nach dem totalen Kollaps... die Trümmer von Hiwatari Enterprises übernommen und das gigantische Konglomerat seither mit eiserner, aber unauffälliger Hand geleitet hatte.
„Ein schwerer Herzinfarkt in den frühen Morgenstunden“, fuhr Ozu ungerührt fort.
„Die Ärzte konnten nichts mehr tun. Das bringt uns zu dem Grund meines Anrufs. Sojiros Testament wurde vor zwei Stunden in meiner Kanzlei eröffnet. Und trotz Ihrer damaligen Ausschlagung des Gesamterbes hat Ihr Großonkel eine Klausel hinterlassen, die rechtlich absolut wasserdicht ist.“
Kai spürte, wie die Hitze in seiner Brust zu Eis gefror.
„Kommen Sie zum Punkt, Ozu.“
„Sojiro hat seine gesamten persönlichen Stimmanteile und die kommissarische Führung der gesamten Hiwatari Enterprises mit sofortiger Wirkung an Sie überschrieben, Kai. In seinem Vermächtnis steht geschrieben, dass kein anderer Blutsträger in der Lage sei, das Imperium vor dem endgültigen Ruin oder der feindlichen Übernahme durch ausländische Investoren zu schützen. Sie haben das Erbe damals als Enkel abgelehnt. Aber als testamentarisch eingesetzter Nachfolger Ihres Großonkels sind Sie ab heute der rechtmäßige Vorsitzende des Vorstands. Wenn Sie ablehnen, zerschlägt sich das Unternehmen innerhalb der nächsten siebzehn Tage selbst. Tausende Angestellte stünden auf der Straße.“
Das Hämmern in Kais Kopf kehrte mit der Wucht eines Vorschlaghammers zurück.
Da war es wieder. Das Gift seiner Familie. Das tonnenschwere Blei, das er so verzweifelt versucht hatte abzuschütteln, lag plötzlich wieder direkt auf seinen Schultern. Ausgerechnet jetzt. Ausgerechnet in der Woche, in der Nami schwanger im Bett lag und sie übermorgen das erste Mal das schlagende Herz ihres Kindes sehen wollten.
Die Vergangenheit feuerte eine letzte, tödliche Breitseite ab, um ihn zurück in die Dunkelheit zu ziehen, aus der er sich mühsam befreit hatte.
„Ich werde die Dokumente prüfen lassen“, presste Kai durch die fast völlig geschlossenen Zähne hervor. Seine Kiefermuskeln mahlten so heftig, dass es schmerzte.
„Morgen früh um acht in meiner Kanzlei, Mr. Hiwatari.“, sagte Ozu mit dieser unerträglichen, formalen Unterwürfigkeit.
„Die Presse schläft nicht. Wir müssen handeln, bevor der Aktienkurs kollabiert.“
Kai legte auf, ohne sich zu verabschieden. Er schleuderte das Handy auf den Schreibtisch, wo es mit einem harten Knall liegen blieb. Dann stützte er die Ellbogen auf die Tischplatte und vergrub das Gesicht in seinen großen Händen. Der Vorhang der unnahbaren Stärke war für diesen einen, einsamen Moment im Büro gefallen.
Seine Atmung war schwer, rasselnd vor unterdrückter Wut und einer tiefen, existenziellen Sorge. Wie sollte er Nami dieses Chaos erklären, ohne ihren ohnehin schwachen Kreislauf komplett zu zerstören?
Kai starrte auf das stumme Smartphone, das nun wie ein scharfkantiges Relikt seiner Vergangenheit auf dem Schreibtisch lag. Es war gerade einmal 14 Uhr. Der Nachmittag in der BBA hatte eigentlich kaum begonnen, die Junioren warteten auf ihre nächste taktische Besprechung und die Leistungsdaten lagen unberührt vor ihm.
Doch ihn hielt hier absolut nichts mehr. Die Luft im Büro fühlte sich plötzlich verbraucht an, viel zu eng für den Sturm, der in seinem Inneren tobte.
Mit einer abrupten, fast schon gewaltsamen Bewegung stieß er seinen Stuhl zurück, packte seine Sachen und verließ den Raum.
Er gab weder Ray noch Mr. Dickenson Bescheid. Seine Schritte hallten lautlos, aber von einer immensen, inneren Getriebenheit zeugend, durch die kühlen Gänge, bis er den Parkplatz erreichte und den Motor seines Wagens anließ.
Die Fahrt zurück zum Ayame-Anwesen verlief in einer starren, eisigen Trance. Seine Hände umklammerten das Lenkrad. In seinem Kopf bohrten sich die Ereignisse der letzten Stunde wie glühende Nadeln fest.
Auf der einen Seite Dickensons Angebot: Die administrative Führung der BBA-Elite in Japan. Ein Posten, der auf Schutz, Führung und dem Aufbau einer neuen Generation basierte. Auf der anderen Seite die eiskalte, brutale Hiobsbotschaft des Anwalts: Der Tod seines Großonkels Sojiro und die testamentarische Pflicht, Hiwatari Enterprises vor dem Untergang zu retten.
Was sollte er verdammt noch mal tun?
Ein heftiges, mürrisches Schnauben entwich seiner Brust, während er den Wagen durch den dichten Verkehr von Tokio lenkte. Er wollte dieses Erbe nicht. Er hatte diese korrupte, von Voltaire vergiftete Firma vor Jahren mit voller Absicht gegen die Wand laufen lassen und ihr den Rücken gekehrt.
Was interessierten ihn die tausenden Mitarbeiter, die nun angeblich vor dem Nichts standen? Was interessierte ihn der Aktienkurs eines Imperiums, das auf den Trümmern seiner eigenen Kindheit und dem Blut von Menschen erbaut worden war?
Es war ihm egal. Es musste ihm egal sein.
Und doch mahlten seine Kiefermuskeln gefährlich, während er die Auffahrt des Anwesens hinaufrollte.
Er konnte sich selbst belügen, so viel er wollte, aber Kai Hiwatari war ein zutiefst verantwortungsbewusster Mensch. Er floh nicht vor seinen Schlachten, und er überließ das Schicksal anderer nicht dem reinen Chaos.
Und vor allem… er wusste ganz genau, was Nami sagen würde.
Nami, die mit ihrem unerschütterlichen Herzen und ihrem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn niemals zulassen würde, dass unschuldige Menschen für die Sünden der Hiwataris büßen mussten. Sie würde ihn nicht drängen, aber sie würde ihn mit diesen klaren, ozeanfarbenen Augen ansehen und genau an die Verantwortung appellieren, die er so mühsam zu verdrängen versuchte.
Kai stellte den Motor ab, und für einen Moment herrschte absolute Stille im Wagen. Er schloss die Augen und atmete tief durch.
In zwei Tagen war der Ultraschall. Das Leben, das er mit ihr aufbauen wollte, war so greifbar nah... und nun stand er vor der schwersten Entscheidung seines Lebens, während sie schwach und ahnungslos im Haus lag. Er musste eine Maske aufsetzen.
Zumindest so lange, bis er wusste, wie er ihr diese Last zumuten konnte.
Das schwere, dunkle Holz der Eingangstür des Ayame-Anwesens fiel mit einem gedämpften, satten Klicken hinter Kai ins Schloss.
Sofort umhüllte ihn die vertraute, ehrwürdige Kühle des Hauses, die wie ein schützender Schild gegen die schwüle Hitze des späten Juninachmittags wirkte. Doch die gewohnte Ruhe des Anwesens schaffte es dieses Mal nicht, das dumpfe Hämmern in seinem Kopf zu betäuben.
Graham tauchte wie gewohnt lautlos aus dem schattigen Korridor auf. Der alte Butler trug ein frisches Leinentuch über dem Unterarm und musterte Kai aus seinen klugen, lebendigen Augen. Dass der junge Herr bereits um kurz nach zwei Uhr nach Hause kehrte, entging Grahams scharfem Verstand natürlich nicht, doch seine Miene blieb absolut professionell und gelassen.
„Willkommen zurück, Master Kai“, sagte Graham mit seiner tiefen, beruhigenden Stimme und neigte leicht das Haupt.
„Sie müssen sich keine Sorgen machen. Miss Nami hat vor kurzem ein wenig Brühe zu sich nehmen können. Danach wollte sie sich frisch machen, aber die Erschöpfung hat sie wieder eingeholt. Sie schläft seit etwa zwanzig Minuten wieder sehr ruhig.“
Kai nickte knapp, ein stummes Zeichen des Dankes. Er spannte die Schultern an und ging die breite, geschwungene Marmortreppe hinauf zum Hauptschlafzimmer.
Jeder Schritt fühlte sich schwer an, geladen mit der bitteren Nachricht des Anwalts und der Verantwortung, die wie eine unsichtbare Lawine auf ihn zurollte.
Als er die Schlafzimmertür leise öffnete und eintrat, schlug ihm sofort eine vertraute Atmosphäre entgegen. Die schweren Vorhänge waren zugezogen, sodass der Raum in ein dämmriges, sanftes Licht getaucht war. Ein Hauch von feuchtem, warmem Dampf drang noch immer schleierhaft aus der leicht offenstehenden Badezimmertür und trug den unverkennbaren, frischen Duft ihres Lieblingsduschgels mit sich... eine sanfte Note von Lilien und Vanille.
Auf dem großen Bett lag Nami. Sie hatte die Decke nur halb über ihre Beine gezogen und schlief tatsächlich tief und fest. Die Hitze des Tages und die hormonelle Umstellung hatten ihre Haut leicht schimmern lassen.
Sie trug lediglich ein dünnes, weißes Top, das sich eng an ihre Silhouette schmiegte, und einen schlichten Slip. Ihr langes, silberweißes Haar ergoss sich in wilden, welligen Strähnen über das dunkle Laken und bildete einen fast schon magischen Kontrast zu der sanften Dunkelheit des Raumes.
Kai schloss die Tür absolut lautlos hinter sich. Die mürrische, eisige Maske, die er den ganzen Weg über im Auto getragen hatte, bröckelte mit jedem Zentimeter, den er sich dem Bett näherte.
Hier, in ihrer Gegenwart, verlor das giftige Erbe der Hiwataris für einen kurzen Moment seine lähmende Macht.
Er trat an die Bettkante, spannte die Muskeln an und ließ sich langsam und behutsam neben sie auf die Matratze sinken. Das Holz des Bettes knarrte kaum spürbar unter seinem Gewicht.
Kai beugte sich ein Stück vor und betrachtete ihr schlafendes Gesicht. Sie wirkte immer noch ein wenig blass um die Nase, und die kleinen Schatten der Erschöpfung unter ihren geschlossenen Augen zeigten ihm, wie hart ihr Körper gerade arbeitete, um das winzige Wunder in ihrem Inneren zu nähren.
Er hob langsam seine große Hand. Mit einer unendlichen, fast schon ehrfürchtigen Sanftheit legte er seine Daumenkuppe an ihre warme Wange.
Er strich ihr ganz sachte eine silberne Locke aus dem Gesicht und genoss die kühle, weiche Vertrautheit ihrer Haut.
In diesem Moment, während sein Daumen über ihre Kieferlinie glitt, schwor er sich im Stillen, dass kein Erbe der Welt und keine dunkle Vergangenheit jemals das zerstören würden, was er hier in seinen Armen hielt.
Die sanfte Berührung seines Daumens und das leichte Einsinken der Matratze reichten jedoch aus, um Namis tiefen Schlaf langsam zu brechen. Ihre langen, silberweißen Wimpern flatterten ein paar Mal, ehe sie mühsam die Lider hob.
Ihre ozeanfarbenen Augen waren noch trüb und schwer von der extremen Müdigkeit, doch als sich ihr Blick scharf stellte und sie Kai direkt neben sich erkannte, verflog die anfängliche Orientierungslosigkeit.
Ein mattes, aber unendlich warmes Lächeln stahl sich auf ihre Lippen.
„Du bist also doch früher nach Hause gekommen… “
Kai bewegte seine Hand nicht von ihrer Wange. Seine Daumenkuppe strich noch einmal über die sanfte Kurve ihres Jochbeins, während seine rubinroten Augen sie mit einer Intensität fixierten, die all den Aufruhr in seinem Inneren verbarg.
„Ich habe dich einfach vermisst“, raunte er, und seine tiefe Stimme klang in der Dämmerung des Schlafzimmers noch rauer als sonst.
Es war keine Lüge.
Inmitten des drohenden Chaos war sie der einzige Pol, der ihn verankerte.
Nami seufzte leise... ein Geräusch voller Erleichterung und tiefer Geborgenheit. Sie rutschte ein Stück näher an ihn heran, streckte den Arm aus und zog ihn enger an sich, während sie ihr Gesicht an seiner Seite vergrub. Sie genoss die vertraute Wärme seines Körpers, die die Kälte der Übelkeit vertrieb.
Kai spürte die zierliche, weiche Gestalt in seinen Armen, und die Nachricht des Anwalts schlug wie eine dunkle Welle gegen seine Gedanken.
~Sojiro ist tot. Du bist der Vorsitzende~
Es lag ihm verdammt noch mal auf der Zunge, es ihr jetzt zu erklären. Er wollte keine Geheimnisse vor ihr haben, erst recht nicht, wenn es um das verhasste Hiwatari-Imperium ging. Er öffnete bereits den Mund, bereit, die bitteren Worte auszusprechen, doch als er ihren Atem auf seiner Haut spürte, hielt er inne.
Sie war so zerbrechlich in diesem ersten Trimester, so matt von dem harten Morgen im Badezimmer. Er wollte ihr diese Lawine jetzt nicht aufbürgen.
Statt zu sprechen, beugte er sich tiefer hinab und legte seine Lippen auf die ihren.
Als er sie küsste, spürte er sofort dieses vertraute, süße Prickeln, das jedes Mal sein gesamtes System flutete, wenn er sie berührte.
Es war wie ein elektrischer Strom, der die dunklen Geister Voltaires und die administrativen Sorgen der BBA mit einem Schlag hinwegfegte.
Kai schloss die Augen und vertiefte den Kuss, drängte sich ein Stück näher an sie, während seine Hand in ihr langes, welliges Haar glitt und die silbernen Strähnen zwischen seinen Fingern hielt.
Ihre Nähe tat einfach so unendlich gut. Sie war sein Frieden, sein Schutzraum vor der Welt da draußen. Für diesen einen Moment würde das Hiwatari-Erbe warten müssen.
Hier, in der stillen Kühle des Ayame-Anwesens, gab es nur sie, ihn und das winzige Leben, das unter ihrem Herzen heranwuchs.
NACHWORT
Bevor ihr in das nächste Kapitel eintaucht, möchte ich eine kleine Besonderheit bezüglich der Namensgebung erklären, die eingefleischten Beyblade Fans vielleicht aufgefallen ist:
Der Name „Sojiro“: Im originalen japanischen Beyblade-Manga/Anime ist Sojiro Hiwatari eigentlich der Name von Kais Großvater.
Warum heißt er hier anders? Da ich mich persönlich viel besser mit den Namen aus der deutschen Synchronisation und den englischen Vorlagen identifizieren kann, bleibt Kais Großvater in dieser Story wie gewohnt Voltaire. Das ist auch der Grund wieso Tyson in meiner FF nicht Takao oder Hilary nicht Hiromi genannt wird, wie es im Original der Fall ist.
Weil ich den traditionellen Namen Sojiro aber unglaublich passend für die Familiendynamik der Hiwataris finde, habe ich ihn kurzerhand für eine neue Rolle recycelt... in dieser Fanfiction ist Sojiro Kais Großonkel, der nach Kais Ablehnung des Erbes und dem daraus resultierenden drohenden Zusammenbruch des Imperiums die Fäden in der Hand hielt.
Viel Spaß, weiterhin ♡