Kapitel 14: Das Echo der Zerstörung
Kapitel 14: Das Echo der Zerstörung
Wochen waren ins Land gezogen, seit die Risse in ihrer kühlen Fassade das erste Mal sichtbar geworden waren. In dieser Zeit war das Schattenthron-Archipel im Verborgenen zu einer Festung der Superlative herangewachsen. Die dunkle, obsessive Verbindung zwischen Loki und Kara Zor-El hatte sich nicht abgeschwächt; sie hatte sich verfestigt, hatte die nackte, brennende Lust des Fleisches mit dem unerschütterlichen Fundament einer düsteren, besitzergreifenden Liebe verschmolzen. Sie waren untrennbar geworden. Kara verbrachte keine Sekunde mehr in den Tiefen des Verlieses. Die privaten Gemächer des asgardischen Prinzen waren zu ihrem gemeinsamen Thronraum geworden, und an ihrem Hals prangten noch immer, frisch und unbarmherzig erneuert, die tiefen, rot-violetten Flecken seiner Lippen – das sichtbare Siegel einer Herrschaft, die keine Götter über sich duldete.
Es war in einer jener schweren, indigoblauen Nächte, als die absolute Isolation ihres Reiches mit der Brutalität eines Donnerschlags zerschmettert wurde.
Sie lagen im gewaltigen Bett aus dunklem Holz, Karas Kopf auf Lokis nackter Brust gebettet, während seine Finger träge, aber besitzergreifend durch ihr blondes Haar glitten. Plötzlich erbebte der schwarze Obsidian unter ihnen. Es war kein gewöhnliches seismisches Beben; es war eine energetische Schockwelle, die das Fundament der Festung bis in die tiefsten Gewölbe erzittern ließ. Die smaragdgrünen Runen an den Deckenbalken flackerten wild auf, verblassten zu einem alarmierenden, grellen Rot und stießen ein hohles, kreischendes Summen aus.
Loki war im Bruchteil einer Sekunde hellwach. Seine Muskeln spannten sich an, und das grüne Feuer in seinen Augen flammte mörderisch auf. Kara richtete sich ebenso schnell auf, das weiße, intensive Glimmen ihrer kryptonischen Macht hüllte ihren athletischen Körper augenblicklich in eine schimmernde Aura des Lichts. Ihre blauen Irisen verengten sich scharf, als ihre geschärften Sinne die Erschütterung analysierten.
„Ein Abfangsignal“, zischte Loki, während er mit einer fließenden, wütenden Bewegung aus dem Bett stieg. Seine Magie wirbelte um ihn herum und kleidete ihn im Nu in seine feine, lederne Rüstung mit den goldenen Beschlägen. „Jemand hat die Schleierbarrieren durchbrochen. Es ist kein Zufall. Es ist ein koordinierter Angriff.“
„Sie haben uns gefunden“, flüsterte Kara. Ein gefährliches, wildes Lächeln stahl sich auf ihre Lippen, das perfekt mit der mörderischen Entschlossenheit in ihren Augen harmonierte. Sie griff nach ihrer dunkelgrünen Seidenrobe, zerriss sie mit einer ungeduldigen Bewegung und ließ ihre kryptonische Rüstung sich um ihren Körper manifestieren. Das rote Wappen ihres Hauses glänzte matt im Alarmlicht der Runen. Sie trat an das große Bogenfenster.
Draußen, im ehemals stillen Vakuum des Weltalls, bot sich ein Bild des Grauens. Eine Flotte von massiven, kantigen Kriegsschiffen aus dunklem Metall – Plünderer und kosmische Söldner, angeführt von den härtesten Eliten der Kree-Ausläufer – belagerte das Archipel. Riesige Plasmageschosse schlugen unaufhörlich in den planetaren Schutzschild ein, den Loki mit ihrer Technologie konstruiert hatte. Die Barriere knisterte gefährlich, Risse zogen sich durch das smaragdgrüne Energienetz.
„Sie wollen das Herz der Festung“, sagte Kara, während sie die Zähne zusammenbiss. „Sie wollen die Alchemie, die wir geschaffen haben.“
„Sie werden nichts bekommen außer ihrem eigenen Untergang“, erwiderte Loki mit einer Stimme, die so kalt war wie das Eis Jotunheims. Er streckte die Hand aus, und mit einem grünen Lichtblitz materialisierte sich sein silbernes Zepter in seinem Griff. Er trat an ihre Seite, packte sie am Hinterkopf und drückte seine Lippen in einem kurzen, unendlich besessenen und harten Kuss auf die ihren. „Lass uns ihnen zeigen, was passiert, wenn man die Schatten herausfordert, meine Königin.“
Mit einem ohrenbetäubenden Knallen durchbrach Kara das massive Bogenfenster. Die Glassplitter flogen wie Schrapnelle durch die Luft, während sie mit der unbändigen Wucht eines Meteors in den dunklen Himmel schoss. Loki folgte ihr unmittelbar; er löste sich in einen smaragdgrünen Nebel auf und manifestierte sich auf den Zinnen der höchsten Festungsmauer, das Zepter bereit, um die Mächte des Kosmos zu entfesseln.
Der Kampf, der folgte, war die erste, monumentale Demonstration ihrer gemeinsamen, unbesiegbaren Macht.
Kara flog mit einer Geschwindigkeit, die die Luft im Vakuum zu zerreißen schien, direkt auf das vorderste Flaggschiff zu. In ihren Augen sammelte sich das kochende, tiefrote Feuer ihrer Hitzevision. Mit einem gellenden Schrei entfesselte sie zwei massive Energiestrahlen, die sich durch die dicken Panzerplatten des Kree-Kreuzers bohrten wie ein heißes Messer durch Butter. Das Schiff explodierte in einer gigantischen Wolke aus Feuer und Trümmern, die die Dunkelheit des Alls taghell erleuchtete.
Doch die Söldner waren vorbereitet. Drei kleinere, wendige Abfangjäger formierten sich hinter ihr und feuerten hochenergetische Vibranium-Netze ab, die speziell dafür entwickelt worden waren, die physische Dichte von Überwesen zu blockieren. Kara wurde im Flug von den Netzen erfasst, die blauen Energieströme der Waffen begannen sofort, ihre kryptonische Kraft zu drosseln. Sie sackte ab, hielt sich mühsam in der Luft, während die Jäger ihre Plasmakanonen auf sie ausrichteten.
„Kara!“, Lokis Stimme hallte nicht physisch, sondern als mentaler Brüll in ihrem Kopf wider. Seine Besessenheit von ihr duldeten keine einzige Sekunde der Gefahr für ihr Leben.
Von den Zinnen der Festung aus stieß er sein Zepter in den Boden. Eine gewaltige Welle aus smaragdgrüner Runenmagie schoss nach oben, verzweigte sich im Himmel und manifestierte sich als gigantische, illusionäre Klone von Kara selbst. Die Jäger feuerten, doch ihre Geschosse gingen ins Leere, durchschlugen nur die Trugbilder des Gottes der Lügen. Gleichzeitig sandte Loki einen konzentrierten Strahl reiner asgardischer Energie aus der Spitze seines Zepters, der zwei der Jäger im Handumdrehen in interstellaren Staub verwandelte. Mit einer fließenden Bewegung seiner Hand löste er die Netze um Karas Körper auf, seine Magie schnitt die Vibranium-Fesseln wie Bindfäden durch.
Frei von den Fesseln schoss Kara nach oben, drehte sich im Flug um und fing den letzten abstürzenden Jäger mit bloßen Händen ab. Sie nutzte das tonnenschwere Metall als Waffe, schleuderte es mit einer rücksichtslosen, göttlichen Kraft direkt in die nächste Angriffswelle der Söldner, die auf die Festungsmauern zustürmte.
Doch während sie im Himmel die Flotte dezimierte, überstiegen die Bodentruppen der Kree die äußeren Verteidigungsringe. Eine Gruppe von schwer bewaffneten Elite-Kriegern, ausgerüstet mit asgardischen Antimagie-Klingen aus dem Schwarzmarkt des Universums, kesselte Loki auf der Hauptplattform der Festung ein. Sie erkannten den Gott der Lügen und griffen in einer perfekten, synchronisierten Formation an. Loki parierte die erste Klinge mit seinem Zepter, drehte sich elegant um die eigene Achse und stach einem Angreifer in die Brust, doch die schiere Übermacht drängte ihn zurück. Eine der Antimagie-Klingen streifte seinen Arm, schnitt durch das Leder seiner Rüstung und hinterließ eine brennende, blutende Wunde. Seine Magie flackerte für einen Herzschlag lang instabil.
Ein Kree-Kommandant hob seine schwere Energieaxt, bereit, den finalen Schlag gegen Lokis Nacken zu führen, während der Gott von zwei anderen Angreifern fixiert wurde.
„Nein!“, der Schrei, der aus Karas Kehle brach, war keine Artikulation einer Heldin – es war das pure, besessene Brüllen eines Raubtiers, dessen Gefährte bedroht wurde. Ihre tiefe, dunkle Liebe zu ihm duldete keinen einzigen Kratzer auf seiner Haut.
Sie stürzte sich aus dem Himmel herab wie ein fallender Stern. Die Wucht ihres Aufpralls auf der Hauptplattform war so gewaltig, dass der schwarze Obsidian in einem Radius von fünfzig Metern pulverisiert wurde. Die Schockwelle schleuderte die Kree-Krieger wie Puppen durch die Luft. Sie landete direkt vor Loki, schob sich schützend vor seinen verletzten Körper und fing die schwere Energieaxt des Kommandanten mit ihrer bloßen, linken Hand ab. Das Metall der Waffe zersplitterte unter dem Druck ihrer Finger in tausend Teile.
Mit der Rechten packte sie den Kommandanten am Hals, hob ihn mühelos an und sah ihm mit Augen an, in denen das rote Feuer der Hitzevision brodelte. „Du berührst ihn nicht“, flüsterte sie, und ihre Stimme war das Letzte, was der Kree hörte, bevor sie ihn mit einem konzentrierten Energiestrahl quer über die Plattform schleuderte, wo er leblos liegen blieb.
Sie drehte sich hastig um, ihre Hände wanderten an Lokis Gesicht, drückten sich besitzergreifend in seine Wangen. Ihre blauen Augen scannten den blutenden Schnitt an seinem Arm. „Du blutest“, stieß sie hervor, und in ihrer Stimme lag eine gefährliche Mischung aus Panik und grenzenloser Wut.
Loki sah sie an, und das grüne Feuer in seinen Augen spiegelte die absolute Ekstase über ihren Schutz wider. Er legte seine kühlen Hände über die ihren, drückte sie fest an seine Haut und ignorierte den Schmerz in seinem Arm vollkommen. Seine Obsession war in diesem Moment der totale Triumph: Sie hatte den Himmel verlassen, um ihn zu beschützen. Sie gehörte ihm, ganz allein, und er ihr.
„Es ist nur ein Kratzer, meine Königin“, raunte er, und ein mörderisches, glückliches Lächeln erschien auf seinen Lippen. Er hob sein Zepter wieder an. „Lass uns diese Plage beenden. Gemeinsam.“
Sie stellten sich Rücken an Rücken in die Mitte der zerstörten Plattform. Um sie herum formierten sich die letzten Überreste der Söldnerflotte zu einem verzweifelten, finalen Großangriff. Die verbliebenen Kriegsschiffe richteten all ihre schweren Kanonen auf die Plattform, während die Bodentruppen im Kreis auf sie zustürmten.
Es war das erste Mal, dass sie ihre Kräfte vollkommen miteinander synchronisierten. Kara hob die Hände nach oben und begann, die verbliebenen Datenkristalle Kryptons, die noch in der Luft schwebten, mit ihrer biologischen Energie aufzuladen, bis sie in einem blendenden, weißen Licht erstrahlten. Loki schlang seine Magie um dieses Licht, wob die smaragdgrünen Ströme seiner asgardischen Runen in die kryptonischen Frequenzen ein, bis eine gigantische, unheilvolle Kugel aus reiner Alchemie über ihnen schwebte.
„Jetzt!“, riefen sie synchron.
Mit einer gemeinsamen Bewegung ihrer Arme entfesselten sie die Energie. Eine gewaltige, weiß-grüne Schockwelle explodierte aus dem Zentrum der Plattform und raste unaufhaltsam über das gesamte Archipel hinweg. Die Schockwelle ignorierte die physische Materie der Festung, suchte sich jedoch mit einer mathematischen, tödlichen Präzision die Lebenszeichen und die Triebwerke der Angreifer.
In einem einzigen, blendenden Moment der totalen Zerstörung wurden die verbliebenen Kree-Schiffe im Himmel zerrissen; ihre Hüllen implodierten im Vakuum, während die Bodentruppen auf den Mauern zu Staub zerfielen. Das Echo der Zerstörung hallte monumental durch das Universum, bis wieder die vertraute, schwere Stille über das Schattenthron-Archipel sank.
Der Angriff war vorbei. Die Festung stand noch, gezeichnet von den Brandspuren des Kampfes, aber unbesiegt.
Kara und Loki standen noch immer Rücken an Rücken, ihr Atem ging stoßweise, heiß und schwer in der kalten Luft. Das weiße Licht auf ihrer Haut verblasste langsam, und die smaragdgrünen Funken seiner Magie zogen sich in sein Zepter zurück. Loki wandte sich um, packte sie ohne ein weiteres Wort an den Hüften und zog sie so heftig an sich, dass ihre Rüstungen metallisch aufeinanderprallten. Er vergrub sein Gesicht in ihrem Hals, atmete den Duft ihres Haares und der verbrannten Energie tief ein, während seine Lippen fordernd über die roten Flecken an ihrer Halsschlagader strichen.
„Du hast mich beschützt“, flüsterte er, und seine Stimme war vollkommen rau von der Intensität seiner Besessenheit. „Du hast den Himmel verlassen für mich.“
Kara schlang ihre Arme um seinen Nacken, krallte die Finger in sein schwarzes Haar und presste sich so eng an ihn, als gäbe es keine Schwerkraft mehr im Kosmos. Ihre unaufhaltsame Liebe zu ihm hatte in diesem Blutbad ihre absolute Taufe erhalten. „Ich werde das gesamte Universum vernichten, Loki, bevor ich zulasse, dass dich mir jemand wegnimmt.“
Sie standen inmitten der Ruinen ihrer Plattform, umgeben vom Staub ihrer Feinde, unbesiegbar, besessen und unsterblich miteinander verbunden im finsteren Licht ihrer gemeinsamen Ewigkeit.